Hallo zusammen,
Zitat von "Steffi"
"Vergänglichkeit" - das ist ein gutes Stichwort.
ja, "Vergänglichkeit" ist ein wichtiger Punkt, was aber nicht bedeutet, daß hier eine resignative Grundstimmung herrschen würde, ganz im Gegenteil. Selbst im Unglück zeigen die Menschen dort eine große Lebenskraft, so wie Joanna, die sich nach einer unglücklichen Liebe auf eine einsame und karge Insel zurückzieht, eine andere hätte sich in ihrem Kummer womöglich in den Selbstmord geflüchtet, Joanna aber war, wie es gegen Ende des 15. Kapitels heißt, "tapfer genug, um allein zu leben, allein mit ihrer armen, hartnäckigen Menschennatur und der Windstille oder Wut der See und des Himmels".
Sehr schön fand ich die Szene, mit dem die Mutter von Mrs. Todd in die Erzählung eingeführt wird. Die Ich-Erzählerin und Mrs. Todd blicken an einem grauen und wolkigen Abend aufs Meer, als plötzlich ein Sonnenstrahl wie eine goldene Lanze auf die äußeren Inseln fällt, und sich eine Außeninsel klar und hell vom dunklen Hintergrund abhebt:
Zitat
Der jähe Lichtglanz der Sonne über jener alleräußersten Insel ließ sie wie eine unerwartete Offenbarung einer jenseitigen Welt erscheinen, die manche so nahe wähnen.
«Da draußen lebt Mutter», sagte Mrs. Todd.
Hier verschmelzen Leben und Tod (Jenseits) ineinander, die Mutter lebt in gewissem Sinne schon in einer jenseitigen Welt, steht aber andererseits noch mitten im Leben, denn sie ist für ihr Alter noch sehr rüstig und auch noch voller Lebensfreude, wie man später erfährt. Durch diese Betrachtungsweise verliert der Tod einiges an Schrecken. Auch der Besuch der Erzählerin am einsamen Grab der Joanna endet mit einem Bild der Lebensfreude: heitere Burschen und Mädchen, die zu einer Lustfahrt in See stechen.
Zitat
Ich wußte, als ob sie es mir erzählt hätte, daß die arme Joanna Ähnliches an vielen, vielen Sommernachmittagen gehört haben muß und daß sie den Frohsinn gutgeheißen haben muß - trotz Hoffnungslosigkeit und Winterwetter und aller Trauer und Enttäuschung in dieser Welt.
Ja, diesen "Lebensrhythmus", wie es Maria so schön nannte, spüre ich ebenfalls in dieser Erzählung.
Die Zeichnungen von Hanny Fries gefallen mir auch sehr gut. Das sind wohl Tuschezeichnungen. Sie sind eher skizzenhaft, wodurch sie sich gut in den Text einfügen. Die Zeichnungen lassen einem noch genug Raum für die Phantasie und sind nicht so detailliert, daß sie sich auf Kosten des Textes in den Vordergrund drängen würden.
Schöne Grüße,
Wolf