April 2003: Theodor Fontane - Effi Briest

  • „Effi Briest“ ist der wohl berühmteste Roman von Theodor Fontane. Wie Gustave Flaubert mit „Madame Bovary“ und Tolstoj mit „Anna Karenina“ widmet sich dieser Roman dem sicherlich beliebtesten Thema des 19. Jahrhunderts: der Ehebrecherin. Dabei verarbeitete Fontane in seinem Roman eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1886.


    Thomas Mann sagte über diesen Roman: „Eine Romanbibliothek der rigorosesten Auswahl, und beschränkte man sie auf ein Dutzend Bände, auf zehn, auf sechs - sie dürfte "Effi Briest" nicht vermissen lassen.“


    Die Beliebtheit von „Effi Briest“ zeigt auch, dass dieser Roman schon mehrmals verfilmt wurde:
    - 1969 mit Angelica Domröse als Effi Briest
    - 1974 mit Hanna Schygulla (Regie: Rainer Werner Fassbinder)

  • Hallo Hubert,


    da ich in 14 Tagen :breitgrins: :breitgrins: in Urlaub entschwinde, wäre es mir gerade recht, wenn es nicht so ganz schnell klappen würde mit "Effie Briest".


    Wenn das Angebot des Lesens nach Pfingsten noch seine Gültigkeit hat, mache ich gerne mit. Ich muss das Buch sowieso erst noch besorgen, also brauche ich auf jeden Fall noch etwas Zeit!


    Viel Spass weiterhin mit Montaigne!


    Liebe Grüße und ein :sonne::sonne::sonne: Wochenende!
    Ingrid

  • Hallo Ingrid,


    da wir ja zunächst nur fünf Essais von Montaigne lesen wollen und uns für jedes Essay eine Woche Zeit nehmen, sind wir genau an Pfingsten durch. Ich freue mich jetzt schon auf Fontane
    :smile: :smile:
    – also dann nach Pfingsten.


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo Hubert,


    ich bin ganz selig, eine nette Freundin hat für mich bei ebay "Effie Briest" und "Irrungen und Wirrungen" für nur 5 € ersteigert. Das erste nette an dem heutigen Mist-Montag (anders kann ich es nicht mehr ausdrücken) :grmpf: :grmpf: :grmpf: !


    Also steht unserem gemeinsamen Lesen nach Pfingsten nichts mehr im Wege! Vielleicht macht bis dahin noch jemand mit!


    Liebe Grüße


    von einer leicht genervten - aber trotzdem frohen -
    Ingrid

  • Hallo Ingrid,


    Pfingsten ist vorbei: hattest Du einen erholsamen/aufregenden Urlaub? Nimue ist sicher schon gespannt, wann sie „Effi Briest“ verschieben kann. Ich lese heute noch Camus „Die Pest“ zu Ende und werde diese Woche mit „Effi“ anfangen. Ich hoffe, dass Du noch dabei bist? Sonst hat sich leider niemand mehr gefunden. Aber es wäre auch nicht das erste Buch, das ich alleine lese. Fühle Dich also nicht unter Druck gesetzt.


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo Hubert,


    bin heute erst aus dem Urlaub zurückgekommen und noch ein bißchen "gagga", wie man so schön sagt.


    Was aber nicht heißen soll, daß ich nicht "Effi" lesen möchte! Ich habe am Montag sogar schon ein bißchen darin gelesen, aber wirklich nur ein bißchen, wollte dann aber abwarten, was sich während meines Urlaubes hier im Forum so getan hat. Schade, dass sich sonst niemand gemeldet hat!


    Aber ich denke, wir schaffen es doch auch alleine (ähem, zu zweit :zwinker: :zwinker: ).


    Also: Von mir aus können wir anfangen!


    Liebe Grüße
    Ingrid

  • Die Titelfigur in Fontanes Roman entspricht den traditionellen Rollenerwartungen an eine Frau im 19. Jahrhundert nicht im geringsten. Da sich Fontane aber mit Bewertungen und Urteilen zurück hält, den Leser dagegen an Effis Gefühlen und Hoffnungen teilhaben lässt, schafft er Sympathie für Effi und Verständnis für Frauen, die nicht mehr Eigentum ihrer Männer sein wollen. Eine tatsächliche Ehegeschichte (Armandis und Else von Ardennes) diente Fontane als Vorlage für einen der bekanntesten deutschsprachigen Romane, dessen viermalige Verfilmung .(u.a. von Rainer Maria Fassbinder) die Beliebtheit des Stoffes beweist. Für Thomas Mann zählte „Effi Briest“ zu den sieben wichtigsten Werken der Weltliteratur. Die folgenden Links enthalten Angaben zu Leben und Werk Fontanes mit vielen bunten Bildern.


    http://www.fontaneseite.de/


    http://www.fontane-gesellschaft.de/

  • Hallo Ingrid,


    schön, wieder von Dir zu hören. "Effi" habe ich soeben im Forum "Gemeinsames Lesen - Chronik" hinterlegt und die Verschiebung dieses Thread in "Gemeinsames Lesen" wird sicher auch bald erfolgen.


    Ich freue mich, auf unser gemeinsames Lesen! :schmetterling:


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo Euch allen!


    Ich möchte mich gern anschließen und Effie Briest mit Euch lesen.
    Geht es schon los?
    Fange ich direkt an zu lesen?
    Gibt es ein festgelegtes Tempo beim Lesen?


    Ich hoffe, jemand von Euch hilft mir als Neu-Mitglied beim Einstieg.


    Liebe Grüße,
    Polly

  • Hallo Polly,


    erstmal herzlich willkommen hier im Forum :blume: . Und ganz toll, dass du noch mit uns lesen willst :klatschen:

    Nein, ich glaube ein bestimmtes Tempo gibt es nicht. Es ist doch einfach so, dass der eine schneller als der andere liest, oder der eine mehr Zeit zum Lesen hat als der andere. Man sollte keinen Stress mit dem gemeinsamen Lesen machen, das ist jedenfalls meine Meinung.


    Also ich habe jetzt mal schon angefangen, Effi Briest zu lesen. Wir - Hubert und ich - hatten besprochen, nach Pfingsten anzufangen, also, wenn du möchtest, kannst du auch loslegen.


    Liebe Grüße (und denk dran: ja kein Stress beim Lesen :zwinker: :zwinker: )


    Liebe Grüsse auch aus dem Saarland


    Ingrid

  • obowhl ich ja gehofft habe, Hubert würde, aber leider.... Nun ja.


    Also ich habe gestern abend ein bißchen mehr in Effi gelesen. Das erste, was mir aufgefallen ist, ist diese absolut genaue Beschreibung, wie Fontane jedes winzige Detail erklärt. Man kann sich den Garten der Briest ganz genau vorstellen, als wenn man mitten drinstehen würde. Genauso beschreibt er auch Effi und ihre Mutter, die in diesem Garten sitzen und sticken (in Anbetracht der heutigen Temperaturen hier bei uns eine äußerst schweißtreibende Vorstellung - das aber nur so nebenbei).


    Eigenartig ist auch, dass Frau Briest - so habe ich es verstanden - ihre Tochter Effi nicht gerne erwachsen sehen möchte, siehe den formlosen Kittel, den die immerhin schon 17jährige tragen muss. Und doch hat man den Eindruck, dass Effi eben doch noch ein bißchen ein Kind ist, siehe das Spiel mit den Freundinnen.


    Und als sie dann zurück ins Haus geht, weil ja der Besuch schon da ist (viel zu früh, wie sie meint), da geht sie ihrem Unheil entgegen, so sehe ich es. Ich finde, die Mutter ist schon eine sehr berechnende Dame gewesen....


    Das war es erst einmal von mir


    :sonne::sonne::sonne::sonne: seufz, Sonne satt, ein Landregensmilie wäre mir lieber, aber wie gesagt, Landregen, kein Unwetter!


    :winken:
    Ingrid

  • Hallo Poly,


    herzlich willkommen im Forum und besonders in unserer Fontane-Leserunde. Schön, dass Du mit Ingrid und mir den Roman „Effi Briest“ lesen willst.


    Zitat:
    Geht es schon los?
    Fange ich direkt an zu lesen?


    Ingrid hat ja schon angefangen zu lesen und ich werde heute abend, spätestens aber morgen anfangen mit „Effi“. Du kannst also, wenn Du das Buch schon hast, auch direkt anfangen.


    Zitat:
    Gibt es ein festgelegtes Tempo beim Lesen?


    Das gemeinsame Lesen, soll ja den Spaß beim Lesen erhöhen und nicht verderben. Also, wie Ingrid schon sagte, jede/r liest so schnell oder so langsam wie sie/er kann, bzw. wie es ihre/seine Zeit zulässt. Da ich eher ein langsamer Leser bin, hoffe ich, Ihr beide eilt mir nicht zu sehr voraus.


    Zitat:
    Ich hoffe, jemand von Euch hilft mir als Neu-Mitglied beim Einstieg


    Ich denke, wir helfen uns gegenzeitig. Ingrid und ich zählen ja auch noch nicht zu den Alt-Mitgliedern (Ingrid ist noch keine vier, ich noch keine zwei Monate dabei)


    Wenn ich mir was wünschen dürfte:
    Jede/r postet was und wann sie/er will, und ohne Angst haben zu müssen, dass ihre/seine Postings von den anderen kritisiert werden. Aber: abweichende Meinungen dienen der Diskussion und sind deshalb nicht nur erlaubt sondern erwünscht und gelten nicht als oberlehrerhafte, nervende Besserwisserei. Ansonsten ist alles (unter Einhaltung der von nimue festgelegten Regeln) erlaubt: Meinungen!, Fragen, Anmerkungen, Bemerkungen, Gefühle und Empfindungen beim Lesen, Berichte über Zahnarztbesuche usw. – Wenn einem aber nichts einfällt, ist auch niemand verpflichtet etwas zu posten. Also auch hier gilt: Kein Stress! Schön wäre es aber dann, wenn man zumindest von Zeit zu Zeit, mitteilen würde, ob man noch mitliest und wo im Roman man sich gerade befindet. .


    Ingrid: Vielen Dank, dass Du den Anfang gemacht hast. Wie gesagt, ich fange erst heute abend an.


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo liebe Mitleser,
    hallo nimue (danke für die 3 smilies!!!)



    ich gestehe, ich habe es mir einfacher vorgestellt, ein Buch von Fontane zu lesen. Nicht, dass ich es kompliziert finde, das sicher nicht; aber mein Problem ist, dass ich mich mit Effi einfach nicht so richtig anfreunden kann!


    Es ist ganz schön schwierig, eine Person zu mögen, die man zwischendurch einfach mal schütteln möchte (meine Mitleser und Thedor Fontane mögen mir verzeihen!).


    Aber ich bin eisern, ich halte durch, bis zum bitteren (ihrem) Ende.


    Ein schönes :sonne: Wochenende und wenn zu viel davon, dann eine schöne :urlaub: oder wenigstens ein :eis: oder eine kühle :baden:


    Ingrid

  • Euch allen herzlichen Dank für Euer freundliches Willkommen!


    Da wollte ich gleich loslesen, musste jedoch feststellen, dass Effie Briest mein Bücherregal verlassen hat. Irgendwann. :sauer:


    Morgen soll es in der Buchhandlung für mich bereit liegen, krachneu!


    Ich überbrücke die Zeit mit ein paar Seiten aus Fontanes "Meine Kinderjahre".


    Ein schönes Wochenende!


    Liebe Grüße,
    Polly

  • Hallo zusammen,


    „ich gestehe, ich habe es mir einfacher vorgestellt, ein Buch von Fontane zu lesen“, hat Ingrid gepostet und so will ich auch anfangen, wenn auch möglicherweise aus anderen Gründen, aber langsam wird mir klar, warum Thomas Mann das Buch so hoch einschätzte. Schon das erste Kapitel hat es in sich:


    Im Thread „Romananfänge“ hat Ikarus einen Link zum Hölderlin-Gymnasium in Heidelberg hinterlegt (nochmals vielen Dank) und dort hatte ich folgendes Briefzitat von Fontane gefunden:


    »Das erste Kapitel ist immer die Hauptsache und in dem ersten Kapitel die erste Seite, beinah die erste Zeile [...] Bei richtigem Aufbau muss in der ersten Seite der Keim des Ganzen stecken.« (Theodor Fontane in einem Brief an Karpeles vom 18. August 1880).


    Dieses Fontane-Zitat auf seine „Effi“ angewendet lässt mich Fontane, den ich nie für einen Meister des ersten Satzes angesehen hatte, mit anderen Augen sehen: „...während --- ein ... Seitenflügel einen breiten S c h a t t e n erst auf einen ... Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonenuhr ... besetztes Rondell warf.“, endet der erste Satz des ersten Kapitels von „Effi Briest“ und hat mich sofort an die „Dubliner“ von Joyce erinnert. (Für Eingeweihte: -> Es gab keine Hoffnung für Effi! – Hallo Maria, ob Joyce Fontane kannte?). :zwinker:


    Was steckt sonst noch an Andeutungen im ersten Kapitel: Effi „immer am Trapez, immer Tochter der Luft“, deutet sicher auf Effis unbeschwertes, wenn nicht leichtsinniges Wesen; „Effi, nicht so leidenschaftlich“, warnt die Mutter; „ich falle jeden Tag ..., und noch ist mir nichts gebrochen“, sagt Effi; und „Unsinn. Wie kann das gegen das vierte Gebot sein?“; und am Schluß des ersten Kapitels ein Hinweis auf die „unglücklichen Frauen, die versenkt worden sind, natürlich wegen Untreue“ – „Aber so was vergisst man doch wieder“, sagte Hulda. „Ich nicht. Ich behalte so was.“.



    Ingrid
    Zitat:
    “Nicht, dass ich es kompliziert finde, das sicher nicht


    Nun ich finde es schon kompliziert und ohne Lexikon und Wörterbuch ist es für mich nicht zu schaffen: z.B. wusste ich nicht, dass „Canna indica“ (schon im 1. Satz) eine Zierpflanze und ein „Courmacher“ ein Frauenheld ist und auch nach „Mining und Lining“ einem Zwillingspaar aus „Ut mine Stromtid“ des niederdeutschen Heimatdichters Fritz Reuters musste ich erst recherchieren.


    Zitat:
    „was mir aufgefallen ist, ist diese absolut genaue Beschreibung, wie Fontane jedes winzige Detail erklärt“.


    Hat Dich das gestört oder war das für Dich in Ordnung?
    Meiner Meinung nach gehen diese Detailbeschreibungen bei Fontane weit über die allgmeine Detailfreude des „Realismus“ hinaus und sind möglicherweise symbolische Andeutungen des weiteren Geschehens. (Beispiele aus dem 1. Absatz: die Kirchhofsmauer, die mit Fronthaus und Seitenflügel ein Hufeisen bildet; Effis Schaukel, deren Pfosten schon etwas schief stehen! - Hinweise auf Tod und Gefahr?)


    Zitat:
    „Und doch hat man den Eindruck, dass Effi eben doch noch ein bißchen ein Kind ist“


    Den Eindruck hatte ich auch, wenn ich im Umschlagstext nicht gelesen hätte, dass Effi 17 Jahre alt ist, ich hätte (nachdem was man im 1. Kapitel von ihr erfährt) eher 14 vermutet.
    (Will Fontane damit zeigen, dass Effi noch nicht reif für eine Ehe ist?)


    Zitat:
    „Ich finde, die Mutter ist schon eine sehr berechnende Dame gewesen.... „


    Ich denke, sie will nur das Beste für ihre Tochter. Allerdings mit dem Ehrgeiz einer „Tennis/Eiskunstlauf/?/-Mutter“. (Zitat aus dem 2. Kapitel: „Wenn du nicht nein sagst, ... so stehst du mit zwanzig Jahren da, wo andere mit vierzig stehen. Du wirst deine Mama weit überholen“)


    Zitat:
    „mein Problem ist, dass ich mich mit Effi einfach nicht so richtig anfreunden kann!“


    Wieso ist das ein Problem? Auch in meiner letzten Leserunde („Die Pest“ von Camus) gab es Mitleser, die bedauerten, dass es keine Romanhelden gab mit denen man sich identifizieren konnte oder die einem symphatisch waren. Sollte das ein Qualitätsmerkmal für Literatur sein? Davon abgesehen könnte ich mich mit Effi nicht nur anfreunden, nein – ich habe mich direkt in sie verliebt. Eine junge, hübsche Frau, mit Humor „und Grazie, während ihre lachenden braunen Augen eine große, natürliche Klugheit und viel Lebenslust und Herzensgüte“ verraten, dazu zärtlich und leidenschaftlich, also wenn Fontane da keine Traumfrau beschrieben hat, ....? – ich habe allerdings erst 2 Kapitel gelesen. Ingrid, wie weit hast Du schon gelesen?



    Polly,
    Welche Ausgabe hat Dir die Buchhandlung besorgt. Da ich „Effi“ nur im Rahmen einer Gesamtausgabe des „Deutschen Realismus“ besitze, suche ich noch eine Taschenbuchausgabe in der ich ohne schlechtes Gewissen Randbemerkungen etc anbringen kann. Kannst Du deine Ausgabe empfehlen – soll heißen, gibt es Anmerkungen, Worterklärungen etc.?


    Ein schönes Wochenende und


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo zusammen


    ich habe heute die ersten 5 Kapitel gelesen und erkenne bereits, daß ich viel vergessen habe und daß mir bereits Dinge auffallen, über die ich mir damals als Jugendliche keine Gedanken gemacht habe.


    Dieses Fontane-Zitat auf seine „Effi“ angewendet lässt mich Fontane, den ich nie für einen Meister des ersten Satzes angesehen hatte, mit anderen Augen sehen: „...während --- ein ... Seitenflügel einen breiten S c h a t t e n erst auf einen ... Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein großes, in seiner Mitte mit einer Sonenuhr ... besetztes Rondell warf.“, endet der erste Satz des ersten Kapitels von „Effi Briest“ und hat mich sofort an die „Dubliner“ von Joyce erinnert. (Für Eingeweihte: -> Es gab keine Hoffnung für Effi! – Hallo Maria, ob Joyce Fontane kannte?). :zwinker:


    Auf jeden Fall haben beide eine Liebe zu Wortsymbolik und vielleicht hat Thomas Mann, der Fontane ja sehr schätzte, dessen Symbolik (in Wort und Zahl) als Vorbild genommen. T.M. hatte bestimmt seine literarische Freude an Effie Briest.


    Ich sehe es auch so wie Hubert, daß bereits der 1. Abschnitt sehr symbolträchtig ist. Es werden bereits die gesellschaftlich Grenzen angeführt, die für Effie eine Einschränkung ihrer Freiheit "als Tochter der Lüfte", bedeuten: der Staat (Symbolisiert durch Kurfürst Georg Wilhelm) und Kirche (symbolisiert durch den Schindelturm und der Kirchhofsmauer - evtl. auch ein Symbol des Todes?)
    Nicht zu vergessen das angekettelte Boot!


    und selbst wenn allgemein behauptet wird, daß Fontane kein Meister des ersten Satzes sein sollte, so ist er es des letzten Satzes in den diversen Kapitel:


    Kapitel 1 bereits von Hubert erwähnt: "Ich nicht. Ich behalte sowas"
    Kapitel 2 "Effie komm" rufen ihre Freundinnen und Geert von Innstetten sieht darin ein Omen.
    Kapitel 3 "und darin war sie anspruchsvoll"
    Kapitel 4 über Geert "ich fürchte mich vor ihm" (sie fürchtet Geerts Gründsätze)
    Kapitel 5 Vater Briest zu seiner Frau: "Das ist wirklich ein zu weites Feld"
    In diesem Kapitel kommt diese Redewendung 2x vor und erinnert uns an Günter Grass Roman "Das weite Feld". Auch Grass erkannte den Wert dieses einprägsamen Satzes.


    So eröffnet sich für mich so nach und nach ein Bild von Effie, ohne ihre Gedanken zu kennen, denn es gibt keine inneren Monologe, ist euch das auch aufgefallen. Jedenfalls bisher nicht und trotzdem fehlt es mir nicht.


    Auch ich muß Effie (Geert nennt sie ab und zu in seinen Briefen "kleine Eva" (!!!!) ) etwas verteidigen. Sie trägt mit 17 noch ein Matrosenkleid und ist eigentlich noch nicht in die Gesellschaft eingeführt (Ingrid hat das bereits erwähnt). Sie ist anspruchsvoll, aber auch entzückend. Egoistisch und naiv. Eine gefährliche Kombination. Ihre "grausame" Seite wirkt auf mich kindlich. Sie schämt sich ihrer Tante Theresa, ihren Freundinnen, weil diese ein Stück zu ihrem Polterabend aufführen, grausam ist auch ihr Desinteresse, wenn ein Brief von Geert kommt. Der Brief verschwindet erstmal in ihrer Kleidertasche und fast schon vergessen, muß ihre Mutter sie erinnern ihn zu lesen. Traurig für Geert von Innstetten. Liebe bedeutet für sie, daß man sie verwöhnt!


    Ein paar Jahre zur Reife hätten ihr gut getan, aber eine gute Verheiratung war damals wohl Standard in gewissen Kreisen.


    Zitat von "Ingrid"

    Und doch hat man den Eindruck, dass Effi eben doch noch ein bißchen ein Kind ist, siehe das Spiel mit den Freundinnen.


    Seh ich auch so. Ihr Spiel führt sie ans Wasser (siehe im 1. Abschnitt Kapitel 1 das angekettete Boot), machen einen Trauerreim mit dem Trauervokal u, und versenken Stachelbeerenschalen um die Schuld zu versenken. Ehebrecherinnen werden in anderen Ländern ertränkt....


    Ich sehe hier das Element Wasser als negatives Gegenstück zu "der Tochter der Luft". Kessin wird auch als Badeort erwähnt.


    Im Kapitel 4 sagt uns Effie, daß sie Langeweile nicht verträgt. Schlechte Voraussetzung für die Verbindung zu einem Mann im Staatsdienst, der auch sehr ehrgeizig ist.


    Bereits in diesen 5 Kapiteln sind soviele Aussagen, die uns ein Bild von Effie geben, dass es beeindruckend auf mich wirkt.


    Hubert:
    Nun ich finde es schon kompliziert und ohne Lexikon und Wörterbuch ist es für mich nicht zu schaffen:


    Danke fürs nachschauen, das erspart mir die Suche :)
    Ich habe nach dem Gemälde: Insel der Seeligen im Netz gesucht, aber nichts gefunden. Kann sich jemand vorstellen, was der Chinese im Kapitel 6 bedeuten könnte, weil Effie ihn fürchtet?


    Sie hat überhaupt eine lebhafte Fantasie, wenn ich daran denke, daß sie den Ort Kessin mit Sibirien gleichsetzt.


    Da ich nur dieses Wochenende so richtig Zeit habe zu lesen, werde ich vermutlich etwas vorausspurten, dafür komme ich vermutlich die kommende Woche kaum zum Lesen. Aber das wird euch bestimmt nichts ausmachen.


    Polly:
    auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum. :schmetterling:


    Bis dann
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ihr Lieben


    seid mir (noch) voraus. Ich habe meine Effi ja heute erst abholen können. immerhin, die beiden ersten Kapitel habe ich am Nachmittag gelesen.


    @ Hubert: Wenn irgend möglich, kaufe ich gebundene Bücher. Ich hasse Taschenbücher! Mein Bändchen ist aus dem Insel Verlag, wunderschön mit Lithographien von Max Liebermann gestaltet.


    @ Maria: Mein Kapitel 2 endet anders, mit >"Effi, komm"< endet der vorletzte Absatz, dann folgt >Dann duckte sie sich, und beide Schwestern sprangen von der Banklehne, darauf sie gestanden, wieder in den Garten hinab, und man hörte nur noch ihr leises Kichern und Lachen.<


    Die Redewendung vom "weiten Feld" ist übrigens auch der Schlusssatz des Romans!


    Im Gegensatz zu Dir, Ingrid, finde ich Effi richtig sympathisch, sie ist so angenehm direkt und offen. Ich sehe sie auch nicht als zu kindlich an. Mal ehrlich, wer ist denn mit 17 schon erwachsen? Wieso hättest Du, Hubert, sie für 14 gehalten? Weil sie so lebhaft ist, noch schaukelt?
    Die Schaukel scheint mir übrigens die gleiche zu sein, die im Garten der Familie Fontane in Swinemünde stand, die war auch ein bisschen windschief.


    Hubert fragt, ob Fontane mit der Art, wie er Effi darstellt, sagen will, dass sie noch nicht reif für die Ehe sei. Nun, ich denke, für diese Ehe ist sie nicht reif genug, und ich frage mich, wer mit 17 überhaupt reif für eine Ehe sein kann. Ich war es mit 17 nicht, hätte es aber damals nie zugegeben. :zwinker:


    So viel von mir zum Anfang. Jetzt lese ich noch ein, zwei Kapitel.


    Liebe Grüße,
    Polly

  • Hallo zusammen,
    hallo Maria,


    schön, dass Du mit uns Fontane liest. Obwohl ich versuche aufmerksam zu lesen, waren mir doch der Kurfürst und der Kirchturm als Symbol für Staat und Kirche entgangen. Nun dafür lesen wir ja zusammen. Aber es zeigt, dass „Effi“ viel Aufmerksamkeit braucht (ich meine jetzt nicht das Mädchen, sondern den Roman). Beim nochmaligen Lesen des ersten Absatzes, ist mir auch die Farbsymbolik aufgefallen: Der Fliesengang ist weiß und grün quadriert und die gleichen Farben wiederholen sich im nächsten Satz, wo die weiß-gestrichene Eisentür die mit (grünem) Efeu bewachsene Kirchhofmauer unterbricht. Effi trägt aber ein blau und weiß gestreiftes Kleid. Ob da eine Bedeutung dahinter steckt?


    Du hast recht: Fontane ist ein Meister des letzten Satzes. „Ein weites Feld“ kommt übrigens im Roman insgesamt sieben! Mal vor. (Ich habe in meiner CD-ROM-Sammlung einen digitalen Text des Romans entdeckt und natürlich gleich mal durchzählen lassen). Bin mal gespannt, ob das Zitat immer von Vater Briest verwandt wird und bei welchen Gelegenheiten.


    Polly:
    - Ich mag gebundene Bücher auch lieber. Aber für unterwegs und zum reinschreiben habe ich oft noch zusätzlich ein Taschenbuch. Sind die Liebermann-Lithographien spezielle Illustrationen zu „Effi Briest“?
    - Warum ich Effi eher für 14 hielt? Nicht weil sie lebhaft ist und auch nicht wegen dem Schaukeln; Aber z.B. wegen dem Versteck spielen; das habe ich mit 14 zum letzten Mal gespielt. :zwinker:
    Ich finde aber ihre kindliche Art keineswegs negativ.


    Ingrid:
    Ab dem 3. Kapitel nehmen die Sympathiepunkte für Effi ab


    Liebe Grüße


    Hubert

  • Hallo zusammen, hallo Maria (schön, dass du da bist!)


    Ich habe mal ein bißchen nachgelesen, was andere von dem Roman halten und dabei das hier gefunden:

    "Im Roman finden sich viele Symbole und Anspielungen eingebaut die man ohne Sekundärliteratur nur sehr schwer erkennen kann. Ein paar Beispiele hierfür:
    Das erste Kapitel spielt auf die Verkündigungsszene Mariens an. Das blauweiße Kleid trägt auch Maria in diversen Darstellungen der Verkündigungsszene auf Bildern die Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Unter anderem das Weiß im Kleid ist ein Hinweis auf (Effis) Jungfräulichkeit.
    Effis sozialer Status wird durch das Handarbeiten zusammen mit der Mutter angedeutet.
    Im Text bleibt Effis genauer Sterbetag offen. Auch hier hilft die Sekundärliteratur. Es war der 15.8. Maria Himmelfahrt."


    http://www.seh-netz.org/freizeit/bbspr/effi.htm


    Von dieser Seite aus habe ich das Buch allerdings nicht betrachtet! Ob Fontane wirklich daran gedacht hat?


    Hubert: Ob ich diese detailgetreue Beschreibung Fontanes mag? Ja, sogar sehr! Das ist genau der Moment, in welchem ich mich in ein Buch total vertiefen kann. Ich mag es, wenn ich mir genau vorstellen kann, wie etwas aussieht, wie etwas riecht, wenn ich mir vorstellen kann, wie warm dieser Sommertag ist, den Fontane am Anfang beschreibt.


    Warum ich mich mit Effi nicht identifizieren kann? Mag ich sie eigentlich wirklich nicht?


    Antwort: Sie tut mir Leid, ich möchte ihr helfen, ihre Hilflosigkeit und ihre Zerissenheit, ihre Ängste verwirren mich und ich hasse diese Zwänge und starren Etikette, in denen sie gefangen ist. Man könnte sie anschubsen, zu versuchen, sich zu befreien.


    Frage: Könnte es heute noch so eine "Effi" geben?


    Was mich völlig verwirrt, ist die Stellung des Mannes. Erinnert mich an die Erzählungen meiner Großmutter, die 1895 geboren wurde und die mir sehr viel aus ihrer Jugend und ihrer Kindheit erzählt hat. Die ebenfalls einen ungeliebten Mann heiraten musste, aber niemals auf den Gedanken gekommen wäre, sich dagegen zu wehren. Das aber nur so am Rande.


    Ich habe das Buch übrigens fertig gelesen am Wochenende, aber ich hoffe, ich kann trotzdem mit euch weiter darüber diskutieren, weil es mich mehr beschäftigt, als ich mir hätte vorstellen können.


    Liebe Grüße und einen schönen Tag


    Ingrid