Beiträge von JHNewman

    Ich war auf der Lesung mit Powers, mir hat das Buch nicht gefallen.

    Hast Du das Buch danach noch gelesen oder bezieht sich das nur auf Deinen Eindruck bei der Lesung? Ich kann das bei Deinen Urteilen manchmal nicht so richtig erkennen, es macht für mich aber einen Unterschied, ob man nur einen Ausschnitt gehört hat oder das gesamte Buch gelesen hat. Mir geht es manchmal so, dass mir die Stimme des Autors oder der Autorin hilft, wenn ich sie im Ohr habe oder etwas über das Buch erzählt wurde. Andererseits merke ich auch, dass Texte eine sehr andere Wirkung entfalten können, wenn ich sie auf Strecke lese. Etwas, das bei einem kurzen Ausschnitt witzig und lebendig ist, kann sich beim eigenen Lesen abnutzen und langweilig werden. Oder ein Buch gewinnt gerade durch die Gesamtkonzeption und die Zuordnung einzelner Teile und Stimmen zueinander.

    Ich habe "Orfeo" 2016 gelesen und war total begeistert über die Passage, in der die Entstehung des"Quartetts vom Ende der Zeit" von Messiaen geschildert wird. Damals war ich wild entschlossen, mir dieses Werk komplett anzuhören und mich eingehend hinein zu vertiefen; leider habe ich den Zugang dann doch nicht so gefunden wie erhofft.

    Stimmt, das war eine grandiose Passage!


    Mir hat die Grundidee des Romans sehr gefallen - diese Überlegung, musikalische Sequenzen in DNA zu verwandeln oder so. Total abgedreht, aber wenn man sich mal mit verschiedenen Konzepten beschäftigt, so absurd dann wieder auch nicht (zum Beispiel die Makrokosmos-Mikrokosmos-Idee). Ich mochte das.


    finsbury : "Der Klang der Zeit" steht bei mir schon seit Jahren herum und wartet darauf, gelesen zu werden *seufz*

    Herbert Kapfer: 1919. Fiktion


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    In diesem Buch ist keine einzige Zeile von Kapfer selbst, es ist eine Collage aus zeitgenössischen Romanen und (Auto)Biographien.


    Das finde ich sehr spannend und es belegt einmal mehr, dass gute Fiktion, resp. gute Literatur, die Befindlichkeiten der Zeit so gut einfängt, dass sie ebensogut eine historische Quelle sein könnte. Was wüssten wir ohne die Romane Fontanes über das innenleben der preußischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert?


    Kapfer stellt beschreibende Texte neben romanhafte Episoden, hohe Literatur gegen Kolportage. Und obwohl die Texte natürlich nicht dafür konzipiert sind, entsteht tatsächlich so etwas wie ein "Roman".

    Eine schreckliche Vorstellung.

    Klingt nicht nach einem Buch, dass ich gerne lesen möchte.

    Mir hat der Roman gefallen - ich habe das Buch über Weihnachten im letzten Jahr gelesen. Zwar ist er insgesamt recht düster, aber er kommt mit durchaus interessanten Einfällen daher und verfremdet den Umgang mit Literatur auf reizvolle Weise (wer von uns betrachtet Bücher schon als Mittel für die haute cuisine...). Das Beschaffen der entsprechenden 'Ware' ist übrigens durchaus riskant, Bücher sind nicht einfach nur Abfall, der nicht mehr benötigt wird, sondern durchaus 'heiße Ware', über deren Beschaffung man sich intensiv Gedanken macht. Und der Reiz des Romans liegt auch darin, dass diese Welt für den Erzähler vollkommen selbstverständlich ist, sich dem Leser aber erst sehr langsam erschließt, weshalb man am Anfang auch gar nicht richtig kapiert, wozu die Bücher eigentlich gebraucht werden und was die Koch-Jobs des Erzählers so riskant macht.


    Aber das Vorgängerbuch 'Telluria' war durchaus stärker, und wenn es um Osteuropäer geht, die literarische Dystopien beschreiben, empfehle ich zuvorderst Viktor Martinowitsch und das Buch 'Mova', in dem Gedichte als Drogen konsumiert werden. Das fand ich klasse!

    Huch, ich bin gedanklich gerade erst aus Leipzig zurück, und da gerät Frankfurt schon in Blickweite...


    Aber: Bei diesen unverschämten Preisen werde ich mir ganz bestimmt kein Fachbesucherticket kaufen, sondern bestenfalls ein Tagesticket am Samstag. Vielleicht fahre ich aber auch gar nicht hin, das werde ich wohl eher spontan nach Laune entscheiden.

    Abgeschlossen: ›Herr Sonneborn geht nach Brüssel ‹ (empfehlenswert), angefangen: Julian Barnes, ›Der Lärm der Zeit‹, über Schostakowitsch in der Stalin-Ära. Da muss ich noch ein wenig Hintergrund nachlesen, bevor ich verstehe, worum es geht. Ich hab zu Schostakowitsch zwar ein paar Eckdaten im Kopf, aber das reicht wohl nicht.


    Das Buch von Barnes habe ich auch gelesen. In England (wohl auch in den USA) ist Schostakowitsch deutlich präsenter und populärer als bei uns. Es wäre mal interessant, über die Gründe nachzudenken... Eine noch weitaus literarisch anspruchsvollere Bearbeitung des Schostakowitsch-Themas findest Du übrigens in William T. Vollmanns Roman 'Europe Central'. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

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    Alles Gute für die OP, Zefira!


    Ich hatte mal ein relativ freies Wochenende (kommt selten vor in letzter Zeit) und habe in bisschen Binge-Lesen gemacht...


    Zunächst die Re-Lektüre von Nawrats Roman 'Der traurige Gast', weil sich morgen unser Lesekreis dazu trifft. Dazu habe ich im Maron-Strang noch etwas geschrieben.

    Dann die sehr schöne Novelle 'Eine blassblaue Frauenschrift' von Franz Werfel.

    Danach die sehr ergreifende Erzählung 'Das Brandopfer' von Albrecht Goes. Das Buch habe ich vor vielen Jahren zum ersten Mal um den Karfreitag herum gelesen (so meine Erinnerung) und seither verbinde ich es mit dieser Zeit vor Ostern.

    Danach habe ich noch mit Jurek Beckers 'Jakob der Lügner' begonnen. Tatsächlich erstmalig...

    Ich möchte diesen Strang und die Diskussion noch um einen weiteren Beitrag ergänzen. Ich lese gerade zur Vorbereitung unseres Lesekreises noch einmal den neuen Roman von Matthias Nawrat: Der traurige Gast. Und mir ist in der Auseinandersetzung mit dem Buch sowie auch bei den Interviews, die ich mit Matthias Nawrat auf der Leipziger Buchmesse und im Radio gehört habe, bewusst geworden, wie sehr Monika Marons Roman und der Roman von Nawrat zusammenhängen.


    Es sind zwei literarische Verarbeitungen desselben Themas. Beide Romane spielen in Berlin, beide beschäftigen sich mit der Problematik der Migration, beide beschreiben Menschen, die sich auf ihre Weise mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Während der Hintergrund von Marons Buch die Ereignisse des Jahres 2015 und danach sind, steht bei Matthias Nawrat das Jahr des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Hintergrund.


    Für die Hauptfigur in Marons Erzählung bedeuten die politischen Ereignisse einen Einbruch in ihre Welt der Normalität, sie erlebt das als Bedrohung und droht, in ihrem Lebensfluss ins Stocken zu geraten. In ihre Wahrnehmung der Gegenwart mischen sich zunehmen die Kriegsbilder und -metaphern der historischen Epoche, über die sie schreibt (die Zeit des Dreißigjährigen Krieges).


    Der Erzähler in Nawrats Buch (der sehr viel vom Autor selbst hat) ist selbst 'Migrant' - er wurde im polnischen Oppeln geboren und kam als Junge nach Deutschland. In seinem Roman kommt er immer wieder mit den Mikrokosmen migrantischer Kulturen in Berlin in Berührung. Das Thema der Migration kommt ihm plötzlich wieder nahe, es rückt ihm regelrecht auf die Pelle und er empfindet das als äußerst unangenehm. Als er der ebenfalls polnischen Architektin Dorota begegnet, die sich in einem Zustand der Transition regelrecht verbissen hat (sie lebt in einer Mietwohnung, die vor allem aus Durchgangszimmern zu bestehen scheint), weigert sich aber, diese Wohnung und überhaupt ihren Stadtteil zu verlassen), befällt den Erzähler ein regelrechtes Grauen. Er wird dies nicht mehr los, sondern wird immer tiefer in die Biographien von Menschen hineinverwickelt, die ihre Heimat verlassen mussten und deren Leben keine Stetigkeit mehr entwickeln. Für die Menschen in Nawrats Buch ist der Übergang zum Dauerzustand geworden. Und von diesem Zustand der Veränderung sind alle betroffen, auch die, die sich räumlich nicht verändern. Denn die Welt um sie herum ändert sich, und deshalb werden auch sie zu Transitionen gezwungen.


    Nawrats Erzähler wählt aber einen ganz anderen Ausweg - oder vielleicht kann man nicht von einer Wahl sprechen. Er reagiert anders als die Hauptfigur in Monika Marons Buch. Er entzieht sich nicht. Er lässt sich in das Leben und das Schicksal der Menschen hineinziehen, denen er begegnet, auch wenn er mitunter Unbehagen und Widerstände in sich spürt.


    Nawrats Erzählung ist völlig frei von Pathos oder irgendwelchen Multi-Kulti-Romantizismen. Ganz im Gegenteil. Die Traumata der Migration werden benannt und beschrieben. Einige der Figuren zerbrechen daran. Und trotzdem durchweht das Buch ein Ton der Mitmenschlichkeit und der Empathie. Diese - so meint Nawrat - ist das Einzige, was uns bleibt, wenn wir mit den Ereignissen konfrontiert werden.


    Das macht das Buch für mich zu einer so wichtigen Ergänzung zum Buch von Monika Maron. Sehr lesenswert sind beide Romane. Aber dass zwei Autoren vom Format Monika Marons und Matthias Nawrats das gleiche Thema verarbeiten und darin unterschiedliche Wege des Umgangs damit für uns ausloten, das ist schon ein großes Glück.

    Wahrscheinlich nicht. Aber er könnte damit den Deutschen mal wieder ein bisschen die Augen für die Komplexität und Schönheit ihrer Sprache öffnen. Das täte ihnen ganz gut und würde vielleicht manche Verhunzung verhindern.


    Und ich versuche mir gerade vorzustellen, Abbas Khider wäre in Polen gelandet...

    Hier nun abgesehen von der Frage nach dem Leipziger Buchpreis ein kleiner Messe-Überblick von meiner Seite.


    Am Mittwoch begann die Messe für mich schon traditionell mit dem Abend in der Alten Handelsbörse, der vom MDR organisiert wird.

    Dort las zunächst Gunther Geltinger aus seinem Roman 'Benzin', einer Geschichte eines schwulen Paars auf einer Reise durch das südliche Afrika. Nicht so recht mein Fall. Es folgte Abbas Khider mit seinem Buch 'Deutsch für alle', einem sehr witzigen Blick auf die deutsche Sprache, erwartet unterhaltsam.
    Danach Matthias Nawrat mit seinem Roman 'Der traurige Gast'. Naja, dazu muss ich nichts mehr sagen - er hätte den Buchpreis bekommen müssen, wenn die Jury nach literarischen Kriterien entschieden hätte.


    Am Donnerstag begann mein Messetag mit der Vorstellung der Nominierten im Bereich Belletristik. Danach eilte ich zum Guggolz-Verlag, der seine Neuerscheinung eines russischen Exilromans von Boris Poplawski vorstellte. Das klang exzellent. Von dort weiter zu Frank Bösch, der über sein Buch über das Jahr 1979 sprach. Ich bin bei solchen Büchern skeptisch (siehe Florian Illies), aber das klang äußerst klug und überzeugend. Danach Doris Knecht und ihr Roman 'Weg'. Ich mag den Ton der Autorin und auch dieser Roman wird wohl auf meinem Lesetisch landen. Es folgte noch Jochen Schmidt mit einem Interview zu seinem Roman 'Ein Auftrag für Otto Kwant'. Den Autor verfolge ich seit der Leipziger Buchmesse 2001 zum ersten Mal lesen hörte, damals mit seinem Band 'Triumphgemüse'. Den Abend verbrachten wir dann bei Reinhard Kaiser-Mühlecker in der wunderschönen Kultur-Apotheke.


    Am Freitag begann mein Tag mit einer Lesung von Tadeusz Dabrowski aus seinem Roman 'Eine Liebe in New York'. Das Interview wurde leider sehr schwach von Jörg Magenau geführt (noch nicht einmal den Namen des Autors sprach er korrekt aus, was ich äußerst unhöflich finde...). Dann eilte ich zum Berenberg Verlag, wo ein Buch von Benjamin Balint zum Prozess um den Kafka- und Brod-Nachlass vorgestellt wurde, äußerst kenntnisreich und interessant vorgestellt von Natascha Freundel). Dann landete ich eher zufällig bei Masha Gessen und ihrem Buch 'Die Zukunft ist Geschichte' über Russland nach 1989. Das Gespräch mit der Autorin hat mich wirklich begeistert, ich fand sie ungeheuer klug und anregend. Das Buch muss ich lesen.


    Abschließend lauschte ich noch dem ungarischen Autor György Dragoman und einer seiner düsteren Geschichten aus dem Band 'Löwenchor'. Abends war ich im Polnischen Institut zur Vorstellung eines neuen Doppelbandes über den 1. Weltkrieg und seine Nachwirkungen im Osten Europas, gemeinsam mit Jörn Leonhard und seinem Buch über den 1. Weltkrieg aus globaler Perspektive. Anschließend noch zum Verlagsabend der Kurt-Wolff-Stiftung, auf der das Programm und die Arbeit des Merlin-Verlags und der Edition fototapeta vorgestellt wurde. Letztere interessiert mich vor allem wegen des polnischen Programmschwerpunkts.


    Am Samstag wird es auf der Messe erfahrungsgemäß unerträglich voll, weshalb ich gerne drei Stunden am Stück beim Deutschlandradio zum Bücherfrühling verbringe. Dort werden neuen Autorinnen und Autoren interviewt, man kann also sitzenbleiben und das Programm wechselt alle 20 Minuten. Es waren diesmal u.a.: Sasa Stanisic, Daniela Krien, Daniela Rinck, Andreas Eschbach, Ulrich Woelk, Matthias Nawrat und Radka Denemerkova. Stanisic natürlich wieder hinreißend mit einem kurzen Text über sein Verständnis von 'Heimat'. Menschlich, witzig, tiefgründig.


    Zuvor war ich noch bei einer Lesung von Jörg-Uwe Albig aus seinem Roman 'Zornfried', in dem er die bizarre Welt neurechter Salonfaschisten beschreibt. Dazu gab es auch eine interessante Diskussion.


    Gerne hätte ich auch noch Julia Rothenburg mit ihrem neuen Roman 'Hell Dunkel' gehört, aber es ließ sich zeitlich einfach nicht mehr unterbringen. Egal. Es war eine schöne Messe mit diesmal deutlich besserem Wetter als im vergangenen Jahr, als Schnee und Eis die Stadt vor allem am Samstag regelrecht lahmgelegt haben.


    Ich schätze mal, dass es diesmal wieder einen Besucherrekord gab.

    Ja, Zaimoglu bedient sich in seinen Texten eines sehr hohen Tons. Mir sagt das auch gar nicht zu, wobei ich sagen muss, dass ich ihn den Gesprächen (ich habe ihn auf der Messe zweimal gehört) sehr sympathisch fand.

    Bei Kenah Cusanit ging es mir beim Zuhören in Leipzig genauso wie beim Lesen des Buches: Ich bin nach wenigen Sätzen ausgestiegen und schweifte ab.

    Anke Stelling gewinnt den Preis.

    Mir ist es völlig unverständlich, warum die Jury sich für Anke Stelling entschieden hat.

    Ich habe am Donnerstagvormittag auf der Messe eine Vorstellungsrunde besucht, bei der alle Nominierten der Kategorie Belletristik vorgestellt wurden und auch jeweils ein kurzes Stück aus ihrem Buch lasen.


    Rein literarisch gesehen halte ich ihr Buch für das am wenigsten überzeugende der fünf. Gleichwohl waren alle der vorgestellten Autoren sympathisch und haben auch im Gespräch Erhellendes über ihre Bücher sagen können. Besonders gut kam beim Publikum Jaroslaw Rudis an, dessen kurze Lesung regelrecht zu einem Happening geriet. Er verstand es auch besonders gut, die Sachsen in sein Thema einzubeziehen, da ja in der Schlacht von Königgrätz, die gewissermaßen eine Urkatastrophe nicht nur der österreichischen Geschichte, sondern auch seines Buches ist, die Sachsen gemeinsam mit Österreich gegen die Preußen verloren...

    Ich merke bei mir so einen gewissen inneren Widerstand. Das hat damit zu tun, dass sich jemand, der äußerlich und im Habitus so sehr auf 'Schriftsteller' macht, schon sehr anstrengen muss, um mit seinen Texten dann auch einzulösen, was er im Habitus darstellt oder darstellen will. Man könnte auch sagen: Punktabzug in der B-Note. :)


    Mir fällt das dann im Vergleich zu anderen Autoren auf, die viel ungekünstelter und zugänglicher daherkommen, bei denen man überhaupt keine Allüren spürt und die man auf der Straße ansprechen könnte, ohne das Gefühl zu haben, ihnen zu nahe zu treten. Deren Texte wirken auf mich dann auch authentischer und vor allem geerdeter (so wie gerade in Leipzig etwa Nawrat und Stanisic). Und im Ganzen auch überzeugender, weil ich in ihnen eine andere Form der Erfahrung wahrnehme, während bei Kaiser-Mühlecker für mich zuviel Verfeinerung drinsteckt. Aber es hat sicher beides seine Berechtigung und unterschiedliche Leser sprechen ja auch auf unterschiedliche Arten von Texten an.

    In Darmstadt war es mit 20 Zuhörern recht übersichtlich. Ein Sammler ( oder Händler?), der alle Romane gebunden dabei hatte.

    Mehr waren es in Leipzig auch nicht. Der Ort war allerdings sehr schön: eine alte, zur Kneipe umgebaute Apotheke in der Eisenbahnstraße.


    Der Autor - nun ja, er gibt selbst zu, Lesungen nicht zu mögen und sie während der ersten Jahre als Schriftsteller auch nicht gemacht zu haben. Eine hohe, sehr ton- und kernlose Stimme. Wirkt sehr ätherisch. Schaut nicht wirklich ins Publikum, sondern eher in eine unbestimmte Ferne, wenn er spricht. Mir fällt es schwer, das mit seiner ländlichen Herkunft und auch mit dem Thema seines Romans zusammenzubrigen. Da sind die Leute eher nicht so. Stilistisch spricht es mich eher weniger an, vor allem mag ich diese Reihung kurzer Sätze nicht so. Es sind allerdings schöne Landschaftsbeschreibungen im Text. Insgesamt hätte ich auch nicht so sehr den Bezug zu Stifter und Hamsun gesehen, sondern eher zu Peter Handke (vor allem wegen des übersensiblen Habitus...)

    Danke, Thomas, für den Bericht!


    Ich habe schon einen Roman von RKM gelesen (Fremde Seele, dunkler Wald), kann aber nicht sagen, dass er mich nachhaltig beeindruckt hätte.


    In Leipzig gibt es morgen abend eine Lesung von ihm, die ich gerne besuchen möchte. Danach dann mehr. :-)

    Jaroslaw Rudis habe ich heute beendet (einer langen Bahnreise sei Dank!).


    Mir hat das Buch Spaß gemacht. Großen Spaß sogar. Obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass viele Leser es nicht mögen werden.


    Erzählt wird ein ziemlich skurriler Road-Movie. Der 99-jährige Wenzel Winterberg, eigentlich schon auf dem Weg ins Jenseits, und sein tschechischer Pfleger Jan Kraus begeben sich auf eine Reise durch die ehemaligen Kronländer der k.u.k.-Monarchie. Dabei hilft ihnen ein Baedeker-Reiseführer von 1913 - also die letzte Ausgabe vor dem Weltkrieg, der das Habsburgerreich dann in seine Bestandteile atomisierte. Ihre Reise unternehmen sie mit der Bahn, was das Buch neben einer Geschichte des Habsburgerreiches auch noch zu einer Geschichte des österreichischen Eisenbahnwesens werden lässt. Und beizu werden dann auch noch die persönlichen und familiären Traumata der beiden Hauptfiguren aufgearbeitet, die selbstredend auch die Traumata der österreichischen Geschichte sind...


    Für Menschen, die sich den Themen Geschichte und Eisenbahnwesen nicht abschrecken lassen, eine sehr vergnügliche, wenn auch mitunter doch etwas repetitive Lektüre...


    Damit steht jetzt aber meine Liste für den Preis der Leipziger Buchmesse fest:


    Mein Favorit ist ganz klar Matthias Nawrat.
    Danach Jaroslaw Rudis.

    Platz 3: Anke Stelling

    Platz 4: Kenah Cusanit


    Das Buch von Feridun Zaimoglu habe ich nicht gelesen und werde das wahrscheinlcih auch nicht tun. Der Autor ist furchtbar nett, aber seinen Erzählstil mag ich nicht wirklich. Daher läuft er für mich 'außer Konkurrenz'.