Beiträge von Zefira

    Krylow, vielen Dank für deinen Beitrag, deine Reisemetapher finde ich sehr passend.

    Ja, ich denke auch an etwa einen Einkauf - man macht sich einen Einkaufszettel, stellt den Menüplan für die nächsten drei Tage auf, und dann geht man auf den Markt und kommt zurück mit Auberginen statt Tomaten und Kirschen statt Pflaumen, hat sich mit Freunden verquatscht und war am Ende noch im Antiquitätenladen, statt wie eigentlich geplant direkt wieder heim ... :P

    Nein, es ging schon um diesen bestimmten, der die Äußere Mongolei besetzt hat. Als ich den Wiki-Artikel aufrief, erinnerte ich mich sofort an das Porträtfoto, das ihm beigegeben ist. Ich vermute, ich habe bei Doderer darüber gelesen, wahrscheinlich in den "Wasserfällen von Slunj". Dieser Ungern-Sternberg war so eine Art Warlord, der seine vermeintlichen Gegner mit äußerster Grausamkeit verfolgte. Wiki-Artikel siehe hier .

    Ich habe "Ein Traum in Rot" von Alexander Lernet-Holenia durch und empfehle das Buch allen Lesern, die Leo Perutz mögen. Sehr ähnlich in Anlage, Plot und Tonfall. Spannend, gepflegter Stil und schön rätselhaft. Ich habe richtig Lust bekommen, noch mehr von diesem Autor zu lesen. Werde mal gucken, beim nächsten Antiquariatsbesuch.

    Vielleicht kann mir jemand helfen bei folgender Frage.
    Ich lese - habe ich wohl schon erwähnt - einige bisher zuwenig beachtete Schätzchen meiner Phantastik-Sammlung. Eines davon ist dieses Buch aus der Phantastischen Bibliothek DuMont. Ein sehr hübsch aufgemachtes Bändchen wie alle zwölf Bücher dieser Serie.
    Alexander Lernet-Holenia: "Ein Traum in Rot".


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    Der Roman handelt von der verarmten Adelsfamilie Chlodowski und spielt in Galizien, zeitlich irgendwann zwischen den beiden Weltkriegen. Es gibt in dem Buch eine sehr lange Binnenerzählung, in der der Baron Roman von Ungern-Sternberg eine wichtige Rolle spielt. Dieser Ungern-Sternberg war während des Kriegs in Russland Angehöriger der Weißen Armee und besetzte die Äußere Mongolei. Er bekam einen Khantitel verliehen und hielt sich vermutlich für den großen Zampano, jedenfalls muss er mit seinen Gegnern und allen, die er dafür hielt, auf unvorstellbar grausame Weise umgesprungen sein.


    Ich habe den Namen bei Wiki nachgeschlagen und bin sicher, das ich das im Zusammenhang mit einem anderen Buch, in dem der Name Ungern-Sternberg auftauchte, vor kurzem schon mal getan habe. Könnte es sein, dass Doderer ihn erwähnt, in den "Wasserfällen" zum Beispiel? Das hatte ich vor ein paar Wochen. Kann sich einer der Doderer-Kenner hier erinnern?

    sandhofer : Danke fürs Einfügen des Links! Die Ausgabe von DuMont, die ich habe, sieht etwas anders aus.

    Ich habe beim Aufräumen ein Buch gefunden, das meine Mutter laut Vorsatzblatt 1941 erworben hat: "Der Femhof" von Josefa Berens-Totenohl (den zweiten Nachnamen hat sie sich selbst gegeben). Auf dem Buchdeckel ein Hakenkreuz - laut Wiki eine stramme Naziautorin. Ich habe aus Neugier drei Kapitel gelesen ... naja, es lädt nicht zum Weiterlesen ein. Spielt im dreiizehnten Jahrhundert im Sauerland, könnte inhaltlich von Ganghofer sein (wenn es in Bayern spielte), aber der verstand sich weit besser auf dramatische Höhepunkte. Ich denke, ich gebe das Ding der blauen Tonne anheim.

    Mir war, als ich die Liste aufstellte, schon von vornherein klar, dass ich nicht alles schaffe. Immerhin waren mit Gormenghast und dem Asturias zwei Trilogien von erheblichem Umfang dabei. Und ich bin in immer mehr Leserunden mit Neuerscheinungen, die ich nicht missen möchte. Die Leseliste ist für mich mehr eine Art Gedächtnisstütze, was in der nächsten Zeit anstehen soll. Wenn ich mich da allein aufs Lustlesen verlasse, greife ich immer nach dem nächsten Buch mit witzigem Einband und spannendem Klappentext, während die Klötze wie jetzt eben "Anna Karenina" immer wieder nach hinten weiterrutschen. Insofern ist die Liste ganz nützlich.

    Da ich vor kurzem Regalplatz dazugewonnen habe (und demnächst noch mehr bekomme, juhu!), sichte ich gerade den Bestand und mache in Gedanken schon Notizen für die nächste Liste ... Es kommt allerhand zum Vorschein, wovon ich gar nichts wusste, zum Beispiel zwei Bücher von Peter Motram, die seit mindestens 20 Jahren ungelesen da herumstehen.

    Ich finde es faszinierend, wie Tolstoj mit wenigen Worten einen Seelenzustand überzeugend schildern kann. Beispiel: Anna ist Wronski auf einem Ball begegnet und genießt die Aufmerksamkeit, die er ihr entgegenbringt. Als sich die beiden im Zug wieder treffen, erklärt er sogar, er wolle überall sein, wo sie sei. Anna hat noch nicht realisiert, dass sie ihn wiederliebt (oder es sich noch nicht gestattet, da sie verheiratet ist), fühlt sich aber allgemein glücklich und bedeutend. Als Karenin, ihr Mann, sie vom Zug abholt, fallen ihr als erstes seine großen, abstehenden Ohren auf. Sie sollte ihn ja kennen, schließlich ist sie mit ihm verheiratet, aber im weiteren Lauf des Tages - das Familienleben ist angenehm, er behandelt sie sehr aufmerksam - kommt ihr wieder der Gedanke "wie kommt er bloß zu diesen Ohren"? Dieses Detail finde ich unglaublich sprechend, es sagt so viel über die Beziehung der beiden, bzw. über ihren Seelenzustand, nachdem sie Wronski begegnet ist.

    Mit Huck kam ich leider nicht weit, da mir etliche Leserunden dazwischenkamen und außerdem eine Urlaubsreise, bei der ich das großformatige Buch nicht mitnehmen wollte. Dafür habe ich nun endlich Anna Karenina (Reread) wieder begonnen, das kann neben meiner aktuellen Leserunde mit Shuggie Bain neebnher laufen.
    Kürzlich habe ich mal wieder in Tolstojs Novelle "Die Kreutzersonate" geschaut und finde gleich am Anfang von Anna Karenina die dort angesprochenen Themen wieder: Der in vollem Saft stehende Ehemann meint, ein Recht auf außereheliche Freuden zu haben, da seine Frau mit 33 Jahren nach sieben (!) Schwangerschaften - fünf Kinder haben überlebt - nicht mehr attraktiv genug und obendrein von Familiensorgen bedrückt ist.
    Anna ist noch gar nicht aufgetaucht (ich stehe noch am Anfang), dafür aber Lewin und seine Kitty.

    Ich habe im Urlaub endlich Stanislaw Lem gelesen. Zuerst Solaris und dann die Sterntagebücher. Mein Verdacht, dass Solaris schlecht übersetzt wurde, hat sich inzwischen bestätigt. Ich habe eine antiquarisch gekaufte Ausgabe, die von Suhrkamp scheint besser zu sein. Die Sterntagebücher (die habe ich von Suhrkamp) sind dagegen sehr gut übersetzt, Bei Lem ist das oft gar nicht so einfach, da er für seine Schilderungen fremder Welten oft die passenden Worte einfach erfindet.
    Solaris ist wunderbar, selbst in der zweitklassigen Übersetzung eine Lesefreude.

    Korrektur: die Suhrkamp-Übersetzung ist mit der, die ich habe, anscheinend identisch. Was ich anscheinend bräuchte, wäre die Übersetzung von Kurt Kelm. Vielleicht kann ich sie irgendwann antiquarisch bekommen.

    MariaElisabeth : willkommen im Klassikerforum - ich sehe, das ist Dein erster Beitrag? Ich war selbst eine Weile nicht hier wegen Urlaub.
    Ich habe übrigens auch einen Kobo. Schon über sieben Jahre alt, und er hat ein paar Macken, vor allem geht die Suchfunktion nicht mehr. Im Juli habe ich mir ein neues Pocketbook gekauft, benutze den Kobo aber immer noch. Ich habe hauptsächlich Klassiker drauf, da ich nicht gerne Ebooks kaufe, und nutze die Onleihe.

    Noch ein Undset-Roman, diesmal in einer (ausgezeichneten!) Neuübersetzung: "Viga-Ljot und Vigdis".


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    Was für ein Buch! Mir ist zumindest in diesem Jahr noch kein Buch begegnet, in dem mit derart sparsamen Mitteln (gerade mal 190 Seiten!) eine derartige erzählerische Wucht entfaltet wird. Ich habe es in alle Richtungen empfohlen, und jetzt auch hier. Großartige Lektüre!

    Manchmal hat man Glück. Ich war wieder mal am Offenen Schrank und sah im oberen Fach ein ziemlich abgegriffenes dünnes Buch stehen, das gar nicht verlockend aussah, der Titel auf dem Rücken war unleserlich verblasst. Ich habe es herausgezupft und die erste Seite aufgeschlagen - und siehe da, es war ein Roman von Sigrid Undset, die ich sehr schätze, "Frau Hjelde". Was für ein toller Fund!

    In gewisser Weise ist es ein Emanzipationsroman, mit einer ähnlichen Ausgangssituation wie "Der Rangierbahnhof" von Helene Böhlau. Die Heldin ist Künstlerin (bei Böhlau Malerin, bei Undset Schauspielerin) und kann ihren Ehrgeiz in der Ehe nicht befriedigen. Böhlaus Heldin Olly reibt sich zwischen ihren Pflichten völlig auf und ruiniert damit ihre Gesundheit. Frau Hjelde gibt die Schauspielerei auf, nachdem ihr ein Kind gestorben ist - um sich ihren anderen Kindern uneingeschränkt zu widmen.

    Undset ist Böhlau zweifellos überlegen; sie geht ihr Thema wesentlich vielschichtiger an. Aber am Ende ist natürlich die Familie, die Mutterschaft wichtiger als alles andere. Interessant ist - ich bewundere das bei Undset immer wieder - die erotische Anspruchshaltung ihrer Frauen. Undsets Heldinnen sind insoweit selbstbewusste Frauen, die ihre Bedürfnisse zum Ausdruck bringen.

    Mein Projekt, die Phantastik-Sammlung mit Geduld aus dem SuB zu befreien, hat wieder einen kleinen Fortschritt. Gelesen habe ich (nach Wakefield) einen Band Gespenstergeschichten von Edith Wharton.

    Es ist kurios, Wharton schreibt zwar weit "literarischer" und stilistisch in jeder Hinsicht erfreulicher als Wakefield, aber in Sachen Gruseln ist ihr Wakefield überlegen. Natürlich gelingen Wharton ein paar Kabinettstückchen und sie kann Stimmungen und Schauplätze ausgezeichnet beschreiben, aber es ist jedenfalls ein Buch, das ich gut im Bett vor dem Einschlafen lesen konnte - bei Wakefield entfiel danach erstmal das Einschlafen ... =O


    Edit, der Link klappt nicht, es ist "Gespenstergeschichten" aus der Phantastischen Bibliothek Suhrkamp.


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    Ich habe heute morgen noch einen Probelauf gemacht und wohl einige Fragen anders beantwortet - die Fragen sind ja zumindest teilweise reiner Quatsch - und diesmal kam Knausgård raus.

    Getreu meinem Vorsatz, mir die Bibliotheksleichen meiner Phantastik-Sammlung nacheinander vorzunehmen, habe ich nach "Golem100" von Alfred Bester nun eine Gespenstergeschichten-Sammlung von H.R.Wakefield gelesen. Es ist schon recht lustig, dass der Suhrkamp Verlag diese in seiner lila abgetönten Phantastik-Sammlung hat erscheinen lassen und sich im Nachwort für die angeblich mäßige Qualität entschuldigt ... Der Kritiker der Phantastik-Couch spricht in der Rezension hier von "angenehm altmodischen, nostalgischem Grusel". Ich hatte das Buch als Einschlaflektüre neben dem Bett liegen und muss sagen, das war nicht die beste Wahl, ich habe mich mehrmals sehr heftig gegruselt.

    Der nächste Kandidat in meiner Suhrkamp-Phantastika-Liste ist nun eine Geschichtensammlung von Edith Wharton.