Aug. 07 - Aug. 09: Amerikanische Frauen (Chopin, Jewett, Cather und Wharton)

  • Hallo zusammen,


    Zitat von "Steffi"


    "Vergänglichkeit" - das ist ein gutes Stichwort.


    ja, "Vergänglichkeit" ist ein wichtiger Punkt, was aber nicht bedeutet, daß hier eine resignative Grundstimmung herrschen würde, ganz im Gegenteil. Selbst im Unglück zeigen die Menschen dort eine große Lebenskraft, so wie Joanna, die sich nach einer unglücklichen Liebe auf eine einsame und karge Insel zurückzieht, eine andere hätte sich in ihrem Kummer womöglich in den Selbstmord geflüchtet, Joanna aber war, wie es gegen Ende des 15. Kapitels heißt, "tapfer genug, um allein zu leben, allein mit ihrer armen, hartnäckigen Menschennatur und der Windstille oder Wut der See und des Himmels".


    Sehr schön fand ich die Szene, mit dem die Mutter von Mrs. Todd in die Erzählung eingeführt wird. Die Ich-Erzählerin und Mrs. Todd blicken an einem grauen und wolkigen Abend aufs Meer, als plötzlich ein Sonnenstrahl wie eine goldene Lanze auf die äußeren Inseln fällt, und sich eine Außeninsel klar und hell vom dunklen Hintergrund abhebt:


    Zitat


    Der jähe Lichtglanz der Sonne über jener alleräußersten Insel ließ sie wie eine unerwartete Offenbarung einer jenseitigen Welt erscheinen, die manche so nahe wähnen.


    «Da draußen lebt Mutter», sagte Mrs. Todd.


    Hier verschmelzen Leben und Tod (Jenseits) ineinander, die Mutter lebt in gewissem Sinne schon in einer jenseitigen Welt, steht aber andererseits noch mitten im Leben, denn sie ist für ihr Alter noch sehr rüstig und auch noch voller Lebensfreude, wie man später erfährt. Durch diese Betrachtungsweise verliert der Tod einiges an Schrecken. Auch der Besuch der Erzählerin am einsamen Grab der Joanna endet mit einem Bild der Lebensfreude: heitere Burschen und Mädchen, die zu einer Lustfahrt in See stechen.


    Zitat


    Ich wußte, als ob sie es mir erzählt hätte, daß die arme Joanna Ähnliches an vielen, vielen Sommernachmittagen gehört haben muß und daß sie den Frohsinn gutgeheißen haben muß - trotz Hoffnungslosigkeit und Winterwetter und aller Trauer und Enttäuschung in dieser Welt.


    Ja, diesen "Lebensrhythmus", wie es Maria so schön nannte, spüre ich ebenfalls in dieser Erzählung.


    Die Zeichnungen von Hanny Fries gefallen mir auch sehr gut. Das sind wohl Tuschezeichnungen. Sie sind eher skizzenhaft, wodurch sie sich gut in den Text einfügen. Die Zeichnungen lassen einem noch genug Raum für die Phantasie und sind nicht so detailliert, daß sie sich auf Kosten des Textes in den Vordergrund drängen würden.


    Schöne Grüße,
    Wolf


  • Hallo zusammen,


    hier noch ein Blick auf das Sarah Orne Jewett House in South Berwick.


    http://www.spnea.org/visit/homes/jewett.htm


    Gruß
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo !


    Die Mutter und überhaupt Green Island wurde ja ein bißchen wie das Paradies geschildert. Menschen, die sich selbst genügen und in Einklang mit der Natur leben. Auch die Kleinigkeiten, die Gegebenheiten zu akzeptieren und daraus Nutzen zu ziehen, finde ich sehr eindrucksvoll und schön z.B. die wundervolle Aussicht oder die Binsen, um Schuhe daraus zu machen (Joanna). Überhaupt ist die Natur nicht feindlich, obwohl sie es in einer solch unwirtlichen Gegend doch sein müsste. Aber Kapitän Littlepage sehnt doch die Zeit herbei, in der alle weltoffen waren durch die Seefahrt. die Reduzierung auf sich selbst empfindet er als Rückschritt. Die Dinge, die anscheinend jeder als Souvenirs von der Welt da draußen hat, scheinen wie kleine Fenster hinaus zu sein.


    Welche Aufgabe gibt sich die Ich-Erzählerin in diesem Zusammenhang ? Nur realistische Beschreibung oder mehr ? Was schreibt sie in dem Schulhaus ? Ich komme da noch nicht dahinter.


    Zitat

    Hier verschmelzen Leben und Tod (Jenseits) ineinander, die Mutter lebt in gewissem Sinne schon in einer jenseitigen Welt, steht aber andererseits noch mitten im Leben, denn sie ist für ihr Alter noch sehr rüstig und auch noch voller Lebensfreude, wie man später erfährt. Durch diese Betrachtungsweise verliert der Tod einiges an Schrecken. Auch der Besuch der Erzählerin am einsamen Grab der Joanna endet mit einem Bild der Lebensfreude: heitere Burschen und Mädchen, die zu einer Lustfahrt in See stechen.


    Habe ich ebenfalls so empfunden - wichtig ist der Mensch an sich, nicht Ideale oder Vorstellungen, die von außen kommen durch Religion, evtl. durch die Welt an sich.



    Die fortwährende Präsenz des Todes bedeutet wohl auch, dass diese Idylle totgeweiht ist und nicht mehr lange bestehen wird.


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen,


    ich habe mittlerweile das Kapitel "Das Ufer" fertig gelesen, wo ein Gespräch der Erzählerin mit einem sonst sehr schweigsamen verwitweten Fischer geschildert wird. In den vorigen Kapiteln ging es um das große Familienfest der Bowdens. Da ist mir bei der Übersetzung etwas aufgefallen: Auf dem Fest wurden Kuchen gegessen, die mit Namen verziert waren. Dort heißt es:


    Zitat


    Noch mehr Lesestoff fand sich auf einem Kolonial-Apfelkuchen, in den wir uns teilten und wobei mich Mrs. Todd freigebig mit dem ganzen Wort <i>Bowden</i> versorgte, während sie selbst das Wort <i>Familientreffen</i> bis auf einen nicht entzifferbaren Rest vertilgte.


    Wegen der Länge des Wortes "Familientreffen" klingt das so, als ob sich Mrs. Todd ein wesentlich größeres Stück gegönnt hätte, als die Erzählerin bekommen hat, weshalb das Wort "freigebig" hier einen ironischen Unterton bekommt. Im Original sind die Wörter allerdings ungefähr gleich lang:


    Zitat


    ... Mrs. Todd helped me generously to the whole word BOWDEN, and consumed REUNION herself ...


    Das sieht schon wesentlich gerechter aus. ;-)


    Interessant finde ich auch die "Nagelkeile", die im Kapitel "Das Ufer" erwähnt werden:


    Zitat


    ... wo ein schweres Stück Holz aus einem Schiffbruch lag, das einem Schiffskiel voller Nagelkeile glich.


    Im Original sind das <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Treenail">"tree-nails"</a>, das sind hölzerne Nägel, zu deren besserer Befestigung oft auch noch ein Keil ("tree-nail wedge", auf deutsch: <a href="http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Deutel">"Deutel"</a>) verwendet wird.


    Der "tree-nail" nebst "wedge" kommt auch ziemlich am Anfang im ersten Kapitel vor:


    Zitat


    THERE WAS SOMETHING about the coast town of Dunnet which made it seem more attractive than other maritime villages of eastern Maine. Perhaps it was the simple fact of acquaintance with that neighborhood which made it so attaching, and gave such interest to the rocky shore and dark woods, and the few houses which seemed to be securely wedged and tree-nailed in among the ledges by the Landing.


    Das Interessante ist nun, wie Elisabeth Schnack hier "wedged and tree-nailed" übersetzt:


    Zitat


    ... und den paar Häusern, die zwischen den Klippen bei der Schiffslände sicher verkeilt und wie mit Bäumen festgenagelt schienen.


    Ist das nun dämlich oder genial? :breitgrins: Wenn man an die "spitzen Tannen" im Titel denkt, dann paßt "festgenagelt" ja irgendwie schon sehr gut. :-)


    Dieses "wedged and tree-nailed" verdeutlicht auch die enge Verbindung zur Seefahrt, denn diese Technik wurde vor allem im Schiffsbau verwendet. In einem älteren Wörterbuch, das ich habe, ist "tree-nail wedge" als Schifferausdruck gekennzeichnet.


    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Hallo Wolf !


    Das mit dem Kuchen ist mir auch aufgefallen, ich dachte aber wirklich, dass sich Mrs. Todd mit einem sehr großen Stück bediente - an die Übersetzung habe ich überhaupt nicht gedacht :breitgrins:


    Unter "Nagelkeile" konnte ich mir auch nicht so richtig was vorstellen, danke für die Aufklärung !


    Zitat

    Ist das nun dämlich oder genial? Wenn man an die "spitzen Tannen" im Titel denkt, dann paßt "festgenagelt" ja irgendwie schon sehr gut.


    Tsts - mir scheint, dass es doch gewisse dichterische Freiheit bei der Übersetzung gibt :rollen:


    Das Familientreffen war schon am Rande der Sentimentalität - kein böses Wort, ein winziges bißchen Klatsch und alles so fein und gut. Ein Gedanke hat mir jedoch gut gefallen:
    Es war nicht das erstemal, daß ich staunen mußte über die Vergeudung menschlicher Talente ... . Die in der menschlichen Gesellschaft schlummernden Reserven erscheinen dem Nachdenklichen überwältigend groß. Mehr als ein Gesicht unter den Bowdens bewies mir, daß nur Gelegenheit und Ansporn fehlten - ein zu enges Netz äußerer Umstände umschloß einen feinen, befähigten Charakter und hielt ihn gefangen.


    Wenn Jewett überhaupt eine Aussage in ihrem Buch treffen wollte, dann könnte es diese sein. Oder ist das zu modern gedacht ?


    Um die äußeren Umstände geht es auch in den folgenden Kapiteln "Am Ufer" und "Eine Schäferin". Den strickenden alten Fischer fand ich trotz seines traurigen Lebensabends sehr humorvoll beschrieben. In "Eine Schäferin" sind die äußeren Umstände zwischen William und Esther einfach überwältigend und scheinen doch so sehr zu lähmen, dass keine Lösung gesucht wird. Tradition und das Festhalten an alten Gegebenheiten gelten mehr als die Wünsche des Individuums.


    Im Nachwort ist zu lesen, dass die "Heimatdichtung ... als Reaktion gegen den großstädtischen Materialismus und Geschäftsgeist, und - in New England- gegen die Hast des Lebensstils und die Abwanderung in den Westen" enstanden ist. Aber das passt dann widerum nicht zur obigen Aussage.


    Gruß von Steffi

  • Hallo zusammen,


    ich bin leider noch nicht so weit. Besonders gut hat mir die Fahrt zum Familientreffen gefallen. Sie kamen an einer Esche vorbei und hielten:


    Manchmal findet man einen guten, kräftigen Baum, der direkt aus dem Felsen zu wachsen scheint, aus einer Spalte, in der sich die Wurzeln festhalten .. und ganz zu alleroberst auf einem kahlen, steinigen Hügel, wo man keinen Schubkarren voll guter Erde entdecken kann, und doch behält so ein Baum sienen grünen Wipfel, selbst im trockensten Sommer. Drückt man sein Ohr auf die Erde, dann hört man's wie einen kleinen Quell. Solche Bäume haben eben ihren lebendigen Quell - und es gibt Menschen, die ihnen gleichen.


    was mir auffiel ist, dass die Frauen in dem Roman die führende Rolle spielen. Auch auf dem Familientreffen, begegnen uns nur Frauen. Zwar wird ab und zu eine Geschichte von einem Mann dazwischen geschoben (Am Ufer - Mr. Elijah Tilley), doch in Elijah Tilleys Leben spielt seine verstorbene Frau immer noch eine große Rolle.


    Nur der Kapitän steht irgendwie ganz alleine da. Doch er sitzt deswegen auch am Fenster, schaut hinaus und bekommt nicht mehr viel vom Leben mit. Doch wird auch hier nichts bewertet, wenn es heißt:

    Es lag ein geduldiger Ausdruck im Gesicht des alten Mannes, als ob die Welt ein großer Irrtum sei und er niemanden hätte, mit dem er in seiner Sprache sprechen oder den er als Gefährten finden könnte.


    Ich komme zum Kapitel "Eine Schäferin".


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo zusammen,



    Das Familientreffen war schon am Rande der Sentimentalität - kein böses Wort, ein winziges bißchen Klatsch und alles so fein und gut. Ein Gedanke hat mir jedoch gut gefallen:


    Es war nicht das erstemal, daß ich staunen mußte über die Vergeudung menschlicher Talente ... . Die in der menschlichen Gesellschaft schlummernden Reserven erscheinen dem Nachdenklichen überwältigend groß. Mehr als ein Gesicht unter den Bowdens bewies mir, daß nur Gelegenheit und Ansporn fehlten - ein zu enges Netz äußerer Umstände umschloß einen feinen, befähigten Charakter und hielt ihn gefangen.


    Wenn Jewett überhaupt eine Aussage in ihrem Buch treffen wollte, dann könnte es diese sein. Oder ist das zu modern gedacht ?


    Ich glaube nicht, dass es zu modern gedacht war. Die Autorin gibt zwar keine Wertung ab, weist aber doch auf so manchen Nachteil hin. z.B. Mrs. Todd verlor sehr früh ihren Mann auf See, bestimmt teilte sie sich dieses Schicksal mit so manchen Frauen an der Küste. Im Hinterland gab es andere Zwänge, doch Mrs Todd und ihre Mutter finden das leben an der Küste besser als dort wo das Familientreffen stattfindet.


    Traditionen sind auf den ländlichen Gebieten vielleicht zwingender gewesen als dass manche Menschen die Möglichkeit besaßen ihren Talenten oder Wünschen nachzugehen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es hingenommen wird.


    z.B. Esther und William.
    Wer hätte das gedacht. Eine fast vierzigjährige Werbung! Als die Mutter starb, konnte Esther von dort weg.
    Obwohl ich nicht verstehe, warum Esther mit ihrer Mutter nicht auf der Insel hätte leben können.


    In der Zwischenzeit bin ich durch mit den "spitzen Tannen" und fand es wunderschön. Ich mag die Wärme, die aus dem Buch sprudelt und die Menschen, die dort beschrieben wurden.


    Manchmal kamen mir die Episoden wie "Gesänge" vor, besonders wenn das Licht und der Morgen eine besondere Rolle spielte.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo !


    JMaria schrieb:

    Zitat

    Manchmal kamen mir die Episoden wie "Gesänge" vor, besonders wenn das Licht und der Morgen eine besondere Rolle spielte.


    Da hast du recht, auch die Grundstimmung erinnert mich an die Feierlichkeit und Erhabenheit einer Ode. Schiller meint zur Erhabenheit: Beim Erhabenen „stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift“ Quelle:wikipedia


    Ich finde, das passt auf "Das Land der spitzen Tannen" ganz gut.


    Ich habe das Buch gestern fertig gelesen. Der ruhige Erzählstil, aber auch die sehr intime Sichtweise haben mir gut gefallen. Im Vergleich dazu war Kate Chopins "Das Erwachen" viel sinnlicher und kraftvoller. Ob das auch am Gegensatz der Landschaft liegt ?


    Gruß von Steffi

  • Hallo Maria und Steffi,


    ich bin ebenfalls mit dem Buch fertig.


    Zitat von "JMaria"


    Manchmal kamen mir die Episoden wie "Gesänge" vor,


    Zitat von "Steffi"


    Da hast du recht, auch die Grundstimmung erinnert mich an die Feierlichkeit und Erhabenheit einer Ode.


    Kindlers Literaturlexikon spricht von einer "pastoralen Grundstimmung", aber auch davon, daß die Schilderung "knapp, unromantisch und dennoch atmosphärisch dicht" sei. Auch im Nachwort der Übersetzung ist von der "Knappheit des Stils" die Rede und auch davon, daß sich die Autorin bewußt war, daß "das Gefühl niemals zur Sentimentalität absinken" darf, wie sie einmal in einem ihrer Briefe geschrieben hat.


    Bemerkenswert fand ich, wie gut die Erzählerin mit den verschiedenen Personen in Kontakt gekommen ist. Auch verschlossene Personen, die auf den ersten Blick nicht als sehr umgänglich erschienen, sind im Gespräch mit ihr aufgetaut, so daß man als Leser einen Einblick in ihr Inneres bekam.


    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Hallo Steffi, hallo Wolf,




    Da hast du recht, auch die Grundstimmung erinnert mich an die Feierlichkeit und Erhabenheit einer Ode. Schiller meint zur Erhabenheit: Beim Erhabenen „stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift“ Quelle:wikipedia


    Ich finde, das passt auf "Das Land der spitzen Tannen" ganz gut.


    Zitat von "Wolf"

    Kindlers Literaturlexikon spricht von einer "pastoralen Grundstimmung", aber auch davon, daß die Schilderung "knapp, unromantisch und dennoch atmosphärisch dicht" sei. Auch im Nachwort der Übersetzung ist von der "Knappheit des Stils" die Rede und auch davon, daß sich die Autorin bewußt war, daß "das Gefühl niemals zur Sentimentalität absinken" darf, wie sie einmal in einem ihrer Briefe geschrieben hat.


    "pastorale Grundstimmung" // "Erhabenheit einer Ode"


    wunderbare Beschreibungen. Danke euch.


    Zitat von "Steffi"


    Ich habe das Buch gestern fertig gelesen. Der ruhige Erzählstil, aber auch die sehr intime Sichtweise haben mir gut gefallen. Im Vergleich dazu war Kate Chopins "Das Erwachen" viel sinnlicher und kraftvoller. Ob das auch am Gegensatz der Landschaft liegt ?


    ich fand auch, dass Kate Chopin sinnlicher schreibt, liegt vielleicht tatsächlich an der Lokalität; Louisiana. Doch auch in der Beschreibung der Menschen sehe ich einen Unterschied. Chopin schreibt geheimnisvoller; Jewett irdischer.


    Persönlich lag mir jetzt Jewett mehr.


    Ich habe mit "Der weiße Reiher" - und andere Erzählungen aus dem Land der spitzen Tannen gleich angeschlossen. In dem Band steht der Mensch und das Individuelle in ihm im Vordergrund. Natur kommt so gut wie garnicht vor. Fand ich zum Vergleichen ganz interessant. Die Menschen sind kraftvoller beschrieben, aber doch auch typisch Sarah Orne Jewett.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo sandhofer !


    Cather und Wahrton fehlen noch - ich hoffe, dass das in nächster Zeit auch mal klappt ! Trotzdem danke fürs nachfragen :winken:


    Gruß von Steffi

  • Hallo !


    Ich wollte mal nachfragen, wie es steht mit einer gemeinsamen Leserunde von Willa Cather "O Pioneers ! (dt: Neue Erde, Unter den Hügeln die kommende Zeit)" ? Wer hat Interesse, das in nächster Zeit zu lesen ? Wir sind ja noch nicht ganz durch mit unserem kleinen Projekt.


    Gruß von Steffi

  • Hallo Steffi,


    ich werde auf jeden Fall mitlesen. Das Buch Unter den Hügeln die kommende Zeit habe ich mir schon vor einiger Zeit antiquarisch gekauft, deshalb liegt es schon in meinem SUB, von dieser Seite gibt es also auch keine Hindernisse für ein baldigen Beginn der Leserunde. :-)


    Schöne Grüße,
    Wolf

  • Zitat


    Unter den Hügeln die kommende Zeit


    Hallo Steffi,
    ich bin auch dabei. Ich freu mich. :winken:


    (Vielleicht ab 01.03.09? Bis dahin bin ich mit Proust fertig.)


    Schöne Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

  • Hallo Wolf,
    hallo JMaria !


    Das freut mich, dass ihr beide wieder dabei seid ! Und ab 01.03. passt mir auch sehr gut - ich bin zwar Anfang April zwei Wochen unterwegs, aber ich denke, bis dahin werden wir wohl schon fertig sein, das Buch ist ja nicht so dick. Wolf, wie passt dir der Termin ?


    Gruß von Steffi

  • Hallo JMaria,
    hallo Wolf !


    Ich eröffne jetzt mal :breitgrins: Ich habe heute angefangen, eine Übersetzung von Wolf und Ursula Hermann, bearbeitet von Angelika Hermann.


    Im Original heißt der Titel ja O Pioneers ! nach dem Gedicht von Walt Whitman. Pioneers! O Pioneers! Das ist wieder mal eine seltsame Übersetzung des Titels, übrigens die dritte nach "Neue Erde" und "Zwei Frauen".


    Gleich zu Beginn gibt es noch ein Gedenken an Sara Orne Jewett :zwinker:


    Der Einstieg ist gleich ziemlich fesselnd, finde ich. Raue Prairie, unwirtlich und außerdem noch kalter Winter. Ob das Kätzchen auch schon ein Hinweis auf kommende Ereignisse ist ? Die Gegend habe ich mir mal bei google angeschaut, sieht tatsächlich nicht gerade einladend aus.


    Gruß von Steffi

  • Hallo Steffi und Wolf,


    ich lese dieselbe Übersetzung wie du, Steffi, mit einem Nachwort von Sabine Lietzmann. Lietzmann bemerkt, dass die eigentliche "Heldin" im Buch das Land selbst ist und ich finde, das merkt man auch im 1. Teil "Das wilde Land".


    Auch die Denkweise Alexandras ist so urwüchsig und unerschrocken konsequent, wenn sie zu Carl sagt: "Was soll nur aus uns werden, Carl, wenn Vater wirklich sterben muß? Ich darf gar nicht daran denken. Ich wünschte, wir könnten alle mit ihm gehen und das Gras wieder über alles wachsen lassen."


    nicht "Gras" sondern "das Gras". Diese Grasebenen von Nebraska müssen sehr schnellwachsend gewesen sein.


    Auch im Gedicht "Pioniere!" ist die Natur weiblich, wenn ich das recht interpretiere:


    Hebt sie hoch die mächtige Mutter,
    Schwenkt im Wind die zarte Herrin, Sternenherrin (beugt die Häupter),
    Hoch die kriegerische Herrin! ernst, unbeugsam und gewappnet,
    Pioniere! Pioniere!


    Steffi, es sieht wirklich nicht sehr einladend aus, da hast du recht:


    so sieht es dort auf der Hochebene aus,
    Great Plains von Nebraska


    Die Great Plains, die sich östlich der Rocky Mountains entlang zieht, ist auch heute noch lt. Wikipedia mit knapp einer Million Menschen, die am dünnsten besiedelte Landschaftsregion der Welt, Tendenz sinkend.


    http://de.wikipedia.org/wiki/Great_Plains


    In meiner Ausgabe "Grashalme" von Walt Whitman ist auch das Gedicht "Pioniere" enthalten. Bei "Zeno.org" gibt es eine deutsche Übersetzung:


    http://www.zeno.org/Literatur/…shalme+(Auswahl)/Pioniere!


    Auszug:
    Heil! Ihr Jungen aus dem Westen!
    Ungeduldig, voller Tatkraft, voller Männerstolz und treu,
    Schon seh ich euch vorne in den ersten Gliedern schreiten,
    Pioniere! Pioniere!



    bei uns herrscht Alexandra, voller Frauenstolz und treu (dem Land) und voller Tatkraft. :-)


    Zitat von "Steffi"

    Ob das Kätzchen auch schon ein Hinweis auf kommende Ereignisse ist ?


    bestimmt !
    Außerdem konnten wir bereits einen Blick auf Marie Shabata werfen, zwar noch ein Kind, aber sehr stilvoll in ihrem Kate-Greenaway-Kleidchen.


    ich habe den 1. Teil "Das wilde Land" beendet.


    Edit:


    Zitat von "Steffi"


    Im Original heißt der Titel ja O Pioneers ! nach dem Gedicht von Walt Whitman. Pioneers! O Pioneers! Das ist wieder mal eine seltsame Übersetzung des Titels, übrigens die dritte nach "Neue Erde" und "Zwei Frauen"


    wirklich seltsam. Der jetzige Titel ist so lyrisch, dass ich dachte, es ist ein Auszug aus einem Gedicht. Doch meine Suche blieb ergebnislos.


    Viele Grüße
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)

    Einmal editiert, zuletzt von JMaria ()