Was lest ihr gerade?

  • Habe gerade The Tenant of Wildfell Hall von Anne Bronte beendet. Ich bin positiv überrascht. Auf dem Umschlag steht so etwas wie "a gripping page-turner", was ja oft dann nicht zutrifft, aber hier war es tatsächlich so. Der Schluß ist etwas kitschig, aber stimmig.

  • Mal was schräges: "Früher begann der Tag mit einer Schußwunde Ein Bauer zeugt mit einer Bäuerin einen Bauernjungen, der unbedingt Knecht werden will" von Wolf Wondratschek.

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

  • So, nun mal wieder was für die Bildung tun: "Der Alte Orient: Geschichte der frühen Hochkulturen: Geschichte und Archäologie" von Astrid Nunn (in der WBG Ausgabe).

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    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

  • @BigBen:Bildung ist immer gut. :breitgrins:
    Lost: Warum kannst Du Bernhardt denn nicht ernst nehmen?


    Ich selber bin gerade in jenem Teil von Wielands Werken, wo er den Aufstieg Napoleons prophezeit; jener Teil also, der ihm dann später eine Audienz beim Kaiser bescherte.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • @BigBen:Bildung ist immer gut. :breitgrins:
    Lost: Warum kannst Du Bernhardt denn nicht ernst nehmen?


    Bernhard beginnt mit seiner Zeit in einem Salzburger Internat gegen Ende des Kriegs, wo er sich ausgestoßen fühlt und so ziemlich alles,was ihn umgibt hasst, scheinbar einem Hang zum Selbstmord gerade noch widerstehend. Abgesehen von seinem Großvater, sind alle männmlichen Personen, entweder nur als diffuse Masse vorhanden, oder als Züchtiger und er findet nur Verständnis und Schutz bei (wenigen) Frauen, was natürlich für einen pupertierenden Jüngling nicht ungewöhnlich sein muss, und, literarisch unglücklich, nur harmlos und oberflächlich geschildert ist.
    Bei mir entsteht der Eindruck, dass Bernhard sich hoch überlegen und gleichzeitig verachtet fühlt. Das kann man ernst nehmen, im Briefwechsel mit Unseld findet sich das ja auch, oder es lässt sich als eine ironische Selbstinzenierung Bernhard auffassen.

  • Beschäftige mich gerade mit der Industriellen Revolution und dem Ludditenaufstand in England 1811.
    Da fiel mir doch ein Tollerdrama ein, das ich vor Urzeiten las und nun wieder lese:
    "Die Maschinenstürmer" von 1922, geschrieben wie fast alle seiner Dramen während seiner Festungshaft wegen seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik.
    Z.T. noch expressionistische Sprache und durchaus differenzierter Blick auf das Geschehen von damals. Lesenswert!

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • "Renée Mauperin" von Edmond und Jules de Goncourt


    Mein erster Roman der Goncourt-Brüder. Sie waren wirklich hervorragende Beobachter der "Gesellschaft", besonders die Dialoge haben es mir angetan.


    Auf dem Umschlag wird übrigens Thomas Mann zitiert: "Ich erzähle gern, wie in meinen jungen Jahren ein französischer Roman, die Renée Mauperin der Goncourts, es war, dessen immer wiederholte Lektüre mich ermutigte, nach novellistischen Versuchen es mit einer Romankomposition, den Buddenbrooks, zu wagen."


    Thomas Mann scheint das Lesen der "Renée" auf jeden Fall nicht geschadet zu haben!


    Gruß, Gina

  • Nach einem kurzen Stück des zweiten Teils von Berhards Autobiografie werde ich abbrechen. Diese permanente Verbitterung ist nervtötend.
    Wahrscheinlich wird Lewitscharowff mit "Blumenberg" ihre zweite und letzte Chance bekommen.


    Was ist eigentlich an diesem Bernhard so Bedeutendes dran??? Will mir das jemand Mal erklären?


  • Was ist eigentlich an diesem Bernhard so Bedeutendes dran??? Will mir das jemand Mal erklären?


    Der Mann war ein Sprachmonster, ein Ungeheuer aus Spottlust und Häme. Man sagt ihm eine gewisse Sprach-Musikalität nach. Er beherrscht perfekt das Stakkato-Spiel und brilliert vor allem in der mehrstimmigen Fuge. :bang:


    Das kann man allerdings nicht immer ertragen, wie Du selbst festgestellt hast.

  • Der Mann war ein Sprachmonster, ein Ungeheuer aus Spottlust und Häme. Man sagt ihm eine gewisse Sprach-Musikalität nach. Er beherrscht perfekt das Stakkato-Spiel und brilliert vor allem in der mehrstimmigen Fuge. :bang:


    Das kann man allerdings nicht immer ertragen, wie Du selbst festgestellt hast.


    Vielen Dank für die Erläuterung Sir. Auf seine Musikalität weißt er ja schon im ersten Teil ganz stolz hin. Wie sich das in seinem Stil ausdrückt, bleibt mir natürlich verborgen, da ich von musikalischen Strukturen noch weniger verstehe, als von literarischen.
    Meine Güte, ich komme mit diesen östereichischen Literaten wohl garnicht zu Recht, ob es nun Stifter, Musil oder Bernhard ist. Der Bernhard kommt jetzt ins CD-Regal.

  • Hans Fallada, "Wolf unter Wölfen".
    Über 1200 Seiten - bin jetzt bei ungefähr 850.
    Ich habe von F. "Bauern, Bonzen und Bomben" gelesen (allerdings eher aus polit-historischem Interesse) und eine Kurzgeschichtensammlung (na ja ...) und "Altes Herz geht auf Reisen". (mies!)
    Mea culpa: Ich habe bis WuW nicht erkannt, wie toll dieser Mensch schreiben konnte!
    WuW hat natürlich seine Längen, zudem lässt mich der Protagonist Wolfgang Pagel ganz kalt, und Fallada gelingen m.M.n. auch die Liebesszenen nicht - das Motiv "Frühlingserwachen" bei der 15-jährigen Violet ist nur peinlich! -, aber NICHTSDESTOTROTZ zieht mich der Roman immer wieder neu rein.
    Ich kann nur jeder und jedem empfehlen: wer sich nicht von dicken Wälzern abschrecken lässt (Falladas Kapitel sind eher kurz, man kann also öfter "legal" das Büchlein aus der Hand legen :zwinker:), wer es schätzt, eine richtig tief verwobene und schriftstellerisch zT genial komponierte Welt gezeigt zu bekommen, wer Spannung, Humor und zugleich manchmal eine abgrundtiefe Traurigkeit dargestellt zu bekommen, der liegt bei WuW goldrichtig.
    Das Buch hat mich dermaßen überzeugt, dass ich mir als Re-Reading "Bauern ..." gekauft habe, zudem sicherlich "Ein Mann will nach oben" lesen werde - bloß "Jeder stirbt für sich allein", das werde ich nicht lesen, das Thema ist mir zu trübe.






    (Hurra! Endlich konnte ich mich aufraffen, meinen ersten Beitrag zum Forum zu liefern!)
    :winken:


  • Hans Fallada, "Wolf unter Wölfen".
    Über 1200 Seiten - bin jetzt bei ungefähr 850.


    (Hurra! Endlich konnte ich mich aufraffen, meinen ersten Beitrag zum Forum zu liefern!)
    :winken:


    Es ist lange her, dass ich Fallada las, aber damals auch mehrere Romane am Stück und die Fernsehserie: Bauern Bonzen... hat mir auch gefallen.
    Wolf unter Wölfen habe ich jedoch noch nicht gelesen und sollte das noch nachholen.


    Gut, dass du über die Schwelle überschritten hast, und wir weitere Beiträge erwarten können, vielleicht willst du sogar an Leserunden teilnehmen oder welche vorschlagen..