Beiträge von klassikfreund

    Zwischenbilanz für das erste Halbjahr 2019:


    Zahlen für das 1. Halbjahr:

    45 besuchte Lesungen (teilweise mit mehr als einem Autor)

    105 signierte Bücher (teilweise antiquarisch erworben oder Signatur in Auftrag gegeben)

    45 Signaturen im privaten Fotoalbum (jeweils mit Foto des Autors am Tag der Veranstaltung)


    kumulierte Zahlen bis zum heutigen Tag:

    122 Signaturen im Bildband Ohlbaum

    96 Signaturen im Bildband Mangoldt

    10 Signaturen im Bildband Wenzel

    12 Signaturen im Band "Reden an die Abiturienten"

    29 Signaturen im Band "Das erste Buch"

    6 Signaturen im Band "Grand Tour. Reisen durch die junge Lyrik Europas"



    Gruß, Thomas

    Wenn ich mal wieder eine abonniere, dann die FAZ. Hat die bestrecherierten Artikel über die eigene Firma (neben dem Handelsblatt). (Ist halt ein Bereich, bei dem ich es wirklich beurteilen kann). Auch im Feuilleton oft sehr gute Artikel.

    3 Tage - 3 Lesungen - 3 Buchempfehlungen.


    Wolf Wondratschek liest in einer der schönsten Buchhandlungen Deutschlands. Böttger in Bonn. Die Buchhandlung ist ein schmaler langer Schlauch, an beiden Seiten deckenhohe Regale im Altbau, deren obersten Reihen nur mit der Bibliotheksleiter zu erreichen sind. Sortiert eher wie eine Bibliothek, da standen philosophische Klassiker der wichtigsten Autoren fein säuberlich aufgereiht. Dazwischen immer mal wieder der Hinweis auf signierte Exemplare. 5 -6 Klappstühle passen nur in eine Reihe, vorne Wondratschek hinter einem Pult, stehend. Er las aus seinem neuen Sammelsurium "Erde und Papier". Er enthält Reden, Notate, kleine Stücke. Intelligente und erheiternde Lektüre für zwischendurch. Der Nachruf auf Mohammed Ali ist bewegend, die Geschichte eines Mannes, der nie die richtige Frau kennenlernte und daher Wondratschek bat, ihm zu helfen ist erheiternd. Wondratschek halt mit einem Gedicht, der Mann ist heute noch glücklich verheiratet. In der Einleitung erzählt Wondratschek, dass sein Deutschaufsätze am Gymnasium nie benotet wurden, zu außergewöhnlich waren diese. Und so zeichneten diese sein Schriftstellerdasein schon vor. Ob das alles so stimmt, sei mal dahin gestellt.


    Jaroslav Rudis - Winterbergs letzte Reise. Lesung in Oberursel vor kleinem Publikum. Unbedingt mal zur Lesung gehen, der Autor liest in (fast) jeder deutschen Stadt. Rudis kann unterhalten, weiß viel über Bier und warum das tschechische Bier in Berlin nicht schmeckt. Der Sound erinnert stellenweise an Thomas Bernhard mit seinen nie enden wollenden Wiederholungen. Dieses Stilelement mag der Autor und es entwickelt sich ein eigener Ton, dieser Eisenbahnfahrt durch die Geschichte Europas. Mit vielen Geschichten.


    Hans Traxler ist im Frankfurtern caricatura Museum bis September 2019 eine Ausstellung gewidmet. Gestern die Eröffnung mit dem Zeichner und Autor. "Mama, warum bin ich kein Huhn?" lautet der Titel seiner gerade erschienenen Kindheitserinnerungen im Insel-Verlag. Die Zeit des 2. Weltkriegs spielt hier eine zentrale Rolle. Oder man greife halt zu seinen "Kinderbüchern", der Alpentrilogie. "Sofie mit dem großen Horn" ist einer der Titel. Die kleine Sofie lernt Alphorn. Mit viel Witz erzählt und liebevoll gezeichnet.

    Heute bin ich bei Stanisic - Herkunft. Interessant die Zuschauer, die sich für so wichtig halten, dass sie einen reservierten Platz erwarten, alle Reservierungsschilder lesen und doch nicht ihren Namen finden...

    Die Lesung selber grossartig. Stanisic weiss zu unterhalten. Und er liest nicht, er erzählt vielmehr und doch steht es dann genauso in seinem Buch. Grosse Kunst was er aus einem Besuch beim Fussbalspiel zwischen Belgrad und Bayern macht. Angeblich sind die Details nicht erfunden, genau recherchiert. Kann man kaum glauben. Und so gibt es manche Abschweifung. Zur Recherche zieht er sich dann in die Unibibliothek zurück. Und da entstehen seine Anekdoten als ihn in der medizinischen Abteilung eine fremde Frau ansprach, welches Buch sie gegen ihre Steissbeinschmerzen konsulieren solle. "Ich denke, ich kann nicht helfen, ich bin Dermatologe." so Stanisic. Oder eben beim Zubettbringen seines Sohnes, wo zuvor Geschichten erfunden werden. Aber die sollen auch bald als Buch erscheinen.

    Theresia Walser und Karl-Heinz Ott lesen im Stuttgarter Kammertheater ihr eigenes Theaterstück "Die ganze Welt". Ein Stück in drei Akten mit zwei Paaren, die zwei Wohnungen des gleichen Hauses bewohnen. Im ersten Akt Richard und Regina. Laut Regieanweisung nur zwei Stühle auf der Bühne und die beiden Protagonisten, die sich unterhalten. Vermutlich ein Ehepaar mittleren Alters, die sich nicht mehr allzu viel zu sagen haben, aber doch erstaunlich gut verstehen. Auf Partys geht man nicht mehr, obwohl man eingeladen wird. Aber man wird nur deshalb eingeladen, weil die Gastgeber wissen, dass man absagt, so zumindest die Vermutung des Ehepaars. Früher ist man von den Partys als letzter nach Hause gegangen, wenn man überhaupt gegangen ist und wurde deswegen nicht eingeladen. Heute könne man nicht mehr kommen. Man mache eine Kur, eine "Darmentleerung". Man habe gerade damit angefangen. Im zweiten Akt stehen dann Dolf und Tina aus der unteren Wohnung vor der Tür und es entspannt sich ein spannendes Gespräch. Mit zwei Personen nun etwas schwierig zu lesen, der Name der sprechenden Person muss mitgelesen werden. Die Themen sind vielfältig und so manche Wendung schockiert den Zuschauer. Kinder. Dolf und Tina haben inzwischen fast erwachsende Kinder und man ist etwas neidisch auf das kinderlose Paar Richard und Regina, die immer alle Freiheiten haben, bis dann herauskommt, dass die beiden auch zwei Kinder hatten, beide sind tot. Seitensprünge - Dolf hatte ein Affäre mit Sabine und Tina mit ihrem Zahnarzt und man frotzelt miteinander, ob man denn nicht zu viert in eine . Der dritte Akt wurde dann leider nicht mehr gelesen. Hinterher gab es einige Erläuterungen. Das Stück wurde mündlich am "Küchentisch" entworfen. Die Uraufführung war 2010 im Nationaltheater Mannheim. Interessant auch, dass einige Sätze und Modulationen speziell auf die Schauspielerin der Regina hin (verkörpert durch Irene Kugler) geschrieben wurden. Ein witziges und nachdenklich machendes Stück. Empfehlung.


    Hier gibt es ein kleines Video: Die ganze Welt - Nationaltheater Mannheim. Die Lesung fand ich deutlich überzeugender, da sich ganz vieles im Kopf des Zuhörers abspielt und nicht explizit dargestellt wird (z.B. wie Dolf Tina schlägt). Dabei entfaltet der Text noch viel mehr Kraft, wirkt witziger und an einigen Stellen auch beklemmender.

    Ausblick auf kommende Lesungen (bis Anfang Juli):

    Alex Capus

    Dacia Maraini

    Theresia Walser / Karl Heinz Ott

    Bernhard Schlink

    Christopher Clark

    Han Kang

    Sasa Stanisic

    Maria Stepanova

    Wolf Wondratschek

    Jan Wagner

    Donna Leon

    Nora Bossong

    Arno Geiger

    Christoph Hein

    Westend. 1992 erschienen, nun wieder neu aufgelegt. Und ganz Frankfurt liest ein Buch, und zwar Westend von Martin Mosebach. Gestern eine erste Lesung des Autors in Darmstadt, noch vor dem offiziellen Startschuss für das vielfältige Programm. 6 Jahre hat der damals noch frische Autor an diesem fast 900seitigen Werk gearbeitet. Geschrieben im Stile Thomas Manns oder Doderers mit ausufernden Beschreibungen. Damals beim Erscheinen kaum beachtet, heute hört man gern zu, schaut auf das Deutschland der Nachkriegsjahre. Mosebach ist im Frankfurter Stadtteil Westend aufgewachsen und er hat realen Personen ein Denkmal gesetzt. Eine alte Frau mit ihrem grauen Haardutt, die jeden Tag vor Mosebachs Heim auf und ab ging. Kein Wort hat er je mit ihr gewechselt, im Buch wird sie zu einer der vielen Hauptfiguren. Das Buch sollte eigentlich Das Erdbeben heissen. Frankfurt ist Erdbebengebiet, mehr als ein Bleistift oder eine Lampe bewegt sich nicht. Im Buch ein Riss in der Wasserleitung mit folgendem Wasserschaden, so dass der Hausbesitzer die alte Dame, die die Wohnung gemietet hat, aufsucht und ein Auge auf sie wirft. Die Themen sind vielfältig, Kunst und Architektur kommen vor. Ein kleiner Junge wächst ohne seinen Vater auf, ohne dass er weiss, was seinem Vater zugestossen ist. Wer einen langsamen Ton liebt, dem sei das Buch empfohlen.

    Wenn ich hier alles auflisten würde, was bei mir einzieht, dann würde das den Rahmen sprengen ...


    Daher mal ein nicht so typischer Titel, den ich mir irgendwann signieren lasse:

    Christoph Hein - Alles, was Du brauchst. Die 20 wichtigsten Dinge im Leben. Illustriert von Rotraud Susanne Berner (bekannt mit ihren Wimmelbüchern).


    Ich finde es immer wieder interessant, wenn "Erwachsenenautoren" (illustrierte) Kinderbücher veröffentichen. Das wäre ein ganz eigenes Sammelgebiet. Günter Kunert ist erst vor kurzem mit "Josephine im Dunkeln" bei mir eingezogen.


    @Jacqui: Das Buch von Lesch wurde letztes Jahr auf der Buchmesse vorgestellt. Es gibt ein quasi parallel erschienenes Buch von Ernst Ulrich von Weizsäcker: Wir sind dran. Club of Rome: Der große Bericht: Was wir ändern müssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue Aufklärung für eine volle Welt. Beide Bücher kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Lesch ist m.E. besser konsumierbar. Überraschendes enthalten aber beide Bücher nicht, wenn man ein wenig die Presse verfolgt.


    Schöne Grüße, Thomas