Beiträge von Zefira

    Ja, das habe ich mir auch gedacht. Vor allem das Ende der Geschichte, mit dem in der Puppe versteckten Brief, klingt reichlich überspannt.

    Ein weiteres Kafka-Kuriosum ist die Geschichte der "Puppenbriefe".

    Danach soll Kafka etwa ein Jahr vor seinem Tod in Berlin einem Mädchen begegnet sein, das seine Lieblingspuppe verloren hatte. Um das Kind zu trösten, behauptete Kafka, die Puppe habe verreisen müssen und werde dem Mädchen schreiben. Fortan schrieb Kafka selbst für das Mädchen eine Anzahl Briefe, die angeblich von der Puppe stammten und von der Reise berichteten.

    Die Briefe sind niemals aufgetaucht. Dora Diamant soll die Geschichte nach Kafkas Tod irgendjemandem erzählt haben - nichts Genaues weiß man nicht. Siehe hier bei Mimikama , wo auch eine sehr niedliche Illustration zu der Geschichte zu sehen ist.

    Och, der Cospudener See ist doch richtig schön. Wir laufen da jedes Mal, wenn wir dort sind. Im Sommer fahren wir mit dem Wohnmobil hin und wohnen auf dem Campingplatz Auensee, auch ein sehr schöner naturnaher Winkel, wo man abends stundenlang dem vielfältigen Vogelgesang zuhören kann.

    Ich meine mich übrigens zu erinnern, dass es in der Fußgängerzone mal drei Buchantiquariate nebeneinander gab, aber vielleicht täuscht mich die Erinnerung - zwei nebeneinander liegende gibt es auf jeden Fall, und zwar richtig große. Ich gehe jedes Mal rein, wenn ich vorbeikomme.

    Nicht zu vergessen die schöne Cafészene.

    Und ja, die Freundlichkeit der Menschen fällt auf.

    Meine Töchter sind beide Wahl-Leipzigerinnen, nachdem sie in mehreren hessischen Städten gewohnt haben. Sie finden die Stadt toll. Ich hatte bei meinen Besuchen auch immer einen sehr guten Eindruck. Ans Umziehen denke ich nicht mehr (schon gar nicht in eine Großstadt), aber ich verstehe ihre Begeisterung für diese Stadt. Das Einkaufsangebot ist z.B. sehr viel besser als hier, wo es in den Fußgängerzonen eigentlich nur noch Kettenläden gibt (das regt mich schon lange auf, aber angeblich sind wir ja selbst schuld, weil wir zu viel online einkaufen ... seis drum).


    Was das Thema Hässlichkeit betrifft: Es gibt tatsächlich einige grottenhässliche Straßenzüge in Leipzig. Als vor ein paar Jahren (ich glaube, 2017) meine Jüngere nach Leipzig umzog, sagte mir eine Wohnungsmaklerin, binnen "der nächsten sechs Monate" würde von den alten Häusern alles renoviert, was sich noch lohne, und der Rest würde dann halt verfallen. Tatsächlich gibt es eine Menge leerstehende Häuser, an denen offenbar niemand was macht, so dass ganze Häuserblocks wie Ruinen aussehen.

    Kennt jemand "Tagebuch eines alten Känguruhs" von Miguel Delibes?

    Habe ich, wie so vieles, aus einem Offenen Regal gezogen und wegen des ulkigen Titels und der schönen Aufmachung mitgenommen."Mit sechzig noch so jung, unausgelastet trotz Ehefrau und Geliebter: Auch die fette Abfindung kann Lorenzo die Arbeit nicht ersetzten - er wird Känguruh" heißt es auf dem Buchdeckel.

    Jetzt sehe ich, dass Lorenzo, das "alte Künguruh", offenbar eine ganze Buchreihe von Delibes bestreitet. Siehe die hier zitierte Rezension.

    Interessant auch, dass das hübsche, aber sehr schmale Büchlein mal 29,80 DM gekostet hat ...

    Gestern fand ich - bei einem Besuch in Leipzig - in einem Offenen Regal einen Cronin, den ich noch nicht kannte: "Die Dame mit den Nelken". Habe heute auf der Rückfahrt die erste Hälfte gelesen.

    Es scheint mir ein wenig so, als hätte Cronin zwei Sorten von Romanen geschrieben ... Ich kenne von ihm die bereits erwähnten "Die Zitadelle", "Lucy Moore", "Die Sterne blicken herab" - Erzählungen mit Atmosphäre, genau beobachteten Charakterschilderungen (gerade die Genauigkeit und der Blick für Einzelheiten haben es mir angetan), durchaus auch Sozialkritik. Daneben gibt es aber noch die zweite Sorte - Liebesgeschichten mit teils reißerischen Elementen, herbeigezwungene Happy-ends, ärgerliche Plattheiten vor allem in seinen Darstellungen von Frauen. Lucy Moore scheint da eine große Ausnahme zu sein.

    Zu dieser zweiten Sorte gehört leider auch "Die Dame mit den Nelken". Ich wusste schon nach dem ersten Drittel, wie es ausgehen wird. Die Erzählung hat weder Geheimnis noch Atmosphäre. Ich glaube, ich schicke das Buch direkt wieder ins Offene Regal zurück. Schade, ich hatte mich so darüber gefreut, aber vielleicht haben andere Leser mehr Spaß.

    Ich habe auch "Ein Professor aus Heidelberg" und "Dr- Murray" angelesen und gleich weggegeben. Gerne hätte ich mal wieder einen richtig guten Cronin, mag mir aber keine mehr bestellen, weil anscheinend jeder zweite ein Reinfall ist.

    "Unterm Birnbaum" von Ulli Edel war insgesamt eine Enttäuschung, obwohl man Haus und Umgebung mit sehr viel Gespür ausgewählt hat und an den Schauspielern (Fritz Karl, Julia Koschitz, Devid Striesow, Katharina Thalbach) nichts auszusetzen war. Das Motiv der eingemauerten Leiche, die einfach keine Ruhe gibt, und die dramatisch murmelnde Alte ("Es kommt doch ans Licht der Sonnen" etc.) - das funktioniert in einem zeitgenössischen Umfeld nicht richtig. Ich werde mir den Film noch ein zweites Mal ansehen, sobald ich die Novelle gelesen habe - um genau zu vergleichen, was umgesetzt wurde und was nicht.

    Es ist zwar kein Klassiker, aber es gibt hier ja kein Plauderforum (warum eigentlich nicht?) - ich habe eben (jawohl, erst eben und nie zuvor!) den Film "Die Vermessung der Welt" gesehen.

    Ich kann mich erinnern, dass mir vor Jahren - ich glaube, 2015 - einmal ein Bekannter gesagt hat, wenn ich irgendwas über Humboldt erfahren wolle, dann solle ich um Himmelswillen das Buch und den Film meiden und statt dessen Humboldts eigene Schriften lesen. Kehlmanns Buch kenne ich immer noch nicht, obwohl es hier steht, aber was den Film betrifft, hatte mein Bekannter möglicherweise recht. Wenn der Film den Zweck haben sollte, beim Zuschauer Interesse an Leben und Werk Humboldts (und Gauß') zu wecken, dann hat er diesen Zweck m.E. gründlich verfehlt. Es gab schöne Bilder und man konnte ein paarmal feixen, aber im großen und ganzen war fand ich's reichlich platt. Eine große Enttäuschung.


    Ich werde das Buch trotzdem noch lesen. Sobald ich den Stapel für die nächsten Wochen abgearbeitet habe.


    Meiner Tochter, die sich brennend für Humboldt interessiert, werde ich jedenfalls lieber davon abraten, den Film zu gucken ...

    Das wird doch nicht die sein, die ich vor zig Jahren mal verkauft habe ;-)?

    Wohl kaum. Es sind fünf klitzekleine Bücher (kaum größer als Notizblöckchen) von Langen Müller in rotem Einband. Keine Ahnung, wo ich sie gekauft habe.
    Ich finde es sehr schwer, zu Meyrink Position zu beziehen. Einige seiner Geschichten finde ich derart faszinierend, dass ich sie immer wieder von neuem lese und darüber nachdenke, zum Beispiel "Die Pflanzen des Dr. Cinderella", anderes ist nach heutigen Maßstäben kitschig oder schwülstig. Vorhin habe ich übrigens ein wenig über Meyrink gesurft und auf Youtube eine polnische Verfilmung des "Golem" gefunden, sogar mit englischen Untertiteln. Das werde ich mir in den nächsten Tagen mal ansehen.

    Der Golem war mein Lieblingsbuch, als ich so 16 bis 18 war - damals habe ich mich auch sehr für Tarotkarten interessiert und mir einige Kartendecks gekauft, es gibt ja ganz unterschiedliche Interpretationen.

    Ansonsten habe ich von Meyrink nur einige Erzählungen gelesen. In der Sammlung "Des deutschen Spießers Wunderhorn" gibt es faszinierende Geschichten von gruselig bis urkomisch.
    "Walpurgisnacht" habe ich auch noch hier liegen - und den "Weißen Dominikaner", alles noch ungelesen. (Ich habe mir vor zig Jahren mal antiquarisch eine fünfbändige Meyrink-Sammlung an Land gezogen.)

    Ich bin ziemlich sicher, dass ich den Bulwer-Lytton auch habe, ich habe eine kleine geerbte Sci-Fi-Sammlung im Keller, bei der es dabei sein müsste.

    Wenn ich mich durchringen könnte, all die Bücher zu lesen, die bei mir herumstehen, bräuchte ich wahrscheinlich nie mehr eines zu kaufen. OT: Meine Tochter hat zu Weihnachten u.a. ein Buch über Tolkien als Maler bekommen. In dem Buch waren einige Abbildungen von Zeitungsseiten - bedrucktes Zeitungspapier - das Tolkien um die Spalten herum und dazwischen mit schönen bunten Zeichnungen geziert hat, in der Art dieser heutigen sog. Zentangles.

    Das hat mich auf die Idee gebracht, ob ich nicht mal eines dieser dicken in Fraktur gedruckten Bücher, die sinnlos auf dem Speicher stehen und auch keinen Sammlerwert haben, als privates Notizbuch benutzen soll, für Notizen und Zeichnungen. Vielleicht kommt etwas heraus, was man ein paar Jahre später gern nochmal in die Hand nimmt. Einstweilen hält mich noch eine Art irrationale Scheu ab, nach dem Motto "in einem Buch rumschmieren geht gar nicht", obwohl der einzige andere gangbare Weg vermutlich die Tonne wäre.

    Ich habe aus einem Offenen Regal "Der Sommer ohne Männer" von Siri Hustvedt mitgenommen. Kennt das vielleicht jemand? Der Titel und die Aufmachung des Buches verweisen auf eine Sparte, die ich normalerweise nie lese - ich habe nur wegen des Namens Hustvedt zugegriffen. Habe noch nie etwas von ihr gelesen, aber viel Lob gehört.

    JHNewman : Danke, da werde ich mal reinhören. Der Plot ist sehr kompliziert und ich bin gespannt, wie das im Hörspiel gelöst wurde.

    Ich kann mich an eine mehrteilige Verfilmung erinnern, in der die Prämisse des Romans - ein mehrere Jahre zurückliegender Mord - mit Hilfe eines Puppenhauses nachgestellt wurde, um das Verständnis zu erleichtern.

    Ich habe vor, im nächsten Jahr den Stechlin zu lesen, kennst Du den schon? Wenn nicht, könnten wir das evtl.zusammen in Angriff nehmen ...
    Allerdings werde ich frühestens Ende März oder April starten ...

    (Ich habe übrigens gestern abend "Unterm Birnbaum" angelesen, weil Herr Zefira für mich die Verfilmung - wenn man das Verfilmung nennen kann; ich glaube, das Geschehen ist in die Gegenwart transformiert - aufgezeichnet hat. Ich bin aber in eine Leserunde eingespannt und habe zudem Hausbesuch, deshalb habe ich Filmgucken und Buchlesen in den Januar verschoben.)

    Habt einen guten Rutsch in die Roaring Twenties! :saint:

    Nicht über von Humboldt, sondern: eines von von Humboldt und eines über und von von Humboldt.


    @ sandhofer: Ich habe das erste verschenkt, das Du gezeigt hast, und "Ansichten der Natur" aus dem Nikol-Verlag. Es hat den gleichen Titel.


    Kaufen* bei

    Amazon
    Booklooker
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    ps. Endlich hab ich kapiert, wie man so einen schlauen Buchlink einfügt. Dann werde ich das in Zukunft gleich machen. :)

    Ein Bildband mit originalen Abbildungen und Tagebuchauszügen (so die Beschreibung bei Amazon):
    Alexander von Humboldt: Reise nach Südamerika. Jubiläumsausgabe zum Humboldt-Jahr 2019.

    ... und : Ansichten der Natur von Alexander von Humboldt.


    Meine Angabe "Bücher über von Humboldt" war daher nicht ganz korrekt - das eine ist von ihm selbst, das andere im wesentlichen auch.

    Die Bücher waren für meine ältere Tochter bestimmt. Ich selbst habe vor Jahren, als ich meine erste Reise nach Bolivien und Peru plante, die Tagebücher zum Teil gelesen; entliehen von einem damaligen Kollegen meines Mannes. Dieser Kollege sagte zu mir, über v.H. sei so viel Unsinn und Falschinformation in Umlauf, dass ich auf jeden Fall seine Originalschriften lesen solle, keine Sekundärlektüre.


    Meine ältere Tochter ist mit ihrer Promotion fast fertig und besucht, während sie auf einen Termin für die Verteidigung wartet, in Leipzig eine Vorleseungsreihe in Philosophie. Vermutlich möchte sie daher die philosophischen Bücher lesen. Ich habe gestern ein paar Seiten in dem Buch "Antifragilität" gelesen - mir wäre das zu hoch; nicht so, dass ich es nicht verstehe, aber es ist mir zu anstrengend.

    Ich habe überhaupt keine Bücher bekommen. Meine Mädchen haben meine Wunschliste ignoriert, stattdessen zusammengelegt und uns Opernkarten geschenkt, juhu!

    Deshalb werde ich mir gleich nach Weihnachten ein Wunschbuch bestellen, nämlich "Kunst sehen" von Julian Barnes. (Mit Malerei hat er sich bereits in seiner "Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln" beschäftigt, das hat mir sehr gefallen.)


    Verschenkt habe ich, den Wünschen meiner Lieben entsprechend, einige philosophische Non-fiction-Bücher:

    "Und sie fliegt doch: Eine kurze Geschichte der Hummel" von Dave Goulson

    "Stille: Ein Wegweiser" von Erling Kagge

    "Antofragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen" von Nassim Nicholas Taleb

    "Vom Glück des Wanderns" von Alfred Kitzler

    und zwei Bücher über Alexander von Humboldt.