Was lest ihr gerade?

  • Ich habe die Trilogie im letzten Monat gelesen und war ziemlich begeistert. Das intensivste Buch war für mich "Löwenherz". Die Einfachheit der Sprache spiegelt die Landschaft und das rauhe Leben wider. Ich bin gespannt, ob es dir gefällt.

    Bisher gefällt es mir ziemlich gut. Löwenherz habe ich mir auch schon ausgeliehen.


    Um Vati schleiche ich schon länger herum.

    Ich hab mir jetzt aber mal die Bagage vorbestellt in der bib.

    Das lohnt.


    Gruß, Lauterbach

  • Daniel Kehlmann: Ruhm.


    Fehlte mir noch in der Kehlmann-Sammlung, warum weiß ich auch nicht. Hat man schon mehr von ihm gelesen, ist da die Freude des Wiedererkennens. An einer Stelle im zweiten Kapitel ("In Gefahr"), das unter anderem von einem Schriftsteller handelt, der ihm nahestehende Menschen zu Personen seiner Werke zu machen pflegt, musste ich grinsen. Es heißt dort:

    Zitat

    Leo Richter...der Autor vertrackter Kurzgeschichten voller Spiegelungen und unerwartbarer Volten von einer leicht sterilen Brillianz..."

    Wenn es etwas gibt, was das Wiedererkennen eines Kehlmann-Textes erleichtert, dann ist es genau diese Charakterisierung. Und zumindest die erste Hälfte dieses Episodenromans hat auch genau die Anmutung der Kehlmann-Schriften vor dem "Tyll": als lege es ein Tausendsassa darauf an zu zeigen, was er alles kann. Offensichtlich brauchte Kehlmann einmal eine so monumentale Folie wie den Dreißigjährigen Krieg als angemessenen Gegner.

  • Zunehmende Tendenz, Klassiker aus dem 20. Jahrhundert zu lesen. Völlig okay, klar, trotzdem im Hinterkopf behalten, irgendwann unbedingt Jean Paul wiederzulesen. ETA Hoffmann, Arnim, Tieck ....................... Hölderlin.

    Derzeit aber:

    David Foster Wallace: Unendlicher Spaß.

    Daphne du Maurier: Rebecca.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • Zunehmende Tendenz, Klassiker aus dem 20. Jahrhundert zu lesen. Völlig okay, klar, trotzdem im Hinterkopf behalten, irgendwann unbedingt Jean Paul wiederzulesen. ETA Hoffmann, Arnim, Tieck ....................... Hölderlin.

    Derzeit aber:

    David Foster Wallace: Unendlicher Spaß.

    Daphne du Maurier: Rebecca.

    Mit Jean Paul bin ich schon dabei. In diesem Frühling (in welcher Jahreszeit sonst) ist das Wiedersehen mit dem Hesperus vorgesehen. Unter allen seinen Schriften hat dieser im ersten Kennenlernen vor gut 20 Jahren den tiefsten Eindruck auf mich hinterlassen - gerade wegen des planmäßigen Überschwangs auf allen Ebenen. Man muss wirklich aufpassen, dass man das Buch nicht zu schräg hält, sonst laufen die vielen Tränen heraus.

  • Zunehmende Tendenz, Klassiker aus dem 20. Jahrhundert zu lesen. Völlig okay, klar, trotzdem im Hinterkopf behalten, irgendwann unbedingt Jean Paul wiederzulesen. ETA Hoffmann, Arnim, Tieck ....................... Hölderlin.

    Derzeit aber:

    David Foster Wallace: Unendlicher Spaß.


    Ich glaube, eine gute Mischung machts, alt, neu - egal- Hauptsache gut :)


    E.T.A Hoffmann haben wir ja vor kurzem hier in einer Leserunde gelesen - Lebensansichten des Katers Murr


    An der Auflistung ist aber eine romantische Tendenz zu erkennen:)


    Das mit David Foster Wallace kann ich verstehen. Ich habe Ende letzten Jahres Infinite Jest das zweite mal nach 1997 wieder gelesen. Das Buch beschäftigt mich immer wieder. Auch nach über 20 Jahren hat es mich gefangen genommen.



    Ich lese nun den 2. Teil von Bertha von Suttners Die Waffen nieder. Aktuell wie eh und je!


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    Bertha von Suttner: Marthas Kinder



  • Den Hesperus hatte ich ja schon letztes Jahr auf dem Zettel. Allerdings habe ich im Moment große Probleme, mich lesend "bei der Stange zu halten". Die innere Unruhe und Sorge um die Zukunft machen sich bemerkbar; ich lese zwar nach wie vor, aber eher plattes Zeug oder Sachen, die ich bereits kenne, wo es kein Problem ist, wenn man mal über ein, zwei Sätze wegliest, ohne es zu merken.
    Ich hoffe, dass sich das wieder gibt. (Noch schöner wäre es natürlich, wenn der Anlass verschwinden würde, aber da hab ich aktuell wenig Hoffnung.)

  • Ich habe gestern von Graham Swift "Letzte Runde" zu Ende gelesen. Vier ältere Männer fahren von London nach Dover, um die Asche ihres Freundes im Meer zu verstreuen. Die Konflikte, die auftreten bedingt durch ältere Verletzungen werden geschildert und durch Rückblenden wird die Lebensgeschichte der einzelnen Personen erzählt. Ich fand es ganz gut zu lesen. Im Moment kann ich mich noch nicht entscheiden, welches Buch ich als nächstes lese.


    Gruß, Lauterbach

  • Ich habe - wieder mal im Rahmen einer Leserunde - ein Büchlein angefangen mit einem Briefwechsel zwischen Cézanne und Zola, Untertitel "Eine Männerfreundschaft". Die beiden waren tatsächlich enge Jugendfreunde, gingen in Aix-en-Provence zusammen zur Schule, und als Zola noch vor Ablegen des Abiturs mit seiner Mutter nach Paris umziehen musste, blieben sie brieflich in Verbindung.


    Es sind wohl nicht alle Briefe erhalten. Das Buch beginnt mit einer Reihe Briefe von Cézanne, die eher ermüdend zu lesen sind; sie enthalten kaum Persönliches, dafür eine Menge Zoten, platte Witze und mühsame Gedichtlein. Die Antworten sind nicht erhalten oder jedenfalls nicht abgedruckt. Nun folgt eine Reihe Briefe von Zola; er war damals um die zwanzig. Diese Briefe sind sehr viel ambitionierter; er hat große Pläne und leidet an seinen Selbstzweifeln, lamentiert darüber, dass er "nicht mal gutes Französisch" sprechen könne, und fällt glatt zweimal durch die Abiturprüfungen (während Cézanne es im zweiten Anlauf schafft). Dass er mit zwanzig immer noch seiner Familie zur Last fällt, bedrückt ihn ungemein - ein Wahnsinn, wenn man sich überlegt, wie lange Studenten heute am elterlichen Tropf hängen müssen.


    Als Zola-Fan lese ich das sehr, sehr gerne und bin gespannt, wie es weitergeht. Der Briefwechsel dauert länger als zehn Jahre an.

  • Kehlmanns "Ruhm" ist inzwischen durchgelesen, und mein Eindruck einer Selbstspiegelung des Autors in der zitierten "etwas sterilen Brillianz" war anscheinend kein zufälliger. Jener "Leo Richter", der als Schriftsteller in fast allen Episoden irgendwie mitmischt, ist genau ein Selbstportrait von und mit Daniel Kehlmann. Das wird spätestens klar in der betörend schönen Episode "Rosalie geht sterben". Rosalie, das muss angemerkt werden, ist selbst in der Haupterzählebene keine reale Person, sondern eine Figur aus Leo Richters oevre, die in dieser Geschichte eine Restlebenserwartung von nur noch wenigen Wochen hat und sich entschließt, eine Sterbehilfeeinrichtung in der Schweiz aufzusuchen - nachdem sie ihrem Schöpfer, den Autor, vergeblich eine Lebensverlängerung abhandeln wollte, was dieser mit einem Verweis auf Rosalies Fiktionalität verweigerte. Im entscheidenden Moment, mit dem Todestrank schon in der Hand der Heldin, entschließt sich der Autor zu einem verwegenen Gnadenakt: er verjüngt sein Geschöpf um gut sechzig Jahre und lässt sie davonlaufen.


    Und ja, in der zweiten von zwei Erzählungen, die "In Gefahr" heißen, verwischen sich brachiale Realität und traumhafte Irrealität noch einmal in einem Zusammentreffen von Personen und Motiven aus den vorangegangenen Episoden.


    Es ist genau das Programm, das Kehlmann in seiner Frankfurter Poetikvorlesung ausgebreitet hatte, nachzulesen in seinem Buch "Kommt, Geister": das Bekenntnis zum magischen Weg.


    Abgesehen davon ist "Ruhm" ein ganz hervorragendes Buch, auch sprachlich turmhoch über der Erzählungssammlung von Clemens Setz ("Die Liebe in Zeiten des Mahlstädter Kindes"), die ich kürzlich in der Hand hatte.

  • In einer Leserunde habe ich "Deephaven" von Sarah Orne Jewett gelesen; ein Buch, das ursprünglich in Abschnitten 1875 und 1876 im "Atlantic Monthly" erschien. (Ein Kuriosum: Die Originalausgaben sind als Bilddateien im Netz zu finden, ich habe ein paar Kapitel im Originaltext gelesen.) Sarah Orne Jewett, 1849 - 1909, war eine erfolgreiche Schriftstellerin und hatte namhafte Bewunderer wie Henry James und Rudyard Kipling. "Deephaven" ist allerdings, muss man leider sagen, ein relativ belangloses Buch. Es handelt von der "Sommerfrische" zweier junger Damen, beide 24 Jahre alt, in einem heruntergekommenen Küstenstädtchen in der Nähe von Boston. Es ist zwar bezeichnend, wie die beiden Freundinnen einander offenbar vollkommen genügen und an keiner Stelle von einer eventuellen Jagd auf Ehemänner die Rede ist - die beiden ziehen in derben Stiefeln und Matrosenjacken durch die Gegend, lassen sich nassregnen und "pullen" mit einem Ruderboot zum Seebarschfang. Andererseits hat der Ort fast nichts zu bieten, und es mutet schon etwas seltsam an, wie die Ich-Erzählerin Helen immer wieder versichert, wie unendlich glücklich sie in Deephaven ist.


    Sarah Orne Jewett lebte mit einer Freundin in Lebensgemeinschaft, für welch letztere damals der Begriff "Boston Marriage" erfunden wurde, und die Freundschaft der beiden Mädchen in "Deephaven" deutet in eine ähnliche Richtung. Sie verbringen die Abende am Kamin, den Hund zwischen sich, mit innigen Gesprächen über Literatur und Natur, wie zwei Junggesellen - es fehlen nur noch die Whiskyflasche und Zigarren. Das Buch ist nicht gerade spannend und dramatisch, aber in seiner Beschaulichkeit doch eine schöne Lektüre. Die Aufmachung ist sehr hochwertig, mit sehr feinem Druck und stabilem Schuber.

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  • In einer Leserunde habe ich "Deephaven" von Sarah Orne Jewett gelesen; ein Buch, das ursprünglich in Abschnitten 1875 und 1876 im "Atlantic Monthly" erschien. (Ein Kuriosum: Die Originalausgaben sind als Bilddateien im Netz zu finden, ich habe ein paar Kapitel im Originaltext gelesen.) Sarah Orne Jewett, 1849 - 1909, war eine erfolgreiche Schriftstellerin und hatte namhafte Bewunderer wie Henry James und Rudyard Kipling. "Deephaven" ist allerdings, muss man leider sagen, ein relativ belangloses Buch. Es handelt von der "Sommerfrische" zweier junger Damen, beide 24 Jahre alt, in einem heruntergekommenen Küstenstädtchen in der Nähe von Boston. Es ist zwar bezeichnend, wie die beiden Freundinnen einander offenbar vollkommen genügen und an keiner Stelle von einer eventuellen Jagd auf Ehemänner die Rede ist - die beiden ziehen in derben Stiefeln und Matrosenjacken durch die Gegend, lassen sich nassregnen und "pullen" mit einem Ruderboot zum Seebarschfang. Andererseits hat der Ort fast nichts zu bieten, und es mutet schon etwas seltsam an, wie die Ich-Erzählerin Helen immer wieder versichert, wie unendlich glücklich sie in Deephaven ist.


    Sarah Orne Jewett lebte mit einer Freundin in Lebensgemeinschaft, für welch letztere damals der Begriff "Boston Marriage" erfunden wurde, und die Freundschaft der beiden Mädchen in "Deephaven" deutet in eine ähnliche Richtung. Sie verbringen die Abende am Kamin, den Hund zwischen sich, mit innigen Gesprächen über Literatur und Natur, wie zwei Junggesellen - es fehlen nur noch die Whiskyflasche und Zigarren. Das Buch ist nicht gerade spannend und dramatisch, aber in seiner Beschaulichkeit doch eine schöne Lektüre. Die Aufmachung ist sehr hochwertig, mit sehr feinem Druck und stabilem Schuber.

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  • Maryse Conde "Das ungeschminkte Leben". Conde beschreibt in ihrer "Autobiographie" die Jahre von ihrer Ausbildung in Frankreich bis zum Beginn ihrer Schriftstellerei und Kennenlernen ihres zweiten Ehemanns. Maryse Conde hat lange in Afrika gelebt, sie kommt aus Guadeloupe in der Karibik, und gearbeitet, Diktaturen und Militärputsche erlebt, viele Intellektuelle kennen gelernt und spät mit der Schriftstellerei begonnen. Man lernt eine Menge afrikanischer Politiker, Schriftsteller und Dichter kennen, von denen ich jedenfalls, noch nie etwas gehört habe. Man erfährt auch einiges über Afrika und warum es oftmals so politisch instabil ist. Die Fazination, die Afrika auf Conde ausübt, bzw. ausgeübt hat, hat sich nicht auf mich übertragen.


    Gruß, Lauterbach

  • Nach kurzer Pause (nach Hoffmans Murr) habe ich "Die unsichtbare Loge" von Jean Paul begonnen. Und was begegnet mir dort wieder? Eine Katze (von der "Schachamazone" abgerichtet, das Spiel entscheidend zu beeinflußen) und ein wenig später ein schwarzer Pudel, den der Genius für das "unterirdische Pädagogium" als "Schulkamerad des Gustavs" mit in das "moralische Treibhaus" brachte. Bisher ein großes Vergnügen - sprachgewaltig, ungewöhnlich und höchst interessant. Ich bin gespannt, wie es weitergeht (ich habe nicht ganz ein Viertel gelesen).

  • Nachdem ich mit N.Scott Momadays - House made of Dawn fertig bin, möchte ich etwas aktuelles lesen, bevor wir Mitte April mit dem Bulgakow beginnen.

    House made of dawn, war das erste Buch eines Native American, der den Pullitzer Preis gewann. Es geht um einen jungen Mann, der in einem Reservat aufwächst, dann für die USA in den 2. Weltkrieg ziehen muss und zurückkommt und nicht mehr in seine Welt passt.


    Neues Buch:


    Yasmina Reza: Serge


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  • Noch kurz ein Nachtrag zu den Parallelen die mir bei Hoffmann / Jean Paul auffielen: den Makulaturblättern ähnlich, gibt es (bisher) in "Die unsichtbare Loge" Unterbrechungen in Form von Extrablatt, Extrazeilen, Extragedanken. Überhaupt ist die Form, neben der Sprache, sehr spannend.

  • Noch kurz ein Nachtrag zu den Parallelen, die mir bei Hoffmann / Jean Paul auffielen: den Makulaturblättern ähnlich, gibt es (bisher) in "Die unsichtbare Loge" Unterbrechungen in Form von Extrablatt, Extrazeilen, Extragedanken. Überhaupt ist die Form, neben der Sprache, äußerst spannend und amüsant.