Beiträge von giesbert

    In Zeiten von Corona hab ich etwas mehr Zeit für Dönekens ;-). Aso:


    Ich habe, eitel wie ich bin, natürlich Google- und einen Talkwalker-Alerts, die mich darüber informieren, wenn mein Name irgendwo im Netz auftaucht. Dabei verweist mich Talkwalker auch auf Webseiten, die von Google - aus gutem Grund, wie man sehen wird - ignoriert werden.


    Gestern und heute bekam ich von Talkwalker Hinweise auf zwei (angebliche) Rezensionen etwas älterer Titel von mir. Die Rezensionen sind sollen vom 30./31. März sein (ich verlinke die jetzt nicht). Besprochen wurden:


    iPhone 3G S - Telefon. Musik. Video. Internet. GPS (das ist von 2009)

    Mac OS X 10.5 Leopard - Für Ein- und Umsteiger (das ist von 2008)


    Diese vorgeblichen Rezension-Seiten werden bei Blogspot (aka Blogger, gehört seit 2003 zum Google-Imperium) gehostet und wirken wie die üblichen Bücher-Blogs, mit Einträgen, Archiv, Kommentaren. Es gibt eine Link zum Profil der Betreiberin (in beiden Fällen angeblich eine Susan Stewart, seit 2019 bei Blogger), die üblichen Cookie-Hinweise etc.


    Auf den ersten Bick scheint es sich also um normale, legitime Websites zu handeln, von denen es tausende gibt. Hier und da etwas schlampig gestaltet, aber mei - das ist bei privaten Websites (leider) häufig zu finden.


    Wenn man allerdings etwas liest, dann liest man seltsame Dinge.


    Ich zitiere mal aus den nunja: Besprechungen. Zum iPhone-Buch steht da zB:


    Zitat

    Das war ein gutes Buch. … Das Buch handelt hauptsächlich von der Anhäufung von Reichtümern, aber es könnte durch jedes andere Gefängnis ersetzt werden, das man sich wünscht. … Was für ein erstaunliches Buch, Ich bin wirklich aufgeregt über jedes Buch, das ich las, und es wurde zu einer Art Sucht. weil ich buchstäblich nicht aufhören kann, es zu lesen. Der Autor ist erstaunlich und diese Fähigkeit, Romantik mit Action und einer dynamischen Verschwörung zu mischen, bringt mich um.

    Zum Mac OS X - Buch kann man etwa das hier lesen:


    Zitat

    Das Schreiben ist sehr sauber und eine Freude zu lesen. Es ist schwierig, die Tugenden dieser Art des Schreibens zu erklären, der Prosastil ist nicht sehr literarisch oder lyrisch, dennoch ist er anmutig und klar. … Es hat uns nicht enttäuscht. Das Lesen dieses Buches ist wie das Finden Ihres Seelenverwandten - Sie haben sich vorher nicht unvollständig gefühlt, aber nachdem Sie es gefunden haben, wissen Sie nicht, wie Sie zuvor hätte vollständig sein können … Ich habe dieses Buch so sehr geliebt. Aber das Buch umfasst mehr als tausend Seiten, also wissen Sie es. …. Dieses Buch ist auch mein Lieblingsbuch, das ich gelesen habe. Ich bin ein großer Fan des Fortschritts der Handlung.


    Beide Besprechungen sind ganz offensichtlich Unfug bzw. Blindtext, der Floskeln und Satztrümmer zufällig zusammensetzt.


    Garniert waren die beiden Besprechungen mit mehreren Download-Links zu "Bücher online lesen" (den Link setze ich auch nicht). Das ist eine anscheinend kommerzielle und auch recht professionelle Website mit geklauten EBooks, wenn auch mit etwas krudem Deutsch ("Ihre Lieblings-Bücher, Zeitschriften, Comics & Kostenlos! Lies Sie Jetzt!" - die originalen Versalien erspar' ich euch auch).


    Für den Zugriff muss man sich registrieren, wobei die Bankverbindung angegeben werden muss. An dieser Stelle hab ich dann abgebrochen. Ob man am Ende tatsächlich ein eBook laden kann, oder ob hier nicht einfach Bankdaten abgegriffen bzw. kostspielige Abos für gar nichts abgeschlossen werden sollen, weiß ich nicht.


    Auf dergleichen Pseudo-Rezensionen weist mich Talkwalker häufiger hin, und ich habe mich immer schon gefragt, was um alles in der Welt das eigentlich soll: Jeder, der auch nur zwei Sätze gelesen hat, weiß sofort, dass es sich bei den vermeintlichen Rezensions-Blogs um ausgemachten Quatsch handelt.


    Also warum macht sich jemand die Mühe und baut ein Blog, in dem Buchtitel mit arbiträren Rezensionsbruchstücken willkürlich kombiniert werden? Die Technik dahinter fällt ja nicht vom Himmel und verlangt dann doch ein wenig Arbeit. Ich gehe zwar davon aus, dass die Seiten automatisch erzeugt werden, aber auch dann muss jemand erstmal ein Script schreiben, das das erledigt und eine Datenbank mit Inhalten füttern, die vom Script bliebig kombiniert werden können.


    Also: was soll das? Warum macht man so etwas?


    Jetzt bin ich via Talkwalker wieder einmal darauf gestoßen worden und jetzt ist bei mir der Groschen gefallen: Diese Pseudo-Rezensionen sind überhaupt nicht für Menschen, sondern für Maschinen gebaut worden. Ziel ist es dabei nicht, dass ein Mensch die Rezension liest und dann auf einen der Download-Links klickt, die ihn zur Bücherklau-Site führen.


    Hier geht es darum, die Platzierung der Bücherklau-Site in den Suchergebnislisten von Google & Co zu verbessern. Eines der Kriterien, die die Position auf der Suchergebnisseite bestimmen, ist ja die Anzahl der Links, die von anderen Seiten zur gelisteten Seite führen. Dazu werden Seiten mit entsprechenden Links benötigt, die formal legitim wirken, während der Inhalt keine größere Rolle spielt: Maschinen können nicht lesen. (Dh - lesen können sie schon, sie verstehen's halt nicht.)


    Die vorgeblichen Rezensionen sollen nur für Suchroboter legitim und plausibel wirken, damit die darin enthaltenen Links zur Bücherklau-Site vom Roboter als legitime Links gewertet werden und ins Ranking einfließen.


    Die beiden Rezensionen verweisen übrigens auf identische Webseiten, die aber unter unterschiedliche Domains erreichbar sind (was übrigens SEO-technisch dann wieder eher dumm ist - identischer Content unter unterschiedlichen Adressen wird von Google abgewertet).


    Beide Sites bauen eine SSL/TLS-Verbindung auf, wozu sie ein Zertifikat einer vertrauenswürdigen Stelle benötigen. Das Zertifikat der einen Site stammt von Cloudfare, das der anderen lustigerweise von Amazon.


    So. Das mal dazu ;-).

    Fitzek kenn ich aus der Plakatwerbung in der Münchner U-Bahn und ein, zwei Teasern, Coelho über drei Ecken (also hier mal ne Inhaltsanagabe, da mal ein kurzes Interview und dort ein paar Zitate). Fitzek scheint mir sadistischer Gewaltporno, Coelho Kitsch garniert mit Kalenderweisheiten. Nichts, was mich auch nur ansatzweise interessiert.


    Fröhlich sagt mir gar nichts.

    "Lasst uns das Signal geben: B.R.D.!" Weiß jemand, was das bedeutet?

    Die Diogenes-Ausgabe hab ich auch (im Rahmen der Steveson-Ausgabe). Aber ich hab auch die hübsche Ausgabe aus dem Mare-Verlag. Und da lautet diese Stelle:

    Zitat

    Erneut ruft mich das Meer – wie zweifellos auch Sir Percy. Flaggen wir »klar Schiff!«!

    Eine Anmerkung gibt's dazu nicht. Im Original steht:

    Zitat

    Well, I am for the sea once more; no doubt Sir Percy also. Let aus make the signal B. R. D.!

    Da braucht man wohl ein Speziallexikon, so auf die Schnelle hab ich nicht gefunden, wofür die Abkürzung steht, das "Glossary of nautical terms" in der Wikipedia führt das leider nicht.

    "Der Junker von Ballantrae" von Stevenson.

    Sehr gute Wahl! Das ist ein tolles Buch! Welche Übersetzung liest du denn?


    Meine Schreibtischlektüre: Arno Schmidt, Die Schule der Atheisten (zu groß, um es irgendwo anders zu lesen)


    Meine Bett- & Badewannenlektüre: Eugèn Sue, Die Geheimnisse von Paris (vollständige Ausgabe, 2000 Seiten feinste Kolportage ;-))

    Daniel Defoe, ›Die Pest in London‹ – so steht's auf meiner Ausgabe (Berlin, Aufbau 1956, mit schönen ausfaltbaren Karten), aber der Originaltitel ist natürlich viel opulenter: ›A / Journal of the Plague Year: / Being / Observations or Memorials, / Of the most Remarkble Occurences, / As well / Publick as Private, / Which happend in / London / During the last / Great Visitation / In 1665.‹


    Defoe Pseudo-Bericht erschien 1772. Defoe wurde 1660 geboren und war also erst fünf. Sein Roman basiert aber wohl auf intensive und systematische Forschung, liest sich jedenfalls sehr authentisch.


    Augenzeuge war dagegen Samuel Pepys, dessen Tagebücher von 1665 ja in einer wundervollen Ausgabe auf deutsch vorliegen (aber bis 1665 bin ich da noch nicht vorgedrungen).

    Ich wollte ja hier mitmischen, aber meine Lektüre ist komplett zusammengebrochen und beschränkt sich auf nostalgische Wiederlektüre von Büchern, die mir mal (sehr) wichtig waren. Aktuell Kästners „35. Mai“. Und diverse Donald-Comics. Seufz.


    Zitat

    „Auch in der Leihbibliothek hatte ich ihn abonnieren müssen; denn ausgegangen ist er kaum mehr – da entschuldigte er sich immer mit seinen kranken Füßen. Auf seinem alten Studentensofa und seinem Bett hat er gelegen und den lieben langen Tag und auch manchmal die Nacht durch gelesen, alles, was ihm einmal gefallen hat in seiner Kindheit und Jugend, und immer aus den alten, schmierigen, ekligen, zerrissenen Bänden von Olims Zeiten. Brachte ich ihm ein neues Exemplar, ließ er’s liegen und meinte: ›Mutter Feucht, das ist das rechte nicht.“

    Ich hab die ›Strudlhofstiege‹ kurz beiseite gelegt, um Christian Moser amüsantes ›Karl May. Die ganze Wahrheit‹ zu lesen: Karl Mays Leben, erzählt von Old Shatterhand. Hübsch illustriert, lustig und obendrein auch noch historisch völlig - oder sagenwirmal, da es mit Historie & Wahreit immer so eine Sache ist: so weit ich das beurteilen kann korrekt. Wer sich über Mays Leben informieren möchte, aber vor den diversen äh »seriösen« Biographien zurückschreckt, der kann das hier tun:


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    Aktuelle Lektüre: Doderer, ›Die Strudlhofstiege‹. Hab ich in der Vergangenheit schon mehrfach gelesen und möchte mal wissen, ob ich den Roman immer noch so gut finde wie ehedem. Aktuell (S. 180): Besser denn je ;-).