Marcel Proust - Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

  • hallo leute


    anfrage an alle leseratten


    wer hat den zyklus oder einzelne bände schon gelesen und kann irgend etwas dazu sagen?


    liest sich das schwer?


    was ist besonderes daran?


    enderlin

    mein lieblingsbuch deutscher sprache: mein name sei gantenbein
    <br />mein nicht deutsches lieblingsbuch: der englische patient

  • Hallo zusammen!
    Hallo Hr. Enderlin!


    Ich habe die ganze Suche vor ca. 9 Monaten gelesen. Es lohnt sich unbedingt und ist auch eigentlich nicht schwer zu lesen. Du brauchst einen langen Atem, aber der Roman hat, im Gegensatz z.B. zu Tolstois 'Krieg und Frieden' relativ wenige Personen, die Du dir merken musst.


    Was ist besonders daran? Es ist eines der grossen Werke, die den Menschen im Umbruch zeigen. In dieser permanenten Neuorientierung stellt sich dem Erzähler die Frage 'Wo ist meine verlorene Zeit, wo ist mein Leben hingekommen?' Die Antwort ist absolut verblüffend. Auch die psychologischen Aperçus von Proust sind interessant. Selbst und gerade dort, wo der Erzähler lügt, ist er faszinierend.


    Lies es und sag und doch nachher (oder zwischendurch), was Deine Eindrücke sind!


    Grüsse


    Sandhofer!

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • danke sandhofer


    ich will es bestimmt lesen


    ich habe gehofft, dass der roman zyklus gelobt wird, da mich die sache schon lange interessiert


    in der buchhandlung hab ich einmal "in swans welt" mittendrin gelesen und, obwohl ich von den zusammenhängen nichts begreifen konnte war ich damals fasziniert


    aber bei soviel seiten höre ich mir lieber meinungen an ehe ich mich darüber stürze


    lg enderlin

    mein lieblingsbuch deutscher sprache: mein name sei gantenbein
    <br />mein nicht deutsches lieblingsbuch: der englische patient

  • Hallo zusammen


    kann mir jemand die Reihenfolge der "Verlorenen Zeit Romane" nennen?
    Das wäre lieb. Ich weiß es beginnt mit "In Swanns Welt" ....


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen!
    Hallo JMaria!


    Hab's leider nur auf Französisch:


    Du côté de chez Swann
    A l'ombre des jeunes filles en fleurs
    Le côté des Guermantes
    Sodome et Gomorrhe
    La prisonnière
    Albertine disparue
    Le temps retrouvé


    Ich hoffe, es hilft Dir trotzdem. M.W. gibt's 2 verschiedene Übersetzungen, beide bei Suhrkamp. Die Titel der einzelnen Bücher lauten da nicht ganz gleich.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Sandhofer


    vielen Dank, das hilft mir schon sehr weiter. :winken:


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • In Swans Welt
    Im Schatten junger Mädchenblüte
    Die Welt der Guermantes
    Sodom und Gomorra
    Die Gefangene
    Die Entflohene
    Die wiedergefundene Zeit



    hallo maria hallo sandhofer


    hab der ordung halber alles auch auf deutsch reingestelt


    sandhofer
    in der tat dürfte es da mehrere arten der übersetzung des titels geben, da ich meine, ein buch mit dem titel - "Eine Liebe von Swan" gesehen zu haben - ich denke, es war der zweite teil


    enderlin

    mein lieblingsbuch deutscher sprache: mein name sei gantenbein
    <br />mein nicht deutsches lieblingsbuch: der englische patient


  • Hallo Enderlin
    auch dir vielen Dank für die deutschen Titel.
     
    bei Amazon habe ich u.a. auch "Albertine" entdeckt, scheint ebenfalls ein neuer Titel zu sein, der sich aber leicht zuordnen läßt.


    mit "Combray" habe ich schon mehr Schwierigkeiten mit der Zuordnung. Welcher Teil könnte das sein?


    LG Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • "sandhofer" schrieb:


    ...


    Selbst und gerade dort, wo der Erzähler lügt, ist er faszinierend.


    ...


    Hallo Sandhofer,


    fallen Dir spontan noch Stellen ein, an denen ersichtlich wird, dass Marcel lügt? Ich habe die Recherche auch letztens gelesen, mir ist aber nichts derartiges aufgefallen (Langatmigkeit wirkt wohl stellenweise aufmerksamkeitshemmend ;-))


    Empfehlenswert ist übrigens die "Frankfurter Ausgabe" von Suhrkamp. Ist eine neu redigierte Ausgabe der Standard-Übersetzung von Eva Rechel-Mertens. Sehr hilfreich: Die Ausgabe ist reichhaltig mit Anmerkungen versehen, was an vielen Stellen ein Verständnis der historischen Bezüge erst möglich macht. Der Haken: Für Normalsterbliche nicht erschwinglich (€300). Gab's aber hier in der Uni-Bib (ungelesen; kein Mensch liest Proust...)


    Gruß,
    Rodion

  • Zitat

    Gab's aber hier in der Uni-Bib (ungelesen; kein Mensch liest Proust...)


    hallo rodion


    das war auch mein eindruck


    in einem antiquariat - keine chance
    und selbst neu - muss man die bücher bestellen


    doch als vor einem jahr der zyklus bei donauland/buchgemeinschaft erschien war er binnen kürzester zeit ausverkauft :sauer:


    ich denke dass MP nur schlecht vermarktet wird - und um deinen satz weiter zu führen


    .... und keiner kennt proust


    lg enderlin

    mein lieblingsbuch deutscher sprache: mein name sei gantenbein
    <br />mein nicht deutsches lieblingsbuch: der englische patient

  • Hallo zusammen,


    wenn die Bib-exemplare von Proust ungelesen sind, heißt das meiner Meinung nach noch lange nicht, dass niemand Proust liest. Es könnte auch sein, dass Proustleser die "Recherche", lieber kaufen um sie in Ruhe und immer wieder lesen zu können.


    Gruß


    Hubert


  • Hallo Hubert,


    sicher habe ich mich mit meinem "kein Mensch liest Proust" einer von kulturpessimistischem Bedauern hervorgerufenen Übertreibung schuldig gemacht... ;-) Allerdings ist es m.E. keine allzu gewagte These, der (Un-)Abgelesenheit von Bibliotheksexemplaren eine gewisse Korrelation zur allgemeinen Popularität zu unterstellen. Und gerade einem Buch, für das man bei Neuerwerb mindestens €50 hinlegen muss, würde man doch spontan eine höhere "Ausleihfrequenz" prophezeien.


    Natürlich gibt es nach wie vor Leute, die Proust lesen (auch wenn man nur höchst selten einen trifft). In jeder guten Buchhandlung steht er in mindestens einer Ausgabe herum, und in Antiquariaten ist er vermutlich nur deshalb selten zu bekommen, weil er sofort wieder verkauft wird (ich habe selber die dreizehnbändige Erstausgabe nur deshalb antiquarisch erstanden, weil sie gerade frisch eingetroffen und noch nicht einsortiert war). Aber die "Recherche" ist doch trotzdem das Musterbeispiel für den "ungelesenen Klassiker". Und der von Dir genannte "Proustleser" gehört damit eben einer sehr seltenen, jedoch hoffentlich nicht vom Aussterben bedrohten Gattung an.


    Gruß,
    Rodion

  • Huhu!


    Kann mir denn einer Infos geben zur "Recherche"? Ich muss eine Hausarbeit über die Erzählkategorien (Zeiten) darin schreiben. Allerdings nur über den Anfang...


    Liebe Grüße.

  • Hallo zusammen!


    Rodion
    Wo der Erzähler lügt? Nach meinem Gefühl z.B. bei der ganzen Geschichte um den Chauffeur und Albertine. Da lügt er, oder wenigstens verheimlicht er Dinge. Und die ganz grosse Lüge ist natürlich da, wo man die Erinnerungen des Ich-Erzählers mit dem Leben des realen Marcel Proust in Verbindung bringt.


    Im übrigen glaube ich schon, dass viele Menschen Proust lesen. Allerdings scheint mir bei Proust-Lesern ein gewisses elitäres Denken vorherrschend zu sein, das tatsächlich macht, dass man 'seinen' Proust zu Hause hat und nicht in der Bibliothek ausleiht. (Macht schon gewichtsmässig Sinn: Wer schleppt schon gern ein Dutzend Bücher von der Bibliothek nach Hause und wieder zurück?)


    Was die Antiquariate betrifft, Herr Enderlin: Die Eingabe von 'Marcel Proust Zeit' in der Suchmaske von http://www.zvab.com hat mir vorhin 174 Resultate geliefert; unter den ersten 20 waren 5 Gesamtausgaben, neue und ältere. Ich habe mir meine Ausgabe auch bei einem Antiquariat besorgt, problemlos. Witzigerweise hat mein Vorbesitzer offenbar die Lust an der Lektüre verloren; der letzte Band (Le temps retrouvé) war noch nicht einmal aufgeschnitten...


    @Kracher
    Deine Anfrage ist wohl zu allgemein, als dass wir Dir helfen könnten. Abgesehen davon, dass wohl keiner hier im Forum bereit wäre, Dir die Arbeit abzunehmen, versuch's doch einmal auf die gute alte Art: Wende dich an den Bibliothekar oder die Bibliothekarin Deines Vertrauens, schildere ihm / ihr Dein Problem - er / sie wird Dir weiterführende Literatur angeben können. Lesen und verarbeiten musst Du die allerdings immer noch selber...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • lieber sandhofer,


    eine zugegeben späte Reaktion auf deinen Post v.24.8.03: aber im Hinblick auf künftige Proust-Leser möchte ich Dir doch in einem Punkt widersprechen - so ganz leicht zu lesen ist Proust, finde ich, nicht.
    Seine Neigung zu endlos anmutenden Schachtelsätzen zwingt den Leser oft, zum Satzanfang zurückzukehren, um den Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Dann gelegentlich seine extreme Detailbesessenheit bei Themen, die vielleicht nicht jeden interessieren: mögen dazu führen, daß man das Werk vorzeitig beiseite legt.


    Was schade wäre: denn ansonsten hast Du recht - ein wichtiges Buch - an anderer Stelle hab' ich es schon gesagt: vielleicht eines der Bücher, das man auf die einsame Insel mitnehmen sollte, denn eigentlich schreibt Proust über alles, was einem im Leben überhaupt begegnen kann. Jede denkbare Erfahrung, jedes Gefühl ... und alles in einer wunderbar-präzisen Sprache. "Auf der Suche nach der verlorenen Welt" beinhaltet, wie ich finde, den ganzen Kosmos unseres Lebens.

    Er selbst kam sich nicht wirklich vor, wie er da, über die Wirklichkeit träumend, durch sie hindurchging
    <br />
    <br />Zitat aus &quot;Hardenberg. Eine Novelle&quot; von Jürg Amann

  • Hallo Knightley


    "Knightley" schrieb:

    aber im Hinblick auf künftige Proust-Leser möchte ich Dir doch in einem Punkt widersprechen - so ganz leicht zu lesen ist Proust, finde ich, nicht.
    Seine Neigung zu endlos anmutenden Schachtelsätzen zwingt den Leser oft, zum Satzanfang zurückzukehren, um den Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren.


    Persönlich fand ich ihn nun nicht schlimmer als die beiden Mann, Musil, oder wer immer etwa gleichzietig mit ihm geschrieben hat. Allerdings las ich ihn auf Französisch, wo eine Verschachtelung anders funktioniert und deshalb vielleicht leichter zu 'verdauen' ist.


    Zitat

    Dann gelegentlich seine extreme Detailbesessenheit bei Themen, die vielleicht nicht jeden interessieren: mögen dazu führen, daß man das Werk vorzeitig beiseite legt.


    Nun, an der Krankheit leide ich auch. Von daher fasziniert mich gerade diese Detailbesessenheit bei Proust.


    Zitat

    Was schade wäre: denn ansonsten hast Du recht - ein wichtiges Buch - an anderer Stelle hab' ich es schon gesagt: vielleicht eines der Bücher, das man auf die einsame Insel mitnehmen sollte, denn eigentlich schreibt Proust über alles, was einem im Leben überhaupt begegnen kann. Jede denkbare Erfahrung, jedes Gefühl ... und alles in einer wunderbar-präzisen Sprache. "Auf der Suche nach der verlorenen Welt" beinhaltet, wie ich finde, den ganzen Kosmos unseres Lebens.


    Da sind wir also einer Meinung. Übrigens könnte ich als einführende Lektüre Prousts "Freuden und Tage" (= "Les plaisirs et les jours") empfehlen.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • hallo sandhofer,


    na klar stimmen wir bei Proust überein.


    Auch jene Kriterien, die ich als womöglich hinderlich für eine Rezeption dieses Werkes genannt habe: mich haben sie nicht gestört - Lesen darf ruhig auch mal "Arbeit" sein.
    War also eher ein Appell an künftige Leser, deshalb die Lektüre nicht aufzugeben, denn man wird durch das gesamte Werk als Leser eigentlich nur beschenkt!


    Beneide Dich allerdings, daß Du dieses Werk hast in der Sprache des Originals hast lesen können.


    Herzliche Grüße
    Knightley

    Er selbst kam sich nicht wirklich vor, wie er da, über die Wirklichkeit träumend, durch sie hindurchging
    <br />
    <br />Zitat aus &quot;Hardenberg. Eine Novelle&quot; von Jürg Amann

  • Zitat

    Persönlich fand ich ihn nun nicht schlimmer als die beiden Mann, Musil, oder wer immer etwa gleichzietig mit ihm geschrieben hat.


    sehe ich auch so


    habe begonnen mit dem ersten teil - bin sehr zufrieden


    im grossen und ganzen würde ich sogar sagen dass ich proust lieber als thomas mann lese


    das mag aber ein rein subjektiver eindruck sein (ist schon länger her dass ich mich durch die letzten 300 seiten des zauberbergs, welche ich als lediglich "reingestopft" sehe quälte)


    lg enderlin :frieren:

    mein lieblingsbuch deutscher sprache: mein name sei gantenbein
    <br />mein nicht deutsches lieblingsbuch: der englische patient


  • Hallo Alpha!


    Ich habe Dein Posting hinten an den schon bestehenden Thread zu Proust 'geklebt'. Leider weiss ich nicht, wie ich die Beiträge anders zusammenschweissen könnte. Soviel ich weiss, kann diese Version des phpBB das (noch) nicht.


    Nix für Ungut!


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus