Beiträge von klaus

    Hallo Maria,


    ich bin ein ganz großer Bewunderer von Edgar Reitz' Heimat-Trilogie. Sie ist ein Beleg dafür, wie man ganz ohne "Blut-und-Boden" und Nazi-Ideologie dem Begriff "Heimat" wieder eine nicht-triviale Bedeutung geben kann.


    Allerdings muß ich zugeben, dass ich im Bereich der Literatur (noch) nichts Gleichwertiges kenne.


    LG
    Klaus

    Hallo in die Runde,


    nachdem ich 6 Kapitel gelesen habe, beginne ich mal. Nach Fontanes eigenen Worten liegt im Romananfang der "Keim des Ganzen". Im ersten Absatz fällt bei der Beschreibung des Gärtnereigeländes mit dem Wohnhaus das Motiv des Versteckens und Verbergens auf: sollte dies eine Anspielung oder erste Andeutung sein, dass die unstandesgemäße Liebe versteckt werden muß und nur im Verborgenen existieren darf, nämlich bei den einfachen Leuten Dörr und Nimptsch, nicht aber in der vornehmen Welt des Barons Rienäcker?


    Mir gefiel sehr, wie dieses Liebespaar am Ende des 1. Kapitels eingeführt wurde. Indirekt, aus der Perspektive von Frau Dörr und Frau Nimptsch lernen wir sie aus der Ferne kennen. Aus der Nähe und sprechend wird uns Lene dann erst im 3. Kapitel, der Baron im 4. Kapitel präsentiert. Auffallend auch, dass wir seinen Vornamen erst spät erfahren, seinen Nachnamen sogar erst im 6. Kapitel. Vielleicht ist dies schon ein dezenter Hinweis auf die Standesproblematik: erstmal ist er Baron und dann erst Individuum mit einem eigenen Namen.


    Schön finde ich auch, dass die Geschichte "in medias res" beginnt. Pfingsten ist vorbei, die Liebesbeziehung fing aber bereits Ostermontag an und das Kennenlernen wird uns (und Frau Dörr) von Lene im Rückblick erzählt.


    Beim Spargelsortieren sinniert Frau Dörr darüber, dass die Spargel"köppe" immer bevorzugt werden, genau wie beim Blumenkohl die Blume gegenüber dem Strunk. Dies sei "dummes Zeug", im Strunk "da sitzt die Kraft drin". Ich glaube hier handelt es sich um ein Symbol für den sozialen Gegensatz. Noch einmal taucht dies in Lenes Brief auf (6. Kapitel): sie beobachtete Botho heimlich, wie er eine schöne Blondine (aus seinen Kreisen) traf. Deren zwei Schimmel hatten eine "Blumengirrlande", "und die Blumen so dicht, ganz ohne Blatt und Stiehl".


    Gruß
    Klaus :winken:

    Habe gerade beendet: Philip Roth "Die Demütigung" und habe damit alle seine vier zuletzt entstandenen Kurzromane in größeren Abständen gelesen. Zwischendurch: Wolfgang Sandner "Miles Davis - Eine Biografie".


    Und bevor es mit dem Dämonen-Duo weitergeht, habe ich jetzt mal wieder das Bedürfnis nach einem guten Sachbuch: Siddhartha Mukherjee "Der König aller Krankheiten: Krebs - eine Biografie" wird hochgelobt. Und vielleicht hilft es bei der persönlichen Auseinandersetzung mit einer Menschheits-Geißel, die uns alle treffen kann.


    Gruß
    Klaus


    Hallo,


    die Dostojevskis-Dämonenrunde geht so langsam ins letzte Drittel, einige sind schon fertig, so dass wir davon ausgehen können, dass die Doderer-Dämonen auf jeden Fall bis zum Hochsommer auch durch sein sollten.
    Soll ich dann den avisierten 15. September für Bleak House eintragen?


    finsbury


    Hallo Finsbury,


    ich wäre damit einverstanden.


    Gruß
    Klaus


    Interessant ist auch, wie gelähmt die Fünfergruppe (III,4) ist: Obwohl sie alle Pjotr Stepanowitsch hassen und wissen, dass er sie betrügt und missbraucht, wagen sie sich nicht gegen ihn aufzulehnen. Liputin hat Pass und Reisetasche bereit, weiß, dass er ansonsten bei dem Mord an Schatow mitmachen muss und flieht trotzdem nicht. So ganz nachvollziehen kann ich das nicht!


    Ja, Liputin: er geht genauso neben Pjotr auf dem Trottoir, wie dieser vorher neben Stawrogin: verachtet und immer wieder gezwungen in den Straßenmatsch zu treten. Er haßt Pjotr immer mehr und dieser Haß konzentriert sich in der Szene, wo er ihm beim Beefsteak-Essen zusieht: die Zeit scheint stillzustehen, während Pjotr sich einen Bissen nach dem anderen in den Mund schaufelt:


    "Schließlich haßte Liputin ihn so sehr, daß er keinen Blick von ihm abwenden konnte. Es war eine Art Nervenanfall. Er zählte jeden Bissen Beefsteak, den er zum Munde führte, haßte ihn dafür, wie er den Mund aufmachte, wie er kaute, wie er genießerisch an den fetten Stücken lutschte, er haßte sogar das Beefsteak selbst."

    Es erinnert mich an die ewigen Augenblicke Kirrilows, wie er sie z.B. Schatow beschreibt. Nur dass es sich bei ihm um Augenblicke der ewigen Harmonie und nicht des Hasses und des Ekels handelt. Man muß sich wirklich fragen, warum Liputin nach dieser Erfahrung weitermacht.


    Oder Ljamschin: er ist mir frühzeitig als Spaßmacher und Witzfigur aufgefallen. Auf dem Höhepunkt des Festes läuft er auf den Händen und symbolisiert damit, dass die ganze Welt Kopf steht. Er wandelt sich sehr. Während der Ermordung Schatows bekommt er einen Schreikrampf, erkrankt und läuft, nachdem alles vorbei ist, auf Knien rutschend zur Polizei und legt ein komplettes Geständnis ab.


    Gruß
    Klaus

    Hallo,


    ich bin jetzt auch durch. Die letzten 100 Seiten habe ich gestern "in einem Zug" (im doppelten Sinne :breitgrins:) gelesen. Der Roman war eine sehr lohnende, bereichernde Lektüre, die keinen Moment langweilig war und nie habe ich mir die Frage gestellt: "weiterlesen oder nicht?". Ich möchte noch ein paar Eindrücke wiedergeben:


    Der 3. Teil ist von einer faszinierenden Dramaturgie: die Ereignisse überstürzen sich und erzeugen einen Strudel aus Anarchie, Chaos und Verbrechen. Erst die "letzte Wanderschaft" Stepans, die liebevoll und ironisch erzählt wird, stellt einen Konstrast dar zu dem vorausgegangenen Wahnsinn. Eigentlich kontrastiert dieses Kapitel zu dem ganzen restlichen Buch: wenn ich es richtig sehe, spielt kein anderes Kapitel außerhalb unserer (anonymen) Kleinstadt, außer in Rückblicken, wie z.B. der Beichte Stawrogins. Es ist wie ein Aufatmen: endlich raus aus dieser Stadt und ihren "Dämonen" und aufs Land, wo Stepan nun das "wirkliche Leben" beheimatet sieht.


    Während der Schilderung des Festes und der anschließenden Feuersbrunst wurde ich den Eindruck nicht los, dass hier eine Person vorkommt, die in jedem Personenverzeichnis fehlt: die anonyme Menge, der "Mob", das "Gesindel", die marodierende und leicht beeinflußbare Masse, oder einfach: "man". Ich habe nicht gezählt wie oft dieses Wort vorkam, aber immer wieder las ich Floskeln wie: "man schrie, man sagte, man schnappte auf" und immer wieder wörtliche Rede, die keiner bestimmten Person zugeordnet war. Diese Anonymisierung ist charakteristisch für viele Abschnitte und ich glaube hier ist D. auch ganz modern. Die Verführbarkeit der Masse sollte im folgenden Jahrhundert noch eine große Rolle spielen.


    Ein kleines Detail: 3. Teil, Ende VI. Kapitel: Erkel verabschiedet sich von Pjotr: dieser wendet ihm mitten im Satz den Rücken zu und hat nur noch Ohren und Augen für seine neue Bekanntschaft aus besten Kreisen. Das ist für Erkel so enttäuschend, dass es zweimal wiederholt wird: einmal in der Schilderung durch den Erzähler und dann nochmal als subjektiver Eindruck Erkels selbst. Hier wird sehr deutlich das abgehobene Verhältnis Pjotrs zu den Mitgliedern seiner Fünfergruppe und dass er sie die ganze Zeit nur benutzt hat. Pjotr ist für mich die mit Abstand unsympathischste Person des Romans und ausgerechnet er überlebt! Ist Euch aufgefallen mit welch ekelhafter Arroganz er sich beim Treffen der "Unsrigen" die Nägel schneidet?


    Sind Euch die vielen Fliegen und Spinnen als Metapher aufgefallen? Ich glaube sie kamen nicht zufällig vor: die Fliege als nutzloses Insekt, die Spinne, die kühl kalkulierend auf ihre Opfer wartet ... Sollte ich den Roman nochmal lesen, werde ich mehr darauf achten.


    Das wärs erstmal für heute. Vielleicht fällt mir später noch mehr ein.


    Gruß
    Klaus :winken:

    Missverständnis. Ich fragte, wo und inwiefern Dostojewskis Slawophilie und Glauben an Russland (was nicht unbedingt dasselbe ist) in den Dämonen sichtbar oder spürbar wird und zwar so, dass es wie für Lisbeth störend ist.


    Schatow bezeichnet in seinem Gespräch mit Stawrogin die Russen als "Gottesträgervolk" (2. Teil,I,7) und begründet dies damit, dass es "allein berufen und fähig ist, alle anderen mit seiner Wahrheit zu erwecken und zu erlösen".


    Aber Gontscharow fragt natürlich zu Recht, inwiefern es Dostojewski ist, der hier spricht. Im Prinzip kann jeder Autor sich hinter seinen Figuren oder seinem Erzähler verstecken, egal ob Ich-Erzähler oder allwissend, und ihnen seine Ansichten unterschieben. Ich wüßte aber nicht, wie man dies aus dem Textzusammenhang heraus, also ohne Zuhilfenahme weiterer Quellen beweisen könnte.


    Gruß
    Klaus

    Dabei bist doch gerade du mit deinen Beiträgen für das „hohe Niveau“ hier mitverantwortlich.


    Das sehe ich genauso! :smile:



    Das Buch von Coetzee habe ich auch gelesen, halte es aber für das Verständnis der Dämonen für wenig hilfreich.


    Danke, dann brauche ich meine Frage nicht mehr zu stellen.


    Ich bin jetzt mit dem zweiten Teil fertig und muss sagen, dass ich das Lesen „beschwerlich“ finde. Dostojewskis Spannungstechnik, dieses Verwirrspiel und Vorenthalten von Information finde ich anstrengend. Deshalb mag ich auch Kriminalromane nicht so. Innere Spannung interessiert mich mehr. Aufgrund von sparsamen Informationen und Andeutungen auch noch auf das äußere Geschehen, die Handlung schließen und äußere Zusammenhänge herstellen zu müssen, finde ich bei diesem ohnehin schon vielfältigen mehrschichtigen Werk mit seiner enormen Personenfülle zuviel des Guten.


    Das geht mir ähnlich. Manchmal hätte ich mir ein bißchen mehr Klarheit und Eindeutigkeit gewünscht, sowohl was vergangene Handlungen und Verbrechen (z.B. Stawrogins) als auch die Planung zukünftiger betrifft. Stattdessen: immer wieder Andeutungen, die Streuung von Gerüchten, Widersprüche. Z.B.: wer hat denn bei dem im Chaos endenden Fest nun eigentlich die Fäden gezogen, Pjotr? Und wenn ja, wie hat er es gemacht? Da bleibt viel ungesagt. Oder: welche Sünden gegenüber Frauen hat Strawrogin denn nun begangen? Das Mädchen Matrjoscha ist klar. Aber was war nun mit Lisa und Darja in der Schweiz? Oder hab ich es da an Aufmerksamkeit fehlen lassen? Oder nicht genug zwischen den Zeilen gelesen (auch eine Kunst, die man bei Dostojewski beherrschen muß)?


    Aber: es hat auch seinen Reiz und manchmal muß man nur Geduld haben und ein gutes Gedächtnis (oder ein Notizbuch :zwinker:) und Handlungsfäden entwirren sich.


    Gruß
    Klaus

    Auffallen tun mir diese Kleinigkeiten auch, aber meist fallen sie bei mir durch das Raster der Wichtigkeit. Ich habe so meine Probleme mit dem Schreiben von "langen" Texten, manchmal schreibe ich Zeilen, die ich dann wieder lösche, weil ich es dann nicht mehr für bedeutend finde und auch irgendwie keinen zur "Last" fallen möchte. Ich bin und bleibe eher ein Anhänger des Minimalismus und vielleicht dadurch nicht immer der geeignete Leserundenteilnehmer :zwinker:


    LG
    Anita


    Hallo Anita,


    ich finde Deine Offenheit sehr wohltuend. Das mit dem "Zur Last fallen" kann ich nachvollziehen. Ich bin ja noch ein Neuling in diesem Forum und weiß oft nicht, ob ich mich, nachdem eine Woche nach meinem letzten Posting keiner gepostet hat, schon wieder melden soll, oder lieber mal die Klappe halten soll und abwarten, was andre so schreiben.


    Was die Kleinigkeiten betrifft: sie gehören auf jeden Fall zu meinen "Eindrücken" und die soll man ja laut Gebrauchsanweisung zu diesem Forum hier schildern. Klar fällt da bei mir auch viel durchs Raster (auch viel, was ich überlese). Aber für mich sind manche Details - gerade bei dieser Dämonen-Lektüre - wie ein Brennglas, wo sich in einer kleinen Geste viel bündelt, viel mehr als man in langatmigen Beschreibungen ausdrücken könnte. So etwas behalte ich auf jeden Fall für mich selbst in Erinnerung und halte es in einer Leserunde für mitteilenswert.


    Aber vielleicht gibt es da ja von den Mitlesern unterschiedliche Auffassungen? Wäre auf jeden Fall interessant sich darüber auszutauschen.


    LG
    Klaus


    in dieser Leserunde tut sich nicht viel ... .


    Wie weit seid ihr anderen denn? klaus, du warst doch schon beim letzten Posting fast so weit, wie ich jetzt bin. Hast du inzwischen den Roman beendet?


    Hallo Finsbury,


    vielleicht bedarf es manchmal eines kleinen Stupsers, um sich hier wieder einzubringen :zwinker: Vielleicht ist die Schreibmüdigkeit auch ansteckend. Ich bin jetzt im 3. Teil. Das lange angekündigte Fest hat begonnen und zu einem ersten Eklat geführt ...



    Über die Art des Schreibens von Dostojewski haben wir schon diskutiert, was bleibt mir dann noch?


    Hallo Anita,


    also bei mir ist es so, dass wenn ich über die Art des Schreibens und den Roman im Großen und Ganzen im Moment noch nichts und nichts mehr sagen kann, dann schreib ich gerne über Details und Kleinigkeiten, die mir so auffallen. Im Grunde besteht ja ein Roman aus vielen Kleinigkeiten.


    Also:


    Z.B. war ein amüsantes Detail die Art des Kusses zwischen Karmasinow und Pjotr (2. Teil, VI,5): Karmasinow hält immer nur die Backe hin und erwartet vom anderen, dass dieser sie küßt, als Zeichen der Ehrerbietung. Pjotr verweigert aber diese Geste und so berühren sich nur zwei Backen. Sein Vater Stepan ist zu dieser Verweigerung nicht in der Lage, als er Karmasinow begrüßt (2. Teil,XI,3), obwohl er ihn genauso verachtet. Ja - weil er ihm die Ehre des Kusses erweist, verachtet er sich selbst.


    Oder: wie schön ist der Lebensweg und Charakter des Gouverneurs Lembke beschrieben, der eigentlich nie richtig erwachsen wird (2. Teil,IV,3): wenn er frustriert ist, bastelt er irgendwelche Modelle aus Papier oder schreibt Erzählungen und Romane. Das Nachdenken, weil unbekömmlich, wird ihm von den Ärzten verboten. Die Ehe mit einer älteren Frau paßt zu diesem Charakter, und dass er in dieser Ehe nicht glücklich sein kann, ist irgendwie vorgezeichnet ...


    Sehr intensiv beschrieben fand ich die Beichte Stawrogins. Hier merkt man, dass es Dostojewski versteht, in entscheidenden Momenten die Zeit stillstehen zu lassen: da ruht der Blick auf Fliegen, Spinnen und Geranien und der Leser fühlt, etwas Furchtbares wird geschehen.


    Was das weltanschaulich-nihilistisch-religiöse "Gequassel" betrifft (wie es Finsbury nennt): hier würde ich unterscheiden. Der nihilistische oder sozialistische Teil ist gar nicht uninteressant dargestellt, teils Satire, teils Prophetie (vor allem im Kapitel "Bei den Unsrigen": hier fühlte ich die Millionen Toten des Stalinismus und anderer -ismen vorhergesehen). Was das religiöse "Geschwafel" betrifft (z.B. Tichons): hier bin ich allergischer, wohl auch weil ich glaube, dass hier keine Satire mehr am Werk ist und D. es ernst meint mt Aussagen wie, dass man sich selbst verzeihen muß, damit Gott einem verzeiht, oder dass, wer sich selbst verzeihen kann, schon an Gott glaubt, ohne dass er es weiß, usw.


    Zu den Personen Pjotr Werchowenskis und Stawrogins: ich glaube P. ist der plumpe Macht- und Tatmensch, einfach gestrickt und erklärbar nur in der Bewunderung eines Großen, für den er S. hält: das wird auch wieder deutlich in einem Detail: als beide unterwegs sind zu den "Unsrigen" (2. Teil,VI,7), geht S. in der Mitte des Gehweges, sodass P. gezwungen ist, immer wieder in die verschlammte Fahrbahn zu treten. Trotzdem redet er weiter gutgelaunt auf seinen Gefährten ein. S. ist eine wesentlich komplexere Figur mit einer Ausstrahlung sowohl auf den Leser, als auch auf andere Figuren (Schatow, Kirrilow, Pjotr, Lisa). Er reflektiert sehr viel und wird von seltsamen Anwandlungen getrieben: seine 3 Wahnsinnstaten vor 4 Jahren (Nase, Kuss, Ohr) oder seine eigene Aussage, dass es ihm Nervenkitzel verursacht, sich demütigen zu lassen und nicht zu reagieren.


    So - das wars erstmal für heute. Ich hoffe auf eine lebhafte Diskussion :smile:


    Gruß
    Klaus :winken:

    Hallo Tom,


    vielen Dank für Deine Zusammenfassung. Ich halte fest, dass Thomas Manns Beschäftigung mit Dostojewski in zeitlichem und inhaltlichem Zusammenhang mit seiner Arbeit am "Doktor Faustus" steht. Ich fühlte mich auf der ersten Seite der "Dämonen/Bösen Geister" gleich an den Tonfall des Serenus Zeitblom erinnert ...


    Gruß
    Klaus :winken:

    Hallo Montaigne,


    als Klassik-Interessent war mir der Name Wolfgang Rihm auch nicht gänzlich unbekannt (auch wenn ich seine Musik nicht wirklich kenne). So kam es, dass ich heute auf dieses amüsante <a href="http://www.zeit.de/kultur/2012-03/wolfgang-rihm-interview-60"> ZEIT-Interview</a> aufmerksam wurde.


    Gruß
    Klaus

    Sehr schön Tom, das interessiert mich auch. Kannst Du nicht hinten anfangen zu lesen? [Dostojewski, mit Maßen] :breitgrins:


    Gruß
    Klaus :winken:

    Hallo,


    ich finde es gut, dass das Thema "Nabokov" von riff-raff in die Diskussion eingeführt wurde. Wenn man sich mit Literatur-Klassikern beschäftigt, stößt man irgendwann auf seinen Namen und seine Verdikte und Normen. Ich habe zwar seine "Kunst des Lesens" nicht gelesen, aber ein paar Kernaussagen kenne ich schon und weiß, auf welchen Autoren seine Gunst liegt und auf welchen nicht. Einen Einfluß auf mich hatte dies allemal und nicht zuletzt kam auch daher mein Zögern mich mit Dostojewski zu beschäftigen. Ich habe es in keiner Weise bereut!


    Ich denke Nabokov übersieht einfach, dass es verschiedene Stile gibt, fast möchte ich sagen: verschiedene Genres, so wie es in der bildenden Kunst die Malerei, die Zeichnung oder die Grafik gibt. Seit ich in Anitas Materialensammlung auf <a href="http://www.flickr.com/photos/sllab/sets/72157624020751657/with/4643395279/">diese Lithographien</a> gestoßen bin, drängt sich mir bei Dostojeswkis Personen-Darstellung immer der Vergleich mit Holzschnitten auf. D. zeichnet sehr knapp, grob, mit wenigen Strichen, aber dafür sehr treffend und erinnerlich.


    Wenn man D. z.B. mit Tolstoi vergleicht, sollte man einfach berücksichtigen, dass es andere Herangehensweisen gibt, die alle ihre Berechtigung haben. Z.B. arbeitet Tolstoi viel mehr mit innerem Monolog, wir wissen immer was die Personen denken und zwar von ihnen selbst. Dann kann es weniger zu dem kommen, was Finsbury schildert:



    Mir fällt auf, wie unterschiedlich wir hier in der Leserunde die Figuren des Autors wahrnehmen und welche große Bandbreite von Vermutungen zum Ausdruck kommen, auch das für mich ein Beweis für Dostojevskijs
    Qualität, dem Leser Leerstellen zu liefern, wenn er sie im Nachhinein auch meist füllt und oft sehr überraschend.


    Ich glaube die Unterschiede rühren daher, dass wir bei D. die Personen fast "nur" aus der Außenperspektive und aus ihren Dialogen kennen und dadurch viel Spielraum für Interpretationen (oder Mißinterpretationen) von Andeutungen bleibt. Aber wenn man sich erstmal darauf einläßt ist es sehr reizvoll.



    Seinen verquasten Nationalismus und mystizierenden Qualglauben abziehend


    Das hatte ich auch noch von früher in Erinnerung. Aber bisher fand ich es nur während ca. 10 Seiten des Gesprächs zwischen Stawrogin und Schatow (Kapitel "Nacht") nervend. Vielleicht muß man hier auch einfach die Zeit- und Situationsgebundenheit des Romans berücksichtigen. Wirklich stören würde mich sowas erst, wenn der Autor auf diese Weise seine eigene Weltanschauung zum besten geben würde, aber nicht wenn er einfach nur darstellt, wie zu seiner Zeit (auch) gedacht wurde.


    Ich bin jetzt im 2.Teil,V,2 und bin noch immer mit Freude dabei.


    Gruß
    Klaus

    <a href="http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,819634,00.html">Spiegel Online berichtet</a> von einem hessischen Ministerialbeamten, der 24.000 wertvolle Bücher aus über 50 deutschen und ausländischen Bibliotheken gestohlen haben soll.


    Das ist doch wohl keiner von uns? :breitgrins:


    Gruß
    Klaus

    Ich bin nun mit dem Ersten Teil durch und bin von dem abschließenden 5. Kapitel ganz hingerissen. Es erinnert mich an den Finalakt eines Theaterstücks oder einer Mozartoper, wo dann auch (fast) das ganze Personal konzentriert auftritt und ein Ereignis das andere jagt. Besonders eindrucksvoll fand ich den vermeintlichen Auftritt von Nikolaj Stawrogin, der sich dann (vorerst) als der von Stepans Sohn Pjotr erwies: zuerst hört man nur wieder irgendwelche Geräusche von Personen in Diele und Nebenzimmer. Dann nimmt Dostojewskij das Tempo raus und beschreibt den Ankommenden, bevor er ihn endlich zu erkennen gibt. Oder vorher der Auftritt des schwitzenden Lebjadkin. Zum Schluß jagt ein Höhepunkt den anderen ...


    Es gibt in diesem Kapitel sehr viel Erwähnenswertes: wie Warwara erstmal den Auftritt Lebjadkin ausbremst und ihn herumkommandiert wie ein Regisseur ("[...] und nehmen Sie dort Platz, auf jenem Stuhl") und dann doch nicht verhindern kann, dass er sein "Kakerlaken-Poem" vorträgt (da bringt sie nur noch ein verblüfftes "Wa-s-as?" zustande).


    Ich finde das macht den Eindruck als wäre man als Theaterzuschauer dabei, aber direkt auf der Bühne! Und ich möchte mal die Vermutung in den Raum stellen riff-raff (schön dass Du auch wieder mit von der Partie bist :winken:), dass dieser Eindruck durch den Ich-Erzähler entsteht. Vielleicht wäre diese Nähe durch einen auktorialen Erzähler nicht zu erzielen gewesen. "G-w" gibt eigentlich nur ganz selten die Innenperspektive der handelnden Personen wieder (ich hab es nur einmal wahrgenommen) und dies wäre ja auch eine Überschreitung seiner Kompetenz sozusagen. Aber "G-w" vermittelt uns, dass wir ganz nah bei den Personen - auf der Bühne - sind, so wie er selbst es ist.



    Freue mich schon aufs Weiterlesen ...


    Ich auch! :winken:

    Ich bin jetzt beim 5. Kapitel angekommen und ich merke schon, Anita, dass ich mich ein bißchen bremsen muß - was mir, ich muß es zugeben, schwer fällt.


    Ich bin beeindruckt von Dostojewskis sehr anschaulicher Figurenzeichnung. Nur ein paar Beispiele: Schatow, der immer wegrennt, wenn eine Situation ihn verlegen macht, der immer seinen Blick zum Boden richtet und von anderen als grundehrlich bezeichnet wird. Liputin ist ein Dummschwätzer und Intrigant, unterwürfig und hinterhältig. Kirillow, der Nihilist, der Liputins Geschwätz nicht ausstehen kann und selber in einem seltsamen Stakkato seine Gedanken ausbreitet.


    Dostojewski findet auch in den Dialogen für jede Figur einen eigenen Ton. Sehr schön fand ich z.B. die Szene mit Liputin, Kirillow und Stepan in den Kapiteln III,4-6. Seltsam auch wie es hier eigentlich nur um die Frage ging: ist Nikolaj nun verrückt oder nicht? Aber implizit und andeutungsweise kommt dann viel mehr zum Vorschein.


    Der Ich-Erzähler ist doch mehr in die Handlung involviert, als es für mich am Anfang schien. Aber es stimmt, dass er teilweise mehr schildert, als er wissen kann, z.B. die Szene vor der Kirche, mit der das 4. Kapitel endet und wo er nicht dabei war. So ganz nebenbei wird angedeutet, dass ihm die Szene wohl von Lisa erzählt wurde.


    Gruß
    Klaus