Klassische Reiseliteratur

  • Ich bin mal so frei, dem Thema „Reisebeschreibungen“ einen eigenen Ordner zu spendieren und eröffne den Reigen mit einem kürzlich gelesenen „Hochkaräter“: Herman Melvilles „Encantadas Oder die verzauberten Inseln“. Obwohl: Ein klassischer Reisebericht ist das nicht, eher eine Sammlung von Feuilletons und Anekdoten, die sich um die früher „Encantadas“ genannten Galapagos-Inseln ranken.


    Melville selbst war dort, und er liefert grandiose Beschreibungen dieser außergewöhnlichen Inselgruppe vulkanischen Ursprungs. Ganz geheuer waren sie ihm nicht, die kargen und wilden, mit seltsamsten Tieren bevölkerten Inseln vor der Küste Südamerikas. Deshalb könnte man den Originaltitel „Enchanted Isles“ nicht nur mit „verzauberte Inseln“, sondern treffender mit „verwunschene Inseln“ übersetzen. Für Melville waren die Encantadas-Geschichten eine große Genugtuung. Nach den öffentlichen Verrissen des „Moby Dick“ und „Pierre“ zollte das Publikum ihm Beifall. Kein Wunder, dass er die Inselgeschichten später in die Sammlung „The Piazza Tales“ (zusammen mit anderen berühmten Stories wie z.B. „Bartleby“) aufnehmen ließ.


    Viele sommerliche Grüße


    Tom

  • R.L. Stevenson "Reise mit einem Esel durch die Cevennen" habe ich im letzten Monat gelesen. Es beginnt sehr amüsant mit den Auseinandersetzungen zwischen Stevenson und dem schnell gekauften störrischen Esel, um sich dann mehr und mehr mit den Menschen in dieser Gegend zu beschäftigen. EIn Buch für ein oder zwei Leseabende.

  • Von Stevenson gibt's mehr ... ;)


    Aber das Thema finde ich gut; ich lese alte Reiseberichte sehr, sehr gern. Vielleicht habt Ihr mir ja die eine oder andere Anregung *ggg*

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Auf Anhieb fällt mir ein:


    Nochmals Melville: Die Reisetagebücher. Erschienen im Achilla Presse Velag.


    Außerdem:


    Karl Philipp Moritz, Reise eines Deutschen in England. Ist kürzlich in der sz-Bibliothek erschienen.


    Johann Gottfried Seume, Spaziergang nach Syrakus


    Johanna Schopenhauer: Ausflucht an den Rhein

    Einmal editiert, zuletzt von Gronauer ()

  • Fontane ist wohl auch selstverständlich, oder?


    Beeindruckt hat mich auch Montaigne: Tagebuch einer Reise nach Italien.


    Verkehrte Welt: ein Franzose der die deutsche Küche lobt und schweizer Kachelöfen.



    Das Buch, das ich in die Verbannung auf eine unbewohnte Insel mitnehmen werde ist:


    F. Nansen: In Nacht und Eis


    Ein nüchterner Bericht eines Entdeckers und Wissenschaftlers, der uns immer Mut machen kann, auch wenn wir gleuben die Situation ist ausweglos.

  • Passend zum Thema: "Lexikon der Abenteuer- und Reiseliteratur: Von Afrika bis Winnetou" von Heinrich Pleticha (Herausgeber), Siegfried Augustin (Herausgeber)


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    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)


  • Heinrich Pleticha


    ... ist einer der Helden meiner Jugend, denn er war Herausgeber einer "Bilbliothek der Abenteurer und Entdecker" (oder so). Das waren immer superspannende Geschichten, die vermutlich auch heute noch lesenwert sind.


    LG


    Tom

  • Nun ja, Sterne's Sentimental Journey habe ich eher als fiktionalen Text angesehen, mag ihm auch eine tatsächliche Reise zu Grunde gelegen haben. Von den besuchten Örtlichkeiten erfährt der Leser ohnehin kaum etwas.


    Dafür gibt es noch eine andere, etwas überraschende Adresse:


    Adelbert von Chamisso, Reise um die Welt.
    Chamisso ist ja hauptsächlich als romantischer Lyriker und ansonsten als Verfasser des Peter Schlemihl bekannt. Tatsächlich war er ein Mann von erstaunlichen Talenten: als gebürtiger Franzose eignete er sich das Deutsche als Fremdsprache "ab ovo" an, und zwar bis zur schriftstellerischen Meisterschaft; unter anderem beherrschte er ein Versmaß, das im Deutschen ansonsten praktisch nicht verwendet wurde. Zusätlich betrieb er wissenschaftliche Botanik, worauf seine Weltreise maßgeblich zurückzuführen war. Der Reisebericht spiegelt nach Form und Inhalt die präzise Sicht des Naturkundlers.

    Einmal editiert, zuletzt von Gronauer ()

  • --Herder, Johann Gottfried von: <a href="http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3150097932/leipzigerbuch-21">Journal meiner Reise im Jahre 1769</a>


    Es gibt übrigens auch eine "Italienische Reise" von ihm.


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    "Es ist die Pflicht eines jeden, es auch auszusprechen, wenn er etwas als falsch erkennt." --- Stefan Heym (2001)

  • Charles Dickens Berichte über Amerika und Italien (die Bücher stehen im hintersten Regal unten, die krame ich jetzt nicht wg. der genauen Titel extra hervor) ;-)


    Die lauten auch, glaube ich, je nach Übersetzung anders.


    Mark Twain darf hier nicht fehlen: "Die Arglosen im Ausland" und "Bummel durch Europa" habe ich mit großem "Amüsemang" gelesen!



    Roughing it
    - Twain reist durch die USA nach Kalifornien, zur Zeit des Goldrausches dort.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus



  • Roughing it
    - Twain reist durch die USA nach Kalifornien, zur Zeit des Goldrausches dort.


    Noch was von Mark Twain: "Meine Weltreise nach Indien 1895-1896"


    Thomas Manns "Meerfahrt mit Don Quijote" habe ich noch ungelesen im Regal stehen. Wieweit man das als Reisebericht gelten lassen kann, weiß ich nicht.

  • Auch für den Literaturgeschichtler interessant:

    Atterbom, Per Daniel Amadeus:
    Reisebilder aus dem romantischen Deutschland. Jugenderinnerungen eines romantischen Dichters und Kunstgelehrten aus den Jahren 1817 bis 1819.

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Erstaunlicherweise noch nicht genannt:


    Moritz August Thümmel: Reise in die mittäglichen Provinzen Frankreichs
    Georg Forster: Reise um die Welt (mit Cook)
    Heinrich Heine: Harzreise


    Nicht ganz uninteressante Reiseliteratur neueren Datums:


    Friedrich Christian Delius: Reise von Rostock nach Syrakus
    Wolfgang Büscher: Berlin - Moskau. Eine Reise zu Fuß