Was lest ihr gerade?

  • Da wird Dir "Der Maler der fließenden Welt" sicher auch gefallen. Auch hier geht es um Erinnerungen und um die gesellschaftlichen Veränderungen und Konflikte zwischen Tradition und Moderne.


    "Damals in Nagasaki" habe ich mir inzwischen bestellt. :smile:


    Grüße, Gina



    und ich habe mir "Der Maler der fließenden Welt" als ebook gekauft. Freu mich schon.


    "Damals in Nagasaki" habe ich beendet. Die Details muss sich der Leser selbst zusammenfügen. So einfach wie der Klappentext erscheint, ist der Roman nicht. Er spielt mit verschiedenen Ebenen und ist von einer schönen Feinheit. Es erfordert aufmerksames Lesen und auch danach ist man gedanklich noch lange bei der Geschichte.



    Jetzt lese ich "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann. Somit verlasse ich Japan noch nicht ;-)


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()

  • Maria
    Ich habe "Der Maler der fließenden Welt" jetzt auch beendet. Was für ein außergewöhnlicher Roman! Aufmerksames Lesen und Zusammenfügen der Details verlangt auch er, da Ishiguro nicht alles erzählt und schon gar nichts erklärt. Heute werde ich nichts Anderes mehr lesen, ich muss erst wieder auftauchen ...


    Wie gefällt Dir denn "Die Kieferninseln"? Ich habe gelesen, dass es auch um Basho geht. Spielen er oder sein Werk eine große Rolle? Dann könnte das Buch eventuell was für mich sein.


    Basho ist neben Issa mein liebster Haiku-Dichter. "Haibun" und "Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland" wollen noch gelesen werden.


  • Maria
    Ich habe "Der Maler der fließenden Welt" jetzt auch beendet. Was für ein außergewöhnlicher Roman! Aufmerksames Lesen und Zusammenfügen der Details verlangt auch er, da Ishiguro nicht alles erzählt und schon gar nichts erklärt. Heute werde ich nichts Anderes mehr lesen, ich muss erst wieder auftauchen ...


    Wie gefällt Dir denn "Die Kieferninseln"? Ich habe gelesen, dass es auch um Basho geht. Spielen er oder sein Werk eine große Rolle? Dann könnte das Buch eventuell was für mich sein.


    Basho ist neben Issa mein liebster Haiku-Dichter. "Haibun" und "Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland" wollen noch gelesen werden.



    Über Issa gab es mal vor Jahren einen Radiobeitrag und ich war sehr angetan. Ansonsten kenne ich mich in Haiku nicht gut aus. Deinen Lesetipps gehe ich nach (auch wenn du noch nicht zum lesen gekommen bist)


    In „Die Kieferninseln“bin ich noch nicht sehr weit. Der „Flüchtende“ hat sich ein Buch von Basho gekauft und ich denke, da er nun auf den Jungen Mann gestoßen ist, der Selbstmord verüben wollte, wird es bald zur Sprache kommen. Ich bin auf die Pilgertour der beiden unterschiedlichen Menschen gespannt. Die Sprache finde ich so angenehm leicht und wunderschön.


    klingt ja äußerst vielversprechend was du über „Der Maler der fließenden Welt“ geschrieben hast. Ich kann dich gut verstehen. Ich habe mich noch Tage gedanklich mit „Damals in Nagasaki“ beschäftigt.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • In „Die Kieferninseln“bin ich noch nicht sehr weit. Der „Flüchtende“ hat sich ein Buch von Basho gekauft und ich denke, da er nun auf den Jungen Mann gestoßen ist, der Selbstmord verüben wollte, wird es bald zur Sprache kommen. Ich bin auf die Pilgertour der beiden unterschiedlichen Menschen gespannt. Die Sprache finde ich so angenehm leicht und wunderschön.


    Das hört sich schon mal gut an. Wenn es sich um eine Pilgertour handelt, hat er sich vielleicht "Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland" gekauft. Das ist die Reisebeschreibung von Bashos langer Wanderung.
    Wäre schön, wenn Du nach der Lektüre ein wenig berichtest. :smile: :winken:

  • Da kriege ich direkt Lust, auch mal wieder was von Ishiguro zu lesen. Es ist schon ein bisschen her, dass ich etwas von ihm gelesen habe (Never let me go).


    Ich befinde mich momentan ganz woanders: ich lese To kill a Mockingbird von Harper Lee und bin ganz angetan. Danach werde ich wohl wieder Die Präsidentin in angriff nehmen.


  • Da kriege ich direkt Lust, auch mal wieder was von Ishiguro zu lesen. Es ist schon ein bisschen her, dass ich etwas von ihm gelesen habe (Never let me go).


    Ich befinde mich momentan ganz woanders: ich lese To kill a Mockingbird von Harper Lee und bin ganz angetan. Danach werde ich wohl wieder Die Präsidentin in angriff nehmen.


    Den Roman von Harper Lee habe ich auch vor ein paar Jahren erst gelesen und war sehr angetan. Auf die zweite Hälfte der "Präsidentin" kannst du dich freuen: Es passiert viel mehr und bleibt sehr schön satirisch, wird dabei aber deutlich schärfer.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich war ein paar Wochen im Wohnmobil unterwegs und hatte mir, um Gewicht zu sparen, rasch und auf gut Glück noch ein paar Schmöker auf den Reader geladen. Darunter Rahel Sanzaras Roman "Das verlorene Kind", gemeinfrei bei Gutenberg. Irgendjemand hier im Forum hat das Buch bereits erwähnt, aber merkwürdigerweise finde ich das Post nicht, auch nicht mit dem Suchwort Sanzara.


    Ich war begeistert von diesem Buch, es ist ungeheuer spannend, dabei mit einer Art dahinfließender Leidenschaft und gleichbleibend hohem sprachlichem Niveau geschrieben, dass ich kaum noch davon lassen konnte. Dabei ist das Thema äußerst heikel, und ich kann nur staunen, wie die Autorin Vorgänge, die zur damaligen Zeit (1926) nicht explizit geschildert werden konnten, trotzdem klar und deutlich zu vermitteln weiß: Vergewaltigung, Triebmord und später sogar eine gewaltsame Selbstkastration.


    In einem Spiegel-Artikel zu dem Buch wird zutreffend bemerkt, dass die Protagonisten so gut wie sprachlos sind. Tatsächlich wird erstaunlich wenig gesprochen; das deutet sich schon zu Beginn an, als der Hauptprotagonist einer jungen Frau, mit der er bis dahin nur ein paar nichtssagende Worte gewechselt hat, prompt einen Heiratsantrag macht. Um so stärker ist die Schilderung der Naturvorgänge, das Reifen der Ernten, extrem strenge Winter, extrem trockene und heiße Sommer - alles mit großer Einfühlsamkeit erzählt. Eine phantastische Entdeckung - es gibt bei Gutenberg noch einen zweiten Roman der Autorin, den ich mir schnellstens abgreifen werde.

  • Irgendjemand hier im Forum hat das Buch bereits erwähnt, aber merkwürdigerweise finde ich das Post nicht, auch nicht mit dem Suchwort Sanzara.


    Die Suchfunktion der SMF-Foren-Software ist notorisch unzuverlässig. Ich kenne aber weder Autorin noch Buch, tut mir leid.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Da bin ich auf weitere Leseeindrücke gespannt. Von Uwe Timm habe ich schon ein paar Sachen gelesen und fand sie immer recht gut.


    Hallo Finsbury,


    ich habe den Roman mittlerweile beendet. Er bietet das, was man von Timm kennt: eine gute Geschichte, gekonnt und stilistich souverän erzählt. In diesem Fall wird die Geschichte der Eugenik in Deutschland anhand eines ihrer Hauptvertreter, des Arztes Alfred Ploetz, erzählt. Timm wählt die Perspektive eines amerikanischen Soldaten deutscher Herkunft, der mit den alliierten Besatzungtruppen nach Deutschland (zurück)kommt und den Auftrag erhält, die Verbindung der Eugenik zur Rassenideologie und zu Fragen von Euthanisie und Völkermord zu untersuchen. Dazu interviewt er einen Mitarbeiter des mittlerweile verstorbenen Ploetz. Die auf Tonband aufgezeichneten Gespräche - eigentlich handelt es sich um Monologe dieses Mitarbeiters - bilden die zentralen Kapitel des Romans.


    Diese Anordnung der Romanhandlung schränkt den Roman auch zugleich ein. Es gibt zwar Kapitel, die recht lebendig und anschaulich die deutsche Gesellschaft unmittelbar nach Kriegsende schildern. Zugleich bleiben die Kapitel, die überwiegend aus Wagners Erzählungen bestehen, doch weitgehend statisch. Da bewegt sich nicht viel. Es sind eben historische Rückblenden, Erzählungen über zurückliegende Ereignisse. Insofern ist der Roman doch über weite Strecken ein historischer Bericht, zwar interessant, aber nicht wirklich fesselnd.


    Meines Erachtens wäre es klüger gewesen, die Handlung direkt aus der Sicht Wagners oder Ploetz' zu erzählen, statt sie mit aufwendiger Rahmenhandlung in Interviews zu verpacken. Allerdings hätte das natürlich auch wieder den Verzicht auf eine Distanz bedeutet, die bei dem heiklen Thema wichtig ist.

  • Dieser Moment, wenn man bloß mal eben in ein Buch reinschaut, weil man ja gerade ein ganz anderes Buch liest, aber nach den ersten beiden Absätzen weiß, dass man dieses Buch jetzt sofort lesen muss und nicht mehr aus der Hand legen wird, bis man die letzte Zeile gelesen hat. Ich bin gerade solcherart hingerissen von Alexander Granach, Da geht ein Mensch...


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  • Ich mag "Stoner" von John Williams sehr, habe mich aber erst kürzlich durchgerungen, endlich auch "Butcher's Crossing" zu lesen.
    Es hat ein ganz anderes Thema als "Stoner" - das zeichnet sich schon auf den ersten Seiten ab, wo zwei längere Zitate von Ralph Waldo Emerson und Herman Melville abgedruckt sind -, es geht um das Verhältnis des Menschen zur Natur; und es besitzt als Psychogramm der Hauptfigur nicht die Genauigkeit wie "Stoner", ist zugleich weit weniger geheimnisvoll (vielleicht, weil Frauen nur ganz am Rande vorkommen, während in "Stoner" die Frauen ein ungelöstes Geheimnis bleiben), aber es ist ungeheuer spannend und großartig in der Naturschilderung. Dringende Leseempfehlung!


    ps. Habe eben noch rasch einen Blick in den Wiki-Eintrag geworfen und dort gelesen, dass auch Literaturkritiker eine Parallele zu "Moby Dick" ausgemacht haben - was mir ebenfalls nahezuliegen schien. Das Buch wirft einige dringende Fragen zum Thema Jagd auf - ohne zeigefingrige Appelle an den Leser zu richten, es regt nur zum Nachdenken an.