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  • Hervé Le Tellier: Die Anomalie

    Eine hochgelobte, mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete Mischung zwischen Thriller und Science Fiction mit einem sehr ausgefallenen Plot. Spannend ist es nach einem etwas verwirrenden Anfang. Aber was ich so ganz davon halten soll, weiß ich noch nicht.

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    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Da lesen wir zufällig beide dasselbe. Bis jetzt weiss ich noch nicht, wie die verschiedenen Teile zusammenhängen, was vom Autor zweifellos beabsichtigt ist. Bei mir ist der Flug gerade gezwungen worden, unter Begleitung von Jagdfliegern ein anderes Ziel anzusteuern. Allerdings weiss ich aus Rezensionen was der Grund für dieses Manöver ist. Ein bisschen neugierig bin ich schon, wie diese merkwürdige Geschichte weitergesponnen wird.

  • Wie schön, dass du auch gerade dabei bist, Bladwijzer. Bin inzwischen schon ein bisschen weiter, und man erkennt im zweiten Teil gut, dass Le Tellier studierter Mathematiker ist. Aber da die Mathematiker des Romans ihre Theorien dem amerikanischen Präsidenten, der dem letzten nachgebildet ist, erklären müssen, können wir Leser das auch sehr gut verstehen. Es geht letzten Endes wohl auch nicht so sehr darum, wie es zu dieser Anomalie gekommen ist, sondern ich nehme an, darum, wie es ist, wenn zwei absolut gleiche Menschen mit drei Monaten unterschiedlichem Lebensinhalt aufeinandertreffen und dies in mehreren Varianten. Eine wirklich ausgefallene Erzählidee! Bisher gefällt mir der Roman recht gut bis auf die eine Geschichte um den verquält verliebten Architekten und seine zurückweisende Geliebte. Das geht wieder in die Richtung dessen, was mich an großen Teilen der französischen Literatur ärgert, so ein merkwürdiges Frauenbild, das diese auf ein Podest stellt, damit aber zu unverständlich handelnden, kapriziösen Wundern macht, denen Mann nicht trauen kann und die nicht innerhalb logischer Verständlichkeiten reagieren.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Dem Flaubert geh ich schon länger fremd, klar. Zur Zeit endlich mal :

    Thomas Mann, Der Zauberberg.

    Zumindest kann ich mich nicht erinnern, es je gelesen zu haben.

    Wogegen ich Buddenbrooks, in sehr jungen Jahren, zweimal zwischenhatte.

    Nach "Zauberberg" jetzt "Doktor Faustus" abgeschlossen.

    Ich kann nicht behaupten, vom musikalischen Anteil sehr viel verstanden zu haben.
    Fand den Roman sehr spannend, und werde ein bisschen "über" lesen.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • Nach "Zauberberg" jetzt "Doktor Faustus" abgeschlossen.

    Ich kann nicht behaupten, vom musikalischen Anteil sehr viel verstanden zu haben.
    Fand den Roman sehr spannend, und werde ein bisschen "über" lesen.

    Damit bin ich gleich nächstes Jahr in einer Leserunde. Vielleicht werde ich mich vorausschauend mal etwas mit Zwölftonmusik befassen.

  • Damit bin ich gleich nächstes Jahr in einer Leserunde. Vielleicht werde ich mich vorausschauend mal etwas mit Zwölftonmusik befassen.

    Das Exemplar der Großen Kommentierten ist heute angekommen. Opulent. Also, Wiederlektüre in absehbarer Zeit.

    Auch jetzt zwei, die ich schon mal gelesen hatte:

    Doderer, Ein Mord, den jeder begeht.

    Svevo, Zenos Gewissen.

    Ich merke mal wieder, wie wenig ich behalten kann. Aber eigentlich ja gut so.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • "Lincoln im Bardo" von George Saunders. Lincolns Sohn Willie ist kürzlich verstorben und befindet sich im "Bardo", einer Art Zwischenreich zwischen Diesseits und Jenseits, zusammen mit anderen Seelen auf dem Friedhof. Saunders montiert die Stimmen der Verstorbenen zu einem vielstimmigen Chor. Ein außergewöhnliches Buch!

    Mit dem Einfügen klappts irgendwie nicht, es heißt immer "falsche ISBN" ...


    Ich merke mal wieder, wie wenig ich behalten kann. Aber eigentlich ja gut so.

    Sehr gut sogar, da b raucht man eigentlich nur noch ein einziges Buch. Sobald man hinten angelangt ist, hat man den Anfang vergessen. :P

  • Das Exemplar der Großen Kommentierten ist heute angekommen. Opulent. Also, Wiederlektüre in absehbarer Zeit.

    Auch jetzt zwei, die ich schon mal gelesen hatte:

    Doderer, Ein Mord, den jeder begeht.

    Svevo, Zenos Gewissen.

    Ich merke mal wieder, wie wenig ich behalten kann. Aber eigentlich ja gut so.

    Doderer, Die Strudlhofstiege. Der erste Versuch mit dem Roman war in den 80ern, Exemplar aus den Bücherregalen meiner damaligen Freundin, und da war es gar nicht gegangen. Lag nicht an Freundin. Der zweite Versuch etwa 2007, antiquarisch erworbenes Exemplar, durchaus erfolgreich, und parallel zu der Biographie von Wolfgang Fleischer. Zeit, den Roman, und vielleicht auch die Biographie, nochmal zu lesen.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • Nach sehr viel Raabe hab ich mir Niebelschütz ›Der blaue Kammerherr‹ vorgenommen. Den hab ich vor ca 35 Jahren erstmals gelesen und nur in vager, aber sehr guter Erinnerung. Ich hab erst 100 ( on 900) Seiten gelesen und bin schon wieder hin und weg von dieser komplett aus der Zeit gefallenen Sprache. Angesichts seiner Entstehung (1949 erschienen, während des 2. Weltkriegs geschrieben) ist das natürlich purer Eskapismus, was man dem Autor oft vorwirft. Angesichts der unglaublichen Schönheit des Romans tendiere ich allerdings eher zu: verzweifelt utopischer Gegenentwurf. Zumal, wenn ich mich da richtig erinnere, ein Erdbeben dem unschuldigen Treiben - das so unschuldig nicht ist, sondern von allerlei bösartigen Intrigen bestimmt wird - ein Ende setzt.

  • An dem Roman habe ich auch mal gefreit. Dann las ich aber von Niebelschütz "Die Kinder der FInsternis". An den Inhalt kann ich mich kaum erinnern, aber daran, dass mich der Roman nicht besonders angesprochen hat. Ist "Der blaue Kammerherr" im Barock angesiedelt?

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • An Niebelschütz habe ich mich vor Jahren mal versucht. Damals hat mir ein Buchhändler hier in der nächsten Stadt die "Kinder der Finsternis" mit Inbrunst empfohlen. Ich bin mit dem Buch nie zu Rande gekommen. Bei dritten oder vierten Anlauf war ich schon weit in der zweiten Hälfte; es wurde nichts. Dabei sprechen mich sowohl Plot als auch Schauplatz eigentlich an. Es lag an dem Stil, besonders den merkwürdig abgerissenen Dialogen, die ich einfach nur furchtbar fand.
    "Der blaue Kammerherr" habe ich dagegen noch hier. Das ist, nach meinem Gefühl, stilistisch wesentlich ruhiger. Vielleicht mache ich noch mal einen Versuch. Soweit ich mich erinnere, hat anfangs ein Gott ein Königreich erpresst, weil er die Prinzessin begehrte, und schickte als Drohung eine Naturkatastrophe nach der anderen.

  • Der Kammerherr spielt in einem fiktiven 18. Jahrhundert, die unglaublich guten Kinder im Mittelalter. Die Kinder sind ein mirgehendieadjektiveaus Roman. Umwerfend. Erschütternd. Überwältigend: was hätte Niebelschütz noch geschrieben, wäre er nicht absurd früh gestorben. Es ist ein Elend und auch bezeichnend, dass diese Ausnahmeerscheinung alle ~20 Jahre neu entdeckt wird.

  • Vielleicht hätte ich das Buch behalten sollen. Ich erinnere mich an den "Kringel" (ein Reiterspiel, bei dem es Tote gab), eine Auspeitschung und an das immer wieder vorkommende Zeremoniell, dass ein junger Spung "gegraft" wurde - d.h. zum Grafen befördert.
    Ich habe über mehrere Jahre hinweg immer wieder neue Anläufe gemacht und kam nie damit zu Rande. Vielleicht irgendwann dann doch mal.

  • Auch ich erinnere mich an geradezu hymnische Belobigungen der "Kinder der Finsternis". Vielleicht war es ja auch die Sprache, mit der ich nicht zurecht kam. Ich glaube, es kam mir zu gekünstelt vor. Vielleicht ein falscher Eindruck. Wieder ein Roman, den ich mir noch mal in der kommenden vermehrten freien Zeit vornehmen sollte.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • "Die Kinder der Finsternis" haben in der Tat einen ganz eigenen Tonfall:


    Es lag ein Bischof tot in einer Mur am Zederngebirge fünf Stunden schon unter strömenden Wolkenbrüchen. Die Mur war hinabgemalmt mit ihm und seinem Karren und seinen Maultieren und seiner Geliebten, unter ihm fort, über ihn hin, als schmettere das Erdreich ihn in den Schlund der Hölle, kurz vor Anbruch der Nacht.


    Ich hab seinerzeit auch ein wenig gebraucht, um mich da reinzufinden, aber dann entfaltete der Roman einen unglaublichen Sog. Ich hab ihn inzwischen 3x gelesen und werde ihn wohl noch ein viertes Mal lesen.


    Niebelschütz hat für den Roman übrigens exzessive und langandauernde Studien betrieben, die Fiktion steht auf einem sehr soliden Fundament.

  • Es gab einige großartige Schilderungen, ich erinnere mich zum Beispiel an den Übergang über eine Furt, kurz nach der Begegnung zwischen der Geliebten des Bischofs und dem Schäfer Barral.
    Was ich an dem Buch nicht gemocht habe (und zwar nicht gemocht bis zur Genervtheit) waren die trommelfeuerartigen Dialoge; jedenfalls habe ich sie so im Gedächtnis. Wie gesagt, heute würde ich da vielleicht anders herangehen. Es gibt immer wieder Dinge, mit denen ich in früheren Zeiten absolut nicht klarkam und die mir plötzlich jetzt leicht fallen, und umgekehrt. Nicht nur auf dem Gebiet des Lesens, aber da zeigt es sich besonders deutlich.
    Ich werde also noch einen Anlauf machen mit den Kindern der Finsternis - schon allein wegen der Schauplätze. Allerdings nicht gleich, weil mich Anfang des Jahres gleich mehrere Leserunden erwarten.