Flaubert

  • Zur Abrundung der Bovary-Lektüre habe ich den Briefwechsel Flauberts mit den Brüdern Goncourt angefangen. Eine herbe Enttäuschung! [...]


    Schade, aber ich war gewarnt (von einem Beitrag ähnlichen Inhalts in diesem oder einem anderen Forum).


    Mag sein, dass der Beitrag von mir war. Jedenfalls ging es mir damals ähnlich. Man ist sich von der Lektüre des Briefwechsels zwischen Schiller und Goethe einen völlig andern Standard gewohnt im deutschen Sprachraum. Und selbst der zwischen Zelter und Goethe - bei allen Teltower Rübchen, die da verschickt werden - hat noch andere Dimensionen als das leere Hin und Her literarischer Tagesgrössen, als das sich der Briefwechsel Flaubert - Goncourt für mich entpuppte.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus


  • Mag sein, dass der Beitrag von mir war.


    War er. Ich habe ihn mittlerweile auf litteratur.ch gefunden (einfach "Flaubert Goncourt" in die Suchfunktion tippen).


    Was das Verwöhntsein durch die Briefwechsel Goethe/Schiller u.a. betrifft, stimme ich Dir zu. Im Vergleich dazu sind Flaubert und die Goncourts harmlose Plaudertaschen.


    LG


    Tom

  • Ich habe jetzt nach langem Zögern mit der "Versuchung des Heiligen Antonius" begonnen - dem mMn. seltsamsten Werk Flauberts. Konzipiert wie ein Theaterstück, geht es um die Hungervisionen des Eremiten Antonius, der permanent von Bildern einer erotischen, aber auch brutal-ästhetischen Welt der orientalischen Spätantike heimgesucht wird. Frühchristliches Bildmaterial findet sich dort neben heidnisch-antikem, was einen gewissen Reiz ausmacht - wenn man sich auskennt, was bei mir leider nicht durchgehend der Fall ist. Bevor ich jedoch mehrere Semester Kunstgeschichte absolviere, lasse ich das Ganze lieber wirken wie einen Opiumrausch, der schnell verfliegt. Das Ganze ist very stylish, aber mehr als Wortspielereien mit bunten, teilweise schönen, aber auch abstoßenden "Bildern" kann ich daraus derzeit nicht ersehen.


  • Ich habe jetzt nach langem Zögern mit der "Versuchung des Heiligen Antonius" begonnen - dem mMn. seltsamsten Werk Flauberts.


    Hallo Tom,


    dieses Werk möchte ich auch noch lesen. Welche Ausgabe hast du?


    LG
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • dieses Werk möchte ich auch noch lesen. Welche Ausgabe hast du?


    Hallo Maria,


    ich habe die Insel TB-Ausgabe gelesen. Eine Empfehlung für das Buch kann ich nicht abgeben. Zu wirr, zu überladen und zu kunstverliebt ist das Ganze. Man muss schon Hardcore-Fan des Bretonen sein, um sich durch den Antonius zu knabbern.


    LG


    Tom

  • Hallo Tom,


    okay.
    Ich habe die Diogenes Ausgabe im Visier, weil sie zu meinen anderen Ausgaben von Flaubert passen.


    dann lese ich zuerst einmal "Die Erziehung des Herzens" bevor ich mir den "Antonius" kaufe.


    LG
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Die "Drei Erzählungen" habe ich mittlerweile beendet. Bleibenden Eindruck wird wohl nur "Ein schlichtes Gemüt" hinterlassen. "Hérodias" ist noch recht gelungen, die St. Julien-Legende hat mich hingegen arg gelangweilt. Das Nacherzählen mittelalterlicher Stoffe hat Thomas Mann eindeutig besser beherrscht ("Der Erwählte").


    über die Romanheldin Félicité schreibt das Feuilleton der FAZ folgendes:
    http://www.faz.net/aktuell/feu…en-felicite-11755698.html


    ergänzend und aufschlußreich.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Lieber Gnorry,
    du hast mit dem falschen Buch angefangen!
    Flauberts Meisterwerk ist Madame Bovary!
    Dieses Buch wirst du lieben.

    „Denken und danken sind verwandte Wörter; wir danken dem Leben, in dem wir es bedenken.“ T. Mann

  • Lieber Gnorry,
    du hast mit dem falschen Buch angefangen!
    Flauberts Meisterwerk ist Madame Bovary!
    Dieses Buch wirst du lieben.


    Lieber thmann,


    kleiner Tipp: es empfiehlt sich, die Stellen, die man zitiert vorher durchzulesen! Dann hättest du nämlich gemerkt, dass der liebe Gnorry nicht mit Flauberts „Die Erziehung des Herzens“ angefangen hat, sondern vorher schon Flauberts Meisterwerk „Madame Bovary“ gelesen hatte.

  • Bevor das Thema hier einschläft :) Ich bin auch ein sehr großer Flaubert Fan und kann zur Madame Bovary nur dringend raten! Werde sie mir irgendwann in nächster Zeit in der ausführlichen und sehr gelobten Neuübersetzung von Hanser kaufen und wiederlesen. Außerdem kann ich auch die kleine Novelle "Bücherwahn" von ihm empfehlen, die in unglaublich schöner Aufmachung auch bei Hanser erschienen ist, nur 20 Seiten hat und auch nur um die 2/3 € kostet.
    Ich muss allerdings sagen, dass ich zum Beispiel bei Bovard und Pecuchet Längen ausgemacht habe, die durchaus auch bei den Lehrjahren des Gefühls vorkommen. Dagegen ist November eine sehr romantisch-träumerische Novelle, die gerade für Freunde des Werthers interessant sein könnte. Salambo liegt noch bei mir, wird auf Grund der mehrfachen Empfehlungen hier, aber mal mal vorgenommen.

  • Dem Leser drängt sich irgendwie auf, dass er zusehends den Faden verliert - daher vielleicht auch unbeendet und erst posthum veröffentlich?
    Aber die beiden Jungs sind eine sehr schöne Idee und der Plot auch sehr gut und interessant. Aber leider halt etwas unausgereift.

  • Ich glaube, das ist beabsichtigt. Bouvard und Pécuchet scheitern auf die gleiche Art wie Autor und Leser des Romans ;o)
    Für mich ist dieses Buch eine ideale Lektüre für Küche oder Bad. Man kann immer zwischendurch, wenn man fünf Minuten Zeit hat, irgendwo in der Mitte aufschlagen und drei Seiten mit Gewinn lesen.


    Grüße von Zefira

  • Also ich mag die beiden Zausel.



    Der Beginn des Romans ist ja auch ausgezeichnet. Dann verliert sich Flaubert ...



    Ich glaube, das ist beabsichtigt.



    Schwer zu sagen, da Flaubert das Buch nicht beenden konnte, und es keine von ihm autorisierte Fassung auf dem Markt gibt, wenn ich mich nicht täusche.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus