Was lest ihr gerade?

  • Zur Zeit und so ein wenig nebenbei: Dichter beschimpfen Dichter, ein kleines Büchlein von Reclam. Eine recht seltsame und überaus neidische Zunft, die Dichter.

    Auf dem Lesetisch eine vollständige Werkausgabe der Droste, mit Briefen und was da noch alles so dazu gehört (das heißt für mich immer mit einem guten Kommentarteil, Anhängen und Register), eine gebundene und schon etwas ältere Ausgabe vom Insel Verlag in zwei stattlichen Bänden.


    Demnächst und verlockend angeregt durch dieses Forum, die Elenden von Hugo. Hoffentlich wird das keine Enttäuschung.


    Guten Rutsch und ein friedvolles Neues Jahr wünsche ich allen Unentwegten dieses Forums.

  • Dir auch desgleichen, Vult .

    Wenn du auch Kolportage und Kitsch sowie reißerische Elemente verträgst, müsstest du an den "Elenden" deine Freude haben; Wenn du ein Vertreter der reinen Lehre bist, weniger.

    Aber da du ja ein Jean Paul-Verehrer bist, dürften dich die ersten beiden Ausreißer nicht so sehr stören, sie kommen ja auch hin und wieder bei JP vor. "Die Elenden" ist ganz anders, aber der Roman entwickelt einen unheimlichen Sog, wenn man sich ihm überlässt, und die Botschaft ist - wie bei allen guten und auch vielen durchschnittlichen Büchern - leider bis heute aktuell.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

    Einmal editiert, zuletzt von finsbury ()

  • Dir auch desgleichen, Vult .

    Wenn du auch Kolportage und Kitsch sowie reißerische Elemente verträgst, müsstest du an den "Elenden" deine Freude haben; Wenn du ein Vertreter der reinen Lehre bist, weniger.

    Aber da du ja ein Jean Paul-Verehrer bist, dürften dich die ersten beiden Ausreißer nicht so sehr stören, sie kommen ja auch hin und wieder bei JP vor. "Die Elenden" ist ganz anders, aber der Roman entwickel einen unheimlichen Sog, wenn man sich ihm überlässt, und die Botschaft ist - wie bei allen guten und auch vielen durchschnittlichen Büchern - leider bis heute aktuell.

    Danke, finsbury, für die Lesenhinweise.


    Vielleicht ist dieses Buch so etwas, wie die Axt im gefrorenen Meer. Soll heißen, hilft meiner Leseblockade etwas auf, im positiven Sinn.

    Denn das letzte Buch, das ich mit wirklichen Gewinn und einer gewissen Freude las, das waren die späten Erzählungen von Tschechow. Vielleicht wäre noch Pessoa zu nennen, aber dann wird es auch schon düster.


    Möge dann das Jahr 2019 im Sternzeichen des Tristram Shandy stehen.

  • Über die Feiertage habe ich vier Bücher gelesen:


    Ali Smith: Winter (sehr schöner Roman aus dem Brexit-UK mit vielen aktuellen Bezügen, dazu aber psychologisch und gesellschaftlich sehr fein gemacht)
    Vladimir Sorokin: Maranaga (Fortsetzung des futuristischen Projektes, das bereits im "Schneesturm" und "Telluria" angefangen hat)
    Max Annas: Finsterwalde (dystopischer Thriller aus einem von Nazis regierten Deutschland des Jahres 2035)
    Emmanuel Carrère: Der Widersacher (ein sehr finsteres Buch über den wahren Fall eines Hochstaplers, der aus Furcht vor dem Auffliegen seiner Lügen seine gesamte Familie ermordet)


    Merke, dass die Bücher (abgesehen von Ali Smith) eher finster sind. Wahrscheinlich brauchte ich das als Gegengewicht zur Familie und Weihnachtsstimmung um mich herum. ;);)8)

  • Vor 2 Tagen habe ich mit „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ begonnen. Der Anlaß, das Buch jetzt zu lesen war der Tod von Amos Oz.

    Ich lese ganz gerne Biographien, auch wenn diese formal als Roman daherkommt.

  • "Das Glück in glücksfernen Zeiten" von Genazino. Gestern abend begonnen, heute abend durch.

    In gewisser Weise ähnelt das Buch einigen Romanen von Patricia Highsmith. Man könnte auf jeder Seite ausrufen: "Das kenne ich! Genauso geht es mir auch!", bis man mit dem Helden in der Psychiatrie gelandet ist.

  • Die Erzählungen von Gelleri habe ich beendet. Ich lese ja in der Regel nicht so gerne Erzählungen, sondern bevorzuge Romane. Bei Erzählungen gibt mir der Autor oft so wenig Zeit, in eine Handlung hineinzukommen und die Stimmung aufzunehmen. Und wenn ich richtig drin bin, ist die Sache auch schon wieder vorbei. Da fällt es mir dann oft schwer, dranzubleiben, weil der Spannungsbogen jedesmal wieder abreißt. Ich schlafe dann häufig nach zwei, drei Erzählungen beim Lesen ein. Bei Gelleri ist das völlig anders. Der Autor hat es geschafft, mich mit seinen rund dreißig kürzeren und kurzen Erzählungen regelrecht zu fesseln. Eine große Empfehlung!


    Jetzt lese ich den mittleren Band von Rachel Cusks Trilogie: In Transit, das mir schon wie der dritte Band (Kudos) ausgesprochen gut gefällt. Das Buch besteht ausschließlich aus Berichten und Erzählungen in indirekter Rede. Das gibt ihm eine besondere Atmosphäre.


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  • Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen (1918)


    Heute habe ich (während der Zugfahrt von Koblenz nach Augsburg) mit einer Kindle-Leseprobe begonnen. Sie ist so umfangreich, und die Sprachkunst Thomas Manns ergreift mich wieder derart, dass nun kein Abbruch der Lektüre erfolgen wird – bis zum Ende des ganzen, rund 600-seitigen "Rechenschaftsberichts".


    Na ja! Vielleicht belasse ich es doch bei der knapp dreißigseitigen Vorrede. Das erste Buch des Jahres wäre damit noch nicht gefunden.

  • Ich habe mal wieder "Tante Lisbeth" von Balzac herausgesucht.

    Eine gute Freundin hat mir vor vielen Jahren mal Balzacs Werk innig ans Herz gelegt. Damals habe ich einiges gelesen, auch die berühmte Tante Lisbeth.

    Wenn ich es heute weder lese, amüsiert mich nur die erste Hälfte. Dann geht mir die dauernde Moralisiererei Balzacs auf den Senkel. Die unverbesserlich herumvagabundierenden Ehemänner, die unbelehrbar daheim duldenden Ehefrauen. Tante Lisbeth ist eine tolle Person, aber gegenüber Balzacs ständig herumwedeldem Zeigefinger nimmt sie viel zu wenig Raum ein. Das Buch ist einfach zu lang.

    Ich lese es trotzdem aus - schon wegen Balzacs giftiger Beschreibungen des Ehepaars Marneffe.

  • Florian Illies "1913". Nachdem ihr alle so geschwärmt habt von dem Buch. Passt auch gut zum kürzlich abgeschlossenen Blom, da tauchen einige Personen wieder auf.

    Wie verhält sich den Blom zu Illies? Das würde mich interessieren, denn Bloms Buch über die Beschleunigung fand ich recht unterhaltsam und nicht schlecht (wenn auch miserabel übersetzt), wobei ich Generation Golf von Herrn Illies seinerzeit sehr entbehrlich fand...

  • Wie verhält sich den Blom zu Illies? Das würde mich interessieren, denn Bloms Buch über die Beschleunigung fand ich recht unterhaltsam und nicht schlecht (wenn auch miserabel übersetzt), wobei ich Generation Golf von Herrn Illies seinerzeit sehr entbehrlich fand...

    Blom zu Illies ist in etwa wie mehrteilige Fernsehserie mit Themenschwerpunkten zu Fotoalbum mit buntgewürfelten Schnappschüssen. Beides ganz nett, aber Blom geht schon viel tiefer und ist ausführlicher.


    Zumindest ist das mein momentaner Eindruck. Von Illies habe ich bisher noch nichts gelesen. Welches Buch von Blom meinst du denn? Ich dachte, er übersetzt seine Bücher selbst vom Englischen ins Deutsche...

  • Wie verhält sich den Blom zu Illies? Das würde mich interessieren, denn Bloms Buch über die Beschleunigung fand ich recht unterhaltsam und nicht schlecht (wenn auch miserabel übersetzt), wobei ich Generation Golf von Herrn Illies seinerzeit sehr entbehrlich fand...

    Wieso ist Blom denn übersetzt worden? Er ist doch Deutscher und arbeitet in Wien. Ich lese gerade "Die Welt aus den Angeln" von ihm, das sich mit der Kleinen Eiszeit und deren sozioökonomischen und kulturellen Folgen beschäftigt. Das ist keine Übersetzung, mir sind aber im Stil ein paar Unbeholfenheiten aufgefallen, z.B. hin und wieder eine gewisse Armut an Synonymen, manchmal auch etwas schludrige logische Textbezüge. Dennoch gefällt mir die Darstellung sehr gut, weil ich viele historische Figuren, Ereignisse und Entwicklungen in einem neuen Zusammenhang präsentiert bekomme.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Wieso ist Blom denn übersetzt worden? Er ist doch Deutscher und arbeitet in Wien.

    Er hat aber auch in Oxford studiert. Aus dem Wikipedia-Artikel geht hervor, dass er auch auf Englisch schreibt. In meiner Ausgabe von „Der taumelnde Kontinent“ ist die englische Ausgabe von 2008, die deutsche Übersetzung von 2009. Ob er aber alles zuerst auf Englisch schreibt, weiß ich nicht...

  • Ich war heute am Offenen Bücherschrank, um ein paar ausgesiebte Bücher hineinzustellen, und habe zu meiner Freude ein Buch von Ishiguro drin gefunden: Die Ungetrösteten.

    Es ist mein zweiter Ishiguro, vor ein paar Jahren hatte ich "Der begrabene Riese" aus der Onleihe.

    Werde damit starten, sobald ich Tante Lisbeth von Balzac durch habe, es sind nur noch ein paar Seiten übrig.