Beiträge von Karamzin

    Ich habe die Debatte hier passiv verfolgt. Für eine aktive Beteiligung an der Wallenstein-Diskussion an anderem Ort hatte ich leider keinen Nerv und keine Zeit mehr, andere haben sie hervorragend weitergeführt.

    Ich hatte schon JHNewman bezüglich des "Lanz" geschrieben, er hat dafür Verständnis gezeigt, dass ich nur ungern Stellung beziehen wollte, jetzt mache ich es trotzdem noch einmal.


    Die Ereignisse um Monika Maron sind symptomatisch für das Heranwachsen der jetzt voll einsetzenden Krise im Land. Sie hatte 2018 in "Munin" seismographisch erfasst, dass hierzulande etwas gründlich schiefläuft und die Kommunikation schwer gestört ist. Das Jahr 2015 war der Beginn einer schweren Krise, deren Ende nicht in Sicht und deren Ausgang völlig ungewiß ist, es wird auch nicht besser, wenn man auf andere Länder (mit Ausnahmen) schaut, meine russischen Freunde sinnieren auch darüber, ob man lieber Katzenbilder oder Pflanzen posten soll.

    Aber hier machen wir ja noch unsere Arbeit, lesen, reden über Literatur und schreiben selber


    Jetzt machte ich mit dem "Munin" im Frühjahr 2018 eine Ausnahme. Bis dahin hatte ich mich nur im Zusammenhang mit Christa Wolf zur Gegenwartsliteratur geäußert (Erwin Strittmatter und Hermann Kant hatten mich nie nahe berührt), und jetzt ist auch noch Günter de Bruyn gegangen, der in seinen "Märkischen Forschungen" (1979) meisterhaft und mit leiser Ironie geschildert hatte, wie sich ein leitender Wissenschaftler, mit Macht ausgestattet, über menschlichen Anstand hinwegsetzte, die Leute manipulierte und für andere skrupellos "Schicksal spielte".


    "Helden" ("Lanz") werden klugerweise nicht aus der Deckung gehen, wenn sie isoliert werden und nur mißverstanden dastehen und sich ziemlich einsam fühlen müssen. Man braucht gar nicht wieder den allseits zitierten Spruch Bertolt Brechts herauskramen von dem Land, in dem "Helden" nötig seien, das haben andere zum Genüge getan.


    In der DDR, in der Monika Maron als Tochter ausgerechnet des Innenministers aufwuchs und in der ich auch 35 Jahre lebte, war man es gewohnt, bei zunehmendem Druck von oben und außen "in Deckung" zu gehen, weil offene Kritik mißliebige Folgen nicht nur für sich, sondern auch für die Familien haben konnte (z.B. wurden Bildungschancen der eigenen Kinder beschnitten, Isolierung durch Rufmord). 99 Prozent wählten bis zum Schluss die Kandidaten der Nationalen Front, na und.

    Die Begriffe "Sippenhaft" und "Blockwart" sind allerdings für mich viel zu sehr mit der ersten Diktatur verbunden, die Holocaust und Weltkriegsentfesselung zu verantworten hatte, als dass ich sie selbst verwenden würde; sicher, es gab Abschnittsbevollmächtgte und Beauftragte, die das "Hausbuch" zu führen und Übernachtungen zu registrieren hatten.
    (in der Sache kann man natürlich so seine Vergleiche anstellen: ein im Westen aufgewachsender, mir bekannter Wirt erklärte in einem "sozialen Medium", dass er alle gastronomischen Einrichtungen bei den Behörden anzeigen würde, von denen er durch seine Gäste gehört (nur gehört!!!) habe, dass dort die Corona-Bestimmungen nicht eingehalten würden, also nicht etwa durch eigene Beobachtung; klar, der Mann hat Angst um seinen Laden, aber es gibt Grenzen).


    In der DDR war für einige Millionen Westdeutschland ein Gegenentwurf, täglich konnte man Westfernsehen hereinbekommen, wenn man es denn wollte. 1989 setzten sich Zehntausende in Richtung Westen in Bewegung, und die Ereignisse wurden dadurch rasant beschleunigt. Bis dahin gab es vielleicht einige hundert konsequente Oppositionelle, aber nur ein ganz geringer Prozentsatz von ihnen wollte die Herstellung der Einheit, bestimmt mehr als 90 Prozent hingegen eine bessere DDR. Man kritisierte Krisenerscheinungen, aber nur ganz wenige wollten den Staat abschaffen, in dem sie lebten.

    Für Abermillionen aber war der Westen nicht der täglich empfundene Gegenentwurf. Millionen waren auf die Sowjetunion und das Perestrojka-Experiment orientiert, dessen Höhepunkt ich in der ersten Jahreshälfte 1989 in Moskau und Leningrad erlebte. Ich hatte nie an Anreise gedacht und kannte in der BRD keinen Menschen persönlich.

    Millionen Menschen wollten nur vernünftig leben, eine annehmbare Wohnung, für sich und ihre Kinder ausreichend zu essen haben und ihnen Bildungschancen zugänglich werden lassen. Sie lasen nicht mehr das "Neue Deutschland" mit seinen Erfolgsmeldungen bis zum Schluss 1989, sie sahen nicht mehr die "Aktuelle Kamera" mit den weltentrückten Gesichtern der Herrschenden.


    Die jetzige Bundesrepublik eine DDR 2.0 ? Ich finde die jetzige Situation viel bedrückender, weil keine Hoffnung mehr aufkommen kann. In der DDR brauchte man nicht auf das "Parlament", die Volkskammer zu achten, hat aber in den drei Jahrzehnten seit 1990 zumindest Geschmack am Parlamentarismus gefunden, der jetzt zerstört wird. Einzig auf Teile der Gerichtsbarkeit ist noch einigermaßen Hoffnung zu setzen. Kein Redner in Sicht, der dem Volke einige Zuversicht in diesen Krisenzeiten geben würde (der Bundespräsident für mich ein hilfloser, verbissener Langweiler mit verengtem Blick).

    Im Unterschied zu den meisten von Euch hier - und ich werde damit sicher Widerspruch ernten - lese ich nicht mehr die tonangebenden Medien westdeutschen Ursprungs und die dortigen Debatten um Monika Maron, sehe ich nicht mehr fern.

    Millionen Menschen in den neuen Bundesländern machen es jetzt wieder, wie sie es vor 1989 gewohnt waren, "die Schotten dicht", sie tauchen ab, spielen nicht den "Helden", sind nur noch für ihre Familien da. (für die, die noch etwas Papiernes lesen, der Witz von der "Neuen Züricher Zeitung" als dem "Westfernsehen von heute", es ist schon so, dass aus der Schweiz noch nüchtern über Deutschland berichtet wird). Es hat sich in vieler Augen eine "Meinungsdiktatur" eingeschlichen, vieles schwappte zudem aus Amerika herüber, zu dem die meisten im Osten keine innere Beziehung haben, wo im Unterschied zum Osten die Religion immer eine so große Rollle spielten, dass auch Abgefallene ihren Extremismus beibehielten.

    Im Herbst erlebte ich im heimatlichen Thüringen wieder eine gewohnte, in vielen Gesprächen bestätigte Gelassenheit als Grundstimmung in der Bevölkerung. Die Leute fürchten sich kaum vor Corona, sondern vor dem Verfall der Wirtschaft, des gesamten Gesundheitswesens in allen übrigen Bereichen und der Volksbildung. "Laß die da oben reden, im Fernsehen und in den Zeitungen berichten sie, wie sie das vor 1989 auch getan haben." Da gehen die Leute aus Gewohnheit weder zu Demonstrationen, wie im überhitzten Zentrum Berlins, noch zu "Corona"-Partys, niemand ereifert sich über Genderdebatten, Rassismus und den Nazi, der hinter jedem Busch lauert.


    Der entscheidende Unterschied zur DDR ist, dass man heute Abermillionen von Menschen, wahrscheinlich einen Großteil, dermaßen durch in Szene gesetzte Meinungsbildner in den Medien (deren Voraussagen in den wenigsten Fällen eintrafen) in Panik versetzt hat, dass jetzt ein Teil der Bevölkerung dem anderen physisch an die Gurgel gehen kann, den er an seinem Mundlappen erkennt. Da nützt auch in den Nahverkehrsmitteln keine echte Maskenbefreiung mehr etwas - asthmakranke Menschen werden ebenfalls bedroht.


    Monika Maron hat vieles vorausgesehen. Sie wird sich kaum daran stören, was in den westlich dominierten Medien der offiziellen Kulturlandschaft noch über sie geschrieben wird. Sie hat die 80 erreicht, hat immer Widerstand geleistet, wenn sie es für richtig hielt, sie hat großen Einsatz gezeigt und ein sinnvolles Leben geführt. Sie braucht sich von niemandem zu distanzieren, mit dem sie gekünstelt in Verbindung gebracht wird und den sie wahrscheinlich gar nicht persönlich kennt. Von ihrer Freundin auch nicht. Wir suchen uns unsere Freunde in Ost und West selber, es werden immer Gleichgesinnte da sein.

    Es wird ein harter Winter kommen (nicht unbedingt schnee- und eismäßig), es kommen schlimme Zeiten, aber sie hat es hinter sich. Warum das Land so gespalten ist und kein Ende in Sicht ist, hat sie versucht intuitiv zu erfassen.

    Nun verschwinde ich erst einmal wieder, Herr Drosten braucht mich nicht zum Führen eines Tagebuches zu ermahnen, das mache ich seit 1965, sie füllen anderthalb Meter Regale, meine Memoiren sollen noch irgendwie versöhnlich enden.


    Das Ende hier zu apokalyptisch? Der Optimist: es kann ja noch schlimmer kommen.

    Hallo Dostoevskij


    es gibt seit nahezu drei Jahrzehnten kaum ein Thema, das mich mehr beschäftigt hätte, auch wegen mehrerer entsprechender Erlebnisse in der Kernfamilie. Du empfiehlst am Schluß das Buch von Roland Schulz. Gibt es darin besondere hervorhebenswerte Dinge? Am Schluss hatte ich mich seit einigen Jahren vor allem an Borasio festgemacht.

    Auf Palliativmedizin als Alternative zu anderen Möglichkeiten zu sehr zu hoffen, bringt in den Fällen nicht allzu viel, wenn die Kapazitäten doch auch regional begrenzt sind, eigene finanzielle Mittel kaum vorhanden sind und man dann auch noch Gefahr läuft, von Gläubigen am Schluss mit ihren Wertvorstellungen bedrängt zu werden, die man im eigenen Leben nie hatte. Ein Mix an Überlegungen der allerverschiedensten Art würde mir auch nicht so viel bringen (sondern eher pragmatisch-praxisorientierte Fragen). Also, was meinst Du: Was bringt Roland Schulz Interessantes?

    vielen Dank, Karamzin! Ein Glück, dass ich nochmal zurückgeschaut habe. Du bist ja voller Goldadern! Ich habe leider einen zu wenig "kontinuierlichen Kopf" für solche goßen Linien, aber viel Spaß an den Brosamen, die von der Reichen Tische fallen und da ist natürlich die Sache mit dem Sauerkraut und dem Würstchen auf dem Kopf was Erstklasiges. Was Du mir aber erklären "musst", gerne in einer PN, ist die Sache mit dem Salzstreuer und der Frau auf der Bank. Da hab ich nie was von gehört. Hat die Corona gekriegt oder was? Spaß beiseite: Ganz herzlichen Dank für die Zusammenhänge und Hintergründe!!!

    Ich habe einfach die Nase voll von all den Wahnsinnsgeschichten, die uns in den letzten Monaten aufgetischt wurden, und da erschien mir das ausgehende 18. Jahrhundert mit seiner perspektivreichen Suche nach neuen medizinischen Heilmethoden noch als eine vergleichsweise vernünftige Zeit.


    Ich habe mich zu recht früher Stunde, bis 8.15 Uhr, zu solchen zeitgeschichtlichen Exkursen hinreißen lassen, so dass noch kein Einfluss irgendwelcher Getränke anzunehmen ist. Selbst die Endzeit der DDR mit dem Jahr 1989 reicht nicht im entferntesten an die jetzige mit ihrem Wahnsinn heran,=O damals ging es noch einigermaßen übersichtlich zu und man ging den Menschen nicht ans Gesicht: nur die Parteiführung wusste nicht mehr, was die Stunde geschlagen hatte.


    (die Salzstreuer-Story ist von Drosten, die von der Parkbank ging durch das Land, und oben habe ich mit den "Stadtwächtern" die neuerlichen unfassbar dämlichen Angriffe auf unsere Polizei als wichtigem Garanten für die Ordnung im Lande persifliert).


    Aber in meinen abschließenden Betrachtungen zur Lektüre von "Wallensteins Lager" wird es wieder gesittet im historischen Sinne zugehen.


    Ich habe keine neue Ausgabe mit Kommentaren zur Hand genommen, wenn sich dann in meinen noch folgenden Ausführungen daraus etwas wiederholen sollte, ist es nicht solchen hilfreichen Angaben entnommen, sondern einem ehrwürdigen Band aus dem Nachlaß meiner Schwiegereltern: Schillers Werke. Illustriert von ersten deutschen Künstlern. Hrsg. von J. G. Fischer. zweiter Band. Stuttgart und Leipzig.


    Vielleicht haben mich die wilden Radierungen darin zu solchen zeitgeschichtlichen Exkursen inspiriert.:)

    Noch einmal der Kapuziner

    Und die schwedische Landung auf Usedom 1630


    Die Karneval-Saison in diesem Winter wird heute in den Nachrichten wegen der Unklarheiten bei der Politik gegenüber der Corona-Pandemie in Frage gestellt.

    Nun habe ich mit Karneval nie sonderlich viel am Hut gehabt, wenn ich auch einsehe, dass ihn ein Teil der Bevölkerung für sehr wichtig hält und diese tagelangen Veranstaltungen angesichts des wirklichen oder scheinbaren Ernstes der Lage auch ihre über die Jahrhunderte bestätigte entlastende Funktion haben. Endlich kann man mal straflos ablästern über „die da oben“.


    Die Knittelverse der Kapuzinerpredigt, aber auch anderer Redebeiträge in „Wallensteins Lager“, kommen mir vor wie bestimmte „Büttenreden“.

    Mir geht es sogar so, dass diese Knittelverse irgendwie ansteckend wirken und man selbst beginnt, in solchen Versen zu denken. Ich kann mich sogar entsinnen, schon in Knittelversen geträumt zu haben.


    Aber während auch heute als Prälaten verkleidete Büttenredner mit einem wohligen „Helau!“ verabschiedet werden, muss der Kapuziner am Schluss um sein Leben fürchten. Nur die unempfindlichen Kroaten retten ihn ("Bleib da, Pfäfflein, fürcht dich nit“). Die kamen aus dem südlichen Teil des Königreichs Ungarn und waren den Habsburger Kaisern immer treu geblieben, sie schützten die Landesgrenzen und ließen sich auch gegen aufständische Ungarn gebrauchen, selbst noch in der Revolution von 1848.

    Die Jäger aber rufen aus: „Pfaffe! Jetzt ist’s um dich geschehn!“


    Der Kapuziner ist der Erste, der zum Angriff auf Wallenstein, das Idol der Soldaten, übergeht. Der Prediger begeht damit ein großes Wagnis, da er wissen musste, dass ihm die Soldateska nicht etwa wegen seiner Anprangerung ihrer Sünden gefährlich werden konnte - die war das gewöhnt, dass man ihnen die Moral las. Aber indem der Kapuziner predigt:


    „Kömmt doch das Aergerniß von oben!“


    lenkt er die Aufmerksamkeit der Umstehenden im Lager und des Theaterpublikums späterer Tage auf die zentrale Figur des Dramas, und zwar auf die vermeintlichen Gefahren und bedenklichen Züge, die von Wallenstein als vom Kaiser mit nahezu unbegrenzten Vollmachten ausgestattetem Generalissimus ausgehen konnten. Jesuiten und Kapuziner (Joseph Roth: „Die Kapuzinergruft“ !) waren die Stützen des Kaisers in Wien, die den Herrscher zu lenken suchten und ihn eine tiefe katholische Religiosität konservieren ließ,

    während Wallenstein mit dem „Teufel im Bunde“ sein konnte und man nicht sicher war, ob er die Pfaffen doch noch dulden oder er schon heimlich vom Glauben abgefallen und mit den ketzerischen evangelischen Schweden paktieren würde.


    „Weiß doch niemand, an wen d e r glaubt!“ schimpft der Bußprediger und geht noch weiter:


    „Der die Völker von der wahren Lehren

    Zu falschen Götzen thut verkehren.“


    Wallenstein habe sich, so der Kapuziner, gerühmt, „die Stadt Stralsund“ haben zu wollen. Im Jahre 1628 war die Hansestadt Stralsund (die Hanse bestand formell noch bis 1669) in die Reichspolitik hineingezogen worden, als der 1627 vom Kaiser zum Herzog von Mecklenburg erhobene Wallenstein in Pommern einmarschierte. Doch Stralsund widerstand der dreiwöchigen Belagerung durch Wallensteins Truppen und schloss einen 20-jährigen Allianzvertrag mit dem protestantischen Schwedenkönig Gustav II. Adolf ab. Dieser „Löwe aus Mitternacht“ landete schließlich am 6. Juli 1630 mit seiner 13000 Mann starken, disziplinierten, vorwiegend aus Landeskindern bestehenden Armee auf Usedom.


    Jedes Jahr im Juli donnern heute noch in Stralsund die Geschütze zu den „Wallensteintagen“, da feiern die Bürger die erste Niederlage Wallensteins vor den Toren ihrer Stadt, die protestantisch blieb.


    Es war mitten im Krieg, im Jahr 1916, als Albrecht Döblin, der eine Zeitungsnotiz las, ein „Gesicht“ bekam. In seinem Roman „Wallenstein“ hielt er mit einem ununterbrochenen musikalischen Wortstrom fest, was er „schaute“, die landung der Schweden auf Usedom 1630:


    „ … Die Männer aus Svealand und Gotland, von Söderhamn Örebro Falun Eskilstuna, Fischer, Meerfahrer Bergmänner Ackerer Schmiede, die starkbeinigen kleinen Menschen aus dem seenreichen Finnland, die noch mit den Bären und Füchsen zu kämpfen hatten, in Waffen geübt, schwärmten in Eisen und Stahl … mit Pferden Pfeil und Bogen. Sie führten Faschinen Körbe schleppten Brot und Bier …“ Und so weiter. Alfred Döblin: Wallenstein. Roman. Berlin/Darmstadt/Wien 1965.


    zu empfehlen auch:


    Silvia Verena Tschopp: Heilsgeschichtliche Deutungsmuster in der Publizistik des Dreißigjährigen Krieges. Pro- und antischwedische Propaganda in Deutschland 1628 bis 1635. Frankfurt/Main u. a. 1991.

    Michael Schippan: 6. Juli 1630. „Der Löwe aus Mitternacht“ – Gustav Adolf landet auf Usedom. In: 100 Denkwürdige Tage. Wendepunkte und Wegmarken der deutschen Geschichte. Bd. 7: Juli. Köln 2006, S. 60-79. (in dieser zwölfbändigen Taschenbuch-Reihe noch: 25.2.1634. Die Ermordung Wallensteins. Bd. 2: Februar; 23.5. 1618. Der Zweite Prager Fenstersturz. Bd. 5: Mai; 24.10. 1648. Der Westfälische Friede. Bd. 10: Oktober).



    Und während Ihr gern schon im anderen Diskussionsstrang den Personen im Umfeld Wallensteins und der Piccolomini zuschaut, will ich hier noch etwas ‚nachwaschen‘ und so manches zu „Wallensteins Lager“ mitteilen.

    Kleine Fortsetzung


    Schon den Intriganten Questenberg "die alte Perücke" zu nennen, könnte für die Zuschauer ein kapitaler Witz gewesen sein.


    Ein Anachronismus. Denn Wallenstein, Gustav Adolf, Tilly und der wilde Holk trugen, wie auf den Kupferstichen zu sehen war, wirklich noch ihr Naturhaar. Die Perücken verbreiteten sich in Europa erst Jahrzehnte später in der Zeit des ab 1643 regierenden Sonnenkönigs Ludwig XIV.


    In Kotzebues Drama oder in den "Nachtwachen des Bonaventura" August Klingemanns von 1804 stolziert wirklich noch der Nachtwächter durch die Gassen:


    "Hört Ihr Leut und lasst Euch sagen: Die Uhr am Turm hat Zehn geschlagen!"


    Da bildeten sich am kleinen Platz am Stadttor keine erregten Menschenmengen, die sich darüber aufregten, dass die Stadtwächter, die doch alle Bürger in ihren Mauern beschützen sollten, sträflich vor allem "das fahrende Volk" kontrollierten, das da auf der Landstraße umherzog, weil man in dessen Reihen traditionell mehr Straftäter vermutete als unter der einheimischen Bürgerschaft.


    Die Angst vor verheerenden Seuchen war natürlich noch viel größer, so dass die Anstalten der Policey für vernünftig gehalten werden mussten.

    Aber sehr viele, die meisten Menschen wurden von der "Schwindsucht" dahingerafft, von Tuberkulose und Lungenentzündung, gegen die es noch keine Heilmittel gab.


    Anfang 1791 war das Gerücht im Umlauf, dass Friedrich Schiller verstorben sei. Vor Aufregung versammelte der dänische Dichter Jens Baggesen im fernen Holstein all die lesenden Grafen und Bildungsbürger: sollte man schon eine Gedenkfeier für Schiller veranstalten? Oder wartete man erst einmal ab ?


    was letztlich besser war. Dann konnte der Herzog von Augustenberg dem glücklicherweise noch lebenden Dichter in Jena eine so bedeutende Summe zukommen lassen, dass dieser von der doch unbefriedigenden Geschichtsschreibung als Broterwerb abließ und sich, auf seine dramatische Kunst besinnend, wieder einem neue Drama zuwandte, dem Wallenstein.


    Schiller wusste, dass sich Goethe schon vor Jahren dem früh im Jahr 1639 verstorbenen Herzog Bernhard von Weimar zugewandt hatte, der in den drei auch in "Wallensteins Lager" erwähnten Anläufen 1632, 1633, 1634, sich in Regensburg zu behaupten, als Feldherr mitmischte. Das war ein Vorfahre des regierenden Herzogs Carl August.

    Der unstete Jakob Michael Reinhold Lenz, der Goethe zu dieser Zeit in allem nachahmte und dessen Geliebte ebenfalls nachträglich heimsuchte, die Friederike Brion oder die regierende Herzogin Anna Amalia, worauf er 1776 aus Weimar ausgewiesen wurde und für immer ins Baltikum und nach Russland zog, wandte sich ebenfalls dem Bernhard-Stoff zu und gleichfalls vergeblich - Bernhard als letzter "Held" des Dreißigjährigen Krieges fiel also letztlich auch für Friedrich Schiller als Dramenheld aus.

    Die faszinierende Gestalt blieb der Wallenstein, rätselhaft blieben die Sterne, nachdem auch Freund Goethe zu verstehen gegeben hatte, dass sich mystisch-kabbalistische Wortspiele, mit denen er sich seit seiner Jugend in Frankfurt auskannte, nicht für die Bühne eigneten.


    Gerade war das Buch "Die Kunst das menschliche Leben zu verlängern" der neueste 'Bestseller', den Christoph Wilhelm Hufeland, Arzt in Weimar und Jena, 1796 erscheinen ließ. Das wichtigste war: Mäßigung in allem, eine Ausgeglichenheit und Heiterkeit zu erlangen, Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen. Samuel Hahnemann, ein anderer erfahrener Arzt, füllte zur gleichen Zeit kleine Fläschchen mit homöopathischen Mitteln ab - konnten die die Heilung bringen?


    Doch schon im Vorjahr 1797 verließ Wilhelm von Humboldt enttäuscht den "Kulturraum Weimar-Jena", wie es so schön um das Goethe-Jahr 1999 herum hieß, dem letzten Aufflackern des Bildungsbürgerlichen vor Anbruch des neuen Jahrtausends, für immer, wie sich herausstellen sollte, und bestellte sein Gut in Tegel, vor den Toren Berlins.

    Auch Hufeland zog es nach Berlin, er verließ für immer Weimar. Mit der 1709 als Pestlazarett gegründeten "Charite" fand er dort die nach Göttingen modernste Institution für Heilmedizin vor. Der König und die Königin Luise sollten zu seinen Patienten gehören. Doktor Heim empfahl schon einmal einer Dame, die fragte, ob Sauerkraut auf dem Kopf gegen Kopfweh helfe, sie solle auch noch ein Würstchen dazu legen ...


    Kann man sich das im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts vorstellen, da ein höflich (!) über die Schulter hinweg ausgeborgter Salzstreuer schon tödliche Folgen haben konnte, wie der Wuschelkopp verkündete, wo eine allein auf einer Parkbank sitzende Frau aufgescheucht werden musste, die ein Buch las (!), nicht etwa auf ihrem Handy herumspielte, das hätte man vielleicht noch durchgehen lassen.


    Und ein großer Kulturvermittler empfahl den vielen Millionen Lesern im Lande, die ihm fasziniert zuschauten, die Bücher, die ihm - oder vielmehr der Redaktion - mißfielen, nicht etwa beiseite zu legen, sondern im hohen Schwung in eine Tonne zu werfen. Das Land der Dichter und Denker hatte es schon im 20. Jahrhundert zu solchen Mitteln im Umgang mit Büchern gebracht.


    Die gebildete Kurländerin Elisa von der Recke, mit der Goethe und Schiller als einer "gelehrten Dame" nicht viel anfangen konnten, hatte sich gegen Scharlatane, Magnetiseure und windige Heilsbringer gewandt und vorgeschlagen, dass die Damen ihre Reifröcke und Korsetts ablegten und gegen luftige, nicht einengende Gewänder austauschten, am besten in Weiß, so wie man sich die Kleidung der Antike vorstellte.


    Himmel, was hat das alles mit "Wallensteins Lager" zu tun !?

    Acht Jahre später würde Schiller im Oktober 1806 schon tot sein, und französische Marodeure würden in Goethes Domizil am Frauenplan das Haus nach Weinflaschen durchwühlen, worauf sich die beherzte Putzmacherin Christiane Vulpius, die Schwester des Dramaturgen von "Wallensteins Lager" diesen Plünderern entgegen stellen würde und worauf sie der erschütterte und dankbare Hausherr zu seiner Ehefrau nehmen würde...


    Draußen schlägt die Kirchturmuhr 8.15 Uhr, immer Viertel nach Acht, ich muss noch etwas anderes tun,

    und fort

    Es wundert mich doch ganz schön ...



    Das ist für mich das Verblüffende, das mich beim abermaligen Durchlesen von „Wallensteins Lager“ nach vielen Jahren erstaunt:


    Schiller wusste in Umrissen, wie sein dramatisches Gedicht weitergeführt werden würde. Wahrscheinlich hatte er auch Goethe davon berichtet, wie es mit dem Schauspiel weitergehen würde.


    Das Weimarer Publikum jedenfalls wusste es am 12. Oktober 1798 definitiv nicht !

    Es bekam hier deftige Volksszenen vorgesetzt, die es aus keiner der bisher gewohnten Komödien kannte.


    Das Publikum musste höchst aufmerksam sein, denn es werden Personen eingeführt, die man sich erst einmal merken muss. Sie kommen nämlich erst in den kommenden Teilen vor, nicht hier in „Wallensteins Lager“. So wird "Terschky" erwähnt und dann der Holk und später der Kroate Isolani,

    ... ich werde zu den Anspielungen in "Wallensteins Lager" auf geschichtliche Ereignisse noch etws schreiben.


    der Questenberg, „von Wien die alte Perücke“, wie ihn der Wachtmeister benennt, wird noch gar nicht beim Namen genannt, geschweige denn wird seine Bedeutung in der Intrige um Wallensteins Untergang klar.


    Wage ich einmal ein Gedankenspiel. Gehen wir von 2020 um 150 Jahre zurück, wie Schiller im Jahr 1798 zum Westfälischen Frieden vom Jahr 1648, so kommen wir auf das Jahr 1870. Bismarck, ein gewiefter Taktiker, hatte die Franzosen unter ihrem Kaiser Napoleon III. zu einem Krieg provoziert. Als der spanische Königsthron einem Sprößling aus dem katholischen Haus Hohenzollern-Sigmaringen angeboten wurde, musste sich der Neffe des großen Kaisers Napoleon provoziert fühlen, der dachte, diese Preußen schnell besiegen zu können, und von sich aus den Krieg erklärte. Stellen wir uns „Moltkes Lager“ der Preußen und ihrer Verbündeten in diesem September 1870 vor Beginn der Kampfhandlungen vor. Würden noch einmal Reitermassen zur Attacke reiten, würde es Bajonettangriffe geben? Beides kam zum letzten Mal vor.


    Die meisten von uns können sich das nicht vorstellen. Im Geschichtsunterricht wurden dieser Krieg und die Schlacht von Sedan wahrscheinlich nicht mehr behandelt.

    Machen wir uns nichts vor, für heutige Schülergenerationen dürften Bismarck, die DDR, das Hitlerregime, das Kaiserreich alles gleichermaßen weit zurückliegende geschichtliche Perioden gewesen sein.

    Vielmehr zählt vielfach die unmittelbare Gegenwart, das Blinken auf dem Smartphone, was war gleich noch einmal vorige Woche ... Dieser Wechsel im Zeitgefühl ist nun einmal so als Tatsache in den letzten beiden Jahrzehnten vonstatten gegangen , mitunter kann vielleicht der Geschichtsunterricht doch noch interessant gestaltet werden, was weiß ich ...


    Aber das Weimarer Bühnenpublikum vom 12. Oktober 1798?

    Es hielt still und lauschte aufmerksam den Deklamationen auf der Bühne über mehrere Stunden hinweg. Vielleicht, weil der große Schiller selbst in seiner Loge dabei war.

    Das Publikum ließ diese bunte Aufführung von "Wallensteins Lager" an sich vorbeiziehen, die so gar nicht nach den klassischen Theaterregeln gestaltet worden war. Und es dürften damals doch noch viel mehr Geschichtskenntnisse vorhanden gewesen sein, als heute, und man hat vielleicht tatsächlich gerade erst Friedrich Schillers „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ gelesen.


    Friedrich Schiller brauchte nur das Treffen bei Leipzig 1631 ins Gespräch zu bringen – dann wussten offenbar die meisten immer noch, dass der Zerstörer Magdeburgs, der Katholik Tilly in diesem Jahr bei Breitenfeld entscheidend von den Schweden Gustav Adolfs geschlagen worden war.


    Die Zuschauer wussten, dass Gustav Adolf 1632 bei Lützen unterging, so weit war das auch wieder nicht vom Territorium Sachsen-Weimars entfernt.


    Und seit dem Untergang der Franzosen in der Schlacht bei Roßbach gegen die Preußen des Großen Königs im Siebenjährigen Krieg 1757, das überhaupt nicht weit vom Schlachtort Lützen entfernt war, waren gerade erst einmal etwas mehr als 40 Jahre vergangen, da jagten die Bauern in Sachsen-Weimar versprengte Franzosen und Angehörige der buntgescheckten Reichsarmee mit der Heugabel.


    Das Weimarer Publikum mochte sich daran erinnern, dass im Heer Gustav Adolfs von Schweden strenge Zucht, Einfachheit und protestantische Tugenden geherrscht hätten – Carl August wird sich amüsiert haben.


    Aber von einer Auflösung der in „Wallensteins Lager“ gebotenen Rätsel war das Theaterpublikum noch etliche Monate entfernt.

    "Die Gustel von Blasewitz"


    Sie taucht als Marketenderin in "Wallensteins Lager" auf. Die Gestalt ist mir seit der Kindheit bekannt, am Rathaus von Blasewitz ist ihre Figur angebracht. Blasewitz war 1785-1787 noch ein auf der Seite von Dresden-Altstadt gelegenes Dorf. Auf der Neustädter Seite jenseits der Elbe lag Loschwitz mit seinen Weinbergen, wo Friedrich Schiller im Häuschen seines Freundes Gottfried Körner zu Gast wohnte.

    Sie hieß eigentlich Johanne Justine Segedin (1763-1856), bediente Schiller als Schankwirtin und heiratete in der Dorfkirche von Leuben (wo meine Großeltern begraben liegen) den Advokaten Renner.

    Die Erwähnung der "Gustel von Blasewitz" ist nur eine freundliche Erinnerung Schillers an eine recht glückliche Zeit, in der auch die Ode "An die Freude" entstand, die den Freunden Körner und Huber sowie den Schwestern Stock galt.

    In meiner Erfurt Zeit (vor 1974) hatte ich eine Aufführung des "Wallensteins" im städtischen Theater gesehen, in der ebenfalls gesungen wurde:

    "Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd

    Ins Feld, in die Freiheit gezogen."


    Das entsprach ja auch dem Zeitgeist mit der Förderung alles Militärischen in der DDR. Im Publikum war die Melodie noch bekannt (ich kannte sie auch), und es wurde mitgesungen.

    (ansonsten erlebte ich noch Aufführungen von "Kabale und Liebe" sowie des "Don Carlos"; "Die Räuber" oder der "Wilhelm Tell" wurden hingegen nicht mehr gegeben).




    Die Kapuzinerpredigt


    Die an die Soldaten in „Wallensteins Lager“ gerichtete „Kapuzinerpredigt“, auf die hier bereits verwiesen wurde, lehnte sich in ihrer Rhetorik und in ihren Versen an die Predigten des Mönches Abraham a Sancta Clara (1644-1709) an, des wohl bedeutendsten barocken Bußpredigers im deutschen Sprachraum, der allerdings kein Kapuziner, sondern ein Augustiner-Barfüßer war. Während der großen Pest-Epidemie in Wien machte er Hexen und Juden dafür verantwortlich, (obwohl es dort zu der Zeit gar keine Juden gab), er predigte gegen die verderblichen Laster Völlerei, Trunksucht und Habgier.


    Goethe hatte seinem Freund dessen Schriftensammlung „Judas der Erzschelm“ in drei Bänden (1687-1695) als Materialgrundlage zukommen lassen.


    Und nun kommt doch noch eine Erinnerung an DDR-Zeiten (*vorsichtig umguck‘, ob ich das machen darf?*):


    Der kommunistische Schriftsteller Ernst Fischer (1899-1972), 1945 österreichischer Volksbildungs-Staatssekretär, hatte 1955 mit seiner Frau Louise Fischer (vormals verheiratet mit Hanns Eisler, Komponist unserer Nationalhymne und einer Vertonung des heute höchst aktuellen Gedichts „Deutschland meine Trauer“ von Johannes R. Becher, das der andere große Augsburger Bertolt Brecht ausdrücklich der Allgemeinheit empfahl, obwohl er Becher als das größte A… ansah, das er kenne; eine andere Vertonung stammte von Wolf Biermann ('wieder fein raus sei')


    dieser Ernst Fischer also hatte 1955 einen Roman in Dialogen „Prinz Eugen“ erscheinen lassen, in dem auch Predigten des Abraham a Sancta Clara wiedergegeben wurden. Der wetterte in Wien um 1683 ebenfalls gegen die Juden, und diese Zitate konnten (erst) zehn Jahre nach 1945 ihre Wirkung nicht verfehlen.



    Ich besaß den Roman. Der Autor aber wurde als „Revisionist“ nach dem Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 zur „Unperson“ erklärt, und es erschien nicht ratsam, erkennen zu lassen, dass man Ernst Fischer lese, obwohl er ein überaus farbenprächtiges Bild der Zeit des Prinzen Eugen von Savoyen (1663-1736) mit den Dialogen zahlreicher Volksgestalten der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges und der Gefahr der Türkeninvasion ("Prinz Eugen, der edle Ritter") vermittelte. Hier finden sich zweifellos Anklänge an "Wallensteins Lager".

    Hallo finsbury, vielen Dank für Deine Anmerkungen, auch die über das Versmaß helfen mir weiter.


    „Schwer ist d i e Kunst, vergänglich ist ihr Preis.“


    Die Hervorhebung bezieht sich m.E. allein auf die theatralische Kunst: was man gerade gesehen hat, ist im nächsten Moment schon wieder vorbei, ist vergänglich, die Schauspieler treten wieder ab.

    Hallo JHNewman,


    Danke Dir, dass Du auf den neuen Roman, den "Artur Lanz", von Monika Maron aufmerksam gemacht hast ! Ich habe mich gleich etwas danach umgesehen.


    Leider bin ich aber zur Zeit, muss ich zugeben, mental nicht so gut imstande, Literatur aufzunehmen, die sich mit dem "Zeitgeist" auseinandersetzt.


    Die Gegenwart dieses Jahres mit ihrer schroffen, kaum mehr zu überwindenden Spaltung der Gesellschaft, mit ihren von kleinen Minderheiten künstlich immer neu erzeugten Erregungswellen, ist derart verrückt, durch Corona nur noch verstärkt, wie ich es in den in der DDR durchlebten Jahrzehnten nicht annähernd so belastend empfunden hatte, auch nicht in deren letztem Jahr 1989, da es am Schluss hoch her ging, da konnte der Umschwung noch einigermaßen bewältigt werden, es kamen Hoffnungen auf und man musste sich in den folgenden Jahren völlig auf eine neue, bisher nicht gekannte Gesellschaft einstellen. Das las man ja auch aus Monika Marons Roman heraus.


    Das betrifft ebenfalls Uwe Tellkamps neue Erzählung "Das Atelier". Mein Vater stammte auch aus Dresden und ich war dort oft: schon beim "Turm" kamen wir überein: das ist nicht unser Dresden, wie wir es kannten, unsere Familie hatte mit diesen Kreisen nichts zu tun. Und wenn ich jetzt lese, dass sich bestimmte Kreise schon über einen Satz Tellkamps aufregen, aus dem irgendeine, für mich harmlose Anspielung auf Pegida herauszulesen ist - nein, obwohl von der Malerei der Romantik in Dresden durchaus angezogen, von C.D, Friedrich, C. Dahl und C.G. Carus, brauche ich jetzt ebensowenig Anspielungen auf die gegenwärtigen Künstlerkreise Dresdens, wie in den 1970/80er Jahren auf die Münchener Schickeria in den Serien des Westfernsehens. Solche ursprünglich aus dem Osten stammenden Schriftsteller setzen sich irgendwie zur Wehr unter den heutigen Bedingungen, aber ich mag ihnen jetzt nicht folgen, da fehlt mir derzeit auch der Sinn für Humor und Ironie.


    Christa Wolf war angesichts der Bedrängnisse der Gegenwart abgetaucht in die Zeit der Günderrode oder ganz in die antike Mythologie mit Kassandra und Medea.

    Mein Ausweg, auch im Interesse der Familie, die genauso empfindet, denn es wird im Land ja nicht besser werden: Nicht mehr so viel an sich herankommen lassen. Ich höre so wenig wie möglich die offiziellen Staatsmedien mehr. Ab in die Natur, die weiß nichts von den Querellen der Gegenwart, und ab ins 18. Jahrhundert, zu Karamzin, Schiller und Freunden ... Von den Artur-Legenden weiß ich leider auch zu wenig.

    Hallo Volker,


    da kann ich wirklich nicht mitreden, habe erst vor einigen Tagen die 65 geschafft! Natürlich bist Du herzlich willkommen beim"Wallenstein". Wie Du siehst, habe ich schon etwas über den Prolog, der für das ganze Werk gilt, geschrieben, sowie den Anfang zu "Wallensteins Lager" gemacht. Ich folge damit dem Vorschlag @finsburys. Mal sehen, wie wir vorankommen.:)

    Erster Auftritt


    Als erste handelnde Gestalten treten ein Bauernknabe namens Emmerich und ein älterer Bauer vor Marketenderzelten in Wallensteins Lager auf. Bauern und Soldaten konnten im Dreißigjährigen Krieg zu erbitterten Feinden werden, die sich mit Mord und Totschlag begegneten. Friedrich Schiller erfasst gleich zu Beginn, dass sich mit Bauern und Kriegsleuten die zentralen Kontrahenten des Krieg gegenüberstanden. Mobile Offiziere und Söldner konnten die Seite wechseln, der ansässige Bauer war dem Militär ausgeliefert.


    Die Söldner gingen bald zum Plündern über, wenn sie auf Bauernsiedlungen stießen. Doch diese neuen Haufen, die „frisch von der Saal und dem Main“ gekommen seien, beschwichtigt der ältere Bauer, führten ihre Beute bereits mit. Wenn die Bauern es pfiffig anstellten, könnten sie den Soldaten diese Beute wieder abjagen.


    Der Bauer bringt die Würfel ins Spiel. In dieser Zeit der Ungewissheit konnte man durch Würfeln sein Schicksal mitbestimmen. Auf einer zeitgenössischen Radierung von Callot ist zu sehen, wie Soldaten vor einem "Galgenbaum" um ihr Leben würfelten. Es werden noch die Sterne folgen, mit deren Hilfe man glaubte, in die Zukunft zu schauen.


    Zweiter Auftritt.


    Ein Trompeter nennt den Bauern, der um einen Bissen und Trank bittet, einen „Halunken“. Doch bald kommen weitere Soldaten in ein „Gemunkel“ über das, was sich hier im böhmischen Lager zusammenbraute, was die „Herrn Generäle und Kommandanten“ da oben alles ausheckten. Diesen großen Herren hatten die Soldaten bereits Spitznamen verliehen. Sie waren nicht bloß Werkzeuge in den Händen der kriegführenden Herren, sondern machten sich ihre eigenen Gedanken, um ihre Lage, Verbesserungen oder Verschlechterungen, zu erfassen.



    Exkurse:


    In ähnlicher Weise sollten in den ersten Jahren des Ersten Weltkrieges auch die einfachen Soldaten in Jaroslav Hašeks Abenteuern des braven Soldaten Schwejk darüber rätseln, was die Anführer alles ausheckten und was sie an neuen Schrecken zu erwarten hatten. Im Krieg schieden sich die Geister: neben Plünderern und Kriegsgewinnlern gab es auch anständig Gebliebene.


    Im Zusammenhang mit Monika Marons „Munin“ (2018) hatten wir hier im Forum bereits eine Diskussion über Zeitzeugenberichte aus dem Dreißigjährigen Krieg, wie das neu herausgegebene Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf (1601-1679). In den langen Kriegs-Jahren waren Bauern und Soldaten nicht immer nur Feinde. Mitunter verhalfen sie sich gegenseitig zum Überleben.


    Auf engem Raum für längere Zeit zusammengepfercht, waren sie gezwungen, sich zu arrangieren. Während eines Vortrages über Nonkonformisten der Zeit des Dreißigjährigen Krieges haben wir uns einst in Havelberg an den von James Clavell inszenierten Film „Das vergessene Tal“ (1971) mit Michael Caine in der Rolle des Söldnerhauptmanns erinnert. Auch hier mussten sich in einem abgeschlossenen Tal Bauern und Söldner zusammenraufen, um gemeinsam zu überwintern.


    Auch heute, im Jahr 2020, hören wir von gewaltsamen Auseinandersetzungen, die unversöhnlich erscheinen. Oppositionelle Demonstranten oder auch Randalierer und Plünderer geraten in erbitterte Auseinandersetzungen mit der Polizei – denkt man daran, dass man eines Tages auch wieder miteinander und nebeneinander leben muss?

    Friedrich Schiller: Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht


    Erster Teil: Wallensteins Lager


    Prolog.

    Gesprochen bei Wiedereröffnung der Schaubühne in Weimar am 12. Oktober 1798



    Herzog Carl August von Sachsen-Weimar hatte Goethe im Januar 1791 die Direktion für das neu zu schaffende Weimarer Hoftheater übertragen. Der alte Schauspielsaal im Residenzschloss war 1774 durch einen Brand zerstört worden, und in den darauf folgenden Jahren musste in Weimar und Ettersburg improvisiert werden.

    Am 11. Oktober 1798 kam Schiller zur Hauptprobe von „Wallensteins Lager“ von seinem Wohnsitz Jena aus nach Weimar.


    Der Theatersaal war durch den Stuttgarter Architekten Nikolaus Thouret neu gestaltet worden. Den Vorhang zierte die von Thouret gemalte Muse der Dichtung. Goethe gedachte seinem Freund Schiller eine eigene Loge zu, dessen dramatisches Talent nach Jahren mit anderer Beschäftigung wieder erwacht war, um ihm angesichts seiner Krankheit eine bequeme Haltung während der Aufführungen zu verschaffen und ihn vor aufdringlichen Blicken zu schützen.


    Die zentrale Loge war dem Herzog und seiner Familie vorbehalten. Carl August war gegenüber dem theatralischen Schaffen Schillers skeptisch eingestellt, nicht nur weil ihm einst die Radikalität der „Räuber“ Unbehagen bereitet hatte, sondern auch weil Schiller seine als Schauspielerin debütierende Mätresse Henriette Jagemann konsequent ignorierte.


    Goethe hatte Schillers Prolog überarbeitet, der für die gesamte Trilogie bestimmt war. Der Schauspieler Heinrich Vohs deklamierte ihn. Das Publikum ist überaus aufmerksam. Aber es will auch unterhalten werden, und deshalb folgt der Darbietung von „Wallensteins Lager“ noch ein Stück von Kotzebue: „Die Corsen“.


    Den Abend beschließt eine Einkehr in dem aus Thomas Manns „Lotte in Weimar“ bekannten Gasthaus „Elephant“. Die freundliche Aufnahme der Premierenaufführung treibt Schiller voran. Er bezieht zeitweise mit seiner Frau Charlotte eine Wohnung im Weimarer Stadtschloss. Sein Dramaturg wird Goethes Schwager August Vulpius.


    Allein drei Schreiber beschäftigte Schiller in der Folgezeit mit der Reinschrift des Manuskripts!


    Prolog


    Ich kann es wegen der Hysterie nicht mehr hören, die seit Monaten von verschiedenen Seiten entfacht und immer wieder erneuert wird, das Wort „Maske“,


    doch kommt es gleich im ersten Satz des „Prologs“ daher. Das Publikum habe bereits in diesem Saal der „scherzenden, der ernsten Maske Spiel“ erlebt, also Komödien und Tragödien angeschaut.



    Schiller bezeichnete den Wallenstein als „Ein dramatisches Gedicht“. Es enthält Elemente der Komödie wie der Tragödie. Gleich im ersten Teil „Wallensteins Lager“ kommt in den Volksszenen das eher Komödiantische zur Geltung, während in der Tragödie traditionell die hohen Herrschaften agierten und strenge Regeln herrschten.


    Im „Prolog“ wird der neue Schauspielsaal gepriesen, sein Architekt gelobt (sein Name Nikolaus Thouret wird nicht genannt).


    „Schnell und spurlos“ gehe des Mimen Kunst vorüber, während die Werke der Bildhauerkunst und der Poesie noch Jahrtausende weiterlebten. Hingegen sterbe im Theater der Zauber unmittelbar mit Ende der Aufführung ab.



    „Schwer ist d i e Kunst, vergänglich ist ihr Preis.“ Ein geflügeltes Wort Schillers.


    Am Ende dieses, des 18. Jahrhunderts, wurde „selbst die Wirklichkeit zur Dichtung“ (Napoleon landete 1798 im sagenumwobenen Ägypten, was natürlich nicht erwähnt wird), um „Herrschaft und um Freiheit“ werde heftig gerungen.


    „Freiheit“ – das ist die zentrale Losung der Französischen Revolution, die 1792 Schiller zum Bürger Frankreichs machte.


    Vor 150 Jahren habe ein Friede Europa eine „alte feste Form“ gegeben (der Westfälische Frieden von Münster und Osnabrück 1648), die in diesen Tagen – um 1798 – endgültig zerfiel.


    Der Dichter erinnert an die vorausgegangenen Kriegsjahre: 1631 war Magdeburg zerstört worden, ein schreckliches Symbol für die Vernichtungen des gesamten Dreißigjährigen Krieges


    (Magdeburg als Hochburg des lutheranischen Protestantismus, als des „Herrgotts Kanzlei“, Schiller hatte selbst die Zerstörung Magdeburgs in seiner „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ 1791 geschildert, der mehr als 30000 Einwohner, Männer, Frauen, Kinder zum Opfer fielen.


    Mit Magdeburg wurde die „Jungfrau“ (im Wappen) geschändet – empfohlen sei Gertrud von Le Forts (1876-1971) Gleichnis „Die Magdeburgische Hochzeit“. (1938).


    Für die Zerstörungskraft des Krieges standen im 19. Jahrhundert symbolhaft Moskau 1812 und Paris 1871,

    für das 20. Jahrhundert Verdun 1916 und Hiroshima 1945 - für das 21. Jahrhundert ?



    Zeit der Handlung des folgenden Stückes ist nun das Jahr 1634. Der Krieg währte schon 16 Jahre, keine Friedenshoffnung war in Sicht.


    Und nun werde ein „verwegener Charakter“ geschildert. Sein Name wird noch nicht genannt. Doch:


    „Nicht e r ist’s, der auf dieser Bühne

    Heut erscheinen wird.“


    Es ist „Wallensteins Lager“, ein bunter Haufen von Leuten, die mit dem Heerführer Wallenstein mitzogen und mit deren Reaktionen er immer rechnen musste.


    Wer von uns mag, kann hier mit seinen Gedanken zum ersten Teil, „Wallensteins Lager“, beginnen.

    In dieser Rubrik "Was lest Ihr gerade?" hatten wir hier oben vom 10. bis 15. Juni 2020 eine Diskussion über Kehlmanns "Vermessung der Welt". Ich hatte auf eine kritische Rezension von Wolfgang Griep verwiesen, der sowohl Literaturwissenschaftler als auch ein mit Quellen arbeitender Erforscher historischer Reisen ist. Da geht es um Postkutschen, Pferdewechsel und ähnliche Themen. Im Zusammenhang mit Kehlmann also, den mein Sohn als Lehrer im Schulunterricht durchgenommen hat, die Diskussion um literarische Fiktion und historische Wirklichkeit bei der Darstellung bekannter Persönlichkeiten. Das stellt sich für die Schule noch anders dar als für den privaten Hausgebrauch. Es kommt auf die Bedürfnisse des Lesers an: eher unterhalten zu werden oder eher Wissen über die realen Gestalten vermittelt zu bekommen, was in bestimmten Fällen sowohl als auch geschehen kann - hier setzt die Kritik Wolfgang Grieps an.

    Alles so in Ordnung! Ich hatte bloß meine Bedenken angebracht, weil in einer Vielzahl von Leserunden der letzten Zeit die Teilnehmer etwa gleichzeitig vorrücken und von ihren frischen Eindrücken berichteten. Rückblickend auf die Leserunden der Jahre 2012 und 2014 kann ich aber sagen, dass auch ein Lesen mit "unterschiedlicher Geschwindigkeit" möglich war.

    Du könntest von mir aus gern die Leserunde eröffnen, und ich bestücke sowohl diese als auch den anderen Thread mit weiteren "Lesematerialien".

    An keinem anderen dramatischen Werk hat Friedrich Schiller so lange gearbeitet, wie an der "Wallenstein"-Trilogie, nämlich nahezu zehn Jahre. In einem Briief an seinen Freund Christian Gottfried Körner vom 12. Januar 1791 schrieb er, dass er die Idee "zu einem Trauerspiel" mit historischem Sujet im Kopf habe.


    Um seine junge Familie zu ernähren, musste sich Schiller mit der Geschichtsschreibung befassen. Seine in Zeitschriften veröffentlichten Fortsetzungsgeschichten sollten so geschrieben sein, dass sie auch von Damen gelesen werden konnten.


    Allerdings konnte er in diesem Zeitraum durch seine schriftstellerische und verlegerische Tätigkeit auch in finanzieller Hinsicht so zulegen, dass er zur Zeit der Vollendung des "Wallenstein" zu den zwölf wohlhabendsten Bürgern Weimars gezählt werden und ein Haus an der "Esplanade" mit zehn Zimmern für seine fünfköpfige Familie und die Dienerschaft beziehen konnte. Bisher hatte sich viel zu sehr das Bild vom "armen Schiller" festgesetzt, dessen Freundschaftsbündnis mit dem ungleich reicheren Goethe 1794 einsetzte, als dass in Betracht gezogen worden wäre, dass es Schiller am Ende nicht mehr so schlecht ging.


    Seine letzten Dramen sind vorwiegend historischen Sujets gewidmet. Im Mittelpunkt stand nunmehr nicht das dramatische innere Ringen eines Helden um einen Entschluss. Eine herausragende historische Gestalt wie der Generalissimus Wallenstein erscheint nunmehr inmitten eines bunten Panoramas von Offizieren, Soldaten und Volksgestalten. Es geht jetzt vielmehr um das Umfeld, in dem die historische Größe einer Gestalt konstruiert wurde, die unausweichlich in eine tragische Situation geriet, aus der es kein Entrinnen mehr gab.


    In seinen atemberaubend raschen Kriegserfolgen in Italien 1796/97 wurde Napoleon Bonaparte zum europaweit gefeierten Kriegshelden, den es sogar in das sagenhafte Ägypten verschlug und der sich 1799 in Frankreich an die Macht putschen ließ. Sein kometenhafter Aufstieg stand dem Publikum vor Augen.


    Wallenstein hatte zur Zeit der Dramenhandlung 1634 schon eine ansehnliche Karriere hinter sich, die Friedrich Schiller mit ziemlicher Abneigung gegenüber dieser historischen Figur in seiner "Geschichte des Dreißigjährigen Krieges" geschildert hatte. Er spielte noch eine zeitlang mit dem Gedanken, den Schwedenkönig Gustav II. Adolf, der mit Wallenstein die Klingen gekreuzt hatte und 1632 in der Schlacht bei Lützen unterging, als zentrale Dramengestalt erscheinen zu lassen. Aber dieser wackere Kriegsheld, der kein vorsichtiger Taktiker war, schien wenig "Rätselhaftes" zu bieten.


    Mehrere Krankheitsschübe unterbrachen immer wieder Schillers Arbeit am "Wallenstein". Am 22. Oktober 1796 notierte er lakonisch in sein Tagebuch "An den Wallenstein gegangen". 1797 versorgte er sich bei Körner mit Informationen und las sogar astrologische Traktate des 16. Jahrhunderts über die Sterndeutung, die im "Wallenstein" eine bedeutende Rolle spielen sollte. Ab November 1797 wurde der Prosatext in lyrische Jambenform überführt. Goethe trieb den Freund bei der Arbeit an. Nicht zuletzt der leidenschaftlich dem Militärwesen zugeneigte Herzog Carl August wartete gespannt auf das Ergebnis der Arbeiten am "Wallenstein".


    Fortsetzung folgt.

    Hallo, finsbury,


    das mit dem 15. August wäre durchaus möglich. Allerdings kann ich als Form der Teilnahme kaum das zusammenhängende "gemeinsame Lesen" mit regelmäßigen Berichten über das Fortkommen irgendwie einhalten und möchte andere mit solchen Informationen auch gar nicht beeinflussen oder stören. Das hat auch mit dem Urlaub wenig zu tun, wir fahren im September in meine mitteldeutsche Heimat und dort soll es inzwischen einen Internet-Zugang geben.


    In den zurückliegenden Jahren - es sind sechs oder sogar acht Jahre seit 2012-2014 her! - hat sich in Leserunden zu Fontane, Wieland, Goethe ("Wanderjahre") oder Immermann ("Epigonen") und anfänglich Tolstoj, an denen ich teilnahm, gezeigt, dass durchaus rege Diskussionen zustande kommen konnten, auch wenn ich nicht zeitgleich abschnittsweise gelesen habe (jetzt kann ich es ja verraten: sogar innerfamiliär, mein Sohn hat unter einem bestimmten Namen auch mitdiskutiert;), er liest aber hier schon seit Jahren nicht mehr). Vor etlichen Jahren Christa Wolf und 2018 Monika Maron waren seltene Ausflüge in die Gegenwartsliteratur auch aus aktuellem Interesse, jetzt aber reizt mich momentan nichts (mehr) zu solch einer Diskussion.


    Das heisst, ich habe immer einmal in ein gemeinsam diskutiertes Werk hereingeschaut, das ich schon kannte, und manchmal etwas dazu geschrieben, kann aber nicht garantieren, dass das in einem feststehenden Zeitrahmen geschieht. Mit Schiller habe ich in regelmäßigen Abständen zu tun, mit dem 18. Jahrhundert sowieso den lieben langen Tag.

    Ich habe mir also notiert, dass es bald mit dem "Wallenstein" losgeht.