Beiträge von JHNewman

    Da hat man nun all die Jahrzehnte über einem großen Laster gefrönt - und sich Bücher angeschafft. Ein Auto habe ich nie gefahren, (...) Hätte gar nicht die Geduld, mir ein Hörbuch anzuhören.

    Da sehe ich eine Korrelation. Die Geduld für Hörbücher bringe ich auch nur im Auto (bei längeren Fahrten) auf. Seit ich nicht mehr wöchentlich nach Westdeutschland pendeln muss, ist mein Bedarf an Hörbüchern auch massiv zurückgegangen. Für lange Autofahrten hingegen sind sie wundervoll.

    Oh, das ist eine traurige Nachricht. Ich habe mit der von ihm herausgegebene Nabokov-Ausgabe von Rowohlt eines seiner Lebenswerke im Regal (und auch häufiger in der Hand!). RIP!

    In der Süddeutschen Zeitung gab es gestern ein langes Interview mit Helga Schubert. Äußerst lesenwert, online allerdings derzeit noch nicht frei verfügbar. Danach ist mir die Autorin noch sympathischer als direkt nach dem Wettbewerb in Klagenfurt. Ich hoffe sehr, dass einige ihrer älteren Bücher jetzt noch einmal aufgelegt werden - und auch das neue Buch, von dem sie in Klagenfurt sprach, dann bald erscheint.

    Ich habe die Klagenfurter Tage nur ausschnittsweise verfolgt, aber gestern die Preisverleihung angeschaut. Helga Schubert war mir äußerst sympathisch, der Name war irgendwo in meinem Hinterkopf noch vorhanden, allerdings gibt es wohl derzeit keine lieferbaren Titel von ihr. In der Jury ist mir Philipp Tingler negativ aufgefallen - aber ich kann ihn schon im Literaturclub schwer ertragen. In der Süddeutschen heute ein sehr negativer Kommentar über ihn: "schreibt Unterhaltungsromane, hat sich mit der Position in der Klagenfurter Jury überhoben...". Das Ärgerliche bei ihm ist nicht nur, dass er weniger als andere Jurorinnen und Juroren begründet, sondern vor allem auch einfach laut und penetrant den anderen dazwischenquatscht. Bei einem Format wie dem digitalen heuer in Klagenfurt geht das einfach nicht. An Helga Schubert schmiss er sich mit einem unsäglich peinlichen: "Frau Schubert, ich liebe Sie!" ran.

    Kennt Ihr sicher auch: Die ganze Bude voller Bücher, aber man hat nichts zum Lesen... Ging mir vor drei Tagen wieder so. Fünf Bücher in die Hand genommen, aber nichts davon war richtig. Mein häufiger erprobtes Hausmittel ist dann: Nabokov. Hilft eigentlich immer. Zunächst einiges aus den Vorlesungen über westeuropäische Literatur, herrlich unkonventionell. Jetzt den frühen Roman "König, Dame, Bube", der im Berlin der 20er Jahre spielt. Wunderbar.

    Bei Daniel Kehlmann kam bei mir der Eindruck auf, daß es sich bei ihm um einen hochgehypten Autor handelte. Ein Bekannter beklagte sich, daß sein Roman „Die Vermessung der Welt“ sich lediglich dazu eigne, Schülern die indirekte Rede zu demonstrieren, das Buch ansonsten aber nichts tauge.

    Nun frage ich mich, ob „Tyll“ in dieselbe Kategorie fällt, oder es sich wirklich um einen Roman handelt, der in einer anderen (nämlich höheren) Liga spielt?

    Daniel Kehlmann ist zweifellos ein hochgehypter Autor, beliebt bei Kritik und Publikum und vor allem auch einer der wenigen deutschen Gegenwartsautoren, die im Ausland erfolgreich sind (was wiederum ein Beleg für seine Zugänglichkeit ist...)


    Das alles spricht nicht unbedingt für ihn, aber auch nicht völlig gegen ihn. Die Vermessung der Welt erfüllte einige Kriterien, die das Buch sehr erfolgreich machten: es war ein griffiges Thema, mit Gauß und Humboldt gab es zwei einigermaßen bekannte Protagonisten, das Buch war leicht zu lesen und bot durch die Exotik der Humboldt-Passagen auch genug Gelegenheit einfach faktisch zu erzählen ohne zuviel komplex zu reflektieren. Ich würde sagen: Der Roman war gut gemachte Unterhaltung mit überschaubaren Ansprüchen. Nichts, was man kennen muss, aber auch keine reine Zeitverschwendung.


    Danach ging es jedoch mit dem Autor eher bergab, und aus meiner Sicht war der Roman 'F' wirklich eine ziemliche Beleidigung der Leser. Deshalb wollte ich "Tyll" nicht lesen - zumal Kehlmann mit der Epoche des Dreißigjährigen Krieges eine gewählt hatte, mit der ich mich im Studium viel beschäftigt habe. Ich habe also tapfer widerstanden und erst nach hartnäckigen Empfehlungen vertrauenswürdiger Menschen und Erscheinen des Taschenbuches die Lektüre gewagt, immer mit der Befürchtung, das Buch nach 50 Seiten wegzulegen. Und ich wurde positiv überrascht. Der Roman ist deutlich besser als seine Vorgänger, sprachlich farbiger, gut erzählt und auch von der Erzälstruktur her nicht so eindimensional.

    Ich habe gestern den Roman "Das ist bei uns nicht möglich" von Sinclair Lewis beendet.

    Das Buch ist 1935 in den USA erschienen und beschreibt den kometenhaften Aufstieg eines populistischen Politikers names Berzelius Windrip zum Präsidenten und Diktator der USA.


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    Anfänglich habe ich mich mit dem streckenweise geschwätzigen Stil etwas schwer getan. Dann aber faszinierten mich die politischen Vorgänge immer mehr. Die Ironie und der Sarkasmus des Autors kommen in der Übersetzung nur teilweise zur Entfaltung. Windrip hat ein Buch verfasst, aus dem zu Beginn jedes Kapitels zitiert wird. Sein plumper und aufgeblasener Populismus könnten an vielen Punkten die direkten Vorlagen für Donald Trump gewesen sein, das ließ mir beim Lesen mitunter kalte Schauer über den Rücken laufen.


    Die Übersetzung von Hans Meisel, die der Aufbau Verlag jetzt neu aufgelegt hat, ist aus dem Jahr 1936. Leider merkt man ihr das Alter deutlich an. Eine Neuübersetzung wäre dringend angeraten. Trotzdem ist das Buch wegen der aktuellen Bezüge auch heute noch sehr lesenswert.

    Ich muss den 'Meister' unbedingt mal wieder lesen. Als ich ihn zum ersten Mal las, fand ich ihn nicht so gut, wie alle immer sagten. Mir gefiel seinerzeit die 'Weiße Garde' deutlich besser. Später habe ich es dann nochmal mit einer Hörspielfassung versucht, bin da aber nicht so weit gekommen..


    Die Dämonen von Dostojewskij haben mich da weitaus mehr beeindruckt. Vor allem bei diesem Kapitel mit der Beichte läuft es mir kalt den Rücken herunter... Erzähl doch mal, ob Du beim Lesen einen Unterschied der Übersetzungen bemerkst. Ich habe die Übersetzung von Marianne Kegel und beim Lesen nichts auszusetzen gehabt. Ich bewundere Svetlana Geier, fand es aber immer irgendwie übertrieben, meine Übersetzungen auszutauschen...

    Ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute oder eine schlechte Entscheidung ist... Einerseits braucht die Branche ein bisschen Aufmerksamkeit und ein bisschen 'Normalität'. Aber genau letztere wird es wohl kaum geben. Zudem schätze ich, dass viele internationale Verlage und Autoren nicht reisen wollen. Also wird es schon mal kleiner. Dann wird das Publikum sehr ausgedünnt sein, vielleicht kommt man auch gar nicht in die Hallen rein. Naja. In jedem Fall werden wir uns dann auf ein reichhaltiges Medienprogramm und viel Streaming freuen können. Ist ja auch schon mal was...

    Ich bin sehr sehr begeistert von Eugen Ruges Roman 'Metropol' - ich bin den Hauptfiguren atemlos durch die Schrecken des stalinistischen Terrors gefolgt. Das hat Ruge sehr gekonnt und mitreißend, beklemmend und erschreckend eingefangen. Allerdings bleibt nach der Lektüre die Frage immer noch etwas offen, wie dieser Terror so gut funktionieren konnte. Es war vollkommen offensichtlich, dass die Vorwürfe gegen die Angeklagten an den Haaren herbeigezogen waren. Aber offenbar gab es überhaupt keinen Widerstand gegen die Säuberungen? Es gibt im Roman eine Szene, in der sich eine der Hauptfiguren Gedanken darüber macht, wenn nur dreißig der oberen Funktionäre oder der Anwesenden im Gerichtssaal gegen diesen Prozess aufbegehren würden, könnten sie ihm ein Ende setzen. Es ist nicht geschehen.


    Jetzt lese ich Mairam Kühsel-Hussainis Buch 'Tschudi' und bin bisher etwas irritiert. Das Buch wimmelt von Fehlern - sprachlich, grammatisch, orthographisch. Die Handlung ist bisher ganz interessant, aber auch sehr viel name dropping. Bin noch nicht sicher, ob ich das bis zum Ende durchhalte.

    Wurde eigentlich schon Die Wahrheit über den Fall D. genannt? Ein Krimi von Fruttero & Lucentini, es geht um Dickens’ letzten, unvollendeten Roman "Edwin Drood". Der Dickens-Text wird kapitelweise in den Roman gemischt, drumherum gibt's dann eine Krimihandlung. Ich hab’s als sehr amüsant und pfiffig in Erinnerung, aber mehr weiß ich davon nicht mehr ;-).

    Oh, das habe ich seinerzeit sehr genossen. Die Rahmenhandlung war wirklich witzig, sie spielte in einer Konferenz zur Vollendung unvollendeter Werke, bei der in verschiedenen Arbeitsgruppen Musiker, Maler und Schriftsteller große Fragmente der Weltgeschichte vollenden sollten. Wenn ich mich richtig erinnere, traten dabei auch bekannte Figuren aus der Literaturgeschichte auf, etwa Porphyrij Petrowitsch, der Detektiv aus 'Schuld und Sühne', und Hercule Poirot und versuchten dann gemeinsam, den Fall des Edwin Drood zu lösen.

    Ich hatte mal wieder eine kurze Joseph Roth-Phase und habe neben den 'Juden auf Wanderschaft' und 'Hotel Savoy' die Novelle 'Leviathan' gelesen (angeregt vor allem durch den Bezug zu Ingo Schulzes 'Die rechtschaffenen Mörder').


    Jetzt bin ich äußerst angetan von Eugen Ruges Buch über das Leben seiner Großmutter: Metropol. Erzählt wird die unfassbar beklemmende Zeit der Stalinistischen Schauprozesse in den 1930er Jahren. Exzellent erzählt. Mir gefällt das Buch sogar bisher besser als sein Buchpreis-Gewinner-Roman 'In Zeiten des abnehmenden Lichts'.

    Was den Philosophen Bieri betrifft, höre ich da ein bisschen das Vorurteil, was verständlich geschrieben sei, könne nicht tief sein.

    Nein, da bin ich durchaus Deiner Meinung. Komplexe Sachverhalte gut und verständlich darzustellen, ist wirklich eine Kunst und eine Gabe, die besonders im deutschsprachigen Raum nicht so häufig anzutreffen ist und die ich hoch schätze.


    Ich habe seinerzeit "Wie wollen wir leben" von Peter Bieri gelesen.


    Ich merke beim Lesen dieser wenigen Sätze gleich wieder, warum ich Pascal Mercier nicht mag. Denn das, was er da präsentiert, sind keine Erkenntnisse. Das sind Banalitäten, Binsenweisheiten, die jedem halbwegs intelligenten Leser/jeder halbwegs intelligenten Leserin auch selbst einfallen könnten. Bei Mercier werden sie dann ein bisschen nett garniert und aufgeblasen. Aber am Ende habe ich als Leser nicht den Eindruck, etwas Neues über mich oder die Welt erfahren oder gelesen zu haben, sondern nur Bekanntes in einem neuen Aufguss.


    Es stimmt schon: hier fließen der Erzähler Mercier und der Philosoph Bieri ineinander. Mir ist es ja - Jahre nachdem ich einen Roman von Mercier wütend in die Ecke geknallt habe - passiert, dass ich ein Buch von Bieri las und zunehmend Unbehagen empfand, weil ich genau diesen Eindruck hatte: hier werden im Kern banale Gedanken als Philsophie verkauft. Dann fand ich heraus, dass Mercier und Bieri ein und derselbe sind. Da war mir dann klar, dass genau das mich auch schon beim Erzähler Mercier gestört hatte.


    Und zum Abwägen der Worte: vielleicht bin ein ungeduldiger Leser. Aber ich möchte einem Autor nicht dabei zusehen müssen, wie er hübsch nach Worten sucht. Diese Arbeit soll er geleistet haben, bevor ich das Buch lese. Am Ende soll er sich für ein Wort entscheiden und das hinschreiben. Und ich kann dann als Leser entscheiden, ob das treffend ist. 8)8)

    Ich hab gestern abend noch mit "Gesang der Fledermäuse" von Olga Togarczuk begonnen. Dann bin ich mal gespannt auf die Nobelpreisträgerin :)

    Oh, da bin ich gespannt, wie es Dir gefällt.

    Ich habe das Buch vor vielen Jahren gelesen (als es seinerzeit neu war) und fand es ein wenig seltsam, so eine Art Ökokrimi mit einigen mysteriösen Elementen. Damals hat mir 'Unrast' deutlich besser gefallen. Als ich jetzt 'Ur und andere Zeiten' von ihr gelesen habe, wurden mir einige Motive klarer und ich konnte Verbindungen auch zum 'Gesang der Fledermäuse' erkennen. Diese starke Erd- und Naturverbundenheit ist kennzeichnend für sie.