Beiträge von mombour

    ...hmm - Unterhaltung ist das denkbar letzte Kriterium, warum ich lese;


    Bücher die mich nicht unterhalten, finde ich langweilig. Auch von einem Klassiker erwarte ich, unterhalten zu werden (zumindest ein Aspekt, warum ich lese). Ich weiß ja ungefähr wie du das meinst, scardanelli, aber warum sollte ich Thomas Mann lesen, wenn er mich nicht unterhält? Natürlich ist z.B Thomas Mann was anderes wie Harry Potter, das weiß ich schon, aber es sollte beides geben (das nur als Beispiel).


    Zu meiner Zeit wurde "Pippi Langstrumpf" gelesen, heute Harry Potter. Klassiker werden wohl beide werden.


    Liebe Grüße
    mombour


    Hallo Leute, ich bin neu hier.
    wenn mir hier jmd. evtl. einen Link schicken kann, auf dem diese Geschichte auf Deutsch zu lesen ist.. ich schreibe am Motag bereits einen Test darüber.


    LG Felix


    Die Chancen stehen eher schlecht, einen link mit deutscher Übersetzung zu finden, weil der Autor bzw. Übersetzer noch nicht 70 Jahre tot sind (Copyright!). Da hilft eigentlich nur eine Recherche in einer Bibliothek. Es ist möglich, dass ich deutsche Übersetzung zu Hause habe, aber ich weiß nicht, wie der Übersetzer den Titel der Story übersetzt hat. Kompliziert, nicht wahr?


    EDIT: Inzwischen herausgefunden, der deutsche Titel der Story heißt "Die Dschungel-Residenz".


    Liebe Grüße
    mombour

    (Und eventuell gehen sie dann ins Exil nach Spanien? Aber ich glaube fast, das reime ich mir dazu :redface:)


    Ich habe wirklich eine ganze Reihe von Feuchtwanger-Romanen gelesen, leider gerade nicht diesen, in dem sich Personen in einen Schrank verstecken. Kürzlich las ich "Die Jüdin von Toledo", sehr empfehlenswert. Der Roman spielt im Spanien des 12. Jahrhunderts. Darin kommt aber nicht solch eine Szene vor.


    Liebe Grüße
    mombour

    "Roßhalde", 1914


    Vor zwei Jahren, im Januar 2007, las ich „Demian“ und war sehr enttäuscht. Natürlich, auch ich habe in meinen jüngeren Jahren Hermann Hesse verzehrt, und war begeistert, weil Hermann Hesse in seiner Art zu schreiben mich innerseelisch sehr berührt hatte. War es nun jetzt vorbei mit Hesse, nur weil ich ein paar Jahrzehnte gealtert bin? Hat mich „Demian“ nicht angesprochen, nur weil ich meine Jugendzeit hinter mich gelassen habe? Das alles kann ich nicht wissen, denn in meiner Jugend war mir „Demian“ entgangen. Seit zwei Tagen weiß ich aber, dass ich mit Hermann Hesse längst nicht abgeschlossen habe – nie abschließen werde können, denn sein früher Roman „Roßhalde“ (1914), der mir wie „Demian“ entgangen war, belehrte mich nun eines Besseren, und ich kann sagen, Hermann Hesse hat seit langem wieder mal mein Herz getroffen.


    In einem Brief an seinem Vater vom 16.03.1914 schreibt Hesse, der Roman handele „vom Problem der Künstlerehe überhaupt, auf der Frage, ob überhaupt ein Künstler oder Denker, ein Mann, der das Leben nicht nur instintiv leben, sondern vor allem möglichst objektiv betrachten und darstellen will – ob so einer überhaupt zur Ehe fähig sei...“ (zit. aus Martin Pfeifer, Hesse-Kommentar zu sämtlichen Werken,1990 Seite 144; suhrkamp-TB).


    Der berühmte Kunstmaler Johann Veraguth lebt mit seiner Ehefrau Adele und seinem Sohn Pierre auf dem Herrensitz Roßhalde. Allerdings hat sich die Ehe auseinandergelebt, sodass das Paar auf verhältnismäßig engem Raum getrennt lebt. Frau Veraguth lebt mit Pierre im Obergeschoß, Johann lebt abgesondert vom Hauptgebäude in einem im Park errichteten Atelier, an dem zwei Zimmer als Wohnraum eingerichtet wurden. Das Zerwürfnis in der Familie hat auch dazu geführt, dass der ältere Sohn Albert auf auswärtige Schulen geschickt worden ist, nur in Ferienzeiten besucht Albert Roßhalde.


    Die beiden Söhne sind der Mutter sehr anhänglich. Albert hat für seinen Vater nur Unsympathie übrig. Johann Veraguth liebt den jüngeren Pierre abgöttisch. Auf keinen Fall möchte er ihn verlieren, darum scheut er die Ehescheidung. Trotzdem, Johann ist nicht für das Familienleben geschaffen, das sieht man z.B. daran, dass, wenn Pierre seinen Vater im Atelier besucht, was dem Vater erwünscht ist, er seinen Sohn aber nicht zuhört, wie Pierre es doch erwartet. Zu sehr ist Johann in seine Kunst vertieft, als das er sich nahestehenden Personen öffnen kann.


    Als sein Bruder Otto, ein Weltreisender, zu Besuch kommt, werden Johann die Augen geöffnet. Es wird eine Entwicklung in Gang gesetzt, die dazu führt, dass sich der Maler von seiner Familie lösen kann, um als freier Künstler zu leben. Als e Höhepunkt des Romans empfand ich, wie Otto Johanns schwierige Situation beleuchtet, dann der Höhepunkt sich ausdehnt, in dem erzählt wird, wie aus dem schicksalsergebenden Mann sich ein Mann entwickelt, der sein eigenes Schicksal in die Hand nimmt und sich eine erfüllende Wendung in seinem Leben schafft. Herrlich und medizinisch korrekt dargestellt ist die Meningitis des jüngsten Sohnes (vgl. Pfeifer, Seite 149ff..)


    An dieser Stelle weist Pfeifer im Hesse-Kommentar auf den Zusammenhang zwischen Pierres Tod um dem Tod Echos aus Thomas Manns „Doktor Faustus“ hin. Im Übrigen, den Pfeifer-Kommentar empfehle ich als Sekundärlektüre.


    Die Szenen, Johann Veraguth bildermalend, das sei noch gesagt, gefallen mir auch sehr gut, zumal mir Hesses Art zu schreiben sowieso gefällt, die Art, wie er schreibend die Natur einfängt und die innerseelische Entwicklung des Protagonisten. Damit trifft Hermann Hesse voll in mein Herz.


    Schwelgt ihr auch manchemal in Hesse-Erinnerungen? :winken:


    Liebe Grüße
    mombour

    Und wenn man nun entschiede, seine Autoren gefunden zu haben und sich auf die Wiederholungslektüre beschränkte? Würde man etwas verpassen?


    Einige Autoren erleben bei mir immer wieder eine Lese-Renaissance, das sind Autoren, die mich im Leben begleiten. Der Vorteil einer Beschränkung ist der, man hat mehr Zeit sich mit diesen Leselieblingen intensiver zu beschäftigen. Es kristallisieren sich in meinem Leben nur wenige Autoren heraus, die für mich wirklich Bedeutung haben, vieles bleibt weniger wichtig. Das sind ganz individuelle Gründe, welche wenigen Autoren für jemanden wirklich wichtig sind. Alle guten Bücher muss man nicht lesen. Auch hier ist eine Auswahl zu treffen.


    Trotz all diesem meine ich aber, dass man sich hier und da umschauen solle und selber literarische Entdeckungen macht. Das liegt in der Naürlichkeit des Lesers. Man solle sich aber nicht von der gewaltigen Schwemme von Neuerscheinungen beeindrucken lassen. Die Kunst liegt wohl darin, ausgewogen zu sein und mit Instinkt einige Perlen herausfischen (meine letzte Perle war "Meroe" von Olivier Rolin), damit auch noch Zeit bleibt für die Allerwichtigsten.



    zeitgenössische Literatur reizt mich kaum noch (mache meist meine "Probe des ersten Satzes" - wer keinen ersten Satz schreiben kann, kann auch kein Buch schreiben)... - und die bevorzugten "Klassiker" haben mich noch nie enttäuscht, immer wieder entdecke ich Neues...


    die üblichen "Klassiker" enttäuschen kaum, weil eben schon schlechtere alte Bücher vergessen worden sind und sich nicht zum Klassikerstatus erhoben haben.


    Wir erleben z.Zt. eine Schwemme eben auch von miesen Büchern, die keine 70 Jahre überleben werden. Trotzdem, ich finde, so einiges zeitgenössisches zu lesen hat auch Wert, denn einige zeitgenössiche Autoren werden sich ebenfalls zu Klassikern erheben (Man weiß bloß nicht welche :breitgrins: , man kann aber manchmal ahnen, welche das vielleicht sein könnten).


    Liebe Grüße
    mombour

    Hallo Glahn,


    Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass dieser Roman gekürzt sein soll.. Das würde keinen Sinn machen. Was sollte man dort schon kürzen? Wenn es die Übersetzung von Sandmeier ist, dann ist es natürlich vollständig. Ist doch klar, das unterschiedliche Buchausgaben unterschiedliche Seitenzahlen ergeben. Ich habe die Ausgabe vom List-Verlag, 1965, 303 Seiten.


    Liebe Grüße
    mombour

    Sie lautet ganz einfach: warum in harmonischer Hinsicht die Folge von Tonika-Dur-Dreiklang und parallelem Dominant-Moll-Dreiklang so intensiv / sentimental klingt? (Beispiel: C-Dur, e-moll)


    Was ist ein "paralleler Dominant-Moll-Dreiklang". Nie gehört.


    Wenn wir von C-Dur ausgehen (Tonika), dann ist G -Dur die Dominante und F-Dur die Subdominante; a-moll ist die parallele Molltonart von C-Dur. Wie kommst du auf e-moll?


    Modulation von C-Dur über Leitton fis nach G-Dur. Dann ausgehend von G-Dur über den Leitton dis nach e-moll wäre die übliche Möglichkeit einer Modulation von C-Dur nach e-moll.


    Liebe Grüße
    mombour

    Nun ja, sicherlich ist es interessanter zu wissen, dass Rousseau eine Dreierbeziehung führte: Mit einem Mann und einer Frau, die er zuvor als seine "Mutter" anerkannt haben soll. Ein Todestag oder Geburtstag lässt sich allerdings leichter recherchieren, zumal ich zu Rousseau auch nicht die Originalquelle bieten kann, da ich dieses pikante Detail aus einem anderen Forum übernommen habe.


    Liebe Grüße
    mombour

    Es wird erst wieder wichtig im Adagio. Es säuselt. Es schmeichelt. Es kriegt das Orchester rum. Ich höre das Motiv der Alpensinfonie von R. Strauß im 2. Satz: so mi__ so re__ so do__, und frage mich, ob Strauß das abgekupfert hat?


    Ja, das wäre meine Frage, die mich wirklich interessieren würde: kennt ihr dieses Motiv im 2. Satz und das entsprechende, ziemlich gleich klingende aus der Alpensinfonie? Gibt es da einen Zusammenhang?


    Es ist ja durchaus gang und gäbe, dass Komponisten andere Komponisten zitieren. Obwohl ich beide Werke, die "Alpensinfonie" und Bruchs Konzert kenne (oder zu kennen glaubte), ist mir das Strauss'sche Bruchzitat nie aufgefallen. Das Strauss bewusst zitiert, kann man hier nachlesen.


    Liebe Grüße
    mombour

    Hallo,


    Manche Bücher machen mich glücklich, bzw. begeisterungsfähig. Dauerndes Fernsehen empfinde ich als abstumpfend. Es ist auch nachgewiesen worden, das Fernsegucken sich negativ auf das Gehirn auswirkt (vielleicht entdecke ich den Literaturtipp noch hierzu, den ich leider verschlampt habe).


    Fazit: Man solle doch das tun, was einem selbst gut tut. :smile:


    Liebe Grüße
    mombour

    "Welchem Staat soll Hans dienen? (Historische Situation in Deutschland)


    Ich selbst kann die Frage leider nicht beantworten. Zu welcher Zeit spielt denn das Buch eigentlich?


    Da der Roman autobiografisch motiviert ist, dürfte er zu der Zeit spielen, als Hesse selbst Schüler war. Wessen Staat er dienen soll müsste doch aus dem Roman ersichtlich sein....Mein Leseerlebnis ist doch schon zu lange her, um detaillierte Auskunft zu geben.


    Hast du den Roman denn gelesen?


    Liebe Grüße
    mombour

    Hallo Lost,


    kürzlich habe ich "Onitsha" gelesen. Der Roman ist autobiografisch motiviert. Le Clézio lernte seinen Vater in Afrika im Alter von acht Jahren kennen (Der Junge ist im Roman ist etwas älter). Empfehlenwert ist Le Clézios Buch über seinen Vater: " Der Afrikaner".


    Liebe Grüße
    mombour

    Josef Winkler: Der Leibeigene


    Mit der Romantrilogie „Das wilde Kärnten“ (Menschenkind 1979, Der Ackermann, 1980, Muttersprache 1982) tritt Josef Winkler erstmals in die Öffentlichkeit und gewinnt 1979 mit „Menschenkind“ den zweiten Platz ders Ingeborg-Bachmann- Preises. Im Roman „Der Leibeigene“(1987) wird diese Thematik fortgeführt. Winkler schreibt von einem patriacharlisch unterdrücktem Leben in Kamering, einem Dorf in Kärnten, gleichzeitig der Geburtsort Josef Winklers. Er schreibt und windet sich gegen den Erzkatholizismus, gegen Hetze und Vorurteilen gegenüber Homosexualität (nicht zufällig sind seine literarischen Vorbilder Jean Genet und Hans Henry Jahnn). In dieser bedrückenden Atmosphäre fühlt sich der Erzähler vom Tod magisch angezogen. In geradezu expressionistischen Visionen nähert sich Winkler dem Morbiden und richtet sich gegen den strengkatholischen Wahn, der das Leben an sich zunichte macht. Neben expressionistischen Blicken führt auch eine realistische Schau der Dinge zu erstaunlichen Erkenntnissen:


    Zitat von "Winkler"

    Wie auf einer Bergspitze ist auf der höchsten Erhebung des Friedhofsabfallhaufens ein Kruzifix angebracht. Wenn die Klausnerliese die Kirche ausgekehrt hat und wenn am Kirchausgang ein Häufchen Sand, Staub, Ackererde und verdorrte Blütenblätter liegen bleibt und die Kehrichtschaufel an der Kirchenmauer lehnt, taucht sie ein Putztuch in einem mit Waschmittel und Weihwasser gefüllten Blecheimer. Mit Weihwasser wischt sie den Kirchenboden auf.


    Ausgehend von Winklers Schreiben ist der Selbstmord zwei homosexueller Jugendlicher:

    Zitat von "Winkler"


    Robert erhängte sich gemeinsam mit Jakob an einem dreimeterlangen Kalbstrick im Pfarrhofstadl. Zehn Zentimeter über dem Erdboden hängend, ineinander verkrallt, mit steifen Ruten, reckten die Erhängten den Dorfbewohnern ihre Zunge.


    Mir gefällt es eben außerordentlich, wie Winkler hier beim Anblick der Toten noch eine sozialkritische Komponente einflechtet. Wunderbar sind auch die Szenen, wenn der Erzähler auf dem Friedhof streift.

    Zitat von "Winkler"


    Ich ging auf Jakobs beschneiten Grabhügel zu und hörte jemanden schnaufen. Vielleicht steht ein Toter hinter einem rostigen beschneiten Eisenkruzifix und holt tief Atem?...Ich stellte mir vor, wie jemand mit einem Messer auf zuschreitet, mich tötet und ich über Jakobs beschneiten Grabhügel falle. Blut rinnt aus meinem Mund und sickert in den Schnee, in die Erde hinein, fällt auf Jakobs Sarg und rinnt in seine Nasenlöcher hinein. Jakob schlägt die Augen auf. Er hebt seinen Kopf und wirft den Deckel seines Sarges zur Seite. Er steigt aus seinem Grab und trinkt das restliche, noch warme Blut aus meinem Körper.


    Diese schon vampirmäßige Fantasie geht so weiter, dass Jakob dem Erzähler seine Totenmaske modelliert. Denkt der Leser zuerst, das literarische Ich wünscht, der sinnlose Tod Jakobs solle rückgängig gemacht werden, so wird der Erzähler aber von der magischen Anziehungskraft des Todes angesogen. Außerdem weist das Trinken des Blutes auf eine geschlechtliche Vereinigung hin.


    Die Verbindung von Leben und Tod liegt auch im Kalbstrick selbst. Durch Strangulation mit dem Strick werden junge Menschen in den Tod geführt, bei der Geburt eines Kalbes verhilft der Strang aber zum Leben, in dem der Strick um die Waden des jungen Kalbes gespannt und das junge Tier anschließend aus der Mutterleibshöhle einer Kuh gezogen wird. Wenn der achtzigjährige Ackermann Kälber gebiert, trägt er „eine goldene Monstranz auf seinen kahlen Kopf.“ Auf der geweihten Hostie ist „nicht der Leib Christi, sondern der Wassserzeichenkopf seines leiblichen Vaters eingepreßt.“


    „Die Stalltiere sind sein Heiligtum und der seit über zwanzig Jahren in der Friedhofserde modernde Leib seines Vaters ist sein Allerheiligstes.“ Hierauf gründet sich sein Famillienpatriachat. Der Patriarch, ürsprünglich der Führer eines Volkes, ist hier der erste Mann im Stall. Nach der Stallarbeit nimmt er eine Oblate, hält sie in seinen Händen und spricht ein Gebet, dann legt er das Geweihte auf seine Zunge.


    „Der Leibeigene“ ist kein Roman mit einer Handlung, die zum Plot führt. Stattdessen umkreist Winkler seine Themen. Er kommt immer wieder auf die Hauptthemen zurück, die dann variiert werden. Hierin hat erÄhnlichkeit mit Thomas Bernhard. Im Grunde genommen schreibt Winkler sein Leben lang an einem Buch. Die Themen zirkeln im Gesamtwerk Winklers. Es ist die große Kunst, immer wieder anders von einem und demselben zu erzählen. Das ist keineswegs langweilig, weil Josef Winkler mit einer sehr bildhaften dichterischen Sprache erzählt, die einzigartig ist. Wer bei Winkler doch nach einem Plot sucht, dem sei seine wunderbare Novelle „Natura Morta“ empfohlen, welche als Einführung in das Werk Josef Winklers sehr zu empfehlen ist.


    Leserin: "Domra" ist mein nächster Winkler :smile:


    Liebe Grüße
    mombour

    Hallo,


    Der Onkel ist ein wahrer Pünktlichkeitsfanatiker vom alten preußischen Blut. Da kommt sein Neffe nur eine Minute zu spät, da schaut er schon auf seine Uhr. Dieses "augenscheinlich erfreut" im Text bezieht sich auf die Uniform, die sein Neffe trägt.


    "Der alte schwärmt noch immer für Dragonerblut" (was auch immer das ist), im Gegensatz dazu allerdings Bismarck nicht. Von Osten entstammt aus einem märkischen Geschlecht (Adel) Die Stellungnahme gegen Bismarck, zeigt auch, von Osten ist gegen die Bismarck'sche Reichsgründung. Es ist doch hier eine Zeit des Übergangs, in der von Osten noch die alte Zeit vertritt, mit der neuen Zeit aber nichts anfangen kann.


    Für den Onkel ist es selbstverständlich, dass Botho seine Cousine (ich glaube jedenfalls, es ist seine Cousine) heiraten muss. Da gibt es kein wenn und aber, und Botho fügt sich auffallend schweigsam. Eine von Geburt an besiegelte Hochzeit. Also, das Problem einer standesgemäßen Beziehung, eine andere ist für von Osten gar nicht diskutabel. (Mich würde interessieren, was Bismarck über solche Heiraten dachte. Vielleicht weiß das jemand).


    Liebe Grüße
    mombour

    Hallo BigBen,


    von einer französischen Bekannten habe ich gehört, das Jean-Marie Gustave Le Clézio zu den weltweit am meisten gelesenen französischen Autoren gehört. Offenbar schläft nur Deutschland. Ich habe mir zwei Werke geordert: "Das Protokoll" und "Revolutionen". Der Mann hat eine interessante Biografie. Siehe [url=http://www.klassikerforum.de/index.php/topic,2820.msg33610.html#msg33610]hier[/url]. Ich bin gespannt auf seine Bücher.


    Liebe Grüße
    mombour


    PS: J. M. Coetzee haben viele auch erst durch seinen Nobelpreis kennengelernt. Für mich war er z.Zt . seiner Preisverleihung ein großer Unbekannter. Was für ein großartiger Autor, wie ich später sah. Franz Schubert war zu seinen Lebzeiten ziemlich unbekannt, und was für Musik hat er komponiert. :smile:

    .

    Zitat von "Zitat von Inan"

    Und mein "Gegner", ein Amerikaner, der sowieso IMMER gegen die Deutschen ist, hat behauptet, dass es ganz allein Nietzsche's Schuld war, dass es die Nationalsozialisten überhaupt gab, dass es vor 1931 keine Nazi's, keinen Antisemitismus, keine Ghettos und auch keine Judenverfolgung gab und dass das ganze rechte Gedankengut nur auf Nietzsche begründet ist (wegen seinem Übermenschen).


    Wenn der Amerikaner so voreingenommen ist, lohnt eine Diskussion überhaupt nicht. Übrigens hat er, wie du das dargestellt hast, offenbar keinen Schimmer Ahnung von jüdischer Historie.


    1) So gibt es in Venedig ein altes jüdisches Ghetto, welches ich mal besucht habe.


    2)Ostjuden wurden schon von dem Kosakenführer Bogdan Chmelnizki (1648/49) verfolgt. Über 100.000 Juden wurden in Pogromen umgebracht.
    Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Isaac B. Singer hat diese Pogrome in seinem Roman "Josef der Knecht" verarbeitet.


    3)In dem Roman "Die Fischmanns" verarbeitet H.W. Katz die Flucht galizischer Juden vor den Kosaken (um 1900 bis zu Beginn des ersten Weltkrieges).


    Die Behauptungen deines Amerikaners sind schon sträflich dumm. Isaac B. Singer, dessen Bücher ja auf amerikanisch erschienen sind, wird er doch wohl lesen können.


    Liebe Grüße
    mombour