Beiträge von JHNewman

    Ja, ich auch!


    Das Buch "Die einzige Geschichte" habe ich letzte Woche gelesen. Die Geschichte geht schon unter die Haut, und das vor allem, weil sie aus großer Distanz im Rückblick erzählt wird. Der Erzähler, Paul, beginnt als Teenager eine Affäre mit einer sehr viel älteren verheirateten Frau. Er fühlt sich dabei verwegen und rebellisch, genießt die Beziehung bricht damit aus seiner spießigen und kleinbürgerlichen Herkunft aus. Was ihm überhaupt nicht klar ist: seine Geliebte hat viel tiefer reichende Probleme und ganz andere Bedürfnisse als ihm bewusst ist. Und so entwickelt sich die Beziehung in eine Richtung, die keiner von beiden erwartet hat. Paul ist viel zu unreif, um mit der Lage richtig umzugehen. Als Leser folgt man dem mit großem Mitgefühl, aber man kann nicht eingreifen. Als Paul der Ernst der Lage klar wird, ist alles zu spät und Susan nicht mehr zu retten. Der abgeklärte Blick aus der großen zeitlichen Distanz ist zwar einerseits sehr angemessen, er erlaubt dem Erzähler Einsichten und Reflexionen über das Geschehen, die dem jungen Paul unmöglich waren. Zugleich führt es aber auch dazu, dass vor allem der dritte Teil des Buches sich etwas zieht. Aber insgesamt: ein sehr lesenswertes Buch!

    Hier kriegt man schnell Minderwertigkeitskomplexe ;) was ich da so lese, wieviele Bücher ihr habt...

    Ach, dafür gibt es keinen Grund.

    Ich hatte früher auch sehr den Sammlertrieb und wollte unbedingt jedes Buch, das ich gelesen habe, auch besitzen. Aber das habe ich mir wieder abgewöhnt und bei Umzügen in den letzten Jahren auch viel entsorgt, verschenkt usw. Ich habe gerne Bücher um mich, aber ich muss nicht mehr alles haben. Bei jedem Buch, das ich jetzt lese, entscheide ich gleich anschließend, ob ich es behalten will oder wieder weitergebe, verkaufe etc. Und das tut mir und vor allem dem Platz in meinem Haus wirklich gut.

    Das hat mich ein wenig gewundert, aber es freut mich.


    Ebenfalls steht Olga Tokarczuk drauf, die im letzten Jahr ja den Preis für 'Unrast' gewonnen hat. Das Buch erscheint in diesem Jahr in einer Neuausgabe beim Kampa-Verlag.


    Jetzt ist der Roman erschienen, der auf Deutsch unter dem Titel 'Der Gesang der Fledermäuse' herauskam.

    Ich habe 17 Bücherregale und derzeit auch keinen Platz für weitere...

    Einen Überblick habe ich nur durch gelegentliches Räumen und mein Gedächtnis. Reicht aber meistens.

    Ich dokumentiere das nicht, zumal ich auch immer mal Bücher entsorge, verschenke, verkaufe oder in öffentliche Bücherschränke stelle. Ich versuche mich dazu zu erziehen, nicht alles, was ich lese, auch bei mir daheim zu horten.

    Eine Liste führe ich nur über gelesene Bücher, ohne weitere Kommentare dazu. In der Liste markiere ich nur Bücher, die ich für herausragend halte.

    Leseeindrücke halte ich selten fest - außer ich schreibe Beiträge hier im Forum oder notiere mir etwas für eine Diskussion in einem Lesekreis.

    Puh, heute habe ich Buch drei von der Liste beendet:


    Kenah Cusanit, Babel


    Von diesem Buch hatte ich mir recht viel versprochen, es stand WIMRE auf der Bestenliste des SWR, wurde gut besprochen und Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie in Chemnitz hält es für den Favoriten für den Preis der Leipziger Buchmesse.


    Mir hat es leider ganz und gar nicht gefallen. Ich hatte beim Erzählstil der Autorin allergrößte Mühe, überhaupt in das Buch reinzukommen, bin beim Lesen auch immer wieder abgeschweift. Das Thema hat mich schon interessiert (es geht um die Ausgrabung des antiken Babylons durch Richard Koldewey), aber die Autorin hat es nur sehr punktuell geschafft, so flüssig zu erzählen, dass ich dem Erzählfluss folgen konnte. Ansonsten alles sehr fragmentiert, sehr sprunghaft und frei assoziierend, möglicherweise auch dem Gedankenfluss des an einer Blinddarmentzüngung erkrankten Helden geschuldet... Ich weiß nicht.


    Ich kann noch nicht mal sagen, dass das schlecht ist. Es ist wohl eher gut. Für mich aber einfach zu abgefahren und zu speziell. Ich mochte das nicht lesen und fand es wegen des fehlenden Flusses dann auch wirklich langweilig.


    Mein Favorit bleibt somit Matthias Nawrat.


    Nun beginne ich mit Jaroslaw Rudis.

    Nächste Woche bin ich von Mittwoch bis Samstag in Leipzig auf der Buchmesse.


    Ich freue mich u.a. auf:


    Matthias Nawrat

    Doris Knecht

    Julia Rothenburg

    Jaroslaw Rudis

    Hartmut Rosa

    Kenah Cusanit

    Frank Bösch

    Heinz Bude

    Jochen Schmidt

    Reinhard Kaiser-Mühlecker

    Wlodzimierz Borodziej

    Sasa Stanisic

    Feridun Zaimoglu

    ...

    Zwei Russen, die ich im letzten Jahr noch für mich entdeckt habe:


    Georgij Iwanow (sein meisterliches kleines Werk 'Zerfall des Atoms' gibt es neu bei Matthes &Seitz)
    Andrej Platonow


    (Sawinkow und Krzyzanowski hatte ich ja oben im Strang schon erwähnt)

    Ich habe nun den zweiten Roman von der Liste gelesen: Anke Stelling, Schäfchen im Trockenen


    Der Roman wird erzählt von Resi, die das Buch als Bericht bzw. Brief an ihre Tochter Bea verfasst.


    Resi gehört zu einer Gruppe von Exilschwaben in Berlin. Vier von ihnen kommen aus dem gleichen Ort, haben in den 80er-Jahren Abitur an der gleichen Schule gemacht, gehen später nach Berlin, wo sie sich nicht aus den Augen verlieren, sondern zunächst in WGs zusammenwohnen und anschließend ein gemeinsames Bauprojekt 'K23' realisieren. Während die anderen beruflich etabliert und erfolgreich sind, gehören Resi und ihr Partner Sven eher zum intellektuellen und kreativen Prekariat. Resi ist Schriftstellerin. Sie haben nicht das Geld, um sich an dem Bauprojekt zu beteiligen, können aber aufgrund der engen Verbindung zur Gruppe zur Miete in einer der Wohnungen der Projektmitglieder wohnen.


    Bis Resi in einer längeren Reportage und dann in einem Roman aus ihrem Leben, dem Leben des Freundeskreises und des sozialen Milieus erzählt, in dem sie lebt. Das nehmen ihr die Freunde so übel, dass sie aus der gemeinsamen Gruppe ausgestoßen wird. Ihr Mietverhältnis wird gekündigt und Resi und ihre Familie stehen nun vor dem Umzug - aus dem hippen Prenzlauer Berg in einen der Randbezirke. Anderswo können sie sich die horrenden Mieten nicht leisten.


    Erzählt wird also die Geschichte eines sozialen Abstiegs, wobei Resi erkennt, dass sie schon immer in der Gruppe der Schwaben eher am Rand gestanden hat. Während die anderen aus bürgerlichen Elternhäusern kamen, waren ihre Eltern einfache Leute. Bei ihnen wurde keine Hausmusik gemacht, es wurde zu Weihnachten nicht vierstimmig um den Flügel gesungen und in der Garage standen keine großen Autos, man fuhr nicht zum Skiurlaub. Während der Gymnasial- und Studienzeit spielte das keine Rolle, alle Freunde waren sich einig darin, bestimmte Statussymbole zu verachten oder wenigstens als unwichtig abzutun. Sie hatten ähnliche politische Ansichten, wollten die Welt verändern und 'anders' leben. Daher auch der Gedanke, später im Leben zusammenzubleiben und ein gemeinschaftliches Wohnprojekt zu verwirklichen. Doch während die anderen im Zuge der Saturierung und Famliengründung sich immer stärker zum bürgerlichen Mainstream entwickeln, verlieren Resi und Sven den Anschluss. Dabei merkt Resi immer mehr, wie viele kleine subtile Unterschiede zwischen ihr und den anderen bestehen. Zugleich erlebt sie im familiären Alltag, wie sehr sich das Leben mit vier Kindern in der Realität von dem unterscheidet, was sie sich darunter vorgestellt hat.


    Die Hauptthemenfelder des Romans sind also die Bruchlinien zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Alltagserleben und Idealvorstellung, das Scheitern an eigenen Erwartungen an sich selbst - und die feinen Trennlinien, die gesellschaftliche Schichten voneinander unterscheiden.


    Soweit, so gut.

    In der Umsetzung hat es mich nicht wirklich überzeugt. Ich habe 100 Seiten gelesen, den Rest dann nur noch quer.
    Es gibt witzige Passagen, es gibt auch gute Analysen und Beobachtungen. Aber insgesamt hat sich der Roman für mich zu wenig bewegt. Zu viele Dialoge zwischen Kindern und Eltern, kleine Alltagsszenen, dann wieder soziologische Betrachtungen, Rückgriffe in die Geschichte und Biographien der Freundesgruppe. All das drehte sich irgendwann im Kreis und hat mich dann genervt.


    Immerhin gibt es am Schluss den Lichtblick, dass Resi mit ihrem Roman so erfolgreich wird, dass sie sich auf ihre eigene Art 'etabliert' und aus dem Schatten der Freundesgruppe heraustritt.


    Aber insgesamt für mich kein Roman, der den Preis der Leipziger Buchmesse verdient hätte.

    Hallo Thomas,


    gestern abend hatten wir unsere Diskussion im Lesekreis zu 'Die Katze und der General'. Morwen konnte seine Meinung also direkt vor Ort vertreten und seine Eindrücke zum Buch loswerden, was er auch vehement getan hat. :-) Ich kann ihm eigentlich in seinen Kritikpunkten zustimmen (ich habe allerdings nicht im anderen Forum gelesen). Das Buch hat Schwächen. Darüber waren sich auch die meisten Anwesenden (ca. 17 Personen) einig. Es gibt Klischees. Es gibt schwache Formulierungen, es gibt auch ein stilistische Unbeholfenheiten und ein paar regelrechte Grammatikfehler, die dem Korrektorat durchgerutscht sind. Alles richtig.


    Trotzdem waren fast alle von dem Buch sehr beeindruckt und angetan. Eine Leserin beschrieb es so: "Es ist ein großes Gemälde, bei dem nicht jeder Pinselstrich sitzt, aber das Gesamtbild stimmt." - Das trifft es für mich sehr gut. Und neben ein paar entgleisten Bildern gibt es auch sehr treffende Metaphern und Vergleiche.


    Ein entscheidender Faktor ist auch, ob man mit dem sehr orientalischen, überbordenden Erzählstil der Autorin klarkommt. Wenn Du sie live erlebt hast, wirst Du gemerkt haben: Die Frau kann sich schlecht kurzfassen. Wenn sie ein Thema anspricht, kommt sie in Fahrt und ist kaum zu bremsen. So ist es auch in ihrem Buch - sie erzählt viel, für manche manchmal zu viel. Jede Nebenfigur wird noch mit einer längeren Biographie ausgestattet, jedes Detail erklärt. Auch ist Diskretion nicht unbedingt ihre Stärke. Jedes Motiv wird nicht nur hingestellt, sondern auch erklärt und ausgeleuchtet, sodass man es auch unbedingt versteht. Eben großer Pinsel statt feiner Feder. Zugleich ging es uns aber fast allen so, dass wir merkten: Egal mit welchem Motiv und Thema sie ein Kapitel beginnt, sie erzählt uns immer etwas Interessantes, schafft eine Atmosphäre, leuchtet einen Aspekt der Handlung aus, sodass man ihr einfach gern folgt. Ich fand das Buch trotz der 750 Seiten überhaupt nicht langeweilig, sondern spannend bis zur letzten Seite. Es ist klug konstruiert. Figuren und Motive werden miteinander verschränkt und auch Stränge immer mehr zusammengeführt, bis man zu einem furiosen Schluss gelangt, der zugleich wieder ein neuer Anfang ist.

    Nache einer engagierten und tiefgründigen Diskussion waren wir uns darin ziemlich einig, dass die Autorin ihre großen Themen Krieg und die Zerstörung, die er im Leben von Menschen anrichtet, die politische Geschichte der Sowjetunion nach deren Zerfall, die große Frage nach Schuld und Sühne durchaus auf hohem Niveau und mit Sensibilität und komplex und klug verarbeitet. Mir persönlich gefiel dabei besonders gut, dass die Erzählstränge über einen langen Zeitraum verfolgt werden. Man erfährt, wie die Menschen vor dem Krieg lebten und dachten, wie der Krieg sie veränderte, und lernt aber dann die Situation zwanzig Jahre danach kennen.


    Ganz und gar nicht konnten wir einige Urteile aus der Literaturkritik nachvollziehen, die Autorin sei an ihrem Thema 'krachend gescheitert'. Dass man diese Buch so beurteilte, löste bei einigen der Teilnehmerinnen wirklich Kopfschütteln aus.


    Mir persönlich ging es sogar so, dass ich diesen neuen Roman besser fand als 'Das achte Leben' (während die meisten Kritiker und auch eine TN unserer Runde es anders herum bewerteten). Das hängt aber wohl damit zusammen, dass die surrealen Elemente bei Brilka nicht nicht so mein Ding waren und die historisch-politische Komponente in diesem neuen Roman eine größere Rolle spielte. Es war einfach insgesamt realistischer.

    Oh, Monteverdi. Das ist wirklich ein himmlischer Komponist... Er muss den Gesang der Engel schon gehört haben, denn schöner kann es im Himmel auch nicht mehr klingen.


    Ich bin gerade auf den letzten Seiten von Nino Haratischwilis "Die Katze und der General". Trotz der teilweise etwas kritischen Rezensionen gefällt mir dieser Roman sogar noch besser als "Das achte Leben".

    Ja, das ist sehr misslich. Bisher gab es mit Libri und KNV zwei große Zwischenhändler (Umbreit ist nicht ganz so groß). Wenn KNV dauerhaft vom Markt verschwinden würde, wäre das für die Branche sehr schlecht, dann dann liefe es auf ein Monopol hinaus. Abgesehen davon, dass Libri so schnell gar nicht die Kapazitäten erhöhen könnte.


    Man kann nur hoffen, dass es eine Lösung gibt, die KNV am Markt hält.

    könntest Du ein wenig was zu Matthias Nawrats „Der traurige Gast“ erzählen? Was hat Dir an dem Buch gefallen?

    Oh, ich dachte, ich hätte zu dem Buch schon ein paar Sätze geschrieben, aber ich stelle fest, dass ich das gar nicht getan habe.


    Ich schätze Nawrat sehr, seine letzten beiden Bücher ("Unternehmer" und "Die vielen Tode unseres Opas Jurek") haben mir sehr gefallen. Nawrat wurde im schlesischen Opole (dt. Oppeln) geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Deutschland. Besonders im Opa Jurek merkte man diese polnischen Wurzeln sehr stark. Das war ein hinreißend witziges Buch, bei dem ich ständig den Eindruck hatte, es müsse eine Übersetzung aus dem Polnischen sein, bis mir dann jedesmal einfiel, dass der Autor ja auf Deutsch schreibt, aber eben so, wie nur ein Pole es kann...

    Das neue Buch hat einen vollkommen anderen Ton und lässt sich schwer beschreiben, denn eine wirklich zusammenhängende Handlung gibt es nicht. Der Erzähler ist ein jüngerer Mann in Berlin, der polnische Wurzeln hat. Er und seine Frau überlegen, ihre Wohnung umzugestalten, und nehmen Kontakt zu einer ebenfalls polnischen Architektin auf. Bei den Terminen mit der Architektin, die in deren Wohnung stattfinden, entwickeln sich lange Gespräche, in denen die Architektin von sich und ihrer Familie erzählt. Ihre Mutter wurde aus dem ehemals polnischen Teil der heutigen Ukraine vertrieben, wurde in Oppeln angesiedelt. Sie selbst verließ dann das graue kommunistische Polen, um in Deutschland zu leben. Ihre Geschichte und ihre Ansichten fordern den Erzähler heraus, aber es fällt ihm schwer, eine wirkliche Antwort darauf zu finden. Die Gespräche mit der Architektin finden ein jähes Ende, als diese sich das Leben nimmt und der Erzähler bei seinem nächsten Besuch nur noch den Vermieter vorfindet.

    An diese Episoden mit der Architektin knüpfen sich weitere Begegnungen und Szenen aus dem Leben im heutigen Berlin. Der zweite große Strang ist die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Erzähler und seinem Kollegen Dariusz - einem polnischen Arzt, der in Berlin gestrandet ist, ein schweres Alkoholproblem hat und daher nicht mehr praktiziert, sondern an einer Tankstelle arbeitet. In Gesprächen wird auch dessen Lebensgeschichte aufgeblättert, bis hin zum für ihn traumatischen Tod seines Sohnes, der nach Südamerika ausgewandert war und sich dort das Leben genommen hat.


    Das ist ein Buch der leisen Töne. Der Erzähler ist so etwas wie ein Seismograph. Er lotet die Tiefen der Biographien der Menschen aus, denen er begegnet. Das Thema Migration ist dabei allgegenwärtig, vor allem die Frage, was diese Wanderschaft mit den Menschen macht. Der Alltag in Berlin, wo sich Menschen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen täglich begegnen, bildet den Hintergrund. Und obwohl Migration und 'Multi-Kulti' somit eigentlich schon der Normalfall sind und das Leben prägen, werden doch die inneren Brüche hier sichtbar, die diese Lebensform mit sich bringt. Und auch die Äußeren: denn mitten in das Leben des Erzählers platzt dann auch die Nachricht vom Attentat auf dem Berliner Breitscheidplatz (bei dem ebenfalls ein Pole ums Leben kam: der LKW-Fahrer).


    Neben den größeren Erzählsträngen (die Architektin, Dariusz) sind es auch die kleinen Szenen, die dieses Buch so besonders machen. Etwa eine Szene, als der Erzähler auf sein Haus zusteuert, und eine Gruppe Araber vor dem Hauseingang steht. Vor dem inneren Auge des Erzählers läuft sofort ein Film ab, was nun geschehen kann, wie er sich da durchdrängeln muss, was die Araber mit ihm anstellen könnten, wie er sich da seinen Weg freikämpfen muss. Stattdessen machen sie ihm freundlich Platz, mit dem Kommentar: "Wir stehen hier aber auch blöd.", und wünschen ihm einen schönen Tag.


    Und noch eine kleine Fußnote: es gibt ein kleines Kapitel über das Ischtar-Tor im Pergamonmuseum, in dem Koldewey erwähnt wird. Der ist ja die Hauptfigur in einem der anderen nominierten Romane. :-)

    Die Nominierungsliste ist draußen:


    http://www.preis-der-leipziger…esse.de/de/Nominierungen/


    Im Genre Belletristik sind nominiert:


    Kenah Cusanit: Babel

    Das Buch wurde schon im Feuilleton besprochen und liegt schon auf meinem Nachttisch.


    Matthias Nawrat: Der traurige Gast

    Das habe ich bereits gelesen und ich hatte gehofft, dass er auf der Liste steht. Et voilà! Sehr verdient.


    Jaroslav Rudis: Winterbergs letzte Reise
    Den Autor habe ich in Leipzig schon erlebt und freue mich, dass sein neuer Roman auf der Liste steht. Klingt vom Thema her für mich äußerst interessant.


    Anke Stelling: Schäfchen im Trockenen
    Die Autorin war mir bislang nicht bekannt, vor einiger Zeit las ich mal eine Rezension dieses Romans irgendwo, die recht positiv war.


    Feridun Zaimoglu: Die Geschichte der Frau
    Den Autor finde ich sehr sympathisch, in Leipzig habe ich ihn gehört, als er mit seinem Luther-Roman 'Evangelio' am Start war. Ich fand das Projekt prima, nur mag ich seinen Stil nicht - mir zu barock und überbordend. Zu dick irgendwie.
    Das Thema des neuen Buches klingt interessant, aber ich werde erst nach einer Leseprobe entscheiden, ob ich das lesen möchte.


    Die anderen drei will ich unbedingt bis zur Messe lesen.

    Morgen werden die Nominierungen bekannt gegeben. Ich bin schon gespannt darauf.

    Freuen würde ich mich, wenn Matthias Nawrats neuer Roman 'Der traurige Gast' darauf zu finden wäre.

    Ebenso über Sasa Stanisic ("Herkunft"), wobei der als ehemaliger Preisträger ("Das Fest") möglicherweise ausscheidet.