Was lest ihr gerade?

  • "Der Junker von Ballantrae" von Stevenson.

    Sehr gute Wahl! Das ist ein tolles Buch! Welche Übersetzung liest du denn?


    Meine Schreibtischlektüre: Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten (zu groß, um es irgendwo anders zu lesen)


    Meine Bett- & Badewannenlektüre: Eugèn Sue, Die Geheimnisse von Paris (vollständige Ausgabe, 2000 Seiten feinste Kolportage ;-))

  • Ich habe eine Diogenes-Ausgabe, übersetzt von Paul Baudisch und Curt Thesing.

    Vielleicht hat hier jemand eine kommentierte Ausgabe und kann mir helfen: Meine Ausgabe enthält ein kurzes Vorwort von Stevenson, in Form einer Zueignung an Percy Shelley und dessen Frau, das mit den Worten endet: "Lasst uns das Signal geben: B.R.D.!" Weiß jemand, was das bedeutet? (Mit Deutschland hat es ja wohl eher nichts zu tun ...)

  • "Lasst uns das Signal geben: B.R.D.!" Weiß jemand, was das bedeutet?

    Die Diogenes-Ausgabe hab ich auch (im Rahmen der Steveson-Ausgabe). Aber ich hab auch die hübsche Ausgabe aus dem Mare-Verlag. Und da lautet diese Stelle:

    Zitat

    Erneut ruft mich das Meer – wie zweifellos auch Sir Percy. Flaggen wir »klar Schiff!«!

    Eine Anmerkung gibt's dazu nicht. Im Original steht:

    Zitat

    Well, I am for the sea once more; no doubt Sir Percy also. Let aus make the signal B. R. D.!

    Da braucht man wohl ein Speziallexikon, so auf die Schnelle hab ich nicht gefunden, wofür die Abkürzung steht, das "Glossary of nautical terms" in der Wikipedia führt das leider nicht.

  • Meine Bett- & Badewannenlektüre: Eugèn Sue, Die Geheimnisse von Paris (vollständige Ausgabe, 2000 Seiten feinste Kolportage ;-))

    Ein Re-Read? Oder hast Du damals unsere Leserunde nicht mitgemacht?

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

  • Lese gerade „Die rechtschaffenen Mörder“. Der altmodisch-betuliche Ton gefällt mir ind wirkt irgendwie beruhigend auf mich.

    Ha, warte mal ab, ab Teil zwei ändert sich der Ton...
    Ich habe das Buch jetzt einmal von vorne nach hinten gelesen - der legendenhafte Ton, den Schulze sich hier von Joseph Roth borgt, hat mir auch ganz gut gefallen, allerdings hatte ich ein leichtes Unbehagen dabei, denn mir erschien das etwas zu betulich. Als dann Teil zwei und Teil drei dazukamen, konnte ich das einordnen.

    Mittlerweile habe ich das Buch noch einmal teilweise rückwärts gelesen, also Teil drei zuerst, dananch Teil zwei. Denn ich wollte diesem raffinierten Erzähler Schulze etwas mehr auf die Spur kommen. Er legt ja Fährten und nimmt später Handlungsstränge auf, die man nicht so richtig beachtet hat. Und vor allem erscheint dann der gesamte erste Teil noch einmal in einem neuen Licht. Man kann diesem Kerl eben einfach nicht trauen.


    Ich bin auf Deine Eindrücke gepsannt. Vor allem sind m. E. sehr gute Überlegungen zu gesellschaftlichen Fehlentwicklungen drin. Und meine große Frage ist auch: ist Durs Grünbein das Vorbild für Ilja Gräbendorf? Und mir scheinen auch die Fälle von Susanne Dagen und Uwe Tellkamp irgendwie durch das Buch zu geistern. Viele Ansatzpunkte...

  • Ich habe wieder zu Olga Tokarczuk gegriffen: Ur und andere Zeiten.

    Ein hinreißendes Buch, sehr zugänglich und überhaupt nicht schwer zu lesen.

    Besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger in das Werk zu empfehlen (falls man sich durch die Dicke von 'Jakobsbücher' oder die fehlende Handlung von 'Unrast' verunsichert fühlt...)

  • Ich habe das nächste Buch meiner Klassiker-Leseliste in Angriff genommen: Bildnis einer Dame von Henry James.

    Ich habe jahrelang vergebens versucht, Henry James zu lesen. Er wollte offensichtlich nichts mit mir zu tun haben. Egal welches Buch ich angefangen habe (ich habe drei oder vier von ihm), spätestens nach zehn Seiten trieb ich aus dem Text heraus wie ein schlecht vertäutes Bootchen.

    Aber jetzt geht es sehr gut, ich finde es richtig fesselnd. Heute abend habe ich mir als flankierende Maßnahme den Film von Jane Campion angesehen (mit John Malkovich, Nicole Kidman und etlichen anderen tollen Schauspielern) und wundere mich ein bisschen, wie dramatisch es offenbar noch wird. Das Buch geht ganz ruhig voran, die geschliffenen Dialoge sind bezaubernd.

  • Ich habe jetzt erstmal zu etwas Naturwissenschaftlichem gegriffen, um meinen Geist nach der Meyrink-Lektüre mit ihrer Mystik-Brühe zu detoxen:

    Jürgen Neffe: Darwin. Das Abenteuer des Lebens


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    Der Wissenschaftsjournalist und Doktor der Biologie Neffe fährt die Route der "Beagle" nach, jenes legendären Schiffes, mit dem Charles Darwin fünf Jahre lang unterwegs war und in Folge dieser Reise seine Theorie von der Entstehung der Arten entwickelte.
    Neffe erzählt episodisch das Leben Darwins und stellt seine Entdeckungen und Überlegungen vor, besucht auf seiner Reise aber auch nachfolgende Forscher Darwins und berichtet von dessen Kritikern, z.B. den US-amerikanischen Kreationisten, sowie von den nichtsnutzigen Nutznießern, die Darwins Lehre in den Sozialdarwinismus überführten bzw. seine Erkenntnisse dafür weiterentwickeln, um menschliches und tierisches Leben zu designen.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Oh, vom "Darwin" war ich begeistert! Das Buch ist auf vielen Ebenen unterwegs; es erklärt die Evolutionstheorie von den Anfängen bis zu den neuesten Entwicklungen, es bringt einem Darwin und seine Zeit nahe und ist ganz nebenbei eine tief gehende Reisereportage.

    Ich hab's zweimal gelesen und schon oft verschenkt.

    Die Einstein-Biografie von Neffe ist auch zu empfehlen.

  • Ich habe "Bildnis einer Dame" von Henry James gestern beendet. Es ist ein Roman, über den man noch lange nachdenken kann (5 Euro ins Binsenweisheitenschwein), und auch einer jener Romane, die man vermutlich immer wieder lesen kann und jedes Mal anders liest.


    Der Film von Jane Campion (mit Nicole Kidman und John Malkovich) ist sicher sehr gut - ein Film mit diesem Personal kann nicht schlecht sein. Trotzdem gibt er - nach meinem Eindruck - kein richtiges Bild; speziell was Isabel Archers Ehe betrifft, schien er mir nur einen Baustein abzubilden und auch diesen recht vergröbert. Der Roman zeigt beispielhaft ein universelles Problem.


    Vor ein paar Jahren habe ich mal daran gedacht, meine Bücher von Henry James (ich habe vier Stück) alle wegzugeben, weil ich zu keinem der vier einen Zugang fand. Jetzt bin ich zum Glück eines besseren belehrt. Aus diesem Grund werde ich bestimmt kein Buch mehr weggeben.


    Ich mache eine Pause von den Klassikern und lese Ulla Hahn.


    ps. Ich habe eben ein Interview mit Jane Campion über ihre Film gelesen. Dort lautet die letzte Frage:
    "Aber könnte es nicht sein,daß Sie es einfach nicht übers Herz gebracht haben, Isabel wie im Roman ins Joch der Ehe zurückzuschicken?"

    Vielleicht kann mir jemand sagen, der mehr Ahnung hat als ich, ob es eine literaturwissenschaftlich "verbindliche" Deutung des Schlusses gibt.
    Es gibt sehr vieles, was dafür spricht, dass Isabel sich von ihrem Mann trennen sollte. Jeder rät ihr dazu. Nachdem sie von Goodwood geküsst wurde, gerät sie einen Moment außer Fassung, dann heißt es: "Sie hatte nicht gewußt, wohin sie sich wenden sollte; jetzt aber wußte sie es. Es gab einen sehr geraden Weg.“
    Was ist ein "gerader Weg"? Das heißt doch eigentlich gerade nicht, dass sie ihr Leben weiterlebt wie bisher. Es heißt aber auch nicht, dass sie der Konfrontation mit Osmond ausweicht, indem sie in England bleibt. Ich habe es so gelesen, dass sie zurückkehren und ihn "stellen" wird, einschließlich seiner eigenen Lebenslüge (betr. seine Tochter). So würde ich es interpretieren.

  • Ich habe mal zu einem Unterhaltungsroman gegriffen. Ich mag ja kontrafaktische Geschichte ganz gerne: Anfang der 1950er Jahre dominiert Nazideutschland Europa, der Krieg gegen Frankreich ist gewonnen, Großbritannien ist zu einem Vasallen der Nazis geworden und wird von einer Marionettenregierung ruhig gehalten. An der Basis flammt immer wieder auch Widerstand auf. Die Amerikaner arbeiten an einer Atombombe - das Wissen darüber gerät in die Hände eines britischen Wissenschaftlers, der nun vor dem Zugriff der Nazis geschützt werden und in einer dramatischen Rettungsaktion auf ein amerikanisches U-Bott gebracht werden. Das Buch ist wirklich gelungen, insbesondere hat mich positiv überrascht, dass der Autor nicht nur ein historisch überzeugendes Szenario entwirft, das durchaus realistisch erscheint, sondern dass er auch plumpes Schwarz-Weiß-Denken vermeidet.


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    Danach der Roman 'Rivenports Freund' von Damiano Femfert. Spielt ebenfalls in den 50er Jahren, allerdings in Argentinien. Ein bewusstloser und schwer verletzter Mann wird an einer Straße gefunden. Er hat offenbar seine Erinnerung verloren und kann keine Angaben über seine Identität machen, außer dass er 'Kurt' heißt. Der verschrobene Arzt Rivenport nimmt sich seiner an und versucht die Herkunft zu klären. Trotz des interessanten Beginns und der eigentlich spannenden Anordnung bleibt das Buch ziemlich langweilig und weit hinter dem Potenzial zurück. Die Hauptfiguren sind einfach nicht interessant, aus dem Fall macht der Erzähler viel zu wenig und stilistisch hat das Buch auch Schwächen. Das hat mir nicht gefallen.


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    Jetzt habe ich zu Valerie Fritsch gegriffen: Herzkammern von Johnson & Johnson

    Das ist ein ganz anderes Kaliber. Schon die ersten 20 Seiten haben mich vollkommen fasziniert. Sätze wie gemeißelt. Jeden zweiten würde ich am liebsten einrahmen. Klasse!


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  • Ich habe eine ganze Sammlung Krimis von Fred Vargas, die mich vorwurfsvoll angucken, denn gelesen habe ich bisher nur zwei.

    Jetzt wollte ich mal gründlich sein und habe mir den allerersten vorgenommen, "Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord".

    Das Buch fängt interessant an, vor allem ist es ja das Buch, in dem der Ermittler Adamsberg eingeführt wird, und das habe ich natürlich gern gelesen. Aber die Geschichte selbst ist merkwürdig zerfasert, viel Überflüssiges wird breit getreten und der Plot ist bei weitem nicht so raffiniert wie zum Beispiel in "Fliehe weit und schnell". Ich habe das Gefühl, da hat Fred Vargas noch geübt ...


    Mit Ulla Hahn bin ich beinahe fertig.

  • Ich hab gestern abend noch mit "Gesang der Fledermäuse" von Olga Togarczuk begonnen. Dann bin ich mal gespannt auf die Nobelpreisträgerin :)


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    Jaqui

    Bin ja mal gespannt wie es Dir gefällt, hab sehr unterschiedliche Stimmen dazu gehört und gelesen.


    Zefira

    Die Krimis von Fred Vargas wollte ich auch nochmal mal antesten, sind mir schon mehrfach empfohlen worden. Ich les eher selten Krimis, aber so ab und zu dann doch.

    "Lesen stärkt die Seele" (Voltaire)