Chinesische Literatur


  • Jaqui : Weiter vorne im Thread hat finsbury mehrere chinesische Klassiker vorgestellt. Find' ich recht interessant.


    Ich werde wohl mit "Die Räuber vom Liang Schan Moor" beginnen. Das habe ich mir vor ein paar Monaten besorgt, u.a. weil ich mich ganz vage an die Fernsehserie erinnere.


    Da hast du eine gute Wahl getroffen, spannende, zum Teil witzige und sehr aufschlussreiche Lektüre zur chinesischen Geschichte und Kultur. Viel Spaß beim Lesen!
    Danke übrigens für den Hinweis auf "Die drei Reiche". Setze ich sofort auf meine Anschaffungsliste.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Da hast du eine gute Wahl getroffen, spannende, zum Teil witzige und sehr aufschlussreiche Lektüre zur chinesischen Geschichte und Kultur. Viel Spaß beim Lesen!


    Danke! Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich anfange, aber das Buch ist heute rasant den Lesestapel hochgeklettert. :smile:

  • Das ist eine gute Nachricht. Ich habe mir aus lauter Verzweiflung den Text in einer sehr gewöhnungsbedürftigen, unendlich langen Comicversion vor vielen Jahren zugelegt, weil er damals nicht anders zu haben war, mich aber nie überwinden können, ihn in dieser Version zu lesen.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Und noch ein Klassiker erscheint:


    Die Drei Reiche: Roman Gebundene Ausgabe – 23. Februar 2017
    von Luo Guanzhong (Autor), Eva Schestag (Übersetzer)

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    Allein mit diesem Klassiker, wie auch mit "Die Reise in den Westen" und noch dazu der SciFi "Die drei Sonnen", könnte man das restliche Jahre "auf Chinesisch" verbringen :zwinker:

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Danke! Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich anfange, aber das Buch ist heute rasant den Lesestapel hochgeklettert. :smile:


    Hochgeklettert und heute den Gipfel des Stapels erreicht.


    Ich habe jetzt die ersten 3 Kapitel (von 120) von "Die Räuber vom Liang Schan Moor" gelesen. Mich hat gleich die "Vorrede des Verfassers" angesprochen: Die Gedanken zum Vergehen der Zeit und der Flüchtigkeit des Lebens, wie und wo der Verfasser lebt, dass er seine Zeit am liebsten mit Plaudereien mit seinen Freunden verbringt und diese Räubergeschichten allein zur Unterhaltung von sich und den Freunden dienen.


    Und dann ist man im ersten Kapitel sofort mitten in der Handlung. Es wird keine Zeit mit langen Beschreibungen "vergeudet", sondern das Geschehen wird ohne Pause vorangetrieben und da geht es wahrlich nicht zimperlich zu. Gefällt mir bisher aber richtig gut.


  • Hochgeklettert und heute den Gipfel des Stapels erreicht.


    Ich habe jetzt die ersten 3 Kapitel (von 120) von "Die Räuber vom Liang Schan Moor" gelesen. Mich hat gleich die "Vorrede des Verfassers" angesprochen: Die Gedanken zum Vergehen der Zeit und der Flüchtigkeit des Lebens, wie und wo der Verfasser lebt, dass er seine Zeit am liebsten mit Plaudereien mit seinen Freunden verbringt und diese Räubergeschichten allein zur Unterhaltung von sich und den Freunden dienen.


    Und dann ist man im ersten Kapitel sofort mitten in der Handlung. Es wird keine Zeit mit langen Beschreibungen "vergeudet", sondern das Geschehen wird ohne Pause vorangetrieben und da geht es wahrlich nicht zimperlich zu. Gefällt mir bisher aber richtig gut.


    Wie schön, dass du mit dem Roman angefangen und Spaß daran hast! Mir ist bei allen chinesischen klassischen Romanen, die ich bisher gelesen habe, aufgefallen, dass sie immer sehr "süffig" zu lesen, weil handlungsreich und vielfältig sind. Und das gilt noch insbesondere für die "Räuber". Viel Spaß weiter damit und ich freue mich auf weitere Erinnerungsauffrischungen durch deine Lesekommentare.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

  • Ja, das Buch ist wirklich "süffig" zu lesen, da ist nichts sperrig oder zäh. Dadurch wird auch diese doch fremde Welt leicht zugänglich.


    Ich habe jetzt bis Kapitel 15 (Ende 2. Buch) gelesen. Während im 1. Buch der Garnisonshauptmann Lu Ta (später Mönch "Tiefgeist") die Hauptfigur ist, handelt das 2. Buch von dessen Freund Lin Tschung, dem übel mitgespielt wird: Da ausgerechnet der Adoptivsohn von Lins Vorgesetztem sich in Lins Frau verliebt und diese für sich haben will, soll Lin aus dem Weg geräumt werden. Dazu ist seinen Feinden wirklich jedes Mittel recht. Nach einigen Abenteuern und zuletzt "kopflosen" Widersachern flieht Lin zu den Räubern ins Liang Schan Moor.


    Neben mehreren Szenen von Freundschaft und Hilfsbereitschaft fallen zwei Dinge auf: Die skrupellose Gewalt - da wird geschlägert, gemordet, die Köpfe rollen - und vor allem die Korruption. Ohne Bestechung geht gar nichts. Ob die Bestechung tatsächlich den erhofften Erfolg bringt, ist erst einmal offen und das "Rechtssystem" hat kaum eine Bedeutung, wenn nur das Schmiergeld stimmt.


    Gleichzeitig war interessant, dass Lin sich nach seiner Verurteilung für eine Straftat, die er gar nicht begannen hat, in sein Schicksal klaglos gefügt hat und auch auf dem Weg in die Strafkolonie eine Flucht als ehrlos empfunden hätte.


    Nach einem ersten Eindruck vom Räuberleben scheint es auch dort nicht so lustig und frei zuzugehen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und auch, ob Tiefgeist wieder auftaucht.

  • Kleine Leseprobe:


    Vom ersten Räuber, dem Lin begegnet, erfährt er:
    "Einzelne Wanderer ohne Hab und Gut bleiben ungeschoren und dürfen passieren. Wir haben es nur auf reiche Krämer und dicke Geldsäcke abgesehen. Wenn solche Leute hier (= eine Waldschenke der Räuber) einkehren, betäuben wir sie durch berauschenden Sud aus der Hanfstaude, den wir ihnen in Speisen und Getränke mischen, und plündern sie in aller Ruhe aus. In besonders schweren Fällen machen wir sie auch gleich "fertig" und schlachten sie. Das Magere wird kleingehackt und zu Wurst verarbeitet, das Fette wird ausgekocht und zu Lampenöl bereitet." (Kapitel 13)


    :entsetzt:


  • Kleine Leseprobe:


    Vom ersten Räuber, dem Lin begegnet, erfährt er:
    "Einzelne Wanderer ohne Hab und Gut bleiben ungeschoren und dürfen passieren. Wir haben es nur auf reiche Krämer und dicke Geldsäcke abgesehen. Wenn solche Leute hier (= eine Waldschenke der Räuber) einkehren, betäuben wir sie durch berauschenden Sud aus der Hanfstaude, den wir ihnen in Speisen und Getränke mischen, und plündern sie in aller Ruhe aus. In besonders schweren Fällen machen wir sie auch gleich "fertig" und schlachten sie. Das Magere wird kleingehackt und zu Wurst verarbeitet, das Fette wird ausgekocht und zu Lampenöl bereitet." (Kapitel 13)


    :entsetzt:


    Tja, das ist Robin Hood in der Version "Nighmare on Elm Street".
    Aber die Chinesen sind einfach Allesverwerter. Wenn alle anderen Menschen verhungern, finden die Chinesen noch Nahrung: Das ging mir jedenfalls so auf dem Straßenmarkt in Kanton inmitten von Säcken voll frittierter Skorpione und gerösteter Heuschrecken. Aber bitte nicht missverstehen. Kannibalistisch anmutende Speisen habe ich dort nirgendwo gesehen :breitgrins:.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)

    Einmal editiert, zuletzt von finsbury ()


  • ... Kannibalistisch anmutende Speisen habe ich dort nirgendwo gesehen :breitgrins:.


    Einen Moment lang hatte ich schon schlimmste Befürchtungen. :breitgrins:
    _______________


    Ich habe kaum weitergelesen, aber ein recht häufiges Motiv ist mir wieder aufgefallen: ein reicher, angesehener Mann, der als hilfsbereit weithin bekannt ist und auch flüchtige Verbrecher unter seine Obhut nimmt. Diese Gönner setzen zwar (natürlich) auch Bestechungsgelder ein, aber dennoch wirken sie fast wie ein Gegenpol zum korrupten Beamtenapparat.


    Schön finde ich übrigens die vielen sprechenden Namen für Orte oder Personen wie Zweidrachenberg, Pfirsichblütenhügel, die wilde Wolkenfurt, der Geflügelte Tiger oder Magister Listenstern.

  • Süffig zu lesen. Witzig, ohne vulgär zu werden. Aber auch für ernsthaft an der traditionellen chinesischen Kultur Interessierte viel Material über das damalige Leben und die damalige Religion. Mehr dazu in meinem Blog (==>hier<==).

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Ich habe eben Die Räuber vom Liang Schan Moor beendet. Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Zum einen ist es eine spannende und unterhaltsame Abenteuergeschichte, zum anderen erhält man einen Einblick in viele Lebensbereiche im alten China. Da Missstände und vor allem die Korruption so offen benannt werden, ist es nicht verwunderlich, dass der Roman immer wieder verboten wurde ...


    In meiner Ausgabe sind 60 Holzschnitte einer alten chinesischen Ausgabe enthalten, die den Text noch bereichern.


    Mir hat das Buch viel Spaß gemacht! :smile:

  • Die Räuber... habe ich auch bald zu Ende gelesen. Momentan frage ich mich, ob sich die Erfinder der Asterix Geschichten nicht auch an diesen Roman angelehnt haben und ihn gut kannten.

  • Ein interessanter Gedanke ist das, Lost. Es könnte zwar auch Zufall sein, aber du hast recht, es gibt wirklich auffällig viele Parallelen. Vielleicht gibt es hier ja einen Asterix-Fachmann, der weiß, ob sich Goscinny einmal zu seinen "Quellen" geäußert hat.


    Nur ... einen Troubadix hatten die chinesischen Räuber noch nicht. :zwinker:

  • Es ist schwierig, in Deutschland an vollständige Übersetzungen der chinesischen Klassiker zu kommen, aber ich habe bisher die etwas überarbeiteten Übersetzungen Franz Kuhns von den "Räubern vom Liang Schan Moor", dem "Kin Ping Meh" und nun auch zum zweiten Mal vom "Traum der roten Kammer" gelesen und kann nur zum wiederholten Male betonen, dass diese Übersetzung, deren Passgenauigkeit zum Original ich nicht beurteilen kann, an sich eine sprachliche Glanzleistung sind.


    Ein Freund von mir hat eine vollständige Übersetzung des Jin Ping Mei, die doch deutlich expliziter pornographisch ist als die weichgezeichnete von Kuhn - sagte er mir, ich kenne beides noch nicht, und der gigantische Umfang der vollständigen Übersetzung schreckt mich auch nachhaltig ab.

  • Das kann ich gut verstehen. Die Romane sind auch in den traditionellen Übersetzungen schon sehr umfangreich. MIr war allerdings nicht klar, dass anscheinend einiges massiv gekürzt worden ist. Im Übrigen hier herzlich willkommen auch von mir und spannende
    Begegnungen bei unseren Klassikern.

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)