Ludwig Tieck

  • Vor zwei Jahren las ich den "blonden Eckbert", eine gruselig-schöne Erzählung über ein im Wald isoliertes Mädchen, woran ich sehr oft zurückdenke. Jetzt las ich den "Runenberg".


    Auch der "Runenberg" ist schauerlich. Die Romantik zeigt uns tatsächlich Abgründe auf, Tiecks Märchen kommen mir vor wie ein Schlag ins Gesicht. Ich habe das Gefühl, dass dieses Märchen auf ungeheuerlich viele Menschen zutrifft, auf Mörder, Wahnsinnige, Pädophile, Drogensüchtige, - Menschen, die ihren Abgrund, ihr "grottenhässliches" Dasein verbergen und ein Doppelleben führen, sodass sie als leichtsinnige, zuweilen grillenhafte Philister erscheinen, aber in Wahrheit sehen sie die Welt anders und müssen unwillkürlich auf das unausstehlich ächzende Klagegeschrei der Alraune hören, wie es bei Tieck vorkommt.


    Der Runenberg ist, so meine Empfindung, äußerst grässlich. Das Ende ist abartig und tief unglücklich wie kaum ein zweites.



    Falls ihr es noch nicht getan habt, so rate ich euch, 1,60 EUR für dieses Büchlein auszugeben:


    [Blockierte Grafik: http://img515.imageshack.us/img515/9928/tieckrunenbergcb2.jpg]


    Es lohnt sich bestimmt!



    Nun will ich euch nach eurer Meinung über Tieck fragen, und über die anderen Werke, die er geschrieben hat, über weitere Märchen aus dem "Phantasus", über die Wackenroder-Zusammenarbeit, über den gestiefelten Kater, über Wiliam Lovell und über Peter von Provence und über Franz Sternbald usw.



    Gruß

  • Nun will ich euch nach eurer Meinung über Tieck fragen, und über die anderen Werke, die er geschrieben hat, über weitere Märchen aus dem "Phantasus", über die Wackenroder-Zusammenarbeit, über den gestiefelten Kater, über Wiliam Lovell und über Peter von Provence und über Franz Sternbald usw.


    Mein Lieblings-Tieck ist wohl Der Aufruhr in den Cevennen. Wie ich generell den späten, nicht mehr romantischen sondern mehr realistischen Tieck sehr mag ...

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Mein Lieblingswerk von Tieck ist eindeutig "Der gestiefelte Kater". Finde ihn einfach toll geschrieben.



    An zweiter Stelle steht "Des Lebens Überfluss".

    Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden.<br />(Ludwig Feuerbach)

  • Hi,


    da ich mit Schauergeschichten um des Schauerns Willen nicht so furchtbar viel anfangen kann, liegen mir die Werke am nächsten, in denen er mit dem Genre des Magischen ironisch-verspielt umgeht. Der gestiefelte Kater ist hier ja schon genannt worden, Die verkehrte Welt gehört dazu, auch der König Blaubart; unter den Prosawerken ist Die Vogelscheuche mein Favorit.


    Grüße,


    Gronauer

  • Gibt es weitere Autoren, die im Tiek-Stil schreiben ?Gefallen hat mir auch [URL=http://www.hitmeister.de/search_results.php?search_value=lidwig+tieck&id_type_item=0"] Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence.

  • Hallo,


    einen bestimmten Tieck-"Stil" kann ich, jedenfalls im engeren Sinne, nicht ausmachen. Tieck schrieb ja im allgemeinen eine sehr eingängige deutsche Prosa - wenn man von einer typisch berliner Unart absieht, nämlich der gelegentlichen Vertauschung von Dativ- und Akkusativpronomen. Inhaltlich ähnliches findet man eben in der deutschen Romantik. Wer mittelalterlich-märchenhafte Motive mag, kann es ja einmal mit der "Undine" von Friedrich Baron de la Motte Fouqué versuchen. Ansonsten Brentano, v.Chamisso, Eichendorff.... Liebhaber von Schauergeschichten finden bei E.T.A. Hoffmann ihren Stoff.


    Grüße,


    Gronauer

  • einen bestimmten Tieck-"Stil" kann ich, jedenfalls im engeren Sinne, nicht ausmachen.


    Würde ich mit unterschreiben.


    Inhaltlich ähnliches findet man eben in der deutschen Romantik.


    Da hingegen muss ich Einspruch erheben, Euer Ehren! Jedenfalls, wenn man Tieck als monolithischen, romantischen Block sehen will. Tieck hat, ähnlich wie Goethe, die Romantik nicht nur überlebt, sondern auch überwunden. Seine späten Werke, die leider in der breiten Leserschaft (inkl. Deutschlehrer) fast unbekannt geblieben sind, leiten bereits in den Realismus über. Und sind, nebenbei, seine schlechtesten nicht. ;)

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

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  • Seine späten Werke, die leider in der breiten Leserschaft (inkl. Deutschlehrer) fast unbekannt geblieben sind, leiten bereits in den Realismus über. Und sind, nebenbei, seine schlechtesten nicht. ;)


    Hallo sandhofer,


    kann ich Dir einen Tipp entlocken?


    Viele Grüße


    Tom

  • Hallo Sandhofer,


    ich hatte die Fragen von Knabe und El Topo auch eher so verstanden, dass sie in die märchenhafte Richtung zielten. Anlass waren ja zwei ausgesprochene Schauergeschichten, und El Topo bezog sich auf die Magelone...


    Ja, natürlich gibt es auch den realistischen Tieck - einfach köstlich fand ich da z.B. "Die Gemälde" und "Des Lebens Überfluss"; kurzweilig "Der Geheimnisvolle"; ausgesprochen harzig dagegen einige Konversationsnovellen (Musikalische Freuden und Leiden...).


    Schade, dass das alles nur sehr schwer im Buchhhandel zu bekommen ist. Selbst Reclam bietet da nicht viel. Werkausgaben sind rar, meistens alt und, wenn sie nicht schwere Lücken haben, sehr, sehr teuer. In meiner kleinen dreibändigen Werksammlung (von 1892) fehlen zentrale Werke, etwa der William Lovell, die Vogelscheuche, der Blaubart, die verkehrte Welt.


    Grüße,


    Gronauer

    Einmal editiert, zuletzt von Gronauer ()

  • Hallo!


    Ein später Dank für eure Beiträge...!



    Ich habe heute "Des Lebens Überfluss" zu Ende gelesen. Eine herrliche Novelle - es geht um zwei Reiche, die aus Liebesgründen in elendester Armut leben, worin sie sich aber dank ihrer unermüdlichen Phantasie überglücklich fühlen. Es ist in großen Zügen äußerst skurill, oft bis zum Lachen.


    Ein wirklich "realistischer" Tieck (es ist ein Spätwerk), der mich nicht besonders an den romantischen Märchenschreiber erinnert.


    Gruß

  • Hallo Knabe,


    die allgemeine Wahrnehmung von L. Tieck ist durch seine verhältnismäßig populären Kunstmärchen und durch übermütig-phantastische Elemente ohnehin nicht ganz zutreffend. Viel zu kurz kommt sein Rang als Satiriker - und als Schöpfer großer, düsterer und realistischer Romane, die sich auch keineswegs nur auf die späte Werkphase beschränken (William Lovell, Der Aufruhr in den Cevennen, Vittoria Accorombona). Mit jedenfalls hat die Lektüre (meistens, abgesehen von einigen wirklich langweiligen Gesprächsnovellen) sehr zugesagt - obwohl ich ansonsten eher dem entgegengesetzten Lager der Aufklärung zuneige.


    Klaus

  • Also ich habe jetzt einige kleine Märchen von ihm gelesen und fand sie sehr schön. Werde mir wohl noch Büchlein von ihm besorgen.

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10