Jean Paul (Richter)

  • Hallo Sandhofer,


    ja ich weiß noch nicht, ob ich diese Lektüre wirklich durchstehe. Am Anfang hat sie mir wirklich sehr gefallen. Das heißt es war schwerer Stoff, aber lohnenswert. Gerade diese große Emphase, diese Überschwenglichkeit, dieses überaus empfindsame - man war ja im Zeitalter der Empfindsamkeit - hat mich sehr angezogen - so als Gegenentwurf zur modernen Coolness. Und wunderbare Ideen hat er, besonders auch im Satirischen. Wo er etwa mit einer klugen, aber häßlichen Frau redet, aber über ihren Kopf die schöne dumme anschaut, um so gewissermaßen beide Eigenschaften zusammenzubringen, das war sehr schön geschildert. Und wiegesagt diese Emphase hat auch faszinierende Züge - etwa in der Begegnung mit Emanuell.


    Alles schön und gut, aber dann wirkt anderes wieder so kitschig und sentimental, die Rosen über den Wangen und ähnlicher Schmarrn und dann noch diese religiöse Sentimentalität, die ich immer weniger abkann und das hineingesponnen in einen überaus verschachtelten Stil. Gut, vielleicht wird der Roman noch mal besser, im moment habe ich einfach einen Durchhänger. Hast Du ihn mal gelesen? Beim nächsten Jean Paul suche ich mir mal wieder was Kürzeres, Quintus Fixlein oder so.


    Dabei muß ich sagen, habe ich in jungen Jahren relativ viel Jean Paul gelesen. Allerdings in schwärmerischer Besinnungslosigkeit und ohne viel davon zu verstehen. Das führte beim Titan etwa dazu, daß ich am Ende von der Handlung rein gar nichts mehr verstanden habe und die gelehrten Anspielungen schon gar nicht. Schon vieles andere las ich, Flegeljahre, Siebenkäs usw.


    Den Hesperus hatte ich allerdings noch nie gelesen und da dachte ich gleich - man wird ja älter - steige mal etwas gründlicher ein. Also ich las etwas genauer als in meinen Jugendjahren. Das funktionierte auch besser, manchmal, eher selten, schreibt Jean Paul aber wirklich völlig unverständlich, schwierig bleibt er immer, und nicht immer hatte ich das Gefühl, daß sich der Aufwand lohnt, die Lesepausen wurden länger, die Lesegeschwindigkeit nahm wieder zu, das Verständnis wieder ab.


    Also gerade den Hesperus empfinde ich schon als einen ziemlich schweren Brocken. Mir ist noch nie, nicht mal bei Jean Paul, ein Buch begegnet, mit dem ich mich so abgemüht habe - tolle Stellen zweifellos - trotzdem rätselhaft, daß dieses Buch zu seiner Zeit so populär war.


    Gruß Martin

  • Hallo!

    Ja, ich habe den "Hesperus" gelesen. Kitschig und sentimental wird Jean Paul ja immer mal wieder - auch die "Flegeljahre" und der "Titan" sind voll davon. Und dass Jean Paul seine Handlungen derart verschachtelt, dass man sich nimmer darin auskennt, ist auch typisch für seine grossen Romane. Die "Flegeljahre" hat er ja so verschachtelt, dass er selber nicht mehr herausgefunden hat ...

    Was mich wundert ist, dass Du mit dem "Hesperus" Mühe hast, aber die "Flegeljahre" und sogar den "Titan" gemeistert hast ...

    Und Dostojewskij: Wenn einer sentimental ist, dann er. Und im Gegensatz zu Jean Paul auch ziemlich humorlos ...

    Grüsse

    sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Jean Paul, geboren 21. März 1763


    zum 250. Geburtstag (2013) gibt es auf Br2 eine Informationsseite über Jean Paul:
    http://www.br.de/radio/bayern2…paul-flegeljahre-100.html


    und eine dreiteilige Lesung mit Wolfgang Hinze in den nächsten Wochen:


    Flegeljahre:
    http://www.br-online.de/podcas…-podcast-radiotexte.shtml


    und wer sein Wissen testen möchte:
    http://www.br.de/radio/bayern2…n-paul-250-jahre-100.html

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Moin, Moin!


    es finden schlechthin das ganze Jahr hindurch Jean Paul-bezogene Veranstaltungen statt:
    http://www.jean-paul-2013.de/
    http://www.facebook.com/JeanPaul2013


    Auf der Homepage gibt es jetzt eine sogenannten <a href="http://www.jean-paul-2013.de/service/jean-paul-eine-fremdlebensbeschreibung.html">Fremdlebensbeschreibung</a>.

  • Heute habe ich begonnen den Siebenkäs zu ende zu lesen, seit Neujahr lese ich seine Erzählungen und bin mal wieder beeindruckt von der Modernität und von den vielen schönen Ausschweifungen und literarischen Nebenwegen. Ich finde die Nebensächlichkeiten, die philosophischen Betrachtungen fast noch schöner als die Haupt-Handlungsstränge. Aber die letzteren sind bei Jean Paul sowieso schwer zu erkennen, also besser einfach treiben lassen und genießen...

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Komische, aber tolle Erzählungen. War schon ein origineller Autor unser Jean-Paul.

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10


  • Ich habe jetzt doch endlich die

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    Erzählungen in dieser Inselausgabe gelesen.


    Grüße, FA



    Hallo FA,


    das wäre eine Idee sich Jean Paul zu nähern. Ich tue mir einfach schwer mit ihm.



    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Da ist schon viel Jean Paul drin Maria, aber ich gebe zu, dass ich die großen Werke von Jean Paul auch in Phasen lese.


    Eigentlich habe ich alle erst zwischen "zur Hälfte gelesen" oder "zu fast zwei Dritteln" gelesen... Aber das hat mit der schnelllebigen Zeit und meiner manchmal großen Ungeduld zu tun.
    Jean-Paul schnell zu lesen wäre ein Vergehen gegen seine Werke und so muss ich die guten Augenblicke abwarten.


    Schönen Sonntag noch an dich und alle Leseratten, die hier durchs Forum geistern,


    FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10


  • Hallo in die Runde, Hallo Friedrich-Arthur,


    auf Grund des hier immer wieder einmal aufflammenden Jean Paul-Themas habe ich in den letzten Tagen auch wieder im Siebenkäs geschmökert und war begeistert wie eh und jeh.
    Viele Autoren, für die "früher mein Herz glühte", die kann ich heute nicht mehr lesen, aber Jean Paul bleibt. Für mich ein genialer Schriftsteller mit einigen, Gott sei Dank, etwas schnurrigen Macken, dessen großes Herz auch und gerade für die so genannten kleinen Leute schlug.


    Und wenn ich jetzt sagen sollte, wie oft ich den Wutz gelesen habe, ich wüsste es nicht mehr zu sagen.


    Grüße, Vult