Ein Klassikerforumswettbewerb für 2019

  • Ich habe gestern mit Flauberts Reisetagebuch aus Ägypten angefangen. Das Tagebuch beginnt im Oktober 1949 mit Flauberts Abreise aus Croisset, wo er damals mit seiner Mutter wohnte. Die Reise geht über Paris und Marseille Richtung Alexandria und dann weiter südwärts. Flaubert wurde begleitet von seinem engen Freund Maxime du Camp, den er häufig erwähnt. Auch sonst hat er unterwegs wohl eine Menge Bekannte getroffen; das Buch wimmelt von Namen und Bezeichnungen, die mir überhaupt nichts sagen, und leider gibt es in meiner Ausgabe keine erklärenden Fußnoten.

    Flauberts Beobachtungsgabe ist außerordentlich, immer wieder notiert er winzige, sehr sprechende Kleinigkeiten - Gesten, Satzfetzen, Wetterphänomene u.a., die ihm aufgefallen sind, und zwar oft nur stichwortartig. Ein gewisser Hang zur Schweinigelei, der (soweit mir bekannt) auch in seinen Privatbriefen öfter mal durchklang, ist auch aus dem Tagebuch ersichtlich. Wo von Geschlechtsteilen bzw. deren Gebrauch die Rede ist, stehen im Tagebuch drei Pünktchen - ich habe keine Ahnung, ob er die selbst so gesetzt hat oder sein Übersetzer, vielleicht finde ich es noch heraus. Hin und wieder beschäftigt er sich eingehend mit dem Thema ...

    Edit, eben sehe ich, dass das Namens- und Wortregister am Ende des Buches zugleich auch ein Glossar ist, Gott sei Dank.. "Die Ezbekiji" zum Beispiel ist eine Parkanlage in Kairo, ein "Sais" ist ein Fremdenführer. Jetzt erschließt sich manches. Meine Ausgabe ist eine Buchgemeinschaftsausgabe aus einer "Bibliothek klassischer Reiseberichte", übersetzt von E.W.Fischer mit einem Nachwort von Wolfgang Koeppen. Im Text eingestreut sind einige Illustrationen, Wiedergaben alter Zeichnungen von ägyptischen Landschaften.

  • Dann würde ich mich auch mal mit einer Liste anmelden, die ich im Laufe des Jahres noch lesen möchte.


    Fünf Klassiker aus fünf Ländern


    Christine Lavant, Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus

    Erich Maria Remarque, Der schwarze Obelisk

    John Fowles, Des Sammler

    Cesare Pavese, Die einsamen Frauen

    Blaise Cendrars, Moloch. Das Leben des Moravagine

  • Schön, dass du dabei bist, DerFuchs . Deine Bücher sind interessant. Der Remarque würde mich auch interessieren und bei Lavant handelt es sich wohl um eine Anspielung auf Dostojevskijs "Aufzeichnungen aus einem Totenhaus". Ich bin gespannt auf deine Leseeindrücke und wünsche dir viel Erfolg.
    Poste deine Buchauswahl bitte noch im Listenthread.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Zefira , du bist ja schon sehr weit mit deiner Liste. Respekt und vielen Dank für deine interessanten und ausführlichen Kommentare! Bitte gib Bescheid, wenn du mit dem Moby DIck anfangen willst. Da würde ich, wie oben bemerkt, gerne mitlesen.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ah, gut dass Du mch daran erinnerst, finsbury .
    Wenn Du möchtest, können wir Anfang nächster Woche starten oder auch schon am Wochenende, oder geht dir das jetzt zu schnell?. Ich verreise Ende Mai und wäre gern vorher damit durch, auf die Reise kann ich den dicken Brocken nicht mitnehmen.
    Welche Übersetzung hast du? Ich habe lange zwischen zwei neueren Übersetzungen geschwankt und mich dann für die von Rathjen entschieden, nicht zuletzt wegen der schönen Holzschnitte.

    Ich lese im Moment immens viel wegen meiner beiden OPs an den Füßen; die erste war im November, die zweite jetzt vor drei Wochen, und ich darf nur wenig herumlaufen - eigentlich liege ich fast nur auf dem Sofa. Neben unseren schönen Klassikern hier ziehe ich mir zwischendurch geliehene Krimis in endloser Reihe rein. <X

  • Uups, Zefira , das geht jetzt aber sehr schnell. Im Gegensatz zu dir - gute Besserung übrigens, Fuß-OPs sind ja nicht gerade ein FIngerschlecken - bin ich gerade wieder mal in einer Hochkampfzeit meines Jobs und habe auch am Wochenende gut zu tun. Außerdem läuft noch die letzte Powell-Runde im Mutterforum. Zusätzlich habe ich mir gerade als Anschlusslektüre Goethes "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten" von meiner Liste vorgenommen. Können wir die Lektüre vielleicht auf die Zeit nach deiner Reise verlegen? Oder möchtest du deine Liste vor der Jahreshälfte erledigt haben? Wenn du so gerne früh starten willst, muss ich halt umdisponieren und ein paar Sachen abmelden, aber das geht. Wichtig ist mir, den Schinken gemeinsam zu lesen, das hält einen bei der Lektüre, allerdings nur, wenn du nicht auf deinem Sofa allzu schnell über die sieben Weltmeere preschst :wegrenn:-

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Vielleicht vertagen wir die Lektüre dann eher auf den Spätsommer, denn ich bin im Juni und dann im Juli jeweils auch eine Weile weg, ohne viel Zeit zum Lesen und auch mit beschränktem Gepäck.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Die Lektüre von Lavants Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus ist abgeschlossen, hier meine Eindrücke:


    Lavant Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus

  • So, ich bin mit Lord Jim durch.
    Das letzte Drittel hat mich nicht mehr so richtig fesseln können - obwohl es noch einige sehr sprechende Szenen gibt, zum Beispiel im 37. Kapitel die Szene, als Jewel bei Stein auftaucht.
    Bei Wiki steht zu lesen, dass J.C. durch seine Erzähltechnik, alles Geschehen durch unterschiedliche "Erzählfilter" laufen zu lassen - Berichte aus zweiter und dritter Hand - bewusst Verwirrung beim Leser erzeugt. Ich erkenne das Muster an, finde es auch durchaus faszinierend, aber im letzten Drittel fühlte ich mich zunehmend angestrengt. Auf jeden Fall wird es, wie bei mir üblich, in zwei bis drei Jahren eine Zweitlektüre geben.

  • Firiath , hast du inzwischen "Das grüne Gesicht" gelesen? Sonst wäre es vielleicht etwas für eine Leeserunde im Herbst-/Winterhalbjahr. Auch "Eine Meerfahrt" von Eichendorff wartet bei mir noch auf die Lektüre. Ich bin nächste Woche weg, und im Oktober lese ich mit Zefira den "Moby Dick", aber ansonsten hätte ich Zeit.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)