Was lest ihr gerade?

  • Ich wollte Moers' "Die Stadt der träumenden Bücher" noch einmal lesen und dachte, es sei vielleicht keine schlechte Idee, zum Einstieg die vorherigen Zamonien-Romane zu lesen. Derzeit also: "Rumo". "Blaubär" erwies sich bei der zweiten Lektüre als leider nicht mehr so amüsant wie beim ersten Durchgang, "Rumo" hat sich etwas besser gehalten, wobei das Buch schon Längen und für meinen Geschmack doch ziemlich dreiste Übernahmen aus Goldings "Brautprinzessin" hat. Daran hab ich allerdings nur verschwommene Erinnerungen, die ich dann nach "Rumo" auffrischen werde.

  • Momentan gönne ich mir einen dicken historischen Roman:

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    "Im Rausch der Freiheit" Original "New York" von Edward Rutherfurd. Der hat ja schon einige historische Romane geschrieben, die anhand der Chronik einiger fiktiver Familien die Geschichte des gewählten Ortes, der gewählten Region aufbereitet. Das gelingt ihm in dem New York-Roman recht gut. Man erfährt auf unterhaltsame Weise recht viel von der Geschichte der Stadt und das aus vielen Perspektiven. Die Kolportage-Elemente halten sich dabei in Grenzen und das historische Material scheint mir, nach ein paar wenigen Stichproben, sauber aufbereitet. Aber es sind 1150 Seiten, die muss man erstmal bewältigen.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich habe am Wochenende das Buch von Ocean Vuong gelesen: Auf Erden sind wir kurz grandios.


    Bisher hatte ich es nur am Rande wahrgenommen und dachte eigentlich, dass mich das nicht interessiert (Geschichte vietnamesischer Einwanderer in den USA...).


    Dann sah ich aber in einer Anzeige des Verlags hymnisches Lob für dieses Buch von Sasa Stanisic und Herta Müller. Wenn diese beiden ein Buch so sehr empfehlen, kann es nur gut sein. Und so war es auch.


    Ein ungeheuer starkes und reifes Buch, sprachlich changierend zwischen verschiedenen Genres, mit eher deskriptiven und eher lyrischen Passagen. Unbedingt lesenswert!


    https://www.deutschlandfunk.de…ml?dram:article_id=453914

  • Wollte endlich Sylvia Beach "Shakespeare and Company" lesen (über die Buchhandlung in Paris).

    Aber weil es mir dann doch nicht zusagte, ich aber noch beim Thema "über Bücher" bleiben wollte,

    fiel mir ein, das wunderbare Büchlein "84, Charing Cross Road" von Helene Hanff mal wieder zu lesen.

    Sah mich noch etwas in den Weiten des www. um und entdeckte, daß dieses Buch verfilmt wurde -

    mit Anthony Hopkins, kostet ca. 13 €. Wenn ich mal wieder 'n bißchen was über habe...

  • Ich lese gerade "Die Klavierspielerin" von E. Jelinek. Der Roman ist schon "etwas ausgefallen" bzw. schon sehr speziell, teilweise abgefahren. Vor allem überzeugt er von der Dynamik der Personenkonstellationen, die eine gewisse Spannung reinbringt. Die Protagonistin tickt schon sehr speziell, in der Szene, in der die Autorin beschreibt, wie Sie mit einen Rasiermesser "Schnittübungen" am eigenen Körper durchführt, kann es den Leser schon mal den Magen beim lesen umdrehen. Überraschenderweise ist mir auch noch eine Nebenszene irgendwie im Gedächtnis hängengeblieben, die für die Probleme in der Pflege, die derzeit diskutiert werden, eine unterschwellige und brandaktuelle Kritik mit einbringt. Es geht darum, dass der Vater der Protagonistin in einer Pflegeeinrichtung untergebracht ist. "Geistesversehrte sind raumgreifender als die Normalausführung, sie lassen sich nicht mit Ausreden abspeisen und benötigen zumindest so viel Auslauf wie ein mittelgroßer Schäferhund. Das Haus erklärt, wir sind immer voll belegt und könnten unsere Bettenzahl sogar aufstocken! Doch der einzelne Insasse, der allerdings meist liegen muß, weil er auf diese Weise weniger Schmutz macht und raumsparend verstaut ist, ist austauschbar. Leider kann man nicht plötzlich doppel für eine Person kassieren, sonst täte man es".

  • Das erinnert mich an eine Auskunft, die ich in der Pflegeeinrichtung, in der meine Mutter ein halbes Jahr untergebracht war, hinter vorgehaltener Hand bekommen habe: Die Insassen werden natürlich nicht eingesperrt, aber dass sie Spaziergänge in der Umgebung machen, sei eher unerwünscht, man müsse sie jedes Mal mühsam wieder einfangen ...

    Mit der Klavierspielerin bin ich nie klargekommen. Ich habe (nach Anschauen des Films) vielleicht ein Drittel gelesen, dann ging mir die Puste aus. Vielleicht versuche ich es irgendwann nochmal.

  • „Charing Cross Road„ ist eine ausgesprochen bedächtig erzählte Geschichte, richtig old fashion und nostalgisch. Ich schaue ihn mir immer mal wieder an und lasse mich von Anne Bancroft an- und aufregen. Es ist auch ein Film über den Niedergang der Buchkultur.

  • Jacques Bonnet / Meine vielseitigen Geliebten - Bekenntnisse eines Bibliomanen
    ISBN 9783 4263 013 57


    In der Gemeinschaft der Büchersammler ist der interessiert Lesende zwar nur ein kleines Licht,
    aber eine gewisse Wesensverwandtschaft kann festgestellt werden!


    Der Autor unterteilt Bibliomanen in zwei Kategorien: die Sammler und die begeisterten Leser.
    Einzelne Kapitel des Büchleins tragen Titel wie "Tausende und Abertausende von Büchern",
    "Bibliomanien" oder "Ordnen und Sortieren".


    In einem seiner zahlreichen Zitate konnte ich mich selbst wiederfinden:
    Von Alberto Manguel stammt


    "Während ich die vertrauten Bände zu Stapeln türme, frage ich mich wie schon viele Male zuvor,
    warum ich so viele Bücher aufhebe, von denen ich weiß, daß ich sie nie wieder lesen werde.
    Meine Antworten sind mir jedenfalls altvertraut: Jedes Mal, wenn ich mich von einem Buch trenne,
    stelle ich Tage später fest, daß ich gerade dieses Buch dringend benötige. Oder: Ich kenne kein Buch
    (oder nur sehr, sehr wenige), in dem nicht wenigstens ein interessanter Satz gestanden hätte."

  • Von Manguel habe ich hier die "Geschichte des Lesens" stehen, die er mir persönlich signiert hat, nach einem Leseabend in Frankfurt, wo er übrigens ein ausgezeichnetes Deutsch sprach.

    Ich habe jahrelang einen Ausspruch des genialen Manguel als Signatur vor mir hergetragen, ich zitiere aus dem Gedächtnis: "Mir gegenüber in der U-Bahn liest eine Frau die Labyrinthe von Borges. Ich möchte ihr zuwinken und zurufen, dass ich dem gleichen Credo angehöre."

  • In der Klavierspielerin habe ich gerade diesen Andeutung auf ein anderes literarisches Werk entdeckt, das meine Neugier weckt: "Doch Klemmer ist innerlich leer, wie er merkt. Er hat sich an dieser Frau völlig verausgabt, spricht Klemmer mit den Worten eines berühmten Romans. Er hat an der Frau getan, was er konnte Jetzt muß ich passen, sagt Klemmer". Hat jemand eine Idee, welcher "berühmter Roman" hier gemeint sein könnte?

  • Ich habe eben spaßeshalber mit der Formulierung gegoogelt und ein Forum gefunden, in dem die gleiche Frage gestellt wurde. Ich zitiere die Antwort:


    <<Ich vermute mal stark, daß es ein Roman von der Jelinek selbst ist. Wer

    sonst schriebe: "sich an eine Frau verausgaben"?>>

  • Ich war drei Tage unterwegs, hatte keine Lust, mich mit dem dicken Klotz "Moby Dick" zu belasten und habe statt dessen "Drachenläufer" angefangen. Obwohl ich nur während der Fahrt und abends vor dem Schlafengehen im Hotel lesen konnte, habe ich das Buch durch.

    Es ist äußerst grausam und nichts für schwache Nerven, aber vermutlich eine wichtige Lektüre. Bei uns im Westen kann man ja leicht den Eindruck haben, wenn man die Taliban abzieht, sei Afghanistan ein Heroinexportland und sonst nichts. Wenn man Khalid Hosseini glaubt, ist dort eine großartige Kultur komplett untergegangen. Die Geschichte ist, wie auch bei Perlentaucher zu lesen, "konventionell erzählt", aber vermutlich muss das so sein - je konventioneller die Erzählweise, um so krasser wirken die Ungeheuerlichkeiten, die da erzählt werden; jedenfalls bei mir.

    ("Gute Urlaubslektüre" steht in einer der Amazon-Kritiken. Ich weiß ja nicht, wie andere gern Urlaub machen ... Ich habe das Buch direkt an meiner Tochter weitergegeben mir der Warnung, dass man zum Lesen einen starken Magen braucht; obwohl ich als Krimileserin einiges gewohnt bin.)

  • Habe heute mehr oder weniger zufällig nach "Unjahre" von Knut Faldbakken gegriffen; von 1976, wenn ich richtig informiert bin.

    Typischer Endzeitroman bis jetzt, erinnert mich an einige Bücher von J.C.Ballard, die ich auch mal gerne gelesen habe. Bin gespannt, was noch kommt.