Was war eure Pflichtlektüre?

  • Hallöchen,


    bin gerade erst bei Materialsuche für die Abi-Vorbereitung auf diese Seite gestoßen. Erstmal ein ganz großes Dankeschön für die tollen, kurzen und leichtverständlichen Erklärungen in Sachen Textgattung und Literaturgeschichte - die kann ich sehr gut gebrauchen!


    So, nun zu meiner Pflichtlektüre - auch wenn ich mich sicher nicht mehr an alles erinnern kann. Ich muss auch zugeben, dass ich nicht immer alles geschafft habe und so einiges oder Teile von Büchern ausgelassen habe. Aber während des Deutsch Leistungskurses bekommt man schon eine Menge zum Lesen aufgetragen.


    Das ist, was ich aus der Unterstufe behalten habe:


    Storm: "Der Schimmelreiter" (8. oder 9. Klasse) - Der Film gefiel mir besser
    Dürenmatt: "Der Richter und sein Henker" (9. klasse)- hat mich sehr interessiert
    Sleator: "Das Haus der Treppen" (9. oder 10. Klasse) - hat mich einfach gefesselt :)
    Frisch: "Homo Faber" (11. Klasse) - sehr genial


    Und die Oberstufe:


    Lessing - "Emilia Galotti"
    Schiller - "Kabale und Liebe"
    Hebbel - "Maria Magdalena"
    Lessing - "Ringparabel"
    Büchner - "Woyzeck"
    Der hessische Landbote
    Kleist - Das Erdbeben in Chili
    Kleist - Die Marquise von O.
    Eichendorf - Das Marmorbild
    Hoffmann - Der Sandmann
    Heine - Deutschland - Ein Wintermärchen
    Süsskind - Das Parfum
    Goethe - Faust I
    H. Mann - Der Untertan


    Wow, doch 'ne ganze Menge geworden :breitgrins:

  • Meine Pflichtlektüren (Klassen 8-10) waren:


    Dürrenmatt, Die Physiker
    Dürrenmatt, Der Richter und sein Henker
    Hesse, Unterm Rad


    In Klasse 5/6 haben wir auch gelesen, da weiß ich nur noch die Titel:


    Das war der Hirbel
    Hau ab du Flasche


    Die Bücher von Dürrenmatt fand ich klasse :klatschen: , Hesse hat mich eher gelangweilt :redface: .


    Gruß
    SchoFlo

    Ich will es endlich mit den Klassikern aufnehmen!

  • Hallo @ all
    habe gerade mein abi gemacht mit deutsch lk und kann so auch einiges zu diesem topic beitragen...
    böll:Die verlorene ehre der katharina blum
    christa wolff, kassandra - total klasse, wenn auch kompliziert
    goethe, faust1 - hat mir seeeeehr gut gefallen
    goethe, die leiden des jungen werther - habe ich verschlungen
    peter weiss, die verfolgung und ermordung jean paul marats dargestellt durch die schauspielgruppe des hospizes zu ccharenton unter anleitung des herrn de sade - nein, das muss man wirklich keinem antuen, ich habe auch nicht ganz bis zum ende durchgehalten, es war mir einfach zu absurd
    plenzdorf, die neuen leiden des jungen w.- auch das muss man nicht haben
    thomas mann, tod in venedig - zuerst habe ich es gehasst, dann habe ich es geliebt und inzwischen habe ich auch andere mann bücher lieben gelernt ;)
    ein achtes haben wir noch gelesen, fällt mir aber im moment nicht ein.ach doch, von frisch stiller, was mirauch sehr gefiel, ich mochte stiller irgendwie. danach habe ich den zauberberg von th mann gelesen und mir fiel auf, dass frisch ja ganz viel von der davos atmosphäre übernommen hat :breitgrins:
    ansonsten in der sekI und 11.
    wilhelm tell sowie die räuber
    andersch, sansibar oder der letzte grund - wundervoll
    das schiff esperanza
    die sache mit christof
    hauptmann von köpenick
    emilia galotti
    andorra
    frisch, homo faber
    der richter und sein henker
    und sicher noch einige mehr, die mir jetzt gard nicht einfallen...

    Two roads diverged in a wood and I -
    <br />I took the one less travelled by
    <br />and that has made all the difference.

  • Hallo amelie,


    herzlich willkommen hier bei uns im Klassikerforum. Schön, dass Du uns gleich etwas über Deine Leseerfahrung informiert hast. Ich finde es z.B. toll, dass Dir Goethe (Faust u. Werther) so gut gefallen hat. Für mich gehören diese beiden Werke zum wichtigsten was in deutscher Sprache geschrieben wurde. Bei den meisten Büchern hast Du ja Deine Meinung dazu geschrieben (Ich stimme Dir eigentlich überall zu), aber bei Böll, wäre ich noch neugierig auf Deine Meinung. Vor allem, ob Du Dir vorstellen kannst, dass Böll im Bewußtsein seiner Leser, mit diesem Buch etwa verändert hat z.B. die Meinung über bestimmte Zeitungen, oder um es direkt zu sagen, die Meinung zu "Bild"? (Wir diskutieren hier nämlich gerade die Frage, ob Bücher etwas verändern: eigener Thread).


    Ich hoffe, ich habe Dich jetzt nicht gleich überfallen.


    Liebe Grüße


    Hubert


    PS: Schön, dass Du dich auch für klassische Musik interessierst. Von den von Dir genannten Komponisten gehören Dvorak und Grieg auch zu meinen Lieblingen.

  • Hallo Hubert ;)
    Wir haben Böll leider nur sehr kurz behandelt, d.h. jeder hat das Buch gelesen und zwei haben ein Referat darüber gehalten, wobei auch das Thema Beeinflussung durch die Medien und die Methoden der ZEITUNG besonders berücksichtigt wurde. Das hat mich, und ich glaube auch den Rest des Kurses, sehr schockiert und verärgert. :entsetzt:

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  • Die Schulzeit ist bei mir zwar noch nicht so lange her, aber ich bekomme nicht mehr alle zusammen.



    Aus der Oberstufe, Deutsch LK:


    Faust I
    Ich fand das Werk ziemlich genial und finde, es sollte auf jeden Fall im Unterricht behandelt werden.
    Faust II haben wir nur angerissen, ist aber nicht minder interessant.


    Medea von Christa Wolf
    Die Geschichte von der griechischen Zauberin, die Jason hilft, das goldene Vlies zu erlangen.
    Als wir es im Unterricht durchgenommen haben, habe ich gestönt, da die Geschichte ziemlich komplex ist. Im Nachhinein ist es ein gutes Buch, ein wenig anspruchsvoll wenn man sich wie ich in der Materie nicht auskennt, aber wenn man sich für griechische Mythologie interessiert ist es durchaus lesenswert.


    Woyzeck von Georg Büchner
    Hmm, was soll man dazu sagen ? Langweilig war es nicht, aber vom Hocker gerissen hats mich auch nicht. Irgendwie seicht.


    Aus dem Leben eines Taugenichts von Eichendorff
    Gut zu verstehen und ein Beispiel, wie man das Leben leicht nehmen kann.
    Für den Unterricht auf jeden Fall zu empfehlen.


    Die Verwandlung von Kafka
    Ein weniger gelungenes Werk von Kafka, meiner Meinung nach. Hat mir nicht gefallen.
    Trotzdem für den Unterricht geeignet, da man die Charaktere gut analysieren kann und Parallelen zu Kafkas Leben ziehen kann (wie immer bei Kafka?! )


    Mehr weiß ich aus der Oberstufe nicht mehr.
    Vorher haben wir noch durchgenommen:


    Die Leiden des jungen Werthers sowie Die neuen Leiden des jungen W.
    Nach ner Weile hat mich Goethe genervt, aber eigentlich ist es ein gutes Werk, das genauso wie z.B. "Faust", die deutsche Literatur der früheren Zeit repräsentiert und auch heute noch aktuell ist.


    Die Welle von Morton Rhue (?)
    Das Buch hat mich echt berührt. Wie schnell und einfach man Menschen beeinflussen kann, und immer den Nationalsozialismus im Hinterkopf....


    Dann noch Wilhelm Tell, Nathan der Weise, Der Vorleser.
    An mehr kann ich mich nicht erinnern.



    Im Englischunterricht haben wir noch


    Brave New World (Schöne neue Welt), Wuthering Heights (Sturmhöhen), A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht) und And Then There Were None (Zehn kleine Negerlein, von Agatha Christie)


    gelesen.


    Bis auf Wuthering Heights haben mir alle sehr gut gefallen, und alle waren für den Unterricht gut geeignet.


    Das wars :schmetterling: [/b]

    Alle Schreibfehler sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne mein Einverständnis nicht übernommen werden......

  • Hallo allerseits
    Hallo Martin


    Zitat

    Mich würde interressieren, wie die Neuen Leiden des jungen Werther sind?


    Falls Dich das noch interessiert ... unbedingt lesenswert erst einmal. Man sollte "Die Leiden des jungen Werther" von Goethe kennen, bevor man das Buch von Ulrich Plenzdorf liest, sonst würde man wahrscheinlich vieles nicht richtig verstehen.


    Wir mussten damals im Unterricht beide lesen und sowohl die Parallelen als auch die Unterschiede herausarbeiten.


    Grob gesagt und oberflächlich betrachtet gibt es sehr viele Parallelen zwischen den beiden Helden und ihrem Leben, Lieben ....
    Mehr soll hier nicht verraten werden.
    Der Stil, Schreibweise, Art der Probleme .... das alles ist "moderner" aber auch verblüffend ähnlich.


    Allein der Anfang ist lesenswert :smile:


    Auch der Film mit Klaus Hoffmann als Edgar W. hat mir sehr gut gefallen.



    Nimue .. hast Du verfolgt, wie lange dieser Thread schon existiert und nun wieder aufgefrischt wurde? Unbeding ein Zeichen für die Qualität Deines Forums !!!! :klatschen:


    :winken:


    Daniela

    &quot;Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde.&quot; - John Irving

  • ich kann mich nur wundern. Bin ich denn der einzige hier, der modernen deutschunterricht erhalten hat?
    Wir haben ab ende der mittelstufe praktisch keine literatur mehr gelesen, stattdessen haben wir hier -wie auch in vielen anderen fächern- nur noch "textanalysen" gemacht. Wohl fußend auf dem gedanken, daß es inhalte nicht gäbe, sondern allenfalls formale struturen (satzbau, strukturierung, erzählposition, wortwahl). Einer der letzten tatsächlich in toto gelesenen texte was "tod in venedig". Mein hinweis in einer klassenarbeit auf eine allegorie wurde mit dem kommentar versehen, dies gehöre thematisch nicht hierher, weil es ein "psychologsieren" sei. Der einzige literaturtext in der oberstufe, an den ich ich erinnere, war der taugenichts. Jede gruppe (natürlich gruppenarbeit!) bekam ein thema zu einem bestimmten kapitel, zB die erzählerposition in kap.X oder die art der landschaftsbeschreibung in Y, -mit der folge, daß niemand die gesamte erzählung gelesen hatte. Danach haben wir nur noch dinge wie politische reden oder werbetexte ("sonnenstrand in bulgarien") textuell, nicht inhaltlich analysiert. Pisa läßt grüßen !
    Lediglich unserer englischlehrer, unter schülern wie lehrern als konservatives fossil gesehen, glaubte noch an qualität und inhalt von texten: zB macbeth, 1984, hawthorne, hemingway.
    gruß hafis

  • mensch, hafis, das war ja wirklich zum Abgewöhnen... Umso erstaunlicher, dass du an der Literatur nicht die Lust verloren hast...


    In meiner Schulzeit haben wir schon recht viel gelesen, wenngleich mich eigentlich nie etwas wirklich angesprochen hatte, u.a. lasen wir:


    * Schiller "Kabale und Liebe"
    * Schiller "Don Carlos"
    Fand ich damals widerlich, und hat mir eine nach wie vor nicht ganz abzuleugnende Abwehr-Haltung gegenüber Schiller eingebrockt.


    * Lessing "Emilia Galotti"
    War langweilig als Schüler zu lesen; mich haben damals Probleme wie die Ständeklausel oder so einfach nicht interessiert, weil man als 15jähriger noch nicht wirklich ein historisches Bewusstsein hat und man sich schwertut Geschehnisse aus der Zeit heraus zu begreifen.


    * Golding "Herr der Fliegen"
    War interessant, aber die Lehrerin war so dermaßen penetrant, dass ich aus Prinzip schon nicht Lust hatte die Lektüre gut zu finden


    * Thomas Mann "Buddenbrooks"
    Mein absolutes Aha-Erlebnis in der 12. Klasse: Literatur kann witzig sein, Literatur kann psychologisch-tiefgreifend sein, Literatur kann zu tiefster Teilnahme bewegen (wenn ich an den armen Hanno im Lateinunterricht denke)...


    Zudem hatte jeder Schüler ein Referat über ein bedeutendes Werk zu halten, und da bekam man dann auch am Rand von anderen Schriftstellern etwas mit...
    Also alles in allem doch sehr auf Inhalt und Werk bezogener Unterricht...


    Dann gab es ja noch den Religionsunterricht, da lasen wir auch immer recht interessante Sachen, natürlich die obligatorischen Bücher zum Dritten Reich (Tagebuch der Anne Frank, Stern ohne Himmel, Jugend ohne Gott) oder Bücher, die uns vor Drogen warnen sollten, aber uns natürlich erst richtig neugierig drauf machten (Fragt mal Alice) ... Das waren alles Lektüren, die Spaß machten, aber noch keinen Leser aus mir machten...


    Gruß,
    Lucien

  • Hallo allerseits
    Gehört vielleicht nicht so ganz in diese Kategorie, irgendwie aber doch ein wenig ....


    Ich habe kürzlich mit einer Nachbaring gesprochen, ihres Zeichens Grundschullehrerin i.R. und die Dame sagte mir, dass sie es immer so gehalten hat, dass die Kinder pro Monat ein Buch lesen mussten und dann eine Inhaltsangabe auf Kassette sprechen.
    Diese Kassetten hat sie dann im Textilunterricht der Klasse vorgespielt.


    Fand ich eine Superidee, um die Kinder ans Lesen zu bringen.


    Übrigens denke ich, dass die "Nichtleserei" unter Kindern künftig Probleme mit sich bringen kann; das wäre mir persönlich einen eigenen Thread wert.


    :winken:


    Daniela

    &quot;Kunst und Unterhaltung sind verschwistert und keine Feinde.&quot; - John Irving

  • "Dann eben mit Gewalt"(ka, wer autor)unsre allererste lektüre, fand ich damals nicht so toll, glaub ich
    "Herzsprung" (Brigitte Blobel) fand ich von allen (auch die die später kommen) am besten, das einzige was ich auch so lesen würde
    "Die Welle" (Morton Rhue)na gut, das hab ich auch schon mal gelesen, bevor wir es durhgenommen haben, besser als einige der andren, trotzdem hat es mich nicht so wahnsinnig begeistert
    "Die Spinne"( ka), fand ich ziemlich furchtbar, langweilig
    "Andorra" (Max Frisch)auch ziemlich langweilig
    "Der Besuch der alten Dame" (friedrich Dürrenmatt, aber nur auszugsweise)najaaaaa, hmm, es ging
    "Der Vorleser" (Bernhard Schlink)es geht, der erste teil war noch ganz gut, der zweite schrecklich öde, und dritte so halbwegs, insgesamt eine teilweise sehr perverse handlung
    "Faust I" (Goethe) ich kann mich hierfür einfach nicht begeistern, ich les halt nicht so gerne dramen, und dann noch der alte sprachstil usw....
    "Die Physiker" (Dürrenmatt)war ganz ok, aber dramen mag ich trotzdem nicht
    und bald kommt "Aus dem Leben eines Taugenichts" (Joseph v. Eichendorff)hab ich aber noch nicht gelesen (zur auswahl stand übrigens noch effi briest, v. fontane)



    kann sein, ich hab was vergessen, ich glaub aber nicht...

  • Zitat von "Davor"

    Hi,
    Von dem Roman "Andorra" habe ich im Unterricht eine Verfilmung gesehen. Fand ich ganz gut.



    Wir haben auch Andorra gelesen und den Film gesehen. Vielleicht gibt es ja verschiedene Versionen. Ich fand ihn (und meine gesamte klasse auch) einfach nur furchtbar. ziemlich langweilig und zudem war es eine alte verfilmung. so eine mischung aus theater und film. ganz seltsam. argh. nie wieder!

  • Wir haben auch in der 7. Klasse mit Anne Frank angefangen. Dann kam "Damals war es Friedrich" von Hans Peter Richter. "Frag mal Alice haben wir auch gelesen. Und "Die Outsider" wenn ich mich richtig erinnere... "Die Welle" kam auch noch dazu.


    Im Deutsch-Unterricht haben wir dann folgendes gelesen:


    "Antigone"
    "Nathan der Weise"
    Faust I und II (fand ich schrecklich :redface: )
    "Die Blechtrommel" (War sehr interessant, aber Grass hab ich danach trotzdem nicht mehr anfassen mögen :rollen: )
    "Michael Kohlhaas"
    "Woyzeck"
    Effi Briest (fand ich toll, hat mir sehr gut gefallen)
    "Die Physiker" von Dürrenmatt (fand ich auch gut)
    "Homo Faber" (hab ich verschlungen und danach gleich noch "Stiller", "mein Name sei Gantenbein" und "Montauk" gelesen)


    In Englisch waren es
    "Hamlet" (mussten den Monolog auswendig lernen :rollen: )
    "Herr der Fliegen" (langweilig, aber der Film war gut)
    "1984" (hat mir nicht gefallen)
    "Animal Farm" (mochte ich ganz gerne)


    Und in Französisch
    Zolas "Germinal" (ich fand es sehr spannend)
    "Hiroshima mon amour" von Marguerite Duras (grauenhaftes Buch)


    Bei uns war es auch so, dass jeder im Laufe der 12. Klasse ein Buch vorstellen musste, so haben wir ziemlich viele Autoren kennengelernt, wenn auch nicht unbedingt selbst gelesen.


    Gruß
    Maia

  • Hm grübel, grübel...was hab ich in der Schule gelesen:


    "Die Judenbuche"- fand ich damals ganz schrecklich
    Kaukasischer Kreidekreis? von Brecht
    "Jugend ohne Gott"- fürchterlich
    "Kleider machen Leute"
    "Faust"
    "Emilia Galotti"- ja Lessing fand und finde ich toll
    "Die neuen Leiden .."
    "Maria Stuart"- ja ok
    "Aus dem Leben eines Taugenichts"
    "Effi Briest"- toll (nach den ersten Besprechungen)
    Erzählungen von Kafka und Kleist- Kleist ist immernoch mein Liebling
    Büchners "Lenz"


    und viele viele mehr

  • Diese Frage nach der Schullektüre hat mich in den letzten Tagen nachhaltig beschäftigt. Mit Verblüffung mußte ich feststellen, daß die Schullektüre bei mir kaum Spuren hinterlassen hat. Auf Anhieb konnte ich mich noch nicht einmal an alle Titel erinnern und das ist dann doch einigermaßen erstaunlich bei einem unermüdlichen Leser, der von sich behaupten würde, kein einziges je gelesenes Buch zu vergessen. Also bin ich ins Grübeln geraten wie sich das erklären lasse und will nun auch die anderen an diesen Überlegungen teilhaben lassen. (Das dauert ein bißchen länger, sollte aber für Klassikerfreunde kein Problem darstellen).


    Zu allererst mußte ich allerdings eine alte Überzeugung die ich mir stillschweigend gebildet hatte, relativieren. Die Überzeugung nämlich, ich sei auf eine Schule gegangen in der das Lesepensum ganz besonders anspruchslos gewesen sei. Wenn ich mir hier so anschaue, was die übrigen zusammengetragen haben, scheint mein Deutschunterricht doch eher typisches Mittelmaß gewesen zu sein, was aber ja auch nicht gerade ein Grund zur Freude ist.


    Hier also zunächst einmal die Liste (Oberstufe Klassen 10-13) [Die Liste ist vollständig, aber nicht chronologisch aufgebaut; mein Gedächtnis ist im Hinblick auf Chronologie/Zeit sehr unzuverlässig]


    × Lessing: Emilia Galotti
    × Schiller: Kabale und Liebe
    × Goethe: Iphigenie auf Tauris
    × Brecht: Der gute Mensch von Sezuan
    × Kleist: Michael Kohlhaas
    × Büchner: Woyzeck
    × Handke: Kaspar
    × S. Lenz: Deutschstunde
    × Storm: Aquis submersus
    × H. Mann: Der Untertan


    „Woyzeck“ und „Kaspar“ waren die einzigen, die überhaupt Reaktionen bei mir hervorgerufen haben, dieses enthusiastisch-zustimmende, jenes verwirrt-ablehnende.


    Den Rest des Programms würde ich dagegen als typische Schullektüre bezeichnen. Warum typisch? Gemeinsam ist fast all diesen Büchern, daß sie vor allem ethische Probleme behandeln, ja zumeist geradezu Moralbegriffe illustrieren. Beispiele: in „Emilia Galotti“ geht es um einen zu dogmatischen Tugendbegriff, der durch seine Unflexibilität zu einem grausamen Opfer führt; ähnlich in „Kabale und Liebe“, wo engstirnig-kleinbürgerliche Normauffassungen eine Tragödie bewirken; im „Kohlhaas“ geht es um Recht und Gerechtigkeit; in der „Deutschstunde“ um den Begriff der Pflicht; bei dem Brechtstück steht es ja schon im Titel, es geht um das „Gute“ und die Widersprüche, in die man sich bei seiner Verwirklichung notwendig verstrickt. Am komplexesten (und -mit Verlaub- am gelungensten) ist die ethische Problematik in Goethes „Iphigenie“. Es fällt mir sogar schwer, diese auf eine einfache Formel zu bringen, sagen wir, es geht um die Verwirklichung echter Humanität unter den Bedingungen menschlicher Unzulänglichkeit und die Lösung, erstaunlich modern und fast á la Habermas, besteht in einer offenen Bereitschaft zum Gespräch.


    Mit solcherlei Lektüre sollen in der Schule Werte vermittelt werden. Dagegen ist ja zunächst einmal nichts zu sagen. Auch ich halte die Schule für einen Ort an dem, dem Humanismus verpflichtet, Werte vermittelt werden sollen. In der Praxis fällt das aber meist enttäuschend aus. Das liegt kurz gesagt oft daran, daß der Lehrer dem Problembewußtsein der Werke nicht gewachsen ist. Daß man, mit ebenso guten Gründen, eine ganz andere Ethik vertreten könnte, oder sich um ethische Kategorien einfach nicht schert, liegt fast immer außerhalb des Gesichtskreies. Deshalb erhalten auch so selten in der Schule Autoren das Wort, die, ästhetisch mindestens ebenso brilliant, ethisch-moralisch aber unentschieden bis kritisch-zweifelnd sich verhalten.


    Ich möchte nun einfach mal vermuten, daß ich das schon als Schüler, wenn auch unbewußt, sofort durchschaut habe. (Kann man etwas „unbewußt durchschauen“? Sagen wir also besser: gefühlt). Deshalb haben mich auch nur „Woyzeck“ von Büchner und „Kaspar“ von Handke interessiert, denn bei diesen Werken läßt sich eben nicht so einfach sagen, wofür genau ihre Autoren eintreten. Je sperriger und inkommensurabler die Werke, desto größer war mein Interesse, ohne daß ich das damals so hätte in Worte fassen können.


    Daß die Schullektüre mich so wenig zu begeistern vermochte, lag sicherlich in erster Linie daran, was ich zur gleichen Zeit sonst noch alles gelesen habe. Sofort fallen mir Namen wie Arno Schmidt, Andersch, Joyce, Orwell, Beckett, Hölderlin, Benn, Thomas Wolfe, Henry Miller, Thomas Mann, Dostojewski, de Quincey, Tolstoi, Thomas Bernhard, Pessoa, Cervantes, Platon, Kant, Marx, Russel, etc. ein. (Ich schreib sie einfach auf wie sie mir einfallen, um zu demonstrieren, daß meine Lektüre zufällig und orientierungslos war, so, wie man in jungen Jahren eben liest). Dagegen ist die Schullektüre natürlich vollkommen verblaßt. Und ich war dankbar für die Erkenntnis, daß eben nicht alle Literatur sich in der Lösung moralischer Dilemmata und der Verbreitung gesellschaftlich-politischer Weltanschauungen erschöpft. Von der Schönheit der Literatur, ihrem Klang, ihrem Schwung, ihrer Sinnlichkeit und ihrem immensen aufrührerischen Potential war nämlich in der Schule nie die Rede. Dort hätte man eher den Eindruck bekommen können, alle Literatur diene allein der Stützung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.


    Daher bin ich auch sehr skeptisch, ob man in der Schule Interesse für das Lesen wecken kann. (Irgendwo klang das hier im Blick auf die vermeintliche Pisa-Misere an). Meine eigene Biographie zeigt da eher das Gegenteil: weder wurde bei uns zuhause viel gelesen, noch hat mich der Schulunterricht ans Lesen gebracht. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.


    Allen, die bis hierher durchgehalten haben, sage ich: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bei Gelegenheit gerne wieder einmal.


    Ateena

  • Hallo zusammen!
    Hallo ateena!


    Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag. Du bestätigst mich in einer Feststellung, die ich persönlich auch schon gemacht habe: Es gibt so etwas wie das richtige Buch zur falschen Zeit. Und Schullektüre gehört fast immer dazu.


    Wenn Du Leute wie Andersch, Beckett, Orwell oder Th. Mann ausserhalb der Schule kennengelernt hast, dann offenbar zu einem Zeitpunkt , der für Dich der richtige war. Ich meinerseits habe sie in der Schule kennengelernt, und kann mich noch heute für Andersch und Orwell überhaupt nicht, für Beckett nur in Massen begeistern. Th. Mann, der mich in der Schule entsetzlich gelangweilt hat, habe ich später, auf eigene Faust und mit anderen Werken, lieben gelernt.


    Umgekehrt kenne ich kaum einen 'sperrigeren' Autor als Kleist - gerade und weil ich ihn im Gymnasium kennengelernt habe. Nochmals umgekehrt: S. Lenz habe ich ausserhalb der Schule gelesen, kann mich aber nicht für ihn begeistern.


    Zitat

    Und ich war dankbar für die Erkenntnis, daß eben nicht alle Literatur sich in der Lösung moralischer Dilemmata und der Verbreitung gesellschaftlich-politischer Weltanschauungen erschöpft. Von der Schönheit der Literatur, ihrem Klang, ihrem Schwung, ihrer Sinnlichkeit und ihrem immensen aufrührerischen Potential war nämlich in der Schule nie die Rede. Dort hätte man eher den Eindruck bekommen können, alle Literatur diene allein der Stützung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.


    Auch da spielen wohl Zeit, Ort und Lehrer eine grosse Rolle. Wir hatten in Deutsch einen 68er, der gleichzeitig Psychoanalytiker war. Man hatte den Eindruck, die Literatur bestünde nur aus Aufruhr - innerem wie äusserem. In Französisch einen alten Existenzialisten, der keine 2 Grammatik-Regeln richtig erklären konnte, aber (mich jedenfalls) für seine Existenzialisten, v.a. Camus, zu begeistern wusste. Aber auch in dieser absurden Welt: keine 'Grundordnung'. In Englisch schliesslich einen Verwalter, der selbst G.B. Shaw zum Langweiler werden liess. Da war nicht einmal von Ethik die Rede.


    Wir hatten neulich ein Klassentreffen, und ich konnte feststellen, dass andere (und wir waren ein 'humanistischer' Zug!) ganz andere Erinnerungen an die Lehrer und an die Lektüre hatten ...


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallöchen,
    ja natürlich gibt es das Buch zur falschen Zeit. Dem kann ich nur fröhlich zustimmen :klatschen:
    Gerade der Lesezwang in der Schule kann schon zur Abneigung führen. Die Aufgabe der Lehrer ist es dann, ein Buch spannend oder interessant zu machen. So ging es mir mit Effi Briest. Beim ersten Lesen fand ich das Werk zwar ganz nett, aber doch langweilig. Meine damalige Lehrerin verstand es jedoch mir das Buch näher zu bringen. Inzwischen liebe ich den Roman.


    sandhofer
    wie meinst du:

    Zitat

    kenne ich kaum einen 'sperrigeren' Autor als Kleist

    ?


    Was hast du gelesen, die Erzählungen oder Dramen?


    Grüße

  • Hallo Sandhofer,


    Du hast gepostet:
    kenne ich kaum einen 'sperrigeren' Autor als Kleist - gerade und weil ich ihn im Gymnasium kennengelernt habe.


    Ich bin mir nicht ganz sicher, was Du mit "sperrig" meinst. Schwer zugänglich ist Kleist m.M. nach nicht. Ich habe ihn auch in der Schule kennengelernt, wo wir mehrere seiner Novellen gelesen haben (z.B. Das Erdbeben ...) und damals hat mir Kleist besser gefallen als Goethe oder Schiller.


    Und wenn Du seine Schauspiele meinst: Sein Lustspiel, "Der zerbrochene Krug" würde ich sogar einem ausgesprochenen Theatermuffel empfehlen.


    Gruß von Hubert