Beiträge von Krylow

    Ich habe es ausgelesen, es ist ein sehr fremdartiges Buch mit diesem archaischen Gemisch aus Religion und Aberglaube (wenn man nicht ohnehin der Meinung ist, dass das dasselbe ist), aber die Atmosphäre und Landschaftsschilderung machen es zu einer durchaus lohnenden Lektüre. Wer vielleicht "Das Gehöft" von Federigo Tozzi kennt - das Buch ist ein wenig ähnlich im Stil, halt noch mit den religiösen Vorstellungen von Schuld und Sünde als Handlungsmotor.

    Danke für den kleinen Eindruck.

    Ich habe mal flüchtig die sardische Welt des Films und der Literatur gestreift. Seither bleiben bestimmte Namen irgendwo in den hintersten Ecken des Gedächtnisses gespeichert und ab und an kommen ein paar dazu. Deledda ist so einer.

    Salvatore Mereu ist ein sardischer Filmemacher, dessen "Bellas Mariposas" ich faszinierend fand. Der Film beruhte auf einer Vorlage von Sergio Atzeni, die anscheinend bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Giulio Angioni lieferte mit "Assandira" eine weitere literarische Vorlage für Mereu.


    Obwohl die sprachlichen Aspekte für jemanden, der des Italienischen nicht mächtig ist, nur sehr schwer zu fassen sind, also in diesem Fall die Eigenheiten der sardischen Sprache, finde ich sie sehr spannend. Ebenso der Versuch, solche Besonderheiten in eine Übersetzung hinüberzubringen, was gewöhnlich sehr schwer ist, oder eben diese einfach wegzulassen, was leicht aber manchmal auch bedauerlich ist.

    Mir geht es genauso. Das Buch ist einer der bekannten polnischen Klassiker, aber seit Jahren fehlt eine deutsche Übersetzung. Die selten erhältlichen antiquarischen Ausgaben sind absurd teuer.
    Ich weiß, dass Esther Kinsky das Buch gerne neu übersetzen würde, es gibt auch einen Verlag, der Interesse daran hat, aber bislang ist es noch nicht dazu gekommen. Ein Problem ist sicher der Umfang. Ich habe auch Guggolz schon einmal darauf angesprochen. Es müsste aber sicher eine zweibändige Ausgabe werden.

    Vielen Dank für die Informationen, es besteht also noch Hoffnung. Die Idee mit der englischen Ausgabe ist gut, andererseits habe ich es aufgrund unzähliger anderer Bücher, die gelesen werden wollen, auch nicht eilig.


    ***

    Kürzlich bin ich wieder auf eine Schriftstellerin aufmerksam geworden, die ich vor knapp 10 Jahren eher zufällig entdeckte (ich meine, es war damals schon in einem Blog über vergessene Bücher) und deren kurze Erzählungen, oft über einsame, vom Schicksal gebeutelte Menschen, mich in ihren Bann gezogen und lange nicht losgelassen haben.


    Es handelt sich um die Schweizer Autorin Adelheid Duvanel. Ihre Erzählungen waren nur noch antiquarisch, "Der letzte Frühlingstag" damals schon nicht leicht zu bekommen und scheint heute vergriffen zu sein. "Beim Hute meiner Mutter" ist noch zu haben.


    Der Limmat Verlag hat nun sämtliche Erzählungen in dem Buch "Fern von hier" versammelt und herausgegeben. Das sind immerhin 792 Seiten, die beiden angesprochenen Bücher kommen zusammen auf nicht einmal die Hälfte der Seiten - es gibt also noch einiges zu entdecken. Über kurz oder lang brauche ich das Buch.


    https://www.limmatverlag.ch/pr…el/894-fern-von-hier.html


    Duvanels Werk wurde anlässlich der Veröffentlichung des Buches zuletzt mehrfach besprochen und sehr gepriesen. Rezensionen finden sich u.a. in Die Zeit und in der NZZ.


    https://www.zeit.de/2021/20/ad…hlungen-schweiz-literatur

    https://www.zeit.de/2021/23/ad…lungen-sammlung-rezension


    https://www.nzz.ch/feuilleton/…rosses-werk-ab-ld.1624072

    Es ist "Schilf im Wind", das gerade in einer Neuausgabe bei Manesse erschienen ist.

    Ah, danke. Die Neuausgaben von Manesse hatte ich schon wieder vergessen. Zuletzt habe ich praktisch nur antiquarisch gekauft.


    Auf der einen Seite ist da eine kommentierte, überarbeitete Neuausgabe im neuen Gewand (das mir ehrlich gesagt in vielen Fällen nicht so zusagt - zu knallig-pop-artig, warholesk oder wie auch immer man das ausdrücken mag & Pappband), auf der anderen Seite das klassische, leinengebundene Gesicht, das auch noch deutlich günstiger ist. Da warte ich noch ein bisschen ab und bin auf Deine Eindrücke gespannt. Aber das nur am Rande.

    "Die Hochzeit des Mönchs". Bei dem letzteren verrate ich nicht zu viel, wenn ich die Meinung kundtue, dass die Einrahmung der Handlung durch zwei desaströs endende Hochzeitsfeste ohne weiteres als Kommentar zu Meyers traumatischen Eheerfahrungen gelten darf.

    Ich habe mittlerweile "Die Hochzeit des Mönchs" gelesen. Die Novelle hat mich wieder großartig unterhalten und mir sogar noch etwas besser gefallen, als "Das Amulett". Nun ist es das Wesen der Novelle, straff komponiert zu sein und beispielsweise auf ausschweifende Beschreibungen zu verzichten,vielleicht ist das aber auch der Grund, dass ich das Gefühl hatte, dass kaum ein Wort zu viel oder ohne Bedacht gewählt wurde und für mein Verständnis Sprache und Stil als meisterhaft zu bezeichnen sind.


    Wie schon im "Amulett", wird hier mehrschichtig erzählt, wobei die Haupthandlung von keinem Geringeren als Dante Alighieri scheinbar aus dem Stegreif aus einer Grabinschrift erdacht wird. Die Figuren dieser Erzählung spiegelt Dante mit seinen Zuhörern (ebenso historische Figuren aus dem Umfeld Dantes, z.B. Cangrande, Ezzelino u.a.) bzw. deren Charakterzügen oder Äußerlichkeiten, was dem Publikum natürlich nicht verborgen bleibt. So wird die Handlung etliche Male durch empörte Zwischenrufe, Kommentare, Erläuterungen oder durch die bloße Beschreibung der Zuhörer unterbrochen. Dieses Spannungsfeld, das dadurch eben nicht nur zwischen den Figuren der Haupthandlung, sondern zeitgleich auch der Rahmenhandlung besteht, übt einen zusätzlichen Reiz aus und mündet an einer Stelle in einen scharfen Disput zwischen Dante und Cangrande.


    Den Boden der Novelle bildet wieder der geschichtliche Hintergrund und es ist von Vorteil, wenn man diesen nicht das erste Mal betritt. Mit den Anmerkungen und ein wenig Lust an Recherche und Nachbetrachtung offenbart sich so auch manche Anspielung.


    Ohne auf den Inhalt der Haupthandlung, die ihrerseits einen bunten Strauß an Themen – allein der paradoxe Titel "Die Hochzeit des Mönchs" sollte schon neugierig machen – eingegangen zu sein, ist da auf vielerlei Ebenen schon mehr geboten, als in manchem Roman.


    Ich habe vor einiger Zeit gerne Zitate, Worte und Eigenarten aus Texten, die mir besonders gefielen, aufgeschrieben. Irgendwann hat mich die Motivation verlassen, zumal ich das eher chaotisch denn irgendeiner Ordnung unterworfen gehandhabt habe. Also auf Zettel(chen), die irgendwo griffbereit herumlagen. Dementsprechend stecken die manchmal (eher selten) noch in Büchern oder sind irgendwann im Müll oder Ofen (sehr wahrscheinlich) gelandet.

    Die beiden Novellen von Conrad Ferdinand Meyer haben mich dazu gebracht, das spontane Aufschreiben wieder aufzunehmen.


    Zum Schluß noch ein kleines Zitat, das zu berücksichtigen auch heutzutage im Umgang miteinander so manches Mal von Vorteil sein könnte:


    Zitat

    “Astorre hatte sich von den Germanen bald losgemacht, war auf die Brücke zurückgeeilt, ohne dort den Ring noch die Frauen mehr zu finden, und sich darüber Vorwürfe machend, obschon im Grunde nur der Zufall anzuklagen war, hatte er in der ihm bis zur Vesper bleibenden Stunde den Entschluß gefaßt, in Zukunft immerdar nach den Regeln der Klugheit zu handeln. Mit diesem Vorsatz trat er in den Saal und in die Mitte der Versammelten. Der Druck der auf ihn gerichteten Aufmerksamkeit und die sozusagen in der Luft fühlbaren Formen und Forderungen der Gesellschaft ließen ihn empfinden, daß er nicht die Wirklichkeit der Dinge sagen dürfe, energisch und mitunter häßlich wie sie ist, sondern ihr eine gemilderte und gefällige Gestalt geben müsse. So hielt er sich unwillkürlich in der Mitte zwischen Wahrheit und schönem Schein und redete untadelig.”

    Mir fällt hier spontan Boleslaw Prus mit "Die Puppe" ein. Vor vielen Jahren habe ich ein paar Klassiker des Polnischen Films gesehen, unter anderem "Pharao", der ebenfalls nach der literarischen Vorlage Prus' verfilmt wurde und der mich außerordentlich fasziniert hat.

    Das Buch "Die Puppe" hatte ich dann jahrelang in Suchaufträgen bei den üblichen Händlern. Wenn mal ein Treffer kam, dann mit Mondpreis. Momentan gibt es ein Exemplar für 75€. Das ist es mir nicht wert.


    Vielleicht kennt das Buch ja hier jemand und kann etwas dazu sagen?

    Eine gute Wahl. Wenn ich zwei Tipps loswerden darf: "Angela Borgia" und "Die Hochzeit des Mönchs". Bei dem letzteren verrate ich nicht zu viel, wenn ich die Meinung kundtue, dass die Einrahmung der Handlung durch zwei desaströs endende Hochzeitsfeste ohne weiteres als Kommentar zu Meyers traumatischen Eheerfahrungen gelten darf.

    Vielen Dank für die Vorschläge! Dann werde ich diese Novellen als nächstes angehen. "Jürg Jenatsch" wurde hier im Forum auch schon ein paar Mal erwähnt.

    Kleiner Nachtrag: Inzwischen hab ich einen Artikel zu Schmidts Übersetzungsproben der Gedichte Emily Brontës gelesen: es geht gar nicht gut für Schmidt aus, der sich atemberaubende Eingriffe bis hin zur Verfälschung erlaubt, damit das alles in das Emily-Bild passt, das er in seinem Essay entwirft.

    Ich wollte nur mal kurz loswerden, dass ich diesen Vergleich höchst interessant finde, wie überhaupt die Gegenüberstellung von Übersetzung und Original im Allgemeinen, die im Feuilleton ja manchmal nur unzureichend berührt wird.

    Also besten Dank für Beiträge wie diesen, die ich gerne lese!


    Edit: Haha, da will ich mich beim Wort "Feuilleton" nicht blamieren und werde von der "intelligenten Oberfläche" gleich überführt, die den Link zu Wikipedia gleich mit einbettet. =O;)

    Zuletzt habe ich Band 2 der Neapolitanischen Saga von Elena Ferrante gelesen und Band 3 auch schon begonnen.

    "Das blaue Zimmer" von Georges Simenon. Da habe ich noch einige kleinere Romane Simenons aus dem Kampa Verlag im Regal stehen, die immer eine schöne Abwechslung und Spannung für zwischendurch garantieren.

    Ansonsten ein paar Novellen nebenbei, wovon mich eine besonders beeindruckt hat:

    Conrad Ferdinand Meyer – Das Amulett

    Eine hervorragende Novelle, sprachlich ein Genuss, besticht "Das Amulett" durch seine Dichte und den historischen Hintergrund, der in der Bartholomäusnacht seinen traurigen Höhepunkt findet.

    Auf gerade einmal 60 Seiten konstruiert Meyer eine hochinteressante und spannende Erzählung, in der thematisch vor allem die religiösen Konflikte der verschiedenen Figuren den historisch nicht ganz sattelfesten Leser zu ausführlicher Recherche einladen.
    Ich bin auf die weiteren Novellen Meyers sehr gespannt!


    Von meiner Liste habe ich eine Erzählung aus Louis-Rene des Forets' "Das Kinderzimmer" gelesen, die den Titel "Die großen Augenblicke eines Sängers" trägt und davon erzählt, wie Frederic Molieri, Musiker im Orchestergraben der Oper, eher durch Zufall zu einem gefeierten Opernsänger wird, seine unglaubliche Gabe aber scheinbar bewusst wieder verliert oder sabotiert. Der Ruhm, Sein und Schein, Liebe bzw. die Liebe zu einem Bild, einer Stimme, die nicht wirklich der Person dahinter gilt, sind Themen dieser sehr interessanten Erzählung. Sie macht Lust auf die restlichen drei.

    Nachdem mir "Laurus" so gut gefallen hat (da muss ich mich entschuldigen, das Buch habe ich schon lange ausgelesen, bisher aber nicht die Zeit gefunden, ein paar Zeilen darüber zu schreiben) habe ich mir "Luftgänger" von Vodolazkin gekauft.

    Ich habe das Buch gern mitgenommen, weil ich in ganz ähnlicher Aufmachung schon den Doppelband "Hunger"/"Segen der Erde" habe (und damals gern gelesen).

    Knut Hamsuns "Hunger" hat mich fasziniert und nachhaltig beeindruckt. Kennst Du zufällig die Verfilmung aus dem Jahr 1966? In meinen Augen eine der besten Literaturverfilmungen. Das Spiel des Hauptdarstellers, die Schauplätze und die Musik erzeugen eine beklemmende Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Da läuft es mir heute noch kalt den Rücken herunter – eine sehr intensive Erfahrung.

    Bei Youtube ist der Film im Original zu sehen, allerdings ohne Untertitel. Auf der DVD sind zumindest englischsprachige Untertitel.


    Da wurde mir das dann doch entschieden zu doof, und ich dachte "dann halt nicht" und hab mein Konto selbst gelöscht (genauer: geleert, löschen kann man das anscheinend nicht so einfach, ich hab mich darum aber auch nie mehr gekümmert).

    Gut so, ich meide diesen Verein auch schon eine Weile. Die einen behaupten, nicht mehr ohne Amazon leben zu können, die anderen schauen, keinen Cent mehr dahinzutragen. Manche können wahrscheinlich die Uhrzeit nicht mehr bestimmen, ohne eine Frage in den Raum zu stellen.

    Wenn ich mal unbedingt ein gebrauchtes Buch vom Marketplace haben will und es nirgendwo sonst zu finden ist, dann schreibe ich einfach eine Mail an den Anbieter (dafür taugt das Impressum). Meistens klappt das und die Leute sind eher froh, denn dann muss man keine Abgaben an Amazon leisten (die so gering nicht sind, eher das Gegenteil).


    Die Bücher sind geradezu grotesk teuer. Die Ebooks kann man für fünf Euro kaufen, die Taschenbücher bekommt man nicht unter 40 Euro das Stück (keineswegs die ganze Trilogie, sondern genau ein Buch!), bei Booklooker wollte einer 85 Euro für ein TB im Zustand "gebraucht, gut erhalten". Sowas habe ich auch noch nicht erlebt ...

    Ich bin zuletzt auch über so manche Mondpreise gestolpert. Zuerst hat es mich gewundert, bei genauerer Recherche würde ich das eher Anomalien nennen. Anscheinend nutzen manche Leute booklooker als eine Art Datenbank für ihre persönliche Sammlung und jedes Buch fängt im dreistelligen Bereich an. Ein Blick auf das Angebotsdatum verrät dann auch meist, dass das seit 5 Jahren oder länger besteht.

    Mit etwas Geduld habe ich die meisten Bücher zu annehmbaren Preisen bekommen. Als Freund gebundener Ausgaben, bestenfalls im Dünndruck, muss man da auch manchmal einen langen Atem haben, allerdings gibt es früher oder später immer mal ein Schnäppchen (relativ gesehen) zu machen. Von den gebundenen Dostojewskij-Ausgaben aus dem Ammann- oder Fischer-Verlag hatten wir es ja schon, da sind mir die Neuausgaben ein paar Taler über meiner selbst auferlegten Budgetgrenze. Ab und an findet man die aber auch für einen Zwanziger, wenn man Glück hat.

    Nun wollte ich ein paar Zeilen zu "Zwischen neun und neun" von Leo Perutz schreiben, aber es wollte mir partout nichts von der Hand gehen. Es war fast so, als wären mir auf unerklärliche Weise die Hände gebunden…


    Nein, natürlich nicht. Über die zwölf Stunden im Leben des Stanislaus Demba, zwischen neun und neun, könnte ich Seiten füllen, nur wäre es wirklich schade, wenn man auch bloß eine der zahlreichen Volten vorwegnähme.


    Wie sich Stanislaus Demba durch sein Verhalten, vermeintlich ohne Not, von einer misslichen Lage in die nächste bringt, mutet zunächst äußerst surreal an, ist zuweilen urkomisch aber immer hochspannend. In atemberaubender Geschwindigkeit folgt man Demba durch das Wien um das Jahr 1917 in Erwartung des großen Finales. Das zieht einem dann nochmal den Boden unter den Füßen weg.


    Was für ein Ritt! Von Perutz hatte ich bisher "St. Petri-Schnee", das ich in sehr guter Erinnerung habe, und seiner Prager Herkunft wegen ein bisschen über ihn selbst gelesen. Die “steinerne Brücke” habe ich noch irgendwo hier und weitere Werke werden da in Zukunft ganz sicher folgen. Ein ganz tolles Buch!

    Falls es noch jemanden interessiert, das Motiv des Gründonnerstagsbildes habe ich noch in Variationen gefunden. Einmal als Aquarellskizze hier:

    https://www.litfund.ru/auction/213/34/


    Und dann noch tief in einer PDF-Datei begraben, auf Seite 222:

    http://ofam.od.ua/pdf/grafikaohm.pdf


    Dort ist bei der Bildbeschreibung neben dem Gründonnerstag "КОНЕЦ" zu lesen, was dann finsburys Vermutung des Nachhausewegs bestätigt.


    Eine schöne Publikation mit sehr vielen Gemälden von Kostandi und anderen Mitgliedern der Vereinigung Südrussischer Künstler aus Odessa habe ich in der Zwischenzeit gekauft. Leider ist das Buch nicht vollständig bilingual (Russisch/Englisch), gerade die besonders umfangreichen, biographischen Texte sind nur auf Russisch vorhanden. Dennoch ein sehr interessanter Einblick in eher weniger bekannte Künstlerkreise aus dem späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.


    Besonders stimmungsvoll und thematisch passend in das Forum ist ein Bild von Nikolay Aleksomati, das in der englischen Übersetzung den Titel "Reading" trägt und eine häusliche Szene zeigt in der (so nehme ich an) Mutter und Tochter am Tisch sitzten, die eine ein Buch lesend, die andere nähend.

    Ich glaube, dass Übersetzungen auch abhängig vom Zeitgeist und die alten nicht unbedingt schlechter als die neuen sind.

    Richtig, ich wollte auch keine generelle Wertung zugunsten neuer Übersetzungen abgeben, sondern hole mir Informationen und bestenfalls Leseproben ein, um einen kleinen Eindruck zu gewinnen.


    In den allermeisten Fällen muss ich mich da natürlich auf Rezensionen verlassen oder mir selbst ein Bild machen, welche Übersetzung mir besser gefällt – was nicht gleichbedeutend mit gelungener oder korrekter sein muss. Da spielen viele Faktoren rein, mit denen ich mich nicht unbedingt tiefgreifender auseinandergesetzt habe oder die ich nicht so einfach aus dem Stegreif benennen könnte. Das hängt auch mit der jeweiligen Sprache zusammen, aus der übersetzt wurde.


    In den Rezensionen werden die vermeintlichen Vorzüge manchmal in blumiger Sprache gepriesen, was grundsätzlich Lust auf einen bestimmten Stoff macht. Ob mir das dann genauso gefällt und ich diese Dinge ähnlich empfinde, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber das ist ja meistens so.

    Und um den Kreis zum Ausgungspunkt zu schließen, spielen Leseerfahrungen sicherlich eine Rolle, aber vielleicht entdeckt man trotzdem das eine oder andere Werk durch eine Übersetzung wieder neu.


    Letztlich stellt sich irgendwann auch die Frage, warum man eine Übersetzung liest, wenn man eine Sprache so gut spricht, dass man z.B. Nuancen sehr gut wahrnimmt. Womit ich wieder bei Dialekten wäre, die im Original z.B. in der direkten Rede ihre Wirkung entfalten und in der Übersetzung oft nur

    umschrieben werden.


    Wie Du schon sagst, variiert das natürlich in der Komplexität. In jedem Fall ist das ein spannendes Feld.


    giesbert

    Ein schönes Beispiel!

    Selbst bei Dostojevskij, der ja nun doch in einer ganz anderen Liga spielt, springt bei mir heute nicht mehr so der Funken über, zumindest nicht bei "Schuld und Sühne" / "Verbrechen und Strafe". Erstens hatte man damals noch lange nicht so viel Leseerfahrung und zweitens sind die eher emphatischen Texte in höheren Lebensjahren eher komisch als eindrucksvoll.

    Da ist sicherlich etwas dran, allerdings spielt die Übersetzung eine nicht unerhebliche Rolle. Gerade bei Dostojewskij habe ich ein paar alte Winkler-Ausgaben beiseitegelegt und die Übersetzungen von Swetlana Geier im Auge, die aber in den gebundenen Ausgaben ein halbes Vermögen kosten.


    Bei Flaubert werden beispielsweise die Übersetzungen von Elisabeth Edl in den Himmel gehoben und andere als gescheitert bezeichnet. Ich las, dass sie an der Übersetzung von "Éducation sentimentale" acht Jahre gearbeitet hat. Ihre Stendhal-Übersetzung fand ich großartig, dass ich beschlossen habe, auch ihre Flaubert-Übersetzungen zu lesen.


    Die Schlüter-Übersetzung von "Wuthering Heights" wurde teilweise verrissen, mir hat sie gefallen, auch wenn mich zu Beginn ein paar Dinge gestört hatten.


    Letzlich machen die zahlreichen Übersetzungen auch den Reiz von Klassikern aus, denn wo sonst herrscht eine solche Auswahl, bei dem Versuch dem Original so nahe wie möglich zu kommen?

    Ich habe nach Ferrante nicht gleich mit dem zweiten Band weitergemacht, sondern einen völlig anderen Roman eingeschoben:

    "Laurus" von Evgenij Vodolazkin


    Darauf gekommen bin ich über eine der Übersetzerinnen von Olga Slawnikowas "2017", Olga Radetzkaja (der Vollständigkeit halber, soll die andere Übersetzerin nicht unerwähnt bleiben, es handelt sich um Christiane Körner). Wenn mir Übersetzungen sehr gut gefallen, dann suche ich oft nach weiteren übersetzten Werken, in der Hoffnung wieder einen Treffer zu landen. Maria Stepanovas "Nach dem Gedächtnis" wartet beispielsweise auch noch darauf gelesen zu werden.


    Weit habe ich in "Laurus" noch nicht gelesen, allerdings fängt es nach meinem Geschmack sehr vielversprechend an. Die Geschichte beginnt im Jahr 1440 und handelt (bisher) von dem kleinen Arseni, der zu Zeiten der Pest bei seinem Großvater aufwächst und von ihm die Heilkunst erlernt.

    giesbert

    Das Zitat ist wirklich wunderbar, vielen Dank fürs Teilen!


    JHNewman

    Die Erinnerung spielt einem manchmal Streiche. Ich kann mich nur an kurze Erzählungen von Strindberg erinnern und da auch nur, weil sie Örtlichkeiten beinhalten, die beim Lesen wieder schöne Tage in Schweden ins Gedächtnis rufen, z.B. Ausflüge auf kleine Schäreninseln.

    Ansonsten verbinde ich viele große Namen der Literatur oft automatisch mit Meistern der Filmgeschichte, weil ich mich für das Kino und Film im Allgemeinen genauso begeistern kann. Ich hoffe man verzeiht mir deshalb den einen oder anderen Querverweis. Falls es von Interesse ist, zu Strindberg und Bergman gibt es auf der großartigen schwedischen Webseite der Ingmar Bergman Foundation einen ausführlichen Essay: https://www.ingmarbergman.se/en/universe/strindberg-bergman

    giesbert

    Viel habe ich von Strindberg auch noch nicht gelesen. 2016 war ich im Strindbergmuseum in Stockholm, das sich in Strindbergs Wohnung, in der er seine letzten Lebensjahre verbrachte, befindet. Dort habe ich einen recht langen und interessanten Dokumentarfilm über Strindbergs Leben gesehen.


    "Fräulein Julie" zählt meines Wissens zu den bedeutenderen Stücken und wurde schon häufig verfilmt. Ich bin ein Freund der Filme Ingmar Bergmans, der von Strindberg anscheinend nachhaltig beeinflusst wurde, was mein Interesse aufrecht erhält. Letztlich steht und fällt das natürlich damit, ob ich seinem Werk etwas abgewinnen kann.