Beiträge von Zefira

    Ich bin auf Enchanted Island mit Prospero:


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    "Hexensaat" von Margaret Atwood.
    Der Roman ist Teil des Hogarth-Shakespeare-Projekts, der Plot orientiert sich am Plot von Shakespeares "Sturm", natürlich in die Gegenwart und in ein anderes Milieu versetzt. Margaret Atwood hat sich das sehr geschickt ausgedacht. Das Buch ist spannend und humorvoll. Da sie sich in ihren Danksagungen ausdrücklich auf eine der Schicksalsanekdoten von Isak Dinesen (Tania Blixen) bezieht, werde ich das danach auch noch lesen.
    Zwei bis drei Tage bin ich also noch beschäftigt, dann freue ich mich darauf, den Kater Murr kennen zu lernen.

    Bezogen auf seine Lebensdaten ist Lernet-Holenia eigentlich noch kein Klassiker (1897 - 1976), aber aufgrund seiner Themen und seines Stile möchte ich ihn gern dazurechnen. Im Regal muss er neben Leo Perutz stehen. Ich mache diesen Faden hier auf, weil ich einen Dünndruckband mit vier Romanen von Lernet-Holenia gefunden habe, die ich alle vier in diesem Jahr lesen möchte. (Im letzten Jahr hatte ich "Ein Traum in Rot" gelesen, was mir sehr gefallen hat.)


    Der erste Roman heißt "Die Auferstehung des Maltravers". Der Gleichklang mit der Auferstehung des Lazarus ist natürlich beabsichtigt.


    Der Held Graf Maltravers befindet sich auf dem Landgut seines Bruders als Gast, niemand seiner Verwandten kann ihn leiden, und als er sterbenskrank wird (er ist etwas über 60, wenn ich es richtig behalten habe), schauen ihm alle nicht ungern beim Sterben zu. Maltravers bittet noch einen Bekannten, den "Chevalier de la Baume le Bouteillier d'Outremer" (!), an sein Sterbebett zu eilen. Denn dieser Chevalier stammt von einem Geschlecht ab, das an den Kreuzzügen teilgenommen hat, und allen Abkömmlingen dieses Geschlechts eilt der Ruf voraus, durch Handauflegen heilen zu können.


    Der Chevalier, der mit Vornamen "Anne" heißt, von Maltravers aber beharrlich "Anna" angeredet wird (so heiße ich auch!), legt wunschgemäß die Hand auf, aber Maltravers stirbt trotzdem. Er wird in der Familiengruft beigesetzt. Traurig ist niemand. Einen Tag danach befreit er sich aus dem Sarg, völlig gesund.



    Den weiteren Werdegang Maltravers' lasse ich hier weg. Es geht um Nahtoderfahrung und Moralgesetze - und so ganz einverstanden ist übrigens Maltravers mit seiner Auferstehung gar nicht ... Das Beste an dem Roman ist die unglaublich elegante, geradezu singende Prosa, dazu ein skurriler Humor, der seinesgleichen sucht - ein Lesegenuss der besonderen Art. Kurz nach seiner Auferstehung sucht Maltravers jenen Chevalier auf, um ihm zu danken, weil er immer noch glaubt, durch dieses Handauflegen wiedererstanden zu sein. Dieses Gespräch ist einfach zum Schieflachen. Die gehobene philosophische Ebene des Dialogs wird auf jeder Seite ironisch gebrochen durch Maltravers' Anrede "mein lieber Anna!", was den Chevalier jedesmal in Wut versetzt. Ein herrliches Buch! Und es enthält noch drei weitere Romane, auf die ich mich jetzt schon freue.

    May kann ich nur noch in homöopathischen Dosen lesen. Nach 5 solchen Abschnitten bin ich für den Rest des Tages raus. Und ich gehöre auch zu denen, die May eigentlich mal mochten.


    PS. Was jubelt May eigentlich dieses Jahr? Ich habe gerade den Überblick verloren.

    Schrieb Giesbert doch oben: Karl May wurde 1842 geboren, also in diesem Jahr 180 Jahre alt. Übrigens exakt heute: Geburtstag hat er am 25. Februar.

    Ich habe immer mal wieder daran gedacht, aus heutiger, mehr abgeklärter Sicht May nochmal zu lesen. Aber schon bei den ersten Kapiteln des Winnetou I langts mir, diese ununterbrochene Selbstbeweihräucherung des Helden, wie stark er ist, wie er als einziger ein bockiges Pferd zähmen kann, dieses ganze Blabla nervt mich ohne Ende. Wenn es nicht in Ich-Form erzählt wäre, wäre es vielleicht was anderes.
    Im Gedächtnis behalten habe ich noch eine Transfrau namens Kolma Puschi ("Schwarzauge"), ein toller Kerl und überlegener Krieger, nur halt eine Frau in Männerkleidung. Klasse!
    Irgendwann, wenn ich Zeit und Lust habe, gucke ich mal wieder rein. So bald aber nicht.


    giesbert : Ich habe in mein derzeit frequentiertes Leserunden-Forum die Seite verlinkt. Die sind alle ganz begeistert von der Sammlung. Besonders von der Idee, wie man Gewehre unbrauchbar macht. Muss wohl mit den aktuellen Nachrichten zusammenhängen.

    Köstlich!
    Old Shatterhands Lauftrick - abwechselnd nur das eine, dann nur das andere Bein richtig zu belasten - habe ich mal beim Joggen ausprobiert. Ich habe aber vorher Umschau gehalten, ob mich auch niemand beobachtet.
    Danke für den Lacher an diesem sehr bedrückenden Tag.


    Edit: Kannst du nicht noch diese herrliche Passage aus Winnetou II unterbringen?


    "Ich bitte um ein Glas Bier, deutsches Bier!" sagte der Indianer mit wohlklingender, sonorer Stimme und im schönsten, geläufigen Englisch.
    Das war den Rowdies merkwürdig. Sie steckten die Köpfe zusammen und begannen zu flüstern. Die versteckten Blicke, mit denen sie den Indianer musterten, ließen verraten, daß sie nichts Vorteilhaftes über ihn sprachen.
    Er erhielt das Bier, hob das Glas gegen das Fensterlicht, prüfte es mit einem behaglichen Kennerblick und trank.
    "Well!" sagte er zum Wirte, indem er mit der Zunge schnalzte. »Euer Bier ist gut. Der große Manitou der weißen Männer hat sie viele Künste gelehrt, und das Bierbrauen ist nicht die geringste unter denselben."

    In meiner Jugendzeit hatte ich Winnetou als derartige Göttergestalt verinnerlicht, dass ich mir einen biertrinkenden Winnetou kaum vorstellen konnte. Aber da er selbst das Biertrinken mit einer weisen Sentenz für uns Leser verbindet, sei es ihm von Herzen gegönnt.

    Ich hatte im Januar zwei Bücher von Elizabeth Strout direkt hintereinander, "Alles ist möglich" und "Die langen Abende".

    Beide Romane bestehen aus lose zusammenhängenden Episoden. Nach dem Schema: Die Lebensgeschichte von A und B wird erzählt, sie unterhalten sich, unter anderem über C. Im nächsten Kapitel wird dann die Lebensgeschichte von C erzählt, die sich ganz anders darstellt, als man nach dem Gespräch zwischen A und B meinen könnte. Und so fort.
    Manche Episoden fand ich hinreißend, andere eher schräg. Vor allem in "Alles ist möglich" gab es ein paar Kapitel, die mich sehr berührt haben. Aber nachdem ich die zwei Bücher durch hatte, hatte ich von dieser Erzählhaltung dann auch genug.

    "Aus guter Familie" ist eines meiner Lieblingsbücher. Ich habe es mindestens dreimal gelesen. Man bekommt es umsonst als Ebook bei Gutenberg,
    Dass es ununterbrochen nur bergab geht mit der Heldin, mag manch einen stören. Es ist ein sehr, sehr trauriges Buch, aber Agathe ist eine Figur, die mein Herz gewonnen hat.
    Das Tränenhaus hat mir weit weniger gefallen, es liegt einige Zeit zurück, dass ich es gelesen habe, aber ich habe es als sehr polemisch in Erinnerung.

    Es ist zwar keine Literaturverfilmung, aber ich habe mir eben einen Großteil der Trilogie "Die Familie Mann" auf WDR angesehen. Im dritten Teil machte ich schlapp, aber das hole ich morgen nach, Herr Zefira zeichnet immer auf.


    Mit besonderer Spannung wartete ich auf die Szene, wo Heinrich Mann mit Frau Nelly und dem Ehepaar Werfel über die französisch-spanische Grenze flieht. Mich interessiert immer noch, wo genau das war. Leider wurde die genaue Stelle nicht gezeigt, sondern nur, wie die tapfere Nelly den alten, schlappen Heinrich Mann den Berg hinaufschleppt. Alma Mahler-Werfel trug neben einer Tasche mit Geld auch einen Koffer mit dem angeblichen Bruckner-Manuskript - leider kam nichts mehr darüber, was daraus geworden ist (vielleicht kam noch was im dritten Teil, aber Frau Alma hatte, glaube ich, weiter keinen Platz in der Trilogie - ist vielleicht auch besser so!).


    Eingehend beleuchtet wurde die Rolle des Enkels Frido Mann im "Doktor Faustus", Frido Mann wurde dazu auch interviewt - wie überhaupt die ganze Trilogie mit Interviews mit noch lebenden Familienmitgliedern, vor allem der Tochter Elisabeth, durchsetzt war. Sehr spannend und informativ! Vieles von dem, was ich da sah, weiß ich schon aus Colm Tóibíns Romanbiographie, aber es hat Freude gemacht, das alles wieder aufzufrischen.

    Ich habe vorgestern bei Arte eine kleine Doku über meinen Lieblingsmaler Goya gesehen und deshalb mal wieder hervorgeholt:


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    Werner Hofmann: Goya - Vom Himmel durch die Welt zur Hölle


    Der Titel klingt reißerisch, das Buch ist aber eine sehr ernsthafte kunsthistorische Betrachtung.


    Edit: Autorenname berichtigt.

    Mit Chrome sehe ich die Bilder auch nicht, aber mit Firefox. Ich schreibe jetzt mal oben bei meinem Post zu Hundepark den Buchtitel dazu, sollte man ohnehin machen.

    Ich sehe den Link korrekt.
    "Hundepark" kann man übrigens durchaus mit "Fegefeuer" vergleichen. Es hat die gleiche Art von mehrsträngigem Erzählen, die zunächst mehr Rätsel aufgibt, als sie klärt. "Fegefeuer" hat mich seinerzeit noch etwas mehr beeindruckt, aber das könnte auch daran liegen, dass es mein erstes Buch von Sofi Oksanen war.

    Vor einigen Jahren habe ich in Danzig mal einige der Orte gesehen, an denen Grass' Blechtrommel spielt. Das war mehr Zufall; ich bin nicht eine solche Blechtrommelverehrerin, dass ich es bewusst darauf angelegt hätte. Mir ist aber aufgefallen, dass es dort Führungen in deutscher Sprache gibt, bei denen man eine ganze Reihe der Schauplätze gezeigt bekommt; zum Beispiel das alte Zeughaus, wo Oskars Mutter die Blechtrommel für ihren Sohn kauft. Siehe hier: Romanreise Blechtrommel (link führt zu einer Seite namens "Romanreisen").

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    Sofi Oksanen: Hundepark


    Ich habe dieses Buch gerade in einer Leserunde gelesen - es ist mein drittes von Sofi Oksanen und ich staune immer wieder über die Fähigkeiten dieser Autorin, die auf hohem Niveau wichtige Themen der Zeit in spannende Geschichten verpackt. Das Buch wird hier und da als "Thriller" beworben, was durchaus seine Richtigkeit hat; es etabliert auf den ersten Seiten ein großes Rätsel, und die Lösung kommt nur häppchenweise. Aber vor allem liefert es ein authentisches Bild der Ukraine und speziell des Donezbeckens in der postsowjetischen Gesellschaft. Hochaktuell und ausgezeichnet geschrieben. Oksanen hat natürlich auch hier wieder ihr spezielles Thema am Wickel, der weibliche Körper als Handelsware; diesmal geht es um Eizellenspende. Stellenweise gruselig und sehr, sehr lesenswert.

    Es gibt ja einen Doktor Faustus-Weg in Polling , den der Herr Leverkühn in seinen letzten Lebensjahren in Schlabberhosen und grauem Mantel regelmäßig abgelaufen sein soll. Ist auch sicher für Nerds eine tolle Sache, aber wenn es keine besonderen landschaftlichen Reize gibt, reißt es für mich der literarische Bezug auch nicht raus.


    (Meine jüngere Tochter ist begeisterter Mahler-Fan und ich gedachte ihr einen besonderen Gefallen zu tun, als wir letztes Jahr in Toblach waren; ich habe einen halben Tag für die Suche nach dem Komponierhäuschen eingeplant. Nur stellte sich dann heraus, dass wir eine Eintrittskarte für einen Wildtierpark hätten kaufen müssen, um überhaupt auf das Gelände zu kommen, und meine Tochter kommentierte schließlich: "Das brauchen wir auch nicht unbedingt zu sehen, meines Wissens ist das nur so ein Bretterschuppen.")