Beiträge von klaus

    Leider liegt meine Lektüre des Radetzkymarschs erst 1 Jahr zurück, sonst würde ich an der Leserunde teilnehmen. Ich werde sie aber verfolgen und mich vielleicht auch mal einmischen.


    Viel Spaß bei der Lektüre
    Klaus

    Mir geht es ähnlich wie thopas. Ich habe eine Klassiker-Blockade, trotzdem lese ich sehr viel, aber kaum Belletristik und gar keine Klassiker. Je älter ich werde, desto mehr stelle ich fest, daß ich in meinen Interessen sprunghaft bin oder mich schnell übersättige. Das ist eben so und ich finde es nicht schlimm. Es tut mir nur leid, dass ich meinen Leserunden-Verpflichtungen dann nicht nachkomme.


    Gruß
    Klaus

    Hallo Montaigne,


    im Moment befinden sich sehr viele Sachbücher (Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften) auf meiner Leseliste und die Klassiker sind etwas ins Hintertreffen geraten.


    Aber: bis zu Deinem November-Termin ist es ja noch lang hin und die Jenny Treibel ist relativ kurz. Also: vielleicht klappt es bei mir zum 24.11.


    Gruß
    Klaus


    Hallo,


    ich habe Greenblatts Buch gerade gelesen und kann es ohne Einschränkung empfehlen. Das Niveau und die Erzählweise erinnerte mich ein wenig an Philipp Blom: anspruchsvolle kulturhistorische Inhalte spannend erzählt. Ich habe sehr viel gelernt über die Buchkultur der Antike, des Mittelalters und der beginnenden Renaissance im Vergleich, über die Lehre Epikurs und ihre Darstellung bei Lukrez und ihren Kontrast zum mittelalterlichen christlichen Weltbild, über die Zeit um 1400 (z.B. wird das Konstanzer Konzil sehr anschaulich geschildert), über die Wirkung des Lukrez nach seiner Wiederentdeckung und nicht zuletzt über Leben und Werk des Humanisten Poggio Bracciolini, der "De rerum natura" in einem deutschen Kloster 1417 aufstöberte.


    Was Greenblatt nicht tut und selber auch nicht will, ist eine Erklärung des Phänomens der Renaissance zu geben. Natürlich kann man die Renaissance nicht monokausal aus der Wiederentdeckung eines antiken Werkes herleiten. Was Greenblatt will, ist ein exemplarisches Schlüsselereignis der beginnenden Renaissance ausführlich zu schildern und dabei "en passant" den Epochenwechsel dem Leser begreiflich zu machen. Er vergleicht selbst die Wiederentdeckung des Lukrezschen Werkes mit dem Sturm auf die Bastille oder der Plünderung Roms durch Alarich oder dem ersten Hissen der spanischen Flagge auf amerikanischem Boden. Auch dies sind Schlüsselereignisse, die aber für sich genommen weder die französische Revolution erklären, noch den Untergang Roms oder die Eroberung Amerikas.


    Ich habe die Rezensionen der Presse überflogen. Jens Jessen (den ich seit seinem berüchtigten Videokommentar zur Ausländerkriminalität eh nicht mehr ernst nehme) stört wohl in der ZEIT Greenblatts Enthusiasmus für eine Philosophie, die in Konsequenz zum Atheismus führe, aber keineswegs zu "enthemmtem Genuß", wie Jessen behauptet. Andrew James Johnston, der Rezensent der t.a.z., ist Professor für Englische Philologie mit Schwerpunkt Literatur des Mittelalters und der Renaissance an der FU Berlin, aber wie er darauf kommt, Greenblatts Absicht mit dem Buch sei es, "die Amerikaner von ihrer religiösen Rechten zu befreien, indem er einen historischen Mythos wiederbelebt, der spätestens seit dem 19. Jahrhundert dazu diente, die Überlegenheit des Westens über den Rest der Welt zu legitimieren" ist mir schleierhaft. Er bezieht sich bei seiner Argumentation auf die allerletzten Seiten des Buches, wo erwähnt wird, dass Thomas Jefferson begeisterter Leser Lukrez' war und dadurch seine Gedanken Spuren in der amerikanischen Verfassung hinterließen. Die Rezension in der Süddeutschen Zeitung stört sich daran, dass das Klischee des "dunklen Mittelalters" und der "hellen Renaissance" bedient wird. Das kann ich so auch nicht sehen. Natürlich gab es auch ein "helles Mittelalter", man lese nur Greenblatts Schilderung, wie Poggio in ein Schweizer Badehaus kam und irritiert war angesichts der Freizügigkeit, die dort herrschte und die er von Italien nicht kannte. Es gab auch im Mittelalter ein Streben nach Lust und Genuß (und dabei auch die Übertreibung), aber dies entsprach nicht der den Zeitgeist dominierenden Kirche und wurde von ihr nicht gewünscht oder gar gerechtfertigt. Und in der angeblich "hellen" Renaissance wurde Giordano Bruno wegen seines Lukrezschen Gedankengebäudes öffentlich verbrannt, Greenblatt schreibt ausführlich darüber. Klischees kann ich hier nicht erkennen.


    Was ich glaube (aber nicht beweisen kann): die Kritik mancher Rezensenten beruht auf dem bei manchen deutschen Intellektuellen immer noch existierenden Vorurteil, dass man über schwierige Themen nicht verständlich und zu einem breiten Publikum schreiben kann und darf. Bei den Rezensionen zu Philipp Blom herrschte auch so ein Unterton.


    Gruß
    Klaus

    Hallo Finsbury,


    ich nehme doch nicht an der Leserunde teil. Meine Lese-Interessen sind im Moment völlig andere. Es tut mir leid. Es ist jetzt schon das 2. Mal dass ich einen Rückzieher mache, aber ich bin auch lernfähig und werde mich in Zukunft nur noch kurzfristig zu Leserunden anmelden. Ein halbes Jahr im Voraus kann ich meine Interessen einfach nicht abschätzen.


    Ich wünsche Euch dennoch viel Spaß im nebligen London und eine interessante Runde.


    Gruß
    Klaus :winken:

    Ich habe mich in der Buchhandlung dann heute doch anders entschieden, gegen die Aufklärung als historische Epoche (bzw. "europäisches Projekt") und für die Aufklärung unseres eigenen oft fehlerhaften Denkens:


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    Bin schon mit dem Lesen angefangen. Vielleicht später ein Bericht.


    Gruß
    Klaus

    Ich bin noch ziemlich am Anfang. Also kann ich noch nicht allzuviel dazu sagen. Es liest sich locker, leicht. Aber die richtige Begeisterung ist noch nicht aufgekommen. Aber das kann ja noch kommen.


    Danke für die Anregung, werde mir das Buch vielleicht noch heute besorgen.


    Ich kann zum Thema Aufklärung noch folgendes Werk (und überhaupt den Autor) empfehlen:


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    Allerdings kommt hier Rousseau sehr schlecht weg und evtl. muß ich das hier geprägte Bild von ihm noch revidieren (oder auch nicht).


    Gruß
    Klaus

    Hallo,


    ich bin auch durch mit dem Roman (?), der Novelle (?), oder was immer es auch ist. Ich will hier nicht wieder eine "Schubladen"-Diskussion entfachen, stelle aber fest, dass Fontane in der Erstausgabe keine Bezeichnung wählte.


    Man sollte nach dem letzten Satz zum ersten Satz zurückkehren ("In der Invalidenstraße sah es aus wie gewöhnlich"), dann wird einem das Entlarvende dieses Werkes erst richtig bewußt. Die gesellschaftlichen Mißstände und Widersprüche, die wir erfahren haben, sind ganz "gewöhnlich" und normal für die Zeit. Im Gegensatz zu "Irrungen, Wirrungen" fand ich das Ende nicht versöhnlich. Ähnliches ist ja auch in den beiden Ehebruch-Romanen festzustellen, L'Adultera und Effi Briest. Der spätere Roman endet auch hier härter und unversöhnlicher.


    Fontane ist für mich einer der großen Realisten und ich bedaure nicht, dass er Arno Schmidt nicht kannte. :breitgrins:


    Gruß
    Klaus

    Hallo Montaigne,


    da erwartest Du zu viel von mir oder vielleicht habe ich auch den Mund etwas zu voll genommen, aber eine eigene "Klassiker"-Definition werde ich hier nicht vornehmen (können).


    Ich stelle nur fest, dass meine "intuitive" Vorstellung von einem "Klassiker" der "Gemeinfreiheits"-Definition widerspricht. Als Beispiele für diesen Widerspruch nannte ich die Autoren Kafka und Hesse. Ich könnte auch Fontane und Thomas Mann nennen: die Entstehungszeiten von "Stechlin" und "Buddenbrooks" überschnitten sich, der eine ein Klassiker, der andere nicht? Nur weil der eine ein sehr alter und der andere ein sehr junger Mann war? Leuchtet mir einfach nicht ein.


    Gruß
    Klaus


    Melanie lebt in einer Ehe und ist ihrem Ehemann zehn Jahre lang treu und auch von ihrem späteren Geliebten wird sie nicht bezahlt. Da käme mir der Begriff Prostituierte niemals in den Sinn.


    Hallo Montaigne,


    mir kommt der Begriff "Prostituierte" weder bei Pauline noch bei Melanie in den Sinn. Und auch Pauline wird ihrem "Ollen" treu sein, oder?


    Fest steht, dass beide ihre Beziehungen wegen der materiellen Sicherheit eingingen, nur dass man diese Beziehung bei Melanie "Ehe" nennt.


    Gruß
    Klaus

    Hallo Klaus,


    zumindest mit Blick auf Pauline, müsste man den Begriff Prostituierte mal definieren.


    Gruß
    montaigne


    Hallo Montaigne,


    ich nehme an, dass es hier über den Begriff der Prostituierten wenig Dissens gibt. In Bezug auf Pauline habe ich ihn auch nicht gebraucht, würdest Du es tun?


    Natürlich kann man Begriffe immer sehr weit fassen und dann auch Frauen, die Beziehungen hauptsächlich wegen materieller Vorteile eingehen, als Prostituierte bezeichnen. Aber dies würde ich nie tun. Könnte man dann nicht auch eine Melanie Van der Straaten zu dieser Kategorie zählen?


    Gruß
    Klaus

    Hallo,


    ich bin jetzt mit den ersten 6 Kapiteln durch.


    Der Begriff "Fontanopolis" stammt von der Herausgeberin meiner Ausgabe, Christine Hehle:

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    und spiegelt wider, wie wichtig der Berliner Hintergrund für diese und andere Fontanesche Romane ist. Es wird ja auch hier im Forum immer wieder betont.


    Mir gefiel das 1. Kapitel auch sehr und wie Vita Activa hatte ich den Eindruck einer filmischen Darstellungsweise. Der Blick aufs Haus, der Blick aus dem Fenster auf die Straße runter und zurück hoch zur Pittelkow, die von der Arbeit läßt, als sie den Briefträger sieht, die lästernde alte Lierschen, Olga und ihr Geschwisterchen (hab ich es überlesen, oder wird gar nicht genannt, ob es Junge oder Mädchen ist?): all dies macht einen sehr lebendigen, plastischen Eindruck auf mich, wie in einem Film.


    Die gesellige Runde der drei Frauen und drei Männer erinnert mich ein wenig an das Sextett, dem Lene und Botho bei Hankels Ablage in "Irrungen, Wirrungen" begegnete. Hier wie dort die Damen von kleinbürgerlicher, die Herren von adeliger Herkunft, hier wie dort mit Pseudonymen versehen (dort aus Schillers Jungfrau, hier aus Mozarts Zauberflöte). Dennoch sind Unterschiede vorhanden. Dort waren es Prostituierte (wie man zumindest mit Hilfe der Anmerkungen vermuten konnte), hier sind es Damen aus dem Kleinbürgertum, die sich von dem Verhältnis mit solchen Herren materielle Vorteile versprechen, aber nicht mit dem Herzen dabei sind. Das gilt zumindest für Pauline: sie reagiert widerwillig auf den Brief des "Ollen", ist immer verstimmt wenn von seiner Seite Witzeleien kommen, die sie nicht versteht. Andererseits ist wohl ein großer Teil der Wohnungseinrichtung von ihm. Dass es sich bei den beiden um ein intimes Verhältnis handeln muß (Fontane ist hier ja immer sehr zurückhaltend), geht für mich aus der Szene hervor, wie sie ihm auf seiner Halbglatze den Takt schlägt (Ende 5. Kapitel).


    Stine und der junge Graf sind wie Lene und Botho und gehören irgendwie nicht mit dazu: es gibt ja wieder ein sehr schönes Kapitelende (5. Kapitel):


    Nur der junge Graf und Stine schwiegen und wechselten Blicke.


    Wie Katrin war mir auch die kleine Olga aufgefallen. Sie erinnert mich etwas an die Tochter Melanie Van Straatens. So wie diese schon die Zukunft vorausahnte, bündelt Fontane auch hier den Unmut gegen die Verhältnisse der Erwachsenen in einem Kind. Es wird ihr viel an Arbeit aufgetragen, damit das gesellige Beisammensein der Erwachsenen gelingt und warum soll man dann nicht mal über die fehlenden Rosinen in einem Kuchen mäkeln dürfen?


    Gruß
    Klaus

    Hallo Montaigne,


    Da hast du mich falsch verstanden. Ich bin ein großer Hesse-Fan.


    das "auch" hatte ich nicht auf Dich bezogen, sondern z.B. auf MRR und die, die ihm angeblich nachplappern.



    Das ist kein künstliches Kriterium und eigentlich geht es nicht darum wie lange der Autor tot ist, sondern darum, dass sein Werk gemeinfrei ist und das wird nun mal gemeinfrei wenn der Autor 70 Jahre tot ist. Die Geburt des Autors oder wann er das Werk geschrieben hat, spielt dabei keine Rolle. Die hier gebräuchliche Klassikerdefinition ist also: „Das Werk eines Autors ist gemeinfrei (d.h. er ist 70 Jahre tot) und es wird immer noch gedruckt.“


    Eine Definition für "Klassiker", die nur dem Urheberrecht folgt, bleibt für mich künstlich. Ich würde sowieso lieber die Werke und nicht die Autoren als Klassiker bezeichnen (wie Du ja selber sagtest: "ich beurteile einen Autor nach seinen guten Werken nicht nach seinen schlechten") und warum soll ein Werk, das vor 100 Jahren geschrieben wurde bei dem einen Autor als "Klassiker" bezeichnet werden, der 12 Jahre später starb, und bei dem anderen nicht, der noch 50 Jahre lebte? Also: es geht mir nicht um eine offizielle, rechtliche Definition des Wortes "Klassiker", sondern um das, was man intuitiv mit dem Wort verbindet.


    Aber ich glaube, die Diskussion ist hier wirklich "offtopic" und ich werde mal schauen, ob ich meine Argumente an anderer Stelle hier im Forum noch einbringe.


    Gruß
    Klaus


    Wieso also einen neuen Thread bei den Klassikern?


    Hallo Montaigne,


    ich bin auch überhaupt kein Hesse-Fan, aber mich stört dieses künstliche Klassiker-Kriterium "70 Jahre Tod des Autors". Dann wäre Kafka ein Klassiker (1883-1924) und Hesse nicht (1877-1962), weil er das "Pech" hatte länger zu leben (obwohl sogar früher geboren). Beide haben aber zur gleichen Zeit (vor und nach 1920) wichtige Werke geschrieben.


    Bestimmt gab's hierüber schonmal eine Diskussion, ich war jetzt aber zu faul zu suchen. :breitgrins:


    Gruß
    Klaus :winken:

    Hallo Montaigne,


    der Nürnberger steht bei mir auch schon seit längerer Zeit auf der Einkaufsliste. Beim Lesen von Fontane stelle ich immer wieder fest, dass viele zeitgebundene und historische Details auftauchen. Diese Details einmal nicht in einzelnen Anmerkungen und Kommentaren, sondern im Zusammenhang zu erfahren, ist bestimmt interessant.


    Frage: wäre solch ein Werk der Sekundärliteratur nicht auch mal Stoff für eine Leserunde? Vielleicht etwas zwangloser und zeitlich nicht so festgelegt, da ich so etwas gerne nebenher lese. Aber dann hätte man doch eine Stelle, wo man sich darüber austauschen könnte. Wie wärs?


    Gruß
    Klaus

    Hallo Montaigne,



    Frage: Ist es für den Leser wichtig in welche Schublade ein Werk gesteckt wird?


    bestimmt nicht. Ich möchte mich auch nicht als Schubladendenker bezeichnen. Mich wunderte nur anfangs, dass entgegen der ursprünglichen Bezeichnung von Fontane, bei der er sich ja etwas gedacht haben muß, immer durchweg von "Roman" die Rede war. Aber das hat sich ja durch die 2. Buchausgabe, die noch zu seinen Lebzeiten und damit vermutlich mit seiner Zustimmung publiziert wurde, geklärt.


    Gruß
    Klaus