Beiträge von Zefira

    Joyce Carol Oates hat mich mal sehr überrascht als Beteiligte an einer Sammlung Phantastischer Geschichten: Die Hauptfigur hieß Felix, streunte in Lissabon herum und wurde vom Geist ihres verstorbenen Vaters verfolgt. Ich kann mich an Einzelheiten nicht mehr erinnern, aber die Geschichte hieß "Weitere Bekenntnisse" und im Verlauf merkte ich, dass es sich um eine Art Fortschreibung des "Felix Krull" handelte. Oates ist sehr wandlungsfähig. Ich habe eine ganze Reihe Geschichten von ihr gelesen.

    Ich habe mir ein Buch von Christoph Poschenrieder aus der Onleihe geliehen: "Der unsichtbare Roman".


    Die Hauptfigur des Romans ist Gustav Meyrink. 1918 bekommt der für den "Golem" bekannte Schriftsteller einen Geheimauftrag vom Auswärtigen Amt: Er soll einen Roman schreiben, der auf massentaugliche Weise beweist, dass die Freimaurer am Krieg schuld sind. Es klingt total irre, auch Meyrink kann es zunächst nicht glauben. Auf seine Frage, warum gerade die Freimaurer und nicht die Illuminaten oder Rosenkreuzer, lautet die Antwort: die sind nicht bekannt genug. Auf seine Frage, warum gerade er und nicht "vaterländischere" Autoren wie Frenssen oder Ganghofer, lautet die Antwort: gerade weil Meyrink kein vaterländischer Dichter ist, wird man ihm glauben.


    Die Geschichte ist tatsächlich passiert. Der Roman kam allerdings nie zustande, obwohl Meyrink den Vorschuss mit Vergnügen abgegriffen hat.


    Es ist mein zweites Buch von Poschenrieder. Ich mag es, wie er schreibt.

    Klar war das Ehearrangement nicht das Hauptthema der Buches. Ich hatte ein bisschen Probleme damit, dass der Name des von den Hauptfiguren benannten Herkunftsplaneten (sie glaubten ja beide, Außerirdische zu sein) für mich so entsetzlich infantil klang, so ähnlich wie PIppilotta Rollgardina. Vermutlich empfinden japanische Muttersprachler das anders. Aber das Buch hat einen sehr starken, fremdartigen, rabenfinsteren Reiz.
    Der "Ehemann", der mit der oben beschriebenen Kontaktanzeige eine "Scheinehefrau" suchte, ist übrigens derjenige, der in der Kritik als Hikikomori bezeichnet wird. Auch diese Verhaltensweise scheint eine japanische Spezialität zu sein. Ich habe schon öfter darüber gelesen.

    Besteht nicht die Option, sich allein eine Wohnung zu suchen. Scheinbar nicht.


    Gruß, Lauterbach

    Die Wohnung war nicht das Hauptproblem (obwohl eine preiswerte Singlewohnung in Japan anscheinend auch nicht immer leicht zu finden ist), sondern es ging um die Nerverei der Eltern. Ich hatte das Buch aus der Onleihe, deshalb weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr, aber der Kontaktwunsch ging ungefähr so: "Junger Mann sucht alleinstehende junge Frau zum Heiraten, um der ständigen Kontrolle durch seine Eltern zu entkommen. Eheliches Zusammenleben im engeren Sinn nicht erwünscht" oder so ähnlich. Ich habe es tatsächlich so in Erinnerung, dass es in Japan im urbanen Bereich entsprechende Kontaktbörsen gibt, aber ich weiß natürlich nicht, ob es vielleicht bloß eine satirische Überspitzung war. Das Buch hieß "Das Seidenraupenzimmer".


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    Ich hatte übrigens letztes Jahr ein aktuelles Buch aus Japan, in dem ein junges Paar heiratete, um den beiderseitigen Eltern zu entkommen. Es gibt offenbar dafür besondere Kontaktbörsen. Man heiratet und bezieht eine gemeinsame Wohnung mit zwei Schlafzimmern, ohne gemeinsame Kasse oder überhaupt irgendeine Gemeinsamkeit. Scheint dort ganz normal zu sein.

    Ich habe am WE ein Buch der Shakespeare-Hogarth-Serie gelesen, "Macbeth" von Jo Nesbø. Titel selbsterklärend. Es ist mein zweites Buch aus der Serie, "Hexensaat" von Margaret Atwood (nach Shakespeares "Sturm") war das erste.

    "Macbeth" fand ich sehr, sehr gut. Die Umsetzung ist absolut überzeugend, und das Buch ist ausgezeichnet geschrieben, nicht so unpersönlich runtergehaspelt wie Krimis oft sind. Ich werde nicht alle Bücher der Serie lesen, aber evtl. noch die Othello- und die Lear-Adaptation. Die Hamlet-Adaptation von Gillian Flynn ist anscheinend gecancelt, leider.

    Ich habe "Macbeth" übrigens doppelt - ein Antiquariatskauf, Alzheimer lässt grüßen. Es ist aber ein unbenutztes, schönes, dickes Hardcover ohne Stempel oder dergleichen, wäre auch als Geschenk geeignet. Möchte es jemand haben? Ich würde es verschenken oder vertauschen.


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    Hundepark habe ich gelesen - noch vor Kriegsbeginn - und kann es empfehlen. Es dreht sich hauptsächlich um das Leihmüttergeschäft, das in der Ukraine boomt; man hat dort "Kunden" aus aller Welt, auch aus dem EU-Raum. Aber ich fand auch sehr interessant, wie dort das Milieu in der Ukraine beleuchtet wurde - große Teile der Erzählung spielen in Dnipro. Das Buch ist sehr spannend, die Handlung recht kompliziert und spielt auf mehreren Zeitebenen, wie ich das von der Autorin schon aus früheren Büchern kenne.

    Ich habe mit einem weiteren Buch meiner Leseliste angefangen und auch schon halb durch, die Neuübersetzung von "Kristin Lavranstochter" von Sigrid Undset (der erste Teil mit dem Titel "Der Kranz"). Die alte Übersetzung von Sandmaier und Angermann ist mir seit ca. 40 Jahren vertraut. In der Ausgabe davon, die ich zur Zeit im Haus habe - ein Backstein von einem Buch, alle drei Teile in einem Band - heißt es "Berechtigte Übersetzung aus dem Norwegischen".

    Nun ist es bei der Neuübersetzung von Gabriele Haefs so, dass der Kröner Verlag in einer Vorbemerkung behauptet, die alte Übersetzung sei nicht aus dem norwegischen Original, sondern wahrscheinlich aus dem Dänischen. Begründung: Eigennamen und Amtsbezeichnungen folgten der dänischen Schreibweise. Folglich heißt es, die Neuübersetzung sei "vermutlich" die erste Übersetzung nach dem Original.


    Ich kann natürlich nichts davon nachprüfen, aber die beiden Übersetzungen sind einander so ähnlich bis in einzelne Formulierungen hinein, dass ich nicht wüsste, welche ich vorziehen würde. Die von Haefs ist vielleicht etwas eingängiger, weniger hoch im Ton. Ein gutes Beispiel ist die Stelle, als ein Priester wegen beleidigender Reden bei Haefs "Schweinepriester", in der alten Übersetzung "Höllenpriester" genannt wird. Aber das sind wirklich minimale Unterschiede. Ich freue mich über die Wiederbegegnung mit Kristin, bin aber nicht sicher, ob ich mir die zwei Folgeteile der Neuübersetzung überhaupt noch kaufen soll. Ich werde noch einmal genau vergleichen, wie sich die Übersetzungen bei Kristins ersten erotischen Begegnungen unterscheiden. Wenn es einen merkbaren Unterschied gibt, dann wahrscheinlich dort.

    Ein Glücksgriff war für mich der Roman "Der Vogelgott" von Susanne Röckel, der immerhin auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis war. Obwohl das Buch haargenau in mein Beuteschema fällt, bin ich erst durch einen sehr deutlichen Hinweis in einem anderen Forum darauf aufmerksam geworden. Es ist eine schwarzromantische Geschichte in der Tradition von Lovecraft oder E.A.Poe, während die wenig widerstandskräftigen oder auch von seltsamer Hybris getriebenen Helden umherirren wie bei Kafka. Ein tolles Buch, das seine letzten Geheimnisse nicht preisgibt, ganz wie ich es mag.


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    In einer Leserunde habe ich "Deephaven" von Sarah Orne Jewett gelesen; ein Buch, das ursprünglich in Abschnitten 1875 und 1876 im "Atlantic Monthly" erschien. (Ein Kuriosum: Die Originalausgaben sind als Bilddateien im Netz zu finden, ich habe ein paar Kapitel im Originaltext gelesen.) Sarah Orne Jewett, 1849 - 1909, war eine erfolgreiche Schriftstellerin und hatte namhafte Bewunderer wie Henry James und Rudyard Kipling. "Deephaven" ist allerdings, muss man leider sagen, ein relativ belangloses Buch. Es handelt von der "Sommerfrische" zweier junger Damen, beide 24 Jahre alt, in einem heruntergekommenen Küstenstädtchen in der Nähe von Boston. Es ist zwar bezeichnend, wie die beiden Freundinnen einander offenbar vollkommen genügen und an keiner Stelle von einer eventuellen Jagd auf Ehemänner die Rede ist - die beiden ziehen in derben Stiefeln und Matrosenjacken durch die Gegend, lassen sich nassregnen und "pullen" mit einem Ruderboot zum Seebarschfang. Andererseits hat der Ort fast nichts zu bieten, und es mutet schon etwas seltsam an, wie die Ich-Erzählerin Helen immer wieder versichert, wie unendlich glücklich sie in Deephaven ist.


    Sarah Orne Jewett lebte mit einer Freundin in Lebensgemeinschaft, für welch letztere damals der Begriff "Boston Marriage" erfunden wurde, und die Freundschaft der beiden Mädchen in "Deephaven" deutet in eine ähnliche Richtung. Sie verbringen die Abende am Kamin, den Hund zwischen sich, mit innigen Gesprächen über Literatur und Natur, wie zwei Junggesellen - es fehlen nur noch die Whiskyflasche und Zigarren. Das Buch ist nicht gerade spannend und dramatisch, aber in seiner Beschaulichkeit doch eine schöne Lektüre. Die Aufmachung ist sehr hochwertig, mit sehr feinem Druck und stabilem Schuber.

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    In einer Leserunde habe ich "Deephaven" von Sarah Orne Jewett gelesen; ein Buch, das ursprünglich in Abschnitten 1875 und 1876 im "Atlantic Monthly" erschien. (Ein Kuriosum: Die Originalausgaben sind als Bilddateien im Netz zu finden, ich habe ein paar Kapitel im Originaltext gelesen.) Sarah Orne Jewett, 1849 - 1909, war eine erfolgreiche Schriftstellerin und hatte namhafte Bewunderer wie Henry James und Rudyard Kipling. "Deephaven" ist allerdings, muss man leider sagen, ein relativ belangloses Buch. Es handelt von der "Sommerfrische" zweier junger Damen, beide 24 Jahre alt, in einem heruntergekommenen Küstenstädtchen in der Nähe von Boston. Es ist zwar bezeichnend, wie die beiden Freundinnen einander offenbar vollkommen genügen und an keiner Stelle von einer eventuellen Jagd auf Ehemänner die Rede ist - die beiden ziehen in derben Stiefeln und Matrosenjacken durch die Gegend, lassen sich nassregnen und "pullen" mit einem Ruderboot zum Seebarschfang. Andererseits hat der Ort fast nichts zu bieten, und es mutet schon etwas seltsam an, wie die Ich-Erzählerin Helen immer wieder versichert, wie unendlich glücklich sie in Deephaven ist.


    Sarah Orne Jewett lebte mit einer Freundin in Lebensgemeinschaft, für welch letztere damals der Begriff "Boston Marriage" erfunden wurde, und die Freundschaft der beiden Mädchen in "Deephaven" deutet in eine ähnliche Richtung. Sie verbringen die Abende am Kamin, den Hund zwischen sich, mit innigen Gesprächen über Literatur und Natur, wie zwei Junggesellen - es fehlen nur noch die Whiskyflasche und Zigarren. Das Buch ist nicht gerade spannend und dramatisch, aber in seiner Beschaulichkeit doch eine schöne Lektüre. Die Aufmachung ist sehr hochwertig, mit sehr feinem Druck und stabilem Schuber.

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    Ich habe - wieder mal im Rahmen einer Leserunde - ein Büchlein angefangen mit einem Briefwechsel zwischen Cézanne und Zola, Untertitel "Eine Männerfreundschaft". Die beiden waren tatsächlich enge Jugendfreunde, gingen in Aix-en-Provence zusammen zur Schule, und als Zola noch vor Ablegen des Abiturs mit seiner Mutter nach Paris umziehen musste, blieben sie brieflich in Verbindung.


    Es sind wohl nicht alle Briefe erhalten. Das Buch beginnt mit einer Reihe Briefe von Cézanne, die eher ermüdend zu lesen sind; sie enthalten kaum Persönliches, dafür eine Menge Zoten, platte Witze und mühsame Gedichtlein. Die Antworten sind nicht erhalten oder jedenfalls nicht abgedruckt. Nun folgt eine Reihe Briefe von Zola; er war damals um die zwanzig. Diese Briefe sind sehr viel ambitionierter; er hat große Pläne und leidet an seinen Selbstzweifeln, lamentiert darüber, dass er "nicht mal gutes Französisch" sprechen könne, und fällt glatt zweimal durch die Abiturprüfungen (während Cézanne es im zweiten Anlauf schafft). Dass er mit zwanzig immer noch seiner Familie zur Last fällt, bedrückt ihn ungemein - ein Wahnsinn, wenn man sich überlegt, wie lange Studenten heute am elterlichen Tropf hängen müssen.


    Als Zola-Fan lese ich das sehr, sehr gerne und bin gespannt, wie es weitergeht. Der Briefwechsel dauert länger als zehn Jahre an.

    Ich mag Hoffmann eigentlich sehr, jedenfalls die kürzeren Texte. Bei meiner Vorliebe für Phantastica gehört der Sandmann zum Besten, das ich überhaupt kenne, ich kann ihn x-mal lesen und finde immer wieder Neues. In längeren Stücken überfordert er mich aber regelmäßig. In den Neunzigern habe ich die Elixiere des Teufels gelesen; kann mich zwar kaum an etwas erinnern, aber dass es unglaublich verwickelt war und alle Damen mehr oder weniger exaltiert, das weiß ich noch.

    b.a.t. , danke fürs Verständnis, ich habe jedenfalls wieder Lust auf Hoffmann bekommen. Vielleicht lese ich bei Gelegenheit "Kreisleriana" und versuche es danach nochmal mit Murr. (Die Murr-Kapitel werde ich dann aber weglassen, auch wenn mich alle Nachbarskatzen strafend angucken.)

    Ich habe leider in den Kreisler-Abschnitten den Faden verloren - irgendwann von den Kloster-Szenen ab. Mir sind zwei andere Leseverpflichtungen dazwischen gekommen.
    Vermutlich wäre es jetzt vernünftig, einfach alle Kreisler-Kapitel nochmal zu lesen (die über Murr habe ich verstanden, das war ja auch nicht schwer), aber im Moment hätte es keinen Zweck. Ich werde es in ein paar Wochen nochmal probieren. Tut mir leid, dass ich hier gerade nichts beitragen kann.

    Den Hesperus hatte ich ja schon letztes Jahr auf dem Zettel. Allerdings habe ich im Moment große Probleme, mich lesend "bei der Stange zu halten". Die innere Unruhe und Sorge um die Zukunft machen sich bemerkbar; ich lese zwar nach wie vor, aber eher plattes Zeug oder Sachen, die ich bereits kenne, wo es kein Problem ist, wenn man mal über ein, zwei Sätze wegliest, ohne es zu merken.
    Ich hoffe, dass sich das wieder gibt. (Noch schöner wäre es natürlich, wenn der Anlass verschwinden würde, aber da hab ich aktuell wenig Hoffnung.)

    Bei mir wären alle da. Ich muss mal sehen, was ich im März noch schaffe, im April habe ich wieder Leserunden.
    Derzeit bin ich übrigens in einer Leserunde mit "Babettes Gastmahl" von Tania Blixen. Das ist aber nur ein kurzer Text, eine Erzählung.