Hallo Wolf,
interessante Einblicke in die Übersetzungen ! Erstaunlich, was da alles zu Tage tritt ! Ich habe die Übersetzung von Elisabeth Schnack, aber allerdings auch schon lange nicht mehr gelesen.
Gruß von Steffi
Hallo Wolf,
interessante Einblicke in die Übersetzungen ! Erstaunlich, was da alles zu Tage tritt ! Ich habe die Übersetzung von Elisabeth Schnack, aber allerdings auch schon lange nicht mehr gelesen.
Gruß von Steffi
Bei Zweitausendeins wird gerade eine Ausgabe in der Übersetzung von Ute Haffmans, Sabine Lohmann und Heiko Arntz angeboten. Kennt die jemand und was taugt sie?
Gruß, Thomas
Bei Zweitausendeins wird gerade eine Ausgabe in der Übersetzung von Ute Haffmans, Sabine Lohmann und Heiko Arntz angeboten. Kennt die jemand und was taugt sie?
Gruß, Thomas
Hallo Thomas,
ich habe mir heute die Haffman Ausgabe bestellt. Ich berichte. Vergleichen kann ich diverse Erzählungen in der Übersetzung von Ursula Grawe und von Heide Steiner.
Gruß,
Maria
Hallo Thomas,
ich habe mir heute die Haffman Ausgabe bestellt. Ich berichte. Vergleichen kann ich diverse Erzählungen in der Übersetzung von Ursula Grawe und von Heide Steiner.
Gruß,
Maria
Danke. Kann man denn schon vorab herausbekommen aus welchem Jahr die Übersetzungen sind? Sind die jetzt extra angefertigt oder handelt es sich um ein Buch des "alten" Haffmans Verlags?
Gruß, Thomas
Zitat von "klassikfreund"
Kann man denn schon vorab herausbekommen aus welchem Jahr die Übersetzungen sind?
Ja, indem man den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek benutzt. Wenn man dort ins Eingabefeld den Autor- und Übersetzernamen ins Suchfeld eingibt (z. B.: mansfield arntz), dann bekommt man alle entsprechenden Ausgaben in zeitlicher Reihenfolge angezeigt. Einige der Übersetzungen sind demnach erstmals im Jahr 2006 erschienen, die anderen sind anscheinend Erstveröffentlichungen.
Schöne Grüße,
Wolf
Bei Zweitausendeins wird gerade eine Ausgabe in der Übersetzung von Ute Haffmans, Sabine Lohmann und Heiko Arntz angeboten. Kennt die jemand und was taugt sie?
Gruß, Thomas
Hallo zusammen,
ich habe nun die neu übersetzte und neu herausgegebene Zweitausendeins Ausgabe aus dem Haffmans Verlag geliefert bekommen. Sehr stabile Aufmachung, ein Porträt von KM von Anne Estelle Rice ziert das gebundene Buch, mit Lesebändchen, Biographische Daten, Anmerkungen, Nachwort von Heiko Arntz.
Um einen Eindruck der Übersetzung zu bekommen, habe ich einen kleinen Textauszug, dem Beginn der Erzählung An der Bucht genommen:
An der Buch - At the Bay
Original:
Very early morning. The sun was not yet risen, and the whole of Crescent Bay was hidden under a white sea-mist. The big bush-covered hills at the back were smothered. You could not see where they ended and the paddocks and bungalows began. The sandy road was gone and the paddocks and bungalows the other side of it; there were no white dunes covered with reddish grass beyond them; there was nothing to mark which was beach and where was the sea. A heavy dew had fallen. The grass was blue. Big drops hung on the bushes and just did not fall; the silvery, fluffy toi-toi was limp on its long stalks, and all the marigolds and the pinks in the bungalow gardens were bowed to the earth with wetness. Drenched were the cold fuchsias, round pearls of dew lay on the flat nasturtium leaves. It looked as though the sea had beaten up softly in the darkness, as though one immense wave had come rippling, rippling–how far? Perhaps if you had waked up in the middle of the night you might have seen a big fish flicking in at the window and gone again...
übersetzt von Ursula Grawe:
Tagesanbruch. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und die ganze Crescent Bay lag unter weißem Seenebel verborgen. Die hohen, buschbestandenen Hügel im Hintergrund waren verdeckt. Es war nicht zu erkennen, wo sie aufhörten und die Wiesen und Ferienhäuser anfingen. Der Sandweg war verschwunden, und die Wiesen und Ferienhäuser jenseits davon auch; von den weißen, mit rötlichem Strandhafer bewachsenen Dünen dahinter war nichts zu sehen; man konnte nur ahnen, was Strand und wo das Meer war. Schwerer Tau war gefallen. Das Gras war blau. Dicke Tropfen hingen an den Büschen und wollten nicht fallen; das silbrige, lockere Toitoi-Gras hing schlaff an den langen Stengeln, und all die Ringelblumen und Bartnelken in den Gärten neigten sich zur Erde unter der Nässe. Die kalten Fuchsien waren über und über betaut, auf den flachen Blättern der Kapuzinerkresse lagen pralle Tauperlen. Es sah aus, als hätte sich das Meer in der Dunkelheit leise herangeschlichen, als sei eine gewaltige Welle näher, immer näher herangerollt - wie weit? Vielleicht hätte man, wäre man mitten in der Nacht aufgewacht, einen großen Fisch ins Fenster schnellen und ebenso schnell wieder verschwinden sehen ...
übersetzt von Heide Steiner:
Sehr früh am Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und die Crescent Bay lag völlig unter einem weißem Seenebel verborgen. Die großen, mit Buschwerk bedeckten Hügel im Hintergrund waren ganz eingehüllt. Man konnte nicht sehen, wo sie aufhörten und die Koppeln und Bungalows begannen. Die sandige Landstraße und die Koppeln und Bungalows auf der anderen Straßenseite waren verschwunden; hinter ihnen waren keine weißen, mit rötlichem Gras bewachsenen Dünen. Nichts war da, was Strand und Meer voneinander unterschieden hätte. Starker Tau war gefallen. Das Gras sah blau aus. An den Büschen hingen große Tropfen, die sich gerade noch so hielten. Die silbrigen, flaumigen Toi-toi standen schlapp auf ihren langen Stengeln, und all die Ringelblumen und Nelken in den Gärten der Bungalows hingen vor Nässe auf die Erde herab. Die kühlen Fuchsien troffen, runde Tauperlen lagen auf den flachen Blättern der Kapuzinerkresse. Es sah aus, als hätte die See in der Dunkelheit einen sanften Vorstoß gewagt, was wäre eine riesige Welle dahergerollt gekommen - bis wohin? Wäre man mitten in der Nacht aufgewacht, hätte man vielleicht einen mächtigen Fisch ans Fenster schnellen und dann wieder verschwinden sehen ...
Zweitausendeins:
übersetzt von Heiko Arntz / Ute Haffmans / Sabine Lohmann:
Sehr früh am Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und die ganze Crescent-Bucht lag unter weißem Seenebel verborgen. Die hohen, bewaldeten Hügel weiter hinten waren dunstverhangen. Man konnte nicht sehen, wo sie endeten und die Wiesen und die Bangalos begannen. Die sandige Landstraße war verschwunden und die Wiesen und Bangalos auf der anderen Seite; jenseits davon gab es keine weißen, mit rötlichem Gras bedeckten Dünen; nichts ließ erkennen, was Strand war und was Meer. Starker Tau war gefallen. Das Gras war blau. Große Tropfen hingen an den Büschen und fielen doch nicht herab; das silbrige, flaumige toi-toi hing schlaff an seinen langen Stengeln, und die Ringelblumen und Nelken in den Bangalogärten beugten sich unter der Last der Nässe. Die kalten Fuchsien troffen, runde Tauperlen lagen auf den flachen Blättern der Kapuzinerkresse. Es sah aus, als habe sich ds Meer in der Nacht hierhergewagt, als wäre eine große Welle angerauscht gekommen - bis wohin? Wenn man mitten in der Nacht aufgewacht wäre, hätte man vielleicht einen großen Fisch gesehen, der ins Fenter hineinschnellte und dann wieder verschwand ...
Die Wortwahl "Bangalo" finde ich ungewöhnlich.
in den Anmerkungen heißt es dazu:
"Bangalo": das engl. Wort "bungalow", eine Entlehnung aus dem Hindi, bedeutete zu K.M.s Zeiten noch ausschließlich ein leichtes, ebenerdiges Sommerhaus; die deutsche Schreibweise so im "Muret-Sanders"-Wörterbuch von 1908.
es gibt zu den Erzählungen im Anhang "Anmerkungen", Worterklärungen usw...
Viele Grüße
Maria
Diese Übersetzungen geben einen interessanten Einblick in die Schwierigkeiten einer guten Übersetzung. Ganz schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall sind auch die älteren Übersetzungen nicht schlecht, an der ein oder anderen Stelle gefallen sie mir besser, fragt sich halt nur, ob hier die Autorin verbessert wurde oder ob man das wirklich so übersetzen kann.
So gefällt mir "schwerer Tau" besser als "starker Tau", auch das "Wenn man ... aufgewacht wäre" im letzten Satz ist nicht allzu elegant. Auch toi-toi und Bangalos wirken befremdlich und sind in den anderen Texten einfacher zu verstehen. Die Frage ist halt nur, wie leicht ist der originale Text für einen englischen Muttersprachler zu verstehen.
Gruß, Thomas
Ich möchte noch die Übersetzungen von Elisabeth Schnack und Ruth Schirmer (Manesse 2008) hinzufügen:
Übersetzung Schnack:
An der Bucht
Sehr früh am Morgen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und die ganze Crescent-Bucht lag unter weißem Seenebel versteckt. Die großen, mit Buschwald überzogenen Hügel dahinter waren ganz in Nebel gehüllt. Man konnte nicht erkennen, wo sie aufhörten und wo die Koppeln und Bungalows begannen. Die sandige Straße war verschwunden, und auch die Koppeln und Bungalows auf der anderen Seite, und hinter ihnen waren keine weißen, mit rötlichem Gras bedeckten Dünen: nichts war da, was hätte anzeigen können, wo der Strand und wo das Meer war. Starker Tau war gefallen. Das Gras war bläulich. Große Tautropfen hingen an den Büschen und zauderten zitternd; das silbrige, flaumige Wollgras hob sich schlaff auf seinen langen Stielen, und alle Ringelblumen und Nelken in den Bungalowgärten wurden von der Nässe zur Erde gebeugt. Tropfnaß waren die kalten Fuchsien, runde Tauperlen lagen auf den flachen Kapuzinerblättern. Es sah aus, als hätte das Meer in der Dunkelheit lautlos angegriffen und als wäre eine riesige Woge herangerollt - wie weit wohl? Wenn man mitten in der Nacht aufgewacht wäre, hätte man vielleicht einen großen Fisch sehen können, wie er zum Fenster herein- und wieder hinausschnellte ...
nach Schirmer (2008)
In der Bucht
Erste Frühe. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, und die ganze Crescent-Bucht lag unter weißem Seenebel. Die hohen, buschbestandenen Hügel im Hintergrund waren völlig in Dunst eingehüllt. Man konnte nicht sehen, wo sie endeten und die Weiden und Bungalows begannen. Die sandige Straße war verschwunden, und damit die Weiden und Bungalows auf der anderen Seite; man sah keine der weißen Dünen mit dem rötlichen Gras darauf, keine Trennungslinie von Strand und See. Schwerer Tau war gefallen. Das Gras war blau. Dicke Tropfen hingen an den Büschen, bereit hinabzufallen; die silbrigen, flaumigen Palmlilien hingen schlaff von ihren langen Stengeln, und all die Ringelblumen und Nelken in den Gärten der Bungalows waren von der Nässe zur Erde gedrückt. Tropfnaß waren die kalten Fuchsien, runde Tauperlen lagen auf den breiten Blättern der Kapuzinerkresse. Es war, als ob die in der Dunkelheit alles sanft überschwemmt hätte, als ob eine ungeheure Welle alles langsam überspült hätte - nur wie weit? Vielleicht hätte man, wäre man mitten in der Nacht aufgewacht, einen großen Fisch zum Fenster hinein- und wieder hinausschnellen sehen.
Gruß, Thomas
Hallo !
Ich habe mir jetzt die Übersetzungen mehrmals durchgelesen - fast unmöglich finde ich es, die beste herauszufinden. Manchmal ist der Klang bzw. der Rythmus besser getroffen, manchmal die treffendere Übersetzung.
Was mit nicht gefällt, ist, dass die Farben, die mir im Original so deutlich vor Augen sind, in den Übersetzungen nicht richtig vorkommen. Natürlich liegt es sicher auch mit daran, dass Nelken eben nicht pink heißen und Ringelblumen nicht marigold. Gestört hat mich dabei auch, die Übersetzung von "kalte Fuchsien", da gefällt mir "kühl" besser (Steiner), denn das cold bezieht sich meiner Meinung nach auf das kalte Rot der Fuchsien.
Danke an alle, die sich soviel Mühe gemacht haben. Ich denke, falls ich mir nochmal eine Ausgabe kaufe, dann wohl das Original.
Gruß von Steffi