Beiträge von klassikfreund


    mann mann mann - was für ein Hörtip! Im Dialog gelesen? Ein interessanter Aspekt. Berichte bitte.



    Hallo,


    es handelt sich um eine Aufnahme einer Live-Lesung in einer Kölner Buchhandlung. Im Hintergrund sind ab und zu auch mal Zuschauer zu hören, Lachen oder auch Husten (da weiß man gleich, welche Teile im Winter gelesen wurden). Die Live-Atmosphäre stört im großen und ganzen nicht weiter, die Tonqualität ist dennoch gut. Das Lachen lockert eher auf, Husten stört an wenigen Stellen. Da man live gelesen hat und wohl keine größeren Lesepausen machen wollte, haben sich die beiden Sprecher abgewechselt. Also es gibt Stellen, in denen jeder mal 10 Minuten am Stück liest. Dann gibt es aber die Stellen, in denen wirklich im Dialog gelesen wird. Einschübe Prousts werden vom anderen Sprecher gelesen oder die Worte Albertines werden dann jeweils vom Gegenpart wahrgenommen. Das macht die Lesung sehr lebendig und man kann der Lesung auch während einer Autofahrt über weite Teile gut folgen (ich kenne aber bereits den grundsätzlichen Inhalt). Die Sprecher finde ich qualitativ nicht ganz gleichwertig (Bernt Hahn und Peter Lieck). Der eine Sprecher (welcher?) hat eine dunkle sonore Stimme, der andere eine eher helle etwas piepsige Stimme (natürlich nur von der Tendenz her, Matic klingt ja auch manchmal piepsig). Man muss sich an die unterschiedlichen Stimmbilder erst ein wenig gewöhnen. Die franzöischen Namen und Ausrufe (im 5. Band gibt es davon einige) klingen - wie man es erwarten sollte - wie von einem Franzosen gesprochen.


    Ein weiterer Vorteil dieser Lesung ist die verwendete Übersetzung, es wird die von Luzius Keller revidierte Übersetzung gelesen, die stellenweise doch etwas eleganter ist als die von Eva Rechel-Mertens.


    Schöne Grüße,
    Thomas


    Wie gefiel dir Peter Matic als Sprecher des Hörbuchs?


    Hallo,


    seine Stimme finde ich schon gewöhnungsbedürftig. Sie klingt doch manchmal nicht richtig hochdeutsch. Dennoch hat man bei 21 CDs hinreichend Zeit, sich an seinen Vortrag zu gewöhnen, und am Ende will man gar keine andere Stimme mehr hören.


    Deutlich besser gelesen finde ich die von der Lengfeldschen Buchhandlung in Köln herausgegebene Lesung, siehe http://www.lengfeldsche.de/hoerbuchtipp.htm, die von Bernt Hahn und Peter Lieck im Dialog gelesen wird. Leider sind die Hörbücher sehr teuer. Der erste Teil des fünften Bandes wurde gerade herausgegeben (ist noch nicht auf der Web-Seite vermerkt). Da ich diesen Band immer wieder mal hören möchte, habe ich mir diesen Teil mal gegönnt.


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo,


    gerne verfolge ich Eure Leserunde. Ich habe den zweiten Band vor kurzem als komplett gelesenes Hörbuch gehört (nachdem ich ihn schon einmal gelesen habe) und zusammen mit dem 5. Band gehört er zu meinen Lieblingsbänden.


    Freue mich auf Eure Eindrücke.


    Gruß, Thomas

    Hallo,


    Zitat von "Stoerte"

    Wenn man mich als Ungebildeten fragt: ein Experte oder Fachmann sagt was gut ist, andere Experten oder Fachleute, deren Urteile von nämlichem Experten oder Fachmann zuvor unterstützt wurden, stimmen diesem Experten oder Fachmann also zu und die Herde rennt diesen Experten und Fachleuten dann brav hinterher.
    Aber ernsthaft: Was gute Literatur ist, ist jeweils ein subjektives Werturteil und dabei gilt dann wieder Lichtenbergs Spruch: "Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken."


    es muss doch zumindest ein paar Kriterien geben, an denen sich die Fachleute entlanghangeln. Dies nur als subjektives Werturteil abzutun, ist mir argumentativ zu einfach.


    Ich wage einen Versuch: Gute Literatur muss "wahrhaftig" sein. Wie man das weiter operationalisiert, weiß ich auch nicht. Offensichtlich gilt: Trivialromane sind nicht wahrhaftig, die dort beschriebenen Gefühle sind aufgesetzt. Natürlich gibt es Grauzonen, wo sich dies nicht so leicht entscheiden lässt. Auch in der Kunst kann man dieses Kriterium anwenden.


    Gruß, Thomas

    Hallo,


    Zitat von "Dostoevskij"

    Moin, Moinj!



    Das ist die Literatur, an die man in Buchhandlungen und Bibliotheken nur mit einer Leiter herankommt.


    Dostojevskij, du hast mir gerade eine neue Erkenntnis verschafft. Und siehe da: In meiner Buchhandlung stehen die Artemis&Winkler-Bände unerreichbar weit oben, tatsächlich nur mit Leiter oder Fußhocker zu erreichen. Ebenso wie die Rilke-Gesamtausgabe und einige andere Schätzchen.


    Gruß, Thomas :-)

    Hallo Astrid,


    Zitat von "Astrid"

    Habe mich bei amazon mal nach Tom Jones umgeschaut.
    Da hab ich jetzt eine Ausgabe für 50 Euro (ufff) und eine für 9 Euro gefunden.


    du solltest evtl. auch die Neuübersetzung von Eike Schönfeld bei Manesse in Betracht ziehen. Kostet zwar 53,80 ist aber auch ein bibliophiles Schmuckstück. Schönfelds Übersetzungen werden (grundsätzlich) sehr gelobt. Vielleicht die unterschiedlichen Ausgaben mal anlesen und sich selbst ein Urteil bilden.


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo nimue,


    ich höre regelmäßig Klassiker und bewerte diese auch im Monatslese-Thread des Literaturschock-Forums. Schau mal dort.


    Meine Empfehlung in diesem Jahr:
    Charlotte Bronte: Jane Eyre. Sehr gut vorgetragen.


    Bei klassischer Literatur kommt es darauf an, in welchen Situationen man diese hört. Während einer Autofahrt halte ich den Zauberberg für nicht geeignet, die Buddenbrooks odere die Blechtrommel aber durchaus.


    Gruß,
    Thomas

    Hallo,


    ich habe das Buch nun gelesen und kann nur sagen, dass ich Elke Heidenreich (der ich selten vertraue) und Helmut Karasek (dem ich häufiger vertraue) in ihren Urteilen über dieses Buch nur zustimmen kann. Es ist ein wunderbares Buch, das Lust Macht, neue Autoren zu entdecken. Es erzählt häufig Anekdoten (aber nicht nur) aus dem Leben der Schriftsteller und nimmt literarische Wertungen in Reich-Ranicki-Manier vor, also man liest Urteile wie "wunderbar" ohne dass dies immer genauer begründet wird. Viele Urteile kann ich nachvollziehen (auch die Verrisse), von daher vertraue ich zunächst einmal auch den vielen Urteilen, wo ich die Bücher (oder gar die Autoren) noch nicht kenne. Ich habe viel gelernt und gerade der geschilderte gesellschaftliche und politische Hintergrund der Autoren erhellt auch deren Bücher.


    Vielleicht wäre der Autor gut beraten gewesen, nicht "Literaturgeschichte" auf den Titel zu schreiben, dann wäre dieser Streit im Feuilleton gar nicht entbrannt.


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo,


    Zitat von "xenophanes"

    Hallo!
    Das ist aber mehr ein theoretisches Argument, da man ja nie weiß, ob man mit solchen Vermutungen richtig liegt. Ich bin mir beispielsweise ziemlich sicher, dass Thomas Bernhard ein Klassiker werden wird.
    CK


    ja, natürlich weiß man das nicht sicher. Aber nur wenn man neuere Literatur liest, hat man überhaupt die Chance, einen zukünftigen Klassiker zu entdecken.


    Thomas B zählt m.E. heute schon zu den modernen Klassikern und von daher ist dieser Autor eine risikolose Wahl. Ich meine Autoren, die noch keinen vergleichbaren Status wie Bernhard haben. Möglicherweise entdeckt man im Laufe seines Lebens nur ein einziges solches Buch, aber das ist es mir wert, auch Modernes zu lesen. Dennoch ist die Enttäuschung häufig groß - ich denke, deine Ausführungen dazu sind schon ganz richtig. Aber ich bin für eine Entdeckung wie von J. Marias dankbar.


    Es gibt andere besondere Lesemomente (auch wenn ich jetzt vom Thema abschweife), von einem will ich berichten. Ich bin ein wenig neidisch auf die Sekretärin von Günter Grass, die jeden Roman als erste fremde Person zu lesen bekommt. Der erste Leser eines Meisterwerks wie "Die Blechtrommel" zu sein, das ist etwas Besonderes, v.a. wenn man sich frei von allen Rezensionen etc. ein Urteil bilden darf. Ein solches Buch hat für mich etwas Unberührtes. (Ich überlasse anderen die psychologische Analyse solcher Spleens ;-))


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo,


    die Diskussion finde ich sehr interessant. Ich kann das Dilemma gut nachvollziehen.


    Ich möchte hier ein neues Argument bringen, was mich immer wieder zu moderner Literatur greifen lässt: Es gibt für mich eine gewisse Faszination, einen zukünftigen Klassiker heute schon zu entdecken und somit zu den allerersten zu gehören, die ihn als solchen erkannt haben.


    Diese Literatur verbindet mich quasi mit den Lesern in der Zukunft, so wie mich an den Klassikern diese historische Verbindung, wie Christian es schön beschrieben hat, auch immer wieder begeistert.


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo,


    sehr schöne Frage.


    Auch meine Bibliothek hat eine eigene Prägung. Da ich noch nicht alle Titel in einer Liste erfasst habe, kann ich den Umfang einzelner "Abteilungen" nur schätzen.


    Ich fühle mich wesensverwandt mit Sandhofer, auch ich liebe bibliophile Ausgaben und möchte einmal alle wichtigen Werke der Weltliteratur, die mich "ansprechen" (das ist eine wichtige Einschränkung), bei mir zu Hause stehen haben. Ich habe also einige Gesamtausgaben und werde diese weiter ergänzen. Von anderen Autoren habe ich nur die wichtigsten Werke. Ein Schwerpunkt liegt auf deutschen Autoren des 18. - 20. Jh.


    Darüber hinaus hat meine "Bibliothek" (ca. 750 Bände) ein paar persönliche Schwerpunkte:
    1. Bibliomanika (ca. 50 Bände)
    2. Literatur von und über Proust (ca. 75 Bände)
    3. Illustrierte Bibeln und deutsche Bibelübersetzungen (20 Titel)
    4. Naturfotografie und Fotografie als Hobby (75 Titel)
    5. Bücher über Gesellschaftsspiele (nur wenige Titel, aber es gibt hier auch nicht sehr viel)


    Schöne Grüße,
    Thomas

    Hallo,


    auf den Seiten der Dt. Bibelgesellschaft und des Kathol. Bibelwerks wird man fündig:


    Einheitsübersetzung: ISBN 3-460-32031-1, 19,90 EUR, 12,5 x 8,5 cm.
    Lutherübersetzung: ISBN 3-438-01031-3, 19,80 EUR, 12,2 x 8,2 cm.


    Schöne Grüße,
    Thomas