Beiträge von Bladwijzer

    Zefiras Vorschlag Leo Perutz möchte ich auf jeden Fall unterstützen. "Der schwedische Reiter" gehört zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. (Ich zögere, ob "phantastisch" das richtige Etikett ist, obwohl es auf manche seiner Romane gewiss passt, etwa "Nachts unter der steinernen Brücke". Meine eigenen beiden Empfehlungen sind moderne Klassiker: Der Antwerpener Willem Elsschot, von dem manches noch, oder wieder auf dem deutschen Buchmarkt zu finden ist (z.B. Käse oder Maria in der Hafenkneipe (Het dwaalicht). Seine wohltuend kurzen Romane schrieb er alle in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mein zweiter 'Geheimtipp': Roger Martin du Gard. Auf Deutsch findet man den umfangreichen Romanzyklus 'Die Thibaults'. Aber seine besten Romane 'Jean Barois' und das umfangreiche Romanfragment 'Le lieutenant-colonel de Maumort' wurden nie ins Deutsche übersetzt.

    LibriVox ist eine sympathische Initiative. Jeder der Lust hat kann gemeinfreie Texte aufnehmen und auf LibriVox hochladen. Eine Qualitätskontrolle findet - so weit ich weiss - nicht statt. Die Resultate sind deshalb wohl recht unterschiedlich. Nach meiner Erfahrung wird oft zu schnell oder zu eintönig gesprochen. Man muss es halt probieren und wenn man Glück hat, gefällt es.

    Ich besitze ungefähr 25 Bände der Pléiade und es werden wohl noch mehr werden. Wenn man bedenkt, wie viele Seiten so ein Band hat, fast immer mehr als 1000, sind sie nicht einmal sehr teuer. Die meisten habe ich gebraucht gekauft, aber oft in einem ausgezeichneten Zustand. Meine acht Bände Julien Green haben pro Band ca. 30 Euro gekostet. Sie stammen aus einem Brüsseler Antiquariat. Ganz begeistert bin ich auch von den drei Bänden mit den Romanen von Roger Martin du Gard. Den dritten Band ('colonel Maumort') habe ich auch in Paris bei Gibert gekauft. Allerdings in einem Laden (Gilbert jeune) auf der Place St. Michel, und nicht in der grossen Buchhandlung hinter dem Boulevard St. Germain. Es ist sehr nützlich auf die website von Gibert zu schauen, um zu wissen, wo in Paris oder Frankreich man welchen Pléiadeband antiquarisch kaufen kann. Ich war ein begeisterter Leser der frühen Werke Julien Greens (Mont Cinère, Adrienne Mésurat, Leviathan). Auch seiner wunderbaren Autobiographie. Aber viele der späten Romane haben mich zumindest etwas enttäuscht (etwa "Moïra", auch wenn Julien Green auf diesen Roman besonders stolz war). Ich muss noch die beiden letzten Bände der Südstaaten Trilogie lesen ("Les Etoiles du Sud" und "Dixie"), dann habe ich so ziemlich den ganzen Green gelesen. Manches habe ich auf Deutsch gelesen, da mein Französisch nur mittelmässig ist, obwohl dies ja ein guter Grund ist, Greens Bücher in der Originalsprache zu lesen. Ich besitze auch das "Album Julien Green" aus der Pléiade Reihe. Die Album-Bände bekommt man normalerweise nur, wenn man in der Weihnachtszeit drei Pleiade Bände kauft. Aber man findet sie auch antiquarisch.

    Die Ausgaben bei Luchterhand und Fischer enthalten aber Hinweise, die vermuten lassen, dass die älteren, in der DDR erschienen Ausgaben, gekürzt waren. Sie enthalten nämlich "fehlende Passagen", die nicht von Reschke, sondern von Gisela Drohla für Luchterhand übersetzt wurden.

    Ein unbedingt empfehlenswerter moderner Klassiker der niederländischen Literatur, er wurde in Beitrag #10 schon einmal erwähnt, ist der Antwerpener Willem Elsschot. "Kaas" (Käse) ist eines seiner besten Bücher. Vor kurzem war es noch in deutscher Übersetzung erhältlich.

    Hat jemand in den letzten 10 Jahren noch Martin du Gard gelesen? Ich habe ihn vor ein paar Monaten entdeckt, nämlich den schmalen Roman, der auf Französisch "Vieille France" heisst. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mir, die umfangreichen Korrespondenz ausgenommen, das Gesamtwerk zugelegt habe. Auf Deutsch gibt es das wohl nur noch antiquarisch. Die Thibaults muss ich noch lesen, die liegen noch in einem weit entfernten Antiquariat, aber warten auf mich. Jean Barrois hat mir sehr gut gefallen. Der Verleger, der es ursprünglich angeboten bekam, fand es total misslungen und meinte kein Leser käme weiter als 100 Seiten. Mir hat es sehr gut gefallen. Es sind eigentlich zwei Geschichten. Jean Barois wächst sehr gläubig in einer katholischen Familie auf, aber entfernt sich immer weiter von seinem früheren Glauben, trennt sich von seiner Frau, die dies, den Glaubensabfall, nicht akzeptiert. Er gründet eine "freisinnige" Zeitschrift, die gegen den Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft streitet. Die andere Geschichte ist die Dreyfuss Affaire, die im Roman sehr getreu wiedergegeben wird. Intellektuelle Redlichkeit und Gerechtigkeit sind die beiden grossen Themen von Jean Barois. Sein unvollendet gebliebener letzter Roman, an dem er 16 Jahre gearbeitet hat, wurde nie ins Deutsche übersetzt. Lieutenant - Colonel de Maumort ist eine 1000-seitige fiktive Autobiographie. Sie lese ich z.Zt. mit Begeisterung. Merkwürdig, dass Roger Martin du Gard so vergessen ist, auch in Frankreich. Es lohnt sich unbedingt, zumindest nach meiner bescheidenen Meinung, sich seine Werke antiquarisch zu beschaffen.