Was lest ihr gerade?

  • "Der Lärm der Zeit" von Julian Barnes, über Shostakovich in der Stalin Ära, insbesondere die Zeit nach der Erstaufführung seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk, wo er die Gunst Stalins verloren hatte und befürchten musste, vom NKWD abgeholt zu werden. Dazu höre ich natürlich Shostakovich, aber seine Sinfonien.


    Gruß, Lauterbach

  • "Ewigkeitsfjord" von Kim Leine


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    Ein sehr interessanter zeitgenössischer dänischer Roman, der zum Ende des 18. Jahrhunderts in Kopenhagen und Grönland spielt. Es geht um einen - eher unwilligen - Pfarrer, der vom Sohn des Hans Egede, des ersten Grönlandbischofs der Neuzeit, zur Grönlandmission geschickt wird und dort auf die wenig einnehmenden dänischen Kolonisten mit ihrer rassistischen Einstellung gegenüber den Inuit und auch den "Mischlingen" stößt, sich selber in vielfacher Hinsicht schuldig macht und doch versucht, in dieser lebensfeindlichen Welt einen Sinn zu finden.
    Ein spröder, aber auch spannender und betroffen machender Roman. Sehr zu empfehlen!

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich lese aktuell "Die Gelbe Straße" von Veza Canetti. Die Autorin war übrigens die Ehefrau von Elias Canetti, der auch literarisch tätig war. Die Bezeichnung Roman passt m.E. nicht ganz für die gelbe Straße. Das ganze spielt um 1930 in Wien. Die ganze Charaktere wohnen zwar in diese gelben Straße, es hängt aber alles nur locker zusammen. Für mich sind das eher Miniaturen bzw. Erzählungen. Die Charaktere sind aber ganz nett beschreiben und die Kapitel sind recht kurzweilig und regen zum Weiterlesen an um noch mehr Charaktere zu entdecken.

  • Das hört sich sehr interessant an. Ich liebe es über Gegenden zu lesen, die ich kenne.


    Über die Bezeichnung "der auch literarisch tätig war" musste ich übrigens gerade herzhaft lachen. Immerhin hat er den Nobelpreis für seine Literatur bekommen.

  • Jürgen Manthey: Königsberg, Geschichte einer Weltbürgerrepublik. Hanser 2005. Ein großer Artikel über Kaliningrad, erschienen zur Europawahl, erinnerte mich daran, dass das Buch noch ungelesen im Regal steht. Zitat aus dem Kapitel über E.T.A. Hoffmann: "Kein anderer deutscher Schriftsteller ist je wieder so in aller Welt berühmt gewesen wie E.T.A. Hoffmann, und das nicht nur dem Namen nach wie zum Beispiel Goethe, eine Zelebrität eher vom Hörensagen. Hoffmanns Romane und Erzählungen, in alle wichtigen Sprachen übersetzt, waren kein bloßes Bildungsgerüst, sie faszinierten als Lesestoff."

  • Wieso gibt es eigentlich keinen Thread über "Stoner" von John Williams?

    Ich habe das Buch gerade als Zweitlektüre (wenn nicht gar Drittlektüre) vor, und jedes Mal ärgere ich mich ein wenig mehr über die Darstellung der Eheproblematik in diesem Buch. Wenn ich in den einschlägigen Leserforen surfe, wird mein Ärger noch größer.

    Stoner ist ein hinreißender Mensch - aber an seinem Ehedesaster ist er selbst schuld - so sehe ich das.

    ".... die Epiphanie, durch Worte etwas zu erkennen, das sich in Worte nicht fassen lässt."

    Für solche Sätze liebe ich das Buch, trotzdem.

  • Lach, ja, das passiert mir bei Zweitlektüren immer wieder, dass ich mich über die (m.M.n.) Schwachstelle eines Buches furchtbar aufrege. Noch schlimmer wird es, wenn ich das Buch nach Jahren ein drittes Mal vornehme - da kulminiert der Ärger zum äußersten.

    Stoners Brautwerbung erinnert mich jedes Mal an die berühmten Szenen in Hoffmanns Sandmann, wo die Automatenfrau dem entflammten Liebhaber immer nur "ach, ach" antwortet und er das für ungemein geistreich hält.

  • Aktuelle Lektüre: Frank Schulz, ›Morbus fonticuli‹. Ich hab jetzt rd 300 von 700 Seiten gelesen und bin unschlüssig, ob ich das großartig, langweilig oder einfach nur blöd finde 😊. Die Szenen in der Redaktion oder in den diversen Kneipen sind ziemlich toll, die imho viel zu vielen Sexszenen eher öde. Und der Ich-Erzähler geht mir immer wieder häufiger auf die Nerven. Das muss wohl so sein, der landet am Schluss in der Psychiatrie, aber ich bin mir nicht sicher, ob er mich überhaupt interessiert.

  • Nach dem Buch "Der Lärm der Zeit" von Julien Barnes habe ich nun mit "Das Leben meiner Mutter" von Oskar Maria Graf begonnen.

    Das ist mein erster Graf und es läßt sich gut an.


    Gruß, Lauterbach

  • "Das Leben meiner Mutter" war ein Lesegenuss, ich habe schon lange nicht mehr ein so dickes Buch so schnell gelesen. Eine dicke Empfehlung.

    Jetzt habe ich mit "Das falsche Gewicht" von Joseph Roth angefangen. Mein vierter Roth bisher.


    Gruß, Lauterbach

  • "Am Strand" von Ian McEwan. Ich mag die Bücher des Autors eigentlich sehr, aber mit diesem komme ich schlecht zurecht. Es geht um eine zerquälte Hochzeitsnacht zu Beginn der 60er. Nachdem die Rückblenden begonnen haben, wird es etwas interessanter, aber das Thema - psychologisierende Ehe- und Liebesgeschichte - ist nicht mein Genre.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Der Sieger nimmt Alles von Dieter Wellershoff.

    Inzwischen habe ich das Werk komplett gelesen. Mich erinnert der Roman an das Sprichwort Geld verdirbt den Charakter. Der Protagonist hat nur ein Ziel - Geld zu machen und immer reicher zu werden. Er heiratetet sich ein Unternehmen ein, steigt in die Geschäftsführung auf und expandiert. Der Protagonist entwickelt sich zum Ekel gegenüber den Schwiegervater, Schwager und den eigenen Sohn. Heimlich nimmt er sich auch noch eine Geliebte, die sich aushalten lässt. Irgendwann stirbt der Schwiegervater, es gibt niemanden mehr, der ihn bremsen kann. Im Rausch des Expansionsdrang übernimmt er ein deutlich größeres Unternehmen, das er zuvor als Lieferant beliefert hat. Er hat sich aber blenden lassen, die Investition ist der Anfang von Abstieg. Er hat die Rentabilität des Unternehmens überschätzt. Alles, was er noch an Vermögen noch mobilisieren kann, setzt er dann auf einer Karte und macht Wechselgeschäfte in Afrika mit Hilfe eines Finanzmaklers. Das Geschäft in Afrika geht aber komplett schief und er verliert sein komplettes Kapital und macht sogar noch weitere Schulden. Parallel dazu gerät sein Leben aus den Fugen und auch im privaten/familiären Umfeld geht es bergab. Am Ende stirbt der Protagonist auf eine Geschäftsreise in seinen Hotel, voraussichtlich aufgrund der psychischen Druck.

  • Ich lese gerade "Das Erwachen" von Andreas Brandhorst. Mittlerweile hab ich die Hälfte gelesen und ich bin immer wieder erstaunt wie der Autor es schafft Fakten mit Science Fiction gekonnt zu verbinden und eine extrem spannende Story daraus zu machen.


    Als nächstes will ich dann "Eklipse" vom selben Autor lesen.