Beiträge von DerFuchs

    Hallo, welche Autoren bzw. Werke fallen euch zum Thema amerikanische Klassiker ein?

    Spontan würde mir Faulkner, Steinbeck, Carson McCullers, Updike sowie Upton Sinclair einfallen.

    Der Sieger nimmt Alles von Dieter Wellershoff.

    Inzwischen habe ich das Werk komplett gelesen. Mich erinnert der Roman an das Sprichwort Geld verdirbt den Charakter. Der Protagonist hat nur ein Ziel - Geld zu machen und immer reicher zu werden. Er heiratetet sich ein Unternehmen ein, steigt in die Geschäftsführung auf und expandiert. Der Protagonist entwickelt sich zum Ekel gegenüber den Schwiegervater, Schwager und den eigenen Sohn. Heimlich nimmt er sich auch noch eine Geliebte, die sich aushalten lässt. Irgendwann stirbt der Schwiegervater, es gibt niemanden mehr, der ihn bremsen kann. Im Rausch des Expansionsdrang übernimmt er ein deutlich größeres Unternehmen, das er zuvor als Lieferant beliefert hat. Er hat sich aber blenden lassen, die Investition ist der Anfang von Abstieg. Er hat die Rentabilität des Unternehmens überschätzt. Alles, was er noch an Vermögen noch mobilisieren kann, setzt er dann auf einer Karte und macht Wechselgeschäfte in Afrika mit Hilfe eines Finanzmaklers. Das Geschäft in Afrika geht aber komplett schief und er verliert sein komplettes Kapital und macht sogar noch weitere Schulden. Parallel dazu gerät sein Leben aus den Fugen und auch im privaten/familiären Umfeld geht es bergab. Am Ende stirbt der Protagonist auf eine Geschäftsreise in seinen Hotel, voraussichtlich aufgrund der psychischen Druck.

    Ich habe kürzlich mit Zeno Cosini (Italo Svevo) und Gefährliches Spiel (Moravia) zwei ganz interessante italienische Klassiker gelesen, die Lust machen sich noch näher mit italienischer Literatur zu beschäftigen. Von Moravia, Svevo und Pavese habe ich inzwischen einige Werke zu Hause und suche aktuell noch weitere Anregungen, welche Autoren interessant sein könnte. Welche Autoren/Werke aus der italienischen Literatur fallen euch ein?

    Ich lese aktuell "Die Gelbe Straße" von Veza Canetti. Die Autorin war übrigens die Ehefrau von Elias Canetti, der auch literarisch tätig war. Die Bezeichnung Roman passt m.E. nicht ganz für die gelbe Straße. Das ganze spielt um 1930 in Wien. Die ganze Charaktere wohnen zwar in diese gelben Straße, es hängt aber alles nur locker zusammen. Für mich sind das eher Miniaturen bzw. Erzählungen. Die Charaktere sind aber ganz nett beschreiben und die Kapitel sind recht kurzweilig und regen zum Weiterlesen an um noch mehr Charaktere zu entdecken.

    Mit dem Roman "Der schwarze Obelisk" hat Remarque einen hochinteressanten und tiefgründigen Roman geschaffen.

    Der Protagonist Ludwig Bodmer hat seine Jugend im ersten Weltkrieg verloren und versucht sich in der Generation zwischen den Kriegen zurechtzufinden. Nachdem er feststellt, dass er nicht mehr als Lehrer arbeiten möchte, steigt er als kaufmännischer Allrounder bei einem alten Bekannten aus dem Krieg in den Grabsteinhandel ein. Durch den Roman zieht sich das Thema der Inflation. Täglich steigt der Dollarkurs, es eine sehr schwierige Zeit zum Überleben. Remarque findet eine interessante Mischung aus Melancholie (Inflation, Armut, fehlende Perspektiven) und andererseits aber auch groteske/humoristische Szenen. Als eine Art "Running Gag" zieht sich das tägliche Essen in einen Hotel durch den Roman. Der Protagonist und sein Geschäftspartner besorgen sich im Anfangsstadium der Inflation Essensmarken für das Restaurant eines Hotels. Hiermit dinieren Sie monatelang täglich dort und der Hotelbesitzer wird durch die eigentlich wertlosen Essensmarken, die eingelöst werden, zur Weißglut getrieben. In der Liebe hat es der Protagonist schwer. Er bändelt mit einer Tänzerin an, die sich dann aber für den Hotelwirt entscheidet. Als Nebenjob spielt der Protagonist in einer Irrenanstalt die Orgel bei kirchlichen Veranstaltungen. Bedingt durch die Inflation verhandelt er statt eine finanziellen Vergütung eine Teilnahme an der Verpflegung aus, die in der Zeiten der Inflation Gold wert ist. Ferner gibt er für die Kinder eines Schuster und eines Buchhändlers Nachhilfestunde und tauscht diese gegen Schuhe oder Bücher ein. Der ökonomische Komplex und der private und geschäftliche Umgang mit der Inflation ist ein spannendes Thema des Romans.

    Bei seiner Nebentätigkeit lernt der Protagonist Isabelle kennen, eine Dame mit gespaltener Persönlichkeit. Er verliebt sich in Sie und sie führen bei seinen Besuchen philosophische Gespräche mit Tiefgang. Aber diese Beziehung zerbricht mit der Heilung von Isabelle, durch die Sie Ihre gespaltene Persönlichkeit ablegt und Ludwig nicht mehr erkennt.

    Sehr skurril ist der Klub der Dichter, zu den auch der Protagonist zählt. Der Klub beschließt einen Bordellbesuch um einen Mitglied die nötige Inspiration zum Schreiben zu verfassen. Die Person für den der Besuch vorgesehen ist, wirkt durch die Kameraden aus dem Klub bewusst falsch informiert und der Besuch auf den Zimmer läuft dann aus dem Ruder - das Ganze erinnert fast schon an grotesken Eingebungen eines Gogols.

    Ein weiterer Themenschwerpunkt ist das Aufkommen des Nationalsozialismus und die Auflösung der Gesellschaft. Die Spannung und erste Auflösungsprozesse sowie politische Grabenkämpfe werden sehr eindrucksvoll beschrieben, sodass der Roman auch aus historische Sicht interessante Facetten erhält.

    Letztendlich schafft es der Protagonist mit Hilfe eines Geschäftsfreundes bei einer Zeitung unterzukommen und sich nochmal beruflich und räumlich zu verändern. Mit seinen Wechsel nach Berlin endet dann der Roman und es wird noch kurz darauf hingewiesen, wie sich die einzelnen Personen im NS weiterentwickelt haben.

    Für mich persönlich ist das Werk ein absoluter Geheimtipp, in seiner Gesamtanlage meines Erachtens sogar noch ausgereifter und besser als "Im Westen nichts Neues".

    Hallo zusammen, ihr kennt es ja sicherlich, dass man mal das eine oder andere Buch kauft, es aber noch nicht sofort liest oder nicht gleich ein Bericht darüber schreibt. Deshalb dachte ich, dass vielleicht ein Thread ganz nett wäre, in den ihr immer mal wieder Bücher eintragen könnt, die ihr gekauft habe. So ein Thread kann ja sicherlich zusätzliche Anregungen schaffen.


    Ich fange einfach mal mit meinen letzten Besuch im Antiquariat an, bei dem ich diese beiden Titel gesehen und gekauft habe:


    1) Leo Perutz und Paul Frank: Das Mangobaumwunder

    2) Eduard von Keyserling: Wellen


    Was sind eure letzten Neuzugänge?

    Die Lektüre von Lavants Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus ist abgeschlossen, hier meine Eindrücke:


    Lavant Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus

    Ich habe die Aufzeichnungen aus einen Irrenhaus von Christine Lavant gelesen. Das Werk war ursprünglich nicht zu Veröffentlichung vorgesehen, da es ein sehr persönliches Werk der Autorin war. Nora Wydenbruck, Übersetzerin und Bekannte der Autorin, hat ein Manuskript von Christine Lavant für Übersetzungszwecke und der Publikation in England erhalten. Lavant hatte sich dann aber nachträglich darum gebeten, von einer Veröffentlichung abzusehen und das Manuskript zu vernichten. Zum Glück wurde das Werk nicht vernichtet. So schrieb Nora Wydenbruck in einen Brief am Lavant „Sie sollen das Manuskript aber nicht vernichten, sondern eventuell im Nachlaß mit dem Vermerk „erst nach 30 (oder 50 Jahren) veröffentlichen einordnen. Denn – ich wiederhole – es ist die beste Ihrer Prosaarbeiten“ Über den Nachlass von Nora Wydenbruck hat Werk dann letztendlich dann doch noch Weg an die Öffentlichkeit gefunden.


    Es handelt sich um eine Erzählung, die ca. 10 Jahre nach einem Aufenthalt in einen Landeskrankenhaus entstanden ist und viele autobiographische Züge trägt. Die Autorin hat sich nach einem Selbstmordversuch, der nicht vom Erfolg gekrönt war, „freiwillig“ einliefern lassen und 6 Wochen in einen Landeskrankenhaus verbracht. Wie sie noch erwähnt übrigens auf Kosten der Gemeinde.


    Das Werk ist vielschichtig. Ich möchte hier einfach mal ein Gespräch zwischen den Ärzten zitieren, das so einige über soziale Klassen und das Frauenbild der Zeit (um 1935) aussagt. Bei dem Gespräch geht es um die Einordnung des Falls von Christine Lavant:

    „Der Kleine fragte zu ihm hin: Aber warum arbeitet sie eigentlich nicht? Wenn sie auch etwas schwächlich zu sein scheint, so könnte sie immerhin einen leichteren Posten ausfülllen, und Arbeit vertreibt Dummheiten, die diese jungen Damen im gewissen Alter manchmal ankommen. Von der Schule heraus auf einen ordentlichen, strengen Dienstplatz ist immer noch das beste Mittel gegen Hysterie. Na vielleicht haben Sie sie in einem Jahr so weit, dass man sie dann wo unterbringen kann.“ … „Sie will ja nur dichten“ sagte da die spitze Zimmer vom Fenster her. Alle lachten, warum hätte ich nicht auch lachen sollen? Ja, meine Teure – „ sagte da der Kleine, „diese Gewohnheiten wirst du dir freilich abgewöhnen müssen. Düchten mit Umlaut Ü, gelt, wahrscheinlich kann sie nicht einmal ordentlich rechtschreiben, aber dichten will Sie. Sehen Sie, Kollege, solche Geschichten kommen dabei heraus, wenn jeder Bergarbeiter schon glaubt, seine Sprößlinge in Hauptschulen und so schicken zu müssen“… „Wieder ein abschreckendes Beispiel dafür, wohin es komm, wenn Arbeiterkinder Romane lesen, anstatt zur ordentlichen Arbeit herangezogen werden“.


    Zentrale Motive sind neben Armut, Standesbewusstsein, gesellschaftliche Stellungen, Einbeziehung und Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft noch Gruppendynamik und Machtgefälle im Innenleben des Landeskrankenhauses. Lavant kennzeichnet sich als gute Beobachterin aus. Sie reflektiert die eigene und Fremdwahrnehmung, analysiert Situationen und leuchtet Handlungsmöglichkeiten aus. Die Grenzen zwischen „normal“ und „unnormal“ verschwimmen bei den anderen Patienten mitunter. Analysiert werden neben den Ticks der Patienten die Beziehungs- und Gruppenkonflikte zwischen Patienten, Personal, Ärzten und Besuchern. Es gibt innerhalb der Gruppe der Patienten ein Machtgefälle und jede Patientin nimmt ihren eigenen Platz in der Gruppe ein. Lavant, die anfangs versucht sich zu integrieren, merkt recht schnell, dass Sie nicht wirklich akzeptiert wird in dieser Mikrogesellschaft.


    Das Pflegepersonal nutzt regelmäßig die Androhung der Zwangsjacke, vor der sich nahezu alle Patienten fürchten, und schafft so ein Klima der Angst. Das Pflegepersonal kommt sehr abgebrüht und autoritär rüber und nimmt wenig Anteil an der Lebenssituation der Patienten.


    Für Lavant scheint das Schreiben während ihrer Aufenthalt auch eine Art Therapie zu sein bzw. ist es ihr zumindest sehr wichtig. Hierbei wird Sie ständig vom Pflegepersonal oder anderen Patienten aufgehalten und gestört. Es fehlt letztendlich der Raum für Privatheit und Ruhe. Die Privatspähre geht in einen Irrenhaus komplett verloren. Um ein Patientin loszuwerden, die vom Buddhismus besessen ist, erfindet Lavant die Notlüge, dass ein Gott mit ihr in Kontakt treten will und Sie Ruhe benötigt.


    Lavant schafft es eine recht beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Es tun sich in der Erzählung diverse Abgründe der menschlichen Psyche auf und man erfährt viele zeithistorische Hintergründe. Ich kann das Werk absolut empfehlen.

    Dann würde ich mich auch mal mit einer Liste anmelden, die ich im Laufe des Jahres noch lesen möchte.


    Fünf Klassiker aus fünf Ländern


    Christine Lavant, Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus

    Erich Maria Remarque, Der schwarze Obelisk

    John Fowles, Des Sammler

    Cesare Pavese, Die einsamen Frauen

    Blaise Cendrars, Moloch. Das Leben des Moravagine

    Hat jemand von euch schon mal ein Buchregal selbst gebaut? Wenn ja, wie geht man am besten vor? Welche Holzarten sind geeignet, was eher nicht? Was braucht man so alles um ein Regal zu bauen?

    Hallo zusammen, ich würde aus Neugier gerne mal in die Runde fragen, wie viel Bücher sich in euren Besitz befinden? Wie behaltet ihr den Überblick über eure Bestände? Gibt es unter euch zufällig auch jemanden, der seine Bestände sogar dokumentiert? Wenn ja, wie dokumentiert/verwaltet ihr eure Bücherbestände? Führt ihr Listen in Excel? Nutzt ihr eventuell ein Literaturverwaltungsprogramm, eine Art Datenbank oder irgendein spezielles Programm? Wenn ja, welches? Dokumentiert ihr auch eure Eindrücke beim lesen?

    Bei mir persönlich gibt es (noch) keine systematische Dokumentation. Aber ich hatte neulich mal drüber nachgedacht, ob es mit größer werden Beständen irgendwann mal sinnvoll wäre so eine Dokumentation zu führen um den Überblick zu behalten, was man schon hat, welche Bücher eventuell noch fehlen, welche Eindrücke man irgendwann beim Lesen der Bücher vor längerer Zeit mal hatte, falls man ein Buch irgendwann nochmal ein zweites Mal liest. Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen. Schönes Wochenende.