Thomas Bernhard

  • Hallo Knabe,


    eine nette Anekdote.


    mir kam letztens der Hinweis unter, dass Suhrkamp ein Werk des Großvaters herausbringt. Der Termin wurde jedoch nach hinten verlegt, auf den 05.01.2010.


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    Gruß
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Ist lau, aber der Vollständigkeit halber - Biller beschimpft Bernhard: http://www.faz.net/s/RubD3A1C5…Tpl~Ecommon~Scontent.html


    Gefunden hier:

    Code
    1. http://www.titanic-magazin.de/hk_0902.html?&tx_kharticlepages_pi1[page]=1


    Der Gute versucht sich an einer Bernhardparodie und erschüttert mit der Erkenntnis, dass Bernhard wohl doch kein guter Mensch war. Ist nur leider weder musikalisch, noch manisch, noch komisch, noch sonst irgendwas.


    Das einzige, über das ich schmunzeln musste war die Selbstcharakterisierung: "ich, ein nicht ganz so deutscher Dichter und Denker". Von wegen: Weder dichtender, noch denkender Deutscher.

  • Stoerte: ich lese Thomas Bernhard sehr gerne, nichts desto trotz bin ich auch der Meinung, dass Bernhards Ego größer war als seine tatsächliche Bedeutung. Wenn man "Holzfällen" liest, fragt man sich doch zwangsweise was denn der Wiener Kulturbetrieb im Allgemeinen und die Familie Lamperberg im Besonderen dem armen Bernhard so grausliges angetan haben.


    Thomas Bernhard mag ein großer Schriftsteller gewesen sein, aber als Mensch betrachtet ist die Beschreibung von Biller wohl nicht so falsch.

  • [...] dass Bernhards Ego größer war als seine tatsächliche Bedeutung.


    Da ich Bernhard nie persönlich begegnet bin, kann ich zu seinem Ego wenig sagen. Wenn es aber tatsächlich so ist, wie Du sagst, gemaro, muss Bernhads Ego wahrhaftig riesig gewesen sein. Riiieeesig ... :smile:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Er hätte sich vor allem ein bisschen mehr Mühe geben gekonnt. Neunmal "Arschloch" und Adjektive aneinanderreihen.
    Es wäre schon eine massive Aufwertung des Textes gewesen, hätten sich die Beschimpfungen zum "Arschloch" hin gesteigert.


    Und diese Anspielung auf Haider aufgrund der Assoziation "Lebensmensch". Ich habe Gerüchte gelesen, die weit ungeheuerlicher sind. Und interessanter. Wenn schon Boulevard, dann doch bitte richtig.


    Vieles von dem, was Biller moniert macht zudem gerade den Reiz von Bernhard aus. Das kapiert der Typ aber offensichtlich nicht.


    Ganz davon abgesehen, dass Bernhards erste Indizierung aufgrund der "Verunglimpfung" eines Berufsmenschenfeindes von der katholischen und zeitweise offiziell nationalsozialistischen Kinderzüchtigungs-Mafia geschehen ist, nicht weil er seiner Exfreundin eine reindrücken wollte. Soviel zur moralischen Überlegenheit, die wohl irgendwie wichtig zu sein scheint.

  • Vieles von dem, was Biller moniert macht zudem gerade den Reiz von Bernhard aus. Das kapiert der Typ aber offensichtlich nicht.


    Es ist zweifelsfrei nützlich, das "Wesen" eines Autors zu kennen, um seine Werke zu interpretieren. Ich finde aber nicht, dass sich diese Beziehung umkehren lässt: ein interessanter oder symphatischer Mensch muss nicht unbedingt ein guter Schriftsteller sein. Es soll doch tatsächlich menschliche "Arschlöcher" geben, die exzellente Literatur produzieren. :zwinker:


    Ich lese Bernhard sehr gerne. Schmerzt es bei der Lektüre seiner genialen Werke wirklich, dass er als Mensch wohl Defizite hatte? Nein.
    Sollte man lieber einen Mantel des Schweigens über Bernhards menschliche Unzulänglichkeiten breiten? Ich denke, nein, auf keinen Fall.
    Was also ist an Billers Kritik über Bernhard so schlimm? Bernhard hatte wohl zweifelsohne einen (sagen wir mal) "besonderen" Charakter. Biller hat hier nichts Neues enthüllt, sondern nur bekanntes auf provokante Art wiedergegeben. Stört das den Genuss von Bernhard? Wohl kaum.


  • Ich lese Bernhard sehr gerne. Schmerzt es bei der Lektüre seiner genialen Werke wirklich, dass er als Mensch wohl Defizite hatte? Nein.


    Wobei ich mich zugegebenermassen bei Bernhard immer wieder frage, wo da genau die Grenze zwischen SelbstINSZENIERUNG und Bernhard selbst als eigentliche Person verläuft. Ich kenne die ganzen anderen autobiographischen Werke rund um seine Kindheit nicht wirklich, aber wenn man die öffentliche Person Bernhard mit all seinen Unzulänglichkeiten betrachtet, könnte man fast vermuten, er hätte sich selbst als eine seiner so typischen Figuren, gerade was die Theaterstücke angeht, selbst inszeniert. Oder aber eben andersrum: Die sind nach seiner privaten wie öffentlichen Persönlichkeit entstanden ;-). Ich würde aber eher zu Ersterem tendieren.

  • Ein Fehler. Zählt für mich zu den interessantesten deutschsprachigen Büchern der letzten Jahrzehnte.


    CK


    Hm, meine ersten Gehversuche mit seinem Prosawerk, so sehr ich die Stücke liebe, waren doch recht holperig und wurden erst mal dann nach weiter hinten verschoben. Das waren jetzt aber eben nicht die autobiographischen Sachen, sondern "Alte Meister" und "Der Untergeher", die ich damals, kurz nach 2 Jahren Deutsch LK und dementsprechender Literaturbombadierung ;-), dann doch erst mal zu Gunsten von etwas Seichterem weggelegt habe. Aber werde wohl auch dem Prosa-Schreiber Bernhard mal wieder demnächst eine neue Chance geben.

  • Wie gesagt: Ich hatte damals erst mal für den Moment genug "Hoch"literatur gelesen und noch umso mehr von und über Bernhard (meine Facharbeit im Deutsch LK über seinen Theatermacher geschrieben). Mittlerweile waren 2 Bänder der gesammelten Stücke dran, aber diesen Frühling jetzt eben 1-2 Prosabände. Bisserl was nachholen eben. Bernhard Fan bin ich aber schon immer, das war damals nur ne kleine Zwangspause ;-).

  • tja. der theatermacher läuft nämlich gerade in meiningen. abba ma kommt ja nie ins theater. alleine isses eh bekloppt. werde deswegen meine bibo nochma durchforsten, wasses da noch gibt außer dem untergeher und holzfällen. wittgensteins neffe wäre bestimmt ma interessant. der gute thomas hat sowieso ungeheuer viel geschrieben. er hatte aber auch nen guten verleger, der das zeug dann wenigstens verkauft hat.
    :rollen:
    grüße vom troll

    Einmal editiert, zuletzt von troll ()

  • am morgen auch in den Läden, die gestrige Ausgabe der ZEIT hat vielversprechende Auszüge aus dem Briefwechsel abgedruckt.


    Imrahil

    "Die Kunst des Nachdenkens besteht in der Kunst..., das Denken genau vor dem tödlichen Augenblick abzubrechen. - Thomas Bernhard, Gehen

  • Kleiner Auszug:


    Zitat

    Lieber Doktor Unseld, vor meiner Abreise aus Österreich habe ich noch einen Blick auf Ihre verlegerische Katastrophe geworfen; was Sie da auf über 3000 Seiten drucken und erscheinen haben lassen, ist die grösste verlegerische Peinlichkeit, die mir bis jetzt bekannt ist [Marianne Fritz, »Dessen Sprache du nicht verstehst«]. Über 3000 Seiten proletarischen stumpfsinnigen Müll mit dem Bombasmus eines Jahrhundertereignisses zu drucken und zu binden, gehört tatsächlich in das Buch der Rekorde: als Stupiditätsrekord.
    […]
    Hätten Sie doch anstatt den Unsinn von Frau Fritz, nur eine dreitausend Blätter lange Klopapierrolle gedruckt und unter dem Suhrkampsignet herausgegeben, Sie wären auch damit ins Buch der Rekorde gekommen.


    lieber herr bernhard, ich habe gestern ihren brief vom 20. november erhalten. fuer mich ist eine schmerzensgrenze nicht nur erreicht, sie ist ueberschritten


    Lieber Siegfried Unseld, wenn Sie, wie Ihr Telegramm lautet, »nicht mehr können«, dann streichen Sie mich aus Ihrem Verlag und aus Ihrem Gedächtnis. Ich war sicher einer der unkompliziertesten Autoren, die Sie jemals gehabt haben.


    totlach


    http://www.zeit.de/2009/50/Bernhard-Unseld

  • @ xenophanes


    schöne rezeption. macht mir lust, das buch zu bestellen und über die hintertür zu bernhard zu finden. aber vielleicht bekomme ich hier auch einen wegweise für einen haqupteingang. ich habe einmal bernhards büchlein prosa gelesen und war hin und weg. wollte mehr lesen und hab auch einige bücher gehabt, aber da habe ich es trotz der begeisterung von der prosa nie weit gebracht. faääen, watten und die vergeltung waren - glaub ich - die titel. da hatte es mir ein autor so angetan und dann konnte ich seinen spuren nicht folgen. prosa sind ja nur wirklich wenige seiten, darin ist das stückchen ist es eine tragödiee? obwohl es 10 oder 15 jahre her ist, dass sich es laß, weiß ich noch, warum ich so angetan war. dieser scharfe und doch stille kennerreiche blick und die basurde begegnung, die dennoch befreit von weltlichem geschehen trotz ihrer gesellschaftlichen nicht-anteilnahme brilliant zu des pudels kern kommt.
    wie lese ich mit diesem alten vergnügen eine größeres werk von bernhard? und welches bietet sich an? (autobiografisches und werke, in denen der stil das größte anziehungsmerkmal sind sagen mir inR wenig zu).



    gruß


    casi