Günther Grass ist gestorben

  • Dann will ich mal den RIP- Storm um G.G. eröffnen.
    Zuletzt habe ich ihn noch im März auf der Leipziger Buchmesse gesehen und seinen Beitrag zum viel gescholtenen Gedicht " Mit letzter Tinte" überraschend gut gefunden.
    Er wird mir fehlen.

  • Ich halte ja seine Blechtrommel immer noch für überragend, aber anderes von ihm konnte nicht daran
    anknüpfen, meiner Meinung nach.
    Auf jeden Fall ist da jemand gegangen, der sich eingemischt hat, der das Wort vom mündigen
    Bürger vehement vertreten hat. Ein streitbarer Geist, der fehlen wird.


    Gruß, Lauterbach

  • Lauterbach, dem kann ich mich nur ansschliessen. Es trifft mich, dass Guenther Grass nicht mehr da ist, obwohl damit ja irgendwann zu rechnen war. Unbequeme wie er fehlen mir in meiner Generation und unter juengeren ein bischen, aber das ist ja nicht das Thema. Sorgt allerdings dafuer, dass einer wie er besonders fehlt. Mir ist bewusst, dass er umstritten ist und gelegentlich auch glorreich daneben lag bzw ins Fettnaepfchen trat, aber das. Macht ihn mir als Mensch sympathisch.


    Ich muss zugeben, dass mir Guenther Grass in seiner politischen Einstellung und seinem Engagement naeher stand denn als Schriftsteller. Die Blechtrommel und auch die Raettin haben mich tief beeindruckt, vieles andere habe ich allerdings nicht zu Ende gelesen. Sein Stiel und die schiere Laenge der Buecher haben oft meine Konzentrationsfaehigkeit ueberfordert, und die Brillianz der Blechtrommel hat er nicht immer erreicht.


    Was ich die letzten Jahre geliebt habe waren seine selbst illustrierten Gedichtbaende, gerade auch da wo sie unpolitsch waren, oder ueberhaupt nur Vorwand fuer die wunderschoenen Illustrationen. Fuer mich als Hobbymalerin auch spannend, wie er im alter zu seiner ersten (kuenstlerischen) Liebe zurueckfand.

  • Ist der Roman "Grimms Wörter" eigentlich sein letzter gewesen? Der ist ja nun schon ein paar Jahre her.

    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)


  • Ist der Roman "Grimms Wörter" eigentlich sein letzter gewesen? Der ist ja nun schon ein paar Jahre her.


    Soweit ich weiß, sein letzter Prosaband.
    Im Sommer soll noch ein Lyrikband von ihm auf den Markt kommen,
    den konnte er noch beenden.


    Gruß, Lauterbach


  • Ich habe viele Texte von ihm mit Spaß und Gewinn gelesen. Außer der Blechtrommel finde ich sehr beachtlich:
    Das Treffen in Telgte
    Katz und Maus
    Mein Jahrhundert
    Beim Häuten der Zwiebel
    Im Krebsgang


    Ganz besonders wichtig finde ich auch die Bedeutung Günter Grass' im Hinblick auf den 'Export' der Deutschen Literatur ins Ausland. Er war einer der wenigen, die dort ausführlich und in der Breite wahrgenommen wurden. Und durch den Nobelpreis wurde das noch einmal verstärkt.

  • Schade. Günther Grass hat m.M.n. einen einzigartigen Stil geprägt. Seine Hundejahre habe ich zwar nach wenigen Kapiteln wieder abgebrochen, war aber dafür von seiner Novelle "Im Krebsgang" hellauf begeistert. Nicht nachvollziehbar war deshalb für mich das scheinheilige Moralgetöns nach Erscheinen seiner Autobiografie, genauso wie die derzeitigen Andeutungen von etwaiigem Antisemitismus bzw. der Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut.


    Gruß
    Meier

    "Es gibt andere Geschichten auf einem andern Blatt Papier, doch jede ist mit der ersten verwandt" * Keimzeit

  • Ich habe mir heute die Frankfurter Allgemeine gekauft, um mitzutrauern.


    Es sind doch einige Bücher, die ich von ihm gelesen habe. Die Blechtrommel und Das Treffen in Telgte waren meine Lieblinge.


    Letzten Sonntag bekam ich noch Beim Häuten der Zwiebel von meiner Mutter in gebundener Erstausgabe geschenkt...


    Ich hatte guten Zugang zu seinen Büchern, mag auch seine Zeichnungen sehr gern, politisch nervte er mich manchmal, obwohl ich ihn zu verstehen beginne (wenn auch nicht alles).


    Aber als Künstler habe ich ihn eigentlich immer geachtet und bewundert.

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Für mich war er ein ganz Großer, unter anderem weil er mit seinem Werk die Diskussion immer wieder herausgefordert hat und auch mit seiner streitbaren Persönlichkeit. Er hat mein Leserleben begleitet, und ich weiß noch, dass sein "Butt" das erste Hardcover war, das ich mir durch Jobberei neben dem Studium geleistet habe.
    Auch seine Gedichte mag ich sehr, wobei ich viele nicht unbedingt verstehe. Aber alle seine Prosa-Werke haben mich interessiert, auch provoziert, und ich habe sie immer sofort gelesen, was ich von anderen Autoren nicht immer sagen kann, die bei mir oft lange "abhängen". Ich werde ihn sehr vermissen, und er wird uns - wie ihr auch schon gesagt habt - nicht nur in unserer literarischen, sondern auch in unserer politischen Kultur sehr fehlen. Und er war auch ein grandioser Illustrator seiner eigenen Werke; Das hat den Reiz seiner Bücher noch erhöht.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Übrigens hielt ich auch sein "Weites Feld" für ein sehr bemerkenswertes Buch. Eine, wie ich fand, neben der Fontane Hommage ziemlich interessante Geheimdienst Utopie. Allerdings hatte ich vor meiner Flucht aus Deutschland das Gefühl, dass es so optimistisch nicht wirklich abgelaufen sein kann. Nun ja. Schwamm drüber. Den zurück genommenen Beitrag im Hörbuchforum bitte ich zu entschuldigen.


    Gruß
    Meier

    "Es gibt andere Geschichten auf einem andern Blatt Papier, doch jede ist mit der ersten verwandt" * Keimzeit