Beiträge von Krylow

    Noch kurz ein Nachtrag zu den Parallelen, die mir bei Hoffmann / Jean Paul auffielen: den Makulaturblättern ähnlich, gibt es (bisher) in "Die unsichtbare Loge" Unterbrechungen in Form von Extrablatt, Extrazeilen, Extragedanken. Überhaupt ist die Form, neben der Sprache, äußerst spannend und amüsant.

    Noch kurz ein Nachtrag zu den Parallelen die mir bei Hoffmann / Jean Paul auffielen: den Makulaturblättern ähnlich, gibt es (bisher) in "Die unsichtbare Loge" Unterbrechungen in Form von Extrablatt, Extrazeilen, Extragedanken. Überhaupt ist die Form, neben der Sprache, sehr spannend.

    Nach kurzer Pause (nach Hoffmans Murr) habe ich "Die unsichtbare Loge" von Jean Paul begonnen. Und was begegnet mir dort wieder? Eine Katze (von der "Schachamazone" abgerichtet, das Spiel entscheidend zu beeinflußen) und ein wenig später ein schwarzer Pudel, den der Genius für das "unterirdische Pädagogium" als "Schulkamerad des Gustavs" mit in das "moralische Treibhaus" brachte. Bisher ein großes Vergnügen - sprachgewaltig, ungewöhnlich und höchst interessant. Ich bin gespannt, wie es weitergeht (ich habe nicht ganz ein Viertel gelesen).

    Ich habe leider in den Kreisler-Abschnitten den Faden verloren - irgendwann von den Kloster-Szenen ab. Mir sind zwei andere Leseverpflichtungen dazwischen gekommen.

    Das macht doch nichts.

    Ich habe mir recht viel Zeit gelassen und nebenher gar nichts anderes gelesen. Mich haben diese mysteriösen Vorfälle aus vielerlei Hinsicht mehr und mehr fasziniert. Anfangs musste ich auch erst in die Geschichte reinfinden, fand es dann mit jedem Blatt zunehmend spannender, herauszufinden, wie sich die einzelnen Geschichten entfalten und die Rätsel auflösen. Mit Letzterem wird leider nur begonnen, aber dennoch sind so viele interessante Ebenen und Motive enthalten, mit denen man sich lange beschäftigen kann.


    Die Rolle der Erzähler, gerade des Biographen, der sich ja immer mal wieder zu Wort meldet, aber auch die des Murr, der ab und an vom Herausgeber ermahnt wird, trägt zur Spannung bei, wenn z.B. der Biograph seine Erzählung an einer wichtigen Stelle unterbricht.


    Ich habe mittlerweile auch ein paar Arbeiten zu Hoffmann und Murr im Speziellen überflogen, die diese Vielschichtigkeit besonders unter die Lupe nehmen.


    Zu den Figuren habe ich folgende Seite gefunden, die keine Wünsche offen lässt und sehr akribisch zahlreiche Informationen mit Belegstellen liefert. Auch im Nachgang sehr schön um die Geschehnisse noch einmal Revue passieren zu lassen:

    http://literaturlexikon.uni-saarland.de/index.php?id=3992

    Ganz zum Schluß (also dem Ende des zweiten Bandes) erfährt man, dass der Namenstag der Fürstin bevorsteht und Meister Abrahm Großes vorhabe, also markiert das erste Makulaturblatt, das (bisherige) finale Ereignis, was man im letzten Blatt erfährt. Dazwischen könnten die Geschehnisse in chronologischer Reihenfolge erzählt worden sein (die Mühe habe ich mir noch nicht gemacht, das nachzuprüfen).

    Ich habe das erste Makulaturblatt jetzt noch mal gelesen und daraus wissen wir ja, wie das Fest abgelaufen ist und dass Johannes Kreisler nicht erschienen ist. Immer wieder beteuert Meister Abraham "aber du fehltest - du fehltest, mein Johannes!"


    Jetzt muss ich den Anhang noch genauer studieren, irgendwo habe ich Stellen bezüglich Angela und Hedwiga gelesen, die eine Vertauschung durch die Benzon nahelegen. Die Rolle der alten Zigeunerin Magdala Sigrun könnte man auch noch mal überdenken.

    Am Wochenende habe ich den Murr ausgelesen und er hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Die Struktur hat es mir dabei besonders angetan, also die Idee, die Biographie des Kreisler mittels der fragmentarischen Makulaturblätter, noch dazu nicht in chronologischer Reihenfolge, zu erzählen, fand ich sehr spannend. Daneben - oder vielleicht besser im Vordergrund - verläuft die chronologische Erzählung der Biographie des Katers Murr aus dessen Perspektive, die sich großteils als Bildungsgeschichte darstellt, ab und zu unterbrochen durch Geschichten des Pudels Ponto oder des Kater Muzius.


    Die beiden Biographien berühren sich kurz, gleich zu Beginn, als Meister Abraham Johannes Kreisler von seinem Fund und der Rettung während des großen Sturms berichtet und später, als er dem Kapellmeister das Tier übergibt, um für dessen höhere Bildung zu sorgen.


    Wesentlich komplexer und vielschichtiger als die Erzählung des Katers, ist die des Kreisler, nicht nur deshalb, weil sich erst nach und nach aus den Fetzen ein Mosaik ergibt, sondern auch, weil bestimmte Figuren wie im Buch beschrieben, als gespenstische Doppelgänger unterwegs sind und anderswo mysteriöse Duplizitäten vorkommen. Da tritt mit dem Maler Leonhard Ettlinger eine Figur auf, die Kreisler als sein Spiegelbild in den Tiefen des Flusses gesehen haben will (Abrahams verborgener Hohlspiegel), deren beider Charakter ähnlich scheint, so dass ich mich fragte, in welcher Beziehung sie stehen? Ettlinger wiederum hat eine spezielle Beziehung zu Hedwiga, die ihrerseits eine spezielle Beziehung zu Kreisler hat, der, nachdem Abraham ihm von dem elektrischen Schlag bei der Berührung Chiaras berichtet, dasselbe bei Hedwiga spürte.


    Und so geht das weiter mit der verschwundenen Angela, der vermeintlichen Tochter der Benzon und des Fürsten Irenäus, der Geschichte um Hektor und Cyprianus, in deren Mittelpunkt Angela steht. Abrahams geliebte Chiara bleibt verschwunden, auch da wieder die Duplizität der Ereignisse um Angela und Chiara.


    Nach und nach scheint sich der Nebel zu lichten, aber so manches Mal legt sich schnell wieder ein Schleier über die Angelegenheiten. Zu diesem Beziehungswirrwarr kommen noch die Abbrüche in den Makulaturblättern, mitten im Gespräch startend oder abreißend, die den Überblick erschweren. Ganz zum Schluß (also dem Ende des zweiten Bandes) erfährt man, dass der Namenstag der Fürstin bevorsteht und Meister Abrahm Großes vorhabe, also markiert das erste Makulaturblatt, das (bisherige) finale Ereignis, was man im letzten Blatt erfährt. Dazwischen könnten die Geschehnisse in chronologischer Reihenfolge erzählt worden sein (die Mühe habe ich mir noch nicht gemacht, das nachzuprüfen).


    Ich hatte jedenfalls noch Lust, nach der Lektüre in den einzelnen Makulaturblättern querzulesen, um ein paar Verbindungen nachzuschauen. Noch größere Lust hätte ich auf den dritten Band gehabt, der scheinbar schon in Hoffmanns Vorstellung erdacht und „nur“ noch zu Papier gebracht hätte werden müssen. Dann ist Hoffmann gestorben. Der Kater vorher auch, aber laut der Nachschrift des Herausgebers existierten „noch so manche Reflexionen und Bemerkungen“ aus der Zeit beim Kapellmeister.


    Mir gefielen die vielen Facetten des Kreisler, die, in einzelnen Anekdoten oder über die Wirkung auf andere Figuren (die Begegnung mit Julia und Hedwiga) und durch Erzählungen (die Geschichte Leonhard Ettlingers) rückgespiegelt, fein gezeichnet sind. Die Angst des Kapellmeisters vor dem Wahnsinn, sein eigenwilliger Humor, seine Liebe zur Musik usw.


    Die Rolle der Musik, auch der Figuren untereinander, lädt ebenfalls zur Nachbetrachtung ein (Julia, der Orgelbauer Abraham, Hedwiga, die Mönche ...)


    Die Biographie des Murr blieb insgesamt im Ton m.E. recht humorvoll und ist schon ein Kontrast zu den Kreisler-Fragmenten, wie auch die ganze Figur sehr gegensätzlich ist. Auf der einen Seite Kreisler, der recht oft zweifelt und zwischen Extremen schwankt (ewige Liebe – Leben im Kloster), auf der anderen der Kater Murr, dem es an Selbstbewusstsein so gar nicht mangelt, und auch wenn er ein wohl sehr schlauer Kater ist, ist er vom Genie entfernt oder muss noch irgendwas wachgekitzelt werden. Eine gehörige Portion Selbstbewusstsein des Murr täte dem Kreisler gut, eine Portion naturgegebenes, nicht erlernbares Talent des Kreisler, würde dem Murr gut zu Gesicht stehen, scheint mir.


    Es wäre interessant zu lesen gewesen, wie es weitergegangen wäre, da nun Murr bei Kreisler in die „höhere Schule“ gehen sollte, und wie die ganzen Geschichten um die bevorstehende Doppelhochzeit von Julia und dem zurückgebliebenen Ignaz, sowie Hedwiga und Hektor, verhindert worden wäre. Wahrscheinlich hätte man erfahren, was aus Chiara geworden ist. Und einiges mehr.


    Die Fantasiestücke mit den Kreisleriana habe ich noch nicht gelesen, was sicherlich irgendwann folgen wird. Ein bisschen werde ich mich noch mit dem Anhang beschäftigen und irgendwann das Buch (oder zumindest die Fragmente) wiederlesen. Dann fallen bestimmt noch weitere Details ins Auge.

    Vielen Dank fürs Teilen!

    Ein sehr treffender Artikel, leider.

    Ich hatte vor einiger Zeit einen kleinen Austausch mit einem Verleger der Winkler-Reihe über dieses Thema. Der Reihencharakter war der Anspruch und um Ausgaben wie beispielsweise die 4 Bände von Rousseau, die damals umfangreichste deutschsprachige Ausgabe, und viele weitere Reihen immer lieferbar zu halten, musste durch erfolgreiche Autoren quersubventioniert werden. Es wurde viel versucht, aber letztlich sei dieser Ansatz, von Ausnahmen abgesehen, irgendwann “kaum mehr auf verlegerisch tragbare Resonanz” gestoßen. So ging es auch Manesse, Hanser usw.


    Diese Haltung, also “sich nicht einfach auf die bestgehenden Titel zu beschränken”, sei heute nicht mehr existent, “das Kriterium lautet Auswahl”.


    Auch wenn es antiquarisch immer noch genügend Auswahl gibt, kann es Mühe und vor allem viel Geld kosten, sich die im Artikel genannten Ausgaben zu vervollständigen. Die Preise sind meiner Beobachtung nach in den letzten Jahren deutlich nach oben gegangen (Ausnahmen bzw. Schnäppchen sind mit Glück immer zu machen), einige der genannten Reihen sind zum Spekulationsobjekt geworden.


    Was die unbezahlbaren, kritischen Ausgaben angeht, fiel mir das kürzlich erst bezüglich Arthur Schnitzler auf. Die Arthur-Schnitzler-Gesellschaft macht hier sehr deutlich auf die teils haarsträubenden Fehler in beliebten Ausgaben aufmerksam:

    https://www.arthur-schnitzler.…sche-ausgabe/neu-edition/


    Gleichzeitig sind die Preise der historisch-kritischen Ausgabe mit bis zu 400€ pro Band nur für Institutionen bezahlbar. Immerhin sind online Bände frei zugänglich.

    Gestern bin ich noch ein paar Seiten weitergekommen und muss sagen, dass mir das Buch bisher außerordentlich gut gefällt. Wie sich mit der Zeit aus den Makulaturblättern ein Bild Kreislers zusammensetzt, zuletzt beispielsweise die Entstehung seiner Liebe zur Musik – von Tante Füßchen bis Abraham Liscov – und sich dabei Überschneidungen zu Murrs Erzählung entpuppen (z.B. Meister Abraham) und allgemein die Rolle einzelner Personen aufhellt (z.B. die der Rätin Benzon), finde ich hervorragend komponiert.


    Sprachlich haben mir schon die Geschichten in Hoffmanns „Serapionsbrüder“ sehr gefallen, gleiches gilt für den Murr. Die einzelnen Episoden, die sich erst nach und nach erschließen lassen, sind fesselnd erzählt. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

    Der Murr-Erzählfaden ist fortlaufend, soweit ich erkennen kann. Der Kreisler-Faden nicht. Und das ist ja auch völlig einleuchtend, bedenkt man die "Entstehungsgeschichte" des Ganzen.

    Ja, der Murr-Faden ist natürlich fortlaufend. Ich hatte heute morgen gedacht, dass das auch die ersten Makulaturblätter betraf, aber das war Einbildung.


    Von Hoffmann habe ich zwei Ausgaben, einmal die des Winkler Verlags und dann die des DKV. Der Stellenkommentar ergänzt sich ganz gut. Insgesamt ist der des DKV umfangreicher, d.h. es werden mehr Stellen erläutert, wohingegen der des Winkler Verlags teilweise umfangreicher ist.


    Weitere Anmerkungen oder Interpretationen möchte ich erst lesen, nachdem ich mir selbst einen Reim auf das Ganze gemacht habe, von daher bleibt es bisher beim Blättern zum Stellenkommentar. Dort finden sich zu den Passagen, in denen Kreisler über seine Erziehung berichtet, interessante Parallelen zu Hoffmanns eigenem Leben, es sind also wahrscheinlich autobiografische Elemente ("derjenige Onkel, der mich erzog, oder vielmehr nicht erzog").

    Keine Sorge, mir geht es momentan ähnlich und trotzdem macht es mir momentan viel Spaß, auch wenn ich nur wenige Seiten am Abend schaffe.


    Das Zurückblättern, von dem ich anfangs sprach, hat sich ja schnell erledigt, es sind ja doch zufällige Makulaturblätter, wie es im Titel heißt.

    Mit den Verhältnissen am Fürstenhof kam ich anfangs nicht so gut zurecht, weil ich überlesen hatte, dass der Fürst Irenäus mit dem "Spaziergang" nicht mit dem jetzigen identisch, sondern dessen Vater ist. Überhaupt ist die Gefahr groß, dass man in den krausen Sätzen die eine oder andere wichtige Info einfach verliert. Ich passe jetzt sehr genau auf beim Lesen. Aber Hoffmanns Erzählweise hat mich sofort wieder gefangen genommen.

    Man muss ja praktisch zur Fortsetzung an den unterbrochenen Satz zurückblättern, um den Faden wieder aufzunehmen.

    Ich glaube nicht, dass Du etwas überlesen hast, sondern, dass sich das erst nach und nach herausstellt, als der alte Fürst inkognito unterwegs ist und das Gespräch zwischen seinem Hofmarschall und dem Oberjägermeister belauscht. Dann geht es ja recht flott in der Erzählung von der Aufnahme Meister Abrahams ins Schloss bis zum Tod des alten Fürsten. Es kann natürlich sein, dass mir ein paar Details bei der speziellen Form entfallen sind.

    Die Geschichte um den Fürstenhof verwirrt mich immer noch ein wenig, auch wenn ich jetzt zumindest konzentriert genug auf die Übergänge achte.

    Die sind doch deutlich gekennzeichnet oder ist das bei Dir anders?

    Ein bisschen ist mir unser Kater Murr aber doch noch suspekt - einerseits doch recht überheblich und arrogant wie er so über sein Wissen und seine Fähigkeiten schreibt (auch wenn es natürlich besonders ist) andererseits ja auch von natürlich-wildem Trieb der dann in Scham und Verstecken endet, wenn es Konsequenzen hat, so wie mit dem Fressen für die Mutter. Oder verstehe ich da etwa nicht so ganz?

    Ich sehe das mit einem Augenzwinkern geschrieben, man denke an die Diskrepanz zwischen Vorwort des Kater Murr und seinem zweiten Vorwort (Unterdrücktes des Autors), sowie der Reaktion des Herausgebers (“Das ist zu arg”). Auf der einen Seite bescheiden, unterschrieben mit "Student der schönen Literatur", auf der anderen Seite das von Dir beschriebene Überhebliche, aber in meinen Augen eben auch die deutlich überzogene Art (unterschrieben mit "sehr berühmter Schritsteller"), was ich so verstanden habe, als dass man die Aussagen des Katers mit Humor, also nicht so wörtlich nehmen sollte.


    Mir fällt hierzu auch der Vergleich der Katzenkinder mit den Menschenkindern ein (“Bei den Menschen (…) in den Jahren der Kindheit beträchtlich dümmer und unbeholfener ist, als wir”; Als ein ganz kleines Käterchen ist es mir niemals geschehen, daß ich mir selbst in die Augen gegriffen, ins Feuer oder ins Licht gefaßt, oder Stiefelwichse statt Kirschmus gefressen, wie das wohl bei kleinen Kindern zu geschehen pflegt.”)


    Murr spricht den Leser auch direkt an (“Leser! - Jünglinge, Männer, Frauen unter deren Pelz ein fühlend Herz schlägt, die ihr Sinn habt für Tugend (…) ihr werdet mich verstehen und – mich lieben!”) und versucht ihn so auf seine Seite zu ziehen.


    Die Beschreibungen der Bildung des Katers und seiner Fähigkeiten sind köstlich, beispielsweise die Begebenheit, die ihm die Gunst seines Herrchens einbrachte und damit das Lesenlernen, als er zufällig vermeintlich den Knigge über den Umgang mit Menschen gelesen haben soll:

    “Nun lies nur – studiere fleißig mein Kater, allenfalls magst du auch die wichtigen Stellen im Buche durch sanfte Einrisse bezeichnen, ich stelle dir das frei!”

    Da sind viele ähnliche, höchst amüsante Stellen, allerdings hatte ich mir vorgestellt, der Kater würde mit einer seiner Krallen schreiben und nicht mit der Feder.


    Zu diesen niedlich bis witzigen Erzählungen, bilden die vom Instinkt getriebenen, animalischen einen Gegensatz. Der schon angesprochene Heringskopf, der der Mutter versprochen war und dann selbst verspeist wurde, wie überhaupt Minas Schicksal mit einem, wenn ich mich recht erinnere, sinngemäßen “ich hab sie nie wieder gesehen” keine Rolle mehr zu spielen scheint.


    Die "Einschiebsel" der Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler, die sich anfänglich als Erzählung des Meisters Abraham darstellen, gefallen mir bisher auch sehr gut, wobei ich da noch keine Ahnung habe, wo sie hinführen werden. Witzig, auf eine etwas andere Art, als die Erzählung des Murr, sind sie, dazu noch ein wenig geheimnisvoll.


    Sprachlich ist das, wie schon bemerkt wurde, bisher gespickt mit Anspielungen, die mir aber ehrlicherweise meist der Stellenkommentar erläutert hat. Dafür ist er ja da. Gleiches gilt für den Wortschatz, der sich beim Lesen immer erweitert (Die Sagazität = Scharfsinn, ist mir gleich mehrfach aufgefallen). Nur fraglich, wie lange das hängenbleibt.


    Über das kleine, aus dem Kontext schon ersichtliche, Adjektiv “altfränkisch”, das synonym für altmodisch oder ‘nicht mehr der Gegenwart entsprechend’ benutzt wird, musste ich als Franke schon schmunzeln und habe gleich im Grimmschen Wörterbuch die entsprechenden Belege nachgeschlagen. Ein Beispiel:


    du danzt nach deiner alten geigen,

    altfrenkisch sind dein werk und daiding,

    gleich also sind auch all dein klaiding.

    H. Sachs I, 371a;


    Wenn ich ehrlich bin, hat meine Oma früher ähnliche Sprüche zum Besten gegeben, besonders wenn ihr jemand blöd kam.


    ###

    Besonders weit bin ich noch nicht gekommen und leider habe ich unter der Woche nicht so viel Zeit, aber ich denke schon, dass ich an den Abenden etwas vorankommen werde. Bisher macht mir der Kater Murr jedenfalls sehr viel Spaß!

    Früher hab ich ja regelmäßig in Buchhandlungen und Antiquariaten gestöbert und natürlich auch gekauft. Diese Zeit ist aber schon lange vorbei, zum einen ganz banal aus finanziellen Gründen, zum anderen, weil ich einfach keinen Platz mehr habe. Aber manchmal kaufe ich halt doch ein paar Bände

    Danke fürs Vorstellen, insbesondere der Proust-Ausgabe, die mir auch noch fehlt. Das klingt sehr gut.

    Bei mir kommt momentan immer noch recht viel an antiquarischen Büchern hinzu, weil ich an manchen Angeboten einfach nicht vorbeigehen kann.


    Kürzlich ist bei mir die erste Abteilung der sämtlichen Werke von Jean Paul eingezogen.

    Ich melde mich auch mal wieder und wollte eigentlich kurz von den drei Furien berichten, die kürzlich ihr Unwesen in vielen Regionen Deutschlands getrieben hatten. Ein paar Dachziegel hatten sie mitgehen lassen und die Telefonleitung gekappt, was zur Folge hatte, dass sich ein Techniker fast zwei Wochen lang durch Deutschlands Servicewüste quälen musste, bis er bei mir sein Werk verrichten konnte. Aber dann kam der geistesgestörte Russe und all das wirkte auf einmal so furchtbar banal…


    Auf der einen Seite ist die Leserunde natürlich eine willkommene Ablenkung, auf der anderen Seite

    wird die Situation in der Ukraine von Tag zu Tag dramatischer und brutaler – und die ganze Welt schaut zu. Diese Ohnmacht zehrt an den Nerven und wird immer unerträglicher. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das in der heutigen Zeit in Europa so noch einmal erleben werden.


    Das mag jetzt nicht hierher gehören, spielt aber doch eine Rolle, so dass ich’s loswerden musste.


    Ich werde die Tage auch mit dem Buch beginnen und hoffe, es macht nichts aus, wenn ich vielleicht ein wenig hinterherhänge.

    Bei mir hat sich die Liebe zur Musik und eben auch zur klassischen Musik seit der frühen Jugend entwickelt. Zu vielen klassischen Stücken bin ich über Filme gekommen. Das französische Kino (z.B. Ein Herz im Winter [Musik von Ravel]) oder große Regisseure wie Kieslowski, dessen Filme auch immer sehr musikalisch waren, hatten mich nachhaltig beeindruckt. Da gibt es unzählige Beispiele, die beiden fallen mir spontan ein.

    Ich habe eine uralte Seume-Ausgabe aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, darin ist auch "Mein Leben" enthalten: Wie ist das denn?

    Bisher sehr lesenswert. Ich habe den Schuber des DKV antiquarisch sehr günstig bekommen und hatte den schon länger auf der Liste. In Büchern über Südmähren sind mir Zitate von Seume zu Landschaft und Leuten aufgefallen, die mich neugierig gemacht hatten.


    In "Mein Leben" beschreibt Seume die Stationen seines Lebens chronologisch und geht neben seinen Eltern (der Vater starb früh) auf wichtige Bezugspersonen in Leben, Bildung und Erziehung ein. Er beginnt damit, dass er sich selbst für nicht wichtig genug erachte, als dass man über sein Leben schreiben sollte. Wenn es aber, wie seine Freunde prophezeiten, sowieso irgendwann geschähe, es keinen besseren Biographen geben könne, als den, der das Leben selbst gelebt hat.


    „Ich erzähle also ehrlich offen, ohne mich zu schonen, und nicht selten mit dem Selbstgefühl inneren Werts, und ohne den Vorwurf der Anmaßlichkeit oder die Krittler weiter zu fürchten, die vielleicht sodann über mich nur Totengericht halten. Torheiten werde ich wohl nicht wenige und nicht geringe zu beichten haben; aber soviel ich mir bewußt bin, keine Schlechtheit.“


    Vater, Mutter, Schulen, Uni, Lehrer, Freunde werden beschrieben und viele Anekdoten geben einen interessanten und teils auch amüsanten Einblick in das Leben von Seume. Der Anhang ist dabei äußerst erhellend, beleuchtet er doch etliche für Zeitgenossen bekannte Vorkommnisse, von denen wohl nur Historiker Kenntnis haben, beispielsweise eine Hungersnot in den Jahren 1770/1771, zudem Näheres zu den unzähligen Zeitgenossen Seumes sowie viele Fremdwörter z.B. aus dem Griechischen (die weniger geläufigen) u.v.m.


    Es fällt auf, dass Seume auf der einen Seite bescheiden scheint (das Schreiben sei seine Sache nicht), auf der anderen Seite wohl außergewöhnlich begabt war und damit dann doch nicht hinter dem Berg hält. Es wiederholen sich die fast beiläufig erwähnten Anmerkungen, dass er einen Rückstand in der Bildung, im Vergleich zu Mitschülern und Kommilitonen, schnell in einen Vorsprung umwandelt und dann, um voranzukommen, an eine höhere Schule geht.


    Das Temperament, das er eher von väterlicher Seite mitbekommen hat, kommt ebenso zur Sprache.

    Das sind jetzt nur ein paar vage Eindrücke von den ersten 60 Seiten. Mir gefällt es sprachlich sehr gut und wie Du schon schriebst, ist es ein großartiges Zeitdokument. Eine Einordnung und Anmerkungen zu Gehalt und Wirkung finden sich, wie beim DKV gewohnt, im ausführlichen Anhang, dem ich mich nach der Lektüre widmen werde.

    schokotimmi

    Franz Liszt ist auch einer meiner Favoriten, die Ungarische Rhapsodie Nr. 2, insbesondere nur am Klavier gespielt, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.


    Bladwijzer

    Filmmusik mag ich auch sehr gerne, allerdings höre ich bei weitem nicht so oft.


    Ausgewählte Radiostationen höre ich ganz gerne, über Satellit auch mal völlig Abseitiges.

    Leider sind die Programme der öffentlich-rechtlichen Sender seit der Formatumstellung auch auf meinem Gerät nicht mehr zu dekodieren und ich müsste bestens funktionierende Komponenten austauschen, nur um ein paar Radiosender (in angeblich minderer Qualität) zu empfangen. Die Logik dahinter muss sich einem nicht erschließen.

    Die privaten Stationen funktionieren weiterhin.


    Nun ja, ein Thema für sich...

    Den Bulgakow habe ich in der Übersetzung von Thomas Reschke gelesen, auch schon wieder eine Weile her, aber der braucht noch keine Auffrischung. Es wäre natürlich spannend zu lesen, wie die Eindrücke sind.


    Madame Bovary habe ich letztes Jahr in der Übersetzung von Elisabeth Edl gelesen, hat mir sehr gefallen.


    Bei Hoffmanns Murr wäre ich auch dabei, wenn es die Zeit erlaubt. Anfang März klingt gut. Ich merke es mir vor!

    Mal sehen, wie lange mich der Seume noch beschäftigt, denn da blättere ich viel im Anhang und im Grimmschen Wörterbuch. Bisher ist das ein Buch, das mir sehr viel Freude macht, auch wenn ich recht langsam vorankomme.