Beiträge von Vult

    „So ist es mir gelungen, in ein und demselben Kapitel nacheinander einen Regen von Scheiße und eine Prozession von Päderasten zu bringen. Ich schwitze Blut, ich pisse kochendes Öl, ich scheiße Katapulte und ich rülpse die Kugeln aus den Schleudern. So sieht es mit mir aus.“

    (Gustave Flaubert an die Brüder Goncourt, während seiner Arbeit an und mit Salambo.)


    Ich habe dieses Buch in einer Neuübersetzung noch einmal gelesen, ach was, ich habe es wieder verschlungen und war fasziniert, wie schon vor vielen Jahren einmal.

    Ich habe das Buch nicht gelesen, werde es auch nicht kaufen. Viele der Rezensionen habe ich gelesen, auch die in der NZZ, auf Perlentaucher gibt es da wohl einen Überblick.


    Mir riecht das alles zu sehr nach einem "postfaktisch" inszenierten Politikum und davon habe ich die Nase bis obenhin voll.


    Postfaktisch = Als postfaktische Politik wird schlagwortartig ein politisches Denken und Handeln bezeichnet, bei dem Fakten nicht im Mittelpunkt stehen. Die Wahrheit einer Aussage tritt dabei hinter den emotionalen Effekt der Aussage vor allem auf die eigene Interessengruppe zurück.

    Ich habe jetzt 160 Seiten des neuen Houellebecq gelesen. Es ist wie Waten durch Dreck. Der Autor breitet das Seelenleben seines Erzählers vor uns aus. Der führt ein finanziell recht komfortables Leben, das aber durch innere Leere, Bindungsunfähigkeit und Verachtung für alle und jeden gekennzeichnet ist. Lebensekel pur. Und da der Erzähler so ein Widerling ist, tut er dem Leser auch nicht leid. Der Text ist natürlich glänzend geschrieben, stellenweise unterhaltsam und manche Sottise sitzt. Gleichwohl fragt man sich als Leser, warum man mit diesem Schmutz eigentlich Zeit verbringen soll, denn der Erkenntnisgewinn über die gegenwärtige Seelenlage der Gesellschaft hält sich doch sehr in Grenzen...

    Danke JHNewman,


    So spart man sich dann ein wenig Lebenszeit und den einen oder anderen Euro wohl auch.


    Und weiter mit einem Franzosen, der wohl so ganz anders ist, als dieser Houellebecq, obwohl ich mit der Suche nach der verlorenen Zeit so meine Probleme habe.

    Vor einiger Zeit schon erstand ich die Werkausgabe von Lion Feuchtwanger (16 Bände, Aufbau Verlag) und hin und wieder lese ich eines dieser Bücher, zur Zeit ist Feuchtwangers - Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau. Nach seinem Goya und Jud Süß nun der nächste Roman der mir durchaus gefällt.

    Ich habe nun mit der verlorenen Zeit begonnen und befinde mich zur Zeit im Schatten junger Mädchenblüte. Aber von dem viel berufenen Sog dieses Mammutwerkes kann ich nichts spüren, das alles ist mir oft zu langatmig und ehrlich gesagt, und ich habe so arge Probleme diesen Proust in seinen Intentionen wirklich zu verstehen.


    Tausende von Seiten liegen noch vor mir, ich weiß nun nicht, ob mir die Zeit verloren scheint, diese noch zu lesen.


    Ist das nun Blasphemie?

    Ich bin ja neu hier, aber den Nachsommer würde ich auch gerne mal lesen, und wenn sich das somit drei vornehmen, könnte man es ja koordinieren? Oder müssten es mehr als drei Leser sein, damit dabei etwas herauskommt?

    Lust hätte ich schon, allerdings Zeit für dieses großartige Buch, habe ich nicht.

    Obwohl dieses Buch so ein wenig außerhalb von Raum und Zeit ist.


    Ich habe mit Prousts - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit begonnen und um diesen Berg zu besteigen braucht man wohl sehr viel Zeit.

    Für mich ist Fontane auch immer einer der großen "Briefeschreiber" der deutschen Literatur.

    Für Thomas Mann war der Briefeschreiber Fontane immer wieder ein Vorbild, das er niemals müde wurde zu loben.

    Ich denke hier besonders an sein Essay - Der alte Fontane. Daraus zitiert:


    Zitat

    Man betrachte seine Bildnisse: das jugendliche im ersten Bande der Briefe an seine Freunde etwa neben der späteren Profilaufnahme, die den Nachlassband schmückt. Man vergleiche das blasse, kränklich schwärmerische und ein Bischen fade Antlitz von dazumal mit dem prachvollen, fest und gütig und fröhlich dreischauenden Greisenhaupt, um dessen zahnlosen, weiß überbuschten Mund ein Lächeln rationalistischer Heiterkeit liegt, wie man es auf gewissen Altherren-Porträts des achtzehnten Jahrhunderts findet, – und man wird nicht zweifeln, wann dieser Mann und Geist auf seiner Höhe war, wann er in seiner persönlichen Vollkommenheit stand.“

    „Scheint es nicht, daß er alt, sehr alt werden mußte, um ganz er selbst zu werden?

    Ich kann hier Thomas Mann nur zustimmen.

    Schon vor sehr langer Zeit las ich Joseph Roths Radetzkymarsch, ein stilles und irgendwie auch wehmütiges Buch, das mir damals sehr gefallen hat.

    Nun habe ich seinen Hiob beendet und was soll ich nun sagen, oder schreiben?

    Das sein Hiob eines dieser Bücher ist, das ewig in mir und wohl auch in der Welt bleibt, das Hiob eines dieser Bücher ist, die man regelrecht verschlingt und erst beiseite legen kann, wenn auch die letzte Seite gelesen ist.


    Dostojewski hätte bei dieser Thematik wohl noch tausend Seiten hinterher geschmissen, wenn er hätte so schreiben können, Roth bewältigte dieses wohl unerschöpfliche Thema in einem relativ dünnen Büchlein.


    Fazit: Es wird allerhöchste Zeit, für mich, das Gesamtwerk von J. Roth zu erstehen.

    Ja, die Mathilde Möhring kenne ich. Einer der kleineren Romane von Fontane, in einer Kategorie etwa mit Stine oder Jenny Treibel, wobei von der Länge her glaube ich zwischen den beiden.


    Ich lese gerade (zum ersten Mal!) Zweigs Erinnerungen 'Die Welt von gestern' und bin sehr begeistert.

    Von Stefan Zweig bin ich im allgemeinen nicht so angetan, aber dieses Buch würde ich jeder Lesratte empfehlen, die sich mit Stefan Zweig näher beschäftigen möchte.


    Es ist nun schon eine Weile her, aber dieses Buch hat auch mich begeistert. Wenn dir dieses Buch gefällt, so wird dir Sandor Marais: Bekenntnisse eine Bürgers wohl ebenfalls gefallen?


    Bekenntnisse eines Bürgers: Erinnerungen

    Da würde ich die neue, nicht übel gelungene und recht preiswerte kritische Ausgabe bei Jung und Jung empfehlen:


    http://jungundjung.at/content.php?id=2&b_id=248

    Danke für den Hinweis, das ist schon verlockend, allerdings bleibt da nur die Wahl zwischen Schuldturm und den Besitz dieser wohl doch recht gelungenen Ausgabe.


    Und so ein richtig zerlesener und zerfledderter, etwas fleckig und speckig aussehender Mann ohne Eigenschaften, der hat so seine gewisse Vita hinter sich und soll sein Gnadenbrot bekommen.

    Denn das Buch sieht nun mittlerweile aus, als ob es wirklich gelesen wurde, und das ist bei diesem Buch nun wohl keine Selbstverständlichkeit.

    (Aber im Februar habe ich Geburtstag und sehe so gewisse Chancen, für diese Ausgabe.)

    Vult Wir haben einen eigenen Thread für die Listen: Der Klassikerforumswettbewerb 2019 - Die Listen

    Da sind alle schön übersichtlich untereinander.

    Gut, dann nenne ich meine Leseliste - eine Zeitreise durch Russland in fünf Büchern.


    Gontscharow, Oblomow


    Gogol, Sämtliche Erzählungen


    Isaak Babel, Mein Taubenschlag


    Jewgeni Jewtuschenko, Beerenreiche Gegenden


    Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit


    Proust ist zwar kein Russe, aber in den postfaktischen Zeitläuften von Multikulti lassen wir das mal gelten.

    @ Zefira, lieben Dank für die Antwort.


    Also dann versuche ich es einfach einmal:


    Ganz oben auf der Leseliste stehen dann bei mir: Gontscharows Oblomow und Isaak Babels Taubenschlag (Hanser).


    "Wer noch keine Babel-Ausgabe besitzt, tut gut daran, seine zweitbeste Hose für diese Edition in Zahlung zu geben."

    (Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung, 11.01.15)


    Ich habe schon verschiedene Babel-Ausgaben, aber diese muss es dann auch unbedingt noch sein.


    Dann folgt Proust - Auf Suche nach der verlorenen Zeit, aber da zweifle ich noch, ob der enormen Seitenzahl, (ist das wirklich ein muss-man-gelesen-haben Buch, oder eher ein bildungsbürgerlicher Schuldkomplex?)

    Von Hugos Elenden schrieb ich schon und vielleicht wäre E. T. A. Hoffmann endlich einmal an der Reihe, hier noch eine, für mich, wichtige Frage angehängt: Johnsons Jahrestage habe ich noch nicht gelesen, hier auch wieder wegen des Buches enormen Umfang, sollte man also, sollte man also lieber nicht?

    Außerdem brauche ich wohl eine neue Ausgabe des Mannes ohne Eigenschaften, meine jetzige Ausgabe löst sich langsam auf, ist arg zerlesen und die Seiten machen sich selbstständig.

    (Eine alte Taschenbuchausgabe von Rowohlt.)

    Hallo, liebe Mitforianer,


    dieses Jahr bin ich ja an meiner Liste grandios gescheitert, dennoch könnte ich mir vorstellen mit neuen, unbelasteten und deutlich weniger Büchern in den Wettbewerb 2019 zu starten. Hättet ihr denn auch Lust?


    Ich hätte da mal eine vielleicht nicht wirklich intelligente Frage?


    Was ist das eigentlich, dieser Klassikerforumswettbewerb?


    Ich bin den Thread rauf und runter, aber so richtig schlau geworden bin ich immer noch nicht.


    Grüße,


    Peter

    Dir auch desgleichen, Vult .

    Wenn du auch Kolportage und Kitsch sowie reißerische Elemente verträgst, müsstest du an den "Elenden" deine Freude haben; Wenn du ein Vertreter der reinen Lehre bist, weniger.

    Aber da du ja ein Jean Paul-Verehrer bist, dürften dich die ersten beiden Ausreißer nicht so sehr stören, sie kommen ja auch hin und wieder bei JP vor. "Die Elenden" ist ganz anders, aber der Roman entwickel einen unheimlichen Sog, wenn man sich ihm überlässt, und die Botschaft ist - wie bei allen guten und auch vielen durchschnittlichen Büchern - leider bis heute aktuell.

    Danke, finsbury, für die Lesenhinweise.


    Vielleicht ist dieses Buch so etwas, wie die Axt im gefrorenen Meer. Soll heißen, hilft meiner Leseblockade etwas auf, im positiven Sinn.

    Denn das letzte Buch, das ich mit wirklichen Gewinn und einer gewissen Freude las, das waren die späten Erzählungen von Tschechow. Vielleicht wäre noch Pessoa zu nennen, aber dann wird es auch schon düster.


    Möge dann das Jahr 2019 im Sternzeichen des Tristram Shandy stehen.

    Zur Zeit und so ein wenig nebenbei: Dichter beschimpfen Dichter, ein kleines Büchlein von Reclam. Eine recht seltsame und überaus neidische Zunft, die Dichter.

    Auf dem Lesetisch eine vollständige Werkausgabe der Droste, mit Briefen und was da noch alles so dazu gehört (das heißt für mich immer mit einem guten Kommentarteil, Anhängen und Register), eine gebundene und schon etwas ältere Ausgabe vom Insel Verlag in zwei stattlichen Bänden.


    Demnächst und verlockend angeregt durch dieses Forum, die Elenden von Hugo. Hoffentlich wird das keine Enttäuschung.


    Guten Rutsch und ein friedvolles Neues Jahr wünsche ich allen Unentwegten dieses Forums.


    Das Christentum als Idee, als Lebensmaxime, als gelebter Inhalt aus der Verkündung vom Kreuz heraus, warum nicht. Denn dieses - „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg' auch keinem andern zu!" Das zieht sich als goldene Regel durch viele Religionen und ich achte das bei jedem Menschen, der das auch wirklich lebt, im Glauben und auch in der täglichen Tat. Aber gab es eigentlich einen Zeitpunkt in der Geschichte des Monotheismus, in dem diese Glaubensformen nicht instrumentalisiert wurden. Und immer waren es die religiösen Fanatiker und Fundamentalisten die die Geschicke und schließlich auch die Geschichte der Religion bestimmten. Der Herr Söder macht das gerade vor, die Politisierung des christlichen Symbols, wieder einmal bedenkenlos um die Folgen.


    Die Kirche unter dem Hakenkreuz, die Kirche in der Zeit der Kreuzzüge und der Inquisition, die Kirche als verantwortlich für den Massenmord nicht nur auf dem südamerikanischen Kontinent, und wenn heute islamische Fundamentalisten öffentlich vor dem Brandenburger Tor die israelische Staatsflagge verbrennen, wenn jüdische Bürger in aller Öffentlichkeit geschlagen, gedemütigt und misshandelt werden, dann sind wir an einem Punkt angelangt, von dem aus nur noch ein zurück in eine Vergangenheit gibt, die wohl nicht zu den glücklichsten Stunden der Menschheitsgeschichte gehört.


    Denn was für mich wirklich beängstigend ist, das Merkel mit ihrer völlig verfehlten Politik die Neofaschisten, die Revanchisten uns sonstiges braunes Gesindel wieder „wach geküsst“ hat, sozusagen wieder hoffähig gemacht hat, die neuen Nazis wittern wieder Morgenluft, sie sind wieder wer und man hat mit ihnen politisch zu rechnen. Und nicht wenige von diesen braunen Dämonen träumen wieder von einem Deutschland der Richter und Henker, verkünden das immer ungenierter und lauter. Über den abnormen Judenhass, der bei diesen braunen Landsknechten eine Art von Passion ist, darüber lieber höflich zu schweigen.


    Ich sehe diesen Entwicklungen mit grösster Sorge entgegen und wie man in diesem Forum liest, wohl nicht nur ich, die aktuelle Tagespolitik hat das Klassikerforum erreicht, schade aber wohl unumgänglich.

    Stimmt. Hab den einen Satz überlesen. Jetzt ist es mir klar.

    Alles kein Problen, passiert mir manchmal auch. Ich wollte nur eine Lanze brechen für die Menschen, für die diese so genannten langweiligen Bücher unverzichtbar sind, die uns oft Lebensinhalt und manchmal auch Lebenshilfe sind. Und von diesen, für ich immer wertvollen Menschen, von diesen Menschen gibt es in diesem Forum viele, und das ist es, was dieses Forum für mich so wertvoll macht.