Was lest ihr gerade?


  • Ich lese gerade „Schlafes Bruder“ von Robert Schneider. Der Roman war ja mal in aller Munde, aber ich bin bis jetzt nicht sehr angetan von ihm. Der altertümelnde Sprachduktus klingt mir unangenehm in den Ohren und wirkt auf mich bemüht, zumal sich immer wieder moderne Ausdrücke wie z.B. „genuin“ einschleichen. An sich habe ich nichts gegen eine Kunstsprache, ich frage mich aber, ob sie für die Erzählung notwendig ist oder nur Effekt machen soll. Da schon in den ersten Kapiteln viel Schauriges geschieht, bin ich skeptisch. Aber ich will den Mut nicht verlieren. :zwinker:


    Schneider gehört in den Zuständigkeitsbereich von xenophanes, der, wenn mich das Gedächtnis nicht trügt, die Papiermülltonne mit dessen Elaboraten beschickt. Vielleicht lässt er sich zu einer Polemik herab ;).


    Bei mir ist Schlafes Bruder der Amnesie anheim gefallen - und es scheint offenbar nicht geraten, diesem meinem Gedächtnisverlust aufzuhelfen.


    Grüße


    s.

  • Schneider gehört in den Zuständigkeitsbereich von xenophanes, der, wenn mich das Gedächtnis nicht trügt, die Papiermülltonne mit dessen Elaboraten beschickt. Vielleicht lässt er sich zu einer Polemik herab ;).


    Bei mir ist Schlafes Bruder der Amnesie anheim gefallen - und es scheint offenbar nicht geraten, diesem meinem Gedächtnisverlust aufzuhelfen.


    Nein, tatsächlich nicht. (Auch wenn ich nicht xenophanes bin...) Neben der Sprache hat mich v.a. auch die Tatsache gestört, dass die Eckpfeiler der Geschichte, der begabte junge Mann, dessen grösstes Talent es leider ist, dass er den Leuten nicht gefallen kann, und es sich nun natürlich die Frage stellt, ob es am jungen Mann oder an den Leuten liegt - diese Eckpfeiler also erschienen mir als schamlose Kopie des zu jener Zeit en vogue stehenden Süskind jr. und dessen Parfüm. Schlafes Bruder wurde mir seinerzeit von einer jungen Frau empfohlen, in die ich verliebt war. Der Reinfall tat zwar meiner Liebe keinen Abbruch (die starb kurze Zeit später aus ganz andern Gründen), aber sie hat mich dazu bewogen, jedwedes Buch, das ich mir kaufe, nicht nur auf die Meinung eines einzigen Menschen zu kaufen. :winken:

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Nein, tatsächlich nicht. (Auch wenn ich nicht xenophanes bin...) Neben der Sprache hat mich v.a. auch die Tatsache gestört, dass die Eckpfeiler der Geschichte, der begabte junge Mann, dessen grösstes Talent es leider ist, dass er den Leuten nicht gefallen kann, und es sich nun natürlich die Frage stellt, ob es am jungen Mann oder an den Leuten liegt - diese Eckpfeiler also erschienen mir als schamlose Kopie des zu jener Zeit en vogue stehenden Süskind jr. und dessen Parfüm. Schlafes Bruder wurde mir seinerzeit von einer jungen Frau empfohlen, in die ich verliebt war. Der Reinfall tat zwar meiner Liebe keinen Abbruch (die starb kurze Zeit später aus ganz andern Gründen), aber sie hat mich dazu bewogen, jedwedes Buch, das ich mir kaufe, nicht nur auf die Meinung eines einzigen Menschen zu kaufen. :winken:


    Also an Das Parfüm hat mich Schlafes Bruder nicht gerade erinnert, aber ich war auch nicht sehr
    angetan von der Geschichte.
    Die Sprache gibt der Geschichte etwas sehr artifizielles, was meiner Meinung nach eine sehr große
    Distanz zum Leser erzeugt, die bis zum Schluß bleibt und man sich nach Beendigung der Lektüre
    fragt: Was soll das ganze.


    Gruß, Lauterbach

  • Nach einer halbjährigen Pause setze ich Prousts "Recherche" mit Band Nr. 4 (Sodom und Gomorrha) fort. Nach leichten Startschwierigkeiten und einer kurzen Eingewöhnungsphase bin ich mittlerweile in der entschleunigten Welt der verlorenen Zeit angekommen.


    LG


    Tom

  • Hallo!


    Mit "Schlafes Bruder" bin ich Gott sei Dank durch. Mir war die Sprache zu aufgesetzt, der Inhalt zu reißerisch und die Liebesgeschichte zu kitschig. Dass Elias auch noch mit den Tieren des Waldes kommunizieren konnte, unter anderem mit dem Dachs Wunibald, gab mir den Rest. Außerdem wird das Buch zum Schluss immer langweiliger, Schneider hätte vielleicht das Ende nicht schon im ersten Satz verraten sollen.


    Jetzt habe ich mit dem Buch "Das Unheil mit der Kirche. Fundamentalkritik am Christentum" begonnen, eine von Edgar Dahl herausgegebene Sammlung von Aufsätzen verschiedener Theologen und Wissenschaftlern. Parallel dazu lese ich „Am Rande der Nacht“ von Friedo Lampe, „Verdammnis“ von Stieg Larsson und natürlich täglich meine zwanzig Seiten Proust. Momentan bin ich beim dritten Band, "Die Welt der Guermantes".


    Gruß
    Anna


  • Dass Elias auch noch mit den Tieren des Waldes kommunizieren konnte, unter anderem mit dem Dachs Wunibald, gab mir den Rest. Außerdem wird das Buch zum Schluss immer langweiliger, Schneider hätte vielleicht das Ende nicht schon im ersten Satz verraten sollen.


    Gib's zu: Du stoßt dich nur am Namen. Aber, bedenke, es ist ein Dachs. Und da ist Wunibald eine gute Wahl, Justin, Kevin oder Dennis sind doch inakzeptabel. Und Grimbart war schon des Geheimrats Benamsung.


    Ich habe das Buch - wie's scheint - tatsächlich fast völlig vergessen. Eine psychogene, kongrade Amnesie, Schutzreaktion des Organismus nach traumatischen Erlebnissen.


    Grüße


    s.

  • Hallo Ihr Lieben,


    Krieg und Frieden habe ich zurückgestellt. Das scheint mir doch ein Buch für geruhsame Weihnachtsfeiertage zu sein, mit dem Riesenpersonal und dann passt es ja auch wunderbar in die Zeit, es heißt ja nicht umsonst, dass zur Weihnachtszeit die meisten Scheidungen, Selbstmorde, Hauen und Stechen in den Familien usw. stattfinden :breitgrins:


    Stattdessen lese ich die Neuübersetzung von Tristram Shandy und amüsiere mich diebisch! Ein toller Spaß, der sicher mit besseren Vorkenntnissen (Ilias, Odyssee und Don Quijote, die ich nur in den Jugendversionen kenne und gefühlten 1000 Klassikern mehr) noch weitaus größer wäre. In meiner Ausgabe sind Anmerkungen, die mich doch ab und zu mit der Nase in meine Wissenslücken stoßen. Deshalb hab ich mir jetzt erstmal einen Schrott und eine Odyssee von Hampe bestellt. Der Don muss warten, bis Geld gewachsen ist, die Langeübersetzung ist doch recht geldbeutelunfreundlich. :smile:


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    Liebe Grüße
    :winken:
    Poppea

  • Redburn, von Herman Melville.


    Einer der "kleineren" Romane, interessant hauptsächlich durch die Bezüge zu anderen Büchern desselben Autors. Da ist die gleiche Patchwork-Erzähltechnik anhand von Personenbeschreibungen und Anekdoten anstelle einer strikt chronologischen Darstellung; da gibt es einen Matrosen namens Jackson, der wie die Vorstudie zum Claggart im Billy Budd aussieht, es gibt Bilder von entsetzlichem menschlichem Elend in Liverpool, die an ähnliche Szenen im London des Israel Potter erinnern.


    Und es gibt eine entzückend unbeholfene Übersetzung für den Dieterichschen Verlag in Leipzig anno 1965. Eine Kostprobe:


    Zitat

    "Tom war ein sehr anständiger Schatzmeister und gab niemals Vereinsmittel für Erdnüsse aus;..."


    ...


    Hilmar Kopper, ehemals Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG, hat uns eines besseren belehrt, was man unter "peanuts" versteht :breitgrins:

  • Moin, Moin!


    Der Lesemonat September nochmals im Überblick:


    Heinrich Böll: Gruppenbild mit Dame ++
    Bernd Lichtenberg: Eine von vielen Möglichkeiten, dem Tiger ins Auge zu sehen +
    Thomas Klupp: Paradiso ++
    Anna Katharina Hahn: Kürzere Tage +++
    Valeria Parrella: Zeit des Wartens +
    Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus ++
    Michael Jürgs: Seichtgebiete. Warum wir hemmungsblos verblöden 0
    Manfred Lütz: Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen. Eine heitere Seelenkunde ++
    Esther Kinsky: Sommerfrische +
    Adriaan van Dis: Ein feiner Herr und ein armer Hund +
    Luc Bondy: Am Fenster +
    Beate Teresa Hanika: Rotkäppchen muss weinen +++
    Thomas Glavinic: Das bin doch ich ++
    Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott +++
    Marie N'Diaye: Die Hexe 0

  • Ich lese "Ein Engel an Güte" von Ippolito Nievo und bin richtig begeistert :smile: Das liegt bestimmt auch an dieser neuen Übersetzung von Barbara Kleiner, aber auch an den tollen Anmerkungen, die einem wirklich die venezianische Geschichte hautnah präsentiert. Zum zeitgeschichtlichen Faktor kommt hinzu, dass das Buch recht spannend und gar witzig ist. Also ich brauche nicht mehr :smile:

    Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Nietzsche in "Also sprach Zarathustra"

  • Moin, Moin!


    Ich lese "Ein Engel an Güte" von Ippolito Nievo und bin richtig begeistert :smile: Das liegt bestimmt auch an dieser neuen Übersetzung von Barbara Kleiner, aber auch an den tollen Anmerkungen, die einem wirklich die venezianische Geschichte hautnah präsentiert. Zum zeitgeschichtlichen Faktor kommt hinzu, dass das Buch recht spannend und gar witzig ist. Also ich brauche nicht mehr :smile:


    Das kommt nicht eben oft vor, daß man auf ein Buch stößt, welches man zuvor überhaupt nicht kannte und welches unbesehen sofort auf die Leseliste wandert. Da brauche ich keine Recherche, da entscheidet mein Bauchgefühl.


    Wozu sonst habe ich zuletzt <a href="http://www.amazon.de/Bauch-Kopf-beim-Denken-hilft/dp/3596174511/">dieses Buch</a> gelesen. Dank an die Vorkosterin!