Blogger und die professionelle Literaturkritik

  • Ich denke, dass heutzutage die Grenzen nicht mehr so stark gezogen werden können. Wie in vielen Bereichen, existieren heute beide Textarten nebeneinander. Und leider ist es möglich, dass es bald nur noch die Blogger gibt.

    „Seit ich die deutsche Sprache kenne, träume ich nicht mehr davon die Welt zu verändern. Ich habe nur noch ein Ziel im Leben: Ich will diese Sprache erneuern.“ Abbas Khider

  • Ich kenne mich mit Buchbloggern sehr wenig aus (habe zwar selbst jahrelang gebloggt und auch über Bücher geschrieben, aber auch über viele andere Themen). Ist es bei Buchbloggern nicht so, dass sie Rezensionsexemplare vom Verlag bekommen?
    Dann kann ich nämlich verstehen, dass da eine gewisse Hemmschwelle besteht, ein Buch zu verreißen. Ich mache ja manchmal Vorableserunden mit, und da melde ich mich auch nur, wenn ich halbwegs sicher bin, dass mir das betreffende Buch gefallen wird und ich es nicht in Grund und Boden kritisieren muss.

    Wenn ich selbst überlege, mir ein Buch zu bestellen, und vorher zur Info ein paar Rezensionen lese, rufe ich allerdings immer die Verrisse auf, bei Amazon zum Beispiel. Meistens erfährt man aus einem ausführlichen Verriss nämlich mehr über das Buch, als wen man die Begeisterungsausbrüche anderer Leser liest. :P

  • Zitat

    Gibt's die beim so genannten "Profi" nicht?

    Keine Ahnung, damit kenne ich mich noch weniger aus als mit Buchbloggern.
    Ich habe in meinem Blog mit mörderischer Freude zwei oder drei (Krimi-)Verrisse geschrieben, aber ich hatte keine Leseexemplare. Nach längerer Überlegung habe ich für mich entschieden, dass ich mich aus genau diesem Grund nicht zur Buchbloggerin eigne. Ich habe zu viel Spaß am Schreiben vernichtender Kritiken.

  • Habe mir auch schon überlegt einne Bücherblogg anzulegen. Ich schreibe gern über Bücher, besonders wenn man damit auch etwas Geld verdienen kann.


    "Ich habe zu viel Spaß am Schreiben vernichtender Kritiken." Ich auch. Aber die Akademiker, so weit ich weiss, auch sehr oft, nur das sie eben theoretische Masstäbe berücksichtigen müssen. Blogger dürfen sich erlauben sehr subjektiv vorzugehen, wenn sie wollen.


    Ich finde aber nicht, dass sie daran Schuld sind, dass die Literaturkritik sich verändert oder kaputt geht. Was man so Kultur nennt äussert sich auf viele Arten. Alles hat seine Blütezeit und alles verändert sich oder vergeht. Die Leseforen z. B. erlebten ihren Höhepunkt wohl vor fünfzehn Jahren.

    „Seit ich die deutsche Sprache kenne, träume ich nicht mehr davon die Welt zu verändern. Ich habe nur noch ein Ziel im Leben: Ich will diese Sprache erneuern.“ Abbas Khider

  • Ich schreibe gern über Bücher, besonders wenn man damit auch etwas Geld verdienen kann.

    Dann solltest Du wohl eher kein Bücherblog aufmachen ^^. Wenn Du mit einem Blog Geld verdienen willst, am ehesten mit einem Life-Style-Blog (also Schminke, Mode, Autos etc.) - und auch die sind unterdessen meines Wissens bei Instagramm.


    Die Leseforen z. B. erlebten ihren Höhepunkt wohl vor fünfzehn Jahren.

    15 Jahre scheint mir ein bisschen viel, aber: Ja - Foren sind ein Auslaufmodell.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Gibt's die beim so genannten "Profi" nicht?

    Ich denke, beim Profi sind die Hemmschwellen sogar deutlich größer. Der Profi trifft ja den Autor auf der nächsten Messe oder im nächsten Literaturhaus. Autoren sind ja ganz nette Menschen, so privat. Da fällt es dann schon etwas schwerer, das Buch zu zerreißen. MRR hat aus diesem Grund keine Bücher seiner befreundeten Autoren rezensiert.

  • Im Grunde ist vielleicht der Brennpunkt der Diskussion ein anderer: Literaturbewertung- und Kritik, vor und seit der Internet.

    Sigrid Löffler steht noch für eine Zeit, wo die Literaturkritik noch, vor allem, in der Akademie und in den Verlagen betrieben wurde, und die grossen Klassiker, Vor- und Nachwörter bekamen, die von Sachkundigen geschrieben wurden.


    Das alles hat sich geändert, seitem eigentlich nicht nur wer will, über Bücher schreiben kann, sondern das Geschriebene auch schnell und leicht posten kann.


    Es ist schwer zu sagen, ob das besser oder schlechter ist: es ist anders. Als Verlagspropaganda kann es manchmal so weit gehen, dass die neuen Cover in You Tube gelobt werden und überhaupt nichts zum Inhalt des Buches gesagt wird. Auf der anderen Seite, haben die Leser leichter Zugang zu Debatten oder zu Programmen, wo der Schriftsteller selber sein Buch vorstellen kann.


    Was die Blogger betrifft, kenne ich, zum Beispiel, eine Dame, die in ihrem Blog schon seit Jahren, wertvolle Kataloge der ganzen DDR Literatur, und vor allem der Frauenliteratur der DDR, aufstellt. So etwas wäre, denke ich, früher nur in einer Universität möglich gewesen.

    „Seit ich die deutsche Sprache kenne, träume ich nicht mehr davon die Welt zu verändern. Ich habe nur noch ein Ziel im Leben: Ich will diese Sprache erneuern.“ Abbas Khider