Beiträge von Bladwijzer

    Wer bei Liszt vor allem an die wunderbare 2. Ungarische Fantasie denkt, läuft allerdings Gefahr, ein etwas zu virtuos folkloristisches Bild von Liszt zu verbreiten. Die h-moll Sonate, die "Années de pelerinage", die Faust- und Dantesinfonie oder "Via Crucis" sind Werke, die auch für den Hörer ganz schön harte Brocken sind.


    Krylow

    Dass "The Hours" von Glass Filmmusik ist, ist für mich eher nebensächlich. Filmmusik höre ich eher unabsichtlich. Aber da ist Philipp Glass auch die Ausnahme: etwa mit den Filmen Powaqqatsi und Koyaanisquatsi. Aber eigentlich ist es nur die Musik zu "The Hours" die ich gerne immer mal höre.

    Ich höre seit Jahrzehnten, wenn möglich täglich, einige Stunden Klassik und habe so recht viele Komponisten und Werke kennengelernt. Da ist gewiss auch Philipp Glass dabei. Vom künstlerischen Wert her gesehen, ist das, im Vergleich mit den "Grossen" recht banale Musik. Trotzdem kann manches recht reizvoll sein. Insbesondere die Musik zum Film "The Hours" höre ich immer mal wieder gerne. Un der extrem repetitive Charakter erzeugt ja fast schon einen psychodelischen Effekt.(so wie etwa stundenlanges Rosenkranzbeten).

    Inzwischen ist meine CD-Kollektion so umfangreich, dass ich nur noch selten Radio höre. Und spotify ist ja auch Konkurrenz für die Radiosender. Ich lese aber täglich die Radioprogramme und nehme vieles mit dem Radiorecorder auf und speichere es dann auf USB und externer Festplatte. Klassikfreunden in Deutschland würde ich vor allem Bayern Klassik empfehlen.

    Da lesen wir zufällig beide dasselbe. Bis jetzt weiss ich noch nicht, wie die verschiedenen Teile zusammenhängen, was vom Autor zweifellos beabsichtigt ist. Bei mir ist der Flug gerade gezwungen worden, unter Begleitung von Jagdfliegern ein anderes Ziel anzusteuern. Allerdings weiss ich aus Rezensionen was der Grund für dieses Manöver ist. Ein bisschen neugierig bin ich schon, wie diese merkwürdige Geschichte weitergesponnen wird.

    Es gibt im web mehrere Hinweise auf einen Walter Benjamin Trail, der möglicherweise sogar ausgeschildert ist. Benjamin kam zwar von Banyuls, aber der Weg nach Port Bou verlief auch über den Rumpissa. Ich nehme allerdings an, dass es um den Rumpassa Pass geht (und nicht um den Gipfel, wie es wohl fälschlich bei Jungk heisst.)

    In der Werfelbiographie von Jungk erfährt man nicht viel mehr, als du schon weisst, Zefira. Es ging von Cerbére nach Port Bou. "Nach etwa zwei Stunden erreichten die Werfels en Gipfel des siebenhundert Meter hohen Rumpissa-Kogels.(281)" (Die Werfels hatten einen Vorsprung vor dem Rest der Gruppe und liefen zunächst alleine weiter.) "Unmittelbar unter ihnen lag ein spanisches Zollhäuschen - als Werfel und seine Frau dort eintrafen, hielten die Wachbeamten sie für ortsunkundige Wanderer, begleiteten sie eines Stück Weges, wobei sie sie aber, ohne dass die Werfels dies wussten - zurück in Richtung der französischen Grenze führten. .....und zu ihrem Entsetzen tauchten Augenblicke später die gefürchteten französischen 'guardes mobiles' auf, liessen sie jedoch anstandslos weiterziehen, warnten sie sogar noch, an einer betimmten Gabelung, auf dem Gipfel, diesmal nicht nach rechts, sondern nach links abzubiegen, um den richtigen Grenzposten zu erreichen. Unmittelbar vor der spanischen Grenze trafen sie nun wieder auf Heinrich, Nelly und Golo Mann (....) Nun folgte noch der mühsame Abstieg nach Port Bou (281)


    Hoffentlich hilft das weiter.

    Ich neige dazu, dass die Lagerung die Ursache ist, da das Buch überall denselben Geruch hat; auf den gedruckten Seiten, aber auch auf der Innenseite des Schutzumschlags. Jedenfalls ist es nicht so ein typisch muffiger Geruch, den viele alte Bücher haben. Ich werde wohl am besten gleich das Tiefkühlfach wählen. Ich hoffe, dass ein Buch diese Behandlung in einem lesbaren Zustand überlebt (gegen kalten Tabakgeruch soll es ja helfen). Danke für die Tipps!

    Vielen Dank, Volker, für den Hinweis auf Blackbourn's "Die Eroberung der Natur". Ohne die Empfehlung hier wäre ich nie auf die Idee gekommen, ein Buch zu diesem Thema zu lesen. Die Lektüre ist wirklich ein Vergnügen Mit einer Ausnahme. Obwohl mein Buch neuwertig antiquarisch ist, riecht es sehr unangenehm. Ich wüsste nicht, womit der Geruch vergleichbar wäre.

    Die ersten 7 Romane aus der 'Thibault' Serie (ein roman fleuve) haben in der frz. Pleiade Ausgabe einen Umfang von ca. 800 Seiten. Die beiden letzten Bände, die auf Deutsch nur in der DDR erschienen waren, haben zusammen ca. 1000 Seiten. In der dtv Ausgabe fehlt also mehr als die Hälfte. Die DDR Ausgaben findet man sehr häufig zu geringen Preisen im zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher. Ich muss aber zugeben, trotz aller RMdG-Begeisterung, dass insbesondere "Sommer 1914" die Geduld der Leser wirklich strapaziert. Da wird sehr detailliert, meist in der Form von Dialogen zwischen Anhängern der sozialistischen Bewegung in Genf, das politische Klima in den letzten Monaten vor Ausbruch des 1. Weltkriegs dargestellt.

    Eigentlich hätten "Die Thibaults" viel umfangreicher werden sollen. Ein schwerer Autounfall, aber auch der Wandel des politischen Klimas, zwangen Martin du Gard sein Romanprojekt zu ändern. Was ursprünglich geplant war, wissen wir nicht genau. Der Autor hatte für alle geplanten Bände sehr umfangreiche Materialsammlungen angelegt. Als er den Entschluss gefasst hatte, die Romanserie deutlich zu kürzen, und mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs enden zu lassen, hat er alle Materialien für die ursprünglich geplanten späteren Bände vernichtet. Er wollte nicht in Versuchung kommen, seine früheren Pläne wieder aufzugreifen.

    Aber sein nächstes Romanprojekt, der 'Sergeant-colonel de Maumort' war wieder so ausufernd, dass ihm klar war, es nie fertigstellen zu können. Das veröffentlichte Fragment zählt etwas mehr als 1000 Seiten. Trotz seines fragmentarischen Charakters, kann man es lesen, ohne den Faden zu verlieren. Es fehlt nicht nur der Schluss, auch das ganze Buch ist sozusagen durchlöchert, da RMdG zwar alle Kapitel skizziert, aber nicht alle ausgeführt hat. Was fehlt sind hauptsächlich die Teilen die sich mit der Militärzeit in den afrikanischen Kolonien beschäftigen. Ich halte das Maumort Romanfragment für das beste Werk, das RMdG geschrieben hat. Wer Französisch lesen kann (ich kann es mit einiger Mühe) sollte dem Maumort den Vorzug vor den "Thibaults" geben (Es gibt auch eine Niederländische Übersetzung). Und auf Deutsch gibt es leider nur dieses schon vergriffene kleine Kapitel, das im FAZ Artikel besprochen wird.

    Vielen Dank, J. Maria, für diesen Hinweis auf den sehr guten FAZ- Artikel. Dieses grosse Romanfragment Martin du Gards ('Le lieutenant-colonel Maumort' ) hatte ich ja mit Begeisterung gelesen, und gerade dieses kleine Stück, als die Nazis sein Haus besetzen, habe ich in guter Erinnerung. Ich habe bei der Lektüre zum ersten Mal das Gefühl gehabt zu verstehen, warum die nationalsozialistische Ideologie so eine Anziehungskraft hatte. Hoffentlich ist das schmale Bändchen der Auftakt, so dass man doch noch hoffen kann, dass das ganze Buch übersetzt wird. Inzwischen habe ich auch die drei Gallimard-Bände mit autobiographischen Dokumenten Martin du Gards gelesen, hauptsächlich Tagebücher (ca. 3000 Seiten).

    (Jetzt verstehe ich auch, wie es möglich war, dass 'Die Thibaults' in einen Taschenbuchband passen. Wenn man die beiden Teile weggelassen hat, die kurz vor und zu Beginn des 1. Weltkriegs spielen, dann hat man ungefähr die Hälfte weggelassen.)

    Um zu verdeutlichen, warum mich Merciers Roman doch eher enttäuscht hat:


    Inzwischen ist meine Begeisterung für Pascal Merciers "Das Gewicht der Worte" etwas abgeklungen, gegen Ende wird das Buch doch etwas ermüdend und nicht nur weil ich es am Bildschirm gelesen habe.

    Ich mag das Wort 'Gutmensch' nicht, aber trotzdem hat es sich mir nach der Lektüre aufgedrängt. Die zahlreichen menschlichen Beziehungen, die die Hauptfigur (Leyland) im Laufe der Handlung anknüpft, sind nämlich alle ausnahmslos geradezu unendlich verständnisvoll und harmonisch. Der neue Nachbar im geerbten Londoner Haus, scheint zunächst sehr distanziert, aber schon 24 Stunden später beginnen beide eine tiefe, verständnisvolle Freundschaft, die durch nichts getrübt wird. Einem englischen Verleger, bei dem seine Übersetzungen ercheinen, hilft er aus einer den Verlag bedrohenden Notlage. Mit einer halben Million Euro. Einfach so. Geschenkt. Damit einem Übersetzerkollegen nicht die Wohnung gekündigt wird, kauft er diese und überlässt sie ihm mietfrei auf Lebenszeit. Einem italienischen Verlag bietet er an, die Druckkosten für ein 1000-seitiges Werk zu übernehmen, da das wirtschaftliche Risiko zu hoch eingeschätzt wird. Mit Sohn und Tochter (die Frau ist schon länger verstorben) gibt es keinerlei Spannungen. Jeder fühlt sich durch jeden perfekt verstanden. In einer Erzählung, die gegen Ende in den Roman eingebaut ist, flüchtet ein ruhebedürftiger Grossstädter ins Luberon. Schon nach dem ersten Besuch in der Dorfkneipe wird er ein geschätzter Mitspieler bei den täglichen Petanque Partien und von der Schwester des Vermieters lässt er sich zigfach porträtieren, obwohl er ihretwegen schon die Koffer gepackt hatte, aber nach einer Tasse Kaffee den Kofferraum wieder leerte. Das ist nur eine kleine Auswahl. Und obwohl ich nichts gegen das Gute habe, ist dies doch des Guten zuviel.

    Alle Übersetzer, denen man im Roman begegnet, die Hauptfigur Leyland gehört auch dazu, sind geradezu unglaubliche Perfektionisten, die ihre Zielsprachen bis in die kleinste Nuance beherrschen. Zeitdruck scheinen sie nicht zu kennen.

    Und dann gibt es ein erzähltechnisches Problem. Leyland schreibt fiktive Briefe an deine verstorbene Frau, da er glaubt, dass dieser Rahmen ihm hilft, grössere Klarheit über sich selbst zu gewinnen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber sehr wohl dagegen, dass der Leser jetzt vieles gleich doppelt zu lesen bekommt. Er weiss was am Tage geschehen ist und was besprochen wurde, und jetzt liest er es in Briefform noch einmal. Gegen Ende des Buches wird das fast 'mechanisch'. Das wäre interessant, wenn die Briefversion des Erlebten auf eine interessante Weise von der romanhaft erzählten Geschichte abweichen würde, etwa weil die erste Fassung spontan ist, aber in der Briefversion das Erlebte nicht mehr erlebt, sondern beschrieben wird. Zunächst scheint das die Erzählstrategie Merciers zu sein. Die Briefe scheinen 'reflektierter' zu sein, aber im Laufe des Buchs geht dieser Eindruck verloren.

    Schade, dass es Mercier nicht gelungen ist, ein Buch ohne solche Schönheitsfehler zu schreiben. Dass die ganze Geschichte sich fast gänzlich im Milieu von Figuren abspielt, die beruflich mit Sprache beschäftigt sind, Autoren, Verleger, Übersetzer, das muss man dem Autor nicht ankreiden.

    Deine Enttäuschung kann ich sehr gut nachvollziehen, Zefira. Mir ging es mit dem Buch genauso. Habe viel, gewiss zu viel, erwartet. War anfangs auch sehr angetan, aber dann wurde es zunehmend eine wirklich grosse Enttäuschung.

    HJ Newman schrieb:

    "Aber ich möchte einem Autor nicht dabei zusehen müssen, wie er hübsch nach Worten sucht. Diese Arbeit soll er geleistet haben, bevor ich das Buch lese. Am Ende soll er sich für ein Wort entscheiden und das hinschreiben. Und ich kann dann als Leser entscheiden, ob das treffend ist."


    Unter diesen Bedingungen hätte Mercier sein Buch natürlich gar nicht erst schreiben können, da es ja gerade um diesen Entscheidungsprozess selbst geht. Natürlich muss man es nicht mögen, wenn so etwas in Romanform vorexerziert wird, noch dazu auf fast 600 Seiten.

    Ich bin vielleicht nicht gebildet genug, um Merciers oder Bieris Werke als banal zu empfinden. Was den Philosophen Bieri betrifft, höre ich da ein bisschen das Vorurteil, was verständlich geschrieben sei, könne nicht tief sein. Bieris 'Handwerk der Freiheit' ist eines der besten Bücher, die zum Thema Willensfreiheit geschrieben wurden. Man spürt den grossen Einfluss des späten Wittgenstein, obwohl dieser weder stilistisch, noch inhaltlich einfach wiedergekaut wird. Einen Gedanken deutlich auszudrücken, ist eine grosse Kunst.

    Nach mehr als der Hälfte, gefällt mir Pascal Merciers neuer Roman noch immer. Gewiss, er lässt sich Zeit. Warum auch nicht.

    "Das Gewicht der Worte", das weckt vielleicht die Assoziation "gewichtig", es erinnert an den Ausdruck, dass jemandes Worte Gewicht haben, etwa weil er ein Experte, eine Autorität auf einem bestimmten Gebiet ist. Nein, das ist nicht gemeint. Auch nicht, dass Worte auf einem lasten können, dass sie einem das Leben schwer machen können. Es geht in diesem Buch sehr viel, häufig sogar explizit, um das Abwägen, welches Wort am besten geeignet ist, um das zu treffen, was man sagen möchte. Wobei das, was man sagen möchte, ja gar nicht von Anfang an feststeht, sondern eigentlich erst im Prozess des Abwägens sich formt. Es gibt ja diesen schönen und richtigen kleinen Aufsatz von Heinrich von Kleist: "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden". Undenkbar, dass Mercier ihn nicht kennt. Aber auch beim Schreiben werden die Gedanken allmählich verfertigt. Sobald der Gedanke ausgesprochen oder aufgeschrieben ist, gewinnt er eine Unabhängigkeit, eine feste Form, die der spontane Gedankenfluss nicht hat. Und danach können wir ihn schmieden.

    Lesen wir es in den Worten Merciers:

    "Das eine ist, dass die Gedanken, wenn sie aufgeschrieben werden, auf andere Weise zu existieren beginnen: Ich kann ihnen, statt sie nur zu vollziehen, nun mit einer erwägenden und prüfenden Distanz gegenübertreten, sie erlöschen nicht gleich wieder, sondern haben Bestand und sind etwas, auf das ich stets von neuem zurückkommen kann. Indem sie in geschriebenen Worten zum Ausdruck kommen, erlangen sie eine Bestimmtheit, die sie vorher, als stille und flüchtige Episoden des Geistes, nicht besaßen. Und durch diese Bestimmtheit lerne ich erst richtig kennen und verstehen, was ich denke und wer ich in diesen Gedanken bin."

    Ist das die Prosa eines Brauereipferdes, wie ein Rezensent meinte? Nein, es sind nachdenkliche, abgewogene Sätze. Und gerade sie machen den Reiz des Buches aus, in dem das erzählerische Element immer wieder ins philosophische umschlägt und umgekehrt. Der Abstand zwischen dem Romancier Pascal Mercier und dem philosophierenden alter ego Peter Bieri ist mit diesem Roman noch kleiner geworden, als er ohnehin schon war. So wie es in den grossen philosophischen Werken Bieris (Das Handwerk der Freiheit und Eine Art zu leben) auch erzählerische Passagen gibt, so gibt es im Roman 'Das Gewicht der Worte' auch philosophische Passagen, wie etwa die oben zitierte.

    Es ist kein Zufall, dass die Hauptfigur im Roman Übersetzer ist. Denn das 'Wiegen der Worte', das Abwägen, welches Wort das im Original Gemeinte trifft, ist die Aufgabe des Übersetzers. Und das dies im Roman mit liebevoller Häufigkeit illustriert wird, hat ja manchen Rezensenten gestört. Warum?

    Aber es geht nicht nur um das treffende Wort beim Übersetzen. Es geht noch viel mehr um das treffende Wort, wenn wir unsere Erfahrungen artikulieren. Auch hier finden wir unseren Übersetzer immer wieder beim Abwägen der Worte, eigentlich durch das ganze Buch hindurch, das den Leser immer wieder auf eine Suche nach der sprachlichen Artikulation von Erlebtem mitnimmt. Wenn der Erzähler etwa auf die verheerende Fehldiagnose seines Arztes zurückblickt, der die gebotene nötige Sorgfalt vermissen lies, so spricht er zunächst von einem Fehler. Und dann zögert er. Nein, es ging nicht um einen Fehler, es ging um eine Verfehlung. Dieses Wort hat das nötige Gewicht, um den Sachverhalt auszudrücken.

    Und so kann der Leser Mercier 600 Seiten lang beim Abwägen der Worte begleiten. Und dabei lernen wir, dass dieses Abwägen der Worte auch sehr viel mit dem zu tun hat, was man emotionale Intelligenz nennen könnte. Wir sollten dem Autor dafür dankbar sein.

    Ich werde es mit Sicherheit lesen, aber das wird noch ein wenig dauern. Gut das Buch wurde oft verrissen, eine Ausnahme ist DER SPIEGEL und in 'Druckfrisch' landete es immerhin nicht in der Tonne, auch wenn die Behauptung "kaltblütige Bierpferdprosa" (oder ähnlich) nicht gerade eine Werbung war. "Lea" wurde auch verrissen, hat mir aber gefallen. Ich schätze einen Autoren, der mit Pascal Mercier identisch ist, ganz besonders. Nämlich Peter Bieri. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ein wirklich schlechtes Buch schreibt. Aber ich hätte lieber ein neues Buch gelesen, auf dessen Umschlag Peter Bieri steht.

    Nachdem ich gestern das lange, großartig zugespitzte Gespräch zwischen Stolz und Oblomow (Teil II, Kapitel 4) gelesen habe, bin ich nicht mehr so sicher, welche Lebensauffassung die "bessere" ist - ob Oblomow mit seiner "Oblomowerei" (das Wort fällt hier zum ersten Mal) nicht doch recht hat.


    Immerhin hat diese quirlige Betriebsamkeit, wie Stolz sie vorlebt, in unseren Zeiten auch nicht mehr den besten Ruf. Diese Sucht, sich umzutun, tun und machen und verändern, bringt unsere Industriegesellschaft gerade an den Rand des Ruins. Oder? Ein wenig mehr Oblomow täte uns allen gut.

    Aber das Problem mit Oblomow ist ja nicht, dass er nicht zur Tür raus geht, sondern dass er zuhause nichts Gescheites tut. Er könnte lesen, schreiben, malen, musizieren….

    Und ob die Kindheit alles erklärt? Manche werden ja eine ähnliche Kindheit gehabt haben, aber wurden doch nicht wie Oblomow.