Beiträge von JHNewman

    Ich finde an Leipzig vieles toll:


    Es ist eine junge Stadt mit vielen Studenten, aber auch mit Tradition.

    Es gibt viel Kultur und Geschichte, aber es ist nicht museal (wie Dresden).

    Die Menschen sind ausgesprochen freundlich (verglichen mit Berlin oder Schwaben)

    Es gibt viel alte Bausubstanz, ohne dass es geleckt oder überteuert wäre.

    Die Stadt strotzt von deutscher Kultur (Bach, Goethe, Mendelssohn, Verlage...), ist aber zugleich weltoffen.

    Die Kneipenszene ist sensationell.

    Die jährliche Buchmesse.


    Einziger Minuspunkt: es fehlt ein schönes Umland. Da muss man einige Zeit fahren, bis man im Saaletal oder im Harz ist...

    Leipzig ist eine tolle Stadt, habe ich mir sagen lassen. :-)

    Obwohl, in letzter Zeit gewann mein Bewegungsdrang und ich erkundete sie wieder selbst.

    Wenn ich heute eine Großstadt in Deutschland zum Leben auswählen müsste, wäre Leipzig ganz oben auf der Liste... zusammen mit Hamburg.
    Umso erstaunter war ich, als ich einem Ranking der hässlichsten deutschen Städte auch Leipzig entdeckt habe. Da war offenbar jemand noch nie da...

    Danke, finsbury! In die Leserunde schaue ich mal rein.


    Osterkamp beschreibt es so: Keller hat Gutzkow bewundert und geachtet, wenn auch nicht persönlich (er bezeichnete ihn mal als "Ratte"), dafür umso mehr literarisch. Osterkamp stellt auch die These auf, dass Keller sich in Abgrenzung zu Gutzkow nicht an großstädtische und zeitlich aktuelle Themen wagte, sondern sich bewusst in ein anderes Milieu begab, um nicht mit Gutzkow konkurrieren zu müssen. Der Markt war einfach schon besetzt... Und als er dann später mit Martin Salander doch einmal einen Vorstoß wagte, ging das schief.


    In der Tat (so Osterkamp) ist ja bemerkenswert, dass Keller trotz eines mehrjährigen Aufenthalts in Berlin in literarischer Hinsicht kein Verhältnis zu dieser Stadt gewonnen hat.

    In der Sinn & Form 6/2019 gibt es einen sehr schönen Essay von Ernst Osterkamp zu "Gottfried Kellers Berlin". Der Autor räumt darin mit einigen Vorstellungen über Kellers Zeit in Berlin auf und spricht vom Berlin der Jahre 1850-1855 als Hauptstadt der Schweizer Literatur - nicht nur wegen Kellers Aufenthalt in der Stadt, in der wesentliche Teile seines Werks entstanden, sondern auch wegen der dort grassierenden Gotthelf-Verehrung. Keller setzt er in diesem Aufsatz vor allem auch in Beziehung zu Karl Gutzkow (von dem ich nichts kenne, was sich aber ändern sollte).


    Sehr lesenswert und auch mit feinem Humor geschrieben.

    Ich habe gestern auf einer längeren Autofahrt die drei Teile des Hörspiels 'Verstand und Gefühl' nach Jane Austen gehört (Giesbert hatte dankenswerterweise darauf hingewiesen). Eigentlich ganz ordentlich gemacht, jedoch hat mich die Ähnlichkeit der beiden Stimmen von Marianne und Elinor sehr beim Hören verwirrt. Da hat jemand einfach schlecht gecastet.


    Die Folgen gibt es noch auf der Seite des Hessischen Rundfunks:

    https://www.hr2.de/podcasts/ho…l/podcast-channel248.html


    Hinweis auch an Zefira: Dort gibt es derzeit auch die zweiteilige Hörspielbearbeitung von Wassermanns "Fall Maurizius"

    Danke, Finsbury!

    Ich habe vor vielen Jahren einmal einen Roman von Barbara Pym gelesen und bin ihr seither vor allem in Nebenbemerbekungen begegnet, weil sie gewissermaßen auch als Chronistin des von Dir auch angesprochenen anglokatholischen Soziotops gilt. Das würde mich an diesem Roman noch einmal besonders interessieren, weshalb ich mich über den Hinweis von Dir freue und das Buch auf meine Leseliste setze...

    Ich habe mich über die Feiertage ganz wunderbar unterhalten lassen von Jonathan Coes Roman 'Middle England'.


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    Keine so hohe Literatur wie Ali Smith, aber ein ausgezeichnet gemachter Gesellschaftsroman in angelsächsischer Erzähltradition mit tiefen Einblicken in die britische Gesellschaft der Jahre 2010 bis 2018. Für mich insofern eine besonders erhellende Lektüre, weil ich England Ende 2011 verlassen habe und mich wie viele andere Menschen frage, was mit dem Land eigentlich seither passiert ist. Hier bekommt man Antworten. Manches davon tut weh, aber der Autor hat auch einen herrlichen Humor, dass ich an vielen Stellen laut gelacht habe.


    Der Roman verfolgt die Schicksale der Mitglieder einer Familie aus Birmingham und einiger ihrer Freunde und Bekannten. Wie ich dem Nachwort entnehme, gibt es bereits zwei weitere Romane rund um die Familie Trotter, die bereits vor einigen Jahren erschienen sind. Die werde ich mir baldmöglichst zulegen.

    Vielleicht liegt es auch daran, dass mir der Mittelteil, also "Etzel Andergast" fehlt.

    Nein, Zefira, daran liegt es gewiss nicht. Ich hatte ja den Etzel Andergast schon gelesen und trotzdem hat mich dieser Roman auch nicht so überzeugen können (obgleich ich ihn insgesamt recht gerne gelesen habe). Der Roman hat strukturell einfach zu große Schwächen, es fehlt ihm eine wirklich durchgängige Handlung, die im Etzel Andergast zwar auch in zwei Strängen dargeboten wird, aber immerhin innerhalb dieser Stränge doch mit sehr viel Dramatik.


    Den Hinweis auf 'Mewin' habe ich auch nicht verstanden. Danke, dass Du das jetzt aufgeklärt hast!

    Ich habe das Buch bereits letzte Woche beendet, war dann aber im Ausland unterwegs und komme daher jetzt erst dazu zu antworten.


    Ich habe das Verschwinden des Manuskripts als einen Schicksalsschlag empfunden, der deutlich machen sollte, dass es Kerkhoven nicht vergönnt ist, als Schöpfer eines großen und bedeutenden Werkes - einer Hinterlassenschaft sozusagen - in Erinnerung zu bleiben, sondern dass sein Wirken einzig im menschlichen Erleben fortbesteht, in den Menschen, denen er geholfen, die er geheilt hat. Dieses Wirken lässt sich nicht über ein Medium (i.e. ein Buch) vermitteln, sondern es bleibt an den Menschen und sein persönliches Charisma gebunden, damit erlischt es auch mit dem Tod dieser Person.


    Ich hatte gegen Ende der Lektüre doch den Eindruck eines gehobenen Kolportageromans. Da werden auch nach dem Abschluss des Ganna-Kapitels noch immer weitere Fallgeschichten aufgerufen und ausgebreitet. Zum einen hatte ich aufgrund meiner langsamen Lektüre Schwierigkeiten, an manches aus dem ersten Teil des Romans wieder anzuknüpfen, zudem erschien es mir dann auch teilweise als willkürlich, dass immer neue Personen und psychologische Anekdoten erzählt wurden. Das hätte noch 300 Seiten so weitergehen können, aber man hatte das alles auch um 200 Seiten kürzen können, ohne an der Substanz des Romans etwas zu ändern.

    Eine schöne Liste, JMaria!!


    "Wiesenstein" hat mir im Jahr davor auch sehr gefallen. Ein sehr eindrückliches Buch, viele Bilder sind mir noch im Gedächtnis. Und in diesem Jahr bin ich selbst einmal durch Bad Warmbrunn geschlendert und habe nach dem Café Ausschau gehalten, das im Buch beschrieben wird. In der Villa Wiesenstein war ich vor einigen Jahren einmal.

    Meine Lese-Höhepunkte in diesem Jahr waren:


    Andor Endre Gelleri, Stromern (Ich lese normalerweise nicht so gerne Erzählungen, aber diese ungarischen Texte haben mich vollkommen in ihren Bann geschlagen)

    Rachel Cusk, In Transit (eigenartig schwebende Episoden aus dem Leben einer Schriftstellerin, die mich begeistert haben)

    Stefan Zweig, Die Welt von gestern (unfassbar, aber diese großartigen Erinnerungen kannte ich bislang noch nicht)

    Herbert Kapfer, 1919. Fiktion (ein Roman, in dem kein Wort von Kapfer stammt, sondern der lediglich Auszüge aus anderen Büchern neu zu einem Kaleidoskop der Zeit zusammenstellt)

    Cornelia Koppetsch, Gesellschaft des Zorns (ein kluges Buch, das mir manche Phänomene endlich plausibel gemacht hat)

    Ocan Vuong, Auf Erden sind wir kurz grandios (ein gehyptes Buch, aber in diesem Fall zu recht)

    Andreas Maier, Die Familie (Teil eines auf zwölf Bände angelegten Zyklus - ich freue mich auf jeden neuen Band, aber mit diesem sechsten Buch hat Andreas Maier noch einmal völlig den Blick auf seine Familie und Herkunft verändert. Das kam wohl auch für ihn selbst überraschend. Umso gespannter bin ich, wie es weiter gehen wird).


    Und zuletzt mein persönliches Buch des Jahres *tada*
    Matthias Nawrat, Der traurige Gast

    Es wird eine (konzertante) Aufführung des Orfeo mit Rolando Villazon geben.

    Das Wichtigste bei Orfeo sind ohnehin die Chöre, und Frau Pluhar hat gute Musiker.

    Oh, Pluhar und Monteverdi ist eine tolle Kombination. Ich habe einige Aufnahmen von ihr, u.a. das Teatro Amore (?) und die Marienvesper. Grandios. Da hast Du wirklich einen Grund zur Vorfreude....

    Ich muss auch sagen, dass mir von den drei Romanen der Trilogie dieser bisher am wenigsten plausibel erscheint. Im Fall Maurizius haben wir ja sozusagen die rückwirkende Aufklärung eines Kriminalfalls als handlungsordnenden und -vorantreibenden Faden. Der zweite Roman fällt schon in zwei Teile, von denen mir aber vor allem der Etzel-Andergast-Teil als recht spannend in Erinnerung ist, zumal ja die Hauptfigur schon aus dem ersten Roman vertraut ist und ich als Leser daran interessiert bin, wie es mit ihm weitergeht (auch da wäre eine Zweitlektüre angezeigt, aber im Moment habe ich dafür keine Zeit). Da ich recht langsam lese diesmal, ist mir die Rahmenhandlung um Joseph und Marie Kerkhoven jetzt schon wieder etwas fern gerückt....