Beiträge von Volker

    ob ich es fertigbringe, weiß ich noch nicht. Ich möchte hier einen Link zu einem Artikel in der FA Z setzen, der sich mit dem neuen Roman von Monika Maron, der Trennung vom S.- Fischer-Verlag und mit ihr selbst befasst: https://www.faz.net/aktuell/fe…onika-maron-16895836.html

    Na, dass scheint ja sogar geklappt zu haben(?)

    Ergänzung: Ich merke an mir, wie ich - wenn man die bisher üblichen Kategorien anwendet - immer mehr nach rechts drifte. Es ist eine schwirige Zeit, in der es schwer fällt, überzeugende, in sich stimmige Einsichten zu gewinnen.

    Stechlin und vor dem Sturm habe ich aus den von Euch genannten Gründen mehrmals gelesen. Ein Mal kurz hintereinander. Dabei hat sich mir eine ganz merkwürdige Parallelirät beim "Personal", ja, ich muss schon sagen "aufgedrängt": Der alte Dubslav und der alte Bernd, die Domina von Wutz und die hochgestochene Schwester von Bernd (Namen müsste ich nachgucken) Woldemar und der Sohn vom Bernd, es gibt auch parallele " Nebenrollen", die mir leider nicht mehr so gegenwärtig sind. Ich fand es verblüffend. Es gab sogar Handlungsparallelen, soweit man beim Stechlin von Handlung sprechen kann (die Armut an spektakulärer Handlung ist ja mit das Schönste beim Stechlin)

    Zefira, Du musst - glaub ich - ab und zu mal aus Deinem Korstt rausspringen und ein bisschen Sponti sein. Wenn der Doderer Dir hier von allen Seiten serviert wird und Du hast Lust drauf, solltest Du Deine Liste warten lassen. Die Umwege und Abschweifungen sind meist sowieso das Beste.

    Dann könnte ICH ja beruhigt sein, aber, sei unbesorgt, ich werde Dich nicht Mädel nennen, dafür hab ich viel zu viel Respekt vor Dir. Jetzt nochmal nachgehakt: Ist das Wort hiesig in Österreich noch in "normalem" Gebrauch?

    Treibt die Hiesige eigentlich auch in Österreich ihr (Un?)wesen? Schön zu erfahren, dass der dösige Deutsche einen dasigen Bruder dort hat.

    Zefira, hat(te) hiesig auch in Hessen ein Geschmäckle? In meiner Kindheit im Westerwald hat man das nach meiner Erinnerung nicht geschmeckt. Wenn ich aber nachdenke: Ob ich es in 10 Jahren im Oberbergischen, in 10 Jahren in Berlin und in über 50 Jahren in der Pfalz nochmal gehört habe, kann ich nicht sicher sagen.

    Kleine Kostprobe aus "meine Ķinderjahre" (zugegeben, eine BESONDERS schöne Stelle):

    Vater und Sohn spielen eine Szene aus den napoleonischen Kriegen nach:

    "Kennst Du Latour d'Auvergne?"...

    "Gewiss, er war le premier grenadier de France".

    "Gut, Und weißt Du auch, wie man ihn ehrte, als er schon tot war?"

    "Gewiss".

    "Dann sage mir, wie es war."

    "Ja, dann musst Du aber erst aufstehen, Papa, und Flügelmann sein; sonst geht es nicht."

    Und nun stand er auch wirklich von seinem Sofaplatz auf und stellte sich als Flügelmann der alten Garde militärisch vor mich hin, während ich selbst, Knirps, der ich war, die Rolle des appellabnehmenden Offiziers spielte. Und nun, aufrufend begann ich:

    " Latour d'Auvergne!"

    "Il n'est pas ici.", antwortete mein Vater in tiefstem Bass.

    "Ou est-il donc?"

    "Il est mort sur le champ d'honneur".

    Es kam vor, dass meine Mutter diesen eigenartigen Unterrichtsstunden beiwohnte - nur das mit Latour d'Auvergne wagten wir nicht in ihrer Gegenwart - und bei der Gelegenheit durch ihr Mienenspiel zu verstehen gab, dass sie diese ganze Form des Unterrichts, die mein Vater mit einem unnachahmlichen Gesichtsausdruck seine "Sokratische Methode" nannte, höchst zweifelhaft finde.

    Jaqui, ja, Fontane wunderbar. Stechlin ganz herrlich. Wenn Du noch was Schönes außerhalb seiner berühmten Romane lesen willst, dann versuchs mal mit meine Kinderjahre und von 30 bis 40 (Titel aus der Erinnerung). Was Besseres kann man sich nicht antun.

    edit wg. Tippfehlern müsste ich auch machen. Habs aber nicht hingekriegt: SIBYL UND DIE ÜBERSCHRIFT LITTLE GRANDMA UND ANDERE.

    Kleine Ergänzung zur Little Grandma:

    Zefira, ER war ja immerhin lernfähig, hat sich sehr beknirscht, aber ganz konnte er die Scharte nicht auswetzen. Alle vier Schwiegersöhne hatten einen schweren Stand, wie aus dem Text hervorgeht, schon weil sie die Töchter daran hinderten, zu dem zu werden, was sie ohne sie hätten werden können.

    Im Netz lese ich, dass "Manfred Flügge in seinem Buch, das Jahrhundert der Manns, meint:

    Thomas Mann schrieb Jahre später (ca. 20J. Einfügung von mir) ein etwas herablassendes Portrait über die Ur-Feministin, nannte sie Little Grandma und nahm sie als Autorin nicht sonderlich ernst." Letzteres ist zutreffend, aber, dass das Portrait herablassend wäre, ist ganz und gar nicht der Fall. Mich wundert sehr, wie ein namhafter Schriftsteller so am Kern der Sache vorbeilesen konnte: Der gesamte Text zeugt von Hochachtung vor der Persönlichkeit und Zuneigung, ja Liebe. Dass dabei ironisch über kleine Eigenheiten und Schwächen geschmunzelt wird, hat mit Herablassung nichts, aber auch gar nichts zu tun.

    Es lohnt sich sehr, den Text (Little Grandma) zu lesen, auch wg. des gesamten kulturellen und gesellschaftlichen Umfelds

    Hab den Text von Thomäs Mann gefunden, in dem er der Großmutter seiner Frau ein würdiges Denkmal setzt. (leider unter den Würdigungen in Wikipedia nicht aufgeführt.

    Überschrift:

    "Lttle GrLitlandma"

    "Ĺittle Grandma war nicht meine little Grandma, aber sie wurde es gewissermaßen, da ich ihre Enkelin heiratete............Es war eine der denkwürdigstn Bekanntschaften meines Lebens, vielleicht die denkwürdigste. Der Zauber von Little Grandmas Erscheinung und Persönlichkeit war unbescheiblich......Ihre Enkelin und ich erwarteten damals unser erstes Kind und ich hatte dem Wunsche Ausdruck gegeben, es möchte ein Knabe sein......es sei mit einem Mädchen doch keine rechte ernsthafte Angelegenheit. Diese schreiend unreife Äußerung war Little Grandma leider hinterbracht worden........." Er musste sich"rechttfertigen". "Es war keine Kleinigkeit. Ich habe nie einen schwereren Stand gehabt. Von Rechtfertigung konnte natürlich keine Rede sein, sondern nur von reuiger Zurücknahme und Deprekation."

    Diese Schwieger-Großmutter ist bekanntlich eine große Vorkämpferin der Gleichberechtigung gewesen.

    Sie versprach sich sehr viel vom technischen Fortschritt; von der Befreiung von der Sklavenarbeit bis zum Weltfrieden. Das führt Thomas Mann sehr schön aus. Sie verstand aber nichts von der Technik, auch das bescheibt Th. Mann und jetzt folgt die herrliche Stelle, an die ich mich erinnerte: "und schraubte jemand eine Glühbirne ab, so konnte sie zur Erheiterung der Jugend warnen: Was tust du? Du lässt ja die gute Elektrizität ausströmen!"

    Die kenn ich gar nicht.

    Aber passend zu dem Frauenthema habe ich mich jetzt an eine riesige Herausforderung gemacht: "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoir. Das ist meine erste richtige - nicht belletristische - Lektüre zum Feminismus - shame on me :schulterzuck:. Schon die Einleitung ist sehr tiefgründig und lässt das Beste für die kommenden weit über 1000 Seiten erwarten. Wird wohl lange dauern .. .

    tut miir leid, ich wollte nur die Zeile, "die kenne ich gar nicht" zitieren. In Wikipedia wirst Du aufgeklärt, passend zu Deiner jetzigen Lektüre. In irgendeinem Text von Th. Mann - wäre dankbar, wenn mir jemand von Euch sagen könnte, wo - schreibt er, wie diese Großmutter seiner Frau, die er wohl sehr mochte, sehr besorgt ist, weil eine Glühbirñe herausgeschaubt und "vergessen" wurde, die Fassung zuzustöpseln "jetzt läuft ja der ganze Strom aus..."

    hab grad nochmal im allwissenden Netz nachgeguckt. Schwiegermutter von Th. Mann stimmt auch. Wen ich aber eigentich meinte, war die Mutter der Schwiegermutter: Hedwig Dohm.

    Allein schon die Idee, mal solch eine Schwiegermutter zu "präsentieren" ist schon was wert. Wenn ich mich recht erinnere, war die Schwiegermutter von Thomas Mann auch so ein ausgefallenes Exemplar, anders als die Sybil, aber auch anders als man Schwiegermütter sonst beschrieben findet.

    Mittlerweile habe ich mit dem Glas voll Segen begonnen. Während mir immer noch nicht ganz klar ist, was mich bei den vortrefflichen Frauen ohne Unterbrechung bei der Stange gehalten hat, "spricht mich dieses Buch richtig an". Eine Schwiegermutter mal so ganz anders als das Klichee und der gemeinsame Besuch mit ihr im Schmuddelrestaurant, herrlich; auch die zwei Ministerialbeamten...Bin gespannt, wie es weiterdeht und bedanke mich herzlich bei finsbury für den Tipp zu dieser Lekrüre.

    Nochmal zur Ausbeutung: Ganz hervorragend kommt das ja raus bei der strickenden und im Vortrag einschlafenden Frau des Präsidenten, die für ihn die Fahnen korrigiert und die Register angelegt hat, ohne das geringste Interesse an seinem Fachgebiet. Sie hat sich ja dann sofort nach seinem Tod von dem sie erdrückenden "Plunder" (vermutlich wertvollste Sammlerstücke aus Afrika) befreit. Mal was Ketzerisches: Man kann das evtl. auch anders lesen, nicht als Ausbeutung durch den Mann, sondern als versäumte Chance der Frau über die Nebentreppe Gefallen und Interesse an dem Fachgebiet zu gewinnen und zur Partnerin des forschenden Mannes zu werden, wie es offenbar in dem von Zefira geschilderten Tandem versucht wurde, leider am untauglichen Objekt, weil er eine Niete war. Bin ich ein Macho? Heute Abend hätte das meine Frau bejaht......"immer das Ding vor der Nase...."

    Ja, stimmt, dass ich den Tiefgang "unterwegs" nicht so recht gesehen habe; erst in der grandiosen Schlusszene. Das kommt vermutlich daher, dass das Gespann Helena Rocky dann ja in der Ausbeutungsrichtung hätte "andersherum" funktionieren müssen. Ansätze sind ja da: Er kocht und räumt gelegentlich wohl etwas auf, aber für ein männliches Heimchen am Herd und als Korrekturfahnenleser ist er doch wohl ungeeignet(?!).

    ZEFIRA, sei so nett und verrate von Deinem Buch mal die Verfasserin usw. Danke.