Karl Ferdinand Gutzkow

  • Hallo zusammen!


    Ich lese gerade - in harmonischem Anschluss an Jean Pauls Flegeljahre - die Briefe eines Narren an eine Närrin von Karl Gutzkow. Stilistisch und wohl auch in der politischen Haltung steht zumindest der junge Gutzkow Jean Paul offensichtlich sehr nahe. Die Briefe scheinen nicht uninteressant zu sein. Arno Schmidt spricht ja in höchsten Tönen über Gutzkow. Das ist normalerweise für mich eher ein Zeichen, mich zurückzuhalten. Aber vielleicht lohnt sich das eine oder andere Werk vom "Erfinder" des 'Jungen Deutschland' doch noch für eine Lektüre?


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo sandhofer,


    ja, da wäre ich gerne bei nachfolgendem Werk mit dabei.


    Habe vor einigen Jahren "Die Ritter vom Geiste" bei Zweitausendeins erworben. Dabei bin ich von den hymnischen Erwähnungen Vollmanns geleitet worden (ich weiß, dass dieser Herr in diesem Forun nicht auf jedermanns Hochachtung stößt, mich kann er aber zum Lesen begeistern).
    Da der Roman sehr umfangreich ist und wohl auch sehr diskussionswürdig, würde ich ihn gerne in einer Leserunde lesen.


    HG
    finsbury

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Hallo zusammen!


    Auch Arno Schmidt rühmt diese Ritter. Wobei, was A. Schmidt rühmt, imho meist dritt- oder fünftklassige Ware ist ... Das ist, was mich zurückhält, auf die Suche nach weiterer Lektüre von Gutzkow zu gehen.


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo Finsbury!


    Zitat von "finsbury"


    Habe vor einigen Jahren "Die Ritter vom Geiste" bei Zweitausendeins erworben. Dabei bin ich von den hymnischen Erwähnungen Vollmanns geleitet worden (ich weiß, dass dieser Herr in diesem Forun nicht auf jedermanns Hochachtung stößt, mich kann er aber zum Lesen begeistern).


    Ich habe die "Ritter" auch ungelesen im Regal stehen. Wenn mich jemand von der Notwendigkeit der Lektüre überzeugen kann, schließe ich eine Leserunde dazu nicht aus :breitgrins:


    CK

  • Ja, Schmidts Leseempfehlungen...


    Ich habe die "Ritter vom Geiste" vor vier oder fünf Jahren gelesen und mich sehr gut damit unterhalten. Es ist ein schönes breites Panorama.
    Es gibt so viele Handlungsstränge, dass es lange dauert, bis einer wieder zum Vorschein kommt. Manchmal rafft Gutzkow auch Sachen zusammen; das wirkt auch schon mal etwas gewaltsam.
    Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob so in etwa die Kolportageromane Mays aussehen. Inzwischen habe ich das "Waldröschen" hinter mir und muss mich bei Gutzkow entschuldigen. Da stehen die "Ritter vom Geiste" weit drüber. Trotzdem, etwas Kolportagehaftes ist sicher drin (vertauschte Kinder, ein geheimnisvoller Schmied...). Aber Gutzkow hat auch Figuren auf die Beine gestellt, die einem in Erinnerung bleiben. Schmidt hob IIRC Fritz Hackert so hervor, den Somnambulisten. Mir ist eher der Justizrat Schlurck in Erinnerung geblieben.
    Nicht wirklich klar it mir geworden, was die Hauptpersonen eigentlich wollen bzw. es ist von Anfang an klar, dass da nie was draus werden kann. Aber das hat meine Lesefreude nicht sehr getrübt. Klar gibt's auch langatmige Stellen, aber ich würde die "Ritter vom Geiste" durchaus empfehlen.

  • Die Lektüre der "Ritter" lohnt sich, ist am Anfang etwas mühsam, Gutzkow lässt sein Personal zu lange Grundsatzreden halten, kommt aber dann doch in die Gänge, lässt sich locker weglesen (zumal die 2001-Bände ja wirklich schöne und handliche Bücher sind) und ist ein wichtiger Beitrag zur Literatur des 19. Jhrds. Nur, weil man ihn heute kaum noch kennt, heißt das ja nicht, dass der Roman nicht seine Spuren hinterlassen habe.


    Wilhelm Raabe konnte seinerzeit zB noch eine Anspielung auf Gutzkows "Roman des Nebeneinander" machen (im "Dräumling" ruft er die Muse des Romans mal als "Göttin des Durcheinander" an) und davon ausgehen, dass seine Leser ihn verstanden.

  • Hallo,


    ich möchte nun doch etwas von Vollmann über die "Ritter" zitieren (aus "Die wunderbaren Falschmünzer" TB-Ausgabe, S.346 ff):


    Gutzkows Buch [...] führt uns so souverän durch sein Berlin und einige deutsche Landschaften, daß wir, je länger alles währt, desto bezauberter und hingerissener sind von den wunderlichen Bekanntschaften, die er uns machen, ja, von den dauernden Freundschaften, die er uns schließen läßt mit den Figuren seines Buchs. [...] Gutzkow treibt es ziemlich weit mit mit dem gleichsam grundsätzlich unkanonischen Wesen des Romans, aber solange das den unbefangenen Leser nicht stört, werden wir seine Gründe immer für besser halten als den Purismus, der ihm die Gründe nicht glaubt. [...] Gut zu wissen für den Leser ist vielleicht auch noch, daß Gutzkow außerordentlich witzig sein und brillante Dialoge machen kann [...] und bewundernswert ist auch Gutzkows so ganz und gar unangestrengte Art des Erzählens: als wolle er auch gar nicht große Kunst, sondern eben bloß einen großen Roman.


    Das klingt doch spannend: Bisher haben mich Vollmanns Empfehlungen auch noch nicht enttäuscht. Vieles von dem Obigen deckt sich auch mit euren Lektürebeobachtungen, Giesbert und Roland.


    Also, ich würde gerne bei diesem Roman mitmachen! Außerdem erinnert es doch ein bisschen an JP :zwinker: ?!


    HG


    finsbury

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Nach einem Hinweis im Perlentaucher möchte ich fragen, ob sich jemand schon den Roman "Der Zauberer von Rom" angetan hat und was davon zu halten ist. Der Perlentaucher hat mit Geschmack gemacht, aber 3000 Seiten, und das während ich in den 1700 Seiten der Jahrestage stecke, erscheinen mir auch als eine große Last.


  • Auch Arno Schmidt rühmt diese Ritter. Wobei, was A. Schmidt rühmt, imho meist dritt- oder fünftklassige Ware ist ...


    "meist" ist vielleicht ein wenig ungerecht.
    Aber man sollte ihm natürlich nicht unbedingt und grundsätzlich trauen.
    So wenig wie dem Vollmann.


    Zitat


    Das ist, was mich zurückhält, auf die Suche nach weiterer Lektüre von Gutzkow zu gehen.


    Nana, da kann doch der Gutzkow nix für. :wink:


    Vom Erwerb der "Ritter ..." hatte ich seinerzeit abgesehen.
    Ob ich was verpass, weiß ich nicht.


    Ich las mal "Wally, die Zweiflerin".
    Ist erstens dünner und gibts zweitens als Reclam, mit Materialien zu, ich sag mal, Wally, Menzel und die Folgen.
    Wer DAS nicht kennt, sollte es unbedingt mal lesen, egal, ob mit Wally oder ohne.


    Ich hielt es nicht gerade für eine literarische Spitzenleistung.
    Aber es ist ein sehr interessantes Stück deutscher Literaturgeschichte.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

    Einmal editiert, zuletzt von Leibgeber ()

  • Da ich mich vor ein paar Jahren sehr für Gutzkow interessiert habe, möchte nun auch ein wenig Senf dazugeben:


    Besitze die 4-bändige Zweitausendeins Ausgabe von DIE RITTER VOM GEISTE und bin in zwei Versuchen bis zum ersten ( das sind gut 1000 Seiten) und bis zum ersten Drittel des zweiten Bandes gekommen.
    Alles, was hier gesagt wurde, kann ich nur bestätigen: mir haben zum Ende hin die Weitschweifigkeit der Handlung und die politischen Grundsatzdebatten das Weiterlesen verübelt. Allerdings gefielen mir das Kolportagehafte und das Geerdete seines Stils sehr gut. (habe ich später bei Perutz und Georg Hermann wiedergefunden. Vielleicht ein gewagter Vergleich, aber mir kommen diese Autoren in den Sinn).
    Uneingeschränkt empfehlen kann ich allerdings die Sammlung von Novellen und Erzählungen "Die Selbsttaufe" (Stutz). Dieser über 400 Seite starke Band gibt die Vielgestaltigkeit von Gutzkows Werk bestens wieder. Er enthält "Die Selbsttaufe", "Imagina Unruh", "Die Nihilisten" und "Der Sadducäer von Amsterdam". Ist noch antiquarisch zu bekommen.


    Liebe grüße, lena

    " wenn ein neues Buch erscheint, lies Dú ein altes"  (aus Zettel's Traum)

  • Moin, Moin!


    Nach einem Hinweis im Perlentaucher möchte ich fragen, ob sich jemand schon den Roman "Der Zauberer von Rom" angetan hat und was davon zu halten ist. Der Perlentaucher hat mit Geschmack gemacht, aber 3000 Seiten, und das während ich in den 1700 Seiten der Jahrestage stecke, erscheinen mir auch als eine große Last.


    Die Webseite des <a href="http://www.gutzkow.de/">Edititionsprojekts Karl Gutzkow</a> ist möglicherweise <a href="http://www.projects.ex.ac.uk/gutzkow/Gutzneu/edition/index.htm">erwähnenswert</a>. Der Perlentaucher hat drei Bücher bereits <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/8943.html">erfaßt</a>.


  • Da ich mich vor ein paar Jahren sehr für Gutzkow interessiert habe, möchte nun auch ein wenig Senf dazugeben:


    Uneingeschränkt empfehlen kann ich allerdings die Sammlung von Novellen und Erzählungen "Die Selbsttaufe" (Stutz). Dieser über 400 Seite starke Band gibt die Vielgestaltigkeit von Gutzkows Werk bestens wieder. Er enthält "Die Selbsttaufe", "Imagina Unruh", "Die Nihilisten" und "Der Sadducäer von Amsterdam". Ist noch antiquarisch zu bekommen.


    Liegt auch noch ungelesen auf meinem SUB :smile:


  • Die Webseite des <a href="http://www.gutzkow.de/">Edititionsprojekts Karl Gutzkow</a> ist möglicherweise <a href="http://www.projects.ex.ac.uk/gutzkow/Gutzneu/edition/index.htm">erwähnenswert</a>. Der Perlentaucher hat drei Bücher bereits <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/8943.html">erfaßt</a>.


    Hab mir das auch angeschaut.
    Spannend. Wirklich.
    Nur, bei den derzeitigen Mengen an ungelesenen bedruckten Seiten sollte ich vielleicht *flüster* besser erstmal nicht *flüster*
    :zwinker:
    "Die Ritter vom Geiste" sind projektiert für 2011.

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)


  • Die Webseite des <a href="http://www.gutzkow.de/">Edititionsprojekts Karl Gutzkow</a> ist möglicherweise <a href="http://www.projects.ex.ac.uk/gutzkow/Gutzneu/edition/index.htm">erwähnenswert</a>. Der Perlentaucher hat drei Bücher bereits <a href="http://www.perlentaucher.de/autoren/8943.html">erfaßt</a>.


    Ein toller Tipp. Sehr interessant. Danke Dostoevskij.

    &quot; wenn ein neues Buch erscheint, lies Dú ein altes&quot;&nbsp; (aus Zettel&#039;s Traum)