Was lest ihr gerade?

  • Vielleicht können wir uns später noch einmal gemeinsam daran wagen, aber auch für mich steht in der nächsten Zeit anderes auf dem Plan.

    Wir haben ja erstmal den Laxness gemeinsam vor.
    Ich habe "Die Kinder der Finsternis" gar nicht mehr, würde es mir aber neu besorgen. Vielleicht wäre ein gemeinsames Lesen gegen den nächsten Herbst hin möglich. Behalten wir es mal im Hinterkopf.

  • Für so dringend halte ich es auch nicht. Kann man auch in das übernächste Jahr schieben. Dann habe ich ja sowieso - wie ich schon mehrfach erwähnte - mehr Muße auch für gehaltvolle und partiell anstrengende Lektüre. Auf den Laxness freue ich mich. Ist immer wie eine Reise in den hohen Norden, wobei wir hier, wie ich in der Inhaltsangabe las, auch nach Dänemark und die USA mitgenommen werden.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • "Jakob, der Lügner" von Jurek Becker, hab ich schon ewig. Nun ist es an der Reihe und ist eine echte Entdeckung. Jakob lebt in einem Ghetto unter deutscher Besatzung. Durch Zufall bekommt er mit, dass die Rote Armee und damit die Befreiung näher rückt. Da man ihm nicht glauben will, was er erfahren hat, erfindet er, dass er ein -strengstens verbotenes - Radio besäße. Diese Lüge hat viele andere zur Folge ... .

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich lese derzeit ein Sachbuch. Adam Higgingbotham - Mitternacht in Tschernobyl


    Was geschah im Inneren des Kraftwerkes am 26. April 1986 als der Reaktor 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl explodierte? Dieser Frage geht der Autor nach und hat dabei unzählige Interviews über 10 Jahre geführt und Dokumente gesichtet die bisher verschlossen waren.


    Eigentlich wollte ich nur schnell mal reinlesen. Bei Amazon steht: spannend geschrieben wie ein Thriller. Und dem ist wirklich so. Ich bin gleich mal hängen geblieben. In den ersten beiden Kapiteln beschreibt der Autor die Geschichte der Kernkraftwerke. Wie man die Spaltung entdeckt hat und welche Katastrophen schon passiert sind, ohne dass die Menschen es wussten.


    Und dann befinden wir uns am Vorabend der Katastrophe, als der Testlauf in Tschernobyl beginnt. Und obwohl man weiß wie es ausgeht, denkt man ständig: wieso macht ihr das? Tut was anderes. Vertuschung und Lügen haben zu dem Ergebnis geführt, denn die Arbeiter im Kernkraftwerk wussten nicht einmal dass so eine Katastrophe passieren kann. Das wurde ihnen einfach nicht gesagt. Denn sonst hätte man Konstruktionsfehler zugeben müssen und das Werk wäre nicht so schnell gebaut worden. Außerdem wollte man Geld sparen.


    Aus heutiger Sicht sitzt man sprachlos da und schüttelt den Kopf. Wäre es nicht tatsächlich passiert, würde man es nicht glauben. Und jedes Buch dass so eine Verkettung von Zufällen, Lügen und Intrigen beschreibt, würde man genervt in die Ecke schmettern. Denn so viel Blödsinn kann gar nicht passieren. Ist es aber leider.


    Der Reaktor ist gerade übrigens explodiert. Der erste Mensch mittlerweile tot. Viele weitere werden folgen. Gerade rückt die Feuerwehr an.

  • Flaubert, Memoiren eines Irren. Übersetzung von Elisabeth Edl.


    Hatte ich schon mal gelesen. In dieser

    https://d-nb.info/456627790

    Ausgabe.

    Hätte gerne, dass Frau Edl "November" auch übersetzt. Und "Salammbô".


    Dazu, weiß ich noch nicht.

    Ich hatte mir vor längerer Zeit die "Schriften zur Literatur" von Sartre gekauft. Taschenbuchkassette, 1986 (oder 2004 ?).

    Übrigens, erstens, bezeichnenderweise für wenig Geld und, zweitens, offensichtlich ungelesen.

    Werde mich eventuell an "Der Idiot der Familie" versuchen.

    Seinerzeit, bei Ersterscheinen, hatten das für mich sehr jungen Mann so eine mythische Aura. Rowohlt, das neue buch, und unglaublich teuer. 32.00 Deutschmark pro Band.


    Frohes Neues Jahr!

    Leibgeber

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • Vielleicht kann mir jemand von den Literaturkennern hier erklären, was das Wort "Schibeloth" bedeutet? Ich bin bei der Doktor Faustus-Lektüre darauf gestoßen. Blöderweise habe ich mir die Stelle nicht markiert und finde sie jetzt nicht wieder. Es war irgendwo in der Mitte, vielleicht im Zusammenhang mit Leverkühns "Reisen". Googeln half leider nicht weiter ...

  • Zefira

    Ich kenne das Wort Schibbolet/Shibbolet aus anderem Kontext (im Zusammenhang mit Single Sign On, ein Login-Verfahren z.B. für Hochschulen, Bibliotheken). Vielleicht meintest Du ja dieses Wort?

    Die Herkunft wird hier erklärt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Schibboleth


    Edit: Im Internet Archive findet sich der Volltext in englischer Sprache. In Kapitel 17, Seite 147 ist dieser Satz zu lesen: "(...)I will not speak of Christian inhibitions nor yet apply the shibboleth “Kaisersaschern,” with its various im- plications, (...)


  • An dieser Stelle steht in meiner deutschen Ausgabe "Kennwort". Es ist auch nicht die Stelle, die mir aufgefallen ist - ich bin ziemlich sicher, dass es "Schibeloth" hieß. Vielleicht finde ich es doch noch wieder. Auf alle Fälle vielen Dank, wieder was gelernt!


    Edit, Nachtrag: Vielleich hat jemand hier im Forum den Faustus als Datei und kann mir das Wort suchen? Dafür wäre ich sehr dankbar. Zum ersten Mal bedauere ich, das Buch "nur" in Printform zu haben. (Ich gestehe, schon auf Gutenberg.org gesucht zu haben, wo es einige "Manns" gibt, die für den deutschen Nutzer gesperrt sind - aber der Faustus ist auch dort nicht abgelegt.)

  • Edit, Nachtrag: Vielleich hat jemand hier im Forum den Faustus als Datei und kann mir das Wort suchen? Dafür wäre ich sehr dankbar. Zum ersten Mal bedauere ich, das Buch "nur" in Printform zu haben. (Ich gestehe, schon auf Gutenberg.org gesucht zu haben, wo es einige "Manns" gibt, die für den deutschen Nutzer gesperrt sind - aber der Faustus ist auch dort nicht abgelegt.)

    Im Englischen ist das Wort auch noch in Kapitel 28, Seite 277 zu finden.

    https://archive.org/stream/in.…8.Doctor-Faustus_djvu.txt

    Die Übersetzung und ein paar Recherchen nach den jeweiligen Schreibweisen deuten für mich darauf hin, dass da vielleicht nur die Vokale vertauscht wurden und sich das dann irgendwie gehalten hat - das doppelte "b" mal völlig ignorierend. (Ich habe es in meinem obigen Beitrag auch gleich geschafft, das "h" am Ende wegzulassen.)

  • Ein Mitleser im Nachbarforum hat die Stelle gefunden. Ich hatte es tatsächlich falsch behalten, es heißt so:


    "Das Wort graziös bedeutete ihm ein konservativ-polemisches Schiboleth gegen das Modern-Aufrührerische."
    (gemeint ist der Intendant v. Riedesel, Kapitel 17)
    Seltsam, wie beharrlich falsch sich etwas im Kopf festsetzen kann. Ich hätte schwören können, dass ich Schibeloth gelesen habe, aber auch bei mir steht korrekt Schiboleth.

    Danke euch allen fürs Mitdenken.

  • Ein interessanter Band mit historisch nachweisbaren Geschehnissen im alten Russland:


    Serena Vitale: Der Eispalast

    Der Band versammelt zwanzig historische Miniaturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die die Verschwendungssucht und die haltlose Willkür des russsischen Hochadels gegenüber den Leibeigenen schildert, aber auch Hochstapler, ergebene Generäle, Marotten der Zarinnen und Zaren. Ein interessanter EInblick in die russische Gesellschaft, vermittelt durch die italienische Slawistin Serena Vitale, die diese Miniaturen auch sprachlich sehr virtuos gestaltet.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Nach "Oliver Twist" habe ich mit einem Wälzer begonnen, der mich wohl den Rest des Jahres beschäftigen wird: Victor Hugo - Les Misérables

    Am Wochenende habe ich das Buch beendet (um die Weihnachstfeiertage, was bei mir eher 3 Wochen waren, bin ich kaum zum Lesen gekommen...Verwandtschaft und zuviel Trubel).

    Ich werde versuchen, meine Eindrücke zu komprimieren und dann hier an passender Stelle einzufügen. Schön war es, im Nachhinein die Leserunde aus dem Jahr 2006 im Literaturschock-Forum gefunden zu haben. Jetzt, wo die Eindrücke noch sehr frisch sind, konnte ich diese Buch für Buch mit meinen eigenen vergleichen. Die Exkurse haben auch mich anfangs etwas aus dem Leserhythmus geworfen, mir dann in den meisten Fällen aber doch gut gefallen.


    Ich kannte den Stoff aus ein oder zwei Verfilmungen, die wohl eher der kürzesten der gekürzten Fassungen entsprechen. Mein Gedächtnis kann mir vielleicht einen Streich spielen, aber da fallen doch viele Ebenen (fast) gänzlich unter den Tisch. Wie will man das, was da im Buch erzählt wird, in einen Film packen?

    Mir haben "Die Elenden" sehr viel Spaß gemacht und durch die Beschäftigung mit dem Anhang (und auch jetzt noch mit der Rezeption) habe ich einiges über die Zeit gelernt. Selbst wenn die Vollendung des Buches um die 15 Jahre gedauert hat, ist es mir ein Rätsel, wie man eine derartige Flut an Verweisen - u.a. historische und literarische - in einem Roman unterbringt, ohne den Überblick zu verlieren. (Zugegeben, manchmal dachte ich, Hugo hätte den Faden verloren, aber er ist nur ausschweifend) Das (literarische) Wissen muss schon enorm gewesen sein.


    Die Charaktere, gerade vermeintliche Nebenfiguren wie der Bischof von Digne oder der alte Gillenormand (den fand ich besonders gut beschrieben), haben mich im Buch manches Mal sehr berührt. Sprachlich hat mir das essayistische und philosophische Element sehr gut gefallen, so dass ich mir recht viele Stellen notiert oder rausgeschrieben habe.


    Während ich verschiedene Stimmen zur Veröffentlichung gelesen habe, musste ich schon einige Male schmunzeln, wie arg der Roman damals von Teilen der Kritik verrissen wurde. "Ein Mangel an Beobachtung" oder Figuren, die nicht aus Fleisch und Blut wären, zählt da noch zur harmlosesten Kritik. Gerade die Beobachtungsgabe habe ich als große Stärke empfunden und selbst wenn einem die Beschreibungen und Wandlungen einzelner Figuren zu pathetisch sind (Valjean, Cosette, Gavroche), sind sie doch alles andere als blutleer.


    Meine Fassung war übrigens die vom Winkler Verlag in der Übersetzung von Paul Wiegler und Wolfgang Günther, 1795 Seiten, davon 1627 der Roman.

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    Sofi Oksanen: Hundepark


    Ich habe dieses Buch gerade in einer Leserunde gelesen - es ist mein drittes von Sofi Oksanen und ich staune immer wieder über die Fähigkeiten dieser Autorin, die auf hohem Niveau wichtige Themen der Zeit in spannende Geschichten verpackt. Das Buch wird hier und da als "Thriller" beworben, was durchaus seine Richtigkeit hat; es etabliert auf den ersten Seiten ein großes Rätsel, und die Lösung kommt nur häppchenweise. Aber vor allem liefert es ein authentisches Bild der Ukraine und speziell des Donezbeckens in der postsowjetischen Gesellschaft. Hochaktuell und ausgezeichnet geschrieben. Oksanen hat natürlich auch hier wieder ihr spezielles Thema am Wickel, der weibliche Körper als Handelsware; diesmal geht es um Eizellenspende. Stellenweise gruselig und sehr, sehr lesenswert.