Monika Maron: Munin oder Chaos im Kopf

  • Noch etwas zur Migrationsproblematik, beileibe nicht alle Migranten sind ja Flüchtlinge.


    Die Publizistin Caroline Fetscher sucht den inzwischen wohl an die 90.000 Unterzeichnern der nur aus zwei Sätzen bestehenden "Gemeinsamen Deklaration 2018" vom 15. März (vier Tage vor der Threaderöffnung hier) zu begegnen, indem sie die öffentlich angegebenen Berufe der Unterzeichner auf Korn nimmt, zum Teil ironisch "ad hominem".

    https://www.tagesspiegel.de/po…nde-buerger/21151466.html

    Darunter sind neben Schriftstellern wie Tellkamp, dem Publizisten Broder und Thilo Sarrazin außerordentlich viele Professoren, Oberärzte, Schauspieler, Künstler aller Sparten, Historiker, Pädagogen zu finden, also Leute, die keinesfalls die diffamierende Bezeichnung "die Abgehängten" verdienen ("abgehängter" Schinken, Dauerwurst usw.), auch der Psychologe Hans-Joachim Maaz, der das Wort von einem "Gefühlsstau" in der östlichen Bevölkerung aufbrachte. Monika Maron gehörte nicht zu den Erstunterzeichnern, man kann vermuten, dass sie nicht so schnell bei Massenauftritten dabei sein will, vielleicht gibt es auch inhaltliche Differenzen. Das sind Menschen, die sich Sorgen vor allem bezüglich der einen Frage machen: wie dem gefühlten Verlust an Rechtstaatlichkeit begegnet werden kann. Die Deklaration wird in den Bundestag gelangen, wohin auch sonst am besten in einer Demokratie?


    Wenn ich Führungsoffiziere, Kapitäne zur See und leitende Richter unter den Unterzeichnenden sehe, dann nehme ich an, dass sie von Berufs wegen wissen, was im Land abgeht, und was sie tun. Natürlich können sich auch Neonazis und alle möglichen Finsterlinge unter die Unterzeichnenden gemischt haben, aber das ist immer möglich, damit muss man rechnen, wie im Fussballstation, wo auch Hooligans neben echten Fans auflaufen können.

    Auch ich einmal deutlich: Im Land muss ein Dialog beginnen, aber so, wie Frau Fetscher das macht, wird das nichts.


    "Die Liste der Namen ist ein kostbares Geschenk". Für wen?!!

    Wenn Frau Fetscher meint, dass es schon für Studienzwecke interessant sei, wer so alles unterzeichnet hat, dann will ich bloß hoffen, dass sie vielleicht zu jung ist, um zu ermessen, was das für Assoziationen auslösen kann: bis zur Zahl 2018 sind die Namen (1990 lernten wir erstmals den Begriff "Klarnamen" kennen) der Unterzeichnenden allen zugänglich (auch radikalen Schlägern und Denunzianten, Familienangehörige können einbezogen werden), wenn Frau Fetscher auch die Namen der übrigen zehntausenden Unterzeichner kennen sollte (woher dann aber?)


    dann erinnere ich mich eben doch, vor einigen Tagen noch einmal die erste regimekritische Publikation zur Hand genommen zu haben, die Anfang 1990 zensurfrei erscheinen konnte: "Ich liebe Euch doch alle". Lageberichte des MfS Januar 1989 - November 1989, herausgegeben von Stefan Wolle und Armin Mitter. Berlin 1990 (und diese beiden Herausgeber wurden bald darauf von Joachim Gauck gefeuert, weil sie Belastendes über Lothar de Maiziere gefunden zu haben glaubten). Die Dienste waren einerseits sehr gut namentlich informiert über all die Oppositionellen, zunächst vor allem aus Kirchengruppen. Aus zunächst einigen Dutzend Kritikern mit Konzentration auf Berlin, Leipzig und Dresden wurden dann im Herbst Hunderttausende und Millionen. Die Namen der ersten "Dissidenten" tauchten dann fast alle später wieder in der Politik auf, etliche wurden Parteigründer und Minister in der Regierung Lothar de Maizieres.

    "Vorkriegszeit" bei Monika Maron

    Schon ein Unterschied zur damaligen Situation wird sichtbar: zu den schärfsten Kritikern der Migrationspolitik der Regierung gehörten heute Leiter des Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes, die wissen mussten, wie sich die Lage seit September 2015 entwickelte. Und wenn sich führende Militärs und leitende Richter ihnen anschließen, dann bin ich einigermaßen beruhigt, dass hier wahrscheinlich nicht mehr ein straff zentralisierter Machtapparat sein Eigenleben entfalten und kritische Stimmen im Innern zum Schweigen bringen wird. Die DDR implodierte, ohne dass Blut floss, das ist doch auch eine zivilisatorische Leistung, die von Leipzig und Dresden ausging und wo gesehen wurde, dass auf der anderen Seite, der Partei, bei den Noch-Anhängern des Sozialismus, ja auch denkende Menschen vorhanden waren, die zunehmend zu kritischen Positionen gelangten und nicht auf das Volk geschossen wurde, wie in Peking oder Bukarest.

    Wenn behauptet wird, dass es vor allem um die Durchsetzung der Rechtstaatlichkeit oder die Wiederherstellung rechtstaatlicher Grundsätze geht, dann kann man dieses Anliegen zwar leugnen, es kann aber nicht zurückgewiesen werden, nur weil das von der CSU in Auftrag gegebene Gutachten Di Fabrios von einer Mehrheit an Juristen bestritten wird. Das muss alles auf den Tisch, die bisher nur moralisch begründete Politik muss auch nach rechtlichen Maßstäben diskutiert werden können.


    Zum Bericht @JHNewmans: ja ich habe auch eine Zeitlang in London gelebt und mich hat besonders beeindruckt diese Zurückhaltung, Unaufdringlichkeit ("distinguished") im Umgang der Engländer und der Vertreter vieler anderer Völker. In so einer riesigen Stadt haben sich praktikable Regeln des gesitteten Umgangs miteinander herausgebildet. In dieser Zeit haben sich keinerlei Szenen der Gewalt abgespielt, der Wirt schwingt zum Feierabend seine Kupferglocke, und alles verlässt in Minutenschnelle friedlich den Pub.

    In Berlin und Hamburg hingegen kommt es zu Eruptionen maßloser Gewalt und eines Hasses auf Staatsorgane und Andersdenkende, der fast mit Vergnügen verbunden ist.

    Es geht nicht um "Ausländerfeindlichkeit" an sich, sehr viele von uns haben täglich mit Ausländern zu tun, sind mit ihnen befreundet.

    Wenn hier niemand ausgegrenzt werden soll: der kollektivistisch ausgerichtete Islam, der von den Gläubigen vorbehaltlose Unterwerfung verlangt, während das heutige Christentum weitgehend das individualistische Prinzip vertritt und in seinen Geboten jeden einzelnen anspricht: "Du sollst" (wie heute in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zu lesen war, deren pauschal antirussische, kenntnisfrei undifferenzierte, nur auf Putin konzentrierte Haltung sowie die weitgehende Mißachtung der Interessen der Religionsfreien mich ansonsten abstößt),

    dieser Islam sieht Ungläubige - zuerst in den eigenen Reihen, Sunniten und Schiiten wie bei uns in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges - Juden und Homosexuelle als minderwertig an und lädt ein zu deren Verfolgung.


    Noch einige Sätze, dann verabschiede ich mich wieder für einige Zeit:

    Man nenne auch nur ein europäisches Land, in dem das Vorgehen der deutschen Regierung 2015 vorbehaltlos begrüßt würde! "Wir" folgten den Geboten der Mitmenschlichkeit. Es wurden 2015 nicht nur die Busse mit einigen Tausenden Migranten aus Budapest durchgelassen, sondern die Grenze bleibt generell monatelang offen wie ein Scheunentor. "Wir" sind ja so moralisch gewesen, wie das auch in diesem Artikel von Caroline Fetscher zum Ausdruck kommt - Pech nur, dass das im übrigen Europa nicht entsprechend gewürdigt wird - dass "wir" es uns leisten können, sowohl Russland als auch Polen gleichzeitig moralisch zu verurteilen und zu bekämpfen, obwohl diese Mächte untereinander spinnefeind waren. Und "wir" vergessen, was den Völkern dieser Länder im 20. Jahrhundert angetan wurde (27 Mio. bzw. 6 Millionen Tote), die sich im Falle von Sanktionen und Drohungen von außen bloß wieder um die eigenen Führer scharen. "Wir" liefern Waffen nur an die Guten, Pech, wenn sich dann die Lage ändert und die Kurden damit getötet werden.

    Nein, "wir" sind weitgehend isoliert. Diese Selbstgerechtigkeit wird ihre Folgen haben.

  • Das Problem mit dieser Petition ist aus meiner Sicht, dass sie in zwei Sätzen zwei fundamental falsche Behauptungen aufstellt - die zweite schlimmer als die erste. Man kann m. E. durchaus die Politik der Kanzlerin kritisieren, aber man sollte das nicht mit zwei derartig plumpen Falschaussagen tun, wie das diese Erklärung tut. Das ist es, was mich dann doch zutiefst irritiert: wie so viele Menschen, die es wirklich besser wissen müssten, und die auch aufgrund ihres Wissens und ihrer Informationsmöglichkeiten eine gewisse Verantwortung haben, so etwas unterschreiben.


    Und dann stellt sich die Frage: Kann man mit zwei solchen Behauptungen, die nicht mit der Realität übereinstimmen, ein Gespräch beginnen oder einfordern?


    Es wäre aus meiner Sicht weitaus klüger gewesen, eine Petition zu verfassen, die eine Reduzierung der Einwanderung fordert und eine Wiedereinführung von Kontrollen an den Grenzen (auch wenn das gegen derzeit gültiges EU-Recht verstößt), ohne eine solch angreifbare Beschreibung des Ist-Zustands.

  • Wir kommen ja vom Hoelzchen aufs Stoeckchen, aber interessant ist das allemal! Nochmal Danke an Euch beide!!!, auch dass alles bisher noch zivilisiert ablaeuft. Langsam bekomme ich aber Bedenken und da fragt es sich, ob wir unsere Unterhaltung bald schliessen(?). Falls das mit der privaten Konversation funktioniert, koennten wir uns ja "privat" weiter schreiben(?), zumal wir uns von dem Buch, jedenfalls der direkten Beziehung dazu, immer wieder entfernen. Natuerlich haengt alles mit allem zusammen. Mit dem RICHTIGEN Zitieren das habe ich immer noch nicht raus, obwohl Zefira es mir erklaert hat. Also Zitat von Karamzin:


    "Die DDR implodierte, ohne dass Blut floss, das ist doch auch eine zivilisatorische Leistung, die von Leipzig und Dresden ausging und wo gesehen wurde, dass auf der anderen Seite, der Partei, bei den Noch-Anhängern des Sozialismus, ja auch denkende Menschen vorhanden waren, die zunehmend zu kritischen Positionen gelangten und nicht auf das Volk geschossen wurde, wie in Peking oder Bukarest."


    Das ist ein Satz, der in goldenen Lettern über den Plenarsaal des Bundestages geschrieben werden muesste und jedes Schulkind muesste ihn auswendig lernen! Das war sowas Unglaubliches und wenn man weiss, wie Menschen sind, zumal, wenn sie ihre Macht verlieren, etwas voellig Unerwartbares. Eine geraume Zeit nach der Wende traf ich bei einem Krankenhausaufenthalt zufaellig auf jemanden aus dem gehoben Dienst der Justiz, der zusammen mit einem Vorsitzenden Richter aus Kalrlruhe (BGH?, Bverf G? weiss ich nicht mehr) mithelfen sollte, das "DDR-Unrecht", das es ja zweifellos gegeben hat, aufzuklären. Als ich ihn noch nicht so recht einschaetzen konnte, wagte ich mich mit der Bemerkung hervor: "Also, obwohl es da bestimmt viele schraege Voegel und auch richtige Verbrecher gegeben hat, wuerde ich eine Generalamnestie erlassen, denn sowas, dass Leute, die immerhin noch die Macht hatten, ein grosses Blutbad anzurichten, ohne dass ein einziger Schuss faellt, die weisse Fahne hissen, hat es meines Wissens in der Geschichte noch nie gegeben". Das Beispiel Hitler lag ja noch nicht so lange zurueck. Zu meiner Ueberraschung sagte der Mann: "Das ist genau meine Meinung".


    Noch etwas zur DDR, was einen starken Eindruck auf mich gemacht hat: Ihr erinnert Euch an Kohls oft belaechelten Ausspruch von den bluehenden Landschaften. Ich war kein Freund von Kohl und unterschaetzte ihn vermutlich stark, aber in DIESEM Punkt, dachte ich damals, dass er recht behalten wuerde, weil ich das "Wirtschaftswunder" bei "uns" noch in guter Erinnerung hatte. Eine Kollegin von mir, deren Vater in den oberen Etagen einer deutschen Weltfirma taetig war, sagte damals zu mir: " Mein Vater hat mir gesagt, die Wirtschaft da drueben sei total marode und das "bisschen",, was die 17 Millionen da drueben brauchen, das koennen wir hier, wenn wir die Kapazitaetsreserven nur ein wenig hochfahren, mitbedienen." Ich verstehe wenig von Volkswirtschaft und Wirtschaft ueberhaupt, aber ich denke, die Beurteilung hat den Nagel auf den Kopf getroffen und ist die tiefere Ursache dafuer, dass viele Menschen die dort drueben hart gearbeitet und tatsaechlich ihr bestes gegeben haben, sich so demuetigend behandelt gefuehlt haben. Ich habe zehn Jahre in Westberlin gewohnt und fuhr immer wieder mit dem Zug durch die "Zone", da kam man irgendwo vorbei, Vockenrode(?), da gab es kilometerlange Dampfleitungen, deren waermedaemmende Ummantelung in Fetzen von den angerosteten Rohren hing, ueberall trat Dampf aus. Bei der BASF in Ludwigshafen war das alles silberglaenzend verpackt und wie neu. Wenn ich mir nun vorstelle, wie einem Arbeiter zumute gewesen sein mag, der ein Grossteil seiner Zeit damit verbracht hatte, diese Rohre abzudichten, zu flicken und notduerftig in stand zu halten, wenn er gesagt bekam, was Du da gemacht hast, mag Dir wichtig erschienen sein, aber es war alles fuer die Katz. Dass so etwas tiefe Spuren in einer Biographie hinterlaesst, ist klar. Womit wir wieder beim Buch sind und bei der unterschiedlichen Resonanz auf die es trifft.

    Was ich sehr interessant finde, ist, dass einer von Euch den mutmasslichen Unterschied von weiblicher und maennlicher Betrachtung ins Spiel gebracht hat. Dem versuche ich mal nachzugehen. Uebrigens die Beobachtung von Newman, bei der es um die ueberproportionale Anwesenheit von Migranten in Oeffentlichen Nahverkehrsmitteln geht, kann ich nur bestaetigen. Wie Karamzin bin ich leidenschaftlicher Zugfahrer. Ich muss aber den Migranten das Zeugnis ausstellen, dass ich noch nicht erlebt habe, dass sich jemand daneben benommen haette und ich fahre viel mit dem Zug. Es gab zwei unschoene Erlebnisse in Zuegen, eines vor vielen Jahren im "Interzonenzug" als ein (deutscher) Boxer aus Wuppertal (grundlos) drohte, mich zusammenzuschlagen, eines 2003 in einem Regionalzug bei Dessau, als (betrunkene?) Fussballfans rhythmisch die Faeuste emporrissen und skandierten: "Hier, regiert, der Bla, Bla, Bla, Hier, regiert, der Bla, Bla, Bla" und dabei den Mitreisenden derart bedrohlich auf die Pelle rueckten dass man sich fuerchtete.

    Zu der Petition will ich mal lieber nichts schreiben, weil ich - wie weiter oben ausgefuehrt - fuerchte, dass sonst die Diskussion aus dem Ruder laufen koennte.

    if all you have is a hammer, all you see looks like a nail.

    Einmal editiert, zuletzt von Volker () aus folgendem Grund: ein wenig ergaenzt und Rechtschreibung etwas korrigeiert.

  • Ich habe erst jetzt richtig wahrgenommen, dass das Literarische Quartett im März als erstes Buch auch den Roman von Monika Maron diskutiert hat. Seitdem Maxim Biller die Runde verlassen hat, ist es deutlich besser. Ich bin zwar überhaupt kein Freund von Philip Tingler, aber die Diskussion über den Roman von Monika Maron läuft - bei aller Kontroverse - doch recht gesittet ab und bringt wichtige Dinge zur Sprache. Ansehen kann man das hier. Da 'Munin' gleich zu Beginn besprochen wird, muss man auch nicht suchen. :-)


    https://www.zdf.de/kultur/das-…vom-2-maerz-2018-100.html

  • Vielen Dank, Newman!, aber leider bin ich trotz Hoergeraeten in jedem meiner beiden Ohren offenbar so schwerhoerig, dass ich der interessanten Unterhaltung nicht folgen kann (laut genug hoere ich alles, aber verstehen tue ich nur wenig).

    Was ich aber verstanden habe, ist, dass auch die Diskussionsteilnehmerin, die ganz rechts sitzt, der Maron einen brillianten Stil und noch einige andere literarische Qualitaeten bescheinigt. Vielleicht fehlt mir da irgendeine Antenne, aber ich bleibe dabei, dass sie ihre Angst nicht "entwickelt", sondern sie legt den wahren Kern ihrer Angst schon ganz am Anfang sozusagen "auf den Tisch" (S. 11) und gibt sich dann Muehe, das wieder in die "Flasche zu kriegen" und langsamer zu entwickeln. Ich kann das nicht so gut formulieren wie Ihr, aber ich versuche es nochmal mit anderen Worten: Auf Seite 11 zeigt sich deutlich, worauf bei ihr alles hinauslaeuft (sie hat naemlich gar kein Chaos im Kopf!) und dann wirft sie Nebelkerzen, um den Eindruck zu erwecken, als sei ihr die Erkenntnis, dass die massive Zuwanderung ihr Angst macht, durch die Beschaeftigung mit dem 30 jaehrigen Krieg, die Saengerin usw. erst nach und nach gekommen. Ich sehe es so, dass sie ihre Befuerchtungen, die ich gut verstehen kann, nicht so unverpackt auf ihre Mitbuerger loslassen wollte, vermutlich auch deshalb, weil sie nicht sofort in die Sarrazinkiste gesteckt werden wollte(???). .....ist eben Literatur....

    Hab mich gefreut, dass es weitergeht, aber wir sollten uns weiterhin der Zivilisiertheit befleissigen.

    Nachtrag: Euch beide schaetze ich noch mehr, seit ich gelesen habe, was Ihr zur Romantik und Safranski schreibt. Was mich wundert, ist, dass Sandhofer und Ihr und auch Peter (Vult) so weit auseinanderliegt. "Geschmack" allein kann das doch gar nicht sein(?). Peter zitiert das wunderbare Eichendorff-Gedicht (um es gegen Safranski zu "verteidigen?" Ich habe noch nichts von Safranski gelesen, aber ein kluger Freund von mir schaetzt ihn sehr, )

    if all you have is a hammer, all you see looks like a nail.

    Einmal editiert, zuletzt von Volker () aus folgendem Grund: Hab einen Nachtrag geschrieben, nachdem ich die Aeusserungen zu Safranski gelesen hatte)

  • In der gestern erschienen ZEIT steht eine Rezension von Iris Radisch, die nicht online steht (jedenfalls nicht ohne zu bezahlen...). Den letzten Absatz zitiere ich hier:


    Zitat

    Am Ende versteht man, dass das Alter Ego der Autorin, das in ihren einsamen Lektüren ein wenig solipsistisch geworden zu sein scheint, den ganzen Roman über mit sich selber gesprochen hat - mit der alten germanischen Krähe ihres Inneren. Die meinungspolitische Götterspeise, die ihr der seltsame Vogel auftischte, hat die Echokammer ihrer Ängste und Vorurteile noch vergrößert. Um ein Haar wäre all das in einer grob vereinfachenden Polit-Parabel verendet. Doch funkelt im selbtironischen Porträt der komischen Berliner Alten, die die Vögel ihres verbohrten Unglücks mit Wurstscheiben aus dem Berliner Supermarkt füttert, noch immer die vertraute spöttische Intelligenz einer großartigen Schriftstellerin.

  • Newman, das Radischzitat hat mich bewogen, das Buch nochmal IN RUHE zu lesen. Beim ersten Mal habe ich es verschlungen und nur auf den Inhalt geachtet. Jetzt hab ich zwar gerade erst wieder angefangen, aber ich fange an, zu verstehen, warum ihr Stil gerühmt wird. Mal sehen. Was mir aber wieder gegen den Strich gegangen ist, ist, dass sie auf Seite 11 die (Haupt-) Katze schon aus dem Sack lässt.

    if all you have is a hammer, all you see looks like a nail.

  • Volker, das finde ich einen spannenden Aspekt. Ich werde das mal nachlesen.

    Ich hatte ja bei meiner Lektüre sehr stark den Eindruck, dass die Autorin aus Klugheit und aufgrund ihres enormen Könnens vermeidet, in die Falle der allzu großen Eindeutigkeit zu tappen. Und das finde ich im Grunde genommen im Urteil Iris Radischs bestätigt. Ich lese noch einmal nach.

  • Hm ... die Forensoftware will nicht so, wie ich es will ... Ich glaube, ich habe da eben 2 Beiträge im Nirvana versenkt, tut mir leid, jamx & JHNewman  :(


    Sandhofer, Du hast mein volles Verständnis, ich kenne das... Aber ich kann Dir frohe Kunde bringen: Du hast die Beiträge nicht versenkt, sondern in meinen vorigen Beitrag #68 hineineditiert. Vielleich kannst Du sie dort auch wieder herausholen? :):thumbup:;) 

  • Oh. Dann ist hier noch der Beitrag von jamx :


    Endlich bin ich mal dort gelandet, wo ich schon lange mal hin wollte. Bei der Literatur. Liebe KA - Sie sprechen mir als altem MDer aus der Seele mit dem 16. Januar. Sehr wichtig, weil oft vergessen. Meine Schwiegermutter übrigens ist bei dem Wort "Weihnachtsbäume" (gegen Ende eines Jahres) sehr frustriert. Ihr Haus bekam auch einen Treffer. Nun mal zur Literatur. Die Religion betreffend, weil mehrfach angesprochen bei der M.M., insbesondere den Islam, so bin ich zwar kein Imam Schamyl, jedoch empfehle ich hierbei Grigol Rubakidse (1894-1963), ab 1945 in der Schweiz lebend mit seinen Veröffentlichungen. z. B. "Kaukasische Novellen". Übrigens heute noch im "Jetzt", oder wieder?

    vielen Dank euch allen, jamx

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus