Beiträge von Lost

    Nur, wenn ein User hier die Worte der - virtuellen Bücherverbrennung - in das Feld der Diskussion führt, ein Wort dann, das an die perversesten Machenschaften einer ebenso verbrecherischen wie geistfeindlichen Clique von Massenmördern erinnert, und vielleicht auch erinnern soll, dann sind für mich eindeutig die Grenzen einer auf Humanität und einer gewissen Ethik beruhenden Diskussion weit überschritten.


    Warum soll man die, zugegeben etwas kryptische, Bemerkung von Madeleine nicht mit dem metaphorischen Gedanken: ...soll in Rauch aufgehen... umschreiben ? Ich halte das für treffend!

    Hallo,


    kennt jemand den Urheber des Aphorismus: Lesen ist leben aus zweiter Hand?


    Kann es Schopenhauer gewesen sein ?

    Nach der ISBN nach ist es schon das Buch

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    Sieht schön aus, aber auch sehr teuer.


    Katrin



    Es ist teuer, du hast Recht :-(


    Diese Ausgabe orientiert sich jedoch auch an der deutschen Erstausgabe von 18nochwas und ist der ausführlichste deutsche Text den ich (sic) kenne. Darwin hat es verdient, möglichst vollständig zu erscheinen und notfalls solltest du eben warten, bis diese Ausgabe in einer erreichbaren Bilbiothek auszuleihen ist.


    Die meisten modernen Ausgaben von alten Reiseberichten oder Reisetagbüchern von Forschern weden leider von Literaten gestaltet, denen Zahlen, Daten, Fakten als Teufelzeugs erscheinen, deshalb überwiegend nur die Geschmacksträger enthalten und uns das zähe Fleisch der Wissenschaft vorenthalten. Ein Kompliment an den Eichbornverlag, der beim "Kosmos" diesen Weg nicht gegangen ist.

    Hallo Lost
    ich finde vom Mare-Verlag nur ein Hörbuch "Die Fahrt der Beagle". Leider nicht das obige Buch. Ist es unter dem gleichen Titel erschienen?


    Gruß
    Maria


    Der Buchtitel ist derselbe wie beim Hörbuch, ISBN 3-936384-95-9 und doch hoffentlich noch nicht vergriffen. Aus meiner Sicht eine schöne Ausgabe, in einem Schuber, der locker einen Atlantiksturm übersteht ;-)


    Denis Scheck ist der Meinung, der Roman sei "nichts weniger als ein Meisterwerk". http://www.daserste.de/redir_d…st/druckfrisch/20575a.mp4
    Alle Podcasts (Videos zum Download) seiner Sendung "Druckfrisch": http://www.daserste.de/druckfrisch/podcast.asp


    Ich werde mir, wenn überhaupt, den Roman vielleicht irgendwann als Paperback kaufen oder in der Bücherei ausleihen. Hat keine Eile. Den Feuilleton-Wirbel verfolge ich nicht, der langweilt mich. FAZ und Co. freuen sich riesig, dass sie das Wort "Nazi" in Überschriften unterbringen können. Aufgrunde ebendieses vorhersehbaren Wirbels, der besten Werbung, die sich ein Autor wünschen kann, weiß ich auch noch nicht, ob ich das Buch überhaupt lesen werde.


    Vor Scheck war das Buch kein Thema mehr für mich, jetzt warte ich auch auf die Taschenbuchausgabe. Wenn Scheck was preist, sollte man es nicht ganz aus Acht lassen.

    Das geschieht ja alle Tage. Und je grösser die Distanz zur Epoche, umso mehr Gemeinplätze. Das "finstere Mittelalter" ist so ein typischer. Wir, die wir noch ganz nahe am 20. Jahrhundert sind, den Grossteil unserer bewussten Zeit darin verbracht haben, wir sehen natürlich die Veränderungen, Brüche, Verunsicherungen. Doch das erlebt jede Epoche. Denken wir an den Barock mit dem Bruch mit der Katholischen Kirche und dem Dreissigjährigen Krieg, die Goethe-Zeit mit den napoleonischen Kriegen und dem Aufkommen des Nationalstaates. Dennoch können wir heute von "Barock" und "Romantik" reden und finden viel Gemeinsames. Auch Brüche stiften ein gemeinsames Gefühl.


    Nun gut, Stilepochen. Das trifft aus meiner Sicht nicht den Kern des Problems (des unlösbaren) ein Lebengefühl für einen Zeitraum ohne Differenzierung zu beschreiben. Bei Stilepochen fallen mir eher Stichworte wie Selektion und Verklärung ein. Eher müsste man die Lebensgefühle von Hugenotten und Jesuiten im 18. Jahrhundert vergleichen und den gemeinsamen Kern finden und denselben auf so ziemlich alles ausdehnen, was sich damals in der Welt herumgetrieben hat. Natürlich gibt es Zeit übergreifende Lebensgefühle. Ein Matrose auf dem Panzerkreuzer Potiemkin wird sich einem Matrosen auf der Victory näher gefühlt haben als seinem kommandierenden Offizier ;-) Ein Soldat der roten Armee wird in der Schlacht von Stalingrad nicht viel anders gefühlt haben, als die meisten deutschen Landser, die dort waren, wengistens wenn ihr 20. Jahrhundert vor 1945 zu Ende war und sie keine Zeit mehr bekamen unterschiedliche Gefühle zu entwickeln.
    Wenn eine werdende Mutter viel Lebensgefühle mit anderen werdenden Mütter seit Bestehen der Menschheit teilt, wird sie doch im Laufe ihres Lebens mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht viele Anteile davon beibehalten.
    Am Anfang des 20. Jahrhunderts lebten deutlich weniger als 2 Milliarden Menschen auf der Welt, am Ende waren es 6 Milliarden. Nicht einfach denen mehr als die elementaren, zeitunabhängigen Empfindungen als Gemeinsamkeit anzudichten ;-)

    Das Lebensgefühl im 20. Jahrhundert. Was für ein Anspruch! Ich finde es schon beleidigend von einem Autor zu erwarten, er kann es zusammen fassen.


    Wenn man bedenkt was in wenigen Jahrzehnten nur auf unserem kleinen Kontinent passiert ist, dann wird eine Vereinheitlichung von Empfindungen nur einer unterstellen, der kein Lebensgefühl und keine Veränderung kennt, oder vielleicht ein extrem schlechtes Gedächtnis hat.


    Na ja, oder er will provozieren ;-)

    Danke für den Witz. Es würde mich interessieren, ob das Schema im jüdischen Witz begründet ist. Es wiederholt sich die Form beim Witz sehr oft.


    Auch ein Anlass den Roman: Lots Töchter von Daniel Katz zu empfehlen.

    Die Frage lässt sich immer stellen, aber beantworten lässt sie sich in vielen Fällen nicht oder nur mit: "Banales." ... :winken:



    Ich erinnere mich an ein Interview mit dem Sportmediziner Arnim Klümper, in dem er sagt, dass es ihm Schwierigkeiten macht in der Fußgängerzone einkaufen zu gehen. Er sieht dann bei vielen Menschen dort, welche orthopädischen Schäden sie aufweisen und wo bald entsprechende Operationen zu erwarten sind. Um eine neue Tierart sicher einzuordnen, wird man auch nicht umhin kommen das Tier zu töten und manchem Chirurg wird es beim zweiten Mal schneiden auch so gehen, wie es hier für das Lesen von "Im Namen der Rose" bes chrieben ist. So sind eben Sichtweisen ganz unterschiedlich, je nach der Beziehung zum Thema. Die einen habe am Lebendigen ihr vergnügen, die andern am töten ;-)


    Ich muß mich hier dann auch mal als Der Name der Rose-Fan outen :smile:.


    Warum muss jemand sich "outen" weil er diesen Roman gelesen hat, auch wenn es mit :smile: verbunden ist ?


    "Der Name der Rose" hat einen einen literarisch guten Stil, eine intelligente, spannende Geschichte und verlangt kein Spezialwissen vom Leser. Gehört das Buch damit zur schlechten Literatur ? Es lüftet bei jeder Beschäftigung mit ihm immer noch Geheimnisse.


    Ecos Pendel hat mich überfordert. Nach dem Lesen versuchte ich mich über Geheimgesellschaften zu informieren um die komplexen Zusammenhänge aufzufinden, doch das gab ich bald auf, weil es mit zu komplex und ausufernd wurde.



    Bei der "Insel" ging es mir besser, da ich fachlich das Gebiet der Navigation etwas kenne und auch Einzelheiten nachvollziehen konnte.


    Das tiefe eindringen in teilweise wenig bekanntes Spezialwissen halte ich bei einigen Büchern von Eco für die Hauptschwäche, da es für vielen ,so scheint es mir, auch aus dem "Bildungsbürgertum", nicht mehr erlaubt, dem Plot durchgehend zu folgen ohne eingehende Fachstudien zu betreiben. Erst bei "Bordolino" wurde das wieder anders.
    Wenigstens Doktorenten werden auch in Zukunft noch einiges von Ecos Werken profitieren können ;-)


    So. Angeregt durch Humboldts Kosmos habe ich nun meine alte Ausgabe des Reiseberichts von Charles Darwin hervorgekramt. Die beginnt schon mal ganz ähnlich wie Humboldt - mit der Bestimmung von Gesteinsschichten auf den Kapverdischen Inseln. :breitgrins: Nochmals so ein Wälzer: diesmal sind's 800 Seiten - allerdings nicht mehr Folio, sondern 8° ...


    Dazu möchte ich dir noch "Darwins Captain" eine Biografie über Fitzroy nahelegen. Er und Darwin waren die Antipoden auf der Reise. Kennst du die mehrteilige Fernsehserie darüber ?
    Es gibt eine neue Ausgabe des Reiseberichts bei Mare. Gelesen habe ich sie noch nicht, sie kommt mir jedoch ausführlicher vor, als es meine Erdmann-Ausgabe ist.

    Komm mir aber jetzt nicht mit dem Kehlmann, gelle? :breitgrins: Selten habe ich ein so gutes Thema so leichtfertig verschenkt gesehen ...


    Den Satz mit "Die Vermessung..." hatte ich schon geschrieben, aber dann doch lieber wieder gelöscht :-)
    Den Roman habe ich aber gerne gelesen. Kehlmann stellt hier zwei Charaktere gegenüber, die auch bezeichnet für das Selbstverständnis der Wissenschaftler dieser Zeit sind, und er macht es kurzweilig.
    Ich glaube nur, dass vielen das Einfühlungsvermögen für das Genie Gauß fehlt. Amazonasabenteuer ließt man schon als Kind gerne, die Trigonometrie dagegen ist für viele eben eine Nebensächlichkeit.

    Und dem Alexander von Humboldt, auch wenn er dem Adel entstammt, durchaus zuzurechnen ist.


    Und also, soweit es die Naturforschung betrifft, scheint mir Humboldt auch zur Kenntnis zu nehmen, was die Mathematik (als angewandte, als Hilfswissenschaft) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundertes beizutragen hatte, z.B. bei der Berechnung der Bahn und Umlaufgeschwindigkeiten von Planeten und Kometen.


    Er ist der Forschungsreisende, nicht der Theorien wälzende Sesselfurzer. Insofern tendiere ich auch dazu, einen Unterschied zu machen zwischen dem (Universal-)Gelehrten des 18. und 19. Jahrhunderts und dem nun aufkommenden Wissenschafter.


    Danke für die Erläuterungen! Da hätte er ja einiges mit dem großen Bahnbestimmer Gauß zu bereden gehabt.


    Humboldt saß aber auch länger im Sessel, als auf Pferd,Schiff,Boot und auf eigenen Füßen stehend. Darwin, der ja auch ein Forschungsreisender war, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Studiersessel, und da hat schon was schönes ausgebrütet. Abenteuer gibt es eben auch am Schreibtisch.

    [quote='donna','http://klassikerforum.de/forum/index.php?thread/&postID=30158#post30158']
    Hallo Lost,


    Die Stiege ist so eine Qual gar nicht, wenigstens nicht wenn du den ersten Drittel hinter dir hast.
    Bevor du alle Österreicher zum Fenster raus wirfst, kann ich dir Joseph Roth (mein fast-Lieblings-Kakanier) empfehlen: Radetzkymarsch, Hotel Savoy und dann all die anderen...


    Danke donna,


    der Beitrag kommt genau im richtigen Moment. Eben habe ich den 2. Teil fertig, fix und fertig ;-) Meine Zweitleküre "Understanding Variable Stars" ist da schon angenehmer zu lesen :-(


    Der Radetzkymarsch ist auf der Leseliste. Schon das Fernsehspiel hat mich beeindruckt :-)
    Leutnant Gustl von Schnitzler war ja auch anregend zu lesen, sehr lebendig, und die Jellinek werfe ich auch nicht raus. So gibts doch ein paar durchaus brauchbare Österreicher ;-)
    Aber die Dämonen von Doderer, ob ich da noch Mal dran wage ?

    Ich quäle mich gerade Doderers Strudlhofstiege hoch, keuch:-(
    Ich glaube, alle Österreicher fliegen zum Fenster raus, oder könnt ihr mir einen Lesbaren empfehlen ;-)

    Noch zum Thema "tragisch". Nachdem ich nun fertig bin, würde ich lieber noch einen andern Aspekt des Werks "tragisch" nennen. Alexander von Humboldt ist vielleicht der letzte Universalgelehrte.
    ...


    Er scheitert an seinem universalistischen Konzept - die Zeit, wo ein einzelner das ganze Wissen umfassen und darstellen konnte, war vorbei.


    Durchaus nachvollziehbar. Wobei ich eher davon spreche, er wollte wohl ein Universalgelehrter sein. Mir erscheint der Begriff sowieso fragwürdig. Passt vielleicht gerade zum mitteleuropäischen philosophisch und humanistisch erzogenen Bildungsbürgertum, dem die Mathematik fremd ist. Ob Humboldt auf diesem Gebiet mit den damaligen Entwicklungen vertraut war, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Jedenfalls, wenn man die Mathematik als Wissenschaft zulässt (sie lässt sich doch auch als Spiel auffassen, oder), ist sie seit dem 19. Jahrhundert bestimmend für die Erklärung der Welt.
    Das ist übrigens einer der Reize an "Die Vermessung der Welt"