Flaubert

  • bei Dörlemann kürzlich erschienen:



    Über Felder und Strände: Eine Reise in die Bretagne Gebundene Ausgabe – 14. März 2016
    von Gustave Flaubert (Autor), Maxime Du Camp (Autor)


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    Über Feld und Strand (bei Gutenberg-DE)
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/uber-feld-und-strand-7939/1

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()

  • ich lese gerade „Die Erziehung des Herzens“ und bin mal wieder begeistert von Flauberts Stil.
    Frederic liebt die Leidenschaft in der Literatur und nennt einige Helden bei Namen..


    drei Namen kann ich nicht zuordnen. Kommt ihr drauf?

    Werther = Goethe


    René


    Franck


    Lara


    Lelia = George Sand


    danke schön im Voraus :blume:

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Zu deiner Frage habe ich leider keine Antwort, JMaria, aber ich habe eben einen anderen Roman Flauberts zu Ende gelesen:

    Gustave Flaubert: Salammbô


    Flaubert schildert in seinem historischen Roman von 1862 einen Söldneraufstand gegenüber Karthago, der nach dem Ersten Punischen Krieg in der Mitte des dritten Jahrhunderts v.u.Z. tatsächlich stattgefunden hat.


    Zum Inhalt:


    Hamilkar Barkas (der Vater jenes Hannibal, der später mit seinen Elefanten die Alpen überquerte) ist nach dem Scheitern der Karthager im Punischen Krieg, in dem er einer von zwei Heerführern war, noch nicht nach Hause zurückgekehrt. Die Söldner, die unter seinem Befehl kämpften und die aus allen Gegenden des Mittelmeerraumes und der benachbarten Länder stammen, warten indessen vor Karthago auf den ihnen versprochenen Sold. Um sie zu besänftigen und die Zahlung herauszuzögern, richten ihnen die Karthager im Park von Hamilkars Palast ein großes Festessen aus. Im Zuge zunehmender Alkoholisierung werden die Söldner immer enthemmter, zerstören die Parkanlagen und essen die heiligen Fische der Familie Barkas. Nun erscheint die (fiktive) Tochter Hamilkars – Salammbô – die jungfräuliche Hohepriesterin der Stadtgöttin Tanit – und bringt die Söldner durch ihr hoheitliches Gebaren und indem sie den libyschen Söldnerführer Matho durch das Angebot eines Weinpokals auszeichnet, zur Raison. Dieser jedoch missversteht das Angebot und verliebt sich in die schöne Frau.


    Später werden die Söldner durch einen Trick von der Stadt weg gelockt und man macht ihnen völlig unzureichende Angebote bezüglich ihres Soldes. Schließlich verbünden sie sich alle gegen Karthago und belagern zuerst zwei Nachbarstädte, dann Karthago selbst. Während der Belagerung und auch während der Kriegshandlungen geschehen auf beiden Seiten immer wieder entsetzliche Greueltaten, die Opferung von Kindern, die Verstümmelung und Hinrichtung von Tieren und Menschen. Matho dringt eines Nachts heimlich in das belagerte Karthago ein und raubt den Schleier der Tanit. Diese symbolische Entblößung raubt den Karthagern weiter den Mut, und Salammbô macht sich – aufgehetzt durch ihren Erzieher und Hohepriester – verkleidet auf ins Lager der Söldner und Mathos Zelt, um den Schleier wiederzuerhalten. Dort kommt es zu einem Beilager mit Matho, aber Salammbô kann danach mitsamt dem Schleier ins Heerlager ihres inzwischen zurückgekehrten Vaters Hamilkar fliehen.


    Nach wechselndem Schlachtenglück werden die Söldner schließlich unter entsetzlichen Qualen vollständig aufgerieben und nur Matho wird gefangengenommen. An Salammbôs Hochzeitstag mit dem Überläufer Naravas, einem numidischen Fürsten, wird Matho auf einen rituellen Spießrutenlauf durch die Straßen Karthagos geschickt und bricht schließlich vor den Brautleuten sterbend zusammen. Salammbô, die ihm wohl doch stärker zugetan war, nimmt sich daraufhin mit Gift das Leben.


    Wirkung:


    Flauberts Roman war nach seinem Erscheinen ein echter Skandal, häufte er doch Greueltaten noch und nöcher an und erzählte das Ganze völlig kühl, ohne sich mit einer der Seiten zu identifizieren und irgendetwas zu bewerten. Alle Personen handeln aus Egoismus, auch Gefühle sind ich-bezogen und nie selbstentäußernd. Wenn auch Flaubert eher konservativ war und sich sonst nicht besonders gegen die Politik seines Landes wehrte, kann der Roman doch als Kritik am hemmungslosen Imperialismus seiner Zeit gewertet werden.


    Meine Meinung:


    Ich musste mich durch das Werk ziemlich durchquälen, nur das letzte Drittel hat mich überzeugt.


    Flaubert breitet vor dem Leser einen überaus reichen, ja überreichen Bilderrausch aus, gespickt mit den entlegensten Fremdwörtern, die selbst Altphilologen zum Teil überfordern würden und die auch nicht zielführend sind. Für viele Einrichtungsgegenstände, architektonische Details, Rüstungs- und Schlachtenschilderungen werden Fachbegriffe verwendet, die nur zum kleineren Teil im Glossar der Haffmanns-Ausgabe, in der ich den Roman las, erklärt werden. Insgesamt finde ich, dass Flaubert hier zu detailverliebt vorgeht und den Leser damit überfordert, der immer wieder von der eigentlichen Geschichte abgelenkt wird. Seitenweise werden Interieurs, Rüstungsdetails und Kriegsstrategien geschildert. Ich mag eigentlich einen langsamen, detailverliebten Erzählfluss, der einem das Setting nahebringt, aber hier geht Flaubert zu kunsthandwerklich vor, berauscht sich zu sehr an gekünstelt wirkenden Details. Das gilt auch für die zahlreichen Szenen größter Grausamkeiten: Sie erschlagen sich gegenseitig und lassen einen deshalb kalt. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. So kommt mir der Roman eher wie ein literarischer Vorgänger des späteren Art déco /Jugendstils oder auch der Präraffaeliten vor: Die Schilderungen von Salammbôs Aufmachung hätten diese Maler eins zu eins in ihre Bilder umsetzen können, haben es auch getan:


    [Blockierte Grafik: https://www.akg-images.de/Docs/AKG/Media/TR3_WATERMARKED/a/e/3/1/AKG1104026.jpg]


    Carl Strathmann (Salambo, um 1894)


    Der Roman liefert dennoch viel Farbigkeit und spannende Handlung, besonders im letzten Drittel wird die Handlung fortgetrieben, ohne sich ständig in dieser Ornamentik zu verlieren.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ich kann mich erinnern, dass mich das Buch, das ich im Zuge meiner Flaubert-Begeisterung (im letzten Jahrtausend) gelesen habe, in jeder Hinsicht angesprochen und so richtig durchgerüttelt hat. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich zu dieser Zeit auch etliche vergleichsweise platte History-Bücher gelesen habe, in der Art wie der Medicus; da stach Flaubert doch wohltuend ab. Ich hatte immer vor, Salammbo noch ein zweites Mal zu lesen; andererseits denke ich manchmal, mit Flaubert bin ich weitgehend durch. Er war "eine Phase", ebenso wie etwa Eça de Queiroz oder Martin Andersen Nexø ... An Zola und Maupassant hänge ich dagegen immer noch.

  • Den Roman will ich auch niemandem madig machen, er ist sicherlich sehr farbig und auch spannend und hat selbstverständlich mit den historischen Romanen der Unterhaltungsindustrie wenig zu tun.

    Dennoch bemerke ich diese Gewolltheit, das Manierierte, und hier stößt es mir unangenehm auf, obwohl ich es zum Beispiel bei Th. Mann und Grass durchaus genieße. Vielleicht liegt es daran, dass es dieser längst vergangenen dargestellten Zeit so etwas Künstliches gibt, was die Anteilnahme raubt. Das hat Flaubert ja vielleicht auch durchaus gewollt, insofern als kein wirklich positiver Charakter dort geschildert wird, dennoch bleibt mir das Dargestellte fremd.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Hallo finsbury,


    ich finde deine Beschreibung und deine Gefühle gut begründet und lässt für jeden noch Raum der Salammbo gern gelesen hat.


    Zitat

    So kommt mir der Roman eher wie ein literarischer Vorgänger des späteren Art déco /Jugendstils oder auch der Präraffaeliten vor.



    Gefällt mir. Ein schöner Gedanke.

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Salambo hab ich so mit 17, 18 gelesen. Davon weiß ich nichts mehr, außer, dass ich ziemlich begeistert war (ob mir das heute noch gefallen würde, weiß ich nicht). Aber eine Anekdote fällt mir dazu ein: In den ersten Semestern an der Uni hab ich mich gelegentlich in fachfremde Veranstaltungen gesetzt, einmal auch bei den Romanisten in ein Flaubert-Seminar. Da fragte der Prof zu Beginn, ob jemand Salambo gelesen hätte. In meinem jugendlichen Leichtsinn zeigte ich auf - und war der einzige von gut 30 Teilnehmern. Oha. Glücklicherweise stellte der Prof dann keine Fragen mehr, das wäre peinlich für mich geworden - die Lektüre lag damals schon drei, vier Jahre zurück und ich wusste praktisch nichts mehr von dem Roman ;-).


  • hat man schon erwähnt, dass im Mai eine Biographie über Flaubert rauskommt?

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    Ich weiß nicht mehr wie man den Kauf-Link setzt.


    hier nähere Daten..


    Flaubert:
    https://www.hanser-literaturve…aubert/978-3-446-26844-9/

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von sandhofer () aus folgendem Grund: @JMaria: ISBN nicht direkt aus amazon verlinken - da kommen Formatierungen mit und es verhaut die Sache. Am besten erst in einen Editor kopieren und von da wieder kopieren und hier einfügen. Ich habe es repariert. Grüsse - sandhofer

  • Ich glaube, die muss ich mir gönnen, obwohl ich von Flaubert weg zu sein glaubte ...

    Ich habe einige kritische Bücher über Flaubert aus Frauenhand gelesen.

    Es gibt eine recht interessante Biographie über Flauberts Geliebte Louise Colet mit dem Titel "Was wir träumen, wenn wir lieben". Nun ja. Der Titel ist, hm, doof, aber das Buch fand ich damals wirklich interessant. Natürlich ist darin sehr, sehr viel von Flaubert die Rede.

    Nachdem Mario Vargas Llosa unter dem Titel "Die ewige Orgie" viel Geistreiches über Mme. Bovary vom Stapel gelassen hat und Carl Améry unter dem Titel "Charles Bovary, Landarzt" feststellte, dass Flaubert den Charbovari ungerecht behandelt hat, gibt es auch einen Gegenentwurf von Dacia Maraini mit dem Titel "Nachforschungen über Emma B.", in dem sie feststellt, dass Flaubert Emma ungerecht behandelt hat.


    Julian Barnes' Papagei ist hinreichend bekannt ...

    Aber ich besitze bislang keine einzige Biographie über Flaubert selbst.
    (Ich kann die Zahl der Bücher, die ich in diesem Jahr schon bestellt habe, schon gar nicht mehr angeben; erst gestern waren es wieder drei. Da kommt es auf das eine auch nicht mehr an ...)

  • ich glaube eine, ich sag mal, „echte“ Biographie gab es bisher noch nicht in D.
    schon allein deswegen möchte ich sie mir im Mai kaufen.


    Sandhofer,

    Danke fürs editieren und für die verständliche Erklärung!

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Zur Vollständigkeit und vielleicht interessiert es jemand irgendwann mal, hat meine Recherche folgendes ergeben, wobei ich natürlich auch bei dem einen oder anderem falsch liegen könnte:


    Werther = Goethe

    René = Atala und René von Francois-René de Chateaubriand


    Lara = Verserzählung von Byron


    Lelia = George Sand


    fehlt nur noch ...


    Franck = ?

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ich habe auch schon an César Franck gedacht, aber m.W. war das ein sehr zurückhaltender und für sich lebender Mensch, der zu Flauberts Charakter (wie er sich aus seinen Briefen und Tagebüchern, soweit ich sie gelesen habe, erschließt) nicht recht passt ...

  • danke für eure Gedanken! Ich finde das immer hilfreich und bringt einem auf irgendeine Weise weiter.


    ich denke mal, da im Text von Romanfiguren gesprochen wird, dass auch Franck eine sein wird. Es muss eine „romantische“ Figur sein, denn Frederic spinnt ja allerlei Szenen für sich und seine Angebetete Marie.


    ich bin auf einen Franck im Zirkusroman von Edmond de Goncourt gestoßen. Weiß allerdings nicht ob er in diese Kategorie fällt, oder ob Goncourt eher am Realismus verhaftet ist. Der Titel des Buches ist „Die Brüder Zemganno“.

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Die Brüder Zemganno kenne ich ganz gut, kann mich aber an einen Franck jetzt nicht erinnern ... Das Buch ist jedenfalls unbedingt ein realistischer Roman und eine Liebesgeschichte gibt es, nach meiner Erinnerung, überhaupt nicht; jedenfalls nicht bei den Hauptfiguren.

  • Hanser-Ausgabe, Elisabeth Edl. Anmerkungen, Seite 669. Zu 1. Teil, Kapitel II, Seite 27:


    Werther, René, Franck: Werther (1782) von Goethe, René (1802) von Chateaubriand, Franck ist der Held in La Coupe et les Lèvres (1832) von Alfred de Musset, Lara (1824) von Byron, Lélia (1833) von George Sand.


    Sie gibt nur bei Musset den vollständigen Namen an. (George Sand ganz, weil Pseudonym.)

    Etwa, weil sie ihn als einzigen als eher nicht bekannt voraussetzt?


    Würde sich decken mit der hiesigen Rätselei: alle außer Franck waren ermittelbar ;)

    Ich vergesse das meiste, was ich gelesen habe, so wie das, was ich gegessen habe; ich weiß aber soviel, beides trägt nichtsdestoweniger zu Erhaltung meines Geistes und meines Leibes bei. (G. C. Lichtenberg)

  • es hat seine Vorteile eine neuere Übersetzung herzunehmen und wenn es nur wegen den Anmerkungen ist. Jedenfalls herzlichst Dank für die Auflösung, Leibgeber :thumbup:


    Ich habe kürzlich Die Versuchung des Heiligen Antonius von Gustave Flaubert beendet. Ein seltsames Werk. In einer Traumfrequenz wird Antonius nicht nur versucht, sondern es werden ihm auch ein Aufmarsch untergegangenen Götterwelten vorgeführt, außerdem die verschiedensten Sekten aus den ersten 5 Jahrhunderten, die alle ein Anrecht auf die Wahrheit ihres Glaubens in Anspruch nehmen. Alles gipfelt sich in einem Flug ins Universum mit dem Teufel, der ihm nicht die Welt anbietet, sondern zeigt dass alles Wissenschaft ist.


    Es war ein interessanter Lesestoff.

    Somit habe ich Flauberts Hauptwerke gelesen. Ein großer Erzähler!


    Nun habe ich noch seine Reisetagebücher und den Briefwechsel mit den Goncourts und die neue Biographie von Michel Winock.



    2022 ist ein übrigens Jubiläumsjahr für Edmond de Goncourt, sein 200. Geburtstag. Ich bin mit den Tagebüchern jedenfalls eingedeckt ;)

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)