Kindheit in Romanen

  • Ich greife Steffis Idee aus dem Uwe-Johnson-Ordner gerne auf: Kindheit in Romanen sollte unbedingt ein Thema für dieses Forum werden. Das passt auch recht gut für mich, da ich mich zur Zeit wieder etwas mit Erich Kästner beschäftige und mich mitten in der Lektüre von Theodor Fontanes "Kinderjahre" befinde. Wirklich eine gute Idee. Ich will auch nicht zu lange einleiten, eine Diskussion wird sich sicher ergeben, denn Kindheit ist ja in vielen Romanen behandelt worden... Was denkt ihr darüber? Grüße, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Hallo Friedrich-Arthur,
    mir fällt Tonio Kröger ein. Dort wird auch die Schulzeit des Titelhelden geschildert. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen aber in einer Lesung (Thomas Mann höchstpersönlich) gehört. Es war ein Genuss!


    Gruß
    Erika


    :blume:

    Wer Klugheit erwirbt, liebt das Leben und der Verständige findet Gutes.
    <br />Sprüche Salomo 19,8

  • Hallo zusammen!


    Entwicklungsromane und Familiensagas sollten einigen Stoff zum Thema bieten können.


    Wenn's ums Thema Schule / Lehrer geht, hat Ludwig Fertig in diversen Anthologien Texte gesammelt. Z.T. auch wissenschaftlich darüber geschrieben, iirc.


    Irgendwie habe ich auch im Hinterkopf gespeichert, 'Kindheit' als eigenständige Entwicklungsepoche des Menschen sei erst seit der Romantik anerkannt. (Worauf sich ja z.B. langsam das Arbeitsverbot für Kinder durchzusetzen begann.) Pädagogik als Wissenschaft ist m.W. auch eine Errungenschaft der Goethe-Zeit: Basedow, Pestalozzi ... (Ich sehe schon: Ich muss Levana lesen ... )


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • mir fällt zum thema kindheit in romanen vor allem h.hesse ein, der hat dieses thema doch ziemlich thematisiert, er ist nicht umsonst der "jugendschriftsteller" schlechthin (z.b glasperlenspiel, unterm rad), es gibt recht viele romane, die sich ausschließlich mit der thema jugend auseinandersetzen (bzw. ihr erzählgebiet auf die jugend beschränkt haben): "der schüler gerber" von torberg, musils "törless" und die m.M. n. eher trivialere "Feuerzangenbowle"


    Thomas bernhard hat in "Die Ursache: Eine Andeutung" auch dieses Gebiet als "Kulisse" benutzt.


    Häufig sind solche Romane sehr viel tiefgehender als das wort "jugendroman" (nennt man diese bücher so?) verraten, ich denke da nur an den törless oder eben an bernhard, oftmals sind auch autobiographische details eingeflossen....



    auch rilke an in "ewald tragy" die jugend thematisiert.


    gruss
    rezk

    &quot;Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg, was wir Weg nennen ist zögern&quot; (F. Kafka)

  • Hallo zusammen!


    Zitat von "rezk"

    Häufig sind solche Romane sehr viel tiefgehender als das wort "jugendroman" (nennt man diese bücher so?) verraten, [...]


    Hm. Also ich verwende "Jugendschriftsteller" und "Jugendroman" bei Autoren bzw. Romanen für die Jugend, nicht über ...


    Was mir auffällt: Es gibt einiges über die Jugend, bzw. die Pubertät. Als Periode der individuellen Selbstdefinition wohl prädestiniert für schriftstellerische Verarbeitung. Gibt's auch Romane oder Erzählungen nur oder hauptsächlich über die Kindheit?


    Grüsse


    Sandhofer

    Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen? - Karl Kraus

  • Hallo zusammen,


    zwar war es Gitta, die das Thema "Kindheit" vorschlug, :zwinker: aber Hauptsache, der Vorschlag wurde aufgegriffen (danke FA!).


    Spontan fällt mir dazu "Die Blechtrommel" ein, die masurische Großmutter mit dem schönen Versteck unter den Röcken. :breitgrins: Der kleine Trommler, der beschließt, nicht erwachsen zu werden.


    Die "Buddenbrooks" enthalten ja auch längere Passagen des letzten Namensträgers bis zu seinem frühen Tod. Und auch in H. Manns "Untertan" wird gezeigt, wie der Protagonist schon als Kind zu dem geprägt wurde, was er später darstellte.
    Ein Buch, das nur eine Kindheit behandelt, kenne ich nicht. Um Jugendliteratur geht es hier ja nicht.


    Grüße,
    Gitta

  • Entschuldige Gitta, da war ich mal wieder zu schnell mit dem Schreiben und gleichzeitig zu langsam mit dem Denken, oder hatte nur mal wieder eine Freudsche Fehlleistung.


    Mir fällt da Thomas Manns "Dr. Faustus" ein, der ja die Kindheit des Adrian Leverkühn beschreibt, Hermann Hesses "Unterm Rad", die Geschichte, mit der sich Hesse mit seiner eigenen maulbonner Zeit auseinandersetzt, Uwe Johnsons "Jahrestage" wurden schon erwähnt, Erich Kästners "Emil und die Detektive", ein Buch, dass auch für Erwachsene, die noch etwas Kind geblieben sind, sehr gut zu lesen ist, Martin Walsers Kindheitserinnerung "Ein springender Brunnen", seinem großartigen Erinnerungsroman und auch Sigfried Lenz' "Deutschstunde" würde ich da hinzurechnen, genauso wie Oskar Mazerath aus "Die Blechtrommel", die ja auch schon erwähnt wurde, wobei ich hier auch "Katz und Maus" hinzurechnen würde. Aber das sind nur einige, an die ich mich auf Anhieb erinnere. Ich werde noch einmal genauer nachdenken. Ob ich Sigmund Freuds "Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci" hinzuzählen soll, weiß ich noch nicht, obwohl es sich wie ein Roman liest...


    Jetzt geht es aber erst einmal ins Bett. Gute Nacht allen Nachteulen, FA

    Daß man gegen seine Handlungen keine Feigheit begeht! daß man sie nicht hinterdrein im Stiche läßt! - Der Gewissensbiß ist unanständig. - Friedrich Nietzsche - Götzen-Dämmerung, Spruch 10

  • Zitat von "Friedrich-Arthur"

    Entschuldige Gitta, da war ich mal wieder zu schnell mit dem Schreiben ....


    Keine Ursache! Berichtigung meinerseits: In der "Blechtrommel" ist es die kaschubische Großmutter. Die Röcke sind dieselben.


    Gruß,
    Gitta

  • Hallo zusammen,


    ein nostalgischer Blick auf eine Kindheit findet sich in:


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    mit autobiographischen Zügen, aber dennoch ein Roman.


    Gruß,
    Maria

    In der Jugend ist die Hoffnung ein Regenbogen und in den grauen Jahren nur ein Nebenregenbogen des ersten. (Jean Paul F. Richter)


  • Maxim Gorki, Meine Kindheit.
    Die verlinkte Rezension trifft es sehr gut. Lesenswert!
    Der erste der drei Autobiographischen Romane.


    Gruß, Leibgeber


    Danke für den Hinweis, Leibgeber,


    alle drei Romane stehen seit zwanzig Jahren ungelesen in meinem Regal, denn sie werden immer wieder von anderweitigen Leseplänen, Leserunden und Aktuellem verdrängt. Gut, dass du sie mir mal wieder ins Gedächtnis gerufen hast. Vielleicht was für den Spätherbst.


    finsbury

    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. (Kafka)