Ein Klassikerforumswettbewerb für 2021 - Kommentare und Diskussionen

  • Mir war, als ich die Liste aufstellte, schon von vornherein klar, dass ich nicht alles schaffe. Immerhin waren mit Gormenghast und dem Asturias zwei Trilogien von erheblichem Umfang dabei. Und ich bin in immer mehr Leserunden mit Neuerscheinungen, die ich nicht missen möchte. Die Leseliste ist für mich mehr eine Art Gedächtnisstütze, was in der nächsten Zeit anstehen soll. Wenn ich mich da allein aufs Lustlesen verlasse, greife ich immer nach dem nächsten Buch mit witzigem Einband und spannendem Klappentext, während die Klötze wie jetzt eben "Anna Karenina" immer wieder nach hinten weiterrutschen. Insofern ist die Liste ganz nützlich.

    Da ich vor kurzem Regalplatz dazugewonnen habe (und demnächst noch mehr bekomme, juhu!), sichte ich gerade den Bestand und mache in Gedanken schon Notizen für die nächste Liste ... Es kommt allerhand zum Vorschein, wovon ich gar nichts wusste, zum Beispiel zwei Bücher von Peter Motram, die seit mindestens 20 Jahren ungelesen da herumstehen.

  • Mir war, als ich die Liste aufstellte, schon von vornherein klar, dass ich nicht alles schaffe. Immerhin waren mit Gormenghast und dem Asturias zwei Trilogien von erheblichem Umfang dabei. Und ich bin in immer mehr Leserunden mit Neuerscheinungen, die ich nicht missen möchte. Die Leseliste ist für mich mehr eine Art Gedächtnisstütze, was in der nächsten Zeit anstehen soll. Wenn ich mich da allein aufs Lustlesen verlasse, greife ich immer nach dem nächsten Buch mit witzigem Einband und spannendem Klappentext.

    Du hast Recht, die Liste sitzt einem schon im Nacken, und man kommt auf sie zurück. Nur passt sie manches Jahr besser zu den Vorlieben, die sich aktuell entwickeln und ein anderes Jahr weniger gut. Mit Lustleser meine ich auch nicht, dass man immer nur nach schönen Einbänden oder spannenden Plots Ausschau hält, sondern dass man Lesen als Hobby hat und nicht darauf angewiesen ist, damit Geld zu verdienen. Das Hobby inkludiert natürlich auch, dass man sich Ziele setzt und oft Bücher auswählt , die einem mehr als Unterhaltung und Entspannung geben, sonst würden wir uns ja nicht hier treffen.

    Mich hat meine historische Romane - Liste dieses Mal dazu verführt, dass ich sehr lange im Mittelalter hängen geblieben bin und vieles von dem, was ich zu dem Thema vorrätig hatte, dann gelesen habe, weil dadurch mehr Aspekte beleuchtet werden. Wenn ich dieses Jahr noch mit der frühen Neuzeit / Renaissance /Restauration /Reformation weiterkomme, bin ich völlig zufrieden.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Leute

    eigentlich sollte lesen ja Spaß machen und auch zum abschalten dienen, wenn man mal so für die Zeit des Lesens ein wenig aus der realen Welt enfliehen kann und sich der Film geistig hinter seinem inneren Auge abspielt.

    Aber Ihr veranstaltet hier einen regelrechten 60 Meter Sprint - wer hat in 60 Metern mehr gelesen ...))))

    solltet es vielleicht doch wirklich etwas streßfreier angehen...

  • Aber Ihr veranstaltet hier einen regelrechten 60 Meter Sprint - wer hat in 60 Metern mehr gelesen ...))))

    solltet es vielleicht doch wirklich etwas streßfreier angehen...

    Wo liest Du das denn heraus? (Oder ist das nur wieder ein Beitrag, um einen neuen Link/neue Links unterzubringen, diesmal immerhin als Signatur?)


    finsbury, beispielsweise, schreibt doch genau darüber, über den “Lust-Leser” oder das “Lust-Lesen”. Da bleibt man eben mal irgendwo hängen oder folgt neu entdeckten Pfaden.

    (Dass man sich manchmal mehr vornimmt, als man letzlich schafft und immer irgendwie etwas dazwischenkommt, weiß man doch sowieso.)


    Mir erscheint das hier eher in der Art einer Reiseplanung. Man nimmt sich vor, von A nach B zu reisen. Entlang der Strecke will man diesen und jenen Abstecher machen. Wenn’s dann losgeht, kommt es nicht selten zu ganz anderen Begegnungen, die man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.


    Wenn man an so einem “Wettbewerb” teilnimmt, dann vielleicht auch, um sich selbst einen kleinen Stoß zu versetzen, etwas in Angriff zu nehmen, das man schon länger angehen wollte. Eine Motivationshilfe im positiven Sinne. Mir erscheinen die Berichte über das Lesen hier nicht als aus dem Streß geboren, sondern aus Freude am Teilen. Etwas, das man trotz anderweitigem Streß geschafft hat.


    Für den Austausch hier, hätte ich mir mehr Zeit und Muße gewünscht, denn das habe ich schleifen lassen, weil es dann wirklich etwas stressig geworden wäre.


    ***


    Was meine Liste betrifft, bin ich auch einige Male vom Weg abgekommen und werde manchen Titel ins nächste (?) Jahr mitnehmen. Trotzdem habe ich ein paar Titel gelesen.


    Nach den Erzählungen von Conrad Ferdinand Meyer habe ich Lust auf deutschsprachige Klassiker bekommen und mit Eichendorff und E.T.A Hoffmann (Die Serapionsbrüder) weitergemacht. Zwischendurch frühe Erzählungen von Tschechow.


    Zu Perutz und des Forêts habe ich schon ein paar Zeilen geschrieben. Weitere Bücher von Perutz stehen schon bereit!


    Von Flaubert habe ich als erstes die veredelte Übersetzung von “Madame Bovary” gelesen und die erste aus “Drei Geschichten”. Bovary gefiel mir sehr und ich habe beim Lesen von “Ein schlichtes Herz” gemerkt, dass mir der Sinn nach einem weiteren Roman steht und mir deshalb die übrigen beiden Geschichten aufgespart. Begonnen habe ich mit “Die Brüder Karamasow” in der Übersetzung von Swetlana Geier. Da habe ich noch gut zwei Drittel zu lesen und bin begeistert (momentan 2. Teil, 5. Buch).


    Damit werde ich noch eine Weile beschäftigt sein. Mal sehen, was danach kommt. Vielleicht mal was von Dickens...

  • Mir erscheint das hier eher in der Art einer Reiseplanung.

    Ich bin mit meiner Liste ja grandios gescheitert, weil ich da schon so ab März auf Abwege geraten und dann irgendwann bei Proust gestrandet bin, bei dem ich jetzt bleibe und der mich noch ein paar Monate beschäftigen wird :-). Am Ende ist es mir auch egal, auf welchen verschlungenen Pfaden ich dann bei diesem Roman gelandet bin. Der gehörte zu den Beständen in meinen Regalen, von denen ich dachte, dass ich sie in diesem Leben wohl nicht mehr angehen würde. So kann man sich täuschen …


    Aber Stichwort "Stress" und "Challenge": den gibt es bei der Lektüre ja durchaus auch, nicht hier, aber anderswo. Bei LinkedIn erzählte jemand stolz, dass er jetzt genug davon habe, seine Zeit mit Social Media und ähnlichen Kram zu vergeuden und statt dessen Bücher lese. Der hat dann scheint's eine Art Hochleistungssport daraus gemacht und 150 Bücher im letzten Jahr gelesen. Es bekam dafür viel Zustimmung und postete auch eine Liste der von ihm gelesenen Bücher (eine ganz und gar fürchterliche Ansammlung von Titeln, die ich nicht mal mit der Zange anfassen würde). Das klang mir alles eher zwanghaft und schien mir mehr Symptom als Lösung. Aber mei, soll's wohl auch geben. "Lesen" ist, wie so vieles, jedenfalls nicht per se "gut".

  • Och, in meinen wilden Lesejahren hab ich auch so um die 100 pro Jahr gelesen. Aber das ist sehr lange her :-). 2020 waren es so um die 40, da waren dann teilweise auch sehr dicke & komplizierte Dinger dabei (Schule der Atheisten, Abend mit Goldrand, Julia), aber auch viel Krams von May, Verne, Kästner oder diese fürchterlichen "Geheimnisse von Paris". Dieses Jahr wird's vor allem Proust sein (gerade mal geschaut, begonnen hab ich Anfang Juli und hab jetzt erst, nach schändlichen langen Pausen, in denen ich gar nichts gelesen habe, weder Proust noch sonst irgendwas, die "Mädchenblüte" durch).

  • Krylow, vielen Dank für deinen Beitrag, deine Reisemetapher finde ich sehr passend.

    Ja, ich denke auch an etwa einen Einkauf - man macht sich einen Einkaufszettel, stellt den Menüplan für die nächsten drei Tage auf, und dann geht man auf den Markt und kommt zurück mit Auberginen statt Tomaten und Kirschen statt Pflaumen, hat sich mit Freunden verquatscht und war am Ende noch im Antiquitätenladen, statt wie eigentlich geplant direkt wieder heim ... :P

  • Man glaubt es kaum, aber ich habe endlich ein Buch von der Liste gelesen: Goethe - Götz von Berlichingen


    Was kann man über Goethe schon sagen? Er und ich werden keine Freunde, ich komm mit seinen Werken einfach nicht klar. Ich musste hin und wieder nachlesen wer denn nun wer ist und wo sich die Figur gerade befindet, da es aus dem Stück heraus nicht klar war.

    Zu Goethes Zeiten war den Leuten vieles sicher klar, vor allem wenn es um die Fehden geht: Bauern gegen Adel. Heute allerdings muss man sich geschichtlich schon auskennen um den Sinn dahinter zu verstehen. Das kann man Goethe natürlich nicht ankreiden, trotzdem kann ich verstehen warum sich viele mit Goethe einfach schwer tun.

  • Das kann man Goethe natürlich nicht ankreiden,

    Doch, das könnte man durchaus. Wenn Goethe einfach nur für und mit der Zeit geschrieben hätte, wäre er auch mit ihr untergegangen (und es gäbe, außer historischen, keine Argumente mehr, ihn zu lesen). Der "Berlichingen" ist gut 200 Jahre später vielleicht nicht der beste Einstieg. Mich hat Goethe mit "Stella" gepackt. Und vor allem über die Lyrik.

  • So unterscheiden sich die Wahrnehmungen - und bis zu einem gewissen Punkt sind sie dann auch durchaus legitim. Der Götz ist klar sichtbar das Werk eines jungen Wüterichs; ich denke, Peter Hacks hat ihn mit dem "Gespräch im Hause vom Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" ganz gut getroffen. Für das, was woran wir heute denken, wenn wir "Goethe" hören, ist er untypisch und deshalb gerade kein Grund, vorzeitig aufzugeben. Am Götz ist erstaunlich, wie indolent der junge Goethe mit dem Kriterium der praktischen Spielbarkeit umging. So kurz, wie einige Szenen sich abwechseln, ist das fast ein Vorgriff auf das Medium Film. Da bricht eine Szene in der Burg ab, es folgt ein Auftritt im finsteren Wald, in dem sich die Personen zwei, drei Sätze zurufen - und schon folgt der Schnitt irgendwo anders hin.


    Auf der anderen Seite halte ich gerade Stella für völlig verunglückt, obwohl sie allgemein für sehr gut spielbar gehalten wird. Stella trägt einen Geburtsfehler mit sich herum, nämlich die Wandlung von einem Lust- zu einem Trauerspiel. Die bizarre Werkhistorie sieht nämlich so aus: Goethe verarbeitete in seiner ersten Fassung Motive der Geschichte des Kreuzritters von Gleichen (ja, das ist der von den "Drei Gleichen" entlang der A 4), der ungeachtet einer treulich harrenden Ehefrau noch eine Zweitfrau aus dem Morgenlande mitbrachte. Für die skandalöse Bigamie erhielt er wegen seiner Verdienste um den rechten Glauben jedoch höchsten päpstlichen Dispens, und so lebte man munter in einer ménage a trois weiter - das waren Zeiten! Goethes Problem mit der ersten Fassung, die auch genau dieses Ende hatte, bestand darin, dass sie damals so unmöglich veröffentlicht werden konnte. Und so entstand aus der Überarbeitung dieser seltsame Zwitter, der die Stella , wie wir sie kennen, leider ist und in dem eine Abfolge geradezu schwankhafter Zufälle ein künstlich wirkendes tragisches Ende nimmt; und der "Held" es fertig bringt, nacheinander Frau mit Kind und Geliebte grußlos sitzen zu lassen, nach jahrelanger Abwesenheit einen kurzen Kampf zwischen Liebe und Pflicht auszukämpfen, sich für die Pflicht entscheidet und sich kurz darauf wegen der Konsequenz für die Affaire dahinschießt.  Das mag wohl den Vorzug der Korrektheit gehabt haben, trägt aber den Stempel der seltsamen Werkhistorie geradezu auf der Stirn.


    Wie dem auch sei, und wie auch die Geschmäcker verschieden sind: Goethes Gesamtwerk sollte jedenfalls nicht nach einem Ersteindruck abgeschrieben werden.



  • So unterscheiden sich die Wahrnehmungen

    Stiimmt :-). Ich weiß gar nicht mehr, was mich an der Stella so berührt hat, aber da müssen wohl meine damalige Stimmung und der Text gut zueinander gepasst haben. Und ob ich das Stück heute noch so toll finden würde, wie vor 40 Jahren, läse ich es heute noch einmal, möchte ich bezweifeln.

  • Goethe verarbeitete in seiner ersten Fassung Motive der Geschichte des Kreuzritters von Gleichen (ja, das ist der von den "Drei Gleichen" entlang der A 4), der ungeachtet einer treulich harrenden Ehefrau noch eine Zweitfrau aus dem Morgenlande mitbrachte. Für die skandalöse Bigamie erhielt er wegen seiner Verdienste um den rechten Glauben jedoch höchsten päpstlichen Dispens, und so lebte man munter in einer ménage a trois weiter - das waren Zeiten!



    Jetzt bin ich neugierig geworden und habe das mal gegoogelt. Ich kann mich nämlich erinnern, in meiner Jugend mal eine Kurzerzählung gelesen zu haben - es war in irgendeiner Zeitschrift - mit dem Titel "Das große Bett von Bad Pyrmont". Da ging es um eine frustrierte Ehefrau, ich habe die genauen Zusammenhänge vergessen, weiß aber noch, dass sie in Bad Pyrmont ein Dreierbett besichtigte, das ein Kreuzritter für sich selbst, seine Ehefrau und seine Geliebte hatte anfertigen lassen - letztere konnte er auf keinen Fall im Stich lassen, weil sie ihr Leben für ihn eingesetzt hatte.
    Ich hielt das immer für eine nette Erfindung, aber das Bett gibt es tatsächlich, hier ist ein Bild davon. Es befindet sich zur Zeit anscheinend in einer der "Drei Gleichen"-Burgen. Was für ein Monstermöbel!
    Erinnerung an den zweitbeweibten Graf von Gleichen

  • Das zweite Theaterstück ist gelesen: Lumpazivagabundus von Nestroy


    Ich hab mal eine Aufführung gesehen, gelesen habe ich es aber noch nie.

    Nestroy ist eindeutig mehr mein Fall. Ich habe mich sehr amüsiert beim Lesen.