Beiträge von Wolf

    Hallo Maria und Steffi,


    ich habe das Buch jetzt auch durchgelesen.


    Zitat von "Steffi"


    Aber Schönheit ist es nicht, was Alexandra empfindet. Mit Schönheit meine ich die Dinge, die nicht dem Überleben dienen, die das Land freiwillig schenkt z.B. wilde Rosen oder auch der Obstgarten mit den Kirschen und Aprikosen und Maulbeeren, dadurch eben auch Liebe und Sinnlichkeit.


    ja, für zweckfreie Schönheit hat Alexandra keinen Sinn. An einer Stelle heißt es, sie habe ihr Eßzimmer von einem Möbelhändler einrichten lassen, denn:


    "Sie verstand von solchen Dingen nichts, das gab sie offen zu, und unterwarf sich daher bereitwillig der herrschenden Meinung, daß gerade die sinnlosesten und unbrauchbarsten Gegenstände der schönste Schmuck seien. Das schien ganz vernünftig."


    Marie hat dagegen ein ganz anderes Verhältnis zum Schmuck, man denke nur an die Szene mit dem blauen Kragenknopf, den Emil auf dem Bazar versteigert, und an Maries Freude, als ihr Emil dann eine Handvoll Türkise schenkt. Diese Gegenstände sind für sie nicht nur bloße Dinge, sondern sie sind für Marie wertvoll, weil sie diese Gegenstände mit einem Menschen verbindet, denn sie liebt.


    Zitat von "Steffi"


    Am Ende betont Alexandra ihre Freundschaft zu Carl. Ich glaube, wenn Freunde heiraten, sind sie sicher.


    Hier zeigt sich noch einmal deutlich Alexandras Scheu vor der Leidenschaft und den Verstrickungen der Liebe. Das Schicksal von Marie und Emil bestätigt sie nur in ihrer Meinung. Erstaunlich fand ich, wie sie sich um Frank gekümmert hat, als er dann im Gefängnis saß. Für ihn schien sie mehr Verständnis zu haben als für Marie. Vielleicht brauchte sie aber nach Emils Tod einfach wieder jemanden, um den sie sich kümmern kann, denn nur für ihr eigenes Wohl und Glück zu arbeiten und zu leben war ihr offenbar zu wenig. Das erschien ihr sinnlos.


    Bemerkenswert fand ich, daß die flatterhafte und lebhafte Marie, von der es einmal hieß, daß sie immer nur läuft, statt zu gehen, am Ende eine ruhige und tiefe Liebe zu Emil empfunden hat, trotz aller Schwierigkeiten, die diese Liebe mit sich brachte. Als Emil sie unter dem Maulbeerbaum antraf, lag sie selig träumend da. Und als Frank die beiden entdeckte, lagen sie bewegungslos nebeneinander, nur manchmal ertönte ein leise Murmeln, wenn sie einander etwas sagten. Das ganze gipfelte also keineswegs in einer Szene zügelloser Leidenschaft, und es ist auch bedeutsam, daß sie sich nicht in einem Zimmer innerhalb einer menschlichen Behausung befanden, sondern sie lagen in tiefer Ruhe und Seligkeit im Freien auf dem Boden des Landes, zu dem ja auch Alexandra eine tiefe Beziehung hat, was sich auch noch einmal in dem Schlußsatz zeigt:


    "Glückliches Land, das einmal ein Herz wie das Alexandras in sich aufnehmen wird und die empfangene Gnade wieder ausströmen darf in den goldenen Weizen, den rauschenden Mais und die leuchtenden Augen der Jugend."


    Aber außer dem Weizen und dem Mais gibt es auch noch die wilden Rosen und die Maulbeeren, das ist Maries und Emils Bereich. Emil wurde ja ins Herz getroffen, das Land hat mit seinem Blut auch sein Herz in sich aufgenommen.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo Steffi und Maria,


    ich bin momentan am Anfang des vierten Teiles.


    Zitat von "JMaria"


    Willa Cather schrieb auch Gedichte.
    [...]
    THE HAWTHORN TREE


    Danke für das Gedicht! Am Anfang des Romans, den wir gerade lesen, steht sich ja auch ein Gedicht von ihr: Prairie Spring / Frühling in der Prärie.


    Zitat von "Steffi"


    Die Schönheit des Landes kann Alexandra, so scheint es, nicht spüren. Für sie ist das Land die Herausforderung, ein Gegner, für Marie und auch Carl eben auch Schönheit, Genuß, Sinnlichkeit.


    Das ist ja eine sehr interessante Anmerkung, ich habe das nämlich etwas anders empfunden. ;-) Im letzten Abschnitt des ersten Teils wird eine Art Erweckungserlebnis geschildert: Alexandra betrachtet das sie umgebende Land und fühlt sich innig mit ihm verbunden und weiß plötzlich ganz sicher, daß dieses Land Fruchtbarkeit und Leben bedeutet, obwohl schon das dritte Jahr hintereinander eine Dürre herrscht, weshalb viele Leute ihr Land verkaufen und wegziehen. Das Gesicht Alexandras strahlt vor Glück und dann heißt es:


    Zitat


    Seit dieses Land vor undenklichen Zeiten dem Wasser entstiegen war, war es vielleicht das erste menschliche Gesicht, das sich ihm mit Liebe und Sehnsucht zuwandte. Es schien ihr schön, reich, gewaltig und erhaben. Ihre Augen tranken seine Weite, bis Tränen sie blind machten. In diesem Augenblick muß sich der Genius des Hohen Landes, der mächtige, ungebundene Geist, der aus ihr[?] atmete, dem menschlichen Willen tiefer gebeugt haben als je zuvor. Die Geschichte jedes Landes beginnt im Herzen eines Mannes oder einer Frau.


    (Statt "ihr" sollte es an der markierten Stelle wohl "ihm" heißen)


    Auch das Traumbild, das Maria ausschnittsweise zitiert hat, zeigt Alexandras starke Bindung zu diesem Land. Sie träumt von einem männlichen Wesen, das aber keinem Mann gleicht, den sie kennt, sie kann ihn nicht sehen, er ist "wie das Sonnenlicht" und ihn umgibt der Duft der Maisfelder, er ist groß, stark und behende und trägt Alexandra wie eine Weizengarbe über die Felder. Dieser geträumte "Mann" könnte man als eine Personifikation des Landes ansehen.


    Alexandra hat also durchaus eine tiefe emotionale Beziehung zu dem Land, das sie umgibt, sie sieht seine Schönheit, auch wenn ihr jede romantische Schwärmerei fehlt. Sie weiß, daß es Arbeit und vor allem auch Risikobereitschaft und Verstand bedarf, wenn die Menschen mit diesem Landstrich zurechtkommen wollen. Ihren Brüdern mangelte es zwar nicht an Arbeitswillen, aber sie waren immer dagegen, etwas Neues auszuprobieren. Ob das nun die Schweinezucht oder den Weizenanbau betraf: sie haben sich immer dagegen gestellt, wenn Alexandra hier etwas Neues ausprobieren wollte. Auch als Alexandra in der Dürre zusätzliches Land kaufen wollte, weil es sehr billig war, waren die Brüder zunächst dagegen, worauf Alexandra meinte, "das Richtige sei meist genau das, was alle Welt nicht tut".


    Zitat von "Maria"


    Mir gefällt es sehr gut, dass Willa Cather so knapp erzählt und die Zeitsprünge taktisch platziert; nur das für die Erzählung Wesentliche hat Bestand.


    Die teils sehr großen Zeitsprünge zwischen den Abschnitten fand ich auch sehr auffallend, sie wurden von der Autorin geschickt eingesetzt, das gefällt mir sehr gut.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo zusammen,


    auf golem.de gibt es einen Artikel mit einem Video des neuen E-Book-Reader von txtr, der irgendwann im Laufe dieses Jahres herauskommen soll:
    http://www.golem.de/0903/65637.html
    Wenn man mal von den etwas grobschlächtigen Händen mit den schmutzigen Fingernägeln absieht, ist das ein schönes Video. :breitgrins: Man erkennt auf dem Display Blocksatz mit Silbentrennung, was keineswegs selbstverständlich ist, wie man am neuen E-Book-Reader von Foxit sieht, der den etwas schlüpfrigen Namen eSlick trägt, und dessen Bilder man sich in diesem Heiseartikel ansehen kann:
    http://www.heise.de/newsticker…k-Reader--/meldung/133990
    Auf den Bildern sieht man nur Flattersatz ohne Silbentrennung, das sieht beim txtr-Reader viel besser aus. Was man in dem Video auch sehr schön sehen kann, das ist das scheußliche schwarz-weiße Blinken beim Umblättern. Das ist leider noch ein grundsätzliches Problem bei allen E-Ink-Displays. Ein weiteres Problem ist die Bruchgefahr der E-Ink-Displays, sie sind anscheinend noch nicht so robust wie Notebook-Displays oder Handydisplays. Ich habe darüber schon einige Klagen in Foren gelesen, einigen ist das Display schon nach wenigen Tagen oder Wochen zerbrochen, wobei manchen gar nicht klar war, wodurch das passiert ist. Man sieht den Bruch oft erst nach dem Wiedereinschalten des Geräts, wenn auf bestimmten Teilen des Bildschirms kein Text mehr dargestellt wird. Ein solches gebrochenes Display fällt nicht unter die Garantie, das kann man nur kostenpflichtig austauschen lassen.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo Steffi und Maria,


    mit etwas Verspätung habe ich nun auch mit dem Lesen angefangen. Genau die Übersetzung, die ihr lest, habe ich auch.


    Zitat von "Steffi"


    Der neue deutsche Titel "Unter den Hügeln die kommende Zeit" ergibt sich aus dem letzten Satz des ersten Teils:
    Unter den weiten, wilden Hügeln spürte sie die Verheißung der kommenden Zeit.


    Damit hätte sich das ja dann geklärt. :-) Denn über den deutschen Buchtitel hatte ich mich auch schon etwas verwundert, ich dachte mir schon, daß das ein Zitat aus dem Buch selbst sein mußte und hatte deshalb im englischen Text bei gutenberg.org nach "hill" und "time" gesucht, aber nichts gefunden. War auch kein Wunder, denn auf englisch lautet die Stelle so:


    Under the long shaggy ridges, she felt the future stirring.


    Was das "dominante Gras" betrifft: auf dem Bild, das Maria verlinkt hat, sieht man ja tatsächlich fast nichts als Gras. Keine Bäume oder Sträucher, nur einige kahle, völlig unbewachsene Berge in der Ferne.


    Zitat von "Steffi"


    Und dadurch, dass ja eine Frau die Hauptperson ist, erhält die Thematik noch mehr Tiefe.


    Ja, gerade das finde ich sehr reizvoll und spannend, denn in vielen Darstellungen des "Wilden Westens" stehen ja die Männer im Mittelpunkt. Stephen Cranes Erzählung "Das blaue Hotel" beispielsweise, die ich kürzlich gelesen habe, ist eine reine Männergeschichte, darin kommen überhaupt keine Frauen vor. In anderen seiner Geschichten kommen natürlich auch Frauenfiguren vor, aber trotzdem ist sein Blickwinkel ein anderer als etwa bei Sarah Orne Jewett, die Erzählungen geschrieben hat, in denen nur Frauen vorkommen.


    Zitat von "Steffi"


    Dieses Thema (Besiedelung des amerikanischen Westens) hat mich bereits als Kind fasziniert, aber dann habe ich es aus den Augen verloren.


    Ich finde das auch sehr faszinierend, besonders wenn es von jemandem beschrieben wurde, der selbst noch mit Menschen sprechen konnte, die diese Zeit erlebt haben. Die Beschreibung der Umgebung und der Figuren wirken gleich von Anfang an sehr authentisch.


    Zitat von "JMaria"


    Außerdem konnten wir bereits einen Blick auf Marie Shabata werfen, zwar noch ein Kind, aber sehr stilvoll in ihrem Kate-Greenaway-Kleidchen.


    Als modisch Unbedarfter kann man zum Glück nach Kate Greenaway googeln, damit man sich davon ein Bild machen kann. :-)


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "giesbert"


    Mehr als 5.000 E-Books fürs iPhone hat Heubach Media in rund 5 Wochen verkauft.


    Auf der Website von Heubach Media ist die Top-12-Liste der Ebooks zu finden: http://hm2.heubach-media.de/pp/apps_top12_gross.jpg
    Thomas Mann findet sich auch darunter. Offenbar geht es um dieses E-Book: http://appbeacon.com/apps/017285/thomas-mann
    Bemerkenswert finde ich, daß da "© heubach media" steht. Die Texte stammen doch wohl hier von gutenberg.org. Diese Texte sind in den USA "not copyrighted", aber in Europa sieht es mit dem Urheberrecht anders aus, denn hier ist ja in jedem Fall die 70-Jahresfrist nach dem Tod des Autors zu beachten, und die ist bei Thomas Mann noch nicht abgelaufen. Kann man als iPhone-Besitzer dieses E-Book in Deutschland kaufen und herunterladen? Falls ja, wirft das einige interessante urheberrechtliche Fragen auf. ;-)


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "klassikfreund"


    Kann man denn schon vorab herausbekommen aus welchem Jahr die Übersetzungen sind?


    Ja, indem man den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek benutzt. Wenn man dort ins Eingabefeld den Autor- und Übersetzernamen ins Suchfeld eingibt (z. B.: mansfield arntz), dann bekommt man alle entsprechenden Ausgaben in zeitlicher Reihenfolge angezeigt. Einige der Übersetzungen sind demnach erstmals im Jahr 2006 erschienen, die anderen sind anscheinend Erstveröffentlichungen.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "Stoerte"


    Da Rechte zum Abdruck von Büchern getrennt von den für Hörbüchern notwendigen Rechten verkauft werden, erregt die neue Vorlesefunktion des Kindle 2 Kritik eines US-Schriftstellervereins:


    Die Aussage von Paul Aiken finde ich wirklich lustig:


    Zitat


    "They don't have the right to read a book out loud," said Paul Aiken, executive director of the Authors Guild.


    Aber im Heise-Artikel steht ja auch, daß diese merkwürdige Ansicht nicht unbedingt von jedem Juristen geteilt wird, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Der springende Punkt ist wohl, daß anders als bei einem Hörbuch durch das bloße Vorlesen keine Kopie erzeugt wird. Ob man ein Buch laut oder leise liest, ist egal, man kann es sich auch von jemandem vorlesen lassen, das kann ein Mensch oder eine Maschine sein. Natürlich gilt das nur für den privaten Bereich, denn eine öffentliche Aufführung von urheberrechtlich geschützten Werken ist in der Regel nur mit Erlaubnis der Rechteinhaber legal. Aber eine öffentliche Aufführung ist ja theoretisch mit jedem Gerät der Unterhaltungselektronik möglich, man kann öffentlich Musik abspielen oder Filme vorführen. Hierin unterscheidet sich ein CD-Player nicht vom Kindle. Ich glaube kaum, daß die Rechteinhaber eine derartige Vorlesefunktion auf juristischem Wege verbieten lassen könnten. Allerdings haben die Rechteinhaber natürlich die Möglichkeit, ihre Verträge mit Amazon frei auszuhandeln. Die Rechteinhaber könnten die Deaktivierung der Vorlesefunktion zur Bedingung für künftige E-Book-Lizenzen machen. Da ist eben die Frage, wer am längeren Hebel sitzt.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "Dostoevskij"


    Ärgerlich zudem, daß man in Deutschland ab März den Sony Reader PRS-505 vermarkten will, während in den USA bereits der Nachfolger PRS-700 zu haben ist.


    Die Frage ist, ob man den PRS-700 überhaupt haben will. ;-) Er hat ja einige Kritik geerntet, denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist bei ihm ein Touchscreen auf dem E-Ink-Display angebracht, der den Kontrast sichtbar verschlechtert. Außerdem sammeln sich offenbar mit der Zeit störende Staubpartikel unter dem Touchscreen an, die man kaum wieder wegbekommt. Diese Probleme hat der PRS-505 nicht.


    Zitat von "Dostoevskij"


    Irgendwie sind wir das Dritte-Welt-Land, was E-Books betrifft.


    Wenn in Kürze der Sony PRS-505 erhältlich sein wird, dann fehlt im wesentlichen nur noch der Kindle. Andere Lesegeräte wie den Iliad oder das Cybook kann man in Deutschland schon jetzt kaufen, z. B. bei justread.de. Das Cybook kostet dort etwa 280 Euro, also ungefähr so viel, wie auch der Sony kosten wird. Man kann sich die Dinger also auch hierzulande kaufen, wenn man so etwas unbedingt haben will. Aber das macht anscheinend kaum jemand, Du ja wohl auch nicht. ;-)


    Und was die Höhe der Preise betrifft, die die Verlage für ihre E-Buch-Ausgaben verlangen werden: Das ist mir ziemlich egal, denn wenn ich bei einem aktuell lieferbaren Buch die Wahl hätte, würde ich es mir ohnehin nur in der Papierform kaufen. Da Du den Fischer-Verlag erwähntest: Welche Bücher würdest Du Dir denn da als E-Buch-Ausgabe kaufen wollen? Und was dürften sie kosten, damit Du sie kaufst? Würdest Du überhaupt DRM-geschützte E-Bücher kaufen?


    Klar, wenn die Verlage beispielsweise ihre Taschenbücher im Hunderterpack für 99 Euro verkaufen würden, dann würden wahrscheinlich viele Käufer auf E-Books umsteigen. Aber was hätten die Verlage davon? Nur Verluste, sonst nichts.


    Es ist nicht verwunderlich, daß die Verlage mit den E-Büchern kein Risiko eingehen wollen, denn falls sich die E-Bücher nicht durchsetzen sollten, können die Verlage trotzdem zufrieden sein, denn es bringt ihnen eher Vorteile, wenn die Leute lieber auf Papier lesen als auf dem Bildschirm. Bei Papierbüchern braucht man kein DRM, weil dort die privaten Raubkopien keine besondere Rolle spielen. Erst mit dem Bildschirmlesen wird die leichte Kopierbarkeit der Bücher ein echtes finanzielles Problem für die Verlage. Deshalb hält sich dort die E-Book-Begeisterung in Grenzen.


    Allerdings gibt es ja genügend kostenlose (urheberrechtsfreie) Texte im Internet, die man lesen könnte. Die Hardware-Hersteller könnten also einfach entsprechende Lesegeräte entwickeln und vermarkten, ohne auf die Verlage Rücksicht zu nehmen. Bei den MP3-Playern war das ja zunächst auch so: da wurden einfach die Geräte verkauft, die zugehörigen MP3-Dateien mußten sich die Käufer selbst erstellen oder besorgen. Entsprechendes wäre auch bei den E-Book-Readern möglich, aber das lohnt sich für die Hersteller offenbar nicht. E-Book-Reader sind ein Nischenprodukt, das sich schlecht verkauft, dagegen erreicht man mit tragbaren Musik- und Videoplayern eine riesige Käuferschar.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "klassikfreund"


    Zu den Hörbuchpreisen: Was willst du damit illustrieren?


    Ein freier Preis kann niedrig oder hoch sein, im genannten Beispiel hat die fehlende Preisbindung zu einem hohen Preis geführt. Die Hoffnung, daß sich die Bücher nach einem Wegfall der Preisbindung spürbar verbilligen würden, halte ich für unbegründet. Es scheint sogar so zu sein, daß der durchschnittliche Buchpreis in Ländern ohne Buchpreisbindung höher ist als in Ländern mit Buchpreisbindung.


    Zitat von "klassikfreund"


    Gerade bei den nicht preisgebundenen Hörbüchern kann man doch fast jedes günstig einkaufen. Man muss es nur zum richtigen Zeitpunkt kaufen.


    Richtig billig werden sie erst, wenn sie bei Resteverkäufern wie Jokers verramscht werden, aber darin unterscheiden sich Hörbücher nicht von preisgebundenen Büchern. Natürlich werden manche Hörbücher von einigen Händlern schon vorher verbilligt angeboten, aber diese Angebote gelten meist nur für kurze Zeit und hauptsächlich für solche Hörbücher, die gerade neu herausgekommen und in den Massenmedien erwähnt worden sind. Man muß da also schnell zugreifen, sonst zahlt man drauf. Bei preisgebundenen Büchern braucht man sich dagegen nicht zu beeilen, denn sie werden lange Zeit zum selben Preis angeboten, bis sie dann möglicherweise irgendwann verramscht werden, wo dann auch die Schnäppchenjäger zuschlagen können, die gerne auf den richtigen Zeitpunkt warten wollen. ;-)


    Zitat von "klassikfreund"


    Und dann hast du mich falsch verstanden bzw. ich habe mich nicht ganz eindeutig ausgedrückt. Ich kaufe 50 (verschiedene) Bücher ein. Mache also mit einem bestimmten Händler mehr als 1000,- EUR Umsatz. Warum soll er mir da nicht 5% vergüten? Im Augenblick darf er das nicht.


    Er darf Dir aber einen beliebig guten Service anbieten, ohne dafür extra Geld zu verlangen, z. B.: ausführliche Beratung, Geschenkverpackung, direkte Lieferung zu Dir nach Hause. Für einen Buchhändler gibt es viele Möglichkeiten, Dir etwas zukommen zu lassen, wenn er Dir etwas Gutes tun will.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo,


    Zitat von "klassikfreund"


    In Sachen Preisbindung bin ich egoistisch. Ich denke, ich würde von einem Wegfall profitieren.


    Du hast doch nicht etwa Amazon-Aktien? :breitgrins: Es wird natürlich jemanden geben, der vom Wegfall der Buchpreisbindung profitiert, aber das wird nicht der Endkunde sein.


    Zitat von "klassikfreund"


    Dan Brown für 5,- Euro lasse ich zwar liegen, aber ich glaube auch nicht an einen Dostojewski-Aufschlag. Bei Ammann kosten die gebundenen Bücher ohnehin schon heute 78,- EUR


    Dann schauen wir mal: Swetlana Geiers Neuübersetzung von Dostojewskijs "Verbrechen und Strafe" gibt es auch als Hörbuch in vollständiger Lesung. Hörbücher sind bekanntlich nicht preisgebunden, die unverbindliche Preisempfehlung für dieses Hörbuch ist 145 Euro (Preis für Deutschland). Aktuelle Verkaufspreise bei einigen großen Buchhändlern:


    buecher.de - 145,00 Euro
    bol.de - 145,99 Euro
    amazon.de - 169,99 Euro


    So sieht's aus. ;-)


    Zitat von "klassikfreund"


    Der Wegfall der Preisbindung würde es Händlern vielmehr ermöglichen, mir Rabatte bei einem (relativ) großen Einkaufsvolumen zu gewähren. Es ist eben ein Unterschied, ob man zwei Bücher im Jahr oder 50 davon einkauft.


    Ja, aber wieso sollte sich ein Buchhändler 50 Exemplare einer kostspieligen Dostojewskij-Neuübersetzung kaufen? Die wird er doch nie mehr los. Vor zwei Jahren stand mal etwas über die Verkaufszahlen der Werkausgaben von Elias Canetti und Jorge Luis Borges in der FAZ: da wurden Zahlen genannt, die um die 500 Stück lagen, und das waren die Gesamtverkaufszahlen. Außerdem gab es mal einen FAZ-Artikel über "Worstseller". Da waren durchaus auch einige bekannte Autorennamen darunter.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo scheichsbeutel,


    Zitat von "scheichsbeutel^"


    Versteht man Artmann auch als Nichtösterreicher? (Bist du Deutscher?)


    ja, ich bin Deutscher, verstehe Artmann aber trotzdem weitgehend problemlos. :-) Eine echte Herausforderung sind freilich seine Dialektgedichte in Wiener Mundart, wie man sie etwa in seinem Gedichtband med ana schwoazzn dintn vorfindet. Wenn man sie sich laut vorliest, erschließt sich aber dann doch das meiste, und für den Rest gibt es im Anhang noch ein Glossar mit Worterklärungen. Wenn man von diesen Dialektgedichten absieht, benötigt man aber eigentlich keine besonderen Kenntnisse des österreichischen Deutsch, wenn man H. C. Artmann lesen und genießen will.


    Ich überlege mir gerade, diese schöne Ausgabe von Artmanns Dracula, Dracula zu kaufen, die vor ein paar Monaten neu erschienen ist:
    http://www.mandelbaum.de/books/791/7248
    Das ist eine Lesung auf CD mit Buch. In der Geschichte kommen einige Passagen vor, von denen ich gerne wüßte, wie der Sprecher sie in gesprochene Sprache umgesetzt hat. Bislang habe ich davon nur eine Piper-Taschenbuchausgabe, in der dieser Text zusammen mit anderen "Schauerromanen" abgedruckt ist:
    http://www.amazon.de/H-Artmann…ns-Artmann/dp/3492226000/
    Anscheinend inzwischen auch schon wieder vergriffen.


    Zitat von "scheichsbeutel^"


    Ein anderes, ausgezeichnetes Werk aus dieser Zeit, dialektal der Steiermark verhaftet, ist "Aus dem Leben Hödlmosers" von Reinhard P. Gruber


    Danke für den Tip, das kannte ich noch nicht. Ich habe gerade mal danach gegoogelt, und ich glaube, das könnte mir gefallen. Deshalb habe ich mir dieses Buch gerade bestellt. :winken:


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo Knabe,


    Zitat von "Knabe"


    Ich habe gestern endlich "Die Geschichte des Agathon" nach vierhundert Seiten abgebrochen.


    als ich in jüngeren Jahren den Agathon zum ersten Mal gelesen habe, fand ich ihn auch einigermaßen langatmig. ;-) Ich habe ihn aber dennoch tapfer zu Ende gelesen. Die erwähnten Abderiten ließen sich da schon wesentlich lockerer herunterlesen, auch von den Verserzählungen (Oberon, Klelia und Sinibald usw.) war ich begeistert. Damals hätte ich wahrscheinlich auch nichts mit dem sehr umfangreichen Aristipp anfangen können, aber das hat sich glücklicherweise inzwischen geändert. Vor einiger Zeit habe ich die ungekürzte Lesung des Aristipp von Jan Philipp Reemtsma gehört, sie hat mir ausgezeichnet gefallen. Wer Wieland nicht lesen will, kann's ja mal mit dem Hören probieren. :-)


    Was meine derzeitige Lektüre betrifft: Ich habe jetzt mal wieder zu einem Erzählband von H. C. Artmann gegriffen, nämlich zu: How much, schatzi? Wenn ich Artmann lese, bin ich stets aufs Neue geplättet: ein stilistisches Feuerwerk voller Witz und überschäumender Lust am Sprachspiel, da werden einem geballte Wortladungen an den Kopf geschleudert, daß einem die Ohren klingen. "Jargon-Jongleur" wurde Artmann mal genannt, dieses Wort gefällt mir. Das Buch ist übrigens in Kleinschreibung verfaßt. :breitgrins:


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "klassikfreund"


    Tja, an solchen Beispielen sieht man mal wieder, dass man doch gleich zuschlagen muss. Selbst gebraucht habe ich im Netz nichts gefunden.


    Da war ich also nicht der einzige, der neugierig nachgeschaut hat, ob es dieses Buch wenigstens noch antiquarisch gibt. ;-) Leider weiß man nicht vorher, welche Bücher man sofort kaufen müßte und welche nicht; und selbst wenn man es wüßte: man kann leider nicht alles kaufen.


    Mit eurobuch.com findet man übrigens sogar ein einzelnes Angebot; für das Buch werden allerdings stattliche 63 Euro verlangt und möglicherweise ist es nur eine Karteileiche, denn nicht jeder Antiquar löscht ja seine Angebote sofort, nachdem die jeweiligen Exemplare verkauft worden sind.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo Yoana,


    Zitat von "Yoana"


    Deutsch ist nicht meine muttersprache. Das erklärt meine unsägliche grammatik.


    Deine Grammatik ist doch völlig normal, sie ist überhaupt nicht von der eines deutschen Muttersprachlers zu unterscheiden, darüber brauchst Du Dir wirklich keine Gedanken zu machen.


    Zitat von "Yoana"

    Und meine auffälligkeit ist für dich eine ausreichende begründung in einen so abfälligen ton zu verfallen? Das sagt viel aus. Allerdings nicht über mich.


    Mein Posting war keineswegs abfällig gemeint, das hier gerade Zitierte war lediglich eine sachliche Feststellung, die meinem Interesse an orthographischen Fragestellungen entsprang. :-) Was genau empfandest Du denn an meinem Beitrag als abfällig? Das interessiert mich ehrlich. Etwa meinen ironischen Hinweis auf Deine Vielbeschäftigtheit? Damit griff ich nur Deine eigenen Bemerkungen auf. Du schriebst ja selbst, daß Du aufgrund Deines Studiums keine Zeit hättest, Dich mit Grammatikregeln und ihren fanatischen Anhängern zu befassen und daß Du Deine Beiträge zwischen zwei Physiologieaufgaben ins WWW jagst. Ich war eigentlich der Meinung, wer selbst so spöttisch und ironisch schreibt, könnte seinerseits auch etwas Spott vertragen. War wohl ein Irrtum. ;-)


    Um noch einmal darauf zurückzukommen: Du schriebst, daß mein "abfälliger ton" viel über mich aussagen würde. Was genau meinst Du denn damit? Wie gesagt, das interessiert mich wirklich, umso mehr als Du gerade den Mangel an Respekt beklagtest und vom schleichenden Untergraben der zwischenmenschlichen Unterhaltung schriebst.


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Zitat von "Yoana"


    fuehle mich darueber hinaus geschmeichelt dass meine mangelhafte rechtschreibung mehr anziehungskraft hat als anscheinend die diskussion ueber die praesentation von buechern im technologisierten zeitalter.


    Es ist eigentlich ganz einfach: Wer nicht will, daß seine Rechtschreibung zum Diskussionsthema wird, der sollte möglichst orthographisch unauffällig schreiben. Unauffällig ist eine Rechtschreibung, die sich am Üblichen orientiert. Je stärker Du von der Konvention abweichst - egal, ob das nun die Schreibung, die Kleidung, die Gestik oder sonst etwas anderes betrifft -, desto mehr Aufmerksamkeit wirst Du erregen.


    Es war also von vornherein klar, daß Du früher oder später auf Deine Kleinschreibung angesprochen wirst; und daß eine durchgängige Kleinschreibung nicht nach jedermanns Geschmack ist, war Dir wahrscheinlich auch nicht neu. Deshalb wäre es nett gewesen, wenn Du Dir wenigstens eine halbwegs originelle Begründung für Deine Kleinschreibung hättest einfallen lassen. ;-) Sich auf Faulheit oder Zeitmangel zu berufen kommt erfahrungsgemäß nicht so gut an, dadurch kommt eine Kleinschreibungsdiskussion erst richtig in Schwung. Die Idee mit der rumänischen Tastatur war da schon besser, zwar kann man damit völlig problemlos Großbuchstaben schreiben, weil auch die rumänische Orthographie nicht ohne Großbuchstaben auskommt, aber hier besteht immerhin die Chance, daß Dein Gesprächspartner das rumänische Tastaturlayout nicht kennt und sich mit dieser Erklärung zufriedengibt. :breitgrins:


    Zitat von "Dostoevskij"


    Ich finde es kindisch und beschämend, jemandem wegen der Kleinschreibung ans Knie zu pissen.


    Tief durchatmen und locker bleiben! :-)


    Zitat von "Dostoevskij"


    Und wenn geübte Leser wie wir es nicht beherrschen, einen so gearteten Text zu lesen, wer dann?


    Es geht ja nicht darum, daß man den Text nicht entziffern kann, das könnte man notfalls auch dann, wenn er ohne Wortzwischenräume und noch dazu in Spiegelschrift geschrieben wäre. Aber bei Yoanas Texten brauche ich für das Querlesen mehr Zeit als für die anderen Texte hier, die in normaler Groß- und Kleinschreibung vorliegen. Anderen Mitdiskutanten geht es offenbar ebenso. Mir ist klar, daß das Yoana völlig wurscht sein kann. Es wäre ja auch zuviel verlangt, daß ein so vielbeschäftigter Mensch wie Yoana auf unsere Unzulänglichkeiten Rücksicht nähme. ;-)


    Zitat von "Dostoevskij"


    Das ist doch ein Witz.


    Deswegen gibt es auch keinen Grund, daß Du das so ernst nimmst. ;-)


    Schöne Grüße,
    Wolf

    Hallo Marci,


    Zitat von "Marci"


    Seit einiger Zeit bin ich Fan des Deutschen Klassiker Verlages.


    mir gefallen auch die Taschenbuchausgaben des DKV sehr gut, sie sind natürlich nicht so edel wie die gebundenen Ausgaben, aber sie liegen gut in der Hand und lassen sie sich unbefangener lesen; die gebundenen DKV-Ausgaben lese ich eigentlich nur an einem Tisch, die Taschenbuchausgaben kann ich dagegen auch problemlos lesen, wenn ich auf dem Sofa liege. ;-) Dazu sind mir die gebundenen Ausgaben zu schade und zu empfindlich.


    Zitat von "Marci"


    Meine Frage ist nun, ob es auch eine vergleichbare Sammlung für Werke der Weltliteratur gibt.


    Außer dem erwähnten Artemis-Winkler-Verlag hat auch der Hanser-Verlag einheitlich gebundene Werkausgaben herausgebracht. Das sind aber meist auch nur deutsche Autoren, ausländische Autoren sind da in der Minderzahl, das ist also keine "Weltliteratur" im umfassenden Sinne. Im Manesse-Verlag gibt es viele Werke der Weltliteratur, das sind aber meist Einzelausgaben, keine kompletten Werkausgaben. Die einzelnen gebundenen Bücher haben allerdings (fast) alle dasselbe Format und sie ergeben ein einheitliches Bild, wenn man sie nebeneinander stellt. Die Kommentierung all der genannten Ausgaben ist aber deutlich sparsamer als in den Ausgaben des DKV, die sind da schon etwas besonderes.


    Zitat von "Marci"


    Oder soll man lieber auf Einzelausgaben der Werke zurückgreifen? Jeder größere Verlag hat ja seine Steckenpferde hinsichtlich der Autoren. Dabei ginge allerdings das einheitliche Erscheinungsbild in der Bibliothek verloren.


    Auch Einzelausgaben können ja einigermaßen einheitlich aussehen, wenn man darauf Wert legt. Außer Manesse fällt mir da noch die "Bibliothek Suhrkamp" ein, deren gebundene Bände ein einheitliches Bild bieten. Weltliteratur findet man in dieser Reihe auch.


    Ein einheitliches Erscheinungsbild durch die ganze Weltliteratur hindurch, angefangen vom Gilgamesch-Epos bis zum 20. Jahrhundert erhält man aber eigentlich nur bei Reclam. ;-)


    Schöne Grüße,
    Wolf