Beiträge von Volker

    so ein Profi-Leser wie Ihr bin ich ja nicht. Führe keine Leslisten, hab keinen Plan, verfolge weder Bachmann-Preise noch Buchmessen, aber manches macht mir Freude: Hab grad die "Seiten" 282 bis 285 die Ihe HIER geschrieben habt, gelesen. Eine WUNDERBARE Lektüre. Danke dafür! Ihr alle schreibt sehr interessant, anschaulich und kenntnisreich. Eine gute Nacht wünsche ich Euch!

    Barbara Pym könnte ich auch mal wieder lesen. Blackbourn wirst Du nicht bereuen. Ein schier unglaubliches Buch. Auch die Wahnsinnsideen der Nazis für den Osten mit den maßgeblichen Personen fehlen nicht.Alles nicht nur technokratisch abgehandelt sondern mit den jeweiigen geistigen Unterströmungen verwoben. Muss ein Wundermann sein.

    finsbury, lass es nicht rumstehen, öffne es und Du wirst aus dem Staunen nicht herauskommen. Hab mal in die umfangreiche Bibliographie geguckt. "Dein" Küster ist nicht dabei. Kurzer Argwohn: der wird doch nicht abgeschrieben und die Quelle unterschlagen haben? Dann die Erkenntnis, er hat offenbar nur Primärquellen, vornehmlich Akteure, Zeitgenossen und Archive benutzt. Sonst hätte das Buch auch nicht den unglaublich fesselnden originären "Sound"(trotz Übersetzung). Wenn Du Manschetten haben solltest, fang hinten an. Viel Freude wünscht Dir

    Volker

    Hab nach längerer Pause hier reingeguckt. Es ist SEHR interessant, EUCH zu lesen. Danke dafür.( lese gerade ganz andere Sachen. U.a. zum zweiten Mal Allahs Sonne über dem Abendland. Seit vorgestern weiß ich, dank Wikipedia, dass die Verfasserin, Sigrid Hunke, eine Vordenkerin der Neuen Rechten ist und schon in den 30er Jahren bei der NSDAP aktiv war. Das Buch ist aber interessant und bei aller Bewunderung für "die Araber", soweit ich es beurteilen kann, sauber recherchiert mit gewaltigem Quellenverzeichnis. Auch der Vater kommt bei Wikipedia nicht zu kurz und der Verweis auf den Sohn, Hagen Schulz (?), der offenbar ein geachteter Historiker ist, ist auch interessant. Davor war neben Oderland ( im Zusammenhang mit vor dem Sturm) David Blackburns schier unglaubliches Werk, "die Eroberung der Natur, eine Geschichte der Deutschen Landschaft". Es ist mir ein Rätsel, wie ein in USA lehrender Brite ein solches Buch schreiben kann. Einige Dinge kenne ich aus persönlicher Anschauung und eigenem Erleben, z.B. Die Talsperren im Oberbergischen und im Sauerland und den Rhein im Abschnitt von Karlsruhe bis Mannheim. Er bringt (zutreffende) Details, die einen Staunen machen. Ja, und alles hängt mit allem zusammen;: Fontanes Oderland, vor dem Sturm und das Oderbruch zu dem Blackbourn Fontane zitiert. Grass und Böll und Christa Wolf kommen auch vor.

    was Du beschreibst, war aber nicht der Film " eine Liebe von Swann" mit Ornella Muti(?). Der war- fand ich damals- gar nicht mal schlecht. Allerdings ist es sehr, sehr schwer Prost gerecht zu werden, dazu liegt es im Wesen des Films und des Comic, dass gekürzt werden MUSS. Was aber der Film damals nach meiner Erinnerung "geleistet" hat - und auch der Comic - sie haben in ihrem Medium eine Adaption mit eigenem Wert geschaffen (so sehe ich es), während "Proust für Eilige" ein Unding war. Vielleicht Futter für Snobs beim small talk?

    Guten Morgen JMaria,

    hab mich arg gefreut über Deìne Antwort und ihren Inhalt. Ich sehe das auch so. Hab jetzt fünf der bisher erschienenen Bände.😊. Eine Liebe von Swann (vorerst) übersprungen. Der Heuet hat sich VIEL Mühe gegeben und seine Sache m.E. gut gemacht. Man sieht, dass er ein Liebhaber ist. Es hat mich auch gefreut, dass an den "richtigen Stellen" und in beträchtlichem Umfang ProustsText zusammenhängend wiedergegeben wird und zwar in der "klassischen" Übersetzung von Eva Rechel-Mertens. Ich hätte niemals gedacht, dass Proust und Comic irgendeine "Verbindung" miteinander eingehen könnten...

    @Newman, das Buch muss ich haben! Hier gleich nebenan Philippsburg. Gebaut als ich gerade aus Berlin hierher gezogen war. Weithin sichtbare Landmarke für viele Jahre. Dom zu Speyer, ein paar Steinwürfe entfernt, deklassìert. Letztes Jahr wurden die Kühltürme gesprengt. Ein Großevent. Sightseeing.

    Übrigens in "vor dem Sturm" Gedicht von Hagen-Grell ( wohl von Fontane selbst?) über Derfflinger, in Kalkar geboren, auch mi C, ....denn Calcar, das ist Sporn....

    neulich hatte ich hier geschrieben, ich hätte im Klassikteil etwas über einen m.E. bemerkenswerten Proust-Comic (vornehm: Graphic Novel) geschrieben. Das stimmte nicht. Ich hatte vergessen, meinen Beitrag abzuschicken. Das habe ich soeben nachgeholt.

    Wenn ich mal meine, was entdeckt zu haben, dann ist das immer schon längst entdeckt. Neulich hatte ich hier mal einen längeren Sermon über eine vermeintliche Entdeckung niedergeschrieben, den ich aber vergessen hatte abzusenden, jedenfalls ist er nicht da. Inzwischen habe ich die zehnseitige Unterhaltung hier über Proust (nochmal) gelesen und festgestellt, dass etwa auf halbem Wege über "meine" Entdeckug berichtet wird, allerdings nur kurz. Ich denke aber es lohnen sich ein paar Worte: Ein Franzose, Stéphane Heuet, war beim ersten Versuch, die Recherche zu lesen gescheitert - wie ich. Einige Jahre später ein zweiter Versuch:Offenbarung - wie bei mir. Überlegung: Warum konnte ich das einige Jahre zuvor nicht lesen? Gibt es eine Möglichkeit, den Zugang zu "erleichtern"? (Proust für Eilige war wohl nix, wie sandhofer m.E. zutreffend ausgeführt hat. "contradictio in adjecto..."). ABER, KANN DANN EIN COMIC, VORNEHM, GRAPHIC NOVEL DAS SCHIER UNMÖGLICHE ERREICHEN? Zu meinem großen Bedauern: Ich fürchte, nein. Warum tut mir das leid?: Weil man dem Werk, denn es ist ein WERK, von Heuet anmerkt, dass den Autor eine große Liebe und Bewunderung mit Proust und der Recherche verbindet. Die einzelnen Bücher sind wahre Wunderwerke, aber ich glaube nicht, dass sie NOCH-NICHT-PROUSTLESERN den Einstieg erleichtern. ABER DIE MÜHE WAR M.E. NICHT "FÜR DIE KATZ": Für den, der die Recherche gelesen hat und sie liebt, wird der gut gemachte Comic zur Madeleine, die all die wunderbaren Leseerinnerungen wieder lebendig werden lässt: Golo aus der Laterna magica, der über Türrahmen und Vorhänge reitet, Tante Leonie, deren Tageshighĺight darin besteht, von Eulalia zu erfahren, ob Mme. Goupil vor dem Abendmahl in der Messe war, Francoise, die immer Spargel auftischen ließ, damit "die Carìtas von Giotto" Asthmaanfälle bekam, Monsieur Venteuil, gesellschaftlich geächtet wegen seiner lesbischen Tochter, der sich dennoch zum Richter über die Mesalliance Swanns hergibt. Das Seerosenblatt auf der Vivonne, das wie ein Perpetuum mobile hin und her von einem zum andern Ufer pendelt, die beiden Kirchtürme von Martinville, die sich je nach Wegverlauf voreinanderschieben und der kleine Marcel, der das meisterhaft zu Papier bringt und sich danach fühlt, als hätte er ein Ei gelegt und anfängt zu singen....Facit: Es lohnt sich für Proustlièbhaber, die schönen Bücher, die bei Knesebeck erschienen sind, zu kaufen.

    Nachtrag: Auf "Seite" 4 hat klassikfreund die Graphic Novel schon angekündigt und JMaria hat erwartungsvoll geantwortet. Es wäre doch schön, wenn Ihr, die Ihr viel mehr Profis seid als ich, etwas dazu schreiben würdet. Ich habe bisher auch erst den ersten Band (Combray); den zweiten bekomme ich erst zum Geburtstag🐣.

    es passt nicht in den Strom, deshalb kurz. Lese immer noch vor dem Sturm. Großartig. Vielleicht hat @Newman recht und es ist noch beser als der Stechlin(???). Dazwischen "der Honigbus" von Meredith May (Fischer), Zufallslektüre, viel besser als ich befürchtet hatte. Was über Bienen drin steht, entspricht übrigens der Wahrheit. Ich kann das beurteilen😊. (Einer meiner Söhne ist Berufsimker in NZ). weshalb ich mich aber EIGENTLICH melde: Ich habe eine unglaubliche Entdeckung gemacht: Prousts Recherche als Comic. Darüber habe ich in der Klassikrubrik was geschrieben....

    Danke, @Newman!! Ich fürchtete schon, Du würdest stumm bleiben. Du beschreibst das ganz wunderbar. Wozu ich gerne noch etwas von DIR gelesen hätte, ist die MICH irritierende bis nervende Liebe zu schönen, menschengemachten Dingen: "ausschweifende" Beschreibungen von Tisch- und Weihnachtsdekorationen, Antiquitätenkäufen. Du bringst zwei Stichworte, Bildungsbürgertum und Dandytum, die wohl de Weg weisen. Für MICH wollte das aber nicht zu dem tiefen protestantischen Ernst passen. Der Selbstmord, für MICH nach der Lektüre der logische und konsequente Ausweg. Damals für "seine" Kreise ein großer Tabubruch, wie Du zutreffend schreibst. Wenn ich mich richtig erinnere (ich scheue mich davor nachzulesen!) wird das aber von ihm vorher nicht diskutiert oder thematisiert, sondern nur knapp in allerletzter "Sekunde" als feststehendes Faktum mitgeteilt. Ich hätte damals (etwa1983) etwas darum gegeben wenn ich mit meiner gebildeten und frommen Tante Johanna, von der ich das Buch geerbt habe, u.a. über diesen Punkt hätte sprechen können (Sie wurde an die 100 J. alt und haderte am Ende mit Gott: "so hol mich doch endlich, so hol mich doch...."). In den Zeitungsartikeln gfindet sich - seltsämerweise - zu dem Tabubruch nichts. Ich werde zu den Artikeln noch etwas schreiben, wenn ich nochmal greingeguckt habe.

    Ergänzung: Der damals vielgelesene Roman heißt "Der Vater". Er hatte danach eine Biografie über Luthers Frau, Katharina von Bora in Arbeit, die er nicht vollenden konnte.

    Wenn es Euch nicht langweilt, kann ich nach Newman noch aus den alten Zeitungsartikeln zitieren, die z.T. recht interessant sind.

    @Newman hat zweimal ganz leise angeklopft mit den Tagebüchern von Jochen Klepper. Ohne Reaktion. Er selbst hat aber auch nichts dazu gesagt, außer dass es harte Kost sei. Da erlaube ich mir einen Beitrag, in der Hoffnung auf sachkundigere Ergänzung durch @Newm unter dem FRISCHEN Eindruck der Lektüre. Die Tagebücher von 1932-1942, die unter dem bibñlischen Titel " Unter dem Schatten Deiner Flügel" 1956 in der Deutschen Verlagsanstalt erschienen sind, eingeleitet durch seinen Freund Reinhold Schneider. Ein ganz außerordentlich verstörendes Buch, die Axt, im Motto von finsbury. IIch habe es in den 80er Jahren gelesen. Hatte es von einer meiner alten Großtanten "geerbt". In keinem Buch habe ich so viel angestrichen und so viele Randkommentare geschrieben, so viele Zeitungsartikel eingelegt wie in diesem. Ein Tagebuch ist ja nicht auf ein Ende hin komponiert. Wenn man sich vorher nicht informiert, weiß man ja nicht, wie es "ausgeht". Der Schreiber weiß es selbst ja auch nicht. Hätte er sonst so in Ausmalung von festlichenTischdekorationen, Antiquitätenbeschreibungen usw. geschwelgt, wenn er schon 1932 GEWUSST hätte, dass er sich 1942 mit seiner jüdischen Frau und deren Tochter das Leben nehmen würde, weil seine Vorprache bei Eichmann nichts nützte? VIELLEICHT DOCH. Und das finde ich das Verstörende. Er sah das Unglück und die Barbarei heraufziehen, aber sein Gottvertrauen verlor er nicht, auch in dem eigentlich total trostlosen Ende nicht. Mir als Atheisten unbegreiflich. Er war ein prominenter Mann, hatte 1937 seinen größten Erfolg mit seiner Biografie des "Soldatenkönigs" (Vater Friedrichsll ((d. große)). Damals ein Bestseller, nicht nur bei Lesern der sog. Inneren Emigration, sondern auch in "vaterländischen" Kreisen. In den schrägen Spuren Luthers versuchte er sogar immer wieder der Obrigkeit" ihr "Recht" zu lassen, obwohl er von Anfang an das Unmenschliche, Unchristliche und die Hybris sah und mit unglaublich treffenden Worten, oft Bibelstellen, bezeichnete. An eine erinnere ich mich (vermutlich ziemlich wörtlich) "Turmbau zu Babel und Vertreibung der Juden, man erschrickt zu Tode..." Dem Turmbau zu Babel musste er weichen: Das Grundstück auf dem die Familie wohnte, fiel in die Planung der neuen Hauptstadt Germania. Er baute dann in Nikolassee an der Rehwiese. Mit der Vertreibung kam die Familie dann aber nicht davon, weil das Regime grausamer war, als das des Pharao. Auf dem dortigen Friedhof sind auch die Gräber. Im Gesangbuch meines 1980 konfirmierten Sohnes sind drei Kirchenlieder von Jochen Klepper.

    Hier mache ich erst mal einen Punkt. @Newman, jetzt bist Du dran

    das freut mich, Big Ben, und es zeigt mir, dass bei mir (leider offenbar) doch mehr mit dem Holzhammer gearbeitet werden muss. Ich fand die Sticheleien und Seitenhiebe im ersten Teil eher sanft; habe manche vielleicht gar nicht bemerkt(?!).

    zu Big Ben: Man MUSS es vielleicht nicht lesen. Die erste Hälfte war auch für mich,- wie für Zefira,- zeitweise eine Durststrecke. Es wird aber immer besser und wenn man dann danach ein Glas voll Segen liest rundet sich das Bild einer doch sehr eigenständigen, interessanten ironisch-sarkastischen, aber auch toleranten, liberalen Schriftstellerin. Ein Glas voll Segen fand ich lebendiger, farbiger. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass "Kindern" bunte Glasperlen besser gefallen als noh so raffiniert kombinierte Grautöne (Tee und die Geistlichkeit kommen auch hier nicht zu kurz, Giesbert!). Jetzt ist mir wieder Fontanes vor dem Sturm "in die Hände gefallen". Das ist denn doch wie Heimkehr.....Werde es, fürchte ich, wieder ganz lesen. Danach WIEDER Stechlin??

    Mit großem Interesse verfolge ich das hier. Leider bin ich nicht in der Lage, auf dem Niveau mitzudiskutieren ((zum kleineren Teil liegt das daran, dass ich das Buch (noch) nicht gelesen habe und die Mehrzahl der Rezensionen)). Was ich aber gerne mal loswerden würde, ist: Ich bin begeistert, wie zivilisiert die Diskussion hier in dem außerordentlich verminten Gelände abläuft. Das hat mir schon bei Munin gefallen.

    Nachtrag für Giesbert: Wenn Du nochmal in den Don Quichote einsteigen und Freude daran haben willst, dann lies zunächst mal die Fortsetzung. Die war für mich die "Beglaubigung" für die Genialität Cervantes. Danach liest man den ersten Teil anders. Die eingefügten Novellen hab ich beim zweiten Mal übersprungen. Ein sehr guter Einstieg für mich wäre Thomas Manns Meerfahrt mit Don Quichote gewesen, aber die habe ich erst danach in einer wunderbar illustrierten Ausgabe gelesen (Fotos der Schiffe, mit denen er den Antlantik überquert hat mit deren technischen Daten und kurzer Geschichte).