Beiträge von JHNewman

    Ich habe über die Leipziger Buchmesse gelesen, dass es dort regelmäßig eine "Manga-Halle" gibt mit asiatischen Ausstellern, die auch jedes Mal sehr voll sein soll.

    Keine Ahnung, ob das stimmt, aber wenn ja, ist das sicher auch ein Gesichtspunkt.

    Ja, stimmt. Ist das nicht als 'Manga Comic-Con' oder so sogar eine eigene Messe in der Messe?
    Das hatte ich nicht auf dem Schirm, weil ich diese Halle nicht besucht habe...

    Bei sehr großen Messen mit vielen Ausstellern aus Übersee kann ich das eher nachvollziehen. Denn viele dieser Aussteller (und Besucher) sagen Messen derzeit ab. Von der Londoner Buchmesse liest man, dass viele amerikanische Verlage und Besucher aus Ostasien wohl abgesagt haben - also wurde die komplette Messe schließlich abgeblasen.


    Für Leipzig sah ich dieses Problem kaum. Es ist - vom Publikum und von den Ausstellern her - eine deutsche und mittel/osteuropäische Messe. Und in Sachsen gab es bisher wenige Corona-Fälle. Daher hatte ich gehofft, die Messe könne stattfinden.


    Der Preis der Leipziger Buchmesse soll nächste Woche trotzdem irgendwie vergeben werden.

    Schade. Aber isist wohl vernünftiger so ?(

    Ich bin mit der Entscheidung nicht zufrieden und halte sie auch für falsch. Dieses Coronavirus wird unglaubhlich hochgespielt. Aber nachdem die Behörden der Buchmesse hohe Auflagen gemacht haben, hatten die Verantwortlichen keine andere Wahl mehr.


    Die Buchmesse wäre dringend nötig gewesen, besonders in dieser schlimmen Zeit. Ein Forum, ein Ort, an dem sich intelligente Menschen über vier Tage lang austauschen, an dem Literatur eine Stimme bekommt und wichtige Zeitfragen besprochen werden, wird dringend gebraucht. All das findet jetzt nicht statt. So sehr viele Einzelne sich auch bemühen und so gut viele Buchhandlungen vor Ort auch arbeiten: das können sie niemals auffangen. Und das wird auch nirgendwo nachgeholt. Deshalb finde ich die Absage wirklcih tragisch.

    In den Roman "Power" habe ich in der letzten Woche einmal im Buchladen reingeschaut. Eine Rezension dazu habe ich auch gelesen. Das Buch ist nichts für mich. Der Stil hat mich nicht angesprochen, die Handlung finde ich auch nicht wirklich interessant. Das lasse ich also einmal liegen.


    Gelesen habe ich letzte Woche den Roman von Ingo Schulze. Erzählt wird die Geschichte eines Dresdner Buchhändlers und Antiquars, der sich zu Zeiten der DDR in seine eigene verschrobene und irgendwie abgeschottete Welt zurückzieht, mit der Wende aber unter die Räder des Kapitalismus gerät und zu einer mehr oder weniger verkrachten Existenz wird. Auf den ersten 150 Seiten fand ich das ganz unterhaltlich und fröhlich erzählt, als Leser wird man da auch entsprechend angefüttert mit Verweisen auf klassische Literatur und entsprechender bibliomanischer Atmosphäre. Dann aber gewinnt das Buch enorm an Fahrt, als die Hauptfigur und sein Sohn zu Verdächtigen von rechtsradikal motivierten Straftaten werden. Die Perspektive des Roman wechselt - und nun wird die Geschichte noch aus der Sicht von anderen Personen erzählt. Und plötzlich fächert sich die Handlung viel weiter auf, es kommen neue Perspektiven hinzu, es kommen neue Details ans Licht. Die ganze Problematik der Wende, der Anpassungsdruck, die unterschiedlichen Strategien, sich auf das Neue einzustellen, werden diskutiert. Das fand ich hochspannend und auch hochbrisant. Eine der wichtigen Figuren ist ein Ilja Gräbendorf, der sich als Schriftsteller einen Namen macht und sich - aus Sicht der Dresdner - dem Westen und seinen Medien andient und damit Erfolg hat (ich habe mich gefragt, ob damit Durs Grünbein gemeint sein könnte?). Eine weitere Figur ist der Schriftsteller "Schultze", dessen Biographie auch Parallelen zum Autor aufweist, und der sich an die literarische Aufarbeitung des Schicksals der Hauptfigur macht.


    Das Buch ist raffiniert konstruiert und durch seine politische und gesellschaftliche Brisanz wirklich ein Roman zur Zeit. Aus meiner Sicht hätte der das Potenzial, ähnlich breit diskutiert zu werden wie Monika Marons "Munin". Er stellt unbequeme Fragen, ohne platte Antworten zu geben. Ich bin sehr auf die Diskussionen in Leipzig gespannt!


    Jetzt bin ich bei der Lektüre von Lutz Seilers Roman "Stern 111". Auch hier wird die Geschichte der Wende erzählt, aber in einer wirklich seltsamen Konstellation: Die Eltern des 26jährigen Carl Bischoff aus Gera fliehen sofort nach dem Mauerfall in den Westen, Carl bleibt zurück, zunächst in Gera, später in Berlin, wo er sich als werdender Dichter einer halbanarchischen Gruppe von Hausbesetzern anschließt. Wie schon in "Kruso" erzählt der Autor bildreich, sinnlich, poetisch und witzig. Das hat eine solche Klasse, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass er den Preis dafür nicht bekommt.

    Ich habe einmal ein Buch von Mercier gelesen (lesen müssen...) für unseren Lesekreis: Der Klavierstimmer. Das Buch war so entsetzlich schlecht und albern, dass ich es hinterher meinem damals kleinen Neffen zum Zerfetzen vorgeworfen habe... :-)


    Später habe ich einmal ein Buch von Peter Bieri in die Hände bekommen und auch nicht gemocht. Erst beim Lesen ging mir allerdings auf, dass Peter Bieri und Pascal Mercier die gleiche Person ist.


    Um diesen Autor mache ich seither einen großen Bogen.

    Erzählungen und Novellen von Stefan Andres.

    Nachdem ich es vor einigen Jahren mal erfolglos mit seinem "Knaben im Brunnen" versucht habe, nun ein zweiter - deutlich glücklicherer - Versuch.

    Der Autor wurde seinerzeit viel gelesen, ich bin auf ihn in einer Literatursendung vom HR (Literatur im Kreuzverhör) aufmerksam geworden.

    Es gibt in seinem Werk eine starke Verwurzelung in der moselländischen Landschaft und ihren Menschen. Für mich gewissermaßen ein unbekanntes literarisches Terrain...

    Ich habe mich gleich an die letzte Woche erschienenen Himmerlandsgeschichten von Jensen gemacht, den Folgeband der Erzählungssammlung "Himmerlandsvolk".


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    Nun kann ja ein Buch, das damit beginnt, wie die alte Schmiede-Kirsten beim Wurststopfen anlässlich des Weihnachtsschlachtens davon erzählt, was der jungen Martine einst in der Johannisnacht auf der Heide widerfuhr, nicht ganz schlecht sein... Und in der Tat sind das wieder so hinreißende, witzige, berührende und teilweise auch sehr traurig-bewegende Geschichten von den Menschen aus dem Himmerland, mit so viel Zuneigung erzählt, aber auch mit Humor und ohne jegliche verklärende Weichzeichnerei. Ach, man möchte, dass es nie aufhört...

    :klatschen: Jetzt freue ich mich noch mehr auf das Buch, ich habe es mir nämlich gestern bestellt!


    Ich habe mir die Erzählungen unter dem früheren Titel "Himmerlandsgeschichten" vor gut zwei Jahren notiert mit dem Gedanken, mir das Buch irgendwann antiquarisch zu besorgen. Vor ein paar Wochen habe ich danach geschaut und entdeckt, dass es im Guggolz Verlag erscheint. Klasse!

    Hallo Gina,


    offenbar gibt es tatsächlich einen weiteren Band mit Geschichten unter dem Titel 'Himmerlandsgeschichten', der nicht mit dem 'Himmerlandsvolk' identisch ist. Denn die Geschichten sind gerade mit genau diesem Titel erschienen:


    http://www.guggolz-verlag.de/himmerlandsgeschichten


    Das zweite Buch von Guggolz in diesem Frühjahr ist eine Übersetzung aus dem Lettischen:

    http://www.guggolz-verlag.de/straumeni


    Beide Bücher sind heute bei mir eingetroffen und ich freue mich schon auf die Lektüre!
    Mit jetzt 26 Titeln füllen die Bücher vom Guggolz-Verlag nun genau ein Regalfach im Billy. :-)

    Heute wurden die Nominierten bekanntgegeben:


    https://www.preis-der-leipzige…minierungen/Belletristik/


    Im Bereich Belletristik sind dabei zwei "Schwergewichte" - mit Lutz Seiler und Ingo Schulze wird das gewissermaßen ein 'Kampf der Titanen'...


    Ingo Schulze hat den Preis bereits 2007 einmal gewonnen für seinen Band "Handy".
    Lutz Seiler hingegen gewann 2014 den Deutschen Buchpreis für den Roman "Kruso".


    Auf die beiden neuen Romane dieser Autoren bin ich gespannt wie ein Flitzebogen.

    Leider ist noch keiner der Romane der Nominierten bisher erschienen. Lediglich der wohl eher ins Genre der Lyrik gehörende Band von Maren Kames (Luna Luna) ist bereits lieferbar, aber der interessiert mich eher weniger.


    Erfreulich ist auch, dass in der Kategorie Übersetzung die Neuübersetzung von George Eliots "Middlemarch" bei Rowohlt nominiert wurde, ebenso eine Übersetzung von Texten Charles' Baudelaires.

    Ich lese gerade ebenfalls ein sehr schmales Bändchen, das schon ziemlich lange bei mir liegt und wartet gelesen zu werden: "Verdrehte Zeit" von Wlodzimieres Odojewski. Der Protagonist, ein Bibliotheksangestellter aus Warschau, wird auf traumwandlerische Art mit großen, verdrängten Schuldgefühlen die ihn seit seiner Zeit im Warschauer Widerstand belasten konfrontiert. Bin ca. bei der Hälfte und bisher ist alles recht nebulös, nicht uninteressant aber schon sehr verworren.


    "Unrast" oder "Der Gesang der Fledermäuse" von Olga Tocarczuk stehen bei ir auch noch auf der inneren Leseliste, weiß noch nicht welche ich davon anpacke. Die Autorin interessiert mich auf jeden Fall auch.

    Das Buch von Wlodzimierz Odojewski habe ich seinerzeit auch gelesen. Es ist mir als sehr intensives, aber auch rätselhaftes Buch in Erinnerung. Bis zum Schluss war mir nicht recht klar, ob es sich um reale Begebenheiten handelte oder nur um eine Phantasie des Erzählers? Trotzdem habe ich das Buch in guter Erinnerung.


    Zu Olga Tokarczuk: Der Gesang der Fledermäuse ist so eine Art Ökokrimi, das liest sich leichter als "Unrast", wobei ich trotzdem "Unrast" für das wesentlich bedeutendere (und auch bessere Buch) halte.

    Gerade für unseren Lesekreis nach der Erstlektüre von 2009 noch einmal gelesen:


    Olga Tokarczuk, Unrast.


    Auch bei der Zweitlektüre hat mir dieses Buch ungeheuer gut gefallen. Zusammenfassen kann man es nicht, da es viele Erzählstränge enthält. Obwohl die Autorin auf 450 Seiten viele Themen streift, viele Beobachtungen schildert und auch einige längere Erzählungen einfügt, kann ich sagen: ich habe mich keine Seite lang gelangweilt. Und die vielen Querbezüge auf andere Klassiker (Moby Dick, die Odysse etc.) machen das Buch auch zu einer schönen Entdeckungsreise.

    Alexander Granach "Da geht ein Mensch", autobiographischer Roman.


    Gruß, Lauterbach

    Oh, das Buch hat eine der schönsten Eingangssequenzen aller Zeiten! Diese erste Seite über Galizien ist ein Traum. Leider hat es für mich diese Qualität nicht durchgehalten. Die späteren Erlebnisse des Schauspielers Granach haben mich weniger gefesselt.

    Ich finde an Leipzig vieles toll:


    Es ist eine junge Stadt mit vielen Studenten, aber auch mit Tradition.

    Es gibt viel Kultur und Geschichte, aber es ist nicht museal (wie Dresden).

    Die Menschen sind ausgesprochen freundlich (verglichen mit Berlin oder Schwaben)

    Es gibt viel alte Bausubstanz, ohne dass es geleckt oder überteuert wäre.

    Die Stadt strotzt von deutscher Kultur (Bach, Goethe, Mendelssohn, Verlage...), ist aber zugleich weltoffen.

    Die Kneipenszene ist sensationell.

    Die jährliche Buchmesse.


    Einziger Minuspunkt: es fehlt ein schönes Umland. Da muss man einige Zeit fahren, bis man im Saaletal oder im Harz ist...

    Leipzig ist eine tolle Stadt, habe ich mir sagen lassen. :-)

    Obwohl, in letzter Zeit gewann mein Bewegungsdrang und ich erkundete sie wieder selbst.

    Wenn ich heute eine Großstadt in Deutschland zum Leben auswählen müsste, wäre Leipzig ganz oben auf der Liste... zusammen mit Hamburg.
    Umso erstaunter war ich, als ich einem Ranking der hässlichsten deutschen Städte auch Leipzig entdeckt habe. Da war offenbar jemand noch nie da...

    Danke, finsbury! In die Leserunde schaue ich mal rein.


    Osterkamp beschreibt es so: Keller hat Gutzkow bewundert und geachtet, wenn auch nicht persönlich (er bezeichnete ihn mal als "Ratte"), dafür umso mehr literarisch. Osterkamp stellt auch die These auf, dass Keller sich in Abgrenzung zu Gutzkow nicht an großstädtische und zeitlich aktuelle Themen wagte, sondern sich bewusst in ein anderes Milieu begab, um nicht mit Gutzkow konkurrieren zu müssen. Der Markt war einfach schon besetzt... Und als er dann später mit Martin Salander doch einmal einen Vorstoß wagte, ging das schief.


    In der Tat (so Osterkamp) ist ja bemerkenswert, dass Keller trotz eines mehrjährigen Aufenthalts in Berlin in literarischer Hinsicht kein Verhältnis zu dieser Stadt gewonnen hat.

    In der Sinn & Form 6/2019 gibt es einen sehr schönen Essay von Ernst Osterkamp zu "Gottfried Kellers Berlin". Der Autor räumt darin mit einigen Vorstellungen über Kellers Zeit in Berlin auf und spricht vom Berlin der Jahre 1850-1855 als Hauptstadt der Schweizer Literatur - nicht nur wegen Kellers Aufenthalt in der Stadt, in der wesentliche Teile seines Werks entstanden, sondern auch wegen der dort grassierenden Gotthelf-Verehrung. Keller setzt er in diesem Aufsatz vor allem auch in Beziehung zu Karl Gutzkow (von dem ich nichts kenne, was sich aber ändern sollte).


    Sehr lesenswert und auch mit feinem Humor geschrieben.