Was lest ihr gerade?

  • Ich bin fast durch mit dem Buch. Meine Begeisterung wächst aber von Seite zu Seite.


    Es geht um den Architekten Faber, der im ersten Weltkrieg in russische Gefangenschaft gerät, sich von dort aber zu Fuß nach China durchschlagen kann. Nach sechs Jahren kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Er ist seiner Frau und Familie entfremdet und findet es sehr schwer, wieder im Leben Fuß zu fassen. in Deutschland trifft er auch auf wachsende gesellschaftliche Gegensätze. Fabers Familie war extrem liberal, die Kinder wurden freigeistig erzogen. Die Freiheit jedoch führte nicht unbedingt zu erfolgreichen Biographien. Zwei von Fabers Brüdern sterben, einer im Krieg, einer bei bakteriologischen Selbstversuchen. Die Schwester heiratet einen reichen glühenden Nationalisten und flüchtet sich schließlich in den Katholizismus. Fabers Frau Martina sucht ihre persönliche Erfüllung in der Arbeit für eine caritativ tätige Fürstin, die mit ihrem Projekt einer 'Kinderstadt' soziale Nöte lindern will. Zwischen all diesen neuen Denkrichtungen bewegt Faber sich hilflos hin und her, bis er schließlich in Kontakt mit kommunistischen Kreisen gerät, die die Arbeit der Fürstin und damit auch die Arbeit Martinas als sinnloses partriarchales Gutmenschentum anprangern, das die wirklich notwendigen sozialen Reformen verhindert.


    Abgesehen davon, dass Wassermann ein glänzender Erzähler ist und seine Figuren ganz exzellent psychologisch ausleuchtet, was zu ungeheuer spannungsreichen Dialogen führt - er stellt hier eine Gesellschaft dar, die unserer so sehr ähnelt. Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen einzelnen gesellschaftlichen Gruppen, Menschen entfremden sich, weil sie in politischen und gesellschaftlichen Fragen nicht einig sind, der Riss geht durch die Familien. Ein wirklich sehr aktuelles Buch eines großen Erzählers, wie ich finde.

  • Danke, JHNewman. Das klingt wirklich sehr verlockend, besonders durch die aktuellen Bezüge. Jakob Wassermann kenne ich bisher nur dem Namen nach, aber mir scheint, das sollte sich ändern.


    Hast Du schon einen anderen Roman von ihm gelesen?


  • Danke, JHNewman. Das klingt wirklich sehr verlockend, besonders durch die aktuellen Bezüge. Jakob Wassermann kenne ich bisher nur dem Namen nach, aber mir scheint, das sollte sich ändern.


    Hast Du schon einen anderen Roman von ihm gelesen?


    Ja. Vor Jahren den 'Fall Maurizius', der mir ebenso gut gefallen hat. Und dann die Fortsetzung: Etzel Andergast. Nun habe ich mir auch noch den dritten Band der Trilogie besorgt: Josef Kerkhovens dritte Existenz.

  • Die Edda, Heinrich Heines Gedichte, Paul Hartmanns "Nordische Mythologie", Arthur Schopenhauers Anweisungen zum Glücklichsein, Rüdiger Safranskis Romantikbuch, Peter Sloterdijks "Der Zauberbaum", Hans Ulrich Obrists "Ways of curating" und noch einen Since Fiction-Klassiker. Also, ich lese eigentlich recht regelmäßig, aber zu viel durcheinander. Eigentlich wollte ich mich noch wieder etwas in Schopenhauers Werk vertiefen, aber...


    Bei Safranskis Romantikbuch fürchte ich, dass viele Klassiker auf die Wunschliste kommen, es läuft einem ja förmlich das Wasser im Munde zusammen und der Wunsch, sich eine Klassiker-Bibliothek aufzubauen...

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Ja. Vor Jahren den 'Fall Maurizius', der mir ebenso gut gefallen hat. Und dann die Fortsetzung: Etzel Andergast. Nun habe ich mir auch noch den dritten Band der Trilogie besorgt: Josef Kerkhovens dritte Existenz.


    Auf den "Fall Maurizius" bin ich schon mehrfach gestoßen, wusste aber nicht, dass er Teil einer Trilogie ist. Jakob Wassermann steht jetzt auf jeden Fall auf meiner Leseliste. :winken:

  • Habe vorgestern mit dem Roman des Österreichers Gerhard Jäger begonnen:



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    Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod


    Im Moment kommt es mir ein bisschen vor wie ein Déja vu auf Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän". Auch hier geht es um ein abgeschnittenes Alpental und das Aufsichzurückgeworfensein eines, wenn auch hier jungen Menschen. Schön geschrieben!

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)


  • Habe vorgestern mit dem Roman des Österreichers Gerhard Jäger begonnen:


    Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod


    Im Moment kommt es mir ein bisschen vor wie ein Déja vu auf Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän". Auch hier geht es um ein abgeschnittenes Alpental und das Aufsichzurückgeworfensein eines, wenn auch hier jungen Menschen. Schön geschrieben!


    Mein Buchhändler hat mir dieses Buch sehr empfohlen! Ich habe mir daraufhin die HB-Version aus der Bibliothek geholt, allerdings noch nicht zu hören begonnen...

  • Gestern begonnen:
    Anthony Powell - Die Welt des Wechsels

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    Gleich zu Beginn trifft Nick seinen Onkel Giles, der anscheinend inzwischen etwas ruhiger und nicht mehr ganz so streitlustig ist. Bei der Gelegenheit lernt Nick auch die Wahrsagerin Myra Erdleigh kennen, die vermutlich später wieder auftaucht.


    "Ein Tanz zur Musik der Zeit" ist wirklich wie ein Tanz, in dem die Personen sich aufeinander zu bewegen, sich nach einer mehr oder weniger langen Begegnung wieder voneinander entfernen, um sich früher oder später erneut zu treffen, in veränderten Konstellationen. Mir gefällt es nach wie vor sehr.


    und heute als Parallellektüre:
    Peter Wohlleben - Das geheime Leben der Bäume

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  • ich habe folgendes Buch gerade beendet und bin begeistert:


    Richard Russo
    Diese gottverdammten Träume

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    Wunderbar erzählte Geschichte über zwei Familien in Empire Falls, einer Kleinstadt in Maine. Die Dialoge sind vom Feinsten !


    OT: Empire Falls
    Pulitzerpreis 2002

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ich habe nun mit "Augustus" von John Williams begonnen. Der Autor hat nur wenig geschrieben, bisher sind drei Romane übersetzt von vier (soweit ich weiß). Nach "Stoner" und "Butcher's Crossing" nun "Augustus", ein Briefroman, der schon auf wenige Seiten einen gefangen nimmt. Toll gemacht.


    @Gina,
    das Buch hast du kürzlich als Highlight in diesem Jahr bezeichnet, nicht wahr?


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    Zitat von "Gina"

    und heute als Parallellektüre:
    Peter Wohlleben - Das geheime Leben der Bäume


    hab ich als Hörbuch/Lesung. Mal sehen wann ich dazukomme.

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Ich habe nun mit "Augustus" von John Williams begonnen. Der Autor hat nur wenig geschrieben, bisher sind drei Romane übersetzt von vier (soweit ich weiß). Nach "Stoner" und "Butcher's Crossing" nun "Augustus", ein Briefroman, der schon auf wenige Seiten einen gefangen nimmt. Toll gemacht.


    @Gina,
    das Buch hast du kürzlich als Highlight in diesem Jahr bezeichnet, nicht wahr?


    Jaaaa!!! Ich habe den Roman im Original gelesen und er wirkt immer noch nach (er hat auch für weiteren Lesestoff gesorgt). Das Leben des Augustus, seine Politik und seine Zeit, Freunde und Feinde - alles findet sich genial komponiert in den Briefen. Ich interessiere mich schon lange für römische Geschichte und finde die Kombination von Fakten und Fiktion wirklich gelungen. Und Williams' tolle Sprache ist so direkt, wirkt so unmittelbar, dass man beim Lesen regelrecht zum Briefempfänger wird. - Viel Spaß damit, Maria!


    Wenn ich mich recht erinnere, habe ich gelesen, dass auch nur diese drei Romane übersetzt werden, da John Williams' erster Roman längst noch nicht die Qualität der folgenden erreicht hat.


    hab ich als Hörbuch/Lesung. Mal sehen wann ich dazukomme.


    Ich habe bisher auch nur die ersten Seiten gelesen. Die haben mir recht gut gefallen. Hoffentlich habe ich heut Abend ein bisschen Ruhe zum Lesen.

  • Zitat

    Maria: Ich lese gerade den historischen Roman Blutiger Frühling von Barbara von Bellingen. Da kommt Luther und seine Reformation am Rande vor.


    Jaqui
    ich antworte hier in diesem Thread, damit der Luther-Thread lutherisch bleibt :breitgrins:


    Passiert mir auch sehr sehr oft, dass mich ein Buch zu weiteren Bücher und neue Interessen führt. So während des Lesens von "Augustus" von John Williams. Ich bin auf Cicero neugierig geworden und lese parallel "Imperium" (Cicero 1) von Robert Harris. Unterhaltsam, gut geschrieben und gut recherchiert, soweit ich das beurteilen kann.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()