• Hallo zusammen,


    Vierundvierzig Tage reist Siegfried Lenz im Jahre 1962 durch die USA. Sein Amerikanisches Tagebuch 1962 berichtet darüber:


    Amerikanisches Tagebuch 1962

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    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • es gibt eine Neuverfilmung:


    Arnes Nachlass


    mit Jan Fedder
    Erstausstrahlung ARD // 13.11.2013 // 20.15 Uhr

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Siegfried Lenz, der im März seinen 88. Geburtstag feierte, hat seine Unterlagen dem Deutschen Literaturarchiv im Marbach übergeben.


    Ja, sehr schön - ein weiterer "Schatz" in Marbach. :klatschen:
    Das verspricht für die Zukunft auch die eine oder andere Sonderausstellung im LiMo.


    Gruß, Gina

  • Er glaubt also an seine historische Bedeutung. Wenn das mal keine Selbstüberschätzung ist ...


    Ob er selbst daran glaubt? Kann ich nicht beurteilen. Für Deutschland jedoch ist er eine Stimme voller Wärme, Verstehen, Versöhnen gewesen, und das nach einem traumatischen Krieg, das hat imho durchaus historische Bedeutung. Ich kann mich noch an die Worte Amos Oz erinnern, daß ihn die Deutschstunde erst den Mut gab Deutschland einen Besuch abzustatten...

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ich denke, Siegfried Lenz hatte historisch wirklich eine wichtige Bedeutung. Bei dem, was ich zuletzt von ihm gelesen habe, hatte ich aber schwer den Eindruck, dass die Zeit über ihn hinweggegangen ist. Ich meine, er hat heutigen Leserinnen und Lesern - vor allem den eher jüngeren - nicht mehr viel zu sagen. Ich erinnere mich daran, wie irritiert ich war, als in einem seiner jüngeren Romane ein ICE durch die Szene fuhr. Bis dahin hatte ich intuitiv angenommen, das Buch spiele in den fünfziger oder sechziger Jahren... :schreck:


  • Siegfried Lenz ist tot ... R.I.P


    Schriftsteller haben den Vorteil, dass sie eine Chance haben nicht zu sterben. "Deutschstunde" und "Heimatmuseum" liest man vielleicht in 50 Jahren so, wie wir heute Romane aus dem frühen 20. Jahrhundert lessen. Sie sind letztlich exemplarische Geschichten über historische Situationen, Stechline und Zauberberge.

  • Schriftsteller haben den Vorteil, dass sie eine Chance haben nicht zu sterben. "Deutschstunde" und "Heimatmuseum" liest man vielleicht in 50 Jahren so, wie wir heute Romane aus dem frühen 20. Jahrhundert lessen. Sie sind letztlich exemplarische Geschichten über historische Situationen, Stechline und Zauberberge.


    Das ist ein schöner Gedanke, Lost.
    Ich fühle tiefere Traurigkeit als ich es erwartet hatte. Bewundernswert wie er seine Hinterlassenschaft geregelte hat.


    Ruhe in Frieden!

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Schriftsteller haben den Vorteil, dass sie eine Chance haben nicht zu sterben.


    Lies mal Arno Schmidts "Tina oder über die Unsterblichkeit" - da wird dieser Gedanke durchgespielt: Jeder Mensch, dessen Name gedruckt ist, kommt ins Elysium. Und ist dazu verdammt, dort so lange zu bleiben, solange sein Name nicht komplett verschwunden sind. Unsterblichkeit wird da rasch zum Fluch ;-).

  • Schriftsteller haben den Vorteil, dass sie eine Chance haben nicht zu sterben. "Deutschstunde" und "Heimatmuseum" liest man vielleicht in 50 Jahren so, wie wir heute Romane aus dem frühen 20. Jahrhundert lessen. Sie sind letztlich exemplarische Geschichten über historische Situationen, Stechline und Zauberberge.


    Hm, da habe ich meine Zweifel. So sehr ich die Leistung von S. Lenz für seine Zeit und die Leser seinerzeit schätze, so denke ich doch, dass sich erst noch erweisen muss, ob seine Romane die Größe haben, wirklich zu den bleibenden Werken zu gehören. Jüngeres, das ich von ihm las, schien mir schon etwas 'aus der Zeit gefallen'. Will sagen: Ich wähnte mich in einem Roman der fünfziger oder sechziger Jahre und war dann verwirrt, als ein ICE durchs Bild fuhr. Augenreibend stellte ich fest, dass die Handlung des Buches weitaus später spielte, als ich angenommen hatte. Will sagen: Gegenwärtig erscheint mir Siegfried Lenz ein wenig aus der Mode gekommen. Ob er nochmal wiederentdeckt werden wird, muss sich zeigen. Sein Tod ist allerdings ein Anlass, mal wieder in einen seiner Romane hineinzuschauen und zu überprüfen, ob das Urteil noch standhält.


    R. I. P.

  • Programmänderung zum Tod von Siegfried Lenz:


    http://www.presseportal.de/pm/…um-tod-von-siegfried-lenz



    22.55 Uhr
    Erzähler der alten Schule (NDR)
    Film von Thorsten Mack


    Morgen, am 8. Oktober um 20.15 Uhr zeigt Das Erste den Film "Das Feuerschiff" - eine Romanverfilmung nach Siegfried Lenz aus dem Jahr 2008 mit Jan Fedder in der Hauptrolle.

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hm, da habe ich meine Zweifel. So sehr ich die Leistung von S. Lenz für seine Zeit und die Leser seinerzeit schätze, so denke ich doch, dass sich erst noch erweisen muss, ob seine Romane die Größe haben, wirklich zu den bleibenden Werken zu gehören...
    R. I. P.


    Letztlich ist es Spekulation, wenn wir über die fernere Zukunft nachdenken, deshalb kann ich schlecht widersprechen. Die Romane von Lenz eignen sich jedoch gut für gewöhnlichen Leser, für den intellektuellen Pöbel sozusagen und weniger für die literarisch Gebildeten, die oft mehr auf Form als auf Inhalt achten. Außerdem erleben wir auch heutzutage die Wiederentdeckung von verschollenen Werken, selbst Fontane war zeitweise außer Mode und der Geist von Kafka musste erst über den Atlantik segeln um runderneuert auf seinen Heimatkontinent zurück zu kommen. Allerdings frage ich mich auch, was außer Krimis, Fantasie und erotischen Werken noch an ernsthaften und tiefgründigeren Texten populär ist. Die Verkaufszahlen betrachte ich kritisch, und die Kritiker wenden sich aus meiner Sicht an kleine Minderheiten.
    Es mag aber sein, dass sich eine moderne Gesellschaft aus Lesekundigen auch als Menge von Minderheiten beschreiben lässt. Irgendwie kommt es mir tatsächlich so vor, als gäbe es keine Mehrheit mehr, wenn es um Kulturfragen geht.

  • Letztlich ist es Spekulation, wenn wir über die fernere Zukunft nachdenken, deshalb kann ich schlecht widersprechen. Die Romane von Lenz eignen sich jedoch gut für gewöhnlichen Leser, für den intellektuellen Pöbel sozusagen und weniger für die literarisch Gebildeten, die oft mehr auf Form als auf Inhalt achten. Außerdem erleben wir auch heutzutage die Wiederentdeckung von verschollenen Werken, selbst Fontane war zeitweise außer Mode und der Geist von Kafka musste erst über den Atlantik segeln um runderneuert auf seinen Heimatkontinent zurück zu kommen.


    Ja, solche Beispiele gingen mir auch durch den Kopf. Wahrscheinlich kann eine direkt nachfolgende Generation am schlechstesten einschätzen, die der bleibende Wert eines literarischen Werkes einzuschätzen ist. Für uns sind die Themen der Eltern meist einfach nicht unsere Themen. Ob es dann bei den Enkeln und Urenkeln wiederkommt und bleibt, ist schlecht abzuschätzen. Vom 'intellektuellen Pöbel' würde ich nicht sprechen. Aber ich frage mich schon auch, ob es so Phänomene wie Stefan Zweig oder meinetwegen Siegfried Lenz und Heinrich Böll überhaupt noch geben kann. In den fünfziger und sechziger Jahren konnte man davon ausgehen, dass durchschnittlich gebildete Menschen bestimmte Bücher kannten und Namen zur Kenntnis genommen haben. Das ist heute m. E. nicht mehr unbedingt so. Das Bildungsspektrum hat sich sehr viel mehr aufgefächert. Jeder kennt zwar bestimmte amerikanische Fernsehserien oder Filme und Popgruppen, aber ob es noch Bücher und Autoren jenseits von Harry Potter gibt, die wirklich jeder kennt, ist doch eher fraglich. Literatur als Kernbereich kultureller Kompetenz ist wohl eine Sache der Welt von Gestern (um bei Zweig zu bleiben).


    Zitat

    Allerdings frage ich mich auch, was außer Krimis, Fantasie und erotischen Werken noch an ernsthaften und tiefgründigeren Texten populär ist.


    Was da alles über den Tisch geht. Die Krimi-Ecke finde ich meist langweilig, weil ich den Eindruck habe, dass da nur noch das Immergleiche unter neuem Cover verlegt wird. Was mich aber amüsiert, sind die in fast jeder größeren Buchhandlung jetzt prall gefüllten Tische mit Rammelprosa a la '50 Shades of Grey'. Wer bitte kauft denn sowas? Ich meine, wenn ich Sex will, finde ich doch im Netz schnellere Angebote und muss mich nicht durch hunderte von Seiten schlechter Prosa quälen??

  • Ja, solche Beispiele gingen mir auch durch den Kopf. Wahrscheinlich kann eine direkt nachfolgende Generation am schlechstesten einschätzen, die der bleibende Wert eines literarischen Werkes einzuschätzen ist. Für uns sind die Themen der Eltern meist einfach nicht unsere Themen. Ob es dann bei den Enkeln und Urenkeln wiederkommt und bleibt, ist schlecht abzuschätzen. Vom 'intellektuellen Pöbel' würde ich nicht sprechen. ...


    Nimm den "Pöbel" als Selbstironie; ich rechne mich dazu.

  • Hm, da habe ich meine Zweifel. So sehr ich die Leistung von S. Lenz für seine Zeit und die Leser seinerzeit schätze, so denke ich doch, dass sich erst noch erweisen muss, ob seine Romane die Größe haben, wirklich zu den bleibenden Werken zu gehören. Jüngeres, das ich von ihm las, schien mir schon etwas 'aus der Zeit gefallen'. Will sagen: Ich wähnte mich in einem Roman der fünfziger oder sechziger Jahre und war dann verwirrt, als ein ICE durchs Bild fuhr. Augenreibend stellte ich fest, dass die Handlung des Buches weitaus später spielte, als ich angenommen hatte. Will sagen: Gegenwärtig erscheint mir Siegfried Lenz ein wenig aus der Mode gekommen. Ob er nochmal wiederentdeckt werden wird, muss sich zeigen. Sein Tod ist allerdings ein Anlass, mal wieder in einen seiner Romane hineinzuschauen und zu überprüfen, ob das Urteil noch standhält.


    Was du über seine späteren Werke sagst, dem kann ich nur zustimmen. "Arnes Nachlass" und "Schweigeminute" habe ich gelesen und beide sind wie aus der Welt gefallen und haben mit der Zeit, in der sie spielen, wenig zu tun. Aber die frühen und mittleren großen Romane, als da wären "Deutschstunde", "Das Vorbild" und "Heimatmuseum" sowie viele der Erzählungen haben durchaus eine Chance zu überleben, zumindest in unserem Kulturkreis.


    Was du a.a.O. über die spätere Kenntnis von zentralen Werken unserer Zeit sagst, scheint mir auch stimmig: Niemals zuvor mussten sich die Menschen mit soviel Neuem auseinandersetzen und allein schon auf literarischem Gebiet Orientierung suchen. Man denke nur an Long- und Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Dennoch glaube ich, dass sich einige literarische Werke - insbesondere Romane - als stilvolle Zeitzeugen bewähren werden, insbesondere wenn sie besondere und problamatische Ereignisse unserer Geschichte abhandeln.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich laß von ihm bisher "Arnes Nachlass" und fand das ganze sehr antiquiert, eben aus der
    Zeit gefallen. Auch bin ich mir bis heute nicht ganz im Klaren, ob seine ruhige Erzähl-
    weise was für mich ist. Ich werde es mal mit seinen älteren Werken versuchen.


    Gruß, Lauterbach

  • Kann es evtl. sein, daß Euch momentan etwas der "Kritikgaul" durchgeht, so nach dem Motto, " wenn Lenz schon gelobt und sein Verlust betrauert wird", so muß das mal gerade gerückt werden?" :zwinker:


    Ich schätze sein Werk, möchte die "Deutschstunde" und das "Heimatmuseum" in der deutschen Nachkriegsliteratur nicht missen.
    Und wenn man sich noch an Kurzgeschichten positiv erinnert, die man als Schullektüre lesen mußte, so ist das auch kein schlechtes Zeichen.


    Und seine ruhige, zurückhaltende Haltung im Literaturzirkus ist sicherlich auch positiv einzuschätzen! Das empfand ich angenehmer als die Grassche Aufgeregtheit und Meinungshoheit.


    gruß
    josmar