Beiträge von alpha


    wie sich in der Logik Mathematik und Philosophie eher umarmen, als sich aus dem Weg zu gehen.


    Womit wir vielleicht doch wieder beim Mengenargument sind: Eine (kleine?) Schnittmenge scheint vorhanden zu sein zwischen den beiden Disziplinen - Wenn die beiden Mengen klein genug sind, reicht sie aus, eine Bruecke zu bilden - sind die beiden Mengen gross (oder nur die eine davon), dann verliert die Schnittmenge ihre "Brueckenfunktion", weil es einfacher ist sich im Rest der Menge zu bewegen, als in die andere Disziplin hinueberzuwechseln. - Ergibt dies Sinn?


    Und vielleicht spielt es auch eine Rolle, wie viele Leute es gibt, die sich damit beschaeftigen: Wenn es viele gibt, dann tendiert man, nur die wichtigesten (gewertet nach ihrem bleibenden/langfristigen Wert) Erkenntnisse vollstaendig zu wuerdigen - wenn es nur wenige Gelehrte gibt, interessiert man sich wohl mehr fuer alles, was sie getan haben.
    Als Beispiel: Newton ist gut bekannt als Physiker - dass er auch auf der Suche nach dem Stein der Weisen (philosopher's stone) war und daran glaubte, ist wesentlich weniger bekannt.


    Gruesse
    alpha


    Wälsungenblut wurde der latenten Judenfeindlichkeit wegen von der Familie Pringsheim wenig geschätzt etc.


    Eine andere Interpretation, weshalb die Pringsheims diese Novelle nicht sehr schaetzten hat weniger mit der "Judenfeindlichkeit" zu tun, als mit der Geschichte selbst, die angeblich zu sehr an die Familienwuerde ruehrt (oder wie auch immer man dies nennen soll).


    Ich fuer meinen Teil sehe Heinrich Mann in einem wesentlich zwielichtigeren Verhaeltnis zum Antisemitismus, insbesondere in seinen "jungen Jahren" - angeblich gab es auch ziemliche Zwistigkeiten zwischen den Bruedern, gerade weil Thomas eine juedische Frau heiratete...


    Aber dies fuehrt alles off-topic.


    Kenne von Gustav Freytag nur "Die verlorene Handschrift" - und hatte dabei nicht das Gefuehl eine "gefaehrlichen" Antisemitismus (d.h. hetzerischen), sondern mehr, dass er halt ein Kind seiner Zeit war und nicht gerade sehr vorbildlich diesbezueglich...


    Gruesse
    alpha


    Den Grund sehe ich darin, dass die Wissenschaften ein Instrumentarium entwickelt haben, dass es ihnen ermöglicht hat, nachprüfbare (weil falsifizierbare) Aussagen über die Wirklichkeit zu machen, während die Philosophie rein spekulativ geblieben ist. Die wissenschaftliche Methode war überaus erfolgreich; die (verbleibende!) Philosophie hat nichts dergleichen vorzuweisen - bis heute keine einzige Erkenntnis... so passen Naturwissenschaft und Philosophie von der Methodik einfach nicht (mehr) zusammen.


    Philosophie als rein spekulativ bezeichnet zu sehen tut irgendwie weh und ich bin überzeugt, dass sich zumindest gewisse Philosophen dagegen wehren würden.
    Vielleicht wäre "subjektiv" das bessere Adjektiv? Schliesslich war Descartes davon überzeugt, dass seine Methode "universel" anwendbar sei, d.h. gleichermassen auf geistige wie auch auf geometrische Probleme.


    sandhofer : Darf ich daraus schliessen, dass die "Spaltung" schon "seit jeher" möglich war, sich jedoch je nach Kultur und Geschichte früher oder später manifestiert hat?


    Grüsse
    alpha


    Das Problem (im weitesten Sinn) des Künstlers - lebensabgewandt, ja lebensuntauglich - hat Mann immer wieder beschäftigt, v.a. im Früh- und dann wieder im Spätwerk. Lotte in Weimar, Doktor Faustus, Der Erwählte, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull


    Darf ich fragen, welche Werke du im Kopf hast, die weder zum Früh- noch zum Spätwerk zählst und in denen die Thematik nicht vorkommt?
    Mir perönlich kommen nur die Josephs-Geschichte in den Sinn, die im Kern wohl anders ist, da Joseph sowohl das Ausnahmekind als auch "der Ernährer" sein "muss".



    Ob das in einer Biografie steht, weiss ich nicht. Ich verdanke mein Wissen einer einfachen Tatsache: Ich habe Thomas Mann gelesen, das ist alles ... :breitgrins: :winken:


    Für einzelne Figuren stimme ich dir zu, für "Geschichten" im Sinne von Handlungen/Motiven, scheint es mir nicht ganz zutreffend: Auch wenn die Lektüre Jahre zurückliegt, so kann ich mich doch daran erinnern, dass v.a. beim Dr. Faustus mir viele Stellen/Geschichten "bekannt" vorkamen, vor allem aus den frühen Novellen. Oder täuscht mich mein Gedächtnis?


    Grüesse
    apha

    Seid gegrüsst!
    Etwas aus der Übung gekommen, hier zu schreiben und zu lesen, hoffe ich, dennoch das richtige Unterforum erwischt zu haben.


    Neulich fiel mir "Discours de la méthode" von Descartes in die Hände, ein Text den ich grössenteils zu schätzen lernte.


    Wie der Titel des Themas vermuten lässt, geht es mir hier jedoch nicht eigentlich um Descartes, sondern der "Discours" war nur der Auslöser, mich dafür zu interessieren wann und warum sich die Philosophie von den Naturwissenschaften "gespalten" hat. Bisher habe ich nur das Interesse, ein paar diffuse Gedanken, weder Fakten noch Antworten, würde mich jedoch freuen, wenn Ihr mir helfen würdet, solche zu finden.


    Vielleicht ist es notwendig, ein paar Dinge zu präzisieren, um einigen Missverständnissen vorzubeugen:
    - Ich wüsste nicht zu sagen, wer der "letzte" Mensch war, der sowohl ein geschätzter Naturwissenschaftler als auch ein geschätzter Philosoph war, aber mir scheint, zumindest die letzten 100 Jahre haben keinen solchen hervorgebracht, doch lasse ich mich gerne eines besseren belehren.
    - Mir ist bewusst, dass viele Naturwissenschaftler einerseits wenig von Geisteswissenschaften halten (und verstehen), andererseits ist jedoch ein nicht unbeachtlicher Anteil interessiert und fasziniert von grundlegenden Fragen wie: Woher kommt das Leben, was macht das Leben aus, wie entstand die Welt. Daraus schliesse ich, dass es eigentlich überlappende Interessen geben müsste.
    - Lasst uns, soweit wie möglich, Religiosität aus der Diskussion heraushalten, ich glaube nicht, dass sie irgendetwas mit meiner Frage zu tun hat.
    - Mir ist es (von der naturwissenschaftlichen Seite aus) klar, dass es keine "Universalgelehrten" mehr geben kann. "Man weiss zu viel", für dass ein einzelner Mensch, wie früher über Philosophie, Medizin, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und was weiss ich was alles alles wichtige weiss und entsprechend überall an vorderster Front mitdiskutieren kann. Aber nur mit der Menge zu argumentieren scheint mir eine schwache Antwort.


    Glaubt ihr, dass die "Spaltung" schon lange latent vorhanden war, d.h. dass es "die Klassiker", sich schon eher entweder als Philosophen, die als Hobby noch etwas Geometrie betrieben oder als "Mathematiker", die so nebenher noch etwas über andere Dinge nachdachten, gesehen haben?


    Auf den Punkt gebracht: Für Descartes scheint Philosophie und, nehmen wir ein einfaches Beispiel, Geometrie, zuallermindest verwandte Wissenschaften gewesen zu sein. Ich (und wahrscheinlich viele Zeitgenossen?) sehe nicht mehr eine Notwendigkeit etwas von Philosophie zu verstehen um Mathematik betreiben zu können (oder umgekehrt). Weshalb ist das so - und seit wann?


    Beste Grüsse und gespannt auf Eure Antworten
    alpha


    "Denn die Bevölkerung von Ländern, denen es wirtschaftlich schlecht geht, wird oft geradezu biblioman, sie hält sich an den Texten fest, egal ob auf dem E-Book-Reader, dem iPhone oder auf Papier gelesen. Arme Völker kaufen ihren Kindern Kinderbücher, wenn dann noch Geld übrig ist, kaufen sie Bücher für Erwachsene, wenn nichts mehr da ist, stürmen sie die Bibliotheken." (Jörg Sundermeier)


    Würde das als optimistische Fehleinschätzung bezeichnen. Aber: Lassen wir uns überraschen...



    Eine Generation (mindestens eine), die sich das Lesen schon abgewöhnt hat, kann man auch nicht mehr "zurückholen".


    Abgewöhnt? - Ich fürchte eher, sich nie daran gewöhnt hat.


    Grüsse
    alpha

    Vielen Dank für deinen Beitrag, cecilia,


    es sind genau Schilderungen wie die deinige, welche mich nachdenklich stimmen. Wie im anderen Thread zu lesen ist, scheint es jedoch zum Glück nicht der Regelfall zu sein - oder zumindest nicht seit 30 Jahren schon immer so. Natürlich ist eine "Umfrage" wie hier, nicht representativ, aber selbst wenn deine Schule eine Ausnahme wäre, wäre es noch immer bedenklich.


    Aber seien wir ehrlich: Wahrscheinlich hätten wir auch Mühe, einen ausgewogenen Lehrplan zu entwerfen, der die Gratwanderung zwischen Vernachlässigung, d.h. Tabuisierung und "Schuldkult" optimal schafft. Wahrscheinlich ist das in fünfzig Jahren einfacher...


    Nebenbei: Greueltaten sollte/kann man nicht miteinander "verrechnen".


    Grüsse
    alpha

    Ja, wenn Patriotismus und Possesivpronomen ihre Bedeutung einbüssen, gibt es natürlich keinen Grund mehr auf das eine stolz zu sein und für das andere "verantwortlich gemacht" zu werden. Und ein solcher Zustand ist imho anstrebenswert.
    Allerdings scheint mir, dass es oft dieselben Leute sind, welche die Sonnenseite sehen wollen und die Schattenseite nicht.



    Grüsse
    alpha


    "Peinlich" wird die Geschichte IMO nicht angesehen, eher stellt sich ein anderer Überdruß ein, nämlich sich endlich von den Fesseln der Vergangenheit zu befreien und als junger Mensch nicht mehr mit den wohlbekannten Greultaten der Vorfahren in Verbindung gebracht zu werden.


    Im Erbrecht kann man unangenehme Erben ausschlagen, aber nicht teilweise: Wäre es wirklich wünschenswert bei null anzufangen? (Natürlich geht das nicht auf gesellschaftlicher Ebene, aber wieviele wären schon nur dazu bereit, das materielle Erbe der Grosseltern auszuschlagen?) Oder sollte man es pragmatischer anschauen und die Hypothek auf sich nehmen und dafür auch die deutschen Kultur- und Technologieerfolge erben? Dank Inflation, wird sich die Hypothek schon einmal von selbst zurückbezahlen, aber das geht noch eine Zeitlang...



    Grüsse
    alpha



    p.S. Etwas anderes ist aktuelle Tagespolitik: Die sollte meiner Meinung nach nicht geschichtsbelastet sein: Weshalb sollten Australier ausländerfeindlicher sein dürfen als Deutsch und Österreicher? - Natürlich sollten es alle NICHT sein!

    Danke vielmals euch beiden!
    Auch wenn zwei diametral entgegengesetzte Erfahrungen, so doch interessant von beiden zu hören. Gemeinsames haben sie auch: Der wenig adäquate Umgang, sowohl das Übergehen, als auch das übertriebene Auswaltzen dürfte nicht "schülergerecht" sein und widerspiegelt wohl die ganze Problematik: Wie soll mit einem Thema umgegangen werde, das einerseits menschenverachtend ist, in das andererseits (noch immer) viele familiäre Erinnerungen verwoben ist. Wie die Gratwanderung zwischen nicht erwähnen, beschönigend und übersteigerter Selbstdemütigung schaffen? - Die Geschichte ist noch nicht vergangen, sie lebt... Wie erklären, dass die Generation der Grossmutter/Mutter (aus Sicht der Schüler/Lehrperson) zu etwas fähig war, was nicht hätte sein dürfen, wofür eine "Erklärung" nahe an eine Weisswäsche grenzt und um dies zu vermeiden, muss der Zeigefinger her, ganz abgesehen davon, dass gemäss einem alten Traum man aus Geschichte lernen möchte und um dies zu tun, muss man doch versuchen zu verstehen, wie es zu dem kam, was war.
    Dies jedenfalls meine bisherige Meinung dazu...



    Grüsse
    alpha


    Was aber alle Deutschen sowieso nicht beurteilen können, weil der Holocaust, die Nationalsozialisten und die Zeit davor in deutschen Schulen nicht auf dem Unterrichtsplan stehen, da dieses Thema in Deutschland (egal ob Schule, Medien, etc.) als Tabu-Thema behandelt wird.
    Mir ist in der Schule die Komplexität der Probleme der Weimarer Republik beigebracht worden und auch die unzähligen Faktoren auf dem Weg in den Nationalsozialismus, aber auf keinen Fall, dass alles nur Nietzsche's Schuld war.


    Wenn wir schon dabei sind: Ist mir als Nichtdeutscher erlaubt zu fragen, WAS ihr darüber in der Schule oder wo auch immer "lernt" (Anführungszeichen, wegen dem wo auch immer, d.h. Gesellschaft oder Medien z.B. miteinbezogen)? Frage das, weil es mir immer ein sehr heikles Thema schien für Deutsche, halb-unbedachte Äusserungen stiessen oft auf, aus meiner Sicht, übertriebenen Schock oder Beleidigtsein. Deshalb frage ich mich schon länger, ob das Thema tabuisiert wird oder ob vielmehr eine ganze Menge darüber "gelehrt" wird, so dass sich fast eine Art verbindlicher Konsensus einstellt, über den man dann wiederum am liebsten nicht spricht, weil er und die ganze Geschichte als "peinlich" oder sowas ähnliches angesehen wird?
    Die Frage richtet sich insbesondere an junge Menschen - oder Lehrer, ist also auf die heutige Schule bezogen.



    Grüsse
    alpha